Runde durch die Innenstadt: Wie barrierefrei ist Münster? | Bergstraße: 40 Wochen gesperrt | Mathilde-Anneke-Gesamtschule: Später fertig und teurer

Müns­ter, 3. Juni 2022

Guten Tag,

wann haben Sie eigent­lich das letz­te Mal vor Wut geschrien? So rich­tig laut und aus vol­lem Hals?

Vor­ges­tern hat­te eine Grup­pe von Aktivist:innen sich auf dem Prin­zi­palmarkt vor dem his­to­ri­schen Rat­haus ver­sam­melt, um eine Minu­te lang gemein­sam zu schrei­en. In der Hand hiel­ten sie dabei wei­ße Laken, die mit roter Far­be beschmiert waren.

Das Gan­ze mag irri­tie­rend gewirkt haben, und das soll­te es auch. Das müns­ter­sche Bünd­nis für sexu­el­le Selbst­be­stim­mung woll­te mit der Akti­on auf einen Ent­wurf des Obers­ten Gerichts­hofs der USA auf­merk­sam machen, der vor­aus­sicht­lich eine Grund­satz­ent­schei­dung für das Recht auf Schwan­ger­schafts­ab­brü­che (das soge­nann­te Roe v. Wade-Urteil) rück­gän­gig machen wird.

Wenn der Obers­te Gerichts­hof so ent­schei­det, wie es in dem im Mai bekannt gewor­de­nen Urteils­ent­wurf steht, könn­ten Frau­en in 26 und damit mehr als der Hälf­te aller US-Bun­des­staa­ten nicht mehr auf lega­lem Wege eine Schwan­ger­schaft abbre­chen. Für vie­le Frau­en wür­de das zu einem gesund­heit­li­chen Risi­ko oder sogar lebens­ge­fähr­lich, denn Abbrü­che in einem unsi­che­ren, nicht ste­ri­len Umfeld kön­nen Gefah­ren nach sich zie­hen, etwa star­ke Blu­tun­gen, Infek­tio­nen oder inne­re Ver­let­zun­gen. Der bri­ti­sche Guar­di­an pro­gnos­ti­ziert, ein sol­ches Urteil wer­de Abbruchgegner:innen auf der gan­zen Welt dazu moti­vie­ren, ähn­li­che Geset­zes­ver­schär­fun­gen auf den Weg zu bringen.Für das Bünd­nis für sexu­el­le Selbst­be­stim­mung ist all das Anlass genug, laut und wütend auf­zu­schrei­en. Und übri­gens gibt es auch in Müns­ter noch Ver­bes­se­rungs­be­darf, wenn es um siche­re Schwan­ger­schafts­ab­brü­che geht.

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Ein Schrei der Soli­da­ri­tät: Recht auf Schwangerschaftsabbruch
  • Berg­stra­ße: 40 Wochen gesperrt
  • Mat­hil­de-Anne­ke-Gesamt­schu­le: Spä­ter fer­tig und teurer
  • Tour durch die Innen­stadt: Wie bar­rie­re­frei ist Münster?
  • Post von Leser:innen: Zwei Brie­fe zur Baumschutzsatzung
  • Coro­na-Update: Drei neue Todesfälle
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Dil­le & Kamille
  • Ein-Satz-Zen­tra­le: Ers­ter Kegel­bru­der auf frei­em Fuß
  • Drin­nen und Drau­ßen: Tipps zu Pfingsten

Kurz und Klein

+++ Im Novem­ber gab es in Müns­ter eine lan­ge Debat­te und gro­ße Sor­gen, weil das Rat­haus­bünd­nis die Durch­fahrt am Bült für eini­ge Wochen sper­ren möch­te. Seit die­ser Woche ist klar: Die­se Sor­gen hät­te man sich gar nicht machen müs­sen, denn die Durch­fahrt ein Stück­chen davor an der Berg­stra­ße wird im nächs­ten Jahr 40 Wochen lang gesperrt sein, weil der Kanal saniert wird. Ja, genau, rich­tig gele­sen, 40 Wochen, also zehn Mona­te lang. Die Sint­flut dau­er­te nur 40 Tage und 40 Näch­te – 40 Wochen, das sind in etwa 280 Tage (Kor­rek­tur­hin­weis: Hier stand zunächst 1.200 – aus Ver­se­hen mal 30 gerech­net. Autsch), an denen Men­schen die Alt­stadt mit dem Auto umfah­ren müs­sen. Danach wird man ver­mut­lich wis­sen, ob es mög­lich ist, ohne die Durch­fahrt aus­zu­kom­men. Im Janu­ar oder Febru­ar sol­len die Arbei­ten begin­nen. Die Stadt erklärt das hier alles ganz aus­führ­lich, in einer Prä­sen­ta­ti­on unter ande­rem mit Fotos aus den Kanal­roh­ren. Die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer sieht noch Gesprächs­be­darf, zum Bei­spiel, weil dann Park­plät­ze zur Anlie­fe­rung feh­len. Wir wer­den uns das noch genau­er anse­hen. (rhe)

+++ Auf der Bau­stel­le der Mat­hil­de-Anne­ke-Gesamt­schu­le geht es wei­ter­hin nicht so gut vor­an wie geplant. Statt im Herbst sol­len die ers­ten Gebäu­de nun erst Anfang 2023 fer­tig wer­den. Und das Pro­jekt wird teu­rer, die Kos­ten stei­gen um 8,6 Mil­lio­nen auf ins­ge­samt 78 Mil­lio­nen Euro. Die Stadt infor­miert dar­über in einer Pres­se­mit­tei­lung und gibt als Grün­de unter ande­rem „schwie­ri­ge Abstim­mun­gen auf der Bau­stel­le“ an, „die durch Lie­fer­schwie­rig­kei­ten, etwa bei Dämm­stof­fen, sowie Per­so­nal­eng­päs­sen bei den Fir­men auf der Bau­stel­le noch erschwert wer­den“. Viel­leicht den­ken Sie jetzt: Na, immer­hin infor­miert die Stadt direkt trans­pa­rent über die Pro­ble­me. Dazu noch eine Ergän­zung: Die Pres­se­mit­tei­lung ist von heu­te Mor­gen. Und heu­te Mor­gen erschien ein Arti­kel in den West­fä­li­schen Nach­rich­ten über die geschil­der­ten Pro­ble­me, in dem auch steht, die Stadt­ver­wal­tung habe tage­lang Nach­fra­gen der Zei­tung nicht beant­wor­tet. (cbu)

+++ Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe, Sport­amts­lei­te­rin Kers­tin Dewaldt und Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer Frank Gäf­gen haben den Grund­stein für das neue Süd­bad gelegt (hier ist das Beweis­fo­to). Der Bau des neu­en Hal­len­bads wird ins­ge­samt 13,5 Mil­lio­nen Euro kos­ten, so schrei­ben die Stadt­wer­ke es in der Pres­se­mit­tei­lung zu dem freu­di­gen Ereig­nis. Wird es dabei denn blei­ben – gera­de wer­den ja alle Bau­pro­jek­te deut­lich teu­rer? Ja, schreibt Stadt­wer­ke-Spre­che­rin Lisa Schme­es auf RUMS-Anfra­ge. Durch „Opti­mie­run­gen am Gebäu­de“ sei es mög­lich, Kos­ten zu spa­ren: So bekom­me das Gebäu­de bei­spiels­wei­se eine Klin­ker­fas­sa­de statt einer kost­spie­li­ge­ren Sichtbetonfassade.

Und noch eine Zahl irri­tiert in der Pres­se­mit­tei­lung der Stadt­wer­ke: „Das Bad wird im ener­gie­ef­fi­zi­en­ten KfW-55-Stan­dard errich­tet.“ War­um gilt für das Bad nicht der noch effi­zi­en­te­re KfW-40-Stan­dard, den zum Bei­spiel neue Wohn­ge­bäu­de erfül­len müs­sen (RUMS-Brief vom 13. Mai)? Das lie­ge dar­an, dass Hal­len­bä­der als Son­der­bau­ten „nicht den hohen Effi­zi­enz­stan­dards von Wohn- oder Büro­ge­bäu­den genü­gen“ müss­ten, schreibt Lisa Schme­es dazu. „Es ist viel­mehr so, dass wir uns sehr freu­en, dass das Süd­bad dank Wär­me­rück­ge­win­nung, effi­zi­en­ter Fern­wär­me­hei­zung und einer PV-Anla­ge auf dem Dach den KfW-55-Stan­dard errei­chen wird.“ Die Kin­der, die dort schwim­men ler­nen sol­len, freut das sicher auch. Das Kli­ma war für ein State­ment bis­her noch nicht zu errei­chen. (cbu)

+++ Die Stadt hat die Ergeb­nis­se der Stu­die über den Flug­ha­fen Münster/Osnabrück ver­öf­fent­licht. Das Ergeb­nis in einem Satz: Die Fach­leu­te emp­feh­len, den Flug­ha­fen neu auf­zu­stel­len, statt ihn zu schlie­ßen. Denn das wür­de laut Stu­die teu­er. Den Ergeb­nis­be­richt fin­den Sie hier. Am Diens­tag beschäf­ti­gen wir uns mit der Stu­die noch ein­mal etwas genau­er. Und ein Aus­blick auf Sonn­tag: In der Kolum­ne ist der Flug­ha­fen in die­ser Woche eben­falls The­ma. (rhe)

+++ Seit eini­ger Zeit ist der Ham­bur­ger Tun­nel leer. Die Stadt möch­te die wild abge­stell­ten Fahr­rä­der um den Haupt­bahn­hof her­um auf­räu­men und setzt sich dafür auch ein gro­ßes Ziel: 10.000 Stell­plät­ze sol­len dort inge­samt ent­ste­hen, um das Cha­os zu been­den. Einen Teil der Stell­plät­ze will die Stadt im alten Park­haus am Bre­mer Platz ansie­deln. Der Unter­schied ist aber nicht nur, dass die Rad­fah­ren­den ihre Fahr­rä­der jetzt woan­ders abstel­len sol­len, son­dern auch dafür zah­len müs­sen. Das Abstel­len im Ham­bur­ger Tun­nel war bis­her näm­lich gra­tis. Wie viel das aber kos­ten soll, konn­te uns die Stadt auf Anfra­ge noch nicht mit­tei­len, über die Tari­fe bera­te man sich noch. (sfo)

Kor­rek­tur­hin­weis: In einer frü­he­ren Ver­si­on des Briefs hieß es, die Stadt wol­le am Haupt­bahn­hof 10.000 neue Stell­plät­ze für Fahr­rä­der schaf­fen. Das ist falsch. 10.000 Stell­plät­ze sol­len es inge­samt wer­den. Das haben wir verbessert.

+++ Park­plät­ze in Fahr­rad­stell­plät­ze umwan­deln, war da nicht was? Im März 2021 hat die Stadt ein Umwid­mungs­pro­gramm gestar­tet: 1.000 neue Abstell­mög­lich­kei­ten sol­len auf 100 Park­plät­zen ent­ste­hen. Die Stadt rech­ne­te damit, das Pro­jekt auch im sel­ben Jahr abschlie­ßen zu kön­nen. Wir haben nach­ge­fragt, ob das geglückt ist. Die Ant­wort: Bis Mai hat die Stadt 20 Park­plät­ze in 150 Fahr­rad­stell­plät­ze umge­wan­delt. Also Mai 2022, nicht 2021. (sfo)

Wie es weiterging

Am Diens­tag ging es im RUMS-Brief um den Streit zwi­schen Müns­ter und dem Umland um eine drit­te Gesamt­schu­le in Rox­el. Danach spra­chen wir über das The­ma noch ein­mal mit Chris­toph Kat­tentidt, dem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Grü­nen. Er wies auf zwei Punk­te hin. Der eine ist: Immer wie­der gebe es neue Zah­len und neue Aspek­te. Zu hun­dert Pro­zent kön­ne aber nie­mand vor­aus­sa­gen, ob eine Schu­le im Bestand gefähr­det sei. Auch für wel­che Schu­len Eltern sich in Zukunft ent­schei­den wer­den, kön­ne man schwer pro­gnos­ti­zie­ren.
Der zwei­te Punkt: Seit Jah­ren müs­se man in Müns­ter Jahr für Jahr hun­der­ten Eltern absa­gen, die für ihre Kin­der gern einen Gesamt­schul­platz hät­ten. „Es liegt in unse­rer Ver­ant­wor­tung, dass sie einen Platz bekom­men“, sag­te er. So schnell und mit so gerin­gen Kos­ten wie in Rox­el sei das an kei­ner ande­ren Stel­le mög­lich. Daher kön­ne man von der Stadt nicht erwar­ten, dass sie hier Rück­sicht neh­me. Die Gesamt­schu­le in Havix­beck sei Müns­ter natür­lich nicht egal. Nur wenn die Kin­der mit dem Bus von Gie­ven­beck nach Havix­beck gebracht wer­den müss­ten, dann sei das auch für die Eltern und ihre Kin­der in Gie­ven­beck kein opti­ma­ler Zustand. Und da füh­le man sich als Par­tei aus Müns­ter vor allem den Eltern dort ver­pflich­tet. (rhe)

Der Rürup 

Wie barrierefrei ist Münster?

Diens­tag­nach­mit­tag, kurz vor 15 Uhr. Ich ste­he an der Pro­me­na­de und war­te auf Wulf Grei­ling. Mit ihm bin ich zu einer Run­de durch Müns­ter ver­ab­re­det. Grei­ling möch­te mir zei­gen, wie er die Innen­stadt erlebt. Er nimmt sie ganz anders wahr als ich, das mer­ke ich bei unse­rer Tour schnell.

Wenn ich mich auf den Weg in die Innen­stadt mache, zie­he ich mir die Schu­he an und gehe los. Unter­wegs ärge­re ich mich viel­leicht über E-Rol­ler, die den Geh­weg ver­stop­fen, aber ein rich­ti­ges Hin­der­nis sind sie für mich ehr­lich gesagt nicht. Für Wulf Grei­ling, grau­es Haar und rau­chi­ge Stim­me, ist das anders. Der 83-Jäh­ri­ge lebt mit Roll­stuhl. Was für mich kei­ne Hür­de dar­stellt, kann ihn ein­schrän­ken oder gar zur Gefahr wer­den. Acht­los abge­stell­te E-Rol­ler zum Bei­spiel oder auch hohe Bord­stein­kan­ten und Kopfsteinpflaster.

Mit den Hür­den im All­tag will sich Wulf Grei­ling nicht abfin­den. Seit über 40 Jah­ren, und damit fast sein hal­bes Leben lang, setzt er sich für ein bar­rie­re­frei­es Müns­ter ein. Das mache er als Spre­cher der AG 5, erzählt mir Grei­ling. Hin­ter die­ser Abkür­zung steckt eine Arbeits­grup­pe der Kom­mis­si­on zur För­de­rung der Inklu­si­on von Men­schen mit Behin­de­rung (KIB), die sich mit der Stadt­pla­nung und dem Ver­kehr in Müns­ter beschäftigt.

An wel­chen Stel­len es noch hapert, will mir Grei­ling auf unse­rer Run­de zei­gen. So viel sei schon ein­mal gesagt: Wir wer­den uns viel über Kopf­stein­pflas­ter und Bord­stein­kan­ten unter­hal­ten, aber auch über Fahr­rad­stell­plät­ze, den Bus­ver­kehr und Toi­let­ten. Denn die Bar­rie­ren sehen sehr unter­schied­lich aus und begeg­nen uns unter­wegs immer wie­der. Das ist auch kein Zufall. Den Weg, den Grei­ling und ich uns anse­hen, nutzt die Stadt als Refe­renz­rou­te. Aus den Lösungs­an­sät­zen für die Bar­rie­ren ent­lang die­ser Run­de soll ein Hand­lungs­kon­zept für eine bar­rie­re­freie Innen­stadt entstehen.

Die Rou­te beginnt am…

Ludgerikreisel

Mir leuch­tet sofort ein, war­um die Stadt den Kreis­ver­kehr in die Refe­renz­rou­te auf­ge­nom­men hat: Er steht für die Anbin­dung an die Innen­stadt mit dem Bus. Ich möch­te wis­sen, ob Grei­ling auch mit dem Bus zu unse­rem Treff­punkt hät­te anrei­sen kön­nen. Er ist näm­lich mit sei­nem elek­tri­schen Roll­stuhl über die Pro­me­na­de gefahren.

Theo­re­tisch ja, ant­wor­tet er, das Ein- und Aus­stei­gen sei an den meis­ten Bus­hal­te­stel­len in Müns­ter kein Pro­blem. Auch am Lud­ge­ri­k­rei­sel nicht. Er selbst fah­re aller­dings ungern Bus, sagt Grei­ling, weil er sich dabei (anders als vie­le ande­re Rollstuhlfahrer:innen) oft unsi­cher füh­le. Frü­her habe man einen Roll­stuhl noch mit Gur­ten im Bus fest­schnal­len müs­sen, erin­nert sich Grei­ling, aber die­se Zeit sei zum Glück vorbei.

Promenade

Vom Kreis­ver­kehr geht es zurück zur Pro­me­na­de. Dort ärgert sich Grei­ling über den unge­re­gel­ten Ver­kehr an der Que­rung. Er fin­det, an jeder Kreu­zung soll­ten Ampeln ste­hen, nur so wür­den Rad- und Auto­fah­ren­de Acht geben. Mit dem Roll­stuhl die Stra­ßen­sei­te zu wech­seln, sei an der Pro­me­na­de oft gefähr­lich, sagt Grei­ling. Mit einem Zebra­strei­fen allein sei es nicht getan, weil man­che Auto- und Radfahrer:innen eben doch nicht davor ste­hen bleiben.

Und Grei­ling sieht hier noch ein ande­res Pro­blem. Abends sei die Pro­me­na­de an eini­gen Stel­len zu dun­kel, dort wür­de er sich mehr Licht wün­schen. Sie müs­se natür­lich nicht tag­hell beleuch­tet wer­den – aber eben so, dass er ande­re Verkehrsteilnehmer:innen und mög­li­che Hin­der­nis­se bes­ser sehen kön­ne. Aller­dings sei die Stadt nur schwer davon zu über­zeu­gen, mehr Lam­pen an der Pro­me­na­de anzu­brin­gen, sagt Grei­ling. Die befürch­te, dass sonst der Cha­rak­ter der Allee ver­lo­ren gehe.

Marienplatz und Königsstraße

Es geht wei­ter zur Innen­stadt. Kurz vor der Lud­ge­ri­kir­che wech­seln wir die Stra­ßen­sei­te. Dort ist eine Furt in das Kopf­stein­pflas­ter ein­ge­las­sen: Die Stei­ne sind abge­schlif­fen und lie­gen enger anein­an­der, außer­dem ist der Bord­stein abge­senkt. Wulf Grei­ling kann so pro­blem­los über die Stra­ße fah­ren, weil der Roll­wi­der­stand gerin­ger ist als auf den Pflas­ter­stei­nen. Als er am Mari­en­platz ankommt, zeigt er auf ein Roll­stuhl­sym­bol im Boden, das die Furt mar­kiert. Obwohl ich schon etli­che Male über den Mari­en­platz gelau­fen bin, ist mir die­ses Sym­bol bis­her nie aufgefallen.

Wir über­que­ren den Platz und wech­seln wie­der die Stra­ßen­sei­te mit einer Furt. Wulf Grei­ling fährt auf dem lin­ken Geh­weg der Königs­stra­ße zu den Arka­den. Ich lau­fe hin­ter­her, auf dem Bür­ger­steig ist es doch recht eng. Wie sich nach weni­gen Metern her­aus­stellt, hat­te der Sei­ten­wech­sel einen Grund: Der Geh­weg auf der rech­ten Sei­te wird an vie­len Stel­len für die Außen­gas­tro­no­mie genutzt. „Da ist es noch enger“, sagt Grei­ling. Mit dem Roll­stuhl dar­an vor­bei­zu­kom­men, ist sehr schwie­rig oder gar nicht möglich.

Er ist die Refe­renz­rou­te schon mehr­mals für die KIB abge­fah­ren, ein­mal beglei­te­ten ihn Mit­ar­bei­ten­de des Ord­nungs­amts. Die hät­ten „jedes zwei­te Lokal“ ermahnt, ihre Schil­der her­ein­zu­ho­len oder die Tische zu ver­rü­cken, damit mehr Platz ist für die Rollstuhlfahrer:innen. Denn laut Ord­nungs­amt sol­len auf dem Geh­weg min­des­tens 1,80 Meter frei blei­ben, damit sich jede:r ohne Pro­ble­me dar­auf fort­be­we­gen kann. So viel Platz blie­be aber auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te fast nirgendwo. 

Geisbergweg und Domplatz

Vor den Arka­den kreu­zen sich die Königs­stra­ße und die Rothen­burg. Die Kreu­zung ist aus­ge­baut wie eine Furt, eigent­lich soll­te Grei­ling pro­blem­los in die Arka­den gelan­gen, um dort ein­kau­fen zu kön­nen. Aber die Furt ist um die Adler­skulp­tur her­um zuge­stellt mit Fahr­rä­dern. Man­ches Hin­ter­rad ver­deckt das Roll­stuhl­sym­bol im Boden, das den Weg ja eigent­lich frei­hal­ten soll.

Sol­che wild gepark­ten Fahr­rä­der machen Grei­ling wütend, nicht nur an die­ser Stel­le. Die Innen­stadt bräuch­te mehr Stell­plät­ze, fin­det er. Den Fahr­rä­dern am Adler will er aus­wei­chen, aber auf den Geh­we­gen ist es wie­der ein­mal zu eng. Er zeigt auf den hohen Bord­stein vor der Spar­kas­se. „Hier hät­te ich Angst, her­un­ter­zu­fal­len“, sagt Greiling.

Wir ändern des­halb die Rich­tung und set­zen den Spa­zier­gang auf der Refe­renz­rou­te fort. Grei­ling fährt über die Furt und die Ram­pe am Geis­berg­weg, ich neh­me die Trep­pe dane­ben. Gera­de sind dort nur weni­ge Men­schen unter­wegs, Grei­ling beschleu­nigt und fährt mir davon. Erst auf der Höhe des Café Fyal hole ich ihn wie­der ein. Bar­rie­re­frei­heits­test bestan­den, wür­de ich sagen.

Vor dem Dom ist gera­de nichts los, es ist ja auch Diens­tag. Ich fra­ge Grei­ling, ob er als Roll­stuhl­fah­rer in Ruhe den Markt besu­chen wür­de. Das kön­ne er, ant­wor­tet er, die Gän­ge sei­en breit und die meis­ten Leu­te näh­men Rück­sicht. Er müs­se sich aber auf das holp­ri­ge Kopf­stein­pflas­ter gefasst machen und das stö­re ihn zu sehr. Die KIB wür­de des­halb ger­ne Beton zwi­schen die Pflas­ter­stei­ne sprit­zen las­sen, um den Dom­platz zumin­dest bar­rie­re­arm zu gestal­ten. Das­sel­be for­dert die Kom­mis­si­on auch für den Prin­zi­palmarkt. Bis­her sto­ße der Vor­schlag bei der Stadt aber auf Widerstand.

Wir blei­ben auf dem Geh­weg. Vor dem Markt­ca­fé ärgert sich Grei­ling über zwei Belüf­tungs­roh­re, die mit­ten auf dem Bür­ger­steig aus dem Boden ragen und aus­se­hen wie Pil­ze mit Hut. Wenn viel los sei, kön­ne Grei­ling kaum aus­wei­chen, sagt er. Und zwi­schen der Bord­stein­kan­te und den bei­den Pilz­roh­ren blei­be nur sehr wenig Platz. Da bekom­me Grei­ling Angst, schlimms­ten­falls auf die Stra­ße zu fallen.

Am Dom­platz gibt es noch ein ande­res Pro­blem: Die öffent­li­che Toi­let­te ist nur über eine stei­le Trep­pe erreich­bar. Die Stadt habe dort eine behin­der­ten­ge­rech­te Toi­let­te auf­ge­stellt, auch am Lud­ge­ri­k­rei­sel gebe es eine, sagt Greiling. 

Preis­fra­ge: Wis­sen Sie aus dem Kopf, wo genau die­se Toi­let­ten zu fin­den sind? Wenn nicht, dann geht es Ihnen wie vie­len Men­schen mit Behin­de­run­gen. Die wüss­ten oft selbst nicht, wo sie in der Stadt zur Toi­let­te könn­ten, sagt Grei­ling. Die ein­fachs­te Lösung sei es, mehr Schil­der anzubringen.

Prinzipalmarkt

Wulf Grei­ling fährt an der Bezirks­re­gie­rung vor­bei zum Prin­zi­palmarkt. Dort sehen wir die­sel­ben Bar­rie­ren wie auf dem Dom­platz: unzäh­li­ge Pflas­ter­stei­ne, die Rollstuhlfahrer:innen beim Über­que­ren der Stra­ße durch­schüt­teln. Hier wünscht sich die KIB statt­des­sen eine Furt, aber die Stadt habe ihre Vor­be­hal­te, sagt Grei­ling. Ein gan­zes Stück rechts und links vom his­to­ri­schen Rat­haus gibt es am Prin­zi­palmarkt schon sol­che Fur­ten, bei der Lam­ber­ti­kir­che und an der Mün­dung in die Ludgeristraße.

Den Umweg über eine die­ser bei­den Fur­ten spart sich Grei­ling aller­dings und fährt direkt hin­über zum his­to­ri­schen Rat­haus, allem Geru­ckel zum Trotz. Vor dem Rats­kel­ler ist der Bord­stein abge­senkt, Grei­ling fährt wei­ter gera­de­aus. Zwi­schen dem Stadt­wein­haus und dem Rat­haus zeigt er mir einen Fahr­stuhl, mit dem Rollstuhlfahrer:innen ins Rat­haus­ge­bäu­de gelan­gen kön­nen. Den habe die KIB durch­ge­setzt. Aus­ge­schil­dert ist der behin­der­ten­ge­rech­te Zugang aber nicht. Es wür­den auch erst­mal kei­ne Schil­der kom­men, sagt Grei­ling, denn die Stadt wol­le den Lift erst dann aus­wei­sen, wenn er durch ein moder­ne­res Gerät ersetzt wor­den sei.

Und wie sieht es mit den Ein­gän­gen zu ande­ren Gebäu­den am Prin­zi­palmarkt aus? Kön­nen Men­schen mit Roll­stuhl mühe­los shop­pen oder essen gehen? Teils, teils, ant­wor­tet Grei­ling. Es gebe immer noch eini­ge Geschäf­te und Restau­rants, die er nicht besu­chen kön­ne, die sei­en aber eher die Aus­nah­me. Wer es genau wis­sen will, kann sich ein­mal die Innen­stadt auf der soge­nann­ten Wheel­map ansehen.

Wäh­rend wir uns zur nächs­ten Sta­ti­on auf der Refe­renz­rou­te bewe­gen, fährt ein Bus an uns vor­bei. Ich fra­ge Grei­ling, ob er sich weni­ger Ver­kehr im Zen­trum wünscht. Er fin­det, Bus­se soll­ten auf kei­nen Fall aus der Innen­stadt ver­schwin­den. Vie­le Men­schen mit Behin­de­run­gen, die außer­halb woh­nen, sei­en auf sie ange­wie­sen. Mit der Idee einer auto­frei­en Innen­stadt kön­ne er sich dage­gen anfreun­den, sagt Greiling. 

Viel wich­ti­ger sei ihm aber ein här­te­res Durch­grei­fen beim Geh­weg­par­ken. Dass vie­le Autofahrer:innen ihre Fahr­zeu­ge „rück­sichts­los“ auf dem Geh­weg abstell­ten, ärge­re ihn maß­los. Schon drei­mal wur­de er von der Poli­zei auf dem Nach­hau­se­weg ange­hal­ten, weil er not­ge­drun­gen auf der Stra­ße fah­ren muss­te. Er konn­te schließ­lich durch­set­zen, dass die Stadt eini­ge Pol­ler vor dem Alten­heim auf­stellt, in dem er lebt, und der Bür­ger­steig auf die­se Wei­se frei bleibt.

Ludgeristraße

Zum Schluss zeigt mir Wulf Grei­ling die Lud­ge­ristra­ße. In den 1980er-Jah­ren wur­de sie als ers­te Stra­ße in Müns­ters Innen­stadt bar­rie­re­frei umge­baut. Zumin­dest nach dama­li­gen Stan­dards. Heu­te wür­de man die Lud­ge­ristra­ße anders gestal­ten, sagt Grei­ling und zeigt auf die Bäu­me, die auf der Stra­ße ste­hen. Sie sei­en vor allem für blin­de Men­schen ein Pro­blem, weil sie uner­war­te­te Bar­rie­ren auf einem sonst frei­en Weg sei­en. Die Lud­ge­ristra­ße bräuch­te des­halb ein Blin­den­leit­sys­tem vor den Bäu­men. In Sachen Blin­den­leit­sys­te­me habe Müns­ter gene­rell an eini­gen Stel­len in der Innen­stadt noch Nach­hol­be­darf, sagt Grei­ling. Zum Bei­spiel über­all dort, wo Restau­rants und Cafés drau­ßen ihre Tische aufstellen.

Was Münster von Telgte lernen kann

Wir sind wie­der da, wo unse­re Run­de ange­fan­gen hat: an der Pro­me­na­de. Wie wür­de Wulf Grei­ling die Tour bewer­ten? Wel­che Schul­no­te wür­de er der Innen­stadt im Fach Bar­rie­re­frei­heit ertei­len? „Eine 3“, ant­wor­tet Grei­ling. „Wenn nicht sogar eine 3+.“ In den vier Jahr­zehn­ten, in denen er sich für ein bar­rie­re­frei­es Müns­ter enga­giert, habe die KIB schon vie­les erreicht. Die Stadt reagie­re auch mit offe­nen Ohren auf die Vor­schlä­ge. Aber es sei noch Luft nach oben.

Ich habe bei der Stadt nach­ge­fragt, wie die noch bestehen­den Bar­rie­ren in Müns­ters Innen­stadt abge­baut wer­den sol­len. Kon­kre­tes steht noch nicht fest. Für das Hand­lungs­kon­zept habe die Stadt ein Büro beauf­tragt, das anhand der Refe­renz­rou­te Lösun­gen aus­ar­bei­ten soll. Die Ver­wal­tung wer­de dann die Maß­nah­men prio­ri­sie­ren und klä­ren, ob und wel­che För­der­mit­tel Müns­ter bekom­men könn­te. Ende des Jah­res soll ein Ent­wurf für ein neu­es Ent­wick­lungs­kon­zept für die Innen­stadt fer­tig sein, über den dann die Poli­tik dis­ku­tie­ren und abstim­men wird.

Wer sich in der Zwi­schen­zeit ein­mal anse­hen möch­te, wie eine bar­rie­re­freie Innen­stadt aus­sieht, könn­te zum Bei­spiel einen Aus­flug zum Markt­platz in Telg­te machen. Von 2013 bis 2018 hat die Stadt ihre Innen­stadt bar­rie­re­frei umge­stal­tet. Die­se fünf Jah­re Pla­nung und Umbau kom­men Wulf Grei­ling vor wie eine Umge­stal­tung im Hau­ruck­ver­fah­ren. Über die eine oder ande­re Furt in Müns­ter habe er fast zwan­zig Jah­re mit der Ver­wal­tung diskutiert.

Wolf­gang Pie­per, der Bür­ger­meis­ter von Telg­te, sagt mir in einem Tele­fo­nat aber, dass der bar­rie­re­freie Umbau der Stadt 2013 gar nicht das pri­mä­re Ziel war. Die Stadt­wer­ke woll­ten damals Lei­tun­gen erneu­ern, und bei die­ser Gele­gen­heit habe Telg­te dann auch gleich die Bar­rie­ren in der Innen­stadt beseitigt.

Kompromisse zwischen Barrierefreiheit und Stadtflair

Für die Pla­nung habe sich die Stadt drei Jah­re Zeit gelas­sen, berich­tet Pie­per. In die­ser Pha­se habe die Stadt mit Anwoh­nen­den und Gewer­be­trei­ben­den Argu­men­te aus­ge­tauscht und Bür­ger­be­tei­li­gung ermög­licht. So habe Telg­te etwa Stadt­spa­zier­gän­ge orga­ni­siert, damit sich nicht­be­hin­der­te Men­schen in die Lage von Men­schen mit Behin­de­rung ein­füh­len könn­ten. Das Pro­jekt Bar­rie­re­frei­heit habe auch dadurch gro­ßen Anklang gefun­den, sagt Pieper.

Vor dem Umbau sei der Markt­platz vor allem wegen des Kopf­stein­pflas­ters und des Stadt­mo­bi­li­ars wie Tele­fon­zel­len, Later­nen und Bän­ken für kör­per­lich ein­ge­schränk­te Men­schen nicht zugäng­lich gewe­sen. Das Mobi­li­ar habe man zum Groß­teil „ent­rüm­pelt“, beim Pflas­ter habe Telg­te eine genau­so prag­ma­ti­sche Lösung gefun­den, sagt Pie­per. Die Pflas­ter­stei­ne habe man Schritt für Schritt aus­ge­baut und abge­schlif­fen. Dadurch ist der Markt­platz heu­te immer­hin bar­rie­re­arm. Und die alten Stei­ne wie­der­zu­ver­wen­den, sei die bes­se­re Lösung gewe­sen, sagt Pie­per. Bei neu­em Mate­ri­al stell­ten sich zu vie­le Fra­gen: Woher kom­men die Stei­ne? Wie sind sie zer­ti­fi­ziert? Steckt in ihnen womög­lich Kinderarbeit?

Die­se Kom­pro­miss­lö­sung hat aber auch etwas mit dem Flair in der Telg­ter Innen­stadt zu tun, sagt Pie­per. Den bau­li­chen Cha­rak­ter woll­te die Stadt näm­lich auch nach dem bar­rie­re­frei­en Umbau erhal­ten. Des­halb habe man sich letzt­lich auch gegen ein Blin­den­leit­sys­tem ent­schie­den, aber auch dafür eine Lösung gefun­den: Blin­de Men­schen kön­nen sich am Markt­platz in Telg­te an der Was­ser­rin­ne orientieren.

Die Umge­stal­tung habe sich für Telg­te ins­ge­samt gelohnt, sagt Pie­per. An dem Pro­zess hät­ten sich vie­le ver­schie­de­ne Grup­pen betei­ligt und die Stadt habe Auf­merk­sam­keit von außer­halb auf sich gezo­gen. Inter­es­sier­te Politiker:innen und Ver­bän­de aus ande­ren Städ­ten sei­en nach Telg­te gekom­men, um sich die bar­rie­re­ar­me Innen­stadt ein­mal anzu­se­hen. (sfo)

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Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men zu unse­rem Brief über die geplan­te Baum­schutz­sat­zung (RUMS-Brief vom 27. Mai). Tho­mas Bau­er kri­ti­siert, dass es in der Sat­zung nur dar­um gehen soll, Bäu­me nicht eigen­mäch­tig zu fäl­len, nicht aber um ech­ten Schutz der Pflan­zen. Und Son­ja Völ­ker, die Mit­glied bei den Grü­nen ist, ver­mu­tet, dass man­che Men­schen gar nicht erst einen Fäll­an­trag stel­len, wenn sie kei­nen trif­ti­gen Grund haben. Dann könn­te die Sat­zung mehr Bäu­me bewah­ren, als sich aus offi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken able­sen lässt – und damit auch mehr, als wir in unse­rem Text unter­stellt haben. Bei­de Brie­fe fin­den Sie hier.

Corona-Update

+++ Seit Diens­tag hat die Stadt drei neue Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19 regis­triert. Ins­ge­samt sind seit Pan­de­mie­be­ginn 209 Men­schen aus Müns­ter gestor­ben, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren. (cbu)

+++ Das Robert-Koch-Insti­tut mel­det heu­te eine Wochen­in­zi­denz von 423. Seit ges­tern hat die Stadt 273 Neu­in­fek­tio­nen regis­triert, ins­ge­samt gel­ten 1.985 Men­schen aus Müns­ter als infi­ziert. Laut Divi-Inten­siv­re­gis­ter wer­den in den Kran­ken­häu­sern der Stadt zwei Covid-Patient:innen auf der Inten­siv­sta­ti­on behan­delt, eine Per­son muss beatmet wer­den. (cbu)

+++ Und noch ein Hin­weis: Die Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung hat auf einer neu­en Web­site vie­le Infor­ma­tio­nen über Long Covid (Beschwer­den, die nach einer aku­ten Coro­na­in­fek­ti­on noch eini­ge Wochen oder Mona­te anhal­ten) zusam­men­ge­stellt. (cbu)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Uni­kli­nik hat bei einem Mann aus Coes­feld die zwei­te Affen­po­cken-Infek­ti­on in der Regi­on fest­ge­stellt. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Der ers­te von 13 Kegel­brü­dern aus Müns­ter, die unter Ver­dacht stan­den bezie­hungs­wei­se ste­hen, für ein Feu­er in einer Bar auf Mal­lor­ca ver­ant­wort­lich zu sein, ist offen­bar frei. (Bild)

+++ Wegen des Pfingst­wo­chen­en­des ver­schie­ben sich die Ter­mi­ne der Müll- und Sperr­gut­ab­fuhr in der nächs­ten Woche oder ent­fal­len ersatz­los. (Stadt Müns­ter)

+++ Ein neu­es „Arbei­ter­wohn­haus“ am Dom­platz soll Erwerbs­tä­ti­gen hel­fen, die von Woh­nungs­lo­sig­keit betrof­fen sind. (Stadt Müns­ter)

+++ Die Stadt­wer­ke schi­cken zum Pri­de-Monat im Juni einen Elek­tro­bus in Regen­bo­gen­far­ben durch Müns­ters Stra­ßen. (Stadt­wer­ke Müns­ter)

+++ Müns­ters Rats­mit­glie­der sol­len Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für Tätig­kei­ten in Auf­sichts­rä­ten der städ­ti­schen Betrie­be bekom­men. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Das Wind­rad Loeve­ling­loh ist schon wie­der bei einer Lärm­schutz­mes­sung der Bezirks­re­gie­rung durch­ge­fal­len. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Drei Gründer:innen der FH Müns­ter haben einen ess­ba­ren Kaf­fee­be­cher aus beschich­te­tem Waf­fel­teig erfun­den. (FH Müns­ter)

+++ Eine Fir­ma aus Hil­trup pro­biert seit einem Jahr erfolg­reich die Vier-Tage-Woche aus. (WDR)

+++ Vie­le Betrie­be bie­ten noch offe­ne Aus­bil­dungs­stel­len an. (Arbeits­agen­tur Ahlen-Müns­ter)

+++ Im Kreuz­vier­tel wer­den wie­der Schrott­rä­der gesam­melt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Frü­her als geplant ist das Flug­zeug wie­der auf dem Spiel­platz am Coer­de­platz gelan­det. (Stadt Müns­ter)

Unbezahlte Werbung

„Dil­le & Kamil­le“ ist in den Nie­der­lan­den schon lan­ge eine eta­blier­te Grö­ße. Und viel­leicht haben Sie den Neu­zu­gang am Rog­gen­markt 14 schon bemerkt: Ende Mai hat „Dil­le & Kamil­le“ dort eine Filia­le eröff­net, die zwei­te über­haupt in Deutsch­land. Das ers­te Geschäft der heu­ti­gen Ket­te hat eine Hand­voll Ökos in Utrecht gegrün­det. Und bis heu­te ist „Dil­le & Kamil­le“ der grü­ne Touch erhal­ten geblie­ben. Wie viel­fäl­tig die Pro­dukt­pa­let­te dann wirk­lich ist, bemerkt man im Laden schnell: Von der Decke hän­gen Schnee­be­sen und Brat­pfan­nen, in hohen Holz­re­ga­len sta­pelt sich eine rie­si­ge Aus­wahl an außer­ge­wöhn­li­chen Küchen­uten­si­li­en, blu­mig rie­chen­den Sei­fen und Wohn­tex­ti­li­en in vie­len ver­schie­de­nen, aber schlich­ten Far­ben. Wer kann, soll­te also ein wenig Zeit mit­brin­gen, um auch die beson­de­ren Klei­nig­kei­ten zu erkun­den. Und wäh­rend Sie stö­bern, läuft im Hin­ter­grund klas­si­sche Musik.

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Was ist am Wochen­en­de los? Vik­to­ria Pehl­ke hat für Sie in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­dern geblät­tert. Das hier sind ihre Empfehlungen:

+++ Tech­no für den guten Zweck gibt es heu­te ab Mit­ter­nacht beim Som­mer­ra­ve im Amp. Initia­tor ist der Ver­ein Tag­trae­u­mer, der Spen­den­ak­tio­nen für jun­ge Men­schen anspre­chend gestal­ten will. 

+++ Wer am Pfingst­sonn­tag noch nichts vor hat, kann sich an der nächs­ten Müll­sam­mel­ak­ti­on des Han­sa­fo­rums betei­li­gen. Die star­tet um 13 Uhr am Hafenplatz. 

+++ Soul, Funk, Pop und Dis­co hören Sie heu­te im Mond­hund Schall­plat­ten­ca­fé. Ab 19 Uhr legt Lady Mac­beat in der Wol­be­cker Stra­ße 128 auf. Die Ver­an­stal­tung ist bis 23 Uhr geplant, per­fekt also für einen ent­spann­ten Freitagabend. 

+++ Die Fil­me­ma­che­rin Ulri­ke Ottin­ger fei­ert am Mon­tag ihren 80. Geburts­tag. Sie gilt als bril­lan­te Künst­le­rin – und ist den­noch in Deutsch­land weit­ge­hend unbe­kannt. Die Lin­se zeigt am Pfingst­mon­tag um 10:45 Uhr im Cine­ma ihren Film „Paris Cal­li­gram­mes“. Das Werk erzählt von ihrer Zeit als Male­rin im Paris der Sechzigerjahre. 

+++ Für ein Wochen­en­de im Grü­nen eig­net sich ein Aus­flug in den bota­ni­schen Gar­ten. Nach drei Jah­ren Coro­na­pau­se stel­len die „Kak­teen­freun­de Müns­ter“ zum 120. Mal ihre Kak­teen und Suk­ku­len­ten aus. Von 10 bis 17 Uhr gibt es von Pfingst­sams­tag bis -mon­tag Pflan­zen zu bestau­nen und zu kaufen. 

+++ Neben­an im Schloss­gar­ten kön­nen am Sams­tag Kin­der und Jugend­li­che von vier bis 14 Jah­ren am Eröff­nungs­tag des Kin­der­camps Q.Uni teil­neh­men. Die Mit­mach­aus­stel­lung bie­tet Work­shops und Expo­na­te zu ver­schie­de­nen The­men der Wis­sen­schaft. Mehr Infos zur gan­zen Ver­an­stal­tung gibt es hier.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochen­en­de. Es soll ja sehr son­nig werden.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Jan Gro­ße Nobis, Ralf Hei­mann, Vik­to­ria Pehl­ke
Lek­to­rat: Mela­nie Kelter

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PS

Das Deut­sche ist eine Spra­che, in der Satz­zei­chen Leben ret­ten kön­nen. „Hängt ihn, nicht lau­fen las­sen!” ist bekannt­lich das genaue Gegen­teil von „Hängt ihn nicht, lau­fen las­sen!” Kürz­lich ist auch Zeit Online in die deut­sche Satz­zei­chen­fal­le getappt. Das Maga­zin berich­te­te über das Pan­zer­mu­se­um Müns­ter. Wie bit­te? Ein Pan­zer­mu­se­um? Hier in Müns­ter? Hören Sie bloß auf zu goo­geln. Die Zeit hat über dem „u” ganz ein­fach zwei Pünkt­chen zu viel gesetzt. Und erst als sich das ech­te Pan­zer­mu­se­um in Muns­ter (!) über die Ver­wechs­lung beschwer­te, hat die Zeit den Feh­ler kor­ri­giert. Sie sehen: Satz­zei­chen ret­ten nicht nur Leben, manch­mal lie­gen im Deut­schen zwi­schen zwei Pünkt­chen auch gut 220 Kilometer.