Zwei Tage G7 in Münster: Was alles geschah | Wiederaufbau in der Ukraine: Winnyzja wartet auf Münster | Schönwerk

Müns­ter, 4. Novem­ber 2022

Guten Tag,

seit 254 Tagen herrscht Krieg in der Ukrai­ne. An die­se Tat­sa­che erin­ner­te Außen­mi­nis­te­rin Anna­le­na Baer­bock am Ende des G7-Tref­fens in Müns­ter. „Ja, wir zäh­len jeden ein­zel­nen Tag die­ses bru­ta­len rus­si­schen Angriffs­kriegs“, sag­te Baer­bock auf der Abschluss­pres­se­kon­fe­renz. „Denn jeder ein­zel­ne Tag die­ses Kriegs ist einer zu viel.“

Zwei Tage lang herrsch­te Aus­nah­me­zu­stand in der Innen­stadt, schließ­lich hat das G7-Tref­fen Müns­ter in einen „klei­nen inter­na­tio­na­len Ort“ ver­wan­delt, wie die Außen­mi­nis­te­rin sag­te. Und in so einem klei­nen inter­na­tio­na­len Ort ist jede Men­ge los – Demons­tra­tio­nen, Ver­kehrs­cha­os, Absper­run­gen und eine Pos­se um ein his­to­ri­sches Kreuz zum Bei­spiel. Was alles genau pas­siert ist, lesen Sie wei­ter unten. Jetzt aber erst ein­mal zu den Nach­rich­ten. (sfo)

Kurz und Klein 

+++ Es gibt ja auch noch Nach­rich­ten, die nichts mit G7 zu tun haben. Die­se hier zum Bei­spiel: Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach in Bay­ern urteil­te, dass man falsch gepark­te Autos foto­gra­fie­ren und die Bil­der der Poli­zei zuschi­cken darf, ohne des­we­gen Pro­ble­me mit dem Daten­schutz zu bekom­men. Das Gericht gab damit zwei Män­nern Recht, die ihre Anzei­gen wegen Park­ver­stö­ßen auf dem Rad- und Geh­weg mit den Beweis­fo­tos unter­mau­ern woll­ten und statt­des­sen von der baye­ri­schen Daten­schutz­auf­sicht eine Straf­ge­bühr in Höhe von jeweils 100 Euro auf­ge­brummt beka­men. Rechts­kräf­tig ist das Grund­satz­ur­teil noch nicht. Soll­te es das aber sein, könn­te es auch in Müns­ter Bewe­gung in das lei­di­ge The­ma Geh­weg­par­ken brin­gen. (sfo)

+++ „Wei­te­re Ver­zö­ge­run­gen des Aus­baus des Dort­mund-Ems-Kanals wer­den in MS-Ost nicht akzep­tiert“, lau­tet die Über­schrift eines Antrags der SPD-Frak­ti­on in der Bezirks­ver­tre­tung Müns­ter-Ost. Das Doku­ment ist vom Mon­tag, dem 24. Okto­ber. An die­sem Tag hat auch die Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung eine neue Pres­se­mit­tei­lung ver­öf­fent­licht. Es geht um die Brü­cke der West­fä­li­schen Lan­des-Eisen­bahn über den Kanal. Die Mit­tei­lung beginnt mit dem Satz: „Auf­grund geän­der­ter eisen­bahn­recht­li­cher Vor­schrif­ten ver­zö­gert sich der Neu­bau der Brü­cke.“ Viel­leicht ist es Zufall, viel­leicht hat es damit zu tun, dass die Brü­cke an Kilo­me­ter 66,6 steht. Aber wir wol­len nicht mut­ma­ßen. Kurth Moths, der für die FDP in der Bezirks­ver­tre­tung Müns­ter-Ost sitzt, hat­te schon Mit­te Sep­tem­ber gefragt, war­um Fuß- und Rad­we­ge an der Kanal­brü­cke Wol­be­cker Stra­ße noch immer nicht fer­tig sind. Die Ant­wort auf die­se Fra­ge vom 22. Sep­tem­ber ver­öf­fent­lich­te die Stadt erst vor zwei Tagen. Aus­kunft vom Was­ser- und Schiff­fahrts­amt Rhei­ne: Das habe an Per­so­nal- und Mate­ri­al­eng­päs­sen gele­gen. Ins­ge­samt sei es aber noch rela­tiv zügig gegan­gen. Zügig ist hier aller­dings auch wie­der rela­tiv. Eigent­lich soll­te die Brü­cke schon vor einem Jahr fer­tig sein. (rhe)

+++ Gaso­me­ter, nächs­te Run­de. Nach­dem die Schlüs­sel­über­ga­be am Mitt­woch schon wie­der geschei­tert ist, haben die Stadt­wer­ke und der Ver­ein Sozi­al­pa­last sich nun offen­bar nach einem kur­zen Tref­fen dar­auf geei­nigt, wei­te­re Gesprä­che zu füh­ren. Das schreibt der Ver­ein in einer E-Mail. Die Stadt­wer­ke hat­ten noch am Mitt­woch mit­ge­teilt, man wer­de einen neu­en Ter­min ver­ein­ba­ren, bestehe aber wei­ter dar­auf, dass der Ver­ein das Grund­stück über­gibt, „um das Kon­zept­ver­ga­be­ver­fah­ren neu­tral und fair für alle Betei­lig­ten durch­zu­füh­ren“. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­ten, Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Chris­toph Kat­tentidt soll die Gesprä­che lei­ten. Einen Ter­min gibt es danach noch nicht. (rhe)

+++ In Ber­lin funk­tio­niert zwar vie­les nicht, aber dort kön­nen die Behör­den Aus­kunft dar­über geben, in wel­cher Höhe die Jus­tiz in die­sem Jahr Ver­mö­gen kon­fis­ziert hat: 43,2 Mil­lio­nen Euro waren es zwi­schen Janu­ar und Sep­tem­ber, berich­tet der Tages­spie­gel. Das Geld stammt meist von Men­schen, die unter Ver­dacht ste­hen, mit Dro­gen oder Waf­fen gehan­delt zu haben, oder an Ein­brü­chen oder Raub­über­fäl­len betei­ligt gewe­sen zu sein. Die Staats­an­walt­schaft Müns­ter kann so eine Zahl nicht nen­nen. So eine Anfra­ge sei nicht mög­lich, schreibt ein Spre­cher. Scha­de, scha­de. Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um kann immer­hin sagen, wie viel Geld das Land in die­sem Jahr kon­fis­ziert hat, näm­lich 61,5 Mil­lio­nen Euro zwi­schen Janu­ar und Okto­ber. Ver­las­sen kann man sich auf die­se Ein­nah­me aber nicht. Im Jahr 2017 kamen durch Kon­fis­zie­run­gen über 192 Mil­lio­nen Euro zusam­men, im ver­gan­ge­nen Jahr waren es gera­de mal 17. Die Jus­tiz ver­wen­det für die­se Art von Ein­nah­men übri­gens ein harm­los klin­gen­des Wort: Ver­mö­gens­ab­schöp­fun­gen. (rhe)

Der Rürup 

Zwei Tage G7-Treffen in Münster: Was alles geschah 

Das G7-Tref­fen in Müns­ter ist schon wie­der vor­bei. Am spä­ten Nach­mit­tag hat Anna­le­na Baer­bock in einer Pres­se­kon­fe­renz die Ergeb­nis­se zusam­men­ge­fasst. Aber was ist eigent­lich pas­siert in den ver­gan­ge­nen Tagen? Wir haben uns die gesam­te Bericht­erstat­tung ange­se­hen. Und hier ist das Wichtigste: 

+++ Zual­ler­erst zur Bedeu­tung des Tref­fens: Ein Repor­ter der Washing­ton Post hat den West­fä­li­schen Nach­rich­ten gesagt, so ein Welt­ereig­nis habe es in Müns­ter seit 1648 nicht gege­ben. Und natür­lich, es ist schön, dass Müns­ter im ZDF-Heu­te-Jour­nal mal im Hin­ter­grund zu sehen ist. Aber die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung zum Bei­spiel hat am Don­ners­tag nicht ein­mal Platz auf der Titel­sei­te für die­ses Welt­ereig­nis gefun­den. Sie druckt eine etwas län­ge­re Mel­dung auf ihrer zwei­ten Sei­te, in der es um die poli­ti­schen Ergeb­nis­se geht: Die sie­ben Län­der haben sich dar­auf geei­nigt, den Men­schen in Ukrai­ne zu hel­fen, durch den Win­ter zu kom­men. Sie wol­len unter ande­rem mobi­le Gene­ra­to­ren lie­fern, Con­tai­ner und Häu­ser, damit die Men­schen nicht frie­ren müs­sen. Das ist wohl das wich­tigs­te Ergeb­nis. (rhe)

+++ Über Wla­di­mir Putin sag­te Anna­le­na Baer­bock: „Wann immer man denkt, es kön­ne nicht mehr schlim­mer gehen, sinkt er noch tie­fer in der Unmensch­lich­keit.“ Mitt­ler­wei­le nur noch zu sehen: ein lich­ter Haar­schopf, lang­sam in Unmensch­lich­keit ver­schwin­dend. Eine gute Zusam­men­fas­sung der poli­ti­schen Ergeb­nis­se des Don­ners­tags lie­fert die Tages­schau. (rhe)

+++ Auf dem Foto von der Arbeits­sit­zung im Frie­dens­saal ist deut­lich zu erken­nen: Hier liegt nicht mehr der Ori­gi­nal­tep­pich. Es sieht ein biss­chen aus wie eine Foto­mon­ta­ge. Aber der „Spi­rit des Frie­dens­saals“, wie Müns­ters Ober­bür­ger­meis­ter es nennt, ist immer noch zu erah­nen – vor allem, wenn man schräg nach oben auf die Por­träts der Teil­neh­mer von damals schaut, die in die­sem Raum über das Ende des Drei­ßig­jäh­ri­gen Kriegs ver­han­delt haben. Frau­en sei­en nicht dabei gewe­sen, auch wenn die Men­schen am Ver­hand­lungs­tisch „damals auch lan­ge Haa­re hat­ten“, sag­te Anna­le­na Baer­bock. Und was natür­lich eben­falls auf­fällt: Kra­wat­ten tru­gen sie auch nicht. (rhe)

+++ Mit Blick auf die Bezie­hun­gen zu Chi­na sag­te Anna­le­na Baer­bock, man wer­de dar­über spre­chen, „wie wir Feh­ler der Ver­gan­gen­heit, die wir in der Russ­land­po­li­tik hat­ten, nicht erneut wie­der­ho­len“. Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz las die­sen Satz mög­li­cher­wei­se im Flie­ger nach Peking, wohin er 23 Stun­den lang unter­wegs war, um für zwei Stun­den mit Chi­nas Dik­ta­tor Xi Jin­ping zu spre­chen. Inter­na­tio­nal sorg­te die Rei­se für „Irri­ta­tio­nen“, schreibt die Süd­deut­sche Zei­tung. Na ja, Haupt­sa­che, Scholz ver­tickt bei sei­ner Rei­se nicht auch noch den Ham­bur­ger Flug­ha­fen. Sehr schön auch als Anschau­ungs­ob­jekt für Inter­view-Semi­na­re: wie Anna­le­na Baer­bock im ZDF-Heu­te-Jour­nal-Inter­view den Fra­gen von Mode­ra­tor Chris­ti­an Sie­vers zu Olaf Scholz wie in einem Sla­lom-Par­cours aus­weicht. (rhe)

+++ Der Ober­bür­ger­meis­ter und ein guter Teil der Lokal­me­di­en sind offen­bar total hap­py, dass Müns­ter der Welt­po­li­tik zwei Tage lang als Kulis­se die­nen darf, aber es gibt auch kri­ti­sche Mei­nun­gen. Die Medi­en­pro­fes­so­rin Sabi­ne Schif­fer zum Bei­spiel schreibt bei Twit­ter: „Ich kann mir nicht hel­fen. Wirkt auf mich wie zu viel der #Insze­nie­rung. Nach dem Ram­stein-For­mat, das Regie­rungs­ver­tre­ter auf eine US-Mili­tär­ba­sis in Deutsch­land ein­lädt, nun Müns­ter – das auch nicht gera­de an gro­ßen Kreu­zun­gen liegt – mit geschichts­schwan­ge­ren Anspie­lun­gen.“ (rhe)

+++ Die Gewerk­schaft der Poli­zei spricht am Don­ners­tag von einer „guten Stim­mungs­la­ge in der Stadt­ge­sell­schaft“ und einem „nor­ma­len Pro­test­kli­ma“, so steht es im WN-Live­ti­cker. Wir schal­ten kurz rüber zur Stu­ben­gas­se, wo die Poli­zei am Don­ners­tag­abend in guter Stim­mungs­la­ge für etwas Ord­nung gesorgt hat. Im Hin­ter­grund hören Sie einen Mann sagen: „Feu­er, Män­ner.“ Ein Frau ruft: „Alter, fass mich nie wie­der so an.“ Sonst scheint aber tat­säch­lich nicht viel pas­siert zu sein. So steht es jeden­falls in einer „ers­ten Zwi­schen­bi­lanz“ der Poli­zei Müns­ter vom Don­ners­tag­abend. (rhe)

+++ Aber was war alles los auf der Stra­ße? Ins­ge­samt waren an bei­den G7-Tagen 13 Demons­tra­tio­nen bei der Poli­zei ange­mel­det, allein ges­tern fan­den fünf Kund­ge­bun­gen statt. Es ging unter ande­rem um den Krieg in der Ukrai­ne, die Pro­tes­te im Iran, die Besat­zung von Tibet, aber auch um Kli­ma­schutz. Eine Frie­dens­de­mo an der Lam­ber­ti­kir­che, bei der der Theo­lo­ge Eugen Dre­wer­mann auf­trat, war schlech­ter besucht als erwar­tet. Viel los war dage­gen bei der Kli­ma­de­mo. Laut Kli­ma­bünd­nis waren 2.500 Pro­tes­tie­ren­de bei der Ver­samm­lung, zu der der Phy­si­ker Vol­ker Qua­sch­ning von den Sci­en­tists for Future und der rus­si­sche Kli­ma-Akti­vist Wla­di­mir Sli­wjak als Red­ner ein­ge­la­den waren. (sfo)

+++ Nach der ers­ten G7-Demo hät­te man sich aber auch den­ken kön­nen, dass alles rela­tiv ruhig bleibt. Eine Grup­pe namens Initia­ti­ve sozi­al-öko­lo­gi­scher Wan­del hat­te zu „Soli­da­ri­tät mit der grün-femi­nis­ti­schen Ver­tei­di­gungs­po­li­tik“ und „mit unse­rer Außen­mi­nis­te­rin Anna­le­na Baer­bock“ auf­ge­ru­fen. Los­ge­hen soll­te es ganz sym­bo­lisch um 5 vor 12 Uhr am Stu­ben­gas­sen­platz. Nur: Gekom­men war nie­mand, nicht mal die Grup­pe selbst. Im Live­ti­cker berich­te­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten, eine Per­son aus Sach­sen habe die Kund­ge­bung ange­mel­det. Eine Spre­che­rin der Poli­zei Müns­ter konn­te uns das auf Anfra­ge nicht bestä­ti­gen. Dort hat­te nie­mand eine Demo am Stu­ben­gas­sen­platz ange­mel­det. Mehr als das, was auf der Web­site der Initia­ti­ve steht, sei der Poli­zei auch nicht bekannt. Und was steht da? Die Grup­pe bestehe aus Leu­ten, die aus „Wirt­schaft, Social Entre­pre­neurs­hip und Bera­tung“ kom­men und durch „Net­wor­king“ und „Mee­tings“ „wis­sen­schaft­li­che Exper­ti­se“ und „krea­ti­ve Lösun­gen für gesell­schaft­li­che Kon­flikt­fel­der“ vor­an­trei­ben wol­len. Aus der Ukrai­ne sol­le ein „sozi­al-öko­lo­gi­sches Mus­ter­land“ wer­den, denn das Land habe „ein moder­nes Arbeits­recht, das einen Groß­teil sei­ner Mitbürger*innen von einem ver­al­te­ten, hin­der­li­chen Tarif­recht befreit“. Ange­sichts des­sen stellt der Jour­na­list Sebas­ti­an Wei­er­mann auf Twit­ter die rich­ti­ge Fra­ge: „Ist das echt oder Sati­re?“ (sfo)

+++ Der Inhalt ver­schie­de­ner Live­ti­cker im Über­blick: Sie­ben Men­schen, die man aus dem Fern­se­hen kennt, stei­gen zwei Tage lang an unter­schied­li­chen Stel­len in der Stadt immer wie­der aus Limou­si­nen und ver­schwin­den in Gebäu­den. Alles Mög­li­che ist gesperrt (hier bit­te Foto von Absper­run­gen vor einem Gebäu­de vor­stel­len, auf dem sonst nichts zu sehen ist). Men­schen in Anzü­gen lau­fen geschäf­tig über den Prin­zi­palmarkt. Men­schen in Uni­form ste­hen irgend­wo her­um. Ganz viel Tru­bel im Pres­se­zen­trum am Dom­platz. Unter jedem Foto könn­te ste­hen: „Wie geil, end­lich ist in Müns­ter mal was los.“ Gut, außer viel­leicht unter dem hier. (rhe)

+++ Ein auf­fäl­li­ges Phä­no­men seit Mit­te der Woche: Poli­zei­bul­lis fah­ren in Kolon­nen durch die Stadt, seit Don­ners­tag auch mit Blau­licht. Klar, wenn über­all Kolon­nen mit schwar­zen Bul­lis und Limou­si­nen unter­wegs sind, weiß kein Mensch mehr, in wel­chen Fahr­zeu­gen tat­säch­lich wich­ti­ge Men­schen sit­zen, und wenn man ein Atten­tat plant, ist das natür­lich eine Kata­stro­phe. Ande­re mög­li­che Erklä­rung: „Wenn die ande­ren mit Blau­licht fah­ren, stel­len wir unse­res garan­tiert nicht aus.“ (rhe)

+++ Im Novem­ber las­sen sich vie­le Poli­zis­ten Schnurr­bär­te ste­hen, um auf eine Spen­den­ak­ti­on auf­merk­sam zu machen. Daher auch der Name „Moli­ce“, der sich aus Mousta­che und Poli­ce zusam­men­setzt. Ges­tern und heu­te auch oft in Müns­ter zu sehen gewe­sen. Die Poli­zei Müns­ter sam­melt in die­sem Jahr fürs Gut Feis­mann, ein inte­gra­ti­ves Pro­jekt im Kreis Coes­feld. (sfo)

+++ Don­ners­tag, 16.15 Uhr, Auf­re­gung am Ser­va­tii­platz: Ein Kof­fer steht her­um. Die Poli­zei sperrt den Platz (noch mehr Sper­run­gen!), ein Bom­ben­ent­schär­fungs­team und ein Spreng­stoff­s­pür­hund schau­en sich den Kof­fer an. 38 Minu­ten ver­ge­hen. Um 16.53 Uhr dann die explo­si­ve Nach­richt: Im Kof­fer liegt Klei­dung. (sfo)

+++ Don­ners­tag, 16:47 Uhr: Die Gesprä­che im Rat­haus lau­fen. WDR-Repor­ter Hen­ry Bisch­off sagt, es gehe vor allem um die Ukrai­ne. Man kön­ne auch „so etwas wie Ergeb­nis­se“ erwar­ten. Eine ganz wun­der­vol­le For­mu­lie­rung. (rhe)

+++ Okay, ein biss­chen Klatsch, mei­net­we­gen: Am Frei­tag­mor­gen ist Anna­le­na Baer­bock in Müns­ter Jog­gen gegan­gen, berich­tet die „Bild“-Zeitung. Wie sagt man doch in West­fa­len: Wer lau­fen kann, kann auch arbei­ten. (rhe)

+++ Wie die Insta­gram-Sei­te Müns­ter Dings übri­gens schon am Mitt­woch auf­deck­te, hat jemand aus dem Social-Media-Team des Aus­wär­ti­gen Amts allen Erns­tes eine Fahr­rad­fahrt über den Prin­zi­palmarkt gefilmt – vom Fahr­rad aus, mit dem Smart­pho­ne in der Hand. Dar­auf ste­hen saf­ti­ge 55 Euro Stra­fe. Wel­che Kon­se­quen­zen sonst dro­hen kön­nen, sehen Sie im Beweis­vi­deo. Das zeigt wie­der ein­mal: Inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­mus tut auch im Loka­len not. (sfo)

+++ Wo wir beim Ver­kehr sind: In der Innen­stadt ist es ges­tern und heu­te Vor­mit­tag zu etli­chen Staus gekom­men. Einer­seits wegen der Demons­tra­tio­nen. Ande­rer­seits weil Men­schen mit ihren Autos einen Schleich­weg über die Ach­ter­mann- und Her­warth­stra­ße neh­men woll­ten, was aber nicht ging. Da war näm­lich alles gesperrt, weil im angren­zen­den Atlan­tic-Hotel das Aus­wär­ti­ge Amt ein­ge­checkt war. (sfo)

+++ Ver­pfle­gung I: Der Koch im Möven­pick-Hotel hat­te sich offen­bar schon gefreut, dass er end­lich mal zei­gen kann, was er kann, wenn die Staats­gäs­te kom­men. Unglück­li­cher­wei­se hat­ten die ihre eige­nen Vor­stel­lun­gen. Sie wünsch­ten sich Bur­ger mit Pom­mes, berich­tet der WDR im Radio. (rhe)

+++ Ver­pfle­gung II: Der seit die­ser Woche pro­mi­nen­te Ster­ne­koch Lau­rin Kux aus dem Restau­rant „Brust oder Keu­le“ an der Mel­chers­stra­ße hat sechs Wochen lang am Menü für die Staats­gäs­te gefeilt, berich­tet der WDR in sei­ner Lokal­zeit. Das Ergeb­nis: Bur­ger mit Pom­mes. Nein, Scherz. Es gab unter ande­rem „Rats­her­ren­plat­te mit west­fä­li­schen Wurst­spe­zia­li­tä­ten, Grie­ben­schmalz und Spree­gur­ke, Müns­ter­län­der Gän­se­keu­le mit Apfel­rot­kohl, West­fä­li­scher Nudel­auf­lauf von Karot­te, Lauch und Kür­bis“, schrei­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. (rhe)

+++ Scharf­schüt­zen am Fens­ter, die Poli­zei eskor­tiert Men­schen auf dem Prin­zi­palmarkt zum Ein­kau­fen: Die WDR-Lokal­zeit gibt in einem drei Minu­ten lan­gen Bei­trag einen guten Ein­druck davon, was am Don­ners­tag in der Stadt und in der „letz­ten Back­stu­be vor der Sicher­heits­zo­ne“ los war. (rhe)

+++ In einer Live­schal­te vom Dom­platz erzählt die WDR-Repor­te­rin Andrea Han­sen am Don­ners­tag von dem Ein­druck, den sie bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on mit Anna­le­na Baer­bock und ihrem US-ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gen Ant­o­ny Blin­ken bekom­men hat. Sie sagt, da habe sie auch Zwei­fel gehört – ob man wirk­lich alles rich­tig gemacht habe, ob man schnell genug reagiert habe. „Und da habe ich gedacht: Wenn von die­sem Zwei­fel, von die­ser Gewiss­heit, eben nicht immer alles vor­her zu wis­sen oder rich­tig zu machen, auch ein biss­chen auf der Stra­ße ankä­me, dann wären viel­leicht manch­mal die Fron­ten nicht so ver­här­tet.“ Und das ist doch ein wirk­lich guter Gedan­ke. (rhe)

+++ Stun­den­lan­ge Ver­hand­lun­gen sind nicht gut fürs Kreuz. Den Beweis lie­fert nun das G7-Tref­fen. Das knapp 500 Jah­re alte Rats­kreuz, das im Frie­dens­saal eigent­lich hin­ten in der Holz­wand steht, ist ver­schwun­den, wie auf Fotos zu sehen ist. War­um? Das Außen­mi­nis­te­ri­um hat gebe­ten, es für die Dau­er des Tref­fens zu ent­fer­nen, berich­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Und wenn man sich die offi­zi­el­len Fotos anschaut, ist das auch gut zu ver­ste­hen. Bil­der sind Bot­schaf­ten. Wäre das nicht so, wür­de das Tref­fen gar nicht in Müns­ter statt­fin­den. Mit dem Kreuz im Hin­ter­grund über den Köp­fen wür­de es aus­se­hen, als wären alle im Namen der katho­li­schen Kir­che zusam­men­ge­kom­men, um ein paar kri­ti­sche Wor­te an das Mul­lah-Regime im Iran zu rich­ten. Die Stadt hat auf das Rats­kreuz­ga­te inzwi­schen hoch­of­fi­zi­ell mit einer Pres­se­mit­tei­lung reagiert. Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe sagt, er mei­ne, „die­se Ent­schei­dung hät­te so nicht getrof­fen wer­den dür­fen, und ich bedau­re sie”. CDU-Rats­frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber schreibt eben­falls in einer Pres­se­mit­tei­lung, er hät­te von der Außen­mi­nis­te­rin mehr Respekt erwar­tet. Auf der „Bild“-Startseite ist es am Frei­tag­mit­tag die Top­mel­dung. In der Dach­zei­le steht: „Gott­lo­ses G7 in Müns­ter“. Da kann man eigent­lich nur sagen: Oh Gott, oh Gott, oh Gott. (rhe)

+++ Aber was sagt eigent­lich Anna­le­na Baer­bock zu der Kreuz­pos­se? Auf der Abschluss­pres­se­kon­fe­renz haben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten nach­ge­fragt, weil die Debat­te die wich­ti­gen poli­ti­schen The­men über­la­gert habe. Baer­bocks Ant­wort: „Ich bedau­re das sehr.“ Sie habe von der Kreuz­ab­hän­gung erst erfah­ren, als sie heu­te Mor­gen mit Mar­kus Lewe im Frie­dens­saal stand. Baer­bock wol­le sich nicht wegen eines „Orga-Dings“ strei­ten, ver­sprach aber, in Zukunft genau­er auf die Aus­stat­tung von Aus­tra­gungs­or­ten zu ach­ten. (sfo)

+++ Nach den übli­chen Auf­merk­sam­keits­me­cha­nis­men wird also von die­sem G7-Tref­fen ver­mut­lich vor allem hän­gen blei­ben, dass das Kreuz nicht hän­gen blei­ben durf­te. Dabei gab’s am zwei­ten Tag des Tref­fens auch noch ande­re The­men: Es waren zum Bei­spiel Gäs­te aus Afri­ka da, unter ande­rem Keni­as Außen­mi­nis­ter Alfred Mutua und Gha­nas Außen­mi­nis­te­rin Shir­ley Ayor­kor Botch­w­ey. (rhe)

+++ Und zum Schluss noch mal zurück zur Poli­tik: Die sie­ben Außen­mi­nis­te­rin­nen und Außen­mi­nis­ter haben Russ­land heu­te in einer gemein­sa­men Erklä­rung davor gewarnt, in der Ukrai­ne Atom­waf­fen ein­zu­set­zen, berich­tet die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters. Unter ande­rem in Rich­tung Iran hieß es, Län­der, die Russ­land unter­stüt­zen, müss­ten mit Sank­tio­nen rech­nen. Den Wie­der­auf­bau der kri­ti­schen Infra­struk­tur der Ukrai­ne, also vor allem das Ener­gie- und Was­ser­netz, wol­len die sie­ben Län­der laut ihrer Erklä­rung gemein­sam koor­di­nie­ren. (rhe)

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Wiederaufbau in der Ukraine: Winnyzja wartet auf Münster

Ver­gan­ge­ne Woche Diens­tag emp­fing der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj einen Über­ra­schungs­gast: Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er war nach Kyjiw gereist. Zum ers­ten Mal seit dem rus­si­schen Angriff besuch­te er die Ukraine.

In der Poli­tik haben sol­che Tref­fen immer einen sym­bo­li­schen Wert. Sie sol­len ein bestimm­tes Signal ent­sen­den, in die­sem Fall in Rich­tung Mos­kau. Das hat Stein­mei­er in Kyjiw auch deut­lich for­mu­liert: „Euer Krieg wird uns nicht spal­ten – er wird uns noch näher zusam­men­brin­gen, als Deut­sche, Ukrai­ner und als Euro­pä­er“, wird der Bun­des­prä­si­dent in der Tages­schau zitiert.

Bei Staats­be­su­chen bleibt es dann auch oft bei die­sen Sym­bo­len. Doch Selen­skyj und Stein­mei­er haben genau erklärt, wie die­ses Sym­bol aus­se­hen soll. Dabei ging es nicht etwa um Waf­fen­lie­fe­run­gen, die Aus­bil­dung von Soldat:innen oder ande­re mili­tä­ri­sche Mit­tel, son­dern um etwas, was auf den ers­ten Blick recht harm­los wirkt: um Städtepartnerschaften.

Die lebenswerteste Stadt der Ukraine

Die­ses Anlie­gen scheint Mar­kus Lewe zu unter­stüt­zen. In sei­ner Rol­le als Städ­te­tags­prä­si­dent geht er sogar noch einen Schritt wei­ter. Er sagt in einer Pres­se­mit­tei­lung, die Part­ner­schaf­ten könn­ten einen Bei­trag zum Wie­der­auf­bau der Ukrai­ne leis­ten. Vor dem Krieg habe es bereits 73 Part­ner­schaf­ten oder Freund­schaf­ten zwi­schen deut­schen und ukrai­ni­schen Städ­ten gege­ben. Inzwi­schen sei­en 34 neue Ver­bin­dun­gen dazugekommen.

Lewes Stadt Müns­ter soll auch bald eine Part­ner­schaft mit einer Stadt in der Ukrai­ne ein­ge­hen. Das hat der Rat schon im Juli beschlos­sen. Die Wahl ist dabei auf Win­nyzja in der Zen­tral­ukrai­ne gefal­len, eine Stadt, die Müns­ter in vie­ler­lei Hin­sicht ähnelt: In der Uni­ver­si­täts­stadt leben vie­le Stu­die­ren­de, das Fahr­rad ist ein belieb­tes Ver­kehrs­mit­tel und ins­ge­samt gilt die Win­nyzja als euro­pä­isch ori­en­tiert und als die lebens­wer­te Stadt der Ukrai­ne.

Aller­dings will sich Müns­ter nicht auf Dau­er bin­den. Die Part­ner­schaft mit Win­nyzja ist auf fünf Jah­re nach Ende des Krie­ges befris­tet. Und sie soll auch kei­ne klas­si­sche Städ­te­part­ner­schaft wie mit Orlé­ans, Lub­lin oder York sein, son­dern eine Soli­da­ri­täts­part­ner­schaft. Dadurch sol­len Klein­pro­jek­te geför­dert wer­den, etwa die Beschaf­fung medi­zi­ni­scher Güter oder von Rettungswagen.

Münster im Rückstand

Offi­zi­ell sind Müns­ter und Win­nyzja aber noch kei­ne Ver­bin­dung ein­ge­gan­gen. Laut Rats­be­schluss sol­len aber ers­te Hilfs­ak­tio­nen noch die­ses Jahr anlau­fen, „als Auf­takt einer mög­li­chen Soli­da­ri­täts­part­ner­schaft“ und „unter dem Vor­be­halt, dass Dritt­mit­tel ein­ge­wor­ben wer­den können”.

War­um sich die Stadt für eine sol­che Part­ner­schaft ent­schie­den hat und war­um seit dem Rats­be­schluss im Juli noch kei­ne Urkun­de unter­zeich­net wor­den ist, haben wir die Ver­wal­tung gefragt. Eine Ant­wort haben wir nicht bekom­men: „Wenn es kon­kre­te Neu­ig­kei­ten dazu gibt, infor­mie­ren wir dar­über“, heißt es aus dem Presseamt.

Dabei muss es eigent­lich schnell gehen. Stein­mei­er und Selen­skyj appel­lier­ten, kurz­fris­ti­ge Part­ner­schaf­ten ein­zu­ge­hen, um den Men­schen in der Ukrai­ne mit Hilfs­gü­tern durch den Win­ter zu hel­fen. Andern­orts ist man schon zu schnel­len Lösun­gen gekom­men: Die Stadt Karls­ru­he ist eine klas­si­sche Part­ner­schaft mit Win­nyzja ein­ge­gan­gen. Ers­te Spen­den­ak­tio­nen lau­fen bereits.

Wiederaufbau vom Bodensee

Städ­te­part­ner­schaf­ten wer­den oft belä­chelt, weil sie vie­len aus der Zeit gefal­len erschei­nen. Mit die­ser Kri­tik habe ich mich schon ein­mal aus­ein­an­der­ge­setzt, als ich über die Städ­te­part­ner­schaft Müns­ter-Ensche­de berich­tet habe (RUMS-Brief vom 13. Mai 2022).

Damals ent­geg­ne­te Chris­tia­ne Lösel, Lei­te­rin des Büros für Inter­na­tio­na­les der Stadt Müns­ter, dass über sol­che Ver­bin­dun­gen Hilfs­gü­ter in die Ukrai­ne gelangt sind. Nötig war dazu nur eine Tele­fon­ket­te: ein Anruf von Müns­ter nach Lub­lin und von dort aus nach Lub­lins Part­ner­stadt Lwiw.

Auch ein Bei­spiel vom Boden­see zeigt, dass Städ­te­part­ner­schaf­ten im Krieg nicht nur Sym­bo­le sind. Die Stadt Fried­richs­ha­fen ist seit 50 Jah­ren mit Sara­je­wo ver­bun­den, ursprüng­lich aus wirt­schaft­li­chem Inter­es­se. Doch dann brach Jugo­sla­wi­en zusam­men und die Haupt­stadt von Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na wur­de von bos­nisch-ser­bi­schen Trup­pen besetzt. 11.000 Men­schen ver­lo­ren Schät­zun­gen zufol­ge ihr Leben.

Wäh­rend die­ser Zeit hiel­ten die Part­ner­städ­te den Kon­takt zuein­an­der. Fried­richs­ha­fen schick­te Hilfs­gü­ter nach Sara­je­wo und der dama­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter reis­te in die bela­ger­te Stadt, um vor Ort zu schau­en, wo Hil­fe benö­tigt wird. Nach dem Bos­ni­en­krieg leis­te­te Fried­richs­ha­fen das größ­te Hilfs­pro­jekt: den Wie­der­auf­bau eines Gesund­heits­zen­trums. Für den Bau, Medi­ka­men­te und medi­zi­ni­sche Gerä­te bewil­lig­te der Stadt­rat damals 800.000 D-Mark. Wel­che Form der Soli­da­ri­tät aber Win­nyzja von Müns­ter erwar­ten kann, muss sich noch zei­gen. (sfo)


Korrekturen

Im RUMS-Brief am Diens­tag haben wir in der Rubrik „Drin­nen und Drau­ßen“ geschrie­ben, in Müns­ter habe 1972 die ers­te Chris­to­pher-Street-Demo statt­ge­fun­den. Das stimmt nicht. Es war das ers­te Mal, dass in Deutsch­land homo­se­xu­el­le Men­schen auf die Stra­ße gin­gen, um für ihre Rech­te zu kämp­fen. Und in der Rubrik „Unbe­zahl­te Wer­bung“ schrie­ben wir, um den Taschen­wa­gen auf dem Markt küm­me­re sich jetzt der Bring­dienst „Lee­zen Heroes“. Der Dienst heißt aber „Pake­the­ro“. (rhe)

Corona-Update

+++ Inwie­fern tra­gen Kin­der­ta­ges­stät­ten zum Infek­ti­ons­ge­sche­hen bei? Die­se Fra­ge soll die Coro­na-Kita-Stu­die beant­wor­ten, deren Abschluss­be­richt Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Lisa Paus und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach ges­tern in einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz vor­ge­stellt haben. Die bei­den wich­tigs­ten Ergeb­nis­se: „Kitas waren kei­ne Infek­ti­ons­her­de.“ Und: „Die Kita-Schlie­ßun­gen waren unnö­tig.“ Bei die­sen bei­den Zita­ten von Karl Lau­ter­bach fehlt aller­dings ein win­zi­ges, aber bedeu­tungs­schwe­res Detail. Denn Lau­ter­bach wies dar­auf hin, dass man zu die­sen Erkennt­nis­sen „nach dem Wis­sen von heu­te“ gekom­men sei. Hin­ter­her ist man halt immer schlau­er. (sfo)

+++ Die neue Omi­kron-Vari­an­te BQ1.1 brei­tet sich aus. Laut Robert-Koch-Insti­tut könn­te die Vari­an­te in weni­gen Wochen in Deutsch­land vor­herr­schend sein. In Frank­reich und den Nie­der­lan­den ist sie bereits weit ver­brei­tet. Ste­phan Lud­wig, Lei­ter des Insti­tuts für Viro­lo­gie an der Uni­kli­nik Müns­ter, erklärt die Lage im Exper­ten­in­ter­view. Zur Krank­heits­schwe­re sei­en noch nicht genü­gend Daten vor­han­den, es sehe aber nicht danach aus, dass BQ1.1 aggres­si­ver sei als die vor­herr­schen­de Omi­kron-Vari­an­te BA5. Die Emp­feh­lun­gen der Stän­di­gen Impf­kom­mis­si­on sei­en auch für die neue Vari­an­te sinn­voll, da sie sich aus BA5 ent­wi­ckelt hat, so Lud­wig. Imp­fen las­sen soll­ten sich die­je­ni­gen, deren Impf­schutz nach sechs Mona­ten abge­lau­fen sei; bei vul­nerablen Per­so­nen könn­te eine Auf­fri­schung schon nach vier Mona­ten ange­bracht sein. Ter­mi­ne zum Imp­fen in Müns­ter kön­nen Sie hier aus­ma­chen. (vpe)

+++ Die Stadt mel­det seit ges­tern 169 posi­ti­ve PCR-Tests. Damit sind im Moment offi­zi­ell 2.120 Münsteraner:innen mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Die Wochen­in­zi­denz pro 100.000 Men­schen liegt nach Robert-Koch-Insti­tut bei 401. Der­zeit lie­gen elf Infi­zier­te in Müns­ter auf der Inten­siv­sta­ti­on, mel­det das Inten­siv­re­gis­ter. Eine Per­son wird beatmet. Außer­dem hat die Stadt die­se Woche einen neu­en Todes­fall im Zusam­men­hang mit Covid-19 gemel­det. Seit Beginn der Pan­de­mie sind 238 Men­schen in Müns­ter an oder mit Coro­na gestor­ben. (vpe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ An der Lipp­städ­ter Stra­ße ist ein Blind­gän­ger auf­ge­taucht. (Stadt Müns­ter)

+++ Beam­te des Haupt­zoll­am­tes Bre­men haben in einem Ver­fah­ren gegen einen Bau-Unter­neh­mer zwei Woh­nun­gen an der Kanal­stra­ße durch­sucht. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Gebüh­ren für die Abfall­ent­sor­gung und Stra­ßen­rei­ni­gung wer­den nicht teu­rer, aber auch nicht bil­li­ger. (Stadt Müns­ter)

+++ Da ein Haus der Nach­hal­tig­keit an der Ham­mer Stra­ße geplant ist, schließt die Umwelt­be­ra­tung der Stadt nach 30 Jah­ren. (Stadt Müns­ter)

+++ Ab Mon­tag hat die Stadt­bü­che­rei neue Öff­nungs­zei­ten und ist mon­tags geschlos­sen. (Stadt Müns­ter)

+++ Ehren­amt I: Das Han­sa­fo­rum sucht Frei­wil­li­ge, die sich um die Nist­käs­ten im Han­sa­vier­tel küm­mern wol­len. (Han­sa­fo­rum auf Insta­gram)

+++ Ehren­amt II: Das Hans­fo­rum sucht auch noch jeman­den, der das Müll­sam­mel­pro­jekt im Han­sa­vier­tel koor­di­nie­ren will. (Han­sa­fo­rum auf Insta­gram)

+++ Das Stra­ßen­ma­ga­zin drau­ßen! sucht eine:n Redakteur:in. (Stra­ßen­ma­ga­zin drau­ßen!)

+++ Die Querdenker:innen demons­trie­ren mon­tags nicht mehr nur wegen Coro­na, son­dern auch wegen des Kriegs und den gestie­ge­nen Sprit­prei­sen. (WDR)

+++ Am Haupt­bahn­hof wur­de eine Frau aus Ham­burg fest­ge­nom­men, die auf­ge­fal­len war, weil sie kei­ne Coro­na­mas­ke im Zug trug – wie sich spä­ter her­aus­stell­te, wur­de sie wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung mit Haft­be­fehl gesucht. (Bun­des­po­li­zei NRW)

Unbezahlte Werbung

​​Der Novem­ber hat begon­nen, die Tage wer­den kür­zer und die Tem­pe­ra­tu­ren hof­fent­lich bald win­ter­lich. Wenn Sie zu Hau­se für eine gemüt­li­che Atmo­sphä­re und die pas­sen­de Deko­ra­ti­on sor­gen möch­ten, schau­en Sie ein­mal beim Schön­werk an der Waren­dor­fer Stra­ße 71 vor­bei. Hier gibt es Papier­ster­ne für den Weih­nachts­baum, Vasen im 70er-Jah­re-Look und zeit­lo­se Wohn­ac­ces­soires für alle, bei denen der Weih­nachts­tru­bel erst spä­ter begin­nen darf. Für krea­ti­ve Köp­fe bie­tet das Schön­werk regel­mä­ßig Work­shops an, bei­spiels­wei­se für Blu­men­kranz-Bin­den und Makra­mee. Die Ter­mi­ne las­sen sich online buchen. 

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

+++ Der Herbst ist noch gar nicht rich­tig in Müns­ter ange­kom­men, aber auf der Burg Hüls­hoff weih­nach­tet es schon. Dort ist heu­te die Mes­se Win­terträu­me los­ge­gan­gen, bei der sich die Besucher:innen noch bis Sonn­tag Advents­schmuck und Weih­nachts­ge­schen­ke besor­gen kön­nen. Und auch im Bür­ger­haus Kin­der­haus kön­nen Sie die­ses Wochen­en­de schon ein paar Prä­sen­te für Hei­lig­abend besor­gen. Dort fin­det der Krea­tiv­markt statt, auf dem Künstler:innen Hand­ge­mach­tes anbieten.

+++ Am Wochen­en­de dreht sich in der Hal­le Müns­ter­land alles um Öko­lo­gie, Nach­hal­tig­keit und Vega­nis­mus. Bei der drit­ten Veg­gi­e­na­le in Müns­ter prä­sen­tie­ren sich zahl­rei­che Aussteller:innen, die zum Bei­spiel fai­re Kla­mot­ten, grü­ne Geld­an­la­gen oder Öko­strom anbie­ten. Dane­ben gibt es Vor­trä­ge und Work­shops zu nach­hal­ti­gen The­men – und natür­lich auch ein bio-vega­nes Cate­ring. Die Mes­se ist am Sams­tag und Sonn­tag von 10 bis 18 Uhr geöff­net. Ein­tritt: 10 Euro. Wer sich ein Online­ti­cket besorgt, spart einen Euro.

+++ Schon 2019 kam der süd­ko­rea­ni­sche Film Para­si­te in die Kinos. In der oscar­prä­mier­ten Mischung aus Dra­ma und Sati­re geht es um die ver­arm­te Fami­lie Kim, die sich mit Aus­hilfs­jobs durch­schlägt und sich nach oben kämpft. Das Cine­ma zeigt Para­si­te am Diens­tag im Rah­men der Rei­he Poli­tik & Film der Uni Müns­ter. Los geht’s zur Prime­time um 20.15 Uhr. Tobi­as Gum­bert vom Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaft wird vor­ab eine Ein­füh­rung in den Stoff des Films geben. Kar­ten bekom­men Sie hier.

+++ Nach dem gan­zen G7-Tru­bel wird’s aber auch mal wie­der Zeit, fei­ern zu gehen. Heu­te Abend fin­det im Local Host neben der RUMS-Redak­ti­on wie­der ein Purism-Kon­zert statt. Die Grup­pen Red On + Sub­ri­han­na, Kara Delik und Zim­mer­mann & Köve­ner spie­len Eleco­tro­ni­ca, Kraut­rock, Post­punk und Mini­mal. Das Kon­zert beginnt um 21.20 Uhr, Tickets gibt es ab 10 Euro an der Abendkasse.

+++ À pro­pos G7: Mor­gen macht das LWL-Muse­um für Kunst und Kul­tur wie­der auf.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen ein ruhi­ges Wochen­en­de. Erho­len Sie sich gut vom Tru­bel der ver­gan­ge­nen Tage.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Jan Gro­ße Nobis, Ralf Hei­mann, Vik­to­ria Pehl­ke
Lek­to­rat: Mela­nie Kelter

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PS

Wuss­ten Sie, dass der Män­ner­schnup­fen kein Mythos ist? Das weib­li­che Hor­mon Östro­gen schützt Frau­en vor leich­ten Infek­ti­ons­krank­hei­ten – oder anders gesagt: Män­ner erkäl­ten sich ein­fach schnel­ler. Ihnen Weh­lei­dig­keit vor­zu­wer­fen, ist dar­um eigent­lich unfair. War­um ich Ihnen das erzäh­le? Ges­tern war Welt­män­ner­tag, bei dem es um die Gesund­heit mei­ner Geschlechts­ge­nos­sen geht. Und wie geht’s uns so? Zwei Drit­tel der erwach­se­nen Män­ner in Deutsch­land sind über­ge­wich­tig, Män­ner erkran­ken dop­pelt so oft wie Frau­en an Lun­gen­krebs und bekom­men drei­mal häu­fi­ger einen Herz­in­farkt. Depres­sio­nen äußern sich bei Män­nern anders als bei Frau­en und wer­den des­halb sel­te­ner erkannt. Beson­ders trau­rig: Drei Vier­tel aller Sui­zi­de wer­den von Män­nern began­gen. Ins­ge­samt ster­ben Män­ner fast fünf Jah­re frü­her als Frau­en. Was dage­gen hel­fen kann? Zum Bei­spiel Geld für die For­schung, die bei der Akti­on Movem­ber ein­ge­sam­melt wird. Einen Monat lang sam­meln die Teil­neh­mer dabei Spen­den. Am Anfang rasie­ren sie sich ein­mal glatt und las­sen sich dann einen Schnurr­bart wach­sen, um ein sicht­ba­res Zei­chen für eine bes­se­re Män­ner­ge­sund­heit zu setzen.

PPS

Yves Bel­ling­hau­sen und Niko­laus Urban haben für ihre RUMS-Repor­ta­ge „Das Kreuz mit den Rädern“ den drit­ten Preis beim Medi­en­preis Wirt­schaft NRW gewon­nen. Wir freu­en uns sehr. Die Repor­ta­ge ist im ver­gan­ge­nen Jahr ent­stan­den, als die Repor­ta­ge­schu­le Reut­lin­gen uns besucht hat. Yves Bel­ling­hau­sen arbei­tet zur­zeit für das Wirt­schafts­ma­ga­zin „brand eins“ und die „Zeit“, Niko­laus Urban ist unser Foto­re­dak­teur. In der Repor­ta­ge geht es um zwei Men­schen, einen Mann und eine Frau. Der Mann möch­te ein Wind­rad bau­en, aber das ist Ody­see, die sich über Jah­re hin­zieht. Die Frau dage­gen fühlt sich von einem Wind­rad tyran­ni­siert. Wenn Sie noch ein­mal rein­schau­en möch­ten: Wir haben den Bei­trag frei­ge­schal­tet.