Die Wilhelm-Debatte, Folge 412 | Verkehrspolitik als Tauziehen | Der Domplatz wird autofrei | Wie gefährlich sind Taser?

Müns­ter, 6. Dezem­ber 2022

Guten Tag,

in einer Ankün­di­gung von zwei Podi­ums­dis­kus­sio­nen stell­te die Uni Müns­ter vor ein paar Tagen die Fra­ge: „Soll­te sich die Uni­ver­si­tät Müns­ter umbe­nen­nen?“ Und das ist etwas irri­tie­rend, denn wenn die Ant­wort auf die­se Fra­ge Ja sein wird, könn­te die West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät in Zukunft Uni­ver­si­tät Müns­ter hei­ßen. So rich­tig ein­deu­tig ist in der gan­zen Debat­te aber vie­les ohne­hin nicht. Das zeig­te die ers­te der bei­den ange­kün­dig­ten Podi­ums­dis­kus­sio­nen am Mon­tag­abend sehr schön. 

Eck­art Con­ze, His­to­ri­ker an der Uni Mar­burg und einer der drei Teil­neh­men­den, zitier­te einen Satz, den er auf der Web­site der Uni Müns­ter gele­sen hat­te: „Geschich­te ist Gegen­wart.“ Das müs­se der Aus­gangs­punkt der Debat­te sein, befand er. Geschichts­bil­der und die Vor­stel­lung von Geschich­te änder­ten sich, des­we­gen sei es für ihn auch kei­ne gro­ße Über­ra­schung, dass die Uni Müns­ter sich immer wie­der mit ihrem Namens­ge­ber auseinandersetze. 

Zuletzt hat­te sie das Ende der 90er-Jah­re getan. Damals ent­schied man sich für Wil­helm, wie auch Anfang der 1950er-Jah­re, als die Uni­ver­si­tät sie­ben Jah­re lang Uni­ver­si­tät Müns­ter gehei­ßen hat­te. Schließ­lich nahm sie alten Namen wie­der an. War­um genau, las­se sich anhand der vor­lie­gen­den Quel­len nicht mehr genau nach­voll­zie­hen, sag­te Eck­art Conze. 

In der Debat­te fast 50 Jah­re spä­ter sei das Haupt­ar­gu­ment für Wil­helm die Tra­di­ti­on gewe­sen, sag­te Eck­hard Kluth, Kus­tos der Uni Müns­ter und am Mon­tag­abend Mode­ra­tor. Heu­te könn­te am Ende ein ande­res Ergeb­nis stehen. 

In der Bewer­tung spielt dabei nicht nur Wil­helm eine Rol­le, son­dern auch die Zeit, in der er leb­te. Das mach­te die Debat­te deutlich. 

Hed­wig Rich­ter, His­to­ri­ke­rin von der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr in Mün­chen, warb für ein dif­fe­ren­zier­tes Bild und einen Blick auf den grö­ße­ren Kon­text. Die Vor­stel­lung von der dunk­len Kai­ser­zeit, dem Pickel­hau­ben­staat, vom Neo­ab­so­lu­tis­mus, das sei in der Öffent­lich­keit sehr prä­sent, aber in der For­schung längst über­wun­den, sag­te sie. Die Kai­ser­zeit sei eine Zeit der Auf­brü­che gewe­sen, in der Kunst und auch gesell­schaft­lich. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie sei ent­stan­den, der Sozi­al­staat habe hier sei­nen Ursprung, es sei auch ein demo­kra­ti­scher Auf­bruch gewesen. 

Das stell­te Rich­ter einer ande­ren Inter­pre­ta­ti­on gegen­über, näm­lich der, dass die anti­de­mo­kra­ti­schen Ten­den­zen im Kai­ser­reich zwangs­läu­fig in den Natio­nal­so­zia­lis­mus füh­ren muss­ten. Das sei die ein­fachs­te Erklä­rung. Rich­ter fass­te sie in dem Satz zusam­men: „Es gab die­se merk­wür­di­gen Deut­schen, die schon immer anders waren, vor allem im Kai­ser­reich.“ Man müs­se sehen, die­se Erklä­rung habe eine Funk­ti­on. Sie ent­las­te den Wes­ten, auch Nazis hät­ten die­se Erzäh­lung spä­ter ver­wen­det, im Sin­ne von: „Ich war ja Deut­scher, was soll­te ich tun?“ 

Hier sind sich aller­dings auch die Fach­leu­te nicht ganz einig. Hart­win Spen­kuch, His­to­ri­ker an der Ber­lin-Bran­den­bur­gi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, sag­te, er zweif­le an Rich­ters Annah­men. „Ich sehe das nicht so, dass der Pickel­hau­ben­staat in der Öffent­lich­keit prä­sent wäre, dass die For­schung belegt habe, dass das Kai­ser­reich auf dem Weg zur Demo­kra­tie gewe­sen sei (…)“, so Spen­kuch. Er glau­be, hier wer­de ein Popanz auf­ge­baut, das dunk­le Kai­ser­reich, um ihn dann zu zer­stö­ren. Man müs­se einen Fak­ten­check machen, aber das kön­ne die Run­de nicht leis­ten. Um die Fra­ge zu beant­wor­ten, ob die Wil­helms-Uni­ver­si­tät ihren Namen behal­ten soll­te, wird das wahr­schein­lich auch gar nicht so wich­tig sein. 

Vor zwei Wochen, kurz nach Beginn der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft, kur­sier­ten im Netz alte Aus­schnit­te mit Zita­ten von deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­spie­lern, die im Jahr 1978 zur Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft nach Argen­ti­ni­en gefah­ren waren, damals noch eine Mili­tär­dik­ta­tur. Der Natio­nal­spie­ler Klaus Fischer hat­te gesagt: „Mili­tär stört mich nicht. Ich hof­fe, wir kom­men weit.“ Fischers Kol­le­ge Man­fred Kaltz sag­te laut der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung: „Nein, belas­ten tut mich das nicht, dass dort gefol­tert wird.“ Heu­te könn­te kein Natio­nal­spie­ler mehr so etwas sagen, ohne aus der Mann­schaft gewor­fen zu wer­den. Dabei gibt es kei­ne wesent­li­chen neu­en Erkennt­nis­se, die zu einer ande­ren Ein­schät­zung der Situa­ti­on damals füh­ren wür­den. Das Damals hat sich nicht ver­än­dert, aber das Heu­te. Geschich­te ist Gegen­wart. (rhe)

Die zwei­te Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma beginnt am Mitt­woch­abend um 18:15 Uhr in der Aula am Schloss­platz 2 oder im Live­stream, wei­te­re Infos hier.

Kurz und Klein 

+++ Bele­se­ne Journalist:innen bezeich­nen Geschich­ten, die auf ihre eige­ne Wei­se uner­gründ­lich, skur­ril und absurd wir­ken, ger­ne als kaf­ka­esk. Falls Sie sich auf Anhieb nichts dar­un­ter vor­stel­len kön­nen, hier hät­ten wir ein schö­nes Bei­spiel: Nord­rhein-West­fa­lens Jus­tiz­mi­nis­ter Ben­ja­min Lim­bach möch­te ver­hin­dern, dass Men­schen wei­ter­hin wegen Schwarz­fah­rens hin­ter Git­tern müs­sen. Das ist in Deutsch­land eine Straf­tat: 1935 hat­ten die Nazis das Erschlei­chen von Beför­de­rungs­leis­tun­gen ins Straf­ge­setz­buch geschrie­ben, seit­dem kom­men jedes Jahr Men­schen für maxi­mal ein Jahr in Haft, wenn sie sich eine Geld­stra­fe und ein erhöh­tes Beför­de­rungs­ent­gelt von 60 Euro nicht leis­ten kön­nen. Mitt­ler­wei­le nimmt die­ser Straf­pa­ra­graf in der Rea­li­tät aber gro­tes­ke Züge an: Spre­che­rin Lena Off von der JVA Müns­ter schreibt uns auf Anfra­ge, dass „zu Hoch­zei­ten“ rund zehn Gefan­ge­ne wegen Fah­rens ohne Fahr­schein ein­sit­zen. So rich­tig scheint die JVA aber nicht vom Sinn die­ser Haft­stra­fen über­zeugt zu sein. Denn die Inhaf­tier­ten wer­den „zeit­nah nach ihrer Auf­nah­me“ über den Frei­heits­fonds infor­miert. Das ist eine Initia­ti­ve, die bun­des­weit Schwarzfahrer:innen aus dem Knast frei­kauft. Um die Leu­te schnell und unbü­ro­kra­tisch wie­der frei­zu­las­sen, hat sich die JVA Müns­ter sogar einen beque­men Ser­vice ein­fal­len las­sen: Schon kur­ze Zeit nach der Inhaf­tie­rung fül­len die Gefan­ge­nen die For­mu­la­re für den Frei­heits­fonds aus, die der Sozi­al­dienst der JVA an die Initia­ti­ve wei­ter­schickt. Sobald das Geld über­wie­sen ist, kom­men die Inhaf­tier­ten frei, meist noch am sel­ben Tag. Dass die JVA den Umgang mit Schwarzfahrer:innen so hand­habt, ist übri­gens kein Muss, son­dern ein frei­wil­li­ger Auf­wand. Die Haft­an­stal­ten sei­en nur „dazu ange­hal­ten, die Inhaf­tier­ten bei haft­ver­kür­zen­den Maß­nah­men zu unter­stüt­zen“, schreibt Spre­che­rin Lena Off. Das mache man bei Schwarzfahrer:innen ger­ne, denn der Frei­heits­fonds die­ne „dem Ziel der Reso­zia­li­sie­rung“. Und wenn ganz neben­bei auch noch ein alter Straf­pa­ra­graf ad absur­dum geführt wird – war­um nicht? (ast/sfo)

+++ Über­mor­gen ist bun­des­wei­ter Warn­tag, schon wie­der. Nor­ma­ler­wei­se probt Nord­rhein-West­fa­len nur zwei­mal im Jahr den Ernst­fall, näm­lich im März und Sep­tem­ber. Aber Sie wis­sen ja: Außer­or­dent­li­che Zei­ten erfor­dern außer­or­dent­li­che Warn­ta­ge. Für den 8. Dezem­ber hat sich die Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz sogar etwas ganz Beson­de­res vor­ge­nom­men: Dies­mal sol­len nicht nur Sire­nen ertö­nen, Warn-Apps die Bevöl­ke­rung alar­mie­ren und das Fern­seh­pro­gramm geän­dert wer­den, erst­mals soll auch das soge­nann­te Cell Broad­cast erprobt wer­den. Pünkt­lich um 11 Uhr sol­len dazu ein­mal alle Han­dys rap­peln und eine Art SMS mit einer War­nung emp­fan­gen. So lau­tet zumin­dest die Ankün­di­gung, die auf einer Web­site mit dem schö­nen Namen Warnung-der-Bevoelkerung.de nach­zu­le­sen ist. Ob das was wird? Wir wer­den es sehen und hören – oder auch nicht. 2020 ging ja schon mal alles ganz schön schief und beim letz­ten Plei­ten-Pech-und-Pan­nen-Warn­tag im Sep­tem­ber funk­tio­nier­te tra­di­ti­ons­ge­mäß auch so gut wie gar nichts, zumin­dest in Müns­ter. Es wird also span­nend. (sfo)

+++ Im ver­gan­ge­nen Jahr hat das Sozi­al­amt der Stadt Müns­ter von 137 Kla­gen gegen Fami­li­en erfah­ren, die wegen Miet­schul­den aus ihren Woh­nun­gen geräumt wer­den soll­ten. In 62 Fäl­len ist es gelun­gen, die Woh­nung zu erhal­ten. Eine Fami­lie wur­de in einer Unter­kunft für Woh­nungs­lo­se unter­ge­bracht. 2020 wur­den dem Sozi­al­amt noch 155 Räu­mungs­kla­gen mit­ge­teilt. Die­se Sta­tis­tik passt in den bun­des­wei­ten Trend. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um teil­te die­se Woche auf Anfra­ge der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag mit, dass die Zahl der Zwangs­räu­mun­gen rück­läu­fig ist. Mehr als 29.000 Woh­nun­gen sind 2021 zwangs­ge­räumt wor­den, im Jahr davor waren es mit über 30.700 noch deut­lich mehr. Nur: Die­se Zah­len stam­men noch aus Zei­ten vor dem Ukrai­ne­krieg und den mas­si­ven Stei­ge­run­gen der Ener­gie- und Lebens­mit­tel­prei­se. Ob die­ser Posi­tiv­trend also anhält, ist lei­der frag­lich. (sfo)


Zahlen, bitte. 

Zwi­schen sechs und sie­ben von 100 Men­schen haben in Müns­ter so vie­le Schul­den, dass sie ihre Zah­lungs­rück­stän­de mit ihren lau­fen­den Ein­nah­men nicht beglei­chen kön­nen. Damit steht Müns­ter bes­ser da als der Bun­des­durch­schnitt, der bei etwa 8,5 Pro­zent liegt. Die Zahl sol­cher Über­schul­dungs­fäl­le ist seit Jah­ren rück­läu­fig, doch Fach­leu­te sehen eine Trend­wen­de auf uns zukom­men. Wegen der mas­si­ven Infla­ti­on dürf­ten bald mehr Men­schen in die Über­schul­dung abrut­schen. Quel­le: Schul­den­at­las 2022 der Cretditreform


Münsters Verkehrspolitik – oder Bündnis vs. Stadtverwaltung

Vor eini­gen Wochen hat der Fahr­rad­händ­ler Peter Hür­ter aus Müns­ter der Wochen­zei­tung „Die Zeit” gesagt, dass Fahr­rä­der gera­de sehr güns­tig sind. Das ist unge­wöhn­lich, sonst fällt einem nur wenig ein, das im Moment güns­tig ist – mal abge­se­hen von Fanu­ten­si­li­en der deut­schen Fußballnationalmannschaft. 

Das Phä­no­men mit den Fahr­rä­dern erklärt Hür­ter so: In der Coro­na­zeit waren Räder und Ersatz­tei­le knapp. Wenn Hür­ter ein Drit­tel mehr Gang­schal­tun­gen bestell­te als im Vor­jahr, bekam er trotz­dem nur 85 Pro­zent der Ware. Also bestell­te er im Jahr dar­auf die Hälf­te mehr, so mach­ten es vie­le Fahr­rad­ge­schäf­te. Und jetzt tru­delt die Ware lang­sam ein. Ware, mit der über­haupt nie­mand mehr gerech­net hat­te. Im Ergeb­nis führt das zu vol­len Lagern und fal­len­den Preisen. 

Das könn­te ein Anreiz sein, sich ein neu­es Fahr­rad zu kau­fen. Aber es ist noch kein Anreiz, mit dem Fahr­rad zu fah­ren – statt mit dem Auto oder dem Bus. 

Wie das gelin­gen kann, ist die gro­ße Fra­ge in der Ver­kehrs­po­li­tik. Vor einer Woche hat­te ich dar­über geschrie­ben , dass alles, was sich bis­lang bewegt oder was die Stadt bis­lang beschlos­sen hat, so gut wie kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Kli­ma hat. Und hier wäre es natür­lich ganz gut, wenn das pas­sie­ren wür­de, was die Fahr­rad­lä­den erle­ben. Plötz­lich tru­delt all das ein, was man bestellt hat­te, dann käme man etwas schnel­ler voran.

Dann läge plötz­lich ein Doku­ment mit dem Titel „Mas­ter­plan Mobi­li­tät 2035+“ auf dem Tisch, in dem man nach­le­sen könn­te, was alles zu tun ist. Dann wür­de man auf dem Weg nach Telg­te sehen: Oh, eine fer­ti­ge Velo­rou­te. Und dann könn­te man mit dem Bus hier und da ein­fach am ste­hen­den Ver­kehr vor­bei­fah­ren. Aber all die­se Papie­re, auf denen das erst mal ste­hen müss­te, ste­cken anschei­nend im Stau.

Probleme in der Abstimmung

Die Ver­ant­wor­tung trägt zum einen das Rat­haus­bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt, das vor zwei Jah­ren im Koali­ti­ons­ver­trag so vie­les ange­kün­digt hat­te. Und eini­ges könn­te sicher schnel­ler gehen. Aber Lokal­po­li­tik bedeu­tet: Men­schen küm­mern sich nach Fei­er­abend dar­um, dass Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Umset­zen muss das dann die Stadt­ver­wal­tung. Und hier scheint es in der Abstim­mung ein paar Pro­ble­me zu geben. 

In der Ver­wal­tung sit­zen Fach­leu­te, die sich aus­ken­nen mit dem, was sie da machen. Und dann kom­men die Grü­nen daher und wol­len die Vor­schlä­ge an allen mög­li­chen Stel­len geän­dert haben. Hier ein Detail, hier noch eine kri­ti­sche Anmer­kung. Das kann­te man aus der CDU-Zeit so nicht. 

Jetzt gera­de schon wie­der. Die Stadt­ver­wal­tung legt ein Papier vor, in dem steht, was Müns­ter im Ver­kehr machen muss, um kli­ma­neu­tral zu wer­den. Sie kün­digt eine Modellana­ly­se an, die ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en zeigt. Und schon gibt es einen aus­führ­li­chen Ände­rungs­an­trag. Das Bünd­nis wünscht sich mehr Differenzierung. 

Ein Wunsch ist: Das Sze­na­rio, mit dem es gelingt, kli­ma­neu­tral zu wer­den, soll auch zei­gen, wel­che Aus­wir­kun­gen ein 49- sowie ein 29-Euro-Ticket haben könn­te, und das für meh­re­re mög­li­che Fälle. 

Das Modell soll zei­gen, was es brin­gen wür­de, die Park­plät­ze für Autos in der Stadt knap­per und das Par­ken teu­rer zu machen. Es soll berück­sich­ti­gen, was es fürs Kli­ma bedeu­ten wür­de, Stra­ßen zu sper­ren, Auto­spu­ren in Bus­spu­ren umzu­wan­deln und das Stadt­ge­biet für Autos mit Ver­bren­ner­mo­to­ren zu sper­ren. Außer­dem soll zu erken­nen sein, wie sinn­voll es wäre, dem Rad-, Fuß- und Bus­ver­kehr an den Ampeln Vor­rang zu gewähren.

Dazu soll die Stadt­ver­wal­tung die Ergeb­nis­se so auf­be­rei­ten, dass sicht­bar wird, wel­chen Nut­zen jede ein­zel­ne Maß­nah­me hat und wie groß die Gesamt­wir­kung ist. Und im Gut­ach­ten soll ste­hen, wo sei­ne Gren­zen sind.

Korrekturen, Ergänzungen und Bitten

Klingt ein biss­chen, als hät­te die Che­fin dem Azu­bi den Ent­wurf noch ein­mal mit Rot­stift kor­ri­giert auf den Schreib­tisch gelegt. „Bit­te auch an dies den­ken – und an das natür­lich auch, vor allem aber das hier nicht ver­ges­sen.“ Mög­li­cher­wei­se kommt das in der Stadt­ver­wal­tung so an. 

Aber war­um die gan­zen Kor­rek­tu­ren, Ergän­zun­gen und Bit­ten, es anders zu machen? Man muss davon aus­ge­hen, dass das alles nicht ein­fach nur Schi­ka­ne ist. Es geht hier vor allem um poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Und ein Grund dafür, dass man frü­her mit weni­ger Ände­rungs­wün­schen aus­kam, könn­te sein, dass die Stadt­ver­wal­tung CDU-geführt ist und eige­ne poli­ti­sche Vor­stel­lun­gen hat.

In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ist die­ser Ein­druck an meh­re­ren Stel­len ent­stan­den. Als Stadt­bau­rat Robin Denstorff am Aasee eine spek­ta­ku­lä­re Fahr­rad­brü­cke bau­en woll­te, einen Fly­o­ver, mach­te die Poli­tik deut­lich: Wir wol­len die­se Brü­cke nicht. Die Stadt­ver­wal­tung bekam die Auf­ga­be, aus­zu­ar­bei­ten, wie man das Ver­kehrs­pro­blem hier anders lösen könn­te. So ent­stan­den acht Vor­schlä­ge, von denen nur zwei in Fra­ge kamen. Sie waren prak­tisch iden­tisch, bis auf ein klei­nes Detail: Num­mer acht war Num­mer sie­ben mit Flyover. 

Das Rat­haus­bünd­nis war mit kei­nem der Vor­schlä­ge zufrie­den, denn, so fand man, sie mach­ten vor allem dem Auto­ver­kehr alles recht. Das Papier ging zurück an die Stadt­ver­wal­tung. Seit­dem hat man davon nichts mehr gehört. Vor­schlag acht hat sich inzwi­schen erle­digt. Das Bünd­nis hat das Geld für den Fly­o­ver gestrichen. 

So kommen wir hier nicht weiter

Auch der „Mas­ter­plan Mobi­li­tät 2035+“, das gol­de­ne Buch der Ver­kehrs­po­li­tik, soll­te schon lan­ge fer­tig sein, Ende des ver­gan­ge­nen Jah­res. Doch es gab Pro­ble­me mit dem Büro, das den Auf­trag bekom­men hat­te, man such­te ein neu­es. Und als das dann ein Zwi­schen­er­geb­nis vor­stell­te, saßen Ver­kehrs­fach­leu­te in einer Run­de und soll­ten auf Zet­tel­chen ihre Vor­schlä­ge schrei­ben. Man war sich einig: So kom­men wir hier nicht weiter. 

Hat­te die Ver­wal­tung denn mit der Poli­tik gar nicht gespro­chen? Anschei­nend nicht so, wie man sich das gewünscht hät­te. Wenn man sich im Bünd­nis umhört, heißt es, man habe das Gefühl, die Stadt­ver­wal­tung koche ihr eige­nes Süpp­chen. Es ist die Rede von einer „jah­re­lan­gen Blo­cka­de“ und einer „mut­lo­sen Verwaltung“.

In Ber­lin ist der Rich­tungs­streit in der Ver­kehrs­po­li­tik nach einem Bericht des Nach­rich­ten­ma­ga­zins „Der Spie­gel“ öffent­lich gewor­den. Im Koali­ti­ons­ver­trag hat­te man sich dar­auf geei­nigt, dass „erheb­lich mehr in die Schie­ne als in die Stra­ße“ inves­tiert wer­den soll. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wis­sing von der FDP will aber nicht nur Bahn­stre­cken bau­en, son­dern auch Auto­bah­nen. Das gefällt vor allem den Grü­nen nicht, die den Koali­ti­ons­ver­trag anders verstehen. 

In Müns­ter ist es in der Ver­gan­gen­heit zuletzt so gelau­fen: Die Stadt­ver­wal­tung schlägt vor, Stra­ßen aus­zu­bau­en. Das Bünd­nis schlägt den Fach­leu­ten auf die Fin­ger. Und schließ­lich geht es doch anders. Als die damals noch schwarz-grü­ne Rat­haus­ko­ali­ti­on vor Jah­ren beschloss, die Bun­des­stra­ße 54 nicht mehr am Aasee vor­bei­zu­füh­ren, son­dern über den Ring, kam die Ver­wal­tung zu der Ein­schät­zung: Der Kol­de-Ring muss vier­spu­rig wer­den. Das neue Bünd­nis mach­te durch die­sen Plan vor knapp zwei Jah­ren einen Strich. Mitt­ler­wei­le kom­men auch die Ver­kehrs­fach­leu­te aus dem Stadt­haus zu der Ein­schät­zung, dass zwei Spu­ren an die­ser Stel­le völ­lig ausreichen. 

Eine Sparvariante

Vor knapp zwei Jah­ren hat­te das Bünd­nis im Ver­kehrs­aus­schuss auch deut­lich gemacht, dass es die Auto­bahn­spin­ne an der Wese­ler Stra­ße zwar ger­ne umbau­en wür­de, damit die Bus­se dort nicht aus­ge­bremst wer­den, aber nicht um den Preis neu­er Spu­ren für Autos. Im neu­en Ver­wal­tungs­pa­pier, das knapp zwei Jah­re lang reif­te und Mit­te Novem­ber erschien, schlägt die Ver­wal­tung drei neue Abbie­ge­spu­ren für Autos und zwei neue Bus­spu­ren vor, dazu eine Spar­va­ri­an­te. Wenn man auf etwas ver­zich­ten wol­le, dann am bes­ten auf eine der Abbie­ge­spu­ren für Autos und bei­de Bus­spu­ren, so steht es in dem Papier.

In der glei­chen Ver­kehrs­aus­schuss-Sit­zung beschloss das Bünd­nis, nicht nur 100 Auto­park­plät­ze in der Stadt mit 1.000 Fahr­rad­bü­geln aus­zu­stat­ten, wie die Stadt­ver­wal­tung es vor­ge­schla­gen hat­te, son­dern 300 Park­plät­ze mit 3.000 Bügeln. Laut einer öffent­li­chen Kar­te ste­hen inzwi­schen auf etwa 35 Park­plät­zen Bügel. Wenn die Kar­te aktu­ell ist und es im glei­chen Tem­po wei­ter­geht, wäre man in knapp neun Jah­ren fer­tig. Den Plä­nen nach wäre die Stadt dann schon seit zwei Jah­ren klimaneutral.

Aber ist das wirk­lich wahrscheinlich? 

Der Koali­ti­ons­ver­trag des Rat­haus­bünd­nis­ses wird im Janu­ar zwei Jah­re alt. Die Über­schrif­ten im Kapi­tel „Mobi­li­tät & Ver­kehr“ lau­ten: ÖPNV stär­ker machen. Mehr Platz und Vor­rang für den Rad­ver­kehr. Stär­kung des Fuß­ver­kehrs und Sicher­heit für alle. Auto­ver­kehr neu orga­ni­sie­ren. Flug­ha­fen Münster-Osnabrück. 

Das gro­ße Wahl­kampf­the­ma war eine auto­freie Innen­stadt, aus der eine „weit­ge­hend auto­freie Innen­stadt“ wur­de. In der Rea­li­tät ist Müns­ter wei­ter­hin weit­ge­hend eine Autostadt. 

In der Bilanz steht bis­lang vor allem die Bus­spur vor dem Bahn­hof, die aus den Ver­kehrs­ver­su­chen geblie­ben ist. Und in der nächs­ten Woche will der Rat das 29-Euro-Ticket beschlie­ßen, das Bus­fah­ren in der Stadt, viel­leicht auch in der Regi­on, güns­ti­ger machen soll. Das ist ein Schritt, aber so viel Ver­kehrs­wen­de ist das noch nicht. 

In sie­ben Jah­ren soll Müns­ter kli­ma­neu­tral sein, doch in sie­ben Jah­ren kann wenig pas­sie­ren – das hat man zuletzt gese­hen. Dass die Stadt beschloss, einen Mas­ter­plan für den Ver­kehr ent­wer­fen zu las­sen, ist über fünf Jah­re her. Sehr vie­le neue Erkennt­nis­se habe man seit­dem nicht gewon­nen, heißt es aus der Koalition.

Domplatz wird autofrei

Aber ein biss­chen tut sich doch. Als das Bünd­nis das 29-Euro-Ticket ankün­dig­te, hieß es, man wer­de die Kos­ten quer­fi­nan­zie­ren, über die Autos. Anwoh­ner­park­aus­wei­se etwa sol­len mehr kos­ten als bis­her. Und das wäre wie­der ein Punkt, an dem die Ver­wal­tung auf die Brem­se tre­ten könnte. 

Aus einer Pres­se­mit­tei­lung der Grü­nen in der ver­gan­ge­nen Woche liest man die­se Angst her­aus. Andrea Blo­me, die Vor­sit­zen­de des Ver­kehrs­aus­schus­ses, teilt dar­in mit, man habe die Mit­tel für den Unter­halt der Stra­ßen vor­über­ge­hend gekürzt. Wört­lich sagt sie: „Stadt­bau­rat Denstorff kann die­se Mit­tel zügig wie­der auf den alten Stand brin­gen, indem er der lächer­li­chen 17-Euro-Jahres(!)gebühr für Anwoh­ner­park­plät­ze ein Ende berei­tet – und eini­ge Flä­chen zusätz­lich bewirtschaftet.“

Es ist ein öffent­lich aus­ge­tra­ge­ner Macht­kampf. Und es ist ein biss­chen wie beim Tau­zie­hen. Mal gewinnt die eine Sei­te ein paar Meter, mal die ande­re, aber gut vor­an kommt man so nicht. Nächs­ten Mitt­woch will das Bünd­nis den nächs­ten Schritt machen. Zusam­men mit der Inter­na­tio­na­len Frak­ti­on will es im Rat beschlie­ßen, dass die Pfer­de­gas­se zum Dom­platz, wie vor zwei Jah­ren ange­kün­digt, für Autos gesperrt wird. Nicht für alle Autos, ein paar Aus­nah­men soll es geben – für Men­schen mit Behin­de­rung, Taxis, Lie­fer­ver­kehr, Bus­se oder Men­schen, die einen Arzt­ter­min haben. 

Irgend­wann zwi­schen April und Ende Juni soll es dann so weit sein. Wie an so vie­len Stel­len in der Ver­kehrs­po­li­tik ist es auch eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve. Die einen sehen in der Ankün­di­gung eine Sper­rung für Fahr­zeu­ge, in der Begrün­dung im Rats­an­trag steht, man müs­se den Dom­platz den Men­schen zurück­ge­ben. (rhe)


Elektroschusswaffen für die Polizei Münster: Wie gefährlich sind Taser?

Vor Kur­zem ver­schick­te die Poli­zei Müns­ter eine Pres­se­mit­tei­lung über eine neue Anschaf­fung: „Ab sofort sind die Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten in Müns­ter mit einem Distanz­elek­tro­im­puls­ge­rät (DEIG) aus­ge­stat­tet“. Das Gerät soll dabei hel­fen, gefähr­li­che Situa­tio­nen zu ent­schär­fen. Die Beam­ten geben dazu einen Schuss mit dem Gerät ab, zwei Pfei­le jagen anschlie­ßend 50.000 Volt durch den Kör­per der getrof­fe­nen Per­son. Sie soll dadurch hand­lungs­un­fä­hig werden.

Die Distanz­elek­tro­im­puls­ge­rä­te hei­ßen umgangs­sprach­lich auch Taser. Seit 2021 benutzt die Poli­zei Nord­rhein-West­fa­len die­se Elek­tro­schock­waf­fen, als Test­lauf an zunächst fünf Poli­zei­stel­len. Jetzt wer­den auch alle ande­ren Dienst­stel­len nach und nach mit den Tasern aus­ge­stat­tet, zwei Stück befin­den sich in jedem Strei­fen­wa­gen, schreibt uns das Lan­des­amt für zen­tra­le poli­zei­li­che Diens­te (LZPD) in Duis­burg auf Anfrage.

Wie vie­le Taser in NRW im Ein­satz sind, schreibt uns das LZPD nicht, „aus ein­satz­tak­ti­schen Grün­den“. Das nord­rhein-west­fä­li­sche Innen­mi­nis­te­ri­um ist aus­kunfts­freu­di­ger: Das Land habe laut Pres­se­stel­le fast 1.400 sol­cher Elek­tro­pis­to­len für die Poli­zei NRW ange­schafft und an 18 Kreis­po­li­zei­be­hör­den im Land ver­teilt. So vie­le Elek­tro­waf­fen wie sonst kein ande­res Bun­des­land, schreibt der WDR.

Die Taser sol­len dees­ka­lie­rend wir­ken und damit die Sicher­heit von Poli­zei­be­am­ten erhö­hen. Ein nach­voll­zieh­ba­res Inter­es­se: Polizist:innen müs­sen auf Strei­fe gegen Angrif­fe geschützt wer­den. Und nie­mand kann etwas gegen siche­re Arbeits­be­din­gun­gen haben.

Den­noch ist der Ein­satz von Tasern umstrit­ten. Die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters hat zwi­schen 2000 und 2018 mehr als ein­tau­send Taser-Ein­sät­ze in den USA doku­men­tiert, die für die Betrof­fe­nen töd­lich geen­det sind. 2017 hat­ten Polizist:innen in den Nie­der­lan­den den Ein­satz von Tasern in einer Test­pha­se mas­siv miss­braucht. Das Komi­tee der Ver­ein­ten Natio­nen gegen Fol­ter muss­te das Land des­halb sogar ermah­nen. Und auch in Nord­rhein-West­fa­len ende­te kürz­lich ein Taser-Ein­satz fatal: Ein 44-jäh­ri­ger Mann aus Dort­mund starb im Okto­ber, nach­dem er von einer Elek­tro­schock­pis­to­le getrof­fen wurde.

Wie gefährlich sind Taser?

Timm Wan­del, Pres­se­spre­cher des LZPD, hält den Taser für ein „tol­les, gutes Ein­satz­mit­tel“. Die Poli­zei­be­am­te müss­ten den Ein­satz vor­her andro­hen, allein das rei­che „in Drei­vier­tel der Ein­sät­ze“, um Gefah­ren abzu­wen­den. Das hät­te das bis­he­ri­ge Test­pro­jekt ergeben.

Die Elek­tro­schuss­waf­fen kom­men nur zum Ein­satz, wenn Schlag­stö­cke und Pfef­fer­spray ein zu mil­des Mit­tel sind, die Pis­to­le aber ein zu har­tes. Wan­del sagt, das könn­te zum Bei­spiel der Fall sein, wenn ein Fami­li­en­va­ter sei­ne Frau schlägt und anfängt zu ran­da­lie­ren. Die Beam­ten könn­ten dann auf den Aus­lö­ser des Tasers drü­cken, wenn der Mann mit einem Mes­ser auf die Polizist:innen los­geht. Auf Demons­tra­tio­nen kämen Taser jedoch nicht zum Ein­satz, sagt Wandel.

Die Poli­zei­be­am­ten müss­ten außer­dem eine „mehr­tä­gi­ge Fort­bil­dung“ hin­ter sich brin­gen, um sich auf den Ein­satz mit dem Taser vor­zu­be­rei­ten. Die Schu­lung umfas­se neben einem Trai­ning „in der ein­satz­tak­ti­schen Hand­ha­bung“ der Elek­tro­pis­to­le auch einen Ers­te-Hil­fe-Kurs, sagt Timm Wan­del. Genau­er geht er auf die Taser-Schu­lung nicht ein.

Einer Recher­che der Deut­schen Wel­le zufol­ge sol­len Poli­zei­be­am­te bei sol­chen Trai­nings für Risi­ko­grup­pen sen­si­bi­li­siert wer­den. In den meis­ten Fäl­len sieht man ihnen ihre medi­zi­ni­sche Vor­ge­schich­te nicht an. Ein Schuss mit dem Taser sei etwa bei Herz­er­krank­ten, Schwan­ge­ren oder Kin­dern unter 14 Jah­ren tabu.

Nicht aber bei Men­schen, die sich sehr aggres­siv ver­hal­ten, in einem psy­chi­schen Aus­nah­me­zu­stand befin­den oder sich das Leben neh­men wol­len. Sie ste­hen unter Stress, ein Taser-Beschuss könn­te dann „auch lebens­be­droh­lich sein“, wird der baye­ri­sche Kar­dio­lo­ge Tho­mas Dene­ke in der Deut­schen Wel­le zitiert.

Kom­men Medi­ka­men­te, Dro­gen oder Alko­hol hin­zu, erhö­he sich außer­dem das Risi­ko, durch den Strom­schlag einen Herz­in­farkt zu erlei­den. In über der Hälf­te der Todes­fäl­le, die Reu­ters recher­chiert hat, hat­ten die Ver­stor­be­nen Dro­gen oder Alko­hol zu sich genom­men, bevor sie vom Taser getrof­fen wurden.

Testphase bis 2024

Damit wären wir wie­der bei dem Fall aus Dort­mund. Wie uns das NRW-Innen­mi­nis­te­ri­um schreibt, ist die­ser Todes­fall der bis­lang ein­zi­ge, der im Zusam­men­hang mit einem Taser steht. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge han­delt es sich bei dem Toten um einen woh­nungs­lo­sen und herz­kran­ken Mann. Er soll stark alko­ho­li­siert in dem Dort­mun­der Stadt­teil Dorst­feld ran­da­liert haben. Nach dem Taser-Beschuss soll er kol­la­biert sein, die Ein­satz­kräf­te hät­ten sofort mit der Reani­ma­ti­on begonnen.

Das Innen­mi­nis­te­ri­um schreibt uns, die Obduk­ti­on habe eine „Kau­sa­li­tät zwi­schen dem Ein­satz des Distanz­elek­tro­im­puls­ge­räts und dem Todes­ein­tritt (…) nicht sicher fest­ge­stellt“. Das mag stim­men – ändert aber nichts an der unan­ge­neh­men Tat­sa­che, dass der Mann nach dem Beschuss gestor­ben ist.

Die Poli­zei NRW soll die Taser noch bis 2024 test­wei­se ein­set­zen. Der Ein­satz soll „unab­hän­gig, wis­sen­schaft­lich und ergeb­nis­of­fen“ geprüft wer­den, heißt es im Koali­ti­ons­ver­trag der schwarz-grü­nen Lan­des­re­gie­rung. Dann kom­men Emp­feh­lun­gen, wie es mit den Elek­tro­schock­pis­to­len wei­ter­ge­hen soll. (sfo)

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Corona-Update

+++ Eigent­lich wol­len die Län­der auf eine ein­heit­li­che Coro­na­po­li­tik ach­ten, zumin­dest was die Mas­ken- und Iso­la­ti­ons­pflicht ange­hen. Bay­ern und Sach­sen-Anhalt sche­ren aus die­sem Kon­sens jetzt aus. Die Pflicht zum Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes in Bus­sen und Bah­nen soll dort noch die­se Woche fal­len. (sfo)

+++ Die Stadt mel­det heu­te 174 posi­ti­ve PCR-Tests. Die Inzi­denz liegt damit bei 242 nach­weis­li­chen Infek­tio­nen mit dem Coro­na­vi­rus pro 100.000 Einwohner:innen in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen. Über ein­tau­send Men­schen gel­ten in der Stadt als infi­ziert. Fünf Covid-Erkrank­te lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on. Eine Per­son muss beatmet wer­den. (sfo)

+++ Dann noch eine trau­ri­ge Nach­richt: Die­se Woche sind vier neue Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19 bekannt gewor­den. Seit Beginn der Pan­de­mie sind ins­ge­samt 242 Men­schen in Müns­ter an oder mit Coro­na ver­stor­ben. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Nach­dem ein unbe­kann­ter Anru­fer einen Amok­lauf an der Mat­hil­de-Anne­ke-Schu­le ange­kün­digt hat­te, prüft die Poli­zei, ob ein Zusam­men­hang zur Bedro­hung am Düs­sel­dor­fer Weih­nachts­markt besteht. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Pöt­terhoek­schu­le soll nach ihrer Sanie­rung, bei der Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe höchst­selbst die letz­te Dämm­plat­te ange­bracht hat, 60 Pro­zent CO2 spa­ren. (Stadt Müns­ter)

+++ Das neue Kir­chen­zen­trum der Lukas-Gemein­de war schon fer­tig geplant, kommt jetzt aber, weil es zu teu­er wer­den wür­de, doch nicht. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Rat­haus­ko­ali­ti­on aus Grü­nen, SPD und Volt will, dass das bes­te Kon­zept für das Gaso­me­ter-Gelän­de am Albers­lo­her Weg gewin­nen soll und nicht der Inves­tor, der am meis­ten Geld ein­bringt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Stadt­wer­ke Müns­ter wol­len in Amels­bü­ren den Glas­fa­ser­aus­bau vor­an­brin­gen. (Stadt­wer­ke Müns­ter)

+++ Die CDU Müns­ter will mehr Per­so­nal für den Kom­mu­na­len Ord­nungs­dienst, die Grü­nen hin­ge­gen eine gan­ze Poli­zei­wa­che für den Haupt­bahn­hof. (Müns­ter­sche Volks­zei­tung)

+++ Heu­te begann ein Pro­zess gegen einen ehe­ma­li­gen Beam­ten der Stadt, der wegen einer Lücke im Com­pu­ter­sys­tem im Bür­ger­bü­ro Mit­te fast 50.000 Euro an Ver­wal­tungs­ge­büh­ren ein­ge­sackt hat. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Die Stadt hat die Fir­ma gefeu­ert, die am Weih­nachts­markt für Sicher­heit sor­gen soll­te, nach­dem sich ein Sicher­heits­mann am Schloss­platz bei einer Kon­trol­le vom Ord­nungs­amt nicht aus­wei­sen konn­te. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Eini­ge Leu­te aus der Klos­ter- und der Von-Vincke-Stra­ße beschwe­ren sich über Men­schen, die vom Bre­mer Platz ver­trie­ben wor­den sind. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Eine ers­te Hilfs­lie­fe­rung mit Lebens­mit­teln, Küchen und Geschirr ist in die Ukrai­ne nach Win­nyzja unter­wegs. (Stadt Müns­ter)

Unbezahlte Werbung

Ein Leser hat uns kürz­lich das Glo­bal Tar­su­si emp­foh­len – eine Vier­tel­knei­pe in der Scharn­horst­stra­ße 69 am Aasee. Fans der tür­kisch-medi­ter­ra­nen Küche wer­den hier auf jeden Fall fün­dig: Auf der Kar­te ste­hen eine Viel­zahl von kal­ten und war­men Vor­spei­sen wie Çiğ Köf­te und Tabou­lé. Als Haupt­ge­rich­te gibt es Pide aus dem Ofen, gefüll­te Fla­den­bro­te oder gegrill­tes Fleisch. Ein­mal im Monat fin­den hier auch Ver­an­stal­tun­gen statt, zum Bei­spiel gemüt­li­che Aben­de mit Live­mu­sik oder Raki-Verkostungen. 

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Vik­to­ria Pehl­ke hat in ihren Ter­min­ka­len­der geschaut. Das hat sie für Sie herausgesucht:

+++ Das Han­sa­floß hat­ten wir Ihnen vor ein paar Wochen in der unbe­zahl­ten Wer­bung vor­ge­stellt. Zur­zeit muss die schwim­men­de Büh­ne über­win­tern. Ein Pro­gramm hat das Kol­lek­tiv in den Win­ter­mo­na­ten trotz­dem geplant – an ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tungs­or­ten der Stadt. Am Frei­tag zeigt das Han­sa­floß zum Bei­spiel den Film Der lau­te Früh­ling. Er soll zei­gen, wie der Weg in eine kli­ma­neu­tra­le Gesell­schaft aus­se­hen könn­te. Die Film beginnt um 19 Uhr im Audi­max an der Johan­nis­stra­ße 12. Der Ein­tritt ist kostenlos.

+++ Ken­nen Sie ukrai­ni­sche Weih­nachts­lie­der? Die­ses hier ist ganz hübsch. Wenn Sie auf den Geschmack gekom­men sind, kön­nen Sie sich am Sonn­tag noch mehr davon anhö­ren. Der ukrai­ni­sche Chor Free­dom Cons­ort tritt um 15 Uhr in der St. Micha­el Kir­che in Gie­ven­beck auf. Der Ein­tritt ist frei, sie kön­nen aber für Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne spenden. 

+++ Am Don­ners­tag über­trägt das Schloss­thea­ter das Weih­nachts­bal­lett Der Nuss­kna­cker vom Roy­al Bal­let live aus Lon­don. Tickets bekom­men Sie online. Beginn der Über­tra­gung ist um 20:15 Uhr.

+++ Zum inter­na­tio­na­len Tag der Men­schen­rech­te kommt am Don­ners­tag das Hope Theat­re Nai­ro­bi mit dem Stück „Men­schen­rech­te und ande­re Klei­nig­kei­ten“ in Müns­ter auf die Büh­ne. Das Stück ent­hält Spiel­sze­nen, Hip­hop und Tanz und setzt sich auf kri­ti­sche, aber unter­halt­sa­me Wei­se mit dem The­ma aus­ein­an­der. Beginn der Ver­an­stal­tung ist um 19:30 Uhr in der Stu­dio­büh­ne der Uni am Dom­platz 23. Der Ein­tritt ist frei, um Spen­den wird gebeten. 

Zum Schluss noch zwei Tipps von Sebas­ti­an Fob­be und Anto­nia Strotmann:

+++ Die Indie-Par­tys von DJ Eavo im Hot Jazz Club sind legen­där. Fast genau­so beliebt ist auch sein No Sports Pub Quiz, das er jeden vier­ten Mon­tag im Monat im Lies­chen Mül­ler ver­an­stal­tet. Bis­her zumin­dest, denn im neu­en Jahr zie­hen die Quiz­ze an einen neu­en Aus­tra­gungs­ort. Ab Janu­ar fin­den die gesel­li­gen Knei­pen­aben­de immer im Hotel Galac­ti­ca statt, die Regeln blei­ben aber die­sel­ben: ein­fach ab 20 Uhr vor­bei­kom­men, 3 Euro Teil­nah­me­ge­bühr bezah­len, alle Fra­gen rich­tig beant­wor­ten und einen Ver­zehr­gut­schein gewin­nen. Mit dem Han­dy zu schum­meln, ist natür­lich ver­bo­ten, aber ein kur­zer Abste­cher ins digi­ta­le Trai­nings­la­ger scha­det bei der Vor­be­rei­tung bestimmt nicht. (sfo)

+++ Falls Sie noch nicht in Weih­nachts­stim­mung sind, haben wir etwas, mit dem Sie nach­hel­fen kön­nen: Am kom­men­den Wochen­en­de gibt der Jun­ge Kam­mer­chor Lega­to M zusam­men mit Musiker:innen des Strei­cher­en­sem­bles Strin­gent zwei Baro­cke Advents­kon­zer­te. Der Chor singt Stü­cke aus dem Weih­nachts­ora­to­ri­um von Bach und dem Mes­si­as von Hän­del, aber auch bekann­te Advents­lie­der und eige­ne Kom­po­si­tio­nen des Chor­lei­ters Phil­lip Gatz­ke. Das ers­te Kon­zert fin­det am Sams­tag um 20 Uhr in der St. Petri Kir­che statt und das zwei­te am Sonn­tag um 17 Uhr in der St. The­re­sia Kir­che. Bei bei­den Kon­zer­ten ist der Ein­lass 45 Minu­ten vor­her. Sie müs­sen kei­nen Ein­tritt zah­len, kön­nen aber ger­ne eine Spen­de da las­sen. Letz­te­res samm­le ich am Sams­tag nach dem Kon­zert für den Chor ein, viel­leicht sieht man sich ja, ich wür­de mich freu­en! (ast)

Am Frei­tag kommt Post von uns, dies­mal von unse­ren Ver­le­gern Götz Grom­mek und Marc-Ste­fan And­res – und was in der Woche pas­siert ist, erfah­ren Sie natür­lich auch. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be (sfo), Jan Gro­ße Nobis (jgn), Vik­to­ria Pehl­ke (vpe), Anto­nia Strot­mann (ast)
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Wenn Men­schen älter wer­den, mer­ken sie manch­mal: Gär­ten machen doch ganz schön viel Arbeit. Das Ergeb­nis ist in vie­len Fäl­len eine Sün­de, die in Müns­ter seit einem knap­pen Jahr ver­bo­ten ist. Sie haben kei­ne Ahnung, wovon ich rede? Dann geben Sie in der Goog­le-Bil­der­su­che doch ein­mal „Gär­ten des Grau­ens“ ein. Aber set­zen Sie sich vor­her hin, am bes­ten auf einen sta­bi­len Stuhl. Mög­lich sind die­se Bil­der nur, weil es Städ­te gibt, die Schot­ter­gär­ten noch nicht ver­bo­ten haben. Ihre Zahl wird zum Glück immer klei­ner. Chem­nitz zum Bei­spiel gehört seit zwei Wochen nicht mehr dazu. Es ist die ers­te Groß­stadt, die die­sen Schritt wagt. Die Natur holt sich die Gär­ten gewis­ser­ma­ßen zurück. Und was sich aus einem Schot­ter­gar­ten so Schö­nes machen lässt, das sehen Sie auf die­sem Foto, auf der lin­ken Seite.