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Müns­ter, 17. Janu­ar 2023

Guten Tag,

noch zwei Wochen lang kann man in Deutsch­land von einer Tele­fon­zel­le aus Men­schen anru­fen. Dann baut die Tele­kom die ver­blie­be­nen Häus­chen nach und nach ab. In Müns­ter ste­hen noch ein paar Dut­zend öffent­li­che Tele­fo­ne. Wo über­all, das ist auf einer öffent­li­chen Kar­te zu sehen, die jemand ins Netz gestellt hat. 

Tele­fon­zel­len sind schon seit vie­len Jah­ren im Grun­de nur noch Denk­mä­ler, die an eine Zeit erin­nern, in der man nicht schnell eine Nach­richt schi­cken konn­te, wenn abseh­bar war, dass man sich ver­spä­tet. In die­ser Zeit muss­te man eine Tele­fon­zel­le fin­den, man brauch­te eine Mün­ze, spä­ter eine Tele­fon­kar­te. Und dann muss­te man den Gestank aus­hal­ten oder das Glück haben, sich an die Num­mer zu erin­nern, denn das Tele­fon­buch in der Klap­pe unter dem Gerät war ja meis­tens zerrissen.

In Deutsch­land gibt es seit 142 Jah­ren Tele­fon­zel­len. Der ers­te Fern­sprech­ki­osk, so nann­te man die Häus­chen damals, wur­de im Jahr 1881 in Ber­lin auf­ge­stellt. Wann Müns­ter sein ers­tes öffent­li­ches Tele­fon bekam, habe ich nicht her­aus­fin­den kön­nen (Wis­sen Sie es? Dann schrei­ben Sie mir). Aber ich habe nach­ge­schaut, wann das Wort „Tele­fon­zel­le“ zum ers­ten Mal in der Zei­tung zu fin­den war. Dort stand es wahr­schein­lich auch vor­her schon eini­ge Male, denn die Tele­fon­zel­le damals schon über 30 Jah­re alt, doch die ers­te Erwäh­nung im digi­ta­len Archiv des Müns­ter­i­schen Anzei­gers ist vom 1. Febru­ar 1914.

Die West­fä­li­sche Tele­fon­ge­sell­schaft ver­such­te damals mit einer Anzei­ge, eine „nicht lan­ge in Gebrauch gewe­se­ne schall­si­che­re Tele­fon­zel­le mit hygie­ni­scher Pols­te­rung“ zu ver­kau­fen. Ihren Sitz hat­te die Gesell­schaft damals an der Augus­ta­stra­ße 69. Die­se Adres­se ken­ne ich – was für ein Zufall – sehr gut. Dort habe ich bis vor ein paar Jah­ren gewohnt. Falls Sie sich für die Adres­se inter­es­sie­ren, auf die­ser Post­kar­te ist zu sehen, wie Stra­ße und Haus damals aus­sa­hen (es müss­te das etwas dunk­le­re Gebäu­de auf der rech­ten Sei­te sein). 

Wenn Tele­fon­zel­len damals in der Zei­tung stan­den, dann hat­te meis­tens irgend­wer etwas ver­lo­ren – zum Bei­spiel am 27. Dezem­ber 1925, da hat­te jemand, der in der Bre­mer­stra­ße wohn­te, in der Tele­fon­zel­le am Ser­va­tii­platz ein Porte­mon­naie ver­ges­sen, „mit Inhalt“, so steht es in der Anzei­ge.

Zwölf Jah­re spä­ter pas­sier­te in die­ser Tele­fon­zel­le etwas eigent­lich ziem­lich Gewöhn­li­ches. Eine Frau mach­te sich ihre Haa­re zurecht. Einem Zei­tungs­re­dak­teur erschien das über­haupt nicht gewöhn­lich. Er schrieb dar­aus eine gif­ti­ge Glos­se:

„Es gehört schon zu den all­täg­li­chen und bekann­ten Unsit­ten, wenn man bis­wei­len Volks­ge­nos­sen in der Tele­fon­zel­le sieht, die die nach der Vor­schrift: „Fas­se dich kurz“ ihre Gesprä­che füh­ren kön­nen. Das sind immer die­je­ni­gen, die bei jeder Gele­gen­heit aus einem inner­li­chen Bedürf­nis her­aus viel fra­gen müs­sen und dabei an Rück­sicht ande­ren Volks­ge­nos­sen gegen­über nicht den­ken. Dar­auf ist auch schon des öfte­ren hin­ge­wie­sen wor­den. Was aber vor weni­gen Tagen eini­ge Her­ren an der Tele­fon­zel­le am Ser­va­tii­platz beob­ach­ten konn­ten, das spot­tet doch jeder Beschrei­bung. Da stand eine jun­ge Dame in der Tele­fon­zel­le und – fri­sier­te sich mit größ­ter Ruhe und Selbst­ver­ständ­lich­keit. Lag hier eine Begriffs­ver­wechs­lung vor oder war es Dick­fäl­lig­keit (sic!)? Vor der Tür war­te­ten unge­dul­dig meh­re­re Inter­es­sen­ten, bis das „gnä­di­ge Fräu­lein“ das Gespräch been­det hat­te. Bei ihrer Tätig­keit fühl­te sie sich aber kei­nes­wegs beob­ach­tet und ließ sich nicht im Gerings­ten stö­ren. Sie hat­te anschei­nend damit nicht gerech­net, dass die Fuß­gän­ger von außen her ihre Tätig­keit durch die Glas­schei­ben genau ver­fol­gen konn­ten und sie allen Vor­über­ge­hen­den durch ihre Hal­tung ein lächer­li­ches und unwür­di­ges Bild bot.“ 

Ganz inter­es­sant ist: Lächer­lich und unwür­dig erscheint heu­te vor allem die her­ab­las­sen­de Atti­tü­de des Autors. 

Über hun­dert Jah­re lang gehör­ten Tele­fon­zel­len in Müns­ter zum Stadt­bild. Ihr Rück­zug begann in den Neun­zi­ger­jah­ren, als die Men­schen anfin­gen, elek­tro­ni­sche Kno­chen mit sich herumzutragen. 

Am 10. Febru­ar 2018 schrie­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten über die letz­te Tele­fon­zel­le in Amels­bü­ren. Und bevor auch aus der Innen­stadt die letz­ten öffent­li­chen Tele­fo­ne ver­schwin­den, hat unse­re Foto­gra­fin Pau­la Götz sich in der Stadt auf die Suche gemacht. Sven­ja Stüh­mei­er hat mit einem Mann gespro­chen, der frü­her regel­mä­ßig in Tele­fon­zel­len gear­bei­tet hat. Dazu wei­ter unten mehr. Aber jetzt erst mal zu den Mel­dun­gen. (rhe)

Kurz und Klein

+++ Die Stadt Köln darf Ver­leih­fir­men von E-Scoo­tern Gebüh­ren von 85 bis 130 Euro pro Jahr und Fahr­zeug aufs Auge drü­cken. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ver­gan­ge­ne Woche für recht­mä­ßig erklärt und wies damit eine Kla­ge der Tret­rol­ler-Ver­leih­fir­men ab. Auch die Stadt Müns­ter hat ihre Son­der­nut­zungs­sat­zung im April 2022 ange­passt. Die hier akti­ven Anbie­ter Voi, Tier, Bolt und Lime müs­sen 12,50 Euro pro Fahr­zeug und Quar­tal zah­len – das ist mit 50 Euro pro Jahr also deut­lich güns­ti­ger als in Köln. Die Gebüh­ren sol­len erst ein­mal nicht erhöht wer­den, teilt die Pres­se­stel­le der Stadt mit. Auf­ge­gan­gen ist der Plan, die Anzahl der Rol­ler auf­grund der Kos­ten zu redu­zie­ren, übri­gens nicht: Im Janu­ar 2022 kom­mu­ni­zier­te die Stadt, dass sie mit einem Rück­gang von 4.000 auf 3.000 Tret­rol­ler infol­ge der Gebüh­ren­er­he­bung rech­net. Nun schätzt die Stadt, dass etwa 7.000 Rol­ler im Stadt­ge­biet rum­ste­hen. Inzwi­schen gibt es aller­dings auch einen Anbie­ter mehr und die Ver­leih­be­zir­ke wur­den auf die Vor­or­te aus­ge­wei­tet. (sst)

+++ Die Anrei­se zur Demons­tra­ti­on nach Lüt­zer­ath hat­te sich die Müns­te­ra­ner Orts­grup­pe von Fri­days for Future anders vor­ge­stellt: Sie hat­te eine gemein­sa­me Anfahrt am Sams­tag­mor­gen vom Haupt­bahn­hof ins Braun­koh­le­re­vier orga­ni­siert, an der sich schät­zungs­wei­se 250 bis 300 Men­schen betei­ligt haben. Die Bahn blieb aller­dings auf der Stre­cke in Mön­chen­glad­bach ste­hen, sagt Car­la Bar­deh­le von Fri­days for Future, die die Fahrt nach Lüt­zer­ath mit­or­ga­ni­siert hat. Der Zug­füh­rer soll den Stopp damit begrün­det haben, dass es zu voll gewe­sen sei, das sei ein Sicher­heits­ri­si­ko. Die Poli­zei habe einen Teil der Rei­sen­den dazu auf­ge­for­dert, aus­zu­stei­gen, damit die Fahrt wei­ter­ge­hen kann. Wir haben bei meh­re­ren Poli­zei­stel­len in Nord­rhein-West­fa­len nach­ge­fragt, aller­dings konn­te sich nie­mand zu dem Zwi­schen­fall in Mön­chen­glad­bach äußern. Die Poli­zei bestä­tigt jedoch, dass über­füll­te Züge aus Sicher­heits­grün­den zum Teil geräumt wer­den. Auf Twit­ter kri­ti­siert Fri­days for Future, die Bahn sei in Zei­ten des 9-Euro-Tickets vol­ler gewe­sen, in den Abtei­len sei noch „sehr viel Platz“ gewe­sen. Die Poli­zei habe die Demonstrant:innen dar­an „gehin­dert, zu einer lega­len Demo zu rei­sen“. Im Nach­hin­ein viel­leicht ein Tacken zu viel des Guten. Den Tweet habe Fri­days for Future Müns­ter in dem Moment abge­setzt, als der Zug still­stand, sagt Car­la Bar­deh­le. Zum Schluss sei ein Groß­teil der Rei­sen­den in Lüt­zer­ath ange­kom­men. (sfo)

+++ 2022 gab es in Deutsch­land mit 869 Organ­trans­plan­ta­tio­nen, die nach dem Hirn­tod durch­ge­führt wur­den, knapp sie­ben Pro­zent weni­ger als noch 2021. Die Uni­kli­nik Müns­ter schreibt in ihrer Pres­se­mit­tei­lung, auch sie bekom­me die­se Ent­wick­lung zu spü­ren. Mit zehn Organ­spen­den im Jahr 2021 ist der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te Jan Engl­brecht noch sehr zufrie­den, die fünf Trans­plan­ta­tio­nen im ver­gan­ge­nen Jahr bewer­te­te er dage­gen als „deut­li­chen Rück­gang“. Zum einen nennt der Medi­zi­ner die andau­ern­de Pan­de­mie als Grund für weni­ger Organ­spen­den. Als Organspender:in kom­men nur Per­so­nen infra­ge, bei denen auf der Inten­siv­sta­ti­on der Hirn­tod fest­ge­stellt wird. 2022 habe sich aber die Anzahl der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Inten­siv­bet­ten wei­ter redu­ziert und somit auch die Zahl der poten­zi­el­len Spender:innen. Außer­dem bräuch­ten Organ­spen­den viel Zeit und Per­so­nal. Und die haben die Kli­ni­ken zu Pan­de­mie­zei­ten nicht. Zum ande­ren müss­ten häu­fig Ange­hö­ri­ge die Ent­schei­dung tref­fen, weil die poten­zi­el­len Spender:innen ihre Zustim­mung nir­gends schrift­lich fest­ge­hal­ten haben. In Zah­len sieht das so aus: Wäh­rend sich in einer Umfra­ge der Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung gut 70 Pro­zent der 2.605 Befrag­ten, die ihre Ent­schei­dung bereits getrof­fen haben, für eine Organ­spen­de aus­spre­chen, gab es an der Uni­kli­nik bis Novem­ber 41 poten­zi­el­le Spender:innen, aber nur 14 Zustim­mun­gen und fünf durch­ge­führ­te Trans­plan­ta­tio­nen. Von den 41 Per­so­nen hat­ten unter 20 Pro­zent ihren Wil­len selbst fest­ge­legt. Hel­fen könn­te laut Engl­brecht ein Online­re­gis­ter oder die Ein­füh­rung der Wider­spruchs­lö­sung. Falls Sie sich für den genau­en Vor­gang bis zur Organ­spen­de inter­es­sie­ren, hier ein Text des Online-Maga­zins „Per­spec­ti­ve Dai­ly” zum The­ma. (sst)

+++ Seit ges­tern Mor­gen ist die Berg­stra­ße gesperrt, und ganz so dra­ma­tisch waren die Fol­gen an den ers­ten bei­den Tagen nicht. War­ten wir ab, wie es wei­ter­geht. Nicht, dass sich am Ende noch her­aus­stellt: Es ist über­haupt kein Pro­blem, wenn Autos nicht mehr durch die­se Durch­gangs­stra­ße durch die Innen­stadt fah­ren. Übri­gens, wenn Sie wis­sen möch­ten, wie die Ver­kehrs­la­ge im Moment an der Berg­stra­ße ist, dann rufen Sie am bes­ten Goog­le-Maps auf und akti­vie­ren die Ebe­ne „Ver­kehr“. Dann sehen Sie es. (rhe)

+++ Wenn vor der Tür plötz­lich Park­plät­ze ver­schwin­den, dann kann das schon mal Ärger geben. An der Hit­torf­stra­ße ist das vor zwei Jah­ren pas­siert, an der Schil­ler­stra­ße will die Stadt es jetzt bes­ser machen. Sie hat Leit­li­ni­en zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­wi­ckelt, oder anders gesagt: Sie hat sich über­legt, wie man den Men­schen das mit den Park­plät­zen etwas scho­nen­der bei­brin­gen kann als durch Zet­tel­chen, die ein paar Tage vor­her an der Wind­schutz­schei­be kle­ben. An der Schil­ler­stra­ße geht es laut Stadt um 80 bis 90 Park­plät­ze. Die Stadt hat eini­ge ande­re Ideen, wie man den Men­schen im Vier­tel die Plä­ne schmack­haft man kann: Haus­wurf­sen­dun­gen, Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen, Vor-Ort-Bege­hun­gen, Info-Stän­de im Stra­ßen­zug, digi­ta­le Betei­li­gung, in Klam­mern steht dahin­ter: „Inter­net“. Im Früh­jahr soll das alles pas­sie­ren. So steht es im städ­ti­schen Ver­wal­tungs­pa­pier. Denk­bar wäre viel­leicht auch noch eine ande­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie, denn im Grun­de ver­schwin­den die Park­plät­ze ja gar nicht. Man darf dort nur kei­ne Autos mehr abstel­len. (rhe)

Wie es weiterging – mit dem Leerstand in Münster

Die Ent­schei­dung von Gale­ria Kar­stadt Kauf­hof lässt noch immer auf sich war­ten. Die Waren­haus­ket­te ist plei­te und wird meh­re­re Filia­len in Deutsch­land schlie­ßen. Ende Janu­ar dürf­te es Klar­heit geben. Spä­tes­tens dann wis­sen wir auch, wie es mit den Kauf­häu­sern an der Lud­ge­ri- und an der Salz­stra­ße in Müns­ter wei­ter­geht (RUMS-Brief).

Andern­orts berei­tet man sich aber schon auf den Leer­stand vor. Die Neue West­fä­li­sche berich­te­te ver­gan­ge­ne Woche, dass die Wie­der­be­le­bung des Kar­stadt-Gebäu­des zum Innen­stadt­kon­zept der Stadt Bie­le­feld gehört. Die Stadt will den Leer­stand für eine Mar­ke­ting­kam­pa­gne nut­zen, bei der sich Kunst­schaf­fen­de, Hand­werks­be­trie­be, Start-ups und sozia­le Ein­rich­tun­gen in den unge­nutz­ten Geschäf­ten prä­sen­tie­ren kön­nen. Das Bie­le­fel­der Stadt­mar­ke­ting möch­te außer­dem eine Kul­tur­wo­che mit Begleit­ver­an­stal­tun­gen organisieren.

Und wie sieht’s in Müns­ter aus? Gibt es hier ein Zwi­schen­nut­zungs­kon­zept für Leer­stand? Dazu ein Anruf bei Ber­na­det­te Spin­nen vom Stadt­mar­ke­ting. Sie sagt, die Stadt ver­fol­ge die Gale­ria-Insol­venz und arbei­te mit ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en. Ein Leer­stands­kon­zept kön­ne die Stadt aller­dings nicht aus der Schub­la­de ziehen.

Das sei aber auch nicht not­wen­dig, sagt Spin­nen. Man müs­se jede lee­re Immo­bi­lie indi­vi­du­ell betrach­ten. Nicht immer pas­se die Nut­zung ins Gebäu­de. Und nicht immer erfüll­ten mög­li­che Nutzer:innen die Mie­ter­war­tung der Eigentümer:innen.

Die Stadt ver­fol­ge eine ande­re Stra­te­gie, um auf Leer­stand zu reagie­ren: Sie ver­net­ze sich mit allen Akteur:innen in der Innen­stadt, um Lösun­gen zu fin­den. Ein Bei­spiel hier­für sei das Knip­per­dol­ling­haus am Prin­zi­palmarkt 41, sagt Spin­nen. In dem lee­ren Geschäft habe etwa die Fach­hoch­schu­le im ver­gan­ge­nen Jahr eine ein­wö­chi­ge Platt­form für Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on bekom­men und eine Ver­an­stal­tung des Vor­trags­for­mats „TEDx­Müns­ter” habe dort statt­ge­fun­den.

Ber­na­det­te Spin­nen sagt, die Stadt habe mit dem inte­grier­ten Innen­stadt­kon­zept und dem Zen­t­ren­ma­nage­ment eine Grund­la­ge geschaf­fen, die die Ent­wick­lungs­zie­le fest­hält. Der Kampf gegen Leer­stand ist dar­in aller­dings kein zen­tra­les The­ma. (sfo)

Mal sehen 

Nach Hause telefonieren

Bald wird es in Müns­ter kei­ne Tele­fon­zel­len mehr geben. Pau­la Götz hat sich die letz­ten Exem­pla­re für RUMS ange­se­hen – und sie hat sie fotografiert.

Zum Bei­trag

Mit dem linken Fuß aufhalten, mit der rechten Hand putzen

Die ers­te Her­aus­for­de­rung war­te­te auf Car­los Ribei­ro Zina schon vor dem Bewer­bungs­ge­spräch. Irgend­wann im Herbst 1998 lief er durch Rox­el und muss­te den ver­steck­ten Sitz sei­nes poten­zi­el­len Arbeit­ge­bers fin­den. Er bewarb sich auf eine Stel­le als Tele­fon­zel­len­rei­ni­ger. Und wie fand man die damals, ganz ohne Navi? Rich­tig, mit­hil­fe von rie­si­gen Kar­ten, auf denen mit gel­bem Text­mar­ker die Stand­or­te der Tele­fon­zel­len ein­ge­zeich­net waren. Ribei­ro Zina bestand den Test, kam pünkt­lich zum Gespräch am rich­ti­gen Ort und fuhr dar­auf­hin eini­ge Jah­re lang jede Woche ins Ruhr­ge­biet, um dort Tele­fon­zel­len sau­ber zu machen. Sven­ja Stüh­mei­er hat mit ihm über sei­ne beson­de­re Putz­tech­nik gespro­chen, er hat ihr ver­ra­ten, was er in den Zel­len so alles gefun­den hat – und war­um er sich selbst kei­ne Tele­fon­zel­le in den Gar­ten stellt. 

Herr Ribei­ro Zina, wie sah eine typi­sche Tour für Sie aus?

Ich bin mit dem Bus nach Rox­el zu einer Tank­stel­le gefah­ren. Um sechs Uhr mor­gens habe ich dort einen Renault Twin­go abge­holt. Damit bin ich über die A43 in Rich­tung Ruhr­ge­biet. Meis­tens habe ich eine Tour über Reck­ling­hau­sen, Dat­teln und Hal­tern gemacht, manch­mal war ich auch in Dort­mund oder Düs­sel­dorf. An einem guten Tag kam ich um 15 Uhr zurück, bei schlech­tem Wet­ter oder extrem schmut­zi­gen Tele­fon­zel­len hat es aber auch mal bis 21 Uhr gedau­ert. Ich schät­ze, dass ich pro Tour etwa 300 Kilo­me­ter gefah­ren bin und um die 70 Tele­fon­zel­len sau­ber gemacht habe. Ich hat­te dabei übri­gens eine bestimm­te Tech­nik, weil es in die­sen Zel­len immer unan­ge­nehm gero­chen hat: Mit dem lin­ken Fuß habe ich die Tür auf­ge­hal­ten und mit der rech­ten Hand geputzt.

Was hat­ten Sie immer dabei?

Ein Kehr­blech, einen Besen, einen Was­ser­ei­mer, Rei­ni­gungs­mit­tel und ein Buch für War­te­zei­ten. Manch­mal habe ich ein­ein­halb Stun­den an einer Tele­fon­zel­le gewar­tet, bis die Leu­te wie­der raus­ge­kom­men sind. Die war damals echt lebens­not­wen­dig. Für vie­le war das zum Bei­spiel die ein­zi­ge Mög­lich­keit, mit ihren Fami­li­en zu spre­chen, die in einem ande­ren Land lebten.

Haben Sie selbst häu­fig in Tele­fon­zel­len telefoniert?

Auf jeden Fall. Ich habe bei der Arbeit vie­le Tele­fon­kar­ten gefun­den, auf denen noch Gut­ha­ben war. Wenn die ver­schmutzt waren, konn­te man damit aber nicht mehr tele­fo­nie­ren. Die habe ich gerei­nigt und benutzt, teil­wei­se waren da noch 50 Mark drauf. In mei­ner Mit­tags­pau­se habe ich dann oft Leu­te ange­ru­fen. Ich habe auch über­legt, mir eine gel­be Tele­fon­zel­le in den Gar­ten zu stel­len, aus nost­al­gi­schen Grün­den. Habe ich aber doch nicht gemacht. Dann müss­te ich die ja saubermachen.

Nach der Flucht

Ende März hat­te Johan­ne Burk­hardt für RUMS mit dem Müns­te­ra­ner And­re Gro­ten gespro­chen. Er hat zusam­men mit sei­ner Frau in Kyjiw gelebt und muss­te zu Beginn des Krie­ges flüch­ten. Hier erzäh­len wir, wie es für die bei­den nach ihrer Flucht weiterging.

Als am Sams­tag­nach­mit­tag in Dnipro eine Rake­te in einem Plat­ten­bau ein­schlug, 950 Kilo­gramm Spreng­stoff explo­dier­ten und min­des­tens 40 Men­schen star­ben, waren die Tan­te und der Onkel von Mari­ia Gro­ten nur weni­ge Kilo­me­ter ent­fernt. So nah war der Krieg noch nie gekom­men. „Jeder hat irgend­ei­ne Ver­bin­dung zu Men­schen, die ver­schüt­tet oder gestor­ben sind“, sagt Marii­as Ehe­mann And­re. Er war gleich nach Aus­bruch des Kriegs zusam­men mit sei­ner Frau geflo­hen, inzwi­schen leben sie in Müns­ter im Stadt­teil Albach­ten, zwi­schen zwei Wel­ten. Sie tele­fo­nie­ren mit den Eltern, der Schwes­ter oder mit der Rus­sisch-Leh­re­rin in Odes­sa. Sie alle leben in Angst. Mari­ia hat gera­de die theo­re­ti­sche Füh­rer­schein­prü­fung geschafft. Am Sams­tag folgt die Pra­xis. Mari­ia und And­re tref­fen sich mit Freun­den im Kuh­vier­tel in der Knei­pe, um über den Krieg zu spre­chen, aus siche­rer Distanz, aber emo­tio­nal sehr gro­ßer Nähe. Das hat sich auch nach zehn Mona­ten nicht geän­dert. Solan­ge Rei­sen nicht mög­lich sind, schickt man sich gegen­sei­tig Pake­te, und das ist jedes Mal ein Aben­teu­er. Beim letz­ten Mal tra­fen sie den Kurier mit­ten in der Nacht auf einem Park­platz an der Hafen­stra­ße. Ein pol­ni­scher Lie­fer­wa­gen fuhr vor, ein Mann stieg aus. Er stell­te eine Fra­ge: „Sind Sie Mari­ia Gro­ten?“ Dann über­gab er das Paket und ver­schwand mit sei­nem Lie­fer­wa­gen in der Dun­kel­heit. Die Rei­se zu den Eltern, die für Febru­ar geplant war, ist vor­erst ver­scho­ben, auf den Som­mer. Es hängt alles auch davon ab, wie es mit dem Krieg wei­ter­geht. Aber wie wird es wei­ter­ge­hen? „Im schlech­tes­ten Fall zieht es sich noch sehr lan­ge hin“, sagt And­re Gro­ten. Und was, wenn es bes­ser läuft? „Im bes­ten Fall sehen wir zum Herbst gra­vie­ren­de Fort­schrit­te.“ Viel­leicht gehö­re die Krim dann wie­der zur Ukrai­ne. Aber das habe nicht der Zufall in der Hand, sagt Gro­ten. Wich­tig sei vor allem, dass die rich­ti­gen Waf­fen kom­men. (rhe)

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Korrekturen

Am Frei­tag haben wir uns in unse­rem RUMS-Brief empört, und zwar über Rei­che und ihre kli­ma­schäd­li­chen Kurz­stre­cken­flü­ge. In der ver­gan­ge­nen Woche muss­te das Pres­se­team des Flug­ha­fens Müns­ter Osna­brück (FMO) nach eige­nen Aus­sa­gen vie­le lus­ti­ge Anfra­gen beant­wor­ten und auf wil­de Spe­ku­la­tio­nen wie unse­re ein­ge­hen. Der Grund: Die Süd­deut­sche hat ver­öf­fent­licht, dass auf der Stre­cke Essen-Müns­ter häu­fig Kurz­stre­cken­flü­ge statt­fin­den. Stimmt. Tat­säch­lich ist es aber so, dass die 2.000 Starts und Lan­dun­gen in 2022 zwi­schen Müns­ter und Mül­heim auf das Kon­to von Flugschüler:innen gehen. In Essen-Mül­heim befin­det sich schließ­lich eine Flug­schu­le, und der ruhi­ge­re Flug­ha­fen in Müns­ter eig­ne sich nun ein­mal bes­ser für Trai­nings als etwa der Flug­ha­fen in Düs­sel­dorf. Auf der Stre­cke sind für das Jahr 2022 25 Flug­gäs­te ver­zeich­net, was laut Pres­se­spre­cher des Flug­ha­fens noch ein­mal ver­deut­licht: Hier sind größ­ten­teils Pilo­tin­nen, Pilo­ten und Crew geflo­gen. Die gehen näm­lich nicht in die Flug­gast­sta­tis­tik ein. (sst)

Außer­dem haben wir gezeigt, dass wir manch­mal nicht das machen, was wir uns von Ihnen wün­schen: genau lesen. In unse­rem PS ver­gan­ge­nen Frei­tag haben wir geschrie­ben, dass Rad­fah­ren­de an die­ser Stel­le wegen des Auf­stel­lers nun auf den Geh­weg aus­wei­chen müs­sen. Das ist falsch, denn hier han­delt es sich um einen gemein­sa­men Bestands-Geh-Rad­weg. Das hat­te die Pres­se­stel­le der Stadt auch so mit­ge­teilt. Wir haben es kor­ri­giert. (sst)

Der Rürup 

Corona-Update

Heu­te mel­det die Stadt 39 posi­ti­ve PCR-Tests. Ins­ge­samt sind momen­tan 460 infi­zier­te Per­so­nen regis­triert, die Sie­ben-Tage-Inzi­denz liegt knapp unter 100 bestä­tig­ten Infek­tio­nen pro 100.000 Einwohner:innen. Vier Covid-19-Patient:innen lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on, eine Per­son wird inva­siv beatmet. 

Ein-Satz-Zentrale

+++ Der Auto­mo­bil­club Müns­ter ist gewis­ser­ma­ßen rasend vor Wut, weil die Stadt mehr Ver­kehrs­kon­trol­len ange­kün­digt hat. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Irgend­wer hat in der Innen­stadt Wän­de beschmiert und ein Kreuz auf­ge­stellt. (Poli­zei Müns­ter)

+++ Auf dem Prin­zi­palmarkt gilt am Frei­tag­nach­mit­tag aus­nahms­wei­se die Regel: Links vor Rechts. (Poli­zei Müns­ter)

+++ Der Gie­ven­be­cker Orts­kern soll in drei Jah­ren anders aus­se­hen. (Stadt Müns­ter)

+++ Die CDU-Frak­ti­on im Rat ver­brei­tet eine Falsch­mel­dung, nach die Höchst­prei­se von Anwoh­ner­park­aus­wei­sen in Müns­ter mit der Preis­er­hö­hung so teu­er wür­den wie in kei­ner ande­ren deut­schen Stadt. (CDU-Frak­ti­on, Ber­li­ner Zei­tung)

+++ Die Stadt­wer­ke befürch­ten, dass sich eine gro­ße Lücke in der Bilanz auf­tun wird, wenn das Rat­haus­bünd­nis die Fahr­prei­se nicht anhebt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Der neue Dom­ka­pi­tu­lar am St.-Paulus-Dom heißt Ste­fan Dör­del­mann, ist 61 und war vor­her Pfar­rer in Ibben­bü­ren. (Bis­tum Müns­ter)

+++ Tim Pasch, der Spre­cher der Rats­grup­pe von Volt, ver­lässt Müns­ter berufs­be­dingt und legt sein Rats­man­dat nie­der. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Weil es kaum noch Coro­na­re­geln gibt, fin­den die Pro­tes­te dage­gen nur noch ein­mal im Monat statt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Eine Initia­ti­ve will mit einer Peti­ti­on errei­chen, dass das Kunst­pro­jekt Him­mels­lei­ter an der Lam­ber­ti­kir­che auch über den März hin­aus bleibt. (Kir­che und Leben)

+++ Die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer und die Poli­zei ver­an­stal­ten Müns­ters ers­ten Cybercrime-Kon­gress. (Indus­trie- und Han­dels­kam­mer Nord West­fa­len)

+++ Zum Jah­res­tag der rus­si­schen Inva­si­on in die Ukrai­ne soll am 24. Febru­ar eine Men­schen­ket­te Müns­ter und Osna­brück ver­bin­den. (Alles Müns­ter)

Unbezahlte Werbung

Direkt am Kanal in der Dach­eta­ge des Ben­no­hau­ses befin­det sich das Yolk Kul­tur­ca­fé. Die Ein­rich­tung und Spei­se­kar­te erin­nern an ein ame­ri­ka­ni­sches Diner. Zum Früh­stück gibt es hier But­ter­milch-Pan­ca­kes, Baked Beans und Mais­brot. Mit­tags wech­seln sich je nach Jah­res­zeit Sala­te, Sand­wi­ches und Ein­töp­fe ab. Außer­dem hat das Yolk ein vol­les Kul­tur­pro­gramm mit Live­mu­sik und Thea­ter­stü­cken. Und im Som­mer lässt sich auch die son­ni­ge Ter­ras­se wie­der genie­ßen, mit Blick auf den Kanal.

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen 

Heu­te hat Vik­to­ria Pehl­ke für Sie in den Ter­min­ka­len­der geschaut. Das sind ihre Empfehlungen: 

+++ Das Rudel­sin­gen ken­nen Sie viel­leicht aus der Vor­weih­nachts­zeit, wenn Müns­ter sich zum gemein­sa­men Sin­gen auf dem Dom­platz trifft. Am Don­ners­tag fin­det das Rudel­sin­gen erneut statt, dies­mal im Foy­er des LWL-Muse­ums für Kunst und Kul­tur. Gesangs­ta­lent oder Chor­er­fah­rung sind dafür nicht nötig, Haupt­sa­che ist der Spaß am Sin­gen. Die Ver­an­stal­tung beginnt um 18 Uhr.

+++ Die Foto­aus­stel­lung 75 Jah­re Frie­den ist noch bis zum 26. Janu­ar in der Bür­ger­hal­le des LWL-Lan­des­hau­ses zu sehen. Die Schwarz-Weiß-Bil­der the­ma­ti­sie­ren das staat­li­che Erin­nern an das Kriegs­en­de 1945 und zei­gen Mahn- und Gedenk­stät­ten in ganz NRW. Der Ein­tritt für die Aus­stel­lung ist frei. 

+++ Deutsch­spra­chi­ge Lite­ra­tur Schwar­zer Men­schen fin­det in Medi­en und Insti­tu­tio­nen noch wenig Platz. In einem Vor­trag wid­met sich die Ger­ma­nis­tin Jea­net­te Oho­li am Don­ners­tag die­sem The­ma. Sie zeigt, wie viel­fäl­tig und bedeut­sam die Lite­ra­tur Schwar­zer Men­schen für die deutsch­spra­chi­ge Lite­ra­tur ist. Beginn ist um 19 Uhr im Hör­saal JO1 in der Johan­nis­stra­ße 4. Der Ein­tritt ist kostenlos.

+++ Der Fil­me­ma­cher Mar­cel Kol­ven­bach wan­delt auf den Spu­ren von Fritz Kann, dem ers­ten Mann sei­ner Groß­mutter. Er war Jude und wur­de 1942 von den Nazis depor­tiert und ermor­det. Sei­ne Fami­li­en­ge­schich­te hat der Regis­seur zum Doku­men­tar­film Auf der Suche nach Fritz Kann gemacht. Am Don­ners­tag zeigt das Cine­ma den Film und lädt im Anschluss zum Gespräch mit Mar­cel Kol­ven­bach ein. Beginn ist um 18:30 Uhr. Tickets gibt es online.

Und noch ein Tipp von mir selbst: 

+++ Das Stadt­en­sem­ble ver­an­stal­tet am Sams­tag im Krea­tiv-Haus ein Bar­camp, das in die­sem Fall Zukunfts­camp heißt. Und falls Sie schon mit dem Begriff Bar­camp nichts anfan­gen kön­nen, das ist eine Kon­fe­renz, an deren Beginn Men­schen aus dem Publi­kum The­men­vor­schlä­gen, und was den ande­ren im Publi­kum am bes­ten gefällt, dar­über wird dann in klei­nen Grup­pen gespro­chen. Das gro­ße The­ma lau­tet: Wie wol­len wir leben? Kar­ten bekom­men Sie hier.

Mor­gen wird es wie­der etwas käl­ter. Am Frei­tag schickt Sebas­ti­an Fob­be Ihnen wär­men­de Wor­te. Kom­men Sie gut durch die Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be (sfo), Jan Gro­ße Nobis (jgn), Vik­to­ria Pehl­ke (vpe), Sven­ja Stüh­mei­er (sst)
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Viel­leicht ken­nen Sie Duo­lin­go oder ande­re Apps, mit denen man Spra­chen ler­nen kann, um sich in der Frem­de bes­ser zurecht­zu­fin­den. An so etwas arbei­tet die Uni Müns­ter jetzt, wie die Deut­sche Pres­se­agen­tur berich­tet. Die Frem­de ist in die­sem Fall das Müns­ter­land, denn es geht um das Müns­ter­län­der Platt. Nur muss in dem Fall nie­mand die Sor­ge haben, sich ohne die Sprach­kennt­nis­se aus der App nicht mehr zurecht­zu­fin­den. Jün­ge­re Men­schen machen viel­leicht noch Wort­spie­le, die etwas platt sind (sehen Sie), aber haben für den Dia­lekt nicht mehr so viel übrig. Das soll die Soft­ware im bes­ten Fall ändern. Sie heißt „Platt­i­nO“, und damit wäre die Vor­lie­be für plat­te Wort­spie­le schon mal bewie­sen. Jetzt müss­te nur noch das mit der Begeis­te­rung für die Spra­che gelin­gen. Aber das gelingt viel­leicht auch ganz ohne App, zum Bei­spiel mit die­sem wun­der­ba­ren Gedicht (das ers­te), das ich selbst in der Grund­schu­le gelernt habe. (rhe)

PPS

Wenn die Geschich­te etwas anders ver­lau­fen wäre, dann wür­den wir Dren­stein­furt heu­te viel­leicht in einem Atem­zug mit Paris und Lon­don nen­nen, denn im Jahr 1970 beschloss der dama­li­ge nord­rhein-west­fä­li­sche Minis­ter­prä­si­dent Heinz Kühn (SPD), dass sein Bun­des­land neben Düs­sel­dorf und Köln/Bonn einen wei­te­ren inter­na­tio­na­len Flug­ha­fen bekom­men soll­te, irgend­wo zwi­schen Rin­ke­ro­de, Albers­loh, Evers­win­kel, Hoetmar, Sen­den­horst und eben der Air­port-Metro­po­le Dren­stein­furt. Der Rest der Geschich­te ist schnell erzählt: Die Plä­ne schei­ter­ten. Heu­te vor genau 50 Jah­ren gab der Land­tag das Ende die­ses Fie­ber­traums bekannt. Dar­an erin­nert Jörg Fried­rich bei Face­book. Und wenn Sie das alles nicht glau­ben, dann gehen Sie mal auf die Sei­te des Hei­mat­ver­eins Sen­den­horst. Dort fin­den Sie ein Archiv mit Plä­nen, Stu­di­en, Chro­ni­ken und Zei­tungs­ar­ti­keln, das gefühlt unge­fähr so groß ist wie ein Flug­ha­fen. (rhe)