Geld und Gleichstellung | Kinder und Corona | Vegane Pizza

Müns­ter, 20. April 2021

Guten Tag ,

in die­sem Brief geht es um Geld. Und es geht um Geschlecht, genau­er gesagt um Gen­der. Das Geschlecht als sozia­le Kate­go­rie spielt näm­lich auch bei der städ­ti­schen Finanz­pla­nung eine Rol­le. Laut dem Koali­ti­ons­ver­trag des Rats­bünd­nis­ses aus Grü­nen, SPD und Volt soll bei der Haus­halts­pla­nung der Stadt Müns­ter künf­tig noch stär­ker als bis­her berück­sich­tigt wer­den, wel­che Gel­der wel­che Per­so­nen­grup­pen begüns­ti­gen. Denn das kommt häu­fig vor – auch in Berei­chen, die auf den ers­ten Blick gen­der­neu­tral wir­ken. Wuss­ten Sie zum Bei­spiel, wie Stra­ßen­bau und Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit zusammenhängen?

Was Haushaltsplanung mit Gleichstellung zu tun hat

Im Grun­de kann, wer möch­te, jeden Lebens­be­reich dar­auf abklop­fen, ob bestimm­te gesell­schaft­li­che Grup­pen benach­tei­ligt wer­den. Geht es ums Geschlecht, nennt sich das „Gen­der Moni­to­ring“. Gen­der ist der eng­li­sche Begriff für die Geschlechts­iden­ti­tät (in Abgren­zung zum „sex“, dem bio­lo­gi­schen Geschlecht). Geht es um die geschlech­ter­ge­rech­te Finanz­pla­nung, gibt es dafür eben­falls einen eng­li­schen Fach­be­griff: „Gen­der Bud­ge­ting“. Das heißt im Grun­de nichts ande­res, als dass die Stadt Müns­ter immer, wenn sie Geld aus­gibt, auf die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter ach­ten soll. Gibt es ein Ungleich­ge­wicht, dann ver­sucht sie gegen­zu­steu­ern. Eine kon­kre­te Anlei­tung zum Gen­der Bud­ge­ting gibt es auf der Web­site des Amts für Gleichstellung.

Dazu wer­tet die Stadt Daten aus und ver­sucht, die Bedürf­nis­se ver­schie­de­ner Geschlech­ter zu ermit­teln. Die meis­ten Daten dif­fe­ren­zie­ren hier bis­her noch zwi­schen Män­nern und Frau­en, Jun­gen und Mäd­chen. Das Rats­bünd­nis plant, dass hier bald auch mehr Geschlech­ter erfasst und bei der Haus­halts­pla­nung berück­sich­tigt wer­den sollen.

Gen­der Bud­ge­ting ist also eine „geschlech­ter­be­zo­ge­ne Bewer­tung von Haus­hal­ten“. So defi­niert es der Rat der Euro­päi­schen Uni­on. Dazu steht im Koali­ti­ons­ver­trag von Grü­nen, SPD und Volt: „Wir wen­den Gen­der Bud­ge­ting kon­se­quent in der Haus­halts­pla­nung aller Ämter und städ­ti­schen Betei­li­gun­gen an.“ Und wei­ter unten: „Wir wer­den das Gen­der Moni­to­ring und Gen­der Bud­ge­ting in der städ­ti­schen Haus­halts­po­li­tik stär­ken und die­se Instru­men­te wei­ter­ent­wi­ckeln, um der struk­tu­rel­len Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en* ent­schie­den und kon­kret entgegenzutreten.“

Das Gen­der Bud­ge­ting beschäf­tigt die Stadt Müns­ter nicht erst seit die­sem Jahr. Der ers­te Rats­be­schluss zur gen­der­ge­rech­ten Finanz­pla­nung fiel schon 2007. Wegen der Umstel­lung auf ein neu­es kom­mu­na­les Finanz­ma­nage­ment-Sys­tem stell­te die Stadt das The­ma aller­dings erst­mal zurück. In einem zwei­ten Ansatz beschäf­tig­ten sich 2013 eini­ge Pro­jekt­grup­pen mit dem The­ma. Zwei Jah­re spä­ter star­te­ten die ers­ten Pilot­pro­jek­te, aller­dings noch in klei­nem Rahmen.

Das Rats­bünd­nis beab­sich­tigt, das Prin­zip aus­zu­wei­ten. „Bis­her war das Gen­der Bud­ge­ting für die Ämter eine Emp­feh­lung, aber kei­ne Ver­pflich­tung“, erklärt Andrea Blo­me, gleich­stel­lungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Rats­frak­ti­on. „Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit darf kei­ne frei­wil­li­ge Auf­ga­be sein. Wir erwar­ten, dass sich die Stadt das zur Pflicht­auf­ga­be macht.“

Die „Geschlechterbrille“ aufsetzen

Und jetzt kom­men wir zur Ver­kehrs­pla­nung. Denn die ist ein gutes Bei­spiel für gen­der­be­ding­te Unter­schie­de in einem Poli­tik­be­reich, der auf den ers­ten Blick gar nichts mit Geschlecht zu tun hat. Auf den zwei­ten Blick aber doch: Sta­tis­tisch gese­hen fah­ren Män­ner häu­fi­ger mit dem Auto, wäh­rend Frau­en häu­fi­ger zu Fuß gehen, Fahr­rad fah­ren oder öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel nut­zen (auch wenn Müns­ter beim Fahr­rad eine Son­der­rol­le hat). Und Frau­en legen im Durch­schnitt mehr Wege zurück als Män­ner, weil sie bei­spiels­wei­se neben der Fahrt zur Arbeit auch noch die Kin­der zur Schu­le und am Nach­mit­tag zum Kla­vier­un­ter­richt brin­gen. Und mit die­ser Erkennt­nis im Hin­ter­kopf hat es plötz­lich sehr wohl etwas mit der Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit zu tun, ob die Stadt mit den ver­füg­ba­ren Gel­dern lie­ber eine Stra­ße aus­baut oder einen neu­en Rad­weg verlegt.

Ein Pilot­pro­jekt im Job­cen­ter der Stadt zeig­te neben ande­ren Ungleich­hei­ten bei der Ver­ga­be von Prak­ti­kums­plät­zen für Lang­zeit­ar­beits­lo­se: „Vie­le der Arbeitgeber:innen, an die Män­ner ver­mit­telt wer­den, bie­ten Prak­ti­kums­plät­ze, die nur bedingt mit Erzie­hungs­auf­ga­ben ver­ein­bar sind. Uns haben eini­ge Män­ner gesagt, dass es für sie ein Pro­blem ist, wenn sie mor­gens sehr früh beim Arbeit­ge­ber erschei­nen müs­sen, bevor Kitas und Schu­len geöff­net sind“, erklärt Julia von Hayn vom Amt für Gleich­stel­lung. Dahin­ter steckt offen­bar ein tra­di­tio­nel­les Fami­li­en­bild: Bei Frau­en wird eher ange­nom­men, dass sie einen Job suchen, der sich mit dem Fami­li­en­le­ben ver­ein­ba­ren lässt. Bei Män­nern eher nicht. Und dabei gibt es vie­le Verlierer:innen: Män­ner, die Job und Fami­lie ver­ein­ba­ren möch­ten, müs­sen wahr­schein­lich län­ger nach einer pas­sen­den Stel­le suchen. Und wenn sie kei­ne fin­den, müs­sen ihre Partner:innen es über­neh­men, mor­gens die Kin­der zur Kita zu bringen.

Neue Erkennt­nis­se zei­gen außer­dem, dass die Mehr­heit der öffent­lich geför­der­ten Stel­len in eher männ­lich gepräg­ten Berei­chen liegt: Tech­nik, Hand­werk und Grün­flä­chen­ar­beit zum Bei­spiel. Umge­kehrt gibt es auch Berei­che, in denen Frau­en klar bevor­teilt wer­den. Da ist zum Bei­spiel das Bud­get für die Stadt­bü­che­rei­en, die deut­lich häu­fi­ger von Frau­en und Mäd­chen genutzt wer­den. Im Umkehr­schluss bedeu­tet das aller­dings auch, dass jede Kür­zung der Gel­der für die Büche­rei­en sich mehr auf Frau­en aus­wirkt als auf Män­ner. Ähn­lich sieht es bei den Aus­ga­ben für die Volks­hoch­schu­le aus, an deren Kur­sen mehr Frau­en teilnehmen.

Es braucht ausreichend Daten

So kann jeder gesell­schaft­li­che und finanz­po­li­ti­sche Bereich aus der Geschlech­ter­per­spek­ti­ve unter­sucht wer­den. Doch ohne eine gute Daten­ba­sis funk­tio­niert das nicht. Schließ­lich sol­len für die Anlie­gen von Frau­en und Män­nern unge­fähr gleich vie­le Mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen. Und wie die­se Anlie­gen aus­se­hen, muss die Stadt erst ein­mal erhe­ben. Wer besucht die Uni­ver­si­tät und wer hat einen Büche­rei­aus­weis? Wer nutzt wel­che öffent­li­chen Räu­me, Ver­kehrs­mit­tel und Bil­dungs­an­ge­bo­te? In vie­len Berei­chen erhebt die Stadt Müns­ter dazu bereits Daten. Aber eben nicht über­all. Und auch nicht immer dif­fe­ren­ziert nach Geschlecht.

Manch­mal hel­fen hier auch Daten aus ande­ren Kom­mu­nen. Eine Erhe­bung zur Aus­las­tung von Spiel­plät­zen in Koope­ra­ti­on mit der Uni Müns­ter konn­te die Stadt vor ein paar Jah­ren per­so­nal­be­dingt nicht durch­füh­ren. Doch aus der all­ge­mei­nen For­schung ist bekannt: Mäd­chen nei­gen dazu, sich ab einem gewis­sen Alter nicht mehr auf öffent­li­chen Plät­zen zu tref­fen, und zie­hen sich mit Freund:innen lie­ber in pri­va­te Berei­che zurück. Jun­gen spie­len dage­gen öfter drau­ßen. Sie wür­den eher von Inves­ti­tio­nen in Spiel­plät­ze, Skate­parks und Bas­ket­ball­kör­be profitieren.

Münster folgt dem EU-Beschluss

Mit der Ein­füh­rung von Gen­der Bud­ge­ting folgt die Stadt Müns­ter im Grun­de einer Vor­ga­be der Euro­päi­schen Uni­on. Im Jahr 2009 ist die Stadt der Euro­päi­schen Char­ta zur Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en auf loka­ler Ebe­ne bei­getre­ten. Schon in dem im Jahr 1999 geschlos­se­nen Ver­trag von Ams­ter­dam ver­pflich­ten sich die EU-Mit­glieds­staa­ten dazu, die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter in allen rele­van­ten Poli­tik­be­rei­chen – und damit auch in der Haus­halts­pla­nung – zu berück­sich­ti­gen. 2002 beschloss die EU-Finanzminister:innen-Konferenz, die Ein­füh­rung von Gen­der Bud­ge­ting bis 2015 anzu­stre­ben. Pas­siert ist seit­dem aller­dings wenig. Nur in Öster­reich ist das Prin­zip seit 2009 in der Bun­des­ver­fas­sung ver­an­kert. Das heißt: Bund, Län­der und Gemein­den müs­sen im Nach­bar­land bei der Haus­halts­pla­nung die Gen­der­per­spek­ti­ve berück­sich­ti­gen. „Hat ein Sport­ver­ein bei­spiels­wei­se nur männ­li­che Funk­tio­nä­re, dürf­te die Kom­mu­ne ihm das Bud­get kür­zen, wenn er das nicht ändert“, erklärt Julia von Hayn vom Amt für Gleich­stel­lung in Münster.

In Deutsch­land ist das anders. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend hat 2006 eine Mach­bar­keits­stu­die für geschlech­ter­ge­rech­te Finanz­pla­nung auf Bun­des­ebe­ne durch­ge­führt. Die Bun­des­re­gie­rung hielt das Prin­zip auf der Ebe­ne des Bun­des aller­dings nicht für geeig­net, das kön­nen Sie in die­ser Ant­wort auf eine klei­ne Anfra­ge der Grü­nen-Frak­ti­on nach­le­sen. Eini­ge Lan­des­re­gie­run­gen expe­ri­men­tie­ren bereits mit gen­der­ge­rech­ten Finan­zen. Baden-Würt­tem­berg zum Bei­spiel und – als deutsch­land­wei­ter Vor­rei­ter – Berlin.

Und auch immer mehr Kom­mu­nen ver­schrei­ben sich der geschlech­ter­ge­rech­ten Haus­halts­pla­nung, neben Müns­ter etwa Frei­burg, Mün­chen, Köln und Mar­burg. Im Jahr 2018 wur­de in Müns­ter ein über­re­gio­na­ler Arbeits­kreis zum Gen­der Bud­ge­ting gegrün­det. Über 20 Kom­mu­nen aus ganz Deutsch­land sind dar­an betei­ligt. Sie tau­schen sich unter­ein­an­der aus, spre­chen mit Expert:innen.

Nicht mehr in Trippelschritten

Auch wenn die geschlech­ter­ge­rech­te Finanz­pla­nung in Müns­ter nicht neu ist, steht sie im Grun­de noch ganz am Anfang. Bis das Prin­zip in allen städ­ti­schen Ämtern zum Tra­gen kommt, wird es dau­ern. Vie­le Daten wer­den schon erho­ben. Die Poli­tik muss sie aber noch nut­zen, dar­aus ent­spre­chen­de Kenn­zah­len ent­wi­ckeln und die Ämter schu­len. Und dann ist Gen­der Bud­ge­ting natür­lich immer auch ein Pro­zess. Stadt und Poli­tik set­zen sich Zie­le und müs­sen dann jedes Jahr neu prü­fen, ob sie erreicht wur­den oder ob der Haus­halt ange­passt wer­den muss. Immer­hin: Im städ­ti­schen Haus­halts­plan 2021 ste­hen schon jetzt deut­lich mehr gleich­stel­lungs­re­le­van­te Kenn­zah­len und Zie­le als vor­her, zum Bei­spiel in den Berei­chen Kul­tur, Stadt­ent­wick­lung und Fami­li­en­hil­fen. „Natür­lich muss Gen­der Bud­ge­ting schritt­wei­se in die städ­ti­sche Finanz- und Haus­halts­pla­nung ein­ge­führt wer­den. Aber ich glau­be, es geht schnel­ler als die Trip­pel­schrit­te, die wir in den letz­ten zehn Jah­ren gemacht haben“, sagt Andrea Blo­me, die auch im Aus­schuss für Gleich­stel­lung sitzt.

Gen­der Bud­ge­ting ist letzt­lich nur ein Puz­zle­stück auf dem Weg zur Gleich­stel­lung der Geschlech­ter. Und die ist nicht immer eine Bud­get­fra­ge. Die Stadt Müns­ter weiß inzwi­schen, dass Män­ner gera­de im kul­tu­rel­len und sozia­len Bereich oft weni­ger ver­tre­ten sind. Aber liegt das an den finan­zi­el­len Mit­teln oder müs­sen Gesprächs­krei­se für Senior:innen, Bas­tel­kur­se und Bil­dungs­an­ge­bo­te ein­fach anders bewor­ben wer­den, damit sie Män­ner genau­so anspre­chen wie Frau­en? Oder bie­ten die städ­ti­schen Stel­len viel­leicht ein­fach nicht die rich­ti­gen Kur­se an? Manch­mal kann die Stadt nur mut­ma­ßen – und ausprobieren.

„Das Gen­der Bud­ge­ting darf auch nicht für sich allei­ne ste­hen“, ergänzt Tho­mas Koll­mann von der SPD-Rats­frak­ti­on. Er ist stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der im Aus­schuss für Gleich­stel­lung: „Wir müs­sen Quer­ver­bin­dun­gen her­stel­len und dann zum Bei­spiel nicht nur fra­gen: ‚wie vie­le Frau­en?‘, son­dern auch ‚wie vie­le Men­schen mit Migrationsgeschichte?‘.“

Die Kern­fra­ge ist immer: Sind die städ­ti­schen Gel­der fair ver­teilt? Pas­send dazu hat das Amt für Gleich­stel­lung für den eng­li­schen Begriff „Gen­der Bud­ge­ting“ einen eige­nen Namen gefun­den. In Müns­ter heißt das Kon­zept: FINANZfairTEILUNG“.

Korrekturen und Ergänzungen

Nach­dem wir am Frei­tag unse­ren Bei­trag über die katho­li­sche Kir­che und die Gemein­schaft Emma­nu­el ver­öf­fent­licht hat­ten, haben auf unse­rer Face­book-Sei­te eini­ge Leser:innen sehr inten­siv über das The­ma dis­ku­tiert. Ein Leser wies dar­auf hin, dass die Gemein­schaft Emma­nu­el in Frank­reich durch Kon­tak­te zur rechts­ra­di­ka­len Par­tei Ras­sem­ble­ment Natio­nal (frü­her Front Natio­nal) auf­ge­fal­len sei. Die­sen Hin­weis haben wir auf­ge­grif­fen und unter dem Bei­trag ein Update eingefügt.

Leser:innen werben Leser:innen

In den kom­men­den Mona­ten möch­ten wir die Zahl unse­rer Abonnent:innen auf 2.500 stei­gern, um uns nach­hal­tig finan­zie­ren zu kön­nen. Denn unser Jour­na­lis­mus ist auf­wen­dig und braucht Zeit, und das kos­tet Geld. Des­we­gen bit­ten wir Sie dar­um, uns zu unter­stüt­zen. Und das ist ganz ein­fach: Wenn jede und jeder von Ihnen nur drei Ver­wand­te, Bekann­te und Freund:innen anschreibt und uns wei­ter­emp­fiehlt, kön­nen wir gemein­sam wach­sen und unser Ange­bot auch ausbauen.

Außer­dem pro­fi­tie­ren auch ande­re davon: Bei bestimm­ten Ziel­mar­ken wer­den wir Medi­­en-Work­­shops für Jugend­li­che ver­an­stal­ten, Genaue­res dazu lesen Sie hier. Sie kön­nen uns dafür Orga­ni­sa­tio­nen vor­schla­gen, die Ihnen am Her­zen lie­gen: Schrei­ben Sie uns ger­ne an die­se Adres­se. Wie sich unse­re Akti­on ent­wi­ckelt, tei­len wir Ihnen ab jetzt regel­mä­ßig in unse­rem Brief mit. Sobald wir die ers­ten Work­shops umset­zen kön­nen, wer­den wir die­se zudem dokumentieren.

Corona-Update

+++ Seit ges­tern greift in Müns­ter die Coro­na-Not­brem­se, weil die Sie­ben-Tage-Inzi­denz in der ver­gan­ge­nen Woche meh­re­re Tage in Fol­ge über der Gren­ze von 100 lag. Die Fol­ge: Zutritt zu Geschäf­ten und Muse­en gibt es nur mit einem aktu­el­len nega­ti­ven Schnell­test­ergeb­nis. Die Test­stel­len in der Stadt waren ent­spre­chend gefragt, wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten in einem Arti­kel mit dem schö­nen Titel „Spu­cken, war­ten, ein­kau­fen“ schil­dern.

+++ Heu­te liegt die Inzi­denz mit 99,3 wie­der knapp unter dem wich­ti­gen Grenz­wert. Aller­dings sind die gemel­de­ten Zah­len heu­te offen­bar nicht zuver­läs­sig, wie der WDR mel­det: Beim Lan­des­zen­trum für Gesund­heit hat es eine Netz­werk­stö­rung gege­ben, dadurch wur­den nicht alle Neu­in­fek­tio­nen über­mit­telt. Die Stadt teilt mit, dass auch Müns­ter mög­li­cher­wei­se davon betrof­fen ist und der Inzi­denz­wert nur unter Vor­be­halt gilt.

+++ Was dage­gen sicher ist: Die Inzi­denz bei Kin­dern und Jugend­li­chen zwi­schen fünf und 14 Jah­ren liegt deut­lich höher als die der Gesamt­be­völ­ke­rung. Am Frei­tag hat­ten wir ja schon auf eine Recher­che des ZDF hin­ge­wie­sen, das auf die­ser Kar­te die Inzi­den­zen nach Alters­grup­pen auf­ge­schlüs­selt. Der ZDF-Recher­che zufol­ge lag die Inzi­denz bei den Fünf- bis 14-Jäh­ri­gen in Müns­ter am Frei­tag bei 186. Ges­tern teil­te die Stadt uns auf Anfra­ge mit, sie lie­ge in die­ser Alters­grup­pe bei 216,9. Also mehr als dop­pelt so hoch wie bei der Gesamt­be­völ­ke­rung. In abso­lu­ten Zah­len heißt das: In den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen wur­den 49 Kin­der und Jugend­li­che posi­tiv getes­tet. Für bis vier­jäh­ri­ge Kin­der gibt die Stadt eine Inzi­denz von 81,4 an, das sind 14 gemel­de­te Fäl­le. Ähn­lich oft ste­cken sich im Ver­hält­nis die 35- bis 59-jäh­ri­gen Erwach­se­nen an (89 gemel­de­te Fäl­le, Inzi­denz von 86,6). Wie schwer infi­zier­te Kin­der erkran­ken und wel­che Sym­pto­me sie haben, wird in der Sta­tis­tik nicht erfasst, schreibt die Stadt.

+++ Und was bedeu­tet das nun für die Schu­len? Erst ein­mal nichts, teilt das NRW-Schul­mi­nis­te­ri­um auf RUMS-Anfra­ge mit. „Der Schul­be­trieb in Nord­rhein-West­fa­len erfolgt auf der Grund­la­ge der aktu­el­len Coro­na­schutz­ver­ord­nung und Coro­na­be­treu­ungs­ver­ord­nung“, schreibt uns der Pres­se­spre­cher. „Der in der Coro­na­be­treu­ungs­ver­ord­nung genann­te Inzi­denz­wert von 200 (Anmer­kung: gemeint ist hier die Gesamt­be­völ­ke­rung) wur­de von der Lan­des­re­gie­rung in der ver­gan­ge­nen Woche fest­ge­legt. Ände­run­gen sind der­zeit nicht geplant. Soll­te das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz des Bun­des geän­dert wer­den, wird es unmit­tel­bar auch in Nord­rhein-West­fa­len Wir­kung entfalten.“ 

Wir blei­ben dran.

+++ Ges­tern mel­de­te die Stadt einen neu­en Todes­fall. Ein 75-jäh­ri­ger Mann ist in Zusam­men­hang mit dem Virus in der Uni­kli­nik ver­stor­ben. Ins­ge­samt sind seit Beginn der Pan­de­mie 110 Men­schen aus Müns­ter gestor­ben, die mit dem Virus infi­ziert waren. Als infi­ziert gel­ten heu­te 585 Münsteraner:innen. 45 von ihnen wer­den im Kran­ken­haus behan­delt, davon auf 19 auf der Inten­siv­sta­ti­on. Elf Men­schen wer­den beatmet.

+++ Nach den Coro­na-Aus­brü­chen im Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe und in der soge­nann­ten Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung (ZUE) für Geflüch­te­te (RUMS-Brief von Frei­tag) mel­det die Stadt heu­te zehn Neu­in­fek­tio­nen in der Unter­kunft für Geflüch­te­te an der Schaum­burg­stra­ße. Bei den meis­ten Tests sei die hoch­an­ste­cken­de bri­ti­sche Virus­va­ri­an­te gemel­det wor­den, teilt das Pres­se­amt mit. Die kom­plet­te Ein­rich­tung steht unter Quarantäne.

+++ Münsteraner:innen, die in den Jah­ren 1948 und 1949 gebo­ren wur­den, kön­nen ab mor­gen einen Impf­ter­min buchen, mel­det die Stadt. Ab Frei­tag kön­nen sich auch Men­schen aus den Jahr­gän­gen 1950 und 1951 anmel­den. Mehr Infos dazu gibt es auch auf der Web­site der Stadt. Bis­her haben in Müns­ter gut 93.000 Men­schen min­des­tens die ers­te Impf­sprit­ze bekom­men, davon 13.200 in den haus­ärzt­li­chen Pra­xen, 13.400 über die Mobi­len Teams, 13.500 in Kran­ken­häu­sern und 53.000 im Impfzentrum.

Unbezahlte Werbung

Nach einem stres­si­gen Tag schmeckt manch­mal nichts so gut wie eine Piz­za. Am bes­ten auf der Couch und ohne Besteck. Das fin­de ich und das fin­det auch mei­ne Kol­le­gin Anto­nia Strot­mann, die vor kur­zem bei Piz­za Rio­tz bestellt hat. Die gibt’s ganz neu in den Räu­men der Shoo­ters Stars Bar am Alten Stein­weg. Müns­ters ers­te kom­plett vega­ne Piz­ze­ria. Den vega­nen Käse-Ersatz (garan­tiert lak­to­se­frei) macht das Team selbst. Pro­bie­ren kön­nen Sie die Piz­zen zwi­schen 12 und 22 Uhr. Mei­ne Kol­le­gin emp­fiehlt die Piz­za mit vega­nem Kebab und Knob­lauch­sauce. Falls das nicht Ihr Ding sind soll­te, kei­ne Sor­ge: Eine „klas­si­sche“ Piz­za mit Toma­ten und Basi­li­kum gibt es im Sor­ti­ment natür­lich auch.

Drinnen und Draußen

+++ Unser Kolum­nist Ruprecht Polenz ist am Don­ners­tag beim Müns­te­ra­ner Kli­ma­ge­s­präch zu Gast. Mit Sabi­ne Schla­cke, Pro­fes­so­rin für Öffent­li­ches Recht und Direk­to­rin des Insti­tuts für Umwelt- und Pla­nungs­recht der Uni Müns­ter, dis­ku­tiert er zum The­ma „Kli­ma­po­li­ti­sche Not­wen­dig­kei­ten und demo­kra­ti­sche Min­der­hei­ten – wie geht das zusam­men?“. Sie kön­nen der Dis­kus­si­on der Kli­ma­in­itia­ti­ve Müns­ter online fol­gen. Ein­la­dungs­code und Zugangs­link bekom­men Sie, wenn Sie eine E-Mail an die­se Adres­se schicken.

Am Frei­tag schreibt Ihnen mei­ne Kol­le­gin Con­stan­ze Busch. Ich wün­sche Ihnen eine gute Woche.

Herz­li­che Grüße

Ann-Mar­len Hoolt

PS

Wis­sen Sie, was eine Schein­kor­re­la­ti­on ist? Kein Sor­ge, Sie müs­sen sich dafür nicht mit Sta­tis­tik aus­ken­nen. Wer mit Daten arbei­tet, fin­det manch­mal einen Zusam­men­hang zwi­schen Grö­ßen, die eigent­lich gar nichts mit­ein­an­der zu tun haben. Ein Bei­spiel: Nur weil die Anzahl der Stör­che in einer Regi­on steigt, wenn die Anzahl der Neu­ge­bo­re­nen zunimmt, heißt das nicht, dass der Storch die Babys bringt. Wahr­schein­lich liegt es dar­an, dass in länd­li­chen Regio­nen mehr Kin­der gebo­ren wer­den. Und Stör­che gibt es eben eher auf dem Land. Ich ver­lin­ke Ihnen eine Web­site, auf der vie­le sol­cher schein­bar zusam­men­hän­gen­der Daten zusam­men­ge­tra­gen wer­den. Viel Spaß beim Durchschauen.

In eigener Sache

Sie haben es sicher bemerkt: Mari­na Weis­bands Kolum­ne ist am Wochen­en­de lei­der aus­ge­fal­len. Es gab ein Pro­blem mit der Kin­der­be­treu­ung. Am nächs­ten Wochen­en­de schreibt Ihnen aber wie­der pünkt­lich Ruprecht Polenz.


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