Bahnhof mit Baustellen | Parkplätze für Fahrräder | Sommergetränke

Müns­ter, 18. Juni 2021

Guten Tag,

ich erin­ne­re mich noch dun­kel an einen Bahn­hof ohne Bau­stel­len, abge­sperr­te Wege und Gerüs­te. Vie­le mei­ner Freund:innen sind aller­dings erst in den letz­ten Jah­ren nach Müns­ter gezo­gen. Einen Haupt­bahn­hof ohne Umbau­ar­bei­ten ken­nen sie nicht.

Die gute Nach­richt ist: Das Han­sa­tor, das an der Ost­sei­te des Bahn­hofs ent­steht, soll bald fer­tig sein und in gut einem Jahr eröff­net wer­den. Es ist aller­dings nicht das ein­zi­ge Bau­pro­jekt, das rund um den Bahn­hof geplant ist. Ob das eine schlech­te Nach­richt ist, liegt im Auge des Betrach­ters. Denn immer­hin tut sich eini­ges im Bahnhofsumfeld.

Ein Tor, das aus drei Türmen besteht

Wer in den ver­gan­gen Wochen an der Bahn­hofs­rück­sei­te vor­bei­kam, kann schon erah­nen, wie das Han­sa­tor ein­mal aus­se­hen wird. Für alle ande­ren gibt es auf der Han­sa­tor-Web­site eine Bau­stel­len­web­cam. Sie müs­sen dafür auf der Sei­te etwas nach unten scrol­len. Bei einem der drei Gebäu­de ist das Bau­ge­rüst schon abge­baut worden.

Auf den ande­ren Bil­dern auf der Sei­te kön­nen Sie sehen, wie die Planer:innen sich das fer­ti­ge Are­al vor­stel­len. Die drei „Tür­me“ sol­len durch ein Über­dach ver­bun­den wer­den, Flug­dach genannt. Statt den Gebäu­de­kom­plex selbst zu errich­ten, hat die Stadt einen Ver­trag mit einem Unter­neh­men aus Aachen geschlos­sen, der Land­mar­ken AG. Public-Pri­va­te-Part­ners­hip nennt sich das. Ist das Han­sa­tor fer­tig, wird dort unter ande­rem ein Hotel ein­zie­hen, ver­schie­de­ne Gas­tro­no­mie­be­trie­be und eine Radstation.

Außer­dem ent­steht im Nord­turm des Han­sa­tors eine REWE-Filia­le. Die Dro­ge­rie­ket­te Mül­ler hat eben­falls einen Ver­trag unter­schrie­ben. Auch dar­um küm­mert sich die Land­mar­ken AG. Die Stadt Müns­ter macht nur eine Vor­ga­be: „Bahn­hofs­af­fin“ sol­len die Geschäf­te und Gas­tro­no­mie­be­trie­be im Han­sa­tor sein. In den Süd­turm des Han­sa­tors zieht die Hotel­grup­pe Pri­zeo­tel ein. In den Ober­ge­schos­sen des mitt­le­ren und des nörd­li­chen Turms sind über 300 soge­nann­te Mikro­apart­ments geplant – klei­ne Ein-Zim­mer-Woh­nun­gen, im Durch­schnitt 24 Qua­drat­me­ter groß und voll möbliert. Per­fekt für „Geschäfts­rei­sen­de, Young-Pro­fes­sio­nals und Stu­die­ren­de“, so heißt es im Ankün­di­gungs­text auf der Han­sa­tor-Web­site. In den urba­nen Zen­tren in Euro­pa, Asi­en und Nord­ame­ri­ka sind die­se klei­nen Apart­ments zur­zeit sehr beliebt. Flä­chen­s­pa­ren­des Woh­nen und maxi­ma­ler Gewinn für Bauherr:innen und Vermieter:innen. Je nach Stand­ort und Stadt kos­tet die Mie­te in einem Mikro­apart­ment zwi­schen 300 und 700 Euro im Monat. Wie teu­er die Apart­ments in Müns­ter sein wer­den, ist noch nicht klar.

Das Han­sa­tor soll für die Stadt Müns­ter eine neue Visi­ten­kar­te sein. Ein Vor­zei­ge­pro­jekt, das den Bahn­hof und das Han­sa­vier­tel auf­wer­ten soll. „Das Ziel ist, künf­tig prak­tisch kei­ne Bahn­hofs­rück­sei­te mehr zu haben“, fasst Jörg Krau­se, Dezer­nent für Pla­nungs- und Bau­ko­or­di­na­ti­on, das Vor­ha­ben zusam­men. Und das ist nicht das ein­zi­ge Bau­pro­jekt, das an der Ost­sei­te des Bahn­hofs geplant ist. Auch der Bre­mer Platz und der Vor­platz des Han­sa­tors sol­len umge­stal­tet wer­den. Bau­ge­rüs­te, abge­sperr­te Wege und Bohr­ge­räu­sche wird es im Bahn­hofs­um­feld des­halb auch noch etwas län­ger geben. Und auch die Bre­mer Stra­ße wird noch eine gan­ze Wei­le nur ein­spu­rig befahr­bar sein, genau­er gesagt noch gut drei Jah­re. Die Stadt plant dort näm­lich auch eine Fernwärme-Transportleitung.

Endlich mehr Fahrradstellplätze

Die neue Rad­sta­ti­on im Han­sa­tor soll Platz für 2.100 Fahr­rä­der bie­ten. Und das ist auch not­wen­dig, denn rund um den Bahn­hof sind Fahr­rad­stell­plät­ze zur­zeit lei­der Man­gel­wa­re. Damit habe ich mich ein­mal aus­führ­lich in einem Brief beschäf­tigt, den ich Ihnen ger­ne noch ein­mal ver­lin­ke. Hier die Kurz­ver­si­on: Für den Bau des Han­sa­tors fie­len die kos­ten­lo­sen Stell­plät­ze hin­ter dem Bahn­hof weg. Über­gangs­wei­se hat die West­fä­li­sche Bau­in­dus­trie WBI das soge­nann­te Rad­la­ger am Bre­mer Platz ein­ge­rich­tet. Nur: Kos­ten­los ist ein Stell­platz im Rad­la­ger nicht, und wer sein Fahr­rad dort par­ken möch­te, muss erst umständ­lich ein Monats- oder Jah­res­abo abschlie­ßen. Des­halb sta­peln sich auf dem Geh­weg vor dem Park­haus die Fahr­rä­der, wäh­rend das Rad­la­ger nur zu gut einem Drit­tel belegt ist.

Neue und leicht zugäng­li­che Fahr­rad­stell­plät­ze rund um den Bahn­hof wer­den also drin­gend benö­tigt. Umso ärger­li­cher, wenn die Stadt plötz­lich weni­ger davon baut als ange­kün­digt. Und genau so sah es Anfang der ver­gan­ge­nen Woche aus, als die West­fä­li­schen Nach­rich­ten über neue Über­le­gun­gen für den Bre­mer Platz berich­te­ten. Der Titel: „Ver­zich­tet die Stadt auf eine zwei­te Rad­sta­ti­on?“. Beim Lesen der Über­schrift am Früh­stücks­tisch wäre mir fast mein Mar­me­la­den­bröt­chen run­ter­ge­fal­len. Kei­ne zwei­te Rad­sta­ti­on?! Und was ist mit der Stell­platz­not?! Inzwi­schen habe ich mich wie­der beru­higt und kann Ent­war­nung geben: Die Rad­sta­ti­on kommt. Das haben mir alle Stel­len bestä­tigt, mit denen ich gespro­chen habe.

In dem WN-Arti­kel war sowohl von der Rad­sta­ti­on im Han­sa­tor die Rede als auch von 400 wei­te­ren eben­erdi­gen Stell­plät­zen im Bahn­hofs­um­feld. Letz­te­re sol­len nach inter­nen Infor­ma­tio­nen weg­fal­len, heißt es in dem Text. Noch am sel­ben Tag stell­te die Grü­ne Rats­frak­ti­on eine ent­spre­chen­de Anfra­ge an den Stadt­bau­rat Robin Denstorff. Der beton­te: Die Rats­be­schlüs­se zum Pro­jekt sind in Stein gemei­ßelt. Das heißt: Das Fahr­rad­park­haus Han­sa­tor soll wie geplant im Früh­jahr 2022 in Betrieb gehen. Die Land­mar­ken AG sei ver­pflich­tet, min­des­tens 1.000 Qua­drat­me­ter Flä­che im Erd­ge­schoss für die Rad­sta­ti­on bereit­zu­stel­len und sie der Stadt unent­gelt­lich und dau­er­haft zu überlassen.

Zusätz­lich habe die Stadt in der Aus­schrei­bung des Pro­jekts wei­te­re 400 gebüh­ren­freie Abstell­mög­lich­kei­ten gefor­dert. Die Land­mar­ken AG sol­le dazu 200 Anlehn­bü­gel instal­lie­ren. Rich­tig sei, dass noch nicht klar ist, wo genau die­se 400 Rad­stell­plät­ze hin­kom­men sol­len, sag­te Denstorff. Und rich­tig sei auch, dass sich der Rat der Stadt Müns­ter in einer Sit­zung vor gut einem Jahr dage­gen ent­schie­den hat­te, die 400 Stell­plät­ze auf dem Gelän­de des Bre­mer Plat­zes zu bau­en. Dies lau­fe „den Emp­feh­lun­gen des Werk­statt­ver­fah­rens zuwi­der.“ Die Ver­wal­tung wer­de des­halb beauf­tragt, alter­na­ti­ve Stand­or­te zu fin­den. Zur­zeit sei ein Kon­zept für das Fahr­rad­par­ken im Bahn­hofs­um­feld in Arbeit, wor­in die 400 Stell­plät­ze inte­griert wer­den sollen.

Der Wettbewerb ums Fördergeld

Aber auch die neu­en Stell­plät­ze in der Rad­sta­ti­on wer­den nicht aus­rei­chen, um den Park­platz­man­gel am Bahn­hof zu behe­ben. Die Stadt schätzt den Bedarf an Fahr­rad­stell­plät­zen hier auf etwa 10.000. Wenn es mit der Ver­kehrs­wen­de vor­an­geht, wird der Bedarf mög­li­cher­wei­se noch stei­gen. Laut einer Zäh­lung im letz­ten Okto­ber gibt es rund um den Bahn­hof aktu­ell 6.100 Stell­plät­ze, davon rund 1.000 im Rad­la­ger und 1.200 im Ham­bur­ger Tun­nel. 2.000 wei­te­re ent­ste­hen im Han­sa­tor, 400 zusätz­li­che soll die Land­mar­ken AG bau­en. Macht zusam­men 8.500 – rund 1.500 wür­den also immer noch feh­len, wenn die Rad­sta­ti­on und die neu­en Stell­plät­ze gebaut sind. Die Stell­plät­ze im Rad­la­ger Bre­mer Platz fal­len dann aller­dings auch wie­der weg, weil die­se nur über­gangs­wei­se für die Bau­zeit des Han­sa­tors ein­ge­rich­tet wur­den. Die Lücke wür­de damit also noch größer.

Für das Park­haus hat die Stadt Müns­ter aller­dings gro­ße Plä­ne. Klappt alles so, wie sich die Stadt­ver­wal­tung das vor­stellt, könn­ten dort in den nächs­ten fünf Jah­ren 3.000 Fahr­rad­stell­plät­ze ent­ste­hen. Die Stadt Müns­ter erhofft sich dafür För­der­mit­tel vom Land und macht des­halb bei einem Wett­be­werb des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums in Koope­ra­ti­on mit dem Bau­mi­nis­te­ri­um mit. Gesucht wer­den „inno­va­ti­ve und zukunfts­wei­sen­de“ Kon­zep­te, die die urba­ne Mobi­li­tät unter­stüt­zen und „ech­te Alter­na­ti­ven zur moto­ri­sier­ten Indi­vi­dual­mo­bi­li­tät“ schaf­fen. 29 Kom­mu­nen hat­ten sich bewor­ben, Müns­ter ist jetzt zusam­men mit neun wei­te­ren Pro­jek­ten in die zwei­te Run­de gekommen.

Die Idee: Aus dem Park­haus Bre­mer Platz soll eine Mobil­sta­ti­on wer­den. Mehr Fahr­rad­stell­plät­ze auf meh­re­ren Ebe­nen, Mög­lich­kei­ten zum Bike-Sharing, E-Scoo­ter-Ver­leih. „Mobi­li­ty Hub“ ist der Pro­jekt­ti­tel und nach Ent­wür­fen in der ent­spre­chen­den Pres­se­mit­tei­lung der Stadt soll die­ser Name dann auch groß auf der begrün­ten Außen­fas­sa­de des Park­hau­ses pran­gen. Der Pro­jekt­ent­wurf ent­hält noch eini­ge wei­te­re Ideen: Zwei zusätz­li­che Stock­wer­ke für das Park­haus und ein öffent­li­cher, begrün­ter Dach­gar­ten, auf dem auch Solar­strom gewon­nen wer­den kann, zum Bei­spiel. Außer­dem sol­len Autofahrer:innen den Hub künf­tig über die Ost­sei­te errei­chen kön­nen, um die Stra­ße hin­ter dem Park­haus zu ent­las­ten. Die­se soll zeit­gleich zur Fahr­rad­stra­ße umge­baut wer­den und an die Velo­rou­te nach Evers­win­kel ange­schlos­sen wer­den. Für die Anwohner:innen im Bahn­hofs­um­feld soll im Mobi­li­ty Hub außer­dem eine Quar­tiers­ga­ra­ge ent­ste­hen. So soll das Pro­jekt nicht nur die Mobi­li­tät für Pendler:innen, son­dern für das gan­ze Vier­tel auf­wer­ten. Im Mobi­li­ty Hub sol­len alle Verkehrsteilnehmer:innen die Mög­lich­keit haben, unpro­ble­ma­tisch von einem Ver­kehrs­mit­tel auf ein ande­res umzusteigen.

Bis­her muss­te die Stadt Müns­ter für den Lan­des­wett­be­werb nur eine Pro­jekt­skiz­ze ein­rei­chen. Jetzt hat sie bis Ende des Jah­res Zeit, die­se aus­zu­ar­bei­ten und zu kon­kre­ti­sie­ren. Dabei kann sich die Stadt immer wie­der mit dem Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um bera­ten. Im Febru­ar 2022 ent­schei­det dann eine Jury, wel­che Pro­jek­te tat­säch­lich mit ins­ge­samt bis zu 100 Mil­lio­nen Euro geför­dert wer­den. Dar­in sit­zen unter ande­rem Vertreter:innen der bei­den Minis­te­ri­en, ver­schie­de­ner Ver­kehrs­clubs (unter ande­rem ADAC und ADFC), die Bezirks­re­gie­rung und Vertreter:innen aus Wis­sen­schaft und Lehre.

Neue Ideen für den Radverkehr

Span­nend ist, dass die Stadt Müns­ter für den Mobi­li­ty Hub auch über ein ein­fa­ches Bezahl­mo­dell nach­denkt – im Rad­la­ger im Park­haus Bre­mer Platz kön­nen Pendler:innen aktu­ell näm­lich nur Monats- oder Jah­res­ti­ckets kau­fen und müs­sen dafür erst­mal umständ­lich Unter­la­gen aus­fül­len und an die WBI schi­cken. Die neu­en Park­plät­ze sol­len ein­fa­cher buch­bar und mög­lichst preis­wert sein. Hohe Qua­li­tät zu nied­ri­gen Prei­sen qua­si. Bau­de­zer­nent Jörg Krau­se sagt dazu: „Die Rad­stell­plät­ze müs­sen so attrak­tiv und so gut erreich­bar sein, dass mög­lichst vie­le Men­schen dort ihr Fahr­rad abstel­len wol­len. Sonst sieht es am Bahn­hof genau­so aus wie jetzt.“ Über­all wild­ge­park­te Fahr­rä­der nämlich.

Des­halb soll es in der neu­en Mobil­sta­ti­on auch mög­lich sein, kos­ten­los zu par­ken. Micha­el Grimm, Lei­ter des Amtes für Mobi­li­tät und Tief­bau, sag­te mir, er kön­ne sich bei­spiels­wei­se eine App vor­stel­len, über die Pendler:innen einen Stell­platz für ihr Fahr­rad buchen kön­nen. „Die kos­ten­lo­sen Park­plät­ze sind not­wen­dig“, sagt er. „Wir brau­chen an der Bahn­hofs­rück­sei­te die­sel­be Park­platz­qua­li­tät wie an der West­sei­te.“ Mög­lich wäre ein Modell, bei dem die ers­ten 24 Stun­den im Park­haus kos­ten­los sind oder alle Kund:innen eine gewis­se Anzahl an kos­ten­lo­sen Näch­ten im Hub bekom­men. Die Park­plät­ze im Ham­bur­ger Tun­nel sol­len dann auf lan­ge Sicht übri­gens auch weg­fal­len oder auf­ge­wer­tet wer­den. „Aktu­ell ist das kein ange­mes­se­nes Fahr­rad­par­ken“, sagt Grimm.

Setzt die Stadt das Pro­jekt so um, wie es aktu­ell geplant ist, könn­te das nicht nur die Ver­kehrs­si­tua­ti­on am Bahn­hof erheb­lich ent­las­ten, son­dern es wäre auch end­lich mal wie­der ein Schritt in Rich­tung „Fahr­rad­freund­lichs­te Stadt“. Nur: Noch ist das Gan­ze nur eine Pro­jektskiz­ze und steht noch ganz am Anfang. Erst­mal braucht die Stadt die För­der­gel­der des Lan­des. Die Idee für den Mobi­li­ty Hub stand schon län­ger im Raum. Im Lan­des­wett­be­werb sieht die Stadt Müns­ter die pas­sen­de Gele­gen­heit, das Vor­ha­ben kon­kre­ti­sie­ren zu kön­nen. Und das Amt für Mobi­li­tät und Tief­bau ist sehr opti­mis­tisch, dass es klappt mit den För­der­gel­dern. Und falls nicht, dann setzt die Stadt auf Gel­der aus einem ande­ren Topf. Bund und Län­der legen zur­zeit regel­mä­ßig För­der­pro­gram­me auf, sagt Amts­lei­ter Grimm. Eine Pres­se­mit­tei­lung zum Lan­des­wett­be­werb hat das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um übri­gens direkt mit einem Foto aus Müns­ter bebil­dert. Schon mal ein gutes Vorzeichen?

Egal woher die Gel­der kom­men – bis der Mobi­li­ty Hub tat­säch­lich steht, wird es noch eini­ge Jah­re dau­ern. Das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um plant einen För­der­zeit­raum von 2022 bis 2026. Klappt es mit dem Lan­des­wett­be­werb, soll der Hub in die­sem Zeit­raum gebaut wer­den. Noch eine Bau­stel­le also.

In aller Kürze

+++ Die Aasee-Wie­sen zwi­schen Kugeln und Bas­ti­on wer­den ab heu­te und bis zum 18. Juli jeweils frei­tags und sams­tags ab 21 Uhr gesperrt, teilt die Stadt mit. Am letz­ten Wochen­en­de hat­ten dort gro­ße Grup­pen gefei­ert, eini­ge Men­schen hat­ten anschlie­ßend ran­da­liert und unter ande­rem Polizist:innen mit Fla­schen und Stei­nen bewor­fen. Wir hat­ten bei der Poli­zei nach­ge­fragt, wie es zu den Kra­wal­len gekom­men ist. Sie schrieb uns, nach den Locke­run­gen der Coro­na­maß­nah­men sei der Aasee ein belieb­ter Treff­punkt für Fei­ern gewor­den. Inzwi­schen wer­de er auch „von erleb­nis­ori­en­tier­ten, jun­gen Män­nern aus dem Müns­ter­land und dem nörd­li­chen Ruhr­ge­biet auf­ge­sucht. Die­se jun­gen Män­ner bewe­gen sich in Klein­grup­pen und ver­hal­ten sich sehr aggres­siv. Ihre Anzahl wächst auf bis zu 250 Per­so­nen an, wobei der Schutz der Grup­pe auch für die Bege­hung von Straf­ta­ten genutzt wird.“ Das soll jetzt ver­hin­dert wer­den. Vom Ver­bot aus­ge­nom­men ist die Gas­tro­no­mie an den Aasee-Terrassen.

+++ Eine Woche lang hat­te eine Mord­kom­mis­si­on nach einem Mann gefahn­det, der am ver­gan­ge­nen Frei­tag einen 20-Jäh­ri­gen durch Mes­ser­sti­che lebens­ge­fähr­lich ver­letzt und einen wei­te­ren 23-Jäh­ri­gen leicht ver­letzt haben soll. Heu­te Mor­gen hat die Poli­zei einen Mann aus Not­tuln fest­ge­nom­men. Der 20-jäh­ri­ge mut­maß­li­che Täter wur­de einem Haft­rich­ter vor­ge­führt, zwei wei­te­re Män­ner, die an dem Abend mit ihm zusam­men in Müns­ter waren, hat die Poli­zei eben­falls vor­läu­fig festgenommen.

+++ Die Poli­zei hat ges­tern den Park­platz des Frei­bads in Hil­trup geräumt. Maxi­mal 500 Men­schen dür­fen aktu­ell ins Bad, wegen der Hit­ze waren aber mehr als dop­pelt so vie­le vor Ort. Eini­ge von ihnen waren so frus­triert, weil sie sich nicht im Frei­bad abküh­len konn­ten, dass sie über Zäu­ne klet­ter­ten, um noch auf das Gelän­de zu kom­men. Laut der Stadt ver­hiel­ten sich eini­ge auch aggres­siv gegen­über den Mitarbeiter:innen. Heu­te hat das Bad wie­der geöff­net, aber unter neu­en Bedin­gun­gen: Tickets gibt es nur noch über ein Online-Registrierungssystem.

+++ Am nächs­ten Mitt­woch tagt der Stadt­rat wie­der, auf der Tages­ord­nung ste­hen unter ande­rem die Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2030, die städ­ti­schen Finan­zen, ein gro­ßes Pro­gramm zur Ent­wick­lung der Stadt in den nächs­ten Jah­ren (Müns­ter­Zu­künf­te 20|30|50), und (wie­der ein­mal) das Preu­ßen­sta­di­on. Die Sit­zung fin­det ab 16:15 Uhr in der Hal­le Müns­ter­land statt. Sie kön­nen am Mitt­woch aber zum ers­ten Mal auch von zu Hau­se aus zuschau­en und zuhö­ren: Die Stadt über­trägt die Sit­zung auf die­ser Sei­te live und in vol­ler Län­ge. Zwi­schen­durch wer­den Kame­ras und Mikro­fo­ne aller­dings aus­ge­schal­tet, weil drei Rats­mit­glie­der einer Über­tra­gung ihrer Rede­bei­trä­ge nicht zuge­stimmt haben.

+++ Der Deut­sche Wet­ter­dienst hat ges­tern den Flug­ha­fen Münster/Osnabrück zum hei­ßes­ten Ort in Deutsch­land gekürt, dort wur­den 35,5 Grad gemes­sen. Für die Woche vor dem kalen­da­ri­schen Som­mer­an­fang ist es gera­de unge­wöhn­lich heiß. Einen Tem­pe­ra­tur­re­kord hat der FMO aller­dings nicht geknackt. Da wur­den um die­se Zeit auch schon­mal 36 Grad gemessen.

Corona-Update

+++Müns­ters Sie­ben-Tage-Inzi­denz war ja schon lan­ge nied­rig. Aber so nied­rig wie heu­te war sie schon lan­ge nicht mehr: 2,9 mel­det das Robert-Koch-Insti­tut heu­te. Als infi­ziert gel­ten in der Stadt zur­zeit 50 Men­schen, und zum ers­ten Mal seit lan­gem ist in Müns­ters Kran­ken­häu­sern nie­mand mehr mit einer Covid-19-Erkran­kung gemel­det. In den letz­ten sie­ben Tagen gab es nur neun neue Coro­na­fäl­le. Ab Mon­tag ent­fällt an vie­len Orten in Deutsch­land die Mas­ken­pflicht im Frei­en. Bei Ver­an­stal­tun­gen mit bis zu 1.000 Teilnehmer:innen muss auch kei­ne Mas­ke mehr getra­gen wer­den. Sind mehr als 1.000 Men­schen bei einer Ver­an­stal­tung, darf die Mas­ke zumin­dest am fes­ten Sitz- oder Steh­platz abge­nom­men werden.

+++ Nach einem Bericht der Neu­en West­fä­li­schen wer­den in NRW wie­der weni­ger kos­ten­lo­se Bürger:innentests durch­ge­führt. Die Zei­tung bezieht sich auf das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um und schreibt, die Anzahl die­ser Test habe sich im Juni mehr als hal­biert. Das hat wohl zwei Grün­de: Zum einen sind immer mehr Men­schen geimpft und müs­sen sich nicht mehr tes­ten las­sen. Zum ande­ren wer­den die Coro­na­re­geln immer mehr gelo­ckert, des­halb brau­chen weni­ger Men­schen einen Test.

Unbezahlte Werbung

Vor ein paar Wochen habe ich mich noch dar­auf gefreut, bald end­lich wie­der einen Ape­rol Spritz im Bier­gar­ten zu genie­ßen: Dol­ce Vita im Glas. Seit­dem sind die Tem­pe­ra­tu­ren wei­ter gestie­gen und die Gas­tro­no­mie ser­viert wie­der alles, was das Herz begehrt. Ich blei­be aber ger­ne beim Spritz. Sie kön­nen den Cock­tail zum Bei­spiel im Café Med am Hafen bestellen.

Und hier noch ein Tipp für eine som­mer­li­che Erfri­schung für zu Hau­se, falls Sie die noch nicht ken­nen: Aus dem Bee­ren­li­kör Amé­rie der Müns­ter­län­der Fein­bren­ne­rei Sas­se und einem Sekt Ihrer Wahl kön­nen Sie sich einen lecke­ren Müns­ter­län­der Ape­ri­tif mixen – sozu­sa­gen das loka­le süße Leben.

Drinnen und Draußen

+++ Schau­spiel, Tanz, Musik und Stand-up kön­nen Sie ab die­sem Wochen­en­de im Pum­pen­haus sehen. Das jun­ge Thea­ter Cac­tus und das Tete Ade­hy­em­ma Dance Theat­re Gha­na spie­len dort ihre drit­te gemein­sa­me Pro­duk­ti­on, das Stück Be-Lon­ging. Es geht dar­um, wie es jun­gen Men­schen aus Afri­ka in Deutsch­land geht, um ihren Kon­takt zur Hei­mat und dar­um, wie sich kul­tu­rel­le Kli­schees über­win­den las­sen. Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen suchen Gif­ty Wia­fe und Emma­nu­el Edoror, die als Jugend­li­che zum ers­ten Mal bei Cac­tus auf der Büh­ne stan­den und inzwi­schen als pro­fes­sio­nel­le Schauspieler:innen arbei­ten. Mehr Infos zum Stück fin­den Sie hier, alle Ter­mi­ne und den Link zum Ticket­kauf gibt es hier.

+++ Mehr als 100 Schlös­ser, Bur­gen und Her­ren­häu­ser gibt es im Müns­ter­land, am Sonn­tag kön­nen Sie eini­ge davon besich­ti­gen. Zum Schlös­ser- und Bur­gen­tag wer­den Füh­run­gen ange­bo­ten, außer­dem gibt es Open-Air-Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, Pro­gramm für Kin­der und lecke­res Pick­nick. Das gan­ze Pro­gramm fin­den Sie auf die­ser Sei­te.

+++ Wenn Sie am Schlös­ser­tag nicht so weit fah­ren möch­ten, machen Sie doch einen Spa­zier­gang auf dem Lyrik­weg, der am Sonn­tag eröff­net wird. Sie kön­nen von der Burg Hüls­hoff zum Haus Rüsch­haus lau­fen und unter­wegs an 20 Sta­tio­nen lite­ra­ri­sche und infor­ma­ti­ve Tex­te lesen, Musik hören und Bil­der anschau­en. Mehr dazu gibt es auf der Sei­te des Cen­ter for Lite­ra­tu­re und auf der Web­site zum Lyrik­weg.

Am Diens­tag schreibt Ihnen mein Kol­le­ge Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grüße

Ann-Mar­len Hoolt

PS

Ken­nen Sie das Polit­na­vi? Das funk­tio­niert ähn­lich wie der Wahl-O-Mat der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung. Sie beant­wor­ten eini­ge Fra­gen zu Ihrer poli­ti­schen Ein­stel­lung und dann spuckt das Polit­na­vi ein Koor­di­na­ten­sys­tem aus, in dem die deut­schen Par­tei­en und Ihre per­sön­li­che Posi­ti­on ein­sor­tiert sind. Das Polit­na­vi soll dabei hel­fen, die eige­ne poli­ti­sche Posi­ti­on bes­ser ein­zu­schät­zen. Eine Wahl­hil­fe geben kann das Koor­di­na­ten­sys­tem nicht. Aber vor der anste­hen­den Bun­des­tags­wahl ist das eine net­te Spie­le­rei – und Spaß macht es auch noch.