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Müns­ter, 13. Juli 2021

Guten Tag,

kürz­lich brauch­te ich einen Ter­min beim Ortho­pä­den. Rücken­schmer­zen, ver­mut­lich das vie­le Sit­zen im Home­of­fice. Ich habe sechs Pra­xen ange­ru­fen, bis ich eine gefun­den habe, die mich kurz­fris­tig auf­ge­nom­men hat. Sie lag in der Innen­stadt. Glück gehabt.

Es gibt Men­schen in Müns­ter, die haben nicht so viel Glück. Die müs­sen lan­ge nach einer pas­sen­den Pra­xis suchen und wei­te Wege in Kauf neh­men, um dort­hin zu kom­men. Es geht in die­sem Brief um genau die­se Men­schen. Und um den Grund dafür, dass sie so lan­ge nach einem Arzt oder einer Ärz­tin suchen müs­sen. Es geht um den Abbruch von Schwan­ger­schaf­ten. Die Ver­sor­gung von Schwan­ge­ren, die sich unsi­cher sind, ob sie ein Kind aus­tra­gen möch­ten, ist gera­de The­ma in der Poli­tik in Müns­ter. Fast alle Frak­tio­nen haben sich dazu schon posi­tio­niert. Und sie sind sich einig, dass Müns­ter mehr Hausärzt:innen und Gynäkolog:innen braucht, die Schwan­ger­schafts­ab­brü­che vor­neh­men. Unei­nig sind sich die Frak­tio­nen in der Fra­ge, was die Stadt tun kann, um die Situa­ti­on zu verbessern.

Streit um die ausreichende Versorgung

Im Mai brach­te das Bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt gemein­sam mit der Frak­ti­on aus Par­tei und ÖDP und der Frak­ti­on der Lin­ken einen Antrag in den Rat ein. Sie wol­len der Stadt­ver­wal­tung den Auf­trag geben, eine Koor­di­nie­rungs­stel­le für Schwan­ger­schafts­ab­brü­che ein­zu­rich­ten. Sie soll die Situa­ti­on ver­bes­sern und „die Hür­den sen­ken, damit mehr Pra­xen bereit sind, die­se medi­zi­ni­sche Auf­ga­be zu über­neh­men“. Die aktu­el­le Ver­sor­gungs­la­ge in Müns­ter sei „unzu­rei­chend“, so steht es im Antrag. Für den Antrag haben die Frak­tio­nen im Vor­feld mit vie­len Orga­ni­sa­tio­nen gespro­chen, dar­un­ter das Bünd­nis für sexu­el­le Selbst­be­stim­mung, der Ver­ein Pro­Fa­mi­lia und die Arbeits­ge­mein­schaft Müns­ter­scher Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Bis­lang bie­ten in Müns­ter nur zwei Pra­xen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che an. Nur eine die­ser Pra­xen nimmt auch ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe vor. In der ande­ren sind aus­schließ­lich medi­ka­men­tö­se Abbrü­che mög­lich. Es geht hier um die soge­nann­ten „Schwan­ger­schafts­ab­brü­che im Rah­men der Fris­ten- und Bera­tungs­re­gel“, also wenn ein Abbruch nicht medi­zi­nisch not­wen­dig, aber von der Schwan­ge­ren gewünscht ist. Anders ist die Situa­ti­on, wenn zum Bei­spiel eine Chro­mo­so­men­stö­rung vor­liegt, eine schwe­re kom­ple­xe Fehl­bil­dung oder wenn eine Schwan­ger­schaft das Leben der Mut­ter mit hoher Wahr­schein­lich­keit gefähr­den wür­de. Um die­se Fäl­le geht es den Rats­frak­tio­nen nicht, dann wird ein Abbruch näm­lich immer durch­ge­führt, wenn er gewünscht ist.

Ärzt:innen dür­fen in Deutsch­land frei ent­schei­den, ob sie Schwan­ger­schafts­ab­brü­che vor­neh­men, solan­ge die Schwan­ge­re nicht in unmit­tel­ba­rer gesund­heit­li­cher Gefahr schwebt. Das ist auch gesetz­lich gere­gelt. Auch die Aus­rich­tung der Pra­xen und Kran­ken­häu­ser spielt eine Rol­le. Die meis­ten Kli­ni­ken in Müns­ter sind kon­fes­sio­nell gebun­den und schlie­ßen Abbrü­che gene­rell aus. In der Uni­kli­nik ist das anders. Hier hat der Vor­stand vor andert­halb Jah­ren ent­schie­den, dass Abbrü­che nach der Fris­ten- und Bera­tungs­re­gel grund­sätz­lich mög­lich sind. Das ist die Theo­rie. In der Pra­xis man­gelt es an Ärzt:innen, die die Ein­grif­fe vor­neh­men möch­ten. Die Uni­kli­nik müss­te also neu­es Per­so­nal ein­stel­len, möch­te die Bereit­schaft dazu aber auch nicht zu einem Ein­stel­lungs­kri­te­ri­um machen.

Das Schwan­ger­schafts­kon­flikt­ge­setz ver­pflich­tet die Bun­des­län­der, ein „aus­rei­chen­des Ange­bot ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Ein­rich­tun­gen zur Vor­nah­me von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen“ sicher­zu­stel­len. Aber was genau „aus­rei­chend“ bedeu­tet, ist Aus­le­gungs­sa­che. Das Land Nord­rhein-West­fa­len sagt, Wege von bis zu 150 Kilo­me­tern sei­en zumut­bar. Von Müns­ter aus wäre das eine Fahrt bis etwa nach Leverkusen.

Die Rats­frak­tio­nen beur­tei­len die Sache anders. Nach ihrer Auf­fas­sung kommt das Land sei­nem Ver­sor­gungs­auf­trag nicht nach. Des­halb müs­se die Stadt Müns­ter han­deln, sagen sie. „Solan­ge das Land nichts macht, wir aber sagen, dass das nicht aus­reicht, müs­sen wir als Kom­mu­ne reagie­ren“, sagt Andrea Blo­me aus dem Frak­ti­ons­vor­stand der Grü­nen. Eine unge­woll­te Schwan­ger­schaft sei für Schwan­ge­re und ihre Ange­hö­ri­gen schließ­lich eine psy­cho­lo­gi­sche und emo­tio­na­le Not­si­tua­ti­on. Und die wei­ten Anfahr­ten könn­ten auch eine finan­zi­el­le Belas­tung sein. Ähn­li­ches haben uns auch die Orga­ni­sa­tio­nen erzählt, mit denen wir gespro­chen haben: Der Zugang zu siche­ren Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen ist auch eine sozia­le Fra­ge. „Wir wol­len kei­ne Wer­bung für Abtrei­bung. Aber wir brau­chen die Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Es geht dar­um, bes­se­re Bedin­gun­gen für die Frau­en zu schaf­fen – nicht dar­um, sich für oder gegen Abtrei­bun­gen zu posi­tio­nie­ren“, sagt Andrea Blome.

Anarbeiten gegen Stigmatisierung

Die von den Rats­frak­tio­nen gewünsch­te Koor­di­nie­rungs­stel­le soll ein neu­tra­le Instanz sein, an die sich Gynäkolog:innen und Hausärzt:innen wen­den kön­nen. Die Stel­le könn­te zum Bei­spiel Fort­bil­dun­gen anbie­ten und über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che auf­klä­ren, viel kom­mu­ni­zie­ren, viel netz­wer­ken. Sie könn­te auch Mit­tel bereit­stel­len, um das finan­zi­el­le Risi­ko der Ärzt:innen aus­zu­glei­chen. Es kommt näm­lich immer wie­der vor, dass Schwan­ge­re einen Ein­griff kurz­fris­tig absa­gen. Das ist ihr gutes Recht, doch der Ein­griff ist dann meist schon vor­be­rei­tet. Die Kos­ten tra­gen die Praxen.

Schließ­lich könn­te die Koor­di­nie­rungs­stel­le auch nach Lösun­gen suchen, um die Ver­sor­gung in Müns­ter zu ver­bes­sern. In ande­ren Städ­ten gibt es so etwas schon. In Bre­men, Mainz und Saar­brü­cken zum Bei­spiel betreibt der Ver­ein Pro­Fa­mi­lia medi­zi­ni­sche Zen­tren. Dort man­gel­te es vor­her an geeig­ne­ten OP-Sälen. Etwas Ähn­li­ches hat­ten die Frak­tio­nen zunächst auch für Müns­ter ange­dacht. Aber OP-Säle gibt es hier eigent­lich genug. Was fehlt, ist die Bereit­schaft der Ärzt:innen. Des­halb haben sich die Frak­tio­nen die Koor­di­nie­rungs­stel­le erdacht, die Ärzt:innen und Schwan­ge­re zusam­men­brin­gen soll. Gelingt das Kon­zept, wäre es in Deutsch­land einzigartig.

Eine Gewis­sens­ent­schei­dung kann und soll die Koor­di­nie­rungs­stel­le nicht ändern. Aber sie könn­te der Stig­ma­ti­sie­rung ent­ge­gen­wir­ken. Denn die befürch­ten eini­ge Ärzt:innen, wenn sie sich zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen bereit­erklä­ren. In Müns­ter gibt es regel­mä­ßig Demons­tra­tio­nen von Abtreibungsgegner:innen. Sie ste­hen auch vor den Bera­tungs­stel­len von Pro­Fa­mi­lia, manch­mal auch vor den behan­deln­den Praxen.

Die Bun­des­ärz­te­kam­mer führt seit 2019 eine öffent­li­che Lis­te. Auf ihr ste­hen Pra­xen, die Abbrü­che anbie­ten. Dass es die­se Lis­te gibt, schreibt das Schwan­ger­schafts­kon­flikt­ge­setz vor. Doch voll­stän­dig ist die Über­sicht nicht. Ob sie dort auf­tau­chen möch­ten, kön­nen die Pra­xen selbst ent­schei­den. Vie­le Ärzt:innen schre­cken davor zurück. Für Müns­ter gibt es nur einen Eintrag.

Aufklären und Daten sammeln

Die Koor­di­nie­rungs­stel­le könn­te auch neu­tra­le Infor­ma­tio­nen über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che bereit­stel­len. Ärzt:innen dür­fen das nur bedingt. Ihnen kann so etwas schnell als Wer­bung aus­ge­legt wer­den. Und die ist ver­bo­ten. Ein Arzt aus Not­tuln stand des­we­gen erst vor weni­gen Mona­ten vor dem Amts­ge­richt in Coes­feld. Dar­über berich­te­te unter ande­rem der WDR. Wer­bung für Schwan­ger­schafts­ab­brü­che kann teu­er wer­den. Auch dar­um sor­gen sich eini­ge Praxen.

Die Koor­di­nie­rungs­stel­le könn­te dabei hel­fen, Daten zu sam­meln über die Anzahl der Schwan­ger­schafts­ab­brü­che in Müns­ter. Noch gibt es dar­über kei­ne Zah­len. Deutsch­land­weit ent­schei­den sich laut dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt jähr­lich etwa 100.000 Schwan­ge­re für einen medi­zi­ni­schen Abbruch – etwa 96 Pro­zent von ihnen nach der soge­nann­ten Bera­tungs­re­gel. Die­se Abbrü­che wären also medi­zi­nisch nicht not­wen­dig. Im Jahr 1997 lag die Anzahl der Abbrü­che in Deutsch­land bei rund 131.000.

Um eine Vor­stel­lung davon zu bekom­men, wie oft Schwan­ger­schafts­ab­brü­che in Müns­ter vor­kom­men, hilft es, einen Blick auf die soge­nann­ten Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tun­gen zu wer­fen. Auch sie sind gesetz­lich vor­ge­schrie­ben. Nur mit einem Bera­tungs­schein dür­fen Schwan­ge­re straf­frei eine Schwan­ger­schaft abbre­chen las­sen. Im Bera­tungs­ge­spräch erfah­ren sie die Namen der Ärzt:innen, an die sie sich wen­den kön­nen. Neben den drei Ärzt:innen aus Müns­ter gibt es noch zehn wei­te­re im Umland.

Wie vie­le Schwan­ge­re sich nach einer Bera­tung auch tat­säch­lich für einen Abbruch ent­schei­den, ist nicht bekannt. Der Ver­ein Pro­Fa­mi­lia hat in Müns­ter und allen Außen­stel­len im Jahr 2020 ins­ge­samt rund 500 sol­cher Kon­flikt­be­ra­tungs­ge­sprä­che geführt. Vie­le davon wegen Coro­na nur digi­tal. Im Jahr 2016 waren es über 550 Gesprä­che. Der Ver­ein Donum Vitae spricht von jähr­lich etwa 130 Kon­flikt­be­ra­tun­gen in Müns­ter, das Bera­tungs­zen­trum der evan­ge­li­schen Dia­ko­nie von etwa 34 Bera­tun­gen. Auch die Stadt Müns­ter stellt Bera­tungs­schei­ne aus. Hier gab es im Jahr 2020 rund 80 Kon­flikt­be­ra­tun­gen. Macht ins­ge­samt etwa 750 Beratungen.

Je weni­ger Ärzt:innen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che anbie­ten, des­to mehr Ein­grif­fe ent­fal­len auf die weni­gen Pra­xen, die dazu bereit sind. Und des­to mehr Patient:innen bekom­men kei­nen Ter­min. Neben dem regu­lä­ren Tages­be­trieb bleibt dafür kaum Zeit. Und aus­schließ­lich Schwan­ger­schaf­ten been­den, das möch­te so gut wie kei­ne Pra­xis. „Es geht dar­um, an die Ärz­te zu appel­lie­ren, sich die­se Auf­ga­be zu tei­len. Dann muss nicht eine Pra­xis allein sie tra­gen, und die Schwan­ge­ren haben mehr Wahl­frei­heit“, sagt Andrea Blome.

Ob die Koor­di­nie­rungs­stel­le tat­säch­lich kommt, das ist noch nicht ent­schie­den. Der Rat der Stadt Müns­ter hat den Antrag erst ein­mal an den Sozi­al­aus­schuss wei­ter­ver­wie­sen. Der wird nun dar­über bera­ten. Die Frak­tio­nen hof­fen, dass die Koor­di­nie­rungs­stel­le schon im kom­men­den Jahr ein­ge­rich­tet wer­den wird. Aktu­ell sei das Gesund­heits­amt ohne­hin so sehr mit der Coro­na­kri­se beschäf­tigt, dass für ande­re Din­ge wenig Zeit bleibt.

Welche Aufgabe hat die Stadt Münster?

Auf dem Antrag zur Ein­rich­tung der Koor­di­nie­rungs­stel­le feh­len die Unter­schrif­ten von CDU und FDP. Phil­ipp Czap­ski, der für die FDP im Sozi­al­aus­schuss sitzt, sagt uns dazu, die FDP unter­stüt­ze den Antrag gene­rell. Wegen Unstim­mig­kei­ten bei klei­ne­ren For­mu­lie­run­gen habe man sich aber nicht anschlie­ßen wol­len. Czap­ski sagt, er freue sich dar­auf, den Antrag im Aus­schuss wei­ter zu bearbeiten.

Die CDU-Frak­ti­on hat einen ande­ren Weg gewählt und im Juni einen eige­nen Antrag im Rat ein­ge­reicht. CDU-Rats­frau Car­men Gree­f­rath sagt, sie sei froh, dass sich ihre Frak­ti­on mit dem Antrag zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen posi­tio­niert habe. Man habe dar­über lan­ge in ver­schie­de­nen Arbeits­krei­sen dis­ku­tiert: Wie kann unge­bo­re­nes Leben geschützt wer­den? Wie kön­nen Schwan­ge­re geschützt wer­den, ganz egal, wie sie sich ent­schei­den? „Das ist kein Antrag, den wir ein­fach so run­ter­schrei­ben konn­ten. Je län­ger wir dar­über gere­det haben, des­to mehr haben wir gemerkt, was wir alles zu berück­sich­ti­gen haben und wie kom­plex das The­ma ist.“

In dem Rats­an­trag, der aus der Debat­te ent­stan­den ist, for­dert die Par­tei eine bes­se­re Infra­struk­tur zur Bera­tung- und Unter­stüt­zung von Schwan­ge­ren, die Hil­fe suchen. Die CDU möch­te, dass die Stadt­ver­wal­tung zusam­men mit den Bera­tungs­stel­len den aktu­el­len Stand in der Schwan­ge­ren­be­ra­tung erör­tert. Sie soll Gesprä­che mit der Bezirks­re­gie­rung, der Ärzt:innenkammer und der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung füh­ren und über­le­gen, wie man die Situa­ti­on in Müns­ter ver­bes­sern kann.

Bis hier­her deckt sich der Antrag im Grund­satz mit dem der ande­ren Frak­tio­nen. Doch die Koor­di­nie­rungs­stel­le kommt im Papier der CDU nicht vor. „Es ist nicht die Auf­ga­be der Stadt Müns­ter, die Abtrei­bungs­in­fra­struk­tur zu ver­bes­sern“, sagt Car­men Gree­f­rath, die unter ande­rem im Sozi­al­aus­schuss sitzt. „Die Infra­struk­tur ist die Auf­ga­be der Kas­sen­ärzt­li­chen Vereinigung.“

Die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung ist aller­dings auch jetzt schon zustän­dig für die ambu­lan­te ärzt­li­che Ver­sor­gung. Die übri­gen Frak­tio­nen befürch­ten, dass Bemü­hun­gen an die­ser Stel­le allein nicht aus­rei­chen. Sie sehen die Stadt hier schon in der Ver­ant­wor­tung. Der Rat hat auch den Antrag der CDU-Frak­ti­on in den Aus­schuss ver­wie­sen. Dort wird man das im Herbst dis­ku­tie­ren. Bis dahin heißt es: abwarten.

Kor­rek­tur­hin­weis:

In einer frü­he­ren Ver­si­on hat­ten wir geschrie­ben, Donum Vitae sei ein katho­li­scher Ver­ein. Das stimmt nicht. Der Ver­ein wur­de zwar von Katholik:innen gegrün­det, er agiert aber inzwi­schen außer­halb der katho­li­schen Kir­che. Wir haben das korrigiert. 

Wir müssen reden – Fragen und Antworten

Bei unse­rer sieb­ten „Wir müs­sen reden“-Veranstaltung am ver­gan­ge­nen Sonn­tag haben wir gemerkt: Andert­halb Stun­den sind doch gar nicht so viel Zeit, um Fra­gen zu einem so gro­ßen The­ma wie der Ver­kehrs­wen­de zu beant­wor­ten. Daher haben wir ange­kün­digt, noch eini­ge Ant­wor­ten nachzureichen.

Jule Heinz-Fischer von den Grü­nen hat uns Ant­wor­ten geschickt. Zum Bei­spiel auf die Fra­ge, ob es eine neue Kanal­brü­cke an der Wol­be­cker Stra­ße geben wird, wenn alle Ein­fall­stra­ßen eine Bus­spur bekom­men wer­den (eher nicht). Sie kün­digt an, dass Fußgänger:innen und Radfahrer:innen in Zukunft an den Ampeln nicht mehr so lan­ge war­ten soll­ten. Und sie nimmt Stel­lung zu der Tat­sa­che, dass die Zahl der Autos in Müns­ter in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren wei­ter zuge­nom­men hat.

Von Wal­ter von Göwels (CDU) haben wir lei­der noch kei­ne Ant­wor­ten bekom­men. Aber es sind ja Feri­en. Da geht viel­leicht auch alles nicht so schnell. Soll­te er noch etwas nach­rei­chen, fügen wir sei­ne Ant­wor­ten ein und wei­sen im RUMS-Brief dar­auf hin. Die Über­sicht aller Fra­gen und Ant­wor­ten fin­den Sie hier.

In aller Kürze

+++ Heu­te vor einer Woche fie­len die Urtei­le im Haupt­pro­zess des Miss­brauchs­kom­ple­xes. Das Land­ge­richt hat­te den Haupt­an­ge­klag­ten Adri­an V. zu 14 Jah­ren Haft und anschlie­ßen­der Sicher­heits­ver­wah­rung ver­ur­teilt. Drei wei­te­re Män­ner wur­den zu zehn bis zwölf Jah­ren Haft plus Sicher­heits­ver­wah­rung ver­ur­teilt. Die Mut­ter des Haupt­an­ge­klag­ten muss für fünf Jah­re in Haft. Alle fünf Ange­klag­ten haben heu­te gegen das Urteil Revi­si­on ein­ge­legt. Dar­über berich­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Das heißt, dass der Bun­des­ge­richts­hof die Ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Müns­ter auf Rechts­feh­ler prü­fen wird. Der Revi­si­ons­pro­zess ist aller­dings sehr lang­wie­rig. Die Straf­kam­mer des Land­ge­richts hat jetzt erst mal Zeit bis Novem­ber, um das Urteil schrift­lich zu begründen.

Corona-Update

+++ Eigent­lich hat­ten wir gehofft, die­se Rubrik viel­leicht bald abschaf­fen zu kön­nen. Aber die Infek­ti­ons­zah­len stei­gen wie­der. Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz ist in der letz­ten Woche von knapp unter zwei auf heu­te 10,8 gestie­gen. Ges­tern lag sie über elf. Nach den Zah­len der Bezirks­re­gie­rung sind aktu­ell 50 Men­schen in Müns­ter mit dem Coro­na­vi­rus infiziert.

+++ Am Frei­tag haben wir über die neu­en Locke­run­gen der Coro­na­re­geln in Nord­rhein-West­fa­len berich­tet. Sie gel­ten für alle Regio­nen, in denen die Inzi­denz bei 10 oder nied­ri­ger liegt. Sie haben es wahr­schein­lich auch schon gemerkt: Müns­ter liegt heu­te am zwei­ten Tag in Fol­ge über 10. Das heißt aller­dings nicht, dass die Locke­run­gen jetzt sofort wie­der weg­fal­len. Die Inzi­denz muss erst acht Tage lang über der Gren­ze von 10 lie­gen, dann müs­sen die Locke­run­gen am über­nächs­ten Tag zurück­ge­nom­men wer­den. Für Müns­ter heißt das: frü­hes­tens am 21. Juli. Und das auch nur, wenn die Inzi­denz wei­ter­hin über 10 liegt. Bis dahin dür­fen zum Bei­spiel die Clubs wei­ter öff­nen. Auch die Mas­ken­pflicht ent­fällt an vie­len Orten weiterhin.

Unbezahlte Werbung

Wo gibt es die bes­te Piz­za in Müns­ter? Sie haben da viel­leicht schon eine Piz­ze­ria im Kopf. Ich auch: die 481 Piz­za­ma­nu­fak­tur an der Von-Kluck-Stra­ße 13. Das ist der ein­zi­ge Laden in Müns­ter, der ech­te nea­po­li­ta­ni­sche Piz­za ser­viert. Und weil ich nicht die Ein­zi­ge bin, die dort gern essen geht, emp­feh­le ich Ihnen, einen Tisch zu reser­vie­ren. Das Lokal ist prak­tisch immer voll. Buon Appetito!

Kor­rek­tur­hin­weis:
Wir hat­ten ursprüng­li­che eine fal­sche Adres­se ange­ge­ben. Das haben wir korrigiert. 

Drinnen und Draußen

+++ Der Rund­gang durch die Kunst­aka­de­mie kann zwar auch in die­sem Semes­ter nicht nor­mal statt­fin­den, aber dafür stel­len die Stu­die­ren­den ihre Wer­ke jetzt in der gan­zen Stadt aus. Sie kön­nen sie sich noch bis Frei­tag anschau­en. Das Pro­gramm, eini­ge vir­tu­el­le Kunst­wer­ke und eine Kar­te mit allen Aus­stel­lungs­or­ten fin­den Sie auf die­ser Sei­te.

+++ Dass es am Hawerkamp noch bis zum Sep­tem­ber das Open-Air-Kino Kampflim­mern gibt, hat­ten wir schon erwähnt. Am Don­ners­tag kön­nen Sie dort den däni­schen Film „Der Rausch“ anschau­en. Er hat in die­sem Jahr den Oscar für den bes­ten aus­län­di­schen Film bekom­men. Es geht um eine Grup­pe frus­trier­ter Leh­rer, die aus Lan­ge­wei­le ein Trink-Expe­ri­ment star­ten. Der Film ist lus­tig und die Schau­spiel­leis­tung alle­samt beacht­lich. Mads Mikkel­sen ken­nen Sie viel­leicht aus der Serie Han­ni­bal. Der Ein­tritt kos­tet 10 Euro, für mehr Infos und Kar­ten bit­te hier ent­lang.

+++ Haben Sie schon mal den Zwin­ger von innen ange­schaut? Wenn nicht, könn­ten Sie das am Don­ners­tag bei der Taschen­lam­pen­füh­rung tun. Um 20 Uhr geht es los. Sie müs­sen sich nicht anmel­den, aber 3 Euro (ermä­ßigt 2 Euro) Ein­tritt zahlen.

Am Frei­tag schreibt Ihnen mein Kol­le­ge Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen eine schö­ne Woche.

Herz­li­che Grüße

Ann-Mar­len Hoolt

Mit­ar­beit: Keertha­na Kuperan, Con­stan­ze Busch, Ralf Heimann

PS

Sind Sie noch im EM-Fie­ber? Fast 21 Mil­lio­nen Men­schen haben am Sonn­tag­abend den EM-Sieg Ita­li­ens gegen Eng­land im deut­schen Fern­se­hen ver­folgt. Nach dem ver­lo­re­nen Final­spiel gab es in Eng­land mas­si­ve Aus­schrei­tun­gen. Beson­ders drei schwar­ze Spie­ler wur­den so sehr ras­sis­tisch belei­digt, dass sich sogar Prinz Wil­liam zu einem State­ment gezwun­gen sah. Ras­sis­mus ist wei­ter­hin nicht nur in Eng­land ein Pro­blem, son­dern auch bei uns in Deutsch­land. Falls Sie noch nach einer Lek­tü­re für die Feri­en suchen, emp­feh­le ich Ihnen des­halb das Buch „Exit Racism“ von Tupo­ka Oget­te. Es wird im müns­te­ra­ner Unrast-Ver­lag publiziert.