Müns­ter, 31. Juli 2020

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die­ses klei­ne böse Wort „eigent­lich“. Es zeigt ganz bei­läu­fig, dass Din­ge doch nicht ganz so per­fekt lau­fen, wie sie lau­fen soll­ten. Wobei es in fol­gen­dem Bei­spiel eher ums Fah­ren geht. Denn bald schon wer­den Klein­bus­se durch Hil­trup, Amels­bü­ren, Berg Fidel, Meck­len­beck-Süd sowie die anlie­gen­den Wohn- und Gewer­be­ge­bie­te fah­ren und Fahr­gäs­te ohne fes­te Fahr­plä­ne auf nicht fest­ge­leg­ten Lini­en mit­neh­men. Loop nennt sich das Ange­bot, das ab dem 1. Sep­tem­ber über die Stra­ßen in Müns­ters Süden rollt. Das ist übri­gens ein neu­er Name. Vor­her hieß das künf­ti­ge Mobi­li­täts­an­ge­bot: Hil­trup on Demand.

Eigentlich schön

Das Schö­ne an einem On-Demand-Kon­zept (wie dem von Loop) ist, dass die Fahr­zeu­ge ganz indi­vi­du­ell über App und tele­fo­nisch buch­bar sind. Der Preis ist sehr mode­rat, oder wie es der Geschäfts­füh­rer der Taxi-Zen­tra­le Müns­ter, Roland Böhm, sagt: „hoch­at­trak­tiv.“ Denn die Gäs­te zah­len nur so viel, wie sie auch in Bus­sen oder in der Bahn zah­len wür­den. Die Taxi-Gebüh­ren für glei­che Stre­cken lägen natür­lich dar­über. Den­noch fürch­tet Böhm die Kon­kur­renz weni­ger, als das lang­fris­ti­ge Schei­tern des auf drei Jah­re ange­leg­ten Pro­jekts, das mit fünf Mil­lio­nenen Euro vom NRW-Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um geför­dert wird.

Denn eigent­lich war die­ses Pro­jekt ein­mal als Bestand­teil eines ganz­heit­li­chen Ver­kehrs­kon­zep­tes gedacht, bei dem Metro­bus-Lini­en eine wesent­li­che Rol­le spie­len soll­ten. Die­se Lini­en sind zwar poli­tisch gewollt, die Stadt­wer­ke haben auch schon dafür gewor­ben, und der­zeit prü­fen auch Stadt­ver­wal­tung sowie die Stadt­wer­ke Müns­ter gemäß des Rats­an­tra­ges vom 16. Juni die Mach­bar­keit eines Metro­bus-Sys­tems. Doch die För­de­rungs­zu­sa­ge für die Loop-Klein­bus­se war ein­fach schnel­ler.

Und so tre­ten also schon in einem Monat On-Demand-Klein­bus­se ohne Anbin­dung an die eigent­lich geplan­ten Metro­bus-Sta­tio­nen in Kon­kur­renz zu den Stadt­bus-Lini­en, die wei­ter­hin durch Hil­trup fah­ren, weil sie einer Betriebs­pflicht unter­lie­gen.

Das heißt: Es gibt mehr Mobi­li­täts-Ange­bo­te für gleich vie­le Men­schen. Es wird also in den nächs­ten drei Jah­ren mehr Ver­kehr als weni­ger erzeugt. Und das ist ja eigent­lich nicht das Ziel der gan­zen Sache.

Nun könn­te man argu­men­tie­ren: Dafür ist so ein geför­der­tes Pilot­pro­jekt ja da. Um zu schau­en, ob es über­haupt ange­nom­men wird, ob so ein Ange­bot in Müns­ter mach­bar ist. Doch auch dort gibt es einen Haken. Denn die finan­zi­el­le Zuwen­dung des Lan­des täuscht eine Wirt­schaft­lich­keit vor, die so nicht vor­han­den ist. Denkt man also in die Zukunft, muss man sich fra­gen: Hat die Stadt in den Nach-Coro­na-Zei­ten noch genü­gend Geld, die Klein­bus­se wei­ter fah­ren zu las­sen? Oder ist das Ver­falls­da­tum eigent­lich schon fest­ge­legt und das Pro­jekt pro­du­ziert in den nächs­ten Jah­ren einen gestör­ten Ver­kehrs­markt, wie es Roland Böhm vor­aus­sagt?

Unsichere Zukunft

Auf welch wacke­li­gen Bei­nen sol­che Demand-Ange­bo­te auf Dau­er ste­hen, zeigt ein Bei­spiel aus Ber­lin. Dort gibt es immer wie­der Streit um den Shut­tle-Ser­vice „Berl­Kö­nig“, der von den Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­ben (BVG) betrie­ben wird und nach einem ähn­li­chen Prin­zip funk­tio­niert wie Loop. Der rot-rot-grü­nen Koali­ti­on ist die Wei­ter­fi­nan­zie­rung nach einer mehr­jäh­ri­gen Ver­suchs­pha­se ein­fach zu teu­er, schreibt der Tages­spie­gel.

Auch in Ham­burg, wo der Volks­wa­gen­kon­zern sehr viel Geld in sei­ne eige­ne Moia-Flot­te inves­tiert hat, gibt es Pro­ble­me. Es schla­gen ein­fach zu vie­le Leer­fahr­ten zu Buche, berich­tet der NDR. Man spricht dabei von einer schlech­ten Poo­ling­quo­te (wie vie­le Men­schen fah­ren pro Tour mit). Wie wird die­se im weit­aus gerin­ger besie­del­ten Müns­ter aus­se­hen?

Das wer­den wir übri­gens bald genau wis­sen. Denn die Stadt­wer­ke Müns­ter wer­ten ohne­hin lau­fend sowohl die­se Quo­te als auch alle ande­ren Betriebs­da­ten, Fahr­gast­zah­len und Aus­las­tung all ihrer Fahr­zeu­ge aus. Zusätz­lich ist aber für das Loop-Pro­jekt auch eine wis­sen­schaft­li­che Begleit­for­schung geplant. Hier muss erst noch ent­schie­den wer­den, wel­che Hoch­schu­le den Zuschlag bekommt. „Da die För­de­rung erst Ende Mai über­ge­ben wur­de“, so Stadt­wer­ke-Spre­cher Flo­ri­an Adler, „muss­ten wir uns an der ein oder ande­ren Stel­le ganz schön stre­cken, um das zu schaf­fen.“ Jetzt geht es also an den End­spurt, damit zum 1. Sep­tem­ber „hof­fent­lich alles auf der Stra­ße ist.“

Dass die Klein­bus­se nicht an die Metro­bus-Lini­en ange­bun­den sind, schätzt er übri­gens nicht als pro­ble­ma­tisch ein. Er ver­weist auf Direkt­ver­bin­dun­gen, die durch Loop geschaf­fen wer­den. Eini­ge Bei­spie­le: Von der Wese­ler Stra­ße nach Hil­trup, von Amels­bü­ren in die Lod­den­hei­de, vom Cle­mens­hos­pi­tal nach Meck­len­beck. Und das klingt doch eigent­lich ganz gut.

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Ihre Antworten auf unsere Fragen

Jetzt geht es aber um Sie. Denn sehr vie­le von Ihnen haben bei unse­rer Umfra­ge mit­ge­macht. Herz­li­chen Dank, dass Sie sich die Zeit dafür genom­men haben!

Als wir uns die Ergeb­nis­se ange­schaut haben, waren wir an eini­gen Stel­len über­rascht. 

Gefreut hat uns, dass wir eine brei­te Ziel­grup­pe in allen Alters­klas­sen errei­chen. Unse­re Leser:innen sind zwi­schen 21 und über 70 Jah­re alt. Bei der Geschlech­ter­ver­tei­lung gibt es aber ein Ungleich­ge­wicht: 60 Pro­zent der Ant­wor­ten­den waren Män­ner. Ich fin­de, lie­be Lese­rin­nen, da geht noch was! Sie könn­ten RUMS noch ein biss­chen weib­li­cher machen, indem Sie zum Bei­spiel die­sen oder jeden belie­bi­gen ande­ren unse­rer Brie­fe an drei Ihrer bes­ten Freun­din­nen wei­ter­lei­ten. Oder bes­ser noch: An sechs, sie­ben oder acht! Oder an ihre Lieb­lings­kol­le­gin­nen, die Che­fin oder die Nach­ba­rin. Eben an alle Frau­en, von denen Sie glau­ben, sie möch­ten uns viel­leicht auch lesen. Je mehr Leser:innen wir haben, des­to mehr RUMS gibt es in Müns­ter.

Uns ist klar, dass unse­re Umfra­ge nicht wis­sen­schaft­lich reprä­sen­ta­tiv ist. In der Regel ant­wor­ten außer­dem Men­schen, die uns gewo­gen sind. Den­noch erken­nen wir dar­aus Trends, die es uns mög­lich machen, Anpas­sun­gen vor­zu­neh­men oder auf Ihre Wün­sche ein­zu­ge­hen. Damit wir gut gerüs­tet sind, wenn das Voll­an­ge­bot von RUMS ab Sep­tem­ber kos­ten­pflich­tig wird (mehr dazu in die­sem Brief von Ralf Hei­mann).

Uns Schreiber:innen ist es wich­tig, dass wir den rich­ti­gen Ton in unse­ren Brie­fen tref­fen. Offen­sicht­lich tun wir das. Gut 80 Pro­zent der Teil­neh­men­den fan­den die­sen genau rich­tig, 12 Pro­zent war er ein biss­chen zu per­sön­lich, 4 Pro­zent war er ein biss­chen zu sach­lich. Bei der Län­ge des Brie­fes schwan­ken die Mei­nun­gen über­wie­gend zwi­schen „genau rich­tig“ (53 Pro­zent) und „ein biss­chen zu lang“ (38 Pro­zent).

18 Pro­zent lesen unse­re Brie­fe lie­ber mor­gens, 16 Pro­zent abends. Egal ist die Erschei­nungs­zeit 59 Pro­zent unse­rer Leser:innen. Gut die Hälf­te der Befrag­ten lesen über ihr Han­dy im E-Mail-Post­fach.

Inhalte

Da wir den Blick ganz bewusst auch immer wie­der über die Gren­zen Müns­ters und des Müns­ter­lands hin­aus rich­ten, inter­es­sier­te uns, wie unse­re Leser:innen dazu ste­hen. Die Ant­wor­ten zei­gen, dass es durch­aus ver­schie­de­ne Mei­nun­gen gibt: 71 Pro­zent der Ant­wor­ten­den fin­den den Anteil an Müns­ter- und Müns­ter­land-The­men genau rich­tig, aber etwa ein Vier­tel unse­rer Leser:innen meint, dass es zu vie­le Nicht-Müns­ter- und Müns­ter­land-The­men in unse­ren Brie­fen gibt.  

Ihre Vorschläge

In der gan­zen Umfra­ge gab es nur ein offe­nes Ant­wort­feld. Wir frag­ten Sie: Haben Sie The­men­vor­schlä­ge? Die Reso­nanz war über­wäl­ti­gend. Uns erreich­ten mehr als 150 Ideen, die uns zei­gen, wie aktiv unse­re Com­mu­ni­ty ist. Wir sam­meln all das, was Sie uns geschrie­ben haben und schau­en genau hin: Wel­che The­men haben wir bis­her über­se­hen, wel­che wer­den wir umset­zen? Wo kön­nen wir nach­ha­ken, in die Tie­fe gehen, recher­chie­ren?


 In aller Kürze

+++ „‚Müns­ter‘ könnt ihr auf der Kar­te aus­ra­die­ren …“. Mit die­sen Wor­ten erin­nert sich ein Flug­zeug­füh­rer an die letz­ten Kriegs­ta­ge über Müns­ter. „Wir ris­sen die Schäch­te los, wie auf dem Exer­zier­platz, in 16 Minu­ten ras­sel­ten 441 Ton­nen Bom­ben her­un­ter.“ Im Stadt­ar­chiv sind die­se und noch mehr unter die Haut gehen­de Zeit­zeu­gen-Zita­te aus den letz­ten Kriegs­mo­na­ten im Jahr 1945 nach­zu­le­sen. Noch heu­te haben wir ganz kon­kret mit den Fol­gen des Bom­ben­re­gens zu tun: Die Stadt plant im Sep­tem­ber eine gro­ße Eva­ku­ie­rungs­ak­ti­on. Denn Kampfmittelexpert:innen der Ver­wal­tung haben sechs Ver­dachts­punk­te aus­ge­macht, an denen noch Welt­kriegs-Bom­ben lie­gen könn­ten. Sie sol­len nun qua­si auf einen Streich an einem Sep­tem­ber-Sonn­tag (aus­ge­nom­men an den Wahl­ta­gen) ent­schärft wer­den. 14.000 Münsteraner:innen aus dem Stadt­teil Mau­ritz und angren­zen­den Stra­ßen müs­sen dann für einen Tag ihre Woh­nun­gen ver­las­sen. Da auch das Fran­zis­kus-Hos­pi­tal und meh­re­re Alten­pfle­ge­ein­rich­tun­gen im gefähr­de­ten Gebiet lie­gen, müs­sen nun Eva­ku­ie­rungs­plä­ne erstellt und koor­di­niert wer­den. Coro­na-Kri­sen­ma­na­ger Wolf­gang Heu­er hält auch hier die Fäden zusam­men. Für alle, die jetzt den­ken, „ach, mal wie­der viel Lärm um nichts“, hat die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter eine Ant­wort: „Kampf­mit­tel wer­den im Lauf der Zeit nicht unge­fähr­li­cher. Alter und Kor­ro­si­ons­wir­kun­gen kön­nen die Gefähr­lich­keit (…) noch erhö­hen.“ Wenn Sie mehr über die span­nen­de Arbeit von Sprengmeister:innen lesen möch­ten, emp­feh­len wir die­sen Arti­kel, der in der Zeit erschie­nen ist.

+++ Die drei Aus­ru­fe­zei­chen!!! Heu­te nur eine ganz klei­ne Neu­ig­keit zum The­ma „Fahr­rad­ver­kehr“. An der Wol­be­cker Stra­ße hän­gen jetzt Schil­der, die ver­schrift­li­chen, was vor ein paar Wochen sei­tens der Stadt erlaubt wur­de. Unter dem Pik­to­gramm eines Fahr­ra­des steht: „dür­fen auch die Fahr­bahn benut­zen!“ Flan­kiert wird der Text von zwei gro­ßen, roten Aus­ru­fe­zei­chen. Der All­ge­mei­ne Deut­sche Fahr­rad­club (ADFC) fin­det das zwar gut, weil dann mehr Radler:innen wis­sen, dass sie auf der Stra­ße fah­ren dür­fen. Ander­seits klin­ge die For­mu­lie­rung miss­ver­ständ­lich. ADFC-Spre­cher Elmar Post sagt, es wer­de dadurch der Ein­druck erweckt, es sei etwas Beson­de­res, dass Radfahrer:innen hier auf der Stra­ße fah­ren dür­fen – dabei müss­te das der Stan­dard sein. An die­ser Stel­le ver­spre­che ich Ihnen schon jetzt: Wir wer­den dem­nächst das The­ma Wol­be­cker Stra­ße noch ein­mal ganz aus­führ­lich für Sie auf­be­rei­ten.  

+++ Schnel­les Netz. Vor ein paar Wochen haben wir über den Glas­fa­ser­aus­bau in Müns­ter geschrie­ben und dar­über, war­um er nur schlep­pend vor­an­geht. Jetzt sieht es so aus, als kön­ne es doch etwas schnel­ler gehen. Am Mitt­woch teil­ten die Stadt­wer­ke Müns­ter mit, dass man mit der Tele­kom koope­rie­re. Die posi­ti­ve Fol­ge die­ser Zusam­men­ar­beit: In den nächs­ten zehn Jah­ren sol­len alle Haus­hal­te in Müns­ter einen Glas­fa­ser­an­schluss bekom­men. Los geht der Aus­bau schon 2021. Der Plan: Die Kabel wer­den bis ins Haus ver­legt, ins­ge­samt 160.000 Haus­hal­te sol­len ans Netz ange­schlos­sen wer­den. Es gibt übri­gens einen eige­nen Begriff für das, was Stadt­wer­ke und Tele­kom da mit­ein­an­der haben. Er heißt „Koop­kur­renz“ und ist zusam­men­ge­setzt aus den Wor­ten „Koope­ra­ti­on“ und „Kon­kur­renz“. Die Unter­neh­men wer­den zwar unter der Erde – beim Ver­le­gen der Glas­fa­ser­ka­bel – Koope­ra­ti­ons­part­ner sein, bei der Ver­mark­tung der Glas­fa­ser­an­schlüs­se aber wei­ter­hin Kon­kur­ren­ten blei­ben. Denn das müns­ter­sche Glas­fa­ser­netz soll ein offe­nes Netz wer­den. Damit all das wirk­lich funk­tio­niert, müs­sen die Eigentümer:innen der rund 40.000 Gebäu­de, die an das Glas­fa­ser­netz ange­schlos­sen wer­den sol­len, aller­dings erst noch zustim­men. Die Koopkurrenz-Partner:innen sind aber dies­be­züg­lich opti­mis­tisch. Inzwi­schen hät­ten die meis­ten Men­schen die Not­wen­dig­keit eines Glas­fa­ser­an­schlus­ses erkannt, sagen sie.


Corona-Update

Sie möch­ten es viel­leicht nicht lesen, ich möch­te es auch nicht schrei­ben. Aber die Zahl der Coro­na-Infek­tio­nen in Deutsch­land steigt. Auch die in Müns­ter. Die sta­bi­len 300 bis 500 Fäl­le täg­lich sind Ver­gan­gen­heit, wir lie­gen jetzt bei 900 bun­des­weit, schreibt die Frank­fur­ter Rund­schau.  

Die Stadt Müns­ter mel­det heu­te, dass die Gesamt­zahl labor­dia­gnos­tisch bestä­tig­ter Coro­na-Fäl­le um sechs Infi­zier­te auf 768 gestie­gen ist. Somit gel­ten aktu­ell 26 Münsteraner:innen als infi­ziert.

Wor­an liegt das? Bei den am Frei­tag gemel­de­ten Neu­in­fek­tio­nen in Müns­ter han­de­le es sich, laut Stadt, um Ein­zel­an­ste­ckun­gen und auch Anste­ckun­gen inner­halb einer Fami­lie.

Der Prä­si­dent des Robert-Koch-Insti­tuts, Lothar Wie­ler, sieht die Ursa­chen ganz all­ge­mein in der „Nach­läs­sig­keit bei der Ein­hal­tung der Ver­hal­tens­re­geln“, so die Frank­fur­ter Rund­schau. 

Doch vie­le Men­schen suchen nach kon­kre­ten Sün­den­bö­cken. Die sind auch schnell aus­ge­macht (Haupt­sa­che, es sind die ande­ren): Ent­we­der Reiserückkehrer:innen, Mas­ken­muf­fel oder – beson­ders beliebt – das jun­ge Par­ty­volk. Die­ses sorgt auch in Müns­ter für Auf­re­gung, weil Anwohner:innen zum Bei­spiel rund um die Jüde­fel­der Stra­ße immer wie­der beob­ach­ten, dass dort abstands­los gefei­ert wird. Die Stadt hat des­halb für das kom­men­de Wochen­en­de ange­kün­digt „Prä­senz und Kon­trol­len von Ord­nungs­amt und Poli­zei zu inten­si­vie­ren.“ Ein Alko­hol-Aus­schank­ver­bot, wie es bereits für Fei­er­mei­len in Ham­burg gilt (NRD-Bericht), ist momen­tan noch nicht in Pla­nung. Denn ein sol­ches Ver­bot unter­lie­ge „hohen recht­li­chen Anfor­de­run­gen, die nur schwer zu erfül­len sind“, teil­te uns die Stadt mit. Den­noch sol­le das kom­men­de Wochen­en­de aus­ge­wer­tet wer­den und damit auch Schluss­fol­ge­run­gen zum wei­te­ren Vor­ge­hen zulas­sen. Wel­che das sind, wis­sen wir dann viel­leicht am Mon­tag.


Blick in die Medien

Schwarz-Weiß statt bunt. Insta­gram ist gera­de etwas farb­lo­ser gewor­den – und das hat einen Grund. Mil­lio­nen Frau­en pos­ten seit ein paar Tagen unter dem Hash­tag #women­sup­porting­wo­men Sel­fies in schlich­tem Schwarz-Weiß und schrei­ben dazu „Chal­len­ge accep­ted“. Das klingt nach Frau­en­power und gegen­sei­ti­gem Stär­ken. Doch schaut man genau hin, fin­det man wenig Kon­kre­tes. Viel­leicht machen des­halb vie­le Freun­din­nen, aber auch Pro­mis und Influ­en­ce­rin­nen mit. Eine poli­ti­sche Bot­schaft, ohne dabei zu poli­tisch zu wer­den – fast sie­ben Mil­lio­nen Frau­en haben sie schon ver­brei­tet. Der Ursprung die­ser Schwarz-Weiß-Foto-Flut ist übri­gens nicht ganz klar. Eini­ge ver­mu­ten, dass es eigent­lich ein­mal um ermor­de­te tür­ki­sche Frau­en ging, ande­re sehen dar­in einen Kom­men­tar zur Rede der US-Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten Alex­an­dria Oca­sio-Cor­tez, die sich mit ein­drucks­vol­len Wor­ten gegen sexis­ti­sche Belei­di­gun­gen gewehrt hat­te. Laut New York Times stammt das ers­te Pos­ting von einer bra­si­lia­ni­schen Jour­na­lis­tin. Die taz schluss­fol­gert jeden­falls, dass die Akti­on kein erfolg­rei­ches Mit­tel im femi­nis­ti­schen Kampf sein wer­de. „Das ist nicht schlimm, aber scha­de, da sozia­le Medi­en durch­aus eine poli­ti­sche Wirk­kraft haben, wie wir bei #MeToo gese­hen haben.“  

Drinnen

Drin­nen­tipps sind heu­te aus. Das Wet­ter ist gera­de viel zu schön. Bevor es mor­gen wie­der reg­net, raus mit Ihnen!

Draußen

Nachts sind alle Plat­ten grau. Nor­ma­ler­wei­se. Doch die bei­den RUMS-Leser Simon und Sören brin­gen jetzt Licht auf die Tisch­ten­nis­plat­ten im Han­sa­vier­tel. „Round Table Nights“ nen­nen sie ihre gemein­nüt­zi­gen Tisch­ten­nis-Tref­fen, zu denen sie Anwohner:innen und Passant:innen ein­la­den, ein paar Bäl­le zu schla­gen. Die Spiel­aus­tra­gungs­stät­ten wech­seln. Ent­we­der erleuch­ten die bei­den Ping-Pong-Akti­vis­ten fest instal­lier­te Plat­ten, die im Dun­keln sonst nicht bespiel­bar wären, oder sie stel­len eine mobi­le Plat­te samt Schein­wer­fer auf. Schlä­ger, Bäl­le und Des­in­fek­ti­ons­spray brin­gen sie mit. Das Ziel der vom Han­sa­fo­rum geför­der­ten Akti­on: Men­schen ver­net­zen und in Bewe­gung brin­gen sowie unbe­leb­ten Orten mehr Auf­merk­sam­keit schen­ken. Wer wis­sen will, wo die Flut­licht-Matches star­ten, schaut am bes­ten auf dem Insta­gram-Kanal @round_table_nights nach (das nächs­te ist am Mitt­woch ab 20 Uhr am Hansa­platz). Dar­über soll künf­tig die Ver­net­zung und Kom­mu­ni­ka­ti­on statt­fin­den. Klei­ner Tipp: Sie kön­nen auch ein­fach tags­über spie­len. Schau­en Sie sich ein­fach um, bestimmt gibt es auch in Ihrem Vier­tel eine Plat­te.

Am Sonn­tag schreibt Ihnen Klaus Brink­bäu­mer aus New York. Blei­ben Sie bis dahin gut gelaunt und hal­ten Sie den Ball sowie die Infek­ti­ons­kur­ve flach.

Herz­li­che Grü­ße

Kat­rin Jäger

Mit­ar­beit: Ann-Mar­len Hoolt, Sebas­ti­an Stachor­ra

PS

Sind Ihnen schon die bun­ten Was­ser­con­tai­ner auf­ge­fal­len, die im gan­zen Stadt­ge­biet ver­teilt ste­hen? 37 gibt es davon und sie beinhal­ten jeweils 1000 Liter Was­ser. Sie gehö­ren zur städ­ti­schen Akti­on „Müns­ter schenkt aus“, bei der die Stadt frei­wil­li­ge Baumkeeper:innen sucht, damit die rund 50.000 Stadt­bäu­me im Som­mer nicht ver­trock­nen. Als ich die Pres­se­mit­tei­lung las, war mein ers­ter Gedan­ke: Bringt das über­haupt was? Ist das nicht blin­der Aktio­nis­mus? Wir woll­ten es wis­sen. Zuerst frag­ten wir beim Forst­amt nach: Die Ant­wort lau­te­te in etwa: Nee, wir küm­mern uns nur um Wald­bäu­me. Beim BUND erwisch­ten wir einen Mit­ar­bei­ter, der nur für Ver­kehr, nicht aber für Bäu­me zustän­dig war. Die Recher­che steck­te fest. Aber nur kurz. Denn wir wen­de­ten uns an den Baum­flüs­te­rer schlecht­hin: Peter Wohl­le­ben. Der Förs­ter und Best­sel­ler­au­tor („Das gehei­me Leben der Bäu­me“) bescher­te uns aller­dings mit sei­ner Ant­wort kei­ne span­nen­de Geschich­te. Denn er sag­te schlicht: Ja, das Gie­ßen erge­be durch­aus Sinn. Auch wenn es schwer sei, die Wur­zeln zu errei­chen. Also: Was­ser marsch!