Homeschooling geht weiter | Fahrradstadt? Von wegen | Tierisch

Müns­ter, 17.04.2020

Guten Tag,

nor­ma­ler­wei­se erwar­tet man von einem Elf­jäh­ri­gen kei­nen druck­ba­ren poli­ti­schen Kom­men­tar. In die­sem spe­zi­el­len Fall aber, möch­te ich eine Aus­nah­me machen und ihn zu Wort kom­men las­sen. Denn es geht um ein The­ma, das ihn angeht. Die Schu­le.

Nach­dem jener Elf­jäh­ri­ge am Mitt­woch auf sei­ner Lieb­lings-Video-Platt­form Tik­Tok (ja, ich weiß, das ist kei­ne wirk­lich seriö­se Quel­le für Nach­rich­ten) gespannt die Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung zum The­ma „Wann öff­nen die Schu­len wie­der?“ ver­folgt hat­te, war er am Tag dar­auf sicht­lich wütend. „Erst sagen sie, dass die Schu­le nicht anfängt. Und jetzt sagen die ande­ren vom Bun­des­land, dass die Schu­le doch los­geht. Die sind doch däm­lich. Jetzt weiß doch kei­ner mehr, was wirk­lich ist.“

Nun ja, man hät­te das viel­leicht anders for­mu­lie­ren kön­nen, im Kern ist es aber wahr. Die miss­ver­ständ­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on in Sachen Coro­na-Locke­run­gen war wahr­lich kein Glanz­stück unse­res NRW-Duos Laschet-Gebau­er. Die­ses Vor­pre­schen der Alpha-Minis­ter­prä­si­den­ten Söder und Laschet nach dem Mot­to, „Ich bin der Stär­ke­re“, „Dafür bin ich aber der Net­te­re“ hat­te etwas, das man gemein­hin Sand­kas­ten-Kei­le­rei nennt. Und dafür ist offen­sicht­lich selbst mein elf­jäh­ri­ger Sohn inzwi­schen zu alt.

Doch so oder so: Die Ent­schei­dung ist nun gefal­len: Ab Don­ners­tag, 23. April kön­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler in NRW zur Vor­be­rei­tung auf ihre Prü­fun­gen und Abschlüs­se wie­der in die Schu­le gehen, eine Pflicht dazu besteht aller­dings nicht. Alle ande­ren Jahr­gän­ge blei­ben min­des­tens noch zwei Wochen zu Hau­se, dann geht es stu­fen­wei­se los, aller­dings nur, wenn die Coro­na-Lage dies zulas­se.

All das ist vage, und das muss es in die­ser dyna­misch ver­lau­fen­den Kri­se wohl auch sein, doch es ver­un­si­chert und lädt zum hit­zi­gen Dis­ku­tie­ren ein. Eine Leh­re­rin, die an einem müns­ter­schen Gym­na­si­um unter­rich­tet, sieht aber auch eine Chan­ce in der unent­schlos­sen wir­ken­den Frei­wil­lig­keit. „Es gibt ja wirk­lich Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die zu Hau­se völ­lig lost sind und sich lie­ber in der Schu­le auf ihr Abitur vor­be­rei­ten möch­ten. Für die ist das doch super.“

Ob Schü­le­rin­nen und Schü­ler die Rege­lung auch als Chan­ce sehen? Wir wis­sen es nicht: Also wie sieht es bei unse­ren müns­ter­schen Prüf­lin­gen aus? Mei­nun­gen ger­ne hier hinterlassen!

Never ending Homeschooling

Ger­ne wür­de ich jetzt das The­ma Schu­le abschlie­ßen, doch lei­der dringt es ja gera­de mas­siv in das Leben sehr vie­ler Fami­li­en ein. Denn was vor den Oster­fe­ri­en begann, geht nun also offi­zi­ell in die zwei­te Run­de: Home­schoo­ling. Ein bei Eltern sehr emo­tio­nal besetz­tes The­ma. Ich habe dar­über mit Lisa Har­mann gespro­chen. Die Jour­na­lis­tin und Autorin („Wow Mom“) schreibt über Fami­lie, Gesell­schaft und die gro­ßen The­men des Lebens von der Geburt bis zum Tod. Zusam­men mit Katha­ri­na Nachts­heim betreibt sie eines der größ­ten deutsch­spra­chi­gen Eltern­blogs „Stadt Land Mama“. Sie selbst beschreibt in einem Blog­bei­trag, wie sehr sie die Auf­ga­be, die eige­nen drei Kin­der wäh­rend ihrer Home­of­fice-Zei­ten vor den Oster­fe­ri­en zu Hau­se zu unter­rich­ten, an ihre Gren­zen gebracht hat. Sprü­che wie, „Jetzt seht ihr mal, was Leh­rer so machen“, ärgern sie. „Ein Leh­rer hat Zeit, sich auf den Unter­richts­stoff vor­zu­be­rei­ten. Wir (Eltern) hat­ten die nicht. Ein Leh­rer wird für sei­nen Job bezahlt, wir nicht. Ein Leh­rer ist aus­ge­bil­det für die Beschu­lung in sei­nem Fach. Wir sind das nicht.“

RUMS:Wie geht es dir, bald sind ja die Feri­en zu Ende?

Ich befin­de mich zur­zeit in der Pha­se der Leug­nung. Ich genie­ße die Feri­en und ver­su­che, nicht an den nächs­ten Mon­tag zu den­ken. An den Tag, an dem mein Mail­fach wie­der von Mails mit ein­ge­scann­ten Anhän­gen geflu­tet wird, und ich anschlie­ßend neben Kun­den­an­ru­fen, Inter­views und „Ich hab Huuunger“-Rufen die Sinn­haf­tig­keit jedes ein­zel­nen Arbeits­blatts mit mei­nen Kin­dern dis­ku­tie­ren darf. Ich habe in den Wochen vor den Feri­en die bino­mi­schen For­meln ein­ge­führt, Dür­ren­matt inter­pre­tiert und die High­lights von Napo­le­ons Lebens­sta­tio­nen auf Eng­lisch zusam­men­ge­sam­melt.

NRW-Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet woll­te die Schu­len ja ein biss­chen frü­her wie­der öff­nen, fin­dest du es scha­de, dass er sich nicht durch­set­zen konn­te?

Ich bin weder Viro­lo­gin noch Poli­ti­ke­rin und ver­las­se mich drauf, was sie emp­feh­len. Mei­ne per­sön­li­che Lieb­lings­va­ri­an­te, um Eltern nicht ins Bur­nout und in den finan­zi­el­len Bank­rott zu trei­ben, weil sie neben der Beschu­lung und Betreu­ung der Kin­der nicht mehr arbei­ten kön­nen, wäre, die Som­mer­fe­ri­en in die­sem Jahr ein­fach vor­zu­zie­hen. In den Urlaub wird in die­sem Jahr eh nie­mand kön­nen. Denn mal ganz ehr­lich: Selbst, wenn die Kin­der im Mai wie­der irgend­wann zur Schu­le gehen soll­te – im Juni sind ja schon wie­der Som­mer­fe­ri­en! Sechs Wochen ohne Betreu­ung!

Wo lie­gen die größ­ten Pro­ble­me beim Ler­nen zu Hau­se?

Stel­len wir uns doch mal vor, ein Chir­urg wür­de sei­ne drei Kin­der mit in den OP neh­men und beim Ope­rie­ren auch noch Bruch­rech­nung ein­füh­ren und Lese­kom­pe­ten­zen abfra­gen. Das ist schlicht unmög­lich. Es ist schwie­rig, mit den eige­nen Eltern zu ler­nen, weil da die per­sön­li­che Ebe­ne mit rein­spielt. Es ist schwie­rig, mit den Geschwis­tern zu ler­nen, weil da in vie­len Fami­li­en ein­fach mehr Kon­flikt­po­ten­ti­al ist, als es mit Mit­schü­le­rin­nen und Mit­schü­lern vor­kom­men wür­de. Es ist auch schwie­rig, im eige­nen Wohn­zim­mer zu ler­nen und sich jeden Tag aus Neue zu motivieren,ohne die gewohn­te Struk­tur. Ich habe gehört, dass sich eini­ge Eltern eine App mit einem Schul-Gong run­ter­ge­la­den haben. So weit sind wir also schon gekom­men…

Wir kön­nen nicht in ein paar Wochen das gan­ze Sys­tem ändern, aber was könn­te aus Eltern­sicht jetzt, direkt nach den Feri­en, bes­ser wer­den?

Die ers­ten Wochen des Home­schoo­lings war es für ALLE eine neue Situa­ti­on. Ich hof­fe sehr, dass da jetzt auch mehr Struk­tur in die ver­schie­de­nen Anfor­de­run­gen rein­kommt, dass eini­ge Leh­re­rin­nen und Leh­rer durch die Rück­mel­dun­gen der Eltern und Schü­le­rin­nen und Schü­ler nun den Stoff doch etwas mehr an das häus­li­che Ler­nen anpas­sen. Dass ich selbst so rich­tig zum Arbei­ten kom­me, glau­be ich aber nicht.

Glückliche Finnen

Dass all das auch ganz anders und wesent­lich ent­spann­ter lau­fen kann, zeigt uns übri­gens Finn­land. Dort ist auch wäh­rend der Coro­na-Kri­se ganz klar, dass es nicht die Auf­ga­be der Eltern ist, zu unter­rich­ten. Die digi­ta­le Aus­stat­tung dort ist fächen­de­ckend, die posi­ti­ve Ein­stel­lung zur Nut­zung der Tech­nik eben­falls, die Lehr­kräf­te kon­trol­lie­ren die Auf­ga­ben der Schü­le­rin­nen und Schü­ler, es gibt fes­te Uhr­zei­ten. Der Tages­spie­gel hat das sehr schön zusammengefasst.

Dem Himmel so nah

So, jetzt ist aber Pau­se. Wir ver­las­sen das lei­di­ge Schul­the­ma und wech­seln ein­fach mal kom­plett die Per­spek­ti­ve. Leh­nen Sie sich zurück, stel­len Sie Ihren Laut­spre­cher an und flie­gen Sie doch ein­fach mal ganz ent­spannt über Müns­ter! Das Müns­ter-Abo­ve-Team von Münster4Life und Ger­man­Rotor­Cam hat ges­tern einen Film ins Netz gestellt, der uns Müns­te­r­a­ne­rin­nen und Müns­te­ra­nern Kraft geben und den Zusam­men­halt stär­ken soll. Ja, der unter­leg­te Mut­ma­cher-Kom­men­tar trägt ein biss­chen dick auf, aber die Bil­der der lee­ren Stra­ßen, die Son­nen­auf­gän­ge, die greif­ba­re Stil­le der Stadt – bei mir hat all das gewirkt: Ich flie­ge heu­te bestimmt noch ein paar Mal mit.

Korrekturen und Ergänzungen 

Und weil wir schon beim The­ma „Film von Müns­ter“ sind: In unse­rem Brief am Diens­tag hat­ten wir auch auf ein Video hin­ge­wie­sen, das Müns­ter men­schen­leer zeigt. Was wir erst hin­ter­her erfah­ren haben: Der Film ist an eini­gen Stel­len digi­tal bear­bei­tet wor­den. Men­schen sind raus­re­tu­schiert wor­den. Regis­seur Simon Jöcker schreibt bei Face­book: „Haben zwar digi­tal etwas ‚nach­ge­hol­fen’. War trotz­dem viel frü­hes Auf­ste­hen und stun­den­lan­ges War­ten dabei.”

Fahrradstadt: Es passiert viel zu wenig

In sei­nem letz­ten RUMS-Brief bat Ralf Hei­mann um Ihre Mei­nung zum The­ma „Fahr­rad­stadt Müns­ter“. Dass es unter den Rad­fah­re­rin­nen und Rad­fah­rern sehr viel Kri­tik an der aktu­el­len Ver­kehrs­po­li­tik, aber auch vie­le gute Ideen gibt, zei­gen die Mails, die bei uns ein­ge­gan­gen sind.

So schreibt Jan: „Aus der gan­zen Welt errei­chen uns Mel­dun­gen, wie der Ver­kehrs­raum tem­po­rär zuguns­ten von Rad­fah­ren­den umge­wid­met wird. Sogar aus deut­schen Städ­ten. Müns­ter müss­te, wür­de es sei­nem eige­nen Anspruch gerecht, hier vor­ne dabei sein. Statt­des­sen pas­siert: gar nichts.“ So sieht das auch Leser Chris­toph Piot­ti: „Die Stadt tut viel zu wenig für den Fahr­rad­ver­kehr in der Stadt. Im Klei­nen, wie im Gro­ßen.“

Zwar gibt es Leucht­turm­pro­jek­te wie den Fly-Over, die geplan­te Rad­ver­kehrs­brü­cke am Aegi­di­tor, aber nach Ein­schät­zung unse­res Lesers Ste­fan Blu­me, die­nen sol­che Pro­jek­te oft nur „der eige­nen Nabel­schau und Selbst­ver­liebt­heit.“ Ihm ist der Ent­wurf nicht visio­när genug. Viel­leicht, so sei­ne Mei­nung, soll­te man räum­lich abge­kop­pel­te Stadt­tei­le stär­ker an die Stadt bin­den.“ Ein gutes Bei­spiel hat er auch parat. Die Brü­cke übers Was­ser in Kopen­ha­gen. Kon­kret bemän­gelt er beim Fly-Over-Pro­jekt: „Was pas­siert mit dem Bereich unten, dem ‚alten‘ Stra­ßen­raum, gibt es da auch eine Umver­tei­lung?“

Blu­me gehört der Initia­ti­ve Kidi­cal Mass Müns­ter an, die kind­ge­rech­tes Fahr­rad­fah­ren in Müns­ter ermög­li­chen will. Er schreibt: „Die Infra­struk­tur ist in einem schlech­ten Zustand, zu klein dimen­sio­niert, ganz wenig Feh­ler tole­rie­rend; und sie wird in den Augen vie­ler Rad­fah­ren­der nur ganz lang­sam erneu­ert und ver­bes­sert. Wie wol­len wir Kin­der für ihr Leben zum Rad­fah­ren moti­vie­ren, wenn jede Tour mit so vie­len Regeln und Vor­sichts­maß­nah­men belegt wird, damit man unfall­frei durch einen Kanal von par­ken­den Autos durch­ge­schleust wird?

Hier eini­ge kon­kre­te Lese­rin­nen- und Leser-Vor­schlä­ge für eine Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on für die Rad­le­rin­nen und Radler:

  • Vor­fahrt auf der Pro­me­na­de (War­um nicht gera­de jetzt, wo wenig Ver­kehr ist?)
  • Reflek­ti­on bei lau­fen­den Pro­jek­ten (Ver­brei­te­rung der Waren­dor­fer Str. usw.)
  • Brei­te­re Rad­we­ge, ins­be­son­de­re wegen der Lastenräder
  • Bes­se­re und siche­re­re Ampel­schal­tun­gen oder auch alter­na­ti­ve Befahr­bar­keit von Kreu­zun­gen an Fuß­gän­ger­am­peln gegen die Fahrtrichtung
  • Statt grü­nem Fahr­rad­fah­ren­den-Pfeil: Abbie­gen über­all zulas­sen und an Gefah­ren­stel­len expli­zit verbieten
  • Stren­ge­res Vor­ge­hen gegen Falsch­par­ke­rin­nen und Falschparker

Der All­ge­mei­ner Deut­scher Fahr­rad-Club Kreis­ver­band (ADFC) Müns­ter­land for­dert außer­dem heu­te in einem offe­nen Brief an Ober­bür­ger­meis­ter und Ver­wal­tungs­spit­ze Maß­nah­men, um auch für Rad­fah­re­rin­nen und Rad­fah­rer wäh­rend der Coro­na-Kri­se genü­gend Abstand gewähr­leis­ten zu kön­nen.

Das sind die kon­kre­ten Forderungen:

  • Fah­ren auf der Fahr­bahn soll erlaubt werden
  • Ein­füh­rung von Tem­po 30 für Pkw in der Innenstadt
  • Ampeln sol­len Men­schen, die zu Fuß oder mit dem Rad unter­wegs sind, bevor­zu­gen, um das War­ten in Grup­pen auf engem Raum zu vermeiden.

Zootiere allein zu Haus 

Ken­nen Sie den Film „Nachts im Muse­um“? So ähn­lich haben wir uns das auch im All­wet­ter­zoo Müns­ter vor­ge­stellt. So nach dem Mot­to: Kei­ne Men­schen da, sturm­freie Bude, lass uns mal rich­tig wild sein! Mein Kol­le­ge Chris­toph Klemp hat nach­ge­fragt, ob das stimmt, und ob es seit dem coro­nabe­ding­ten Weg­blei­ben des Publi­kums Ver­hal­tens­än­de­run­gen bei den 3000 Tie­ren gibt.

Zoo-Kura­tor Mar­cel Ala­ze bestä­tigt das zumin­dest teil­wei­se: „Eini­ge Tie­re hal­ten regel­recht Aus­schau: die Pfer­de, die Zie­gen im Strei­chel­zoo – auch die Goril­las schau­en suchend durch die Schei­ben.“ Die Mönchs­gei­er geben sich ihren Früh­lings­ge­füh­len hin und brü­ten jetzt dort, wo sonst die Men­schen an der Volie­re ste­hen. Die Stör­che stol­zie­ren über die Wege, als gehö­re der Zoo jetzt ihnen allein. Giraf­fen wer­den zuneh­mend schreck­haft und ner­vös.

Apro­pos ner­vös: Das wur­den viel­leicht auch die Zoo-Fans, als sie davon lasen, dass es im Tier­park in Neu­müns­ter Not­fall­plä­ne gibt, nach denen es zu Not­schlach­tun­gen kom­men könn­te, wenn der finan­zi­el­le Druck durch Coro­na zu groß wür­de. Für den All­wet­ter­zoo Müns­ter sei das laut Zoo-Pres­se­spre­cher Sebas­ti­an Roh­ling nie ein The­ma gewe­sen. „Auch wenn dem All­wet­ter­zoo Müns­ter aktu­ell die Ein­nah­men weg­bre­chen bei fort­lau­fen­den Kos­ten, muss sich nie­mand Sor­gen machen, dass es den Tie­ren schlecht – oder gar an den Kra­gen geht”, sagt er. Die Tier­pfle­ge und -ver­sor­gung in Müns­ter sei­en zu 100 Pro­zent gesi­chert. „Wir haben noch nicht ein­mal eine Schub­la­de, in der sol­che Plä­ne lie­gen könn­ten”, ver­si­chert Rohling.

Erst die Gartenarbeit, dann Schlange stehen 

Gutes Wet­ter mul­ti­pli­ziert mit den aktu­el­len Aus­gangs­be­schrän­kun­gen ergibt eine über­durch­schnitt­lich hohe Sum­me an Grün­ab­fall-Ber­gen in müns­ter­schen Gär­ten. Um die­se von flei­ßi­gen Hecken­schnei­de­rin­nen und Unkraut­jä­tern errich­te­ten Hügel abzu­fla­chen (die Coro­na-Kur­ve lässt grü­ßen), öff­net die Stadt am mor­gi­gen Sams­tag die Kom­pos­tie­rungs­an­la­ge, Zum Hei­de­hof 81, zwi­schen 9.30 und 17 Uhr.

Aber Ach­tung! Die Stau-War­nung wird gleich mit­ge­lie­fert. Nicht nur, dass sich am Wochen­en­de ohne­hin vie­le Aus­flüg­le­rin­nen und Aus­flüg­ler in die Rie­sel­fel­der auf­ma­chen und damit qua­si den­sel­ben Weg neh­men wie die Abfall­ent­sor­ge­rin­nen und -ent­sor­ger, die Hygie­ne­vor­schrif­ten und Abstand­re­geln (maxi­mal fünf Fahr­zeu­ge á zwei Per­so­nen gleich­zei­tig auf dem Gelän­de) könn­ten für War­te­zei­ten von bis zu zwei Stun­den sor­gen. Hil­fe von den Abfall­wirt­schafts­be­triebs­an­ge­stell­ten ist übri­gens nicht zu erwar­ten, weil sie aus Grün­den des Infek­ti­ons­schut­zes eben­falls Abstand hal­ten müs­sen. „Wer nur zwei oder drei Säcke Grün­ab­fall los­wer­den möch­te, soll­te das Ent­sor­gen mög­lichst auf den nächs­ten regu­lä­ren Abfuhr­ter­min ver­schie­ben“, heißt es des­halb sei­tens der AWM.

Ab dem 20. April wer­den außer­dem Ter­mi­ne für wei­te­re Abfäl­le und Wert­stof­fe sowie klei­ne Men­gen Grün­gut ange­bo­ten, die dann in den Recy­cling­hö­fen in Coer­de und in der Euler­stra­ße ent­sorgt wer­den dür­fen. Hier muss man sich vor­her einen Ter­min unter die­ser E-Mail-Adres­se besor­gen. Namen, Tele­fon­num­mer und Art und Men­ge der Abfäl­le dort angeben!

Corona-Update

Die Zahl der gemel­de­ten Coro­na-Fäl­le im Stadt­ge­biet ist auf 625 ange­stie­gen (Stand 16. April, 15 Uhr). Davon sind 493 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wie­der gene­sen. Sie­ben mit dem Coro­na­vi­rus infi­zier­te Müns­te­r­a­ne­rin­nen und Müns­te­ra­ner sind gestor­ben.
Damit gel­ten aktu­ell 125 Per­so­nen im Stadt­ge­biet als infi­ziert.
Die müns­ter­schen Kran­ken­häu­ser behan­deln der­zeit 33 Coro­na-Pati­en­tin­nen und -Pati­en­ten, davon 26 auf Inten­siv­sta­tio­nen. 14 der Erkrank­ten müs­sen aktu­ell beatmet wer­den. Auf den Inten­siv­sta­tio­nen der Stadt sind noch 73 Bet­ten frei.

In aller Kürze

+++ NRW-Sofort­hil­fe star­tet wie­der. Selb­stän­di­ge, Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­men kön­nen wie­der Anträ­ge auf Sofort­hil­fe stel­len. Betrugs­fäl­le hat­ten zu einem vor­läu­fi­gen Stopp geführt. Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter schal­tet am mor­gi­gen Sams­tag (18. April) wie­der ihre Hot­line für die Antrag­stel­le­rin­nen und Ans­trag­stel­ler. Die Num­mer (0251) 411-3400 ist sams­tags von 9 bis 13 Uhr und mon­tags bis frei­tags von 8 bis 16 Uhr erreich­bar.

+++ Ers­te Locke­run­gen. 90 Pro­zent der müns­ter­schen Geschäf­te dür­fen am Mon­tag wie­der öff­nen, schrei­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Abstands­schil­der sei­en geschrie­ben, Des­in­fek­ti­ons­mit­tel stün­den bereit, wird Wolfang Nietan, Spre­cher der Initia­ti­ve star­ke Innen­stadt (ISI) in der Zei­tung zitiert. Kri­ti­siert wird laut WN, dass die grö­ße­ren Laden­ge­schäf­te noch geschlos­sen blei­ben müs­sen.

+++ Preu­ßen for­dern Sai­son­ab­bruch. Zusam­men mit den Klubs aus Hal­le, Mann­heim, Mag­de­burg, Chem­nitz, Zwi­ckau, Jena und Groß­as­pach hat sich der SC Preu­ßen Müns­ter für einen Abbruch der lau­fen­den Sai­son aus­ge­spro­chen. Wirt­schaft­li­che Not­wen­dig­kei­ten und der Schutz der Gesund­heit, sei­en die Grün­de.

+++ Coro­na und die Psy­che. Wie gehen depres­si­ve Per­so­nen mit den Ein­schrän­kun­gen der Bewe­gungs­frei­heit um, wie geht es denen, die bereits vor der Pan­de­mie an Kon­troll- und Wasch­zwän­ge gefes­selt waren und unter einer Zwangs­stö­rung lei­den? Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen der Uni Müns­ter suchen jetzt in Koope­ra­ti­on mit den Uni­ver­si­tä­ten Osna­brück und Tübin­gen in einer Online-Stu­die nach Ant­wor­ten und nach frei­wil­li­gen Stu­di­en­teil­neh­men­den. Wer min­des­ten 18 Jah­re alt ist, kann mit­ma­chen. Mehr Infor­ma­tio­nen fin­det man hier.

+++ Not­fonds für Stu­die­ren­de. Das Rek­to­rat der Uni, die Stif­tung WWU Müns­ter, die Uni­ver­si­täts­ge­sell­schaft und der AStA rufen zu Spen­den auf, um den von der Coro­na-Kri­se betrof­fe­nen Stu­die­ren­den, die ihre Neben­jobs ver­lo­ren haben, mög­lichst schnell hel­fen zu kön­nen. Mehr Infos hier. (Klei­ner Hin­weis: Zum Redak­ti­ons­schluss war sowohl die Home­page der Uni als auch die ver­link­te Sei­te vor­über­ge­hend nicht erreich­bar, also öfter versuchen.)

Bringdienst des Tages

🥙Wir Brief­schrei­be­rin­nen und Brie­fe­schrei­ber fin­den es sehr schön, wenn Men­schen lesen. Des­halb möch­ten ich Ihnen heu­te die­se cle­ve­re Koope­ra­ti­ons­idee vor­stel­len: Die Stadt­bü­che­rei hat sich mit dem Lie­fer­dienst hungrig.ms zusam­men­ge­tan. Kun­din­nen und Kun­den kön­nen fort­an zur Essens­be­stel­lung auch noch ein Buch dazu bekom­men. Ein­fach bei der Bestel­lung ange­ben, ob das Buch­ge­schenk für Kin­der oder Erwach­se­ne sein soll, dann wird die lesens­wer­te Über­ra­schung zusam­men mit dem Essen gelie­fert. Die Akti­on läuft, solan­ge der Vor­rat der Büche­rei reicht.

Und weil zu einem guten Buch auch immer ein guter Wein passt, könn­ten Sie ja beim Wein­han­del Tri­xi Ban­nert die ein oder ande­re Fla­sche bestel­len. Der Min­dest­be­stell­wert beträgt 25 Euro, die Lie­fer­kos­ten 2 Euro.

Drinnenbleib-Tipps

+++ Viel­leicht soll­te man gera­de in Kri­sen­zei­ten über Kri­sen lachen. Und wenn es sich dabei um die Ehe­kri­se der Ehe­leu­te Merz han­delt, dann wird aus dem viel­leicht sogar ein unbe­dingt! Die ers­te Staf­fel der ZDF-Serie „Merz gegen Merz“ war schon über­ra­schend weit weg von jedem bie­de­ren ZDF-Traum­schiff-Fern­seh­gar­ten-Kli­schee – und auch die zwei­te, die vori­ge Woche gestar­tet ist, zeigt herr­lich rea­lis­tisch, böse und sehr komisch-tra­gisch, wohin die Lie­be so füh­ren kann. Wer Annet­te Frier und Chris­toph Maria Herbst beim Strei­ten zuschau­en möch­te, kann sich die knapp halb­stün­di­gen Fol­gen über die ZDF-Media­thek anschau­en.

+++ Schach­teln-Bas­teln. Eine klei­ne Idee, die schnell umzu­set­zen ist: Neh­men Sie einen klei­nen Kar­ton oder eine Dose (die run­den Camen­bert-Schach­ten eig­nen sich beson­ders gut) und schrei­ben Sie in gro­ßen, bun­ten Buch­sta­ben „DANKE! Für die Paket­bo­tin und den Paket­bo­ten!“ dar­auf. Dann stel­len Sie sie vor Ihre Haus­tür oder hal­ten Sie sie bereit, wenn die Frau oder der Mann von Her­mes, dpd, DHL oder jedem belie­bi­gen ande­ren Paket­dienst bei Ihnen klin­gelt. Ver­ges­sen Sie nicht, vor­her ein Trink­geld hin­ein­zu­le­gen und das auch immer wie­der auf­zu­fül­len! Im Moment kön­nen die­se Men­schen, wirk­lich ein biss­chen Aner­ken­nung gebrau­chen, denn mit­ten im Früh­ling arbei­ten sie wie sonst nur kurz vor Weih­nach­ten. Und schlecht bezahlt sind die meis­ten von ihnen das gan­ze Jahr über. Die Idee mit dem Trink­geld ist natür­lich nicht neu, beson­ders schön vor­ge­bracht hat sie Come­di­an Tors­ten Strä­ter in sei­ner Weih­nachts­an­spra­che.

+++ Machen wir es kurz. Auch wenn die Fri­sör­lä­den nach stren­gen Hygie­ne­re­geln wie­der nach und nach öff­nen wer­den, dort einen Ter­min zu bekom­men, kann noch ein biss­chen län­ger dau­ern. Viel­leicht ver­hilft Ihnen die­se Zusam­men­fas­sung zu einer eini­ger­ma­ßen vor­zeig­ba­ren Self­made-Fri­sur.

Herz­li­che Grü­ße

Ihre Kat­rin Jäger

PS

In mei­nem letz­ten Brief hat­te ich ange­kün­digt, Ihnen von mei­nem Gespräch mit einem Spe­di­teur aus dem Müns­ter­land zu erzäh­len. Dar­in ging es um die men­schen­un­wür­di­gen Umstän­den, denen die Lkw-Fah­re­rin­nen und Fah­rer der­zeit aus­ge­setzt sind, weil wegen der Coro­na-Kri­se vie­le Rast­stät­ten ihre Dusch­räu­me abge­schlos­sen und auch vie­le Zulie­fer­fir­men nur behelfs­wei­se Dixie-Klos auf­ge­stellt haben, statt sich die Men­schen ordent­lich waschen und ihre Not­durft ver­rich­ten zu las­sen. Inzwi­schen hat sich dort eini­ges bewegt, aber längst noch nicht genug. Was ich bei dem Gespräch vor allem gelernt habe, ist, dass wir oft nicht erken­nen, wie sehr alles zusam­men­hängt. Wenn wir also irgend­wann mal nach Coro­na mit unse­rem E-Auto in einem Stau ste­hen und uns über den stin­ken­den Brum­mi neben uns ärgern, den­ken wir viel­leicht kurz dar­an, dass er gera­de den Wert­stoff gela­den haben könn­te, aus dem auch mein Lenk­rad her­ge­stellt wur­de, in das ich gera­de vor Wut bei­ßen möchte.