Die Kolumne von Michael Jung | Schulpolitik – Fahren auf Sicht

Porträt von Michael Jung
von Michael Jung

Guten Tag,

so manches kommunalpolitische Trauma wirkt lange nach. So ist es auch mit der Schulentwicklungsplanung, die die damalige Dezernentin Andrea Hanke vor knapp 15 Jahren krachend vor die Wand gesetzt hat. Damals tüftelte man monatelang im Geheimen an einem Gesamtentwurf. Dann präsentierte man dem staunenden Publikum die Idee. Es war die Zeit, in der man auch Schwimmbäder und manch anderes schloss. CDU und FDP regierten mit knapper Mehrheit. Die Idee lautete: Drei Schulen sollten geschlossen werden: das Schlaun-Gymnasium, die Aegidii-Ludgeri-Schule und die Wartburg-Hauptschule.

Es kam, wie es kommen musste: Am Ende passierte nichts, alles blieb beim Alten. Und das war vielleicht auch ganz gut so, denn schon die Grundannahme der Planung war falsch. Das Mantra der Ära von Oberbürgermeister Berthold Tillmann und Stadtdirektor Hartwig Schultheiß lautete: Münster wächst nicht mehr in der Quantität, sondern nur in der Qualität – die Stadt wird nicht mehr größer, sondern nur noch besser. In den kommunalen Kassen zeichnete sich eine Ebbe ab. Die Strukturen müssten schlanker werden, denn die Bevölkerungszahlen würden bestenfalls stagnieren, so dachte man. Heute wissen wir: Sowohl die Annahmen als auch die politischen Schlussfolgerungen dieser Zeit waren falsch, und so gilt das rückblickend auch für Hankes Schulentwicklungsplanung. Die Pläne blieben in der Schublade.

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