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Portrait Raphael Balke neu
von Raphael Balke

Guten Tag,

in den vergangenen Monaten habe ich in Münster eine Wohnung nach der anderen besichtigt, dabei nur Absagen bekommen – und je länger die Suche dauerte, desto weiter sanken meine Ansprüche. Wenn ich Bekannte nach Tipps gefragt habe, gab es meistens diese Antwort: „Ach, Freunde von mir suchen auch.“

Eine neue Studie des Pestel-Instituts und des Bündnisses „Soziales Wohnen“ bestätigt meine Beobachtung und zeigt, wie groß das Problem ist: bundesweit fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Laut der Studie gibt es vor allem im Westen deutlich Defizite. Natürlich mit dabei: Münster.

Auch wenn es möglich wäre, den Großteil der langzeitig leerstehenden Wohnungen zu vermieten, gebe es laut Studie in Münster zu wenige. Dass sich die Situation dadurch kaum verbessern würde, mag auch daran liegen, dass das Potenzial sehr gering ist. Nach Angaben des empirica Leerstandindex standen 2024 in Münster nur 0,2 Prozent der Wohnungen leer. Also so gut wie gar keine, auch wenn es auf den ersten Blick anders aussehen mag (RUMS-Brief).

Wenn Sie einen genauen Blick auf die einzelnen Landkreise in der Pestel-Studie werfen wollen, können Sie das hier tun (auf Seite acht bis zehn). Aber erschrecken Sie nicht: Landkreise mit Defiziten sind rot gekennzeichnet. Und raten Sie mal, welche Farbe die Karten hauptsächlich haben. Richtig: rot.

Das Pestel-Institut geht nicht davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Jahren ändert. Zumindest wenn die Entwicklung so bleibt, wie sie gerade ist. Um den Mangel bis 2030 zu beseitigen, müssten jedes Jahr bundesweit knapp 400.000 Wohnungen gebaut werden. Dass diese Zahl erreicht wird, danach sieht es bisher nicht aus. Für das vergangene Jahr seien schätzungsweise nur etwa 210.000 bis 230.000 Wohnungen gebaut worden. Das hätte den Mangel nicht nur nicht gestoppt, sondern ihn noch weiter verschärft, heißt es in der Studie, die sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes bezieht.

Jung und Alt besonders benachteiligt

Dabei trifft die Situation laut dem Papier zwei Gruppen besonders hart: junge Menschen und Senioren. So heißt es in der Studie, dass junge Menschen ihre Wohnwünsche nicht annähernd umsetzen könnten, was dazu führe, dass beispielsweise manche Ausbildungen oder favorisierte Studiengänge für sie nicht in Frage kämen. Und das nur aufgrund der Wohnsituation.

Und dann kommt noch hinzu, dass Studierende knapp die Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben, Auszubildende etwa 40 Prozent. Das ist deutlich mehr als in anderen Bevölkerungsgruppen. Bundesweit zahlen Menschen rund ein Viertel ihres Einkommens für ein Dach über dem Kopf.

Während Studierende häufig kaum anders können als in großen Städten zu wohnen, würden Senioren mit dem Renteneintritt aus den Stadtzentren verdrängt, heißt es in der Studie. Senioren hätten pro Person durchschnittlich 70 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Trotzdem sei es für viele von ihnen nicht möglich, in eine kleinere Wohnung zu ziehen, selbst wenn sie wollten. Häufig seien kleinere Wohnungen auf dem Markt teurer als ihre bisherigen. „Der älteren Generation vorzuwerfen, zu viel Wohnraum zu belegen, ist wenig hilfreich, wenn keine passenden Angebote verfügbar sind“, schreiben die Macher der Studie.

Am Ende ihrer Studie finden das Pestel-Institut und das Bündnis „Soziales Wohnen“ dann sehr deutliche Worte, wie sie die aktuelle Situation bewerten: „Wohnen ist für den Bürger von elementarer Bedeutung. Wenn die Demokratie nicht in der Lage ist, das Wohnen für alle zu realisieren, dann läuft sie Gefahr, dass sich die Bürger von ihr abwenden.“

Für mich gibt es bald hoffentlich ein Happy End. Ich habe nach monatelangem Suchen eine Wohnung in Münster in Aussicht. Wirklich hilfreiche Tipps für die Suche habe ich leider keine, außer dranbleiben und dann hoffentlich irgendwann Glück haben. (rba)

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Wie es weiterging

… mit den fehlenden Blutspenden

Auch am Universitätsklinikum werden die Blutkonserven knapp, vor allem die Blutgruppe 0. Deshalb ruft die Klinik an einem zusätzlichen Termin morgen zwischen 10 und 14 Uhr zum Blutspenden auf. (ani)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Der Münsteraner Architekt Andreas Deilmann hat vorgeschlagen, die Aegidiistraße zur grünen, weitgehend autofreien Fahrradstraße umzubauen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Im Preußenstadion läuft am Samstag beim Heimspiel gegen Karlsruhe erstmals die neue große Videoleinwand an der Westtribüne, mit der Fertigstellung der neuen Osttribüne wird im Sommer gerechnet. (Stadt Münster)

+++ Bezirksbürgermeister Peter Bensmann möchte für den Landtag kandidieren, dabei aber Bezirksbürgermeister für Angelmodde, Gremmendorf und Wolbeck bleiben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Im Kammerbezirk Münster ist die Zahl der Handwerksbetriebe 2025 zwar leicht gestiegen, doch die Handwerkskammer warnt, dass wegen vieler über 55-jähriger Inhaber:innen die Nachfolge für Betriebe immer dringlicher wird. (Handwerkskammer Münster)

+++ Bei den Münsteraner Maltesern haben im vergangenen Jahr rund 140 nicht krankenversicherte Menschen Hilfe durch ehrenamtliche Ärzt:innen bekommen. (WDR)

+++ Ein neuer Münsteraner Verein möchte einen alternativen Westfälischen Friedenspreis vergeben, weil er die geplante Auszeichnung an das Militärbündnis Nato mit dem bestehenden Preis kritisiert. (Westfälische Nachrichten)

+++ Für die Aktionswoche „Sauberes Münster“ vom 20. bis 26. März können sich Münsteraner:innen ab sofort anmelden, um gemeinsam mit den Abfallwirtschaftsbetrieben beim Frühjahrsputz in den Stadtteilen mitzumachen. (Stadt Münster)

+++ Der Arbeiter-Samariter-Bund ist ab Donnerstag wieder mit seinem Duschmobil für obdachlose Menschen im Einsatz und plant einen weiteren Standort hinter der St. Joseph Kirche an der Hammer Straße. (ASB Münsterland)

+++ Das Münsterland repräsentiert Nordrhein-Westfalen auf der Ernährungs- und Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“ in Berlin, die heute gestartet ist. (Bezirksregierung Münster)

Unbezahlte Werbung

Vor eineinhalb Monaten hat Zweiradtechnik-Meisterin Carolin Erkenbölling ihren Fahrradladen „Herz und Speiche“ an der Piusallee 139 eröffnet. Dort verkauft und repariert sie. Falls Sie sich jetzt fragen, ob Münster noch eine Fahrradwerkstatt braucht: Wir finden, ja, diese schon. Im hellen Verkaufsraum fühlt man sich sofort wohl. Carolin Erkenbölling ist sehr freundlich, nimmt ihre Kundschaft und die Anfragen ernst und kann auch sagen: „Damit kenne ich mich nicht aus.“ Neben Reparaturen bietet sie neue Räder der Marke Maxcycles an. Laut ihrer Website möchte sie insbesondere Frauen zu mehr Selbstbewusstsein ermutigen und einen Ort schaffen, an dem sich alle Menschen willkommen fühlen. Noch ein ziemlich guter Grund, einfach mal Dienstag, Mittwoch, Donnerstag oder Freitag zwischen 7 und 17 Uhr oder alternativ montags nach Terminvereinbarung vorbeizuschauen.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Svenja Stühmeier nach Veranstaltungstipps für die kommenden Tage geschaut:

+++ Sind Rechtsaußen-Parteien für Christ:innen wählbar? Wo gibt es möglicherweise kleine Schnittmengen – oder eine unerschütterliche Brandmauer? Mit diesen und vielen weiterführenden Fragen hat sich Theologin Marianne Heimbach-Steins wissenschaftlich beschäftigt. Die Direktorin und Seniorprofessorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Uni Münster hält morgen um 10 Uhr einen Vortrag zum Thema im Franz Hitze Haus. Außerdem gibt es musikalische Begleitung am Klavier von Stefan Schirjajew. Der Eintritt ist frei, zur Planung bittet die ND-Region Münster um Anmeldung unter ndmuensterveranstaltungen@directbox.de.

+++ Die Gruppe Hambastegi ruft morgen um 14 Uhr zur Solidaritätskundgebung an der Stubengasse mit den Protestbewegungen im Iran auf. Das Bündnis Treibhausdefekt startet um 13 Uhr eine Zubringerdemo ab Hauptbahnhof.

+++ Samstag beginnt im LWL-Naturkundemuseum um 14.30 Uhr eine neu konzipierte Führung durch die aktuelle Gene-Ausstellung: 60 Minuten lang tasten und hören sich die Teilnehmenden durch das Museum. Das Angebot ist für Kleingruppen von maximal 10 Personen (inklusive Begleitpersonen) konzipiert und soll so möglichst komfortabel und persönlich sein. Der Eintritt kostet 5 Euro für Erwachsene und nichts für Kinder. Die Führung ist kostenlos.

+++ Morgen um 19 Uhr findet im Specops die Show „Twist it Comedy“ statt. Das ist Standup-Comedy auf Arabisch. Tickets kosten gut 17 Euro im Vorverkauf. Auf dem Instagram-Kanal des Kollektivs können Sie sich einen Eindruck verschaffen.

+++ Montag findet die Finissage der Kirchner-Picasso-Ausstellung im LWL-Museum statt. Und zwar mit einem Konzert des Bläserensembles Embrassy und Lichtinstallationen von Kurt Laurenz Theinert. Los geht es um 19 Uhr im Museumsfoyer. Tickets kosten 25 Euro im Vorverkauf (15 ermäßigt) und 30 an der Abendkasse.

Und sonst?

Christian Pander ist neuer Präsident des SC Preußen Münster. Er löst den bisherigen Amtsinhaber Bernward Maasjost ab. Warum der SC damit wieder auf mehr Zurückhaltung setzt und was das über die Amtszeit von Bernward Maasjost aussagt, erklärt Carsten Schulte in seiner aktuellen RUMS-Kolumne.

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Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Raphael Balke

Mitarbeit: Anna Niere (ani), Jan große Nobis (jgn), Svenja Stühmeier (sst) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer

PS

Gestern waren meine Kollegin Anna Niere und ich bei der Vortragsreihe „12min.me“ und haben darüber gesprochen, warum Lokaljournalismus wichtig für die Demokratie ist. Denn das Problem ist: Die Vielfalt der Medienlandschaft nimmt besonders im Lokalen ab. Obwohl es in Deutschland noch keine Nachrichtenwüsten wie beispielsweise in den USA gibt – also Landkreise, in denen kein Lokaljournalismus mehr angeboten wird – nimmt zumindest die Versteppung auch hierzulande zu. International haben diese Zeitungswüsten deutliche Auswirkungen: Geringere Wahlbeteiligung, steigende Korruption und stärkere Polarisierung. Wenn Sie mehr darüber hören möchten, können Sie das zum Beispiel in diesem Deutschlandfunk-Interview meines Kollegen Ralf Heimann. In den Gesprächen mit Gäst:innen gestern Abend haben wir gemerkt, dass das Thema auch bei den Journalismus-Konsument:innen – also Ihnen, unseren Leser:innen, auf Unmut stößt. Wir versuchen mit RUMS immer wieder unseren Teil zur Meinungsvielfalt beizutragen. Damit uns das auch gelingt, sind wir auch auf Ihre Beobachtungen, Tipps und Meinungen angewiesen. Also schreiben Sie uns gerne, wenn Ihnen in der Stadt etwas auffällt.

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