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Orange Day: Lieb gemeinte Gesten | Missbrauch: Aufarbeitung beim Bistum | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 25. November 2022
am Rathaus, an den Stadthäusern und der Bücherei wehen heute orangefarbene Flaggen. Alles plötzlich RUMS-Fans? Eher nicht. Das Ganze hat einen ernsten Hintergrund, die Farbe soll auf den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. Auch der Landtag in Düsseldorf macht beim sogenannten Orange Day und der Kampagne Orange your city mit. „Zu viele Frauen und Mädchen werden in ihrem Leben Opfer von physischer oder sexualisierter Gewalt“, wird Landtagspräsident André Kuper auf der Website zitiert. Das ist sicher lieb gemeint, aber doch unglücklich formuliert, weil: Wie viele Gewaltopfer wären denn nicht „zu viele“?
Wie vorsichtig man bei solchen Themen mit der Sprache umgehen sollte, war gestern auch bei der Tagesschau zu lesen. Die hat einen Beitrag zur Kriminalstatistik veröffentlicht und titelt „Weniger Gewalt in der Partnerschaft“. Das klingt gut, aber die vollständige Meldung steht im ersten Satz des Beitrags: „Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern ist im vergangenen Jahr leicht gesunken.“ Warum weniger angezeigte Taten leider nicht unbedingt bedeuten, dass es tatsächlich weniger Partnerschaftsgewalt gab, können Sie noch einmal in diesem Beitrag meiner Kollegin Johanne Burkhardt aus dem vergangenen Jahr nachlesen.
Vor den Nachrichten schalten wir jetzt nochmal zurück nach Münster. Denn der Oberbürgermeister hat natürlich auch ein Zeichen und sich selbst gut gelaunt auf eine Bank gesetzt, die aber nicht orange ist, sondern rot. Dort sitzend hat er mit Ursula Saatz vom autonomen Frauenhaus Münster gesprochen, die auch in Johanne Burkhardts Text zu Wort kommt. Was genau die beiden beredet haben, steht nicht in der Pressemitteilung. Aber um konkrete Pläne geht es bei lieb gemeinten Zeichen vielleicht auch nicht.
Missbrauchsfälle: Wie die Kirche mit der Aufarbeitung vorankommt
Fünf Monate nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie und einer ersten Stellungnahme hat Bischof Felix Genn letzte Woche eine Pressemitteilung zum Stand der Aufarbeitung verschickt. Anders als im Juni gab es keine Pressekonferenz mit dem Bischof, denn der war zu dem Zeitpunkt in Rom. Die bischöfliche Pressestelle verschickte die Stellungnahme deshalb per E-Mail. Ich habe in das Papier geschaut. Aber nicht nur. Denn mindestens so interessant wie das, was in der Stellungnahme steht, ist das, was nicht drinsteht. Für den RUMS-Brief habe ich mir angeschaut, wie Missbrauchsbetroffene die Aufarbeitung, die Zusammenarbeit mit dem Bistum und das Verfahren der Anerkennungszahlungen erleben.
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Herzliche Grüße
Constanze Busch
PS
Dieser Brief hat mit Frauen begonnen, konsequenterweise endet er deshalb auch mit einer: mit Mathilde Franziska Anneke. Heute ist ihr Todestag. Und aus diesem Anlass verlinke ich Ihnen hier ein Porträt, das Taz-Redakteurin Waltraud Schwab vor ein paar Jahren zu Annekes Geburtstag geschrieben hat. Ich möchte nicht viel dazu sagen, denn es steht alles in dem wunderbaren Text. Aber um Sie neugierig darauf zu machen, zitiere ich eine Zwischenüberschrift daraus, eine Meisterleistung, wenn Sie mich fragen. Sie lautet: „Sie bekommt einen Sohn, lässt sich davon nicht stoppen.“ (cbu)