Der künstliche Streit zwischen Münster und Umland | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 20. Dezember 2022

gute Nachrichten für Menschen mit Autos sind selten geworden, aber hier haben wir eine: Auf der neuen Rückseite vom Bahnhof kann man jetzt wieder kurzzeitig parken, wenn man wen abladen oder abholen möchte. Das war wegen der Bauarbeiten vorübergehend nicht möglich.

Damit sind wir leider schon wieder bei den schlechten Nachrichten. Die deutsche Umwelthilfe hat in dieser Woche kritisiert, dass Anwohnerparkausweise in Deutschland den Menschen hinterhergeworfen werden. In München steht heute auf der Titelseite der Abendzeitung die Schlagzeile: „Anwohner-Parken: viel zu billig?“ Die Neue Westfälische in Bielefeld schreibt: „Umwelthilfe: Parken für Anwohner zu billig.“

Jetzt noch schnell ein Blick in die Westfälischen Nachrichten. Ach, hier ist ja schon mal die Agenturmeldung. Aber wo ist sie in der Zeitung? Kleinen Augenblick, das haben wir gleich. Vorne im Mantelteil? Nein, vielleicht gestern? Auch nicht. Aber Moment, hier auf der Westfalen-Seite geht es doch ums Parken. Allerdings nicht um die Anwohnerparkausweise, sondern um eine Geschichte mit einem anderen Spin – um die notorische Kritik aus dem Umland an der Verkehrspolitik in Münster. Überschrift: „Münster muss erreichbar bleiben.“ Das ist ein Zitat des Warendorfer Landrats Olaf Gericke. Der sagt allerdings, das Problem sei gar nicht der gesperrte Domplatz. Es sei eher das Signal, das aus Münster ans Umland gehe.

Und das ist ganz interessant. Immer wenn Münster versucht, die von Jahr zu Jahr größer werdende Menge an Autos in der Innenstadt ein kleines bisschen zu regulieren, fragt man sich im Umland: Was haben die gegen uns?

Die Kasseler Verkehrswissenschaftlerin Angela Francke hat vor zwei Tagen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt: „Um Gewohnheiten zu ändern und nachhaltige Mobilität zu stärken, wird das Auto an Attraktivität verlieren müssen.“

In der gegenwärtigen Konstellation in Münster und um Münster herum würde das bedeuten: Jeder weitere Schritt in Richtung Mobilitätswende würde in Warendorf ankommen wie eine Herabwürdigung. Das Eigenartige ist: Dort empfängt man Signale, die so gar nicht gesendet werden sollten. Die Domplatz-Debatte zeigte das eindrucksvoll.

Aus Perspektive von Münsters Rathauskoalition sieht die Sache so aus: Wenn umweltfreundliche Verkehrsmittel im Wettbewerb mit dem Auto überhaupt eine Chance haben sollen, muss man aufhören, das Auto künstlich zu subventionieren. Man muss ein Ungleichgewicht beseitigen.

Nur, ein Ungleichgewicht ist von der anderen Seite aus gar nicht zu erkennen. Von dort scheint es, als wolle man das Auto künstlich verteuern, um… ja, warum eigentlich? Weil man etwas gegen das Auto hat? Oder gegen das Umland?

Die Zeitung in Warendorf druckte in der vergangenen Woche eine Karikatur, die genau diesen Verdacht illustriert. Sie zeigt auf der einen Seite eine junge Frau und Münsters Innenstadt, die Frau wedelt mit einem 29-Euro-Ticket. Auf der anderen Seite steht ein Auto aus Warendorf vor der Stadt, am Steuer eine Kuh. Die Frau sagt: „Wir haben dich zum Melken gern, aber der Stinker bleibt draußen.“

Das Bündnis möchte umweltfreundliche Verkehrsmittel attraktiver machen, indem es sie mit den Einnahmen aus Parktickets querfinanziert. In Warendorf kommt an: Das Umland soll Münsters günstiges Busticket bezahlen. Was läuft da schief?

Wenn ein sachliches Problem auf eine persönliche Ebene gerät, steckt dahinter oft entweder eine Kränkung oder eine politische Absicht. Oder beides. Hier gäbe es Hinweise auf beides.

In Münster ist man stolz auf die schöne Stadt, auf den Wohlstand, auf die vielen Rankings, in denen man vorne steht. Und dass man für die meisten Wege kein Auto braucht, das führt man nicht nur darauf zurück, dass das Stadtgebiet vergleichsweise klein ist, sondern auch darauf, dass man im Kopf schon etwas weiter ist als ländliche Umland. So entsteht schnell der Eindruck, man sei überheblich und eingebildet. Und wenn dieser Verdacht besteht, ist es besonders wichtig, miteinander zu sprechen und Botschaften so zu übermitteln, dass sie auch richtig ankommen. Das könnte das Rathausbündnis in Münster besser machen.

Auf der anderen Seite sind da die politischen Vorstellungen. In den Umlandkreisen regiert fast durchweg die CDU. Nur der Landrat in Steinfurt hat kein Parteibuch. Als er noch eins hatte, war auch er in der CDU. Sie alle vertreten die Interessen der Menschen, die mit dem Auto fahren müssen oder wollen. Und wenn man eine Politik verhindern möchte, die dem Auto gefährlich wird, ist der beste Weg, Ressentiments zu verstärken und Gräben zu vertiefen. Jedes Mal, wenn man irgendwo das Wort „Ideologie“ sieht oder hört, ist genau das die Absicht. Das muss man wissen. Die sachliche Lösung eines Problems beginnt in der Regel anders, nämlich mit der gemeinsamen Suche nach Schnittmengen. (rhe)

Was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Seit 2018 verpflichtet die sogenannte Istanbul-Konvention alle staatlichen Institutionen in Deutschland dazu, Frauen vor Gewalt zu schützen und Gewaltbetroffene zu unterstützen. Berichte eines EU-Gremiums und eines Bündnisses in Deutschland zeigen: Es passiert noch zu wenig, die Anforderungen der Konvention sind noch nicht erfüllt. Das zu tun, ist nicht nur Aufgabe von Bund und Ländern, sondern auch der Kommunen.

Münster soll jetzt einen Aktionsplan zur lokalen Umsetzung bekommen. Dazu wird das Amt für Gleichstellung um eine halbe Stelle aufgestockt; das Geld dafür hat der Rat am vergangenen Mittwoch mit dem Haushalt für 2023 beschlossen. Constanze Busch hat sich angeschaut, was der Aktionsplan leisten und wie es dann weitergehen soll.

Und Sebastian Fobbe hat sich mit einer Panne bei den Sparkassen beschäftigt. Haben Sie ein Konto dort? Dann kann es sein, dass die Bank Ihnen noch Geld schuldet.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann

PS

Die Feuerwehr gibt schon jetzt Tipps für ein sicheres Weihnachtsfest. Die Kurzzusammenfassung der Stadt lautet: „Kerzen im Blick behalten, Rauchmelder, Achtung bei spritzendem Fett“. So schließen Sie einige größere Risiken aus. Dazu hätten wir auch noch ein paar Empfehlungen: Schließen Sie die Haustür, wenn Sie über Weihnachten zur Familie fahren. Verbrennen Sie Geschenkverpackungen auf keinen Fall in Innenräumen. Gleiches gilt für Geschenke. Und ganz wichtig: Auch wenn es Ihnen nach vier Gläsern Rotwein so erscheinen sollte, alte Familienstreitigkeiten lassen sich auf keinen Fall lösen, indem man einfach mal sagt, wie es doch in Wirklichkeit ist. Wir schauen jetzt gleich mal, wie gut das uns selbst gelingt. Heute Abend ist die RUMS-Weihnachtsfeier. (rhe)

PPS

Und noch eine letzte Sache, die nichts mit der RUMS-Weihnachtsfeier zu tun hat, sondern mit Urlaubstagen und der Personallage in Kitas. Wenn Sie am Donnerstag in der Redaktion einen Gewinn aus unserem Adventskalender abholen möchten, dann ist das zwischen 9 bis 11.30 Uhr möglich. Klopfen Sie am besten an die Scheibe. Das geht etwas schneller als Klingeln. Aber klopfen Sie nicht so laut. Ich bin sehr schreckhaft. (rhe)

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