Die weitgehend böllerfreie Innenstadt kommt | Karstadt und Kaufhof: Was passiert, wenn einer geht? | Alles von RUMS 3 Monate zum halben Preis lesen

Porträt von Sebastian Fobbe
von Sebastian Fobbe

Münster, 6. Januar 2023

auch ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr und alles Gute für 2023.

Gestern ist die erste RUMS-Prophezeiung des Jahres eingetreten: Münster bekommt eine weitgehend böllerfreie Innenstadt. Die Nacht des 31. Dezember 2023 soll ruhiger werden als der vergangene Silvesterabend. Dazu möchte die Stadt Verbotszonen für Feuerwerk in der Altstadt einrichten. Am Domplatz, am Prinzipalmarkt und in den angrenzenden Straßen wird das Geböller und Geknalle komplett verboten sein.

Die Stadt begründet das Verbot in der dazugehörigen Pressemitteilung damit, dass das „Stör- und Unfallpotential“ wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht habe. Außerdem brauche es mehr „Aufklärung über die Gefahren von Pyrotechnik, insbesondere in Verbindung mit erhöhtem Alkoholkonsum“.

Das hört sich doch alles ganz vernünftig an: Silvesterraketen sind sehr laut und können eine Gefahr für Menschen und Tiere sein, und sie verschmutzen die Innenstadt. Deshalb verbieten wir die Raketen. Und noch nicht jede:r hat verstanden, dass es eine wirklich dumme Idee ist, besoffen ein riesiges Feuerwerk abzufackeln oder Böller auf fremde Leute zu werfen. Deshalb erklären wir es allen noch mal.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich persönlich hege keinerlei Sympathien für das Männervergnügen, in der Silvesternacht feuerwerksmäßig so richtig die Sau raus zu lassen. Ein Böllerverbot ist trotzdem eine weitreichende Maßnahme – aber ist sie auch verhältnismäßig? Halten sich die Leute überhaupt daran? Wenn wir mal kurz über die Grenze in die Niederlande schauen, wo am 31. Dezember vielerorts das Böllern untersagt war, sehen wir: Das Verbot hat dort niemanden so richtig interessiert.

Wie wir am Dienstag berichtet haben, war es an Silvester in Münster recht ruhig. Die Polizei, die Feuerwehr und der Rettungsdienst mussten zwar immer mal wieder ausrücken, aber für Silvesterverhältnisse nicht besonders oft. Auch die Stadt räumt in der Pressemeldung ein, dass es hier nicht zu Ausschreitungen kam, anders als in anderen Großstädten. Einige haben sich dennoch komplett danebenbenommen: Am Domplatz und in der Umgebung flogen viele Böller gezielt auf feiernde Menschen.

Ausbaden mussten das die Notaufnahmen. Die Uniklinik teilte uns am Dienstag mit, dass es dort ungewöhnlich voll gewesen sei und die Ärzt:innen besonders viele Verletzungen im Gesicht und am Auge behandeln mussten. Drei Patient:innen haben ihre Sehkraft in der Silvesternacht verloren.

Ob ein Böllerverbot als Maßnahme taugt, darüber herrscht bei den Klinikmediziner:innen keine Einigkeit. Sebastian Dries von der Augenklinik findet die Idee nicht schlecht. Die Augenverletzungen sorgten nicht nur an Silvester für viele Aufnahmen, sondern müssten auch im Nachgang weiterbehandelt werden.

Der Leiter der Unfallchirurgie, Michael Raschke, hält dagegen generell wenig von Verboten, sagt aber, die Böllerei beanspruche die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen stark. Das belaste letztlich die Solidargemeinschaft.

Beim Jahreswechsel von 2021 auf 2022 hatten die Notaufnahmen an der Uniklinik jedenfalls deutlich weniger zu tun. In der Augenklinik wurden zwei schwere Wunden behandelt, die Unfallchirurgie musste keine Notoperationen wegen Sprengverletzungen durchführen.

Kurzum: Die weitgehend böllerfreie Innenstadt mag für die einen ein Verbot bedeuten – für die anderen ist sie aber Schutz und Entlastung. Die Widerstände gegen das Böllerverbot dürften sich in Grenzen halten. Laut einer aktuellen Umfrage befürworten fast zwei Drittel der Deutschen ein solches Verbot. Und es muss ja nicht direkt alles scheppern, bevor sich politisch etwas ändert.

Ob in diesem Jahr ein zentrales Feuerwerk in Münster stattfindet, kann die Stadt noch nicht sagen. Macht aber auch nichts. Bis eine Lösung gefunden ist, bleiben ja noch 359 Tage. (sfo)


Karstadt und Kaufhof: Was passiert, wenn einer geht?

Der Konzern Galeria Karstadt-Kaufhof ist insolvent. Für Münster bedeutet das: Mindestens eine der beiden Filialen in der Innenstadt könnte schließen, auf den drohenden Leerstand muss sich die Stadt also vorbereiten. Wie könnte es weitergehen? Darüber habe ich mit Stefan Müller-Schleipen von der Initiative Die Stadtretter gesprochen. Er hat mir erzählt, wie andere Städte mit leeren Kaufhäusern umgehen.

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Ein-Satz-Zentrale

+++ Der Verein Sozialpalast und das Kollektiv „Gazometer“ haben das Gasometer-Gelände geräumt und den Stadtwerken die Schlüssel übergeben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Bis zum Ende des Jahres hat die Bezirksregierung es nicht geschafft, die Frage zu beantworten, ob Münster in Roxel eine Gesamtschule eröffnen darf, aber bis Ende Januar soll es was werden. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Studierendenausschuss Asta will das Semesterticket neu verhandeln, weil es gegenüber einem 49-Euro-Ticket keine großen Vorteile mehr hätte. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ein neues Netzwerk will sich mit dem Problem beschäftigen, dass Medizin meistens auf Männer zugeschnitten ist. (Uni Münster)

+++ Münster hat zu wenig Sternsinger:innen. (Antenne Münster)

+++ Weil Personal krank ist und es auch noch Probleme mit den Geldautomaten gibt, bleibt die Postbank am Domplatz am Samstag geschlossen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ein 60-jähriger Arzt aus Münster ist vom Amtsgericht Bad Iburg zu vier Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt worden, weil er sich auf seinem Dienstrechner Videos von Kindesmissbrauch angesehen hat, hofft aber in der nächsten Instanz auf ein anderes Urteil. (Westfälische Nachrichten)

+++ Nachdem die erst im vorletzten Sommer eröffnete Bar Italia an der Hammer Straße schon wieder Geschichte ist, zieht dort nun eine neue Bar ein, eine sizilianische. (Westfälische Nachrichten)

+++ Seit dieser Woche laufen die Anmeldungen an den weiterführenden Schulen in Münster. (Stadt Münster)

+++ Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hat für den 20. Januar zu Protesten auf dem Prinzipalmarkt aufgerufen, denn dann ist beim Neujahrsempfang der AfD im Rathaus der Faschist Björn Höcke zu Gast. (Alles Münster)


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Was verbinden Sie mit Honig? Blühende Wiesen? Duftende Wälder? Summende Bienen? Auch mitten in Münster, versteckt auf dem Dach des Borromaeums am Domplatz, finden sich Bienenvölker. Der Biologiestudent Leonard Trau kümmert sich um sie, und er verkauft den Honig dieser Bienen. Wenn Sie Interesse haben, erreichen Sie Leonard Trau unter 0152 54261231 oder per E-Mail. Abholen können Sie den Honig dann im Kuhviertel. Wir versprechen Ihnen: Es lohnt sich!

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

PS

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, Ihre Kolleg:innen arbeiten viel weniger als Sie? So muss es wohl einigen Angestellten der Stadt Münster gehen. Sie melden offenbar emsig ihre Kolleg:innen aus dem Ordnungsamt, weil die ihrer Meinung nach zu wenig gegen die Autos auf den Geh- und Radwegen in Münster unternehmen. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man sich eine Liste ansieht, die das Portal Weg.li bei Twitter veröffentlicht hat. Über den Dienst kann man dem Ordnungsamt mitteilen, wo Menschen falsch parken. Die Liste zeigt, dass ungewöhnlich viele Beschwerden aus Münster von E-Mail-Adressen mit der Endung „@stadt-muenster.de“ eintrudeln. Wir fragen uns jetzt: Ist das eine liebevolle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter Kolleg:innen – oder ist es ein Hilferuf aus dem Ordnungsamt?

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