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Frauenhäuser am Limit | Chili-Burger von Nabati | RUMS lesen und 3 Monate den halben Abopreis zahlen


Münster, 7. März 2023
im vergangenen Jahr waren 83 Prozent aller Plätze in den deutschen Frauenhäusern besetzt. An 303 von 365 Tagen konnten die Schutzeinrichtungen keine Frauen aufnehmen.
Diese erschreckenden Zahlen hat der Rechercheverein Correctiv gestern veröffentlicht. Ein Jahr lang hat Correctiv dazu dreimal täglich die Auslastung in den Frauenhäusern in allen Bundesländern (außer in den Stadtstaaten) abgefragt.
Aber wie sieht es derzeit in Münster aus? Darüber hat Constanze Busch im Dezember für RUMS berichtet und unter anderem mit Ursula Saatz vom autonomen Frauenhaus Münster gesprochen. Im Moment gibt es in der Stadt drei Frauenhäuser mit insgesamt nur 24 Plätzen. Das ist zu wenig, denn der Europarat sieht pro 10.000 Einwohner:innen einen Familienplatz im Frauenhaus vor. Und die bestehenden Plätze sind dabei nicht mal durchfinanziert. Frauen müssen ihren Platz mitbezahlen oder Sozialleistungen beantragen, wenn sie nicht das nötige Geld für den Aufenthalt mitbringen.
Auch zurzeit ist die Lage angespannt. Eine kurze Abfrage heute Vormittag zeigt: Nur das Frauenhaus in Hamm kann momentan gewaltbetroffene Frauen aufnehmen. Alle anderen Einrichtungen in Münster und Umgebung sind komplett ausgelastet. Das Problem dabei: Laut Correctiv müssen Frauen Glück haben, wenn sie Schutz brauchen. Wenn ein Platz frei werde, sei es meist nur eine Frage von wenigen Stunden, bis er wieder besetzt ist, heißt es in der Recherche.
So kann das definitiv nicht weitergehen. Die zentrale Informationsstelle autonomer Frauenhäuser will sich diese Extrembelastung nicht mehr länger gefallen lassen und hat deshalb heute vor dem Brandenburger Tor in Berlin demonstriert, passend zum internationalen Frauentag, der morgen stattfindet. Der Frauenhausstreik soll dabei eine Botschaft vermitteln, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Es braucht mehr Plätze, mehr Personal und mehr Geld, um allen Frauen und Kindern Schutz vor häuslicher Gewalt zu ermöglichen. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale
+++ Nachdem ein Programmfehler für Chaos bei der Vergabe von Kita-Plätzen gesorgt hat, soll der Kita-Navigator die Plätze am Donnerstag neu zusammenwürfeln. (Antenne Münster)
+++ Verdi plant am Mittwoch einen Warnstreik, der die Kindertagesstätten und den Regionalverkehr in Münster betreffen wird. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Stadt Münster will mithilfe von sogenannten Starkregengefahrenkarten für die Gefahren von Überschwemmungen sensibilisieren und Tipps dazu geben, wie Menschen ihre Grundstücke schützen können. (Stadt Münster)
+++ Die CDU in Gelmer und Dyckburg hat sich für die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Variante einer neuen Unterführung zwischen Mariendorf und Sudmühle ausgesprochen und die Grünen für ihre Vorschläge kritisiert. (CDU Münster)
+++ Die FDP-Ratsfraktion warnt vor überstürzten Maßnahmen aufgrund einer neuen EU-Berechnungsmethode zur Lärmbelastung in Münster, denn die führe zwar auf dem Papier zu mehr Betroffenen, aber nicht zu mehr Lärm. (FDP Münster)
+++ Der Automobilclub ADAC kritisiert, dass die Stadt nur an Bußgeldeinnahmen interessiert sei, nicht an der Vermeidung von Unfällen. (Westfälische Nachrichten)
+++ In Münster gibt es immer weniger Schulabbrecher, was die Stadt auf ihre eigenen Bemühungen und die der Schulen zurückführt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat an einem Treffen von 60 Opfern kirchlichen Missbrauchs teilgenommen und dabei zugesagt, die Anwaltskosten zu übernehmen. (WDR)
+++ Ein Forschungsprojekt aus Münster ist die Basis einer neuen DIN, die es möglich macht, den Brennstoff bei der Herstellung von Zement aus Müll genauer zu messen, um Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen. (FH Münster)
+++ Die Bildungsgewerkschaft GEW ist nicht zufrieden mit den angebotenen Tarifsteigerungen und wird morgen an den Streiks der Gewerkschaft Verdi teilnehmen. (GEW-Pressemitteilung, nicht online)
+++ Die Villa ten Hompel bietet ein neues Projekt mit dem Namen „Erzähl mal… Spurensuche zur NS-Familiengeschichte“ an, das Menschen dabei helfen soll, die Geschichte ihrer Familie im Nationalsozialismus zu erforschen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Am 9. März findet ein landesweiter Warntag in Deutschland statt, bei dem Sirenen und Mobiltelefone getestet werden, um sicherzustellen, dass alle Warnsysteme funktionieren und einsatzbereit sind. (Stadt Münster)
+++ Die Notfallseelsorge in Münster sucht Ehrenamtliche, die Menschen in Krisensituationen zur Seite stehen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Polizei sucht eine Person, die eine mit Moos bewachsene Ritter-Steinfigur vermisst, die an der Zumsandestraße gefunden wurde. (Polizei Münster)
Unbezahlte Werbung
Wer auf der Wolbecker Straße einen Imbiss sucht und stadtauswärts bis zur Herz-Jesu-Kirche durchhält, findet irgendwann das Restaurant Nabati. Auf einem Schild steht: „Vegetarisch und mehr.“ Und das bekommt man auch. Burritos, Börek, Falafel, Burger oder Sandwiches. Wir empfehlen den leckeren, aber sehr scharfen Chili-Burger mit Pommes. Hier geht’s zur Speisekarte.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute hat Frieda Krukenkamp für Sie in die Veranstaltungskalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ Zum Weltfrauentag widmen sich das Gleichstellungsbüro und das Exzellenzcluster „Religion & Politik” der Uni Münster dem Thema Frauen und Religion. Im Hörsaal der Johannisstraße 4 finden am Mittwoch um 16:15 Uhr ein Vortrag und eine Podiumsdiskussion statt. Mehr Infos finden Sie hier.
+++ Am gleichen Abend findet in der Petrikirche ein politisches Nachtgebet zur Klimakrise und zum Frauentag statt. Es geht um Unterdrückung und Veränderung. Um 20 Uhr startet das Programm, man kann jederzeit dazukommen.
+++ Morgen ist Comedienne Lisa Feller ab 12 Uhr vor dem Stadtmuseum und nimmt Platz auf der Roten Bank – Sitznachbar:innen sind herzlich willkommen. Die Bank ist ein Symbol gegen Gewalt an Frauen. Im Museum läuft gerade die Wanderausstellung „Was ich anhatte“. Sie zeigt Kleidungsstücke, die Frauen bei sexuellen Übergriffen getragen haben. Noch bis zum kommenden Sonntag (12. März) können Sie die Ausstellung besuchen. An diesem Tag gibt es auch eine Abschlussveranstaltung.
+++ Wie geht es weiter mit den Gesamtschulen in Münster? Eine Schul-AG der Grünen lädt am Donnerstag um 19 Uhr zu einem Rundgang in die Mathilde-Anneke-Gesamtschule ein. Danach können Sie mit Thomas Paal, dem Schuldezernenten der Stadt, und Christoph Kattentidt, dem Fraktionssprecher der Grünen, ins Gespräch kommen.
+++ Sie kennen sicherlich die eine oder andere Verschwörungserzählung. Und vielleicht kennen Sie auch eine Person, die irgendwie an diesen Quatsch glaubt. Das macht den Umgang miteinander schnell kompliziert. In einer Veranstaltung in der Villa ten Hompel erklärt Sozialpsychologin Jana Schneider am Donnerstagabend, welche Faktoren Menschen anfälliger für solche Erzählungen machen und wie man wieder miteinander ins Gespräch kommen kann. Los geht es um 19 Uhr, man muss sich nicht anmelden. Die Veranstaltung findet auch online statt.
Und was steht sonst alles im RUMS-Brief?
Gestern und heute Vormittag hat es geschneit. Vielleicht haben Sie sich über die Flocken gefreut, vielleicht ist Ihnen das graue Wetter aber auch zuwider. Für Menschen, die auf der Straße leben, ist die Kälte lebensbedrohlich. Ich war habe im vergangenen und diesem Jahr mehrmals die Winternothilfe am Albersloher Weg besucht. Auf dem Brachland hinter dem Jovel kommen jeden Winter maximal sechzig obdachlose Männer in ehemaligen Frachtcontainern unter. Ziel dieses Projekts ist es, den Kältetod zu verhindern.
RUMS-Praktikantin Frieda Krukenkamp hat auch eine Geschichte für Sie recherchiert. Ihr war aufgefallen, dass immer mehr Zugvögel in Münster überwintern oder früher aus ihren warmen Domizilen zurückkehren, zumindest scheint es so. Aber stimmt diese gefühlte Wahrheit auch? Frieda Krukenkamp hat über diese Frage mit einem Ornithologen von den Rieselfeldern gesprochen.
Das klingt doch alles interessant, meinen Sie nicht auch? Falls Sie jetzt Lust bekommen haben, jede Woche unsere Recherchen zu lesen, dann abonnieren Sie doch einfach RUMS. In den ersten drei Monaten spendieren wir Ihnen den halben Abopreis.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
PS
Morgen feiern wir den internationalen Frauentag. Aber wussten Sie, dass schon heute ein feministisches Fest stattfindet? Es heißt Purim und wird manchmal auch als jüdischer Karneval bezeichnet. Nicht ohne Grund: Die Gemeindemitglieder treffen sich zu Purim in der Synagoge, um zu singen, zu tanzen, zu essen und so viel Alkohol zu trinken, bis sie nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Tatsächlich geht das Fest aber auf eine heldenhafte Rettung des jüdischen Volkes zurück, ich möchte lieber heldinnenhafte Rettung sagen. Im persischen Reich wollte der Regierungsbeamte Haman alle Jüd:innen ausrotten. Königin Ester gelang es aber, diese Pläne zu durchkreuzen: Sie überredete ihren Ehemann, diesen Befehl zu verweigern. Nebenbei gab sich Ester selbst als Jüdin zu erkennen, Hamans Plan hätte also auch ihren Tod bedeutet. Für die Autorin Eidel Malowicki steckt in dieser Geschichte eine feministische Botschaft: „Mutig auftreten und sich gegen patriarchale Strukturen durchsetzen.“ In diesem Sinne: Chag Purim Sameach!