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Ein neuer Name fürs Lyrikertreffen | Badridschani und Bockshornklee | 3 Monate RUMS lesen zum halben Preis


Münster, 13. Oktober 2023
Anfang November tagt wieder der Rat der Stadt Münster. Die Tagesordnung steht noch nicht fest, aber im Ratsinfosystem finden sich schon die ersten Papiere, über die beraten und abgestimmt werden soll.
Eine neue Beschlussvorlage schlägt vor, das Lyrikertreffen Münster geschlechtergerecht umzubenennen. Seit 1979 richtet das Kulturamt das Literaturfestival aus, bei dem auch ein Poesiepreis verliehen wird. Das nächste Mal soll die Veranstaltung 2024 stattfinden – dann unter einem anderen Namen.
Bislang war der neue Name fürs Lyrikertreffen noch kein Thema in den Ausschüssen. In diesem Jahr gab es aber schon einmal eine Debatte um eine gendergerechte Umbenennung. Damals ging es um den Preis, der zu dem Zeitpunkt noch Historikerpreis hieß. Den vergibt die Stadt in unregelmäßigen Abständen.
Im Januar schlug die Jury des damaligen Historikerpreises vor, ein Gendersternchen in den Titel zu packen. Als Alternative hatte sie eine weitere Variante diskutiert: „Preis der Stadt Münster für (herausragende) Geschichtswissenschaft“.
Der Vorteil dieser sperrigen Bezeichnung: Sie hätte das Gendern elegant umschifft. So hätte es auch die CDU am liebsten gehabt. Zum Schluss entschied sich der Rat aber für das Sternchen im „Historiker*innenpreis“. Der Vorteil hier: Der Markenkern der Auszeichnung bleibt erhalten.
Bis dahin hatte der alte Name übrigens ganz gut gepasst, schließlich gewannen seit 1981 ausschließlich Männer den Preis. Scheint allerdings so, als sei die Diskussion gerade rechtzeitig gekommen: Dieses Jahr hat zum ersten Mal eine Frau die Auszeichnung erhalten, nämlich Geschichtsprofessorin Ute Daniel.
Als die Westfälischen Nachrichten über die Bekanntgabe berichteten, erfuhr man allerdings kaum etwas über die Preisträgerin. In einem Abschnitt schreiben die WN zwar der Vollständigkeit halber die wissenschaftliche Begründung aus der Pressemitteilung der Stadt ab, mit der die Jury die Preisvergabe erklärt. Das war’s aber dann auch schon zur wissenschaftlichen Leistung von Ute Daniel.
Ansonsten dreht sich der Artikel um den Streit über das neue Sternchen im Historiker*innenpreis. Und genau dahinter steckt das Problem von Debatten über geschlechtergerechte Sprache: Die Aufmerksamkeit geht weg vom Inhalt. Stattdessen geht es um Formulierungen und Schreibweisen.
Zurück zum Lyrikertreffen. Warum überhaupt die Umbenennung und was ist geplant? „Gerade in einem sprachsensiblen Umfeld eines solchen Festivals muss es das Ziel sein, alle Geschlechter sprachlich bestmöglich zu repräsentieren, niemanden zu diskriminieren und möglichst alle Menschen durch Sprache sichtbar zu machen“, schreibt die Verwaltung in der Beschlussvorlage.
Das ist doch ein Anliegen, das alle mittragen dürften. Und damit es dieselbe Diskussion über Sternchen nicht noch einmal gibt und wir aus der Zeitung etwas über die Preisträger:innen lesen können, hat sich die Verwaltung was Kluges ausgedacht: Als neue Bezeichnung schlägt die Verwaltung den Begriff „Lyriktreffen“ vor. Ohne die zwei Buchstaben in der Mitte ist auch schon alles gesagt. Manchmal kann das Gendern ganz einfach sein. (sfo)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Der Schlossplatz ist ab Sonntag für den Herbstsend gesperrt, parken können Sie dort wieder ab November. (Stadt Münster)
+++ Die Bösenseller Straße wird wegen Bauarbeiten zwischen dem 18. und 27. Oktober für Auto- und Radfahrende sowie Fußgänger:innen gesperrt. (Stadt Münster)
+++ Wegen Bauarbeiten rund um Osnabrück hält der Fernverkehr an den kommenden zwei Wochenenden nicht in Münster, die Einschränkungen im Regionalverkehr werden in der Bahn-App bekannt gegeben. (Deutsche Bahn)
+++ Die Arbeiten an der Bremer Straße sollen bis 2026 dauern. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Stadt hat auf der Wolbecker Straße zwischen dem Hansaring und dem Servatiiplatz Ladezonen eingerichtet, damit die Paketdienste nicht mehr auf den Radwegen parken müssen. (Stadt Münster)
+++ Die Margaretenschule in Mauritz wird auf die Dreizügigkeit vorbereitet. (Stadt Münster)
+++ Auf dem ehemaligen Westfalen-Areal soll das neue Schlaun-Gymnasium entstehen, die Gremmendorfer:innen und Angelmodder:innen wünschen sich aber auch eine sechszügige Gesamtschule im Stadtbezirk. (Westfälische Nachrichten)
+++ An der Uni Münster studieren jetzt wegen einer Vergabepanne deutlich mehr Menschen, sie sieht den Fehler aber nicht auf ihrer Seite. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die SPD hatte sich einen Wanderweg entlang der Aa gewünscht, das Grünflächenamt lehnt dies ab, da die Aa-Auen ein „wichtiger Rast- und Rückzugsraum für die Tierwelt“ sind. (Westfälische Nachrichten)
+++ Der Münsteraner Fraktionsvorsitzende der Linken, Ulrich Thoden, hat einen Ausschlussantrag gegen Sahra Wagenknecht mitunterzeichnet. (Linke-Pressemitteilung, nicht online)
Unbezahlte Werbung
Heute bekommen Sie nicht nur einen Einkaufstipp, sondern auch ein Rezept, das ich aus dem Georgien-Urlaub mitgebracht habe. Das Gericht, um das es geht, hört auf den schönen Namen Badridschani. Vielleicht kennen Sie es aus der Kochsendung von Jan Böhmermann, denn im Juli hat Anke Engelke das Gericht in einer sehr unterhaltsamen Folge zubereitet. Falls Ihnen Badridschani auf Anhieb nichts gesagt: Das sind Auberginenröllchen, die mit einer Wallnusspaste gefüllt und Granatapfelkernen garniert werden. Wie Sie Badridschani nachkochen können, finden Sie hier.
Wichtige Zutat für den richtigen Geschmack ist Bockshornklee. Das Gewürz habe ich bei meinem Stammsupermarkt leider nicht gefunden – wohl aber auf dem Wochenmarkt. Der Stand von Angelika Pollak verkauft eine ganze Reihe toller Gewürze und außerdem noch getrocknete Kräuter und viele Teesorten.
Noch ein kleiner Extratipp: Wenn Sie Lust haben, morgen auf Gewürzejagd zu gehen, schauen Sie auf dieser Karte nach. Dort trägt die Stadt ein, wo alle Marktbeschicker:innen im Moment ihre Stände haben. „Gewürze Pollak“ steht zurzeit gegenüber der Bezirksregierung, hinter dem Olivenstand. (sfo)
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Fabian Cohrs hat heute ein paar schöne Veranstaltungen für Sie herausgesucht:
+++ Am Sonntag tritt Max Goldt im Atlantic Hotel auf. Der Schriftsteller mit Erfahrung im Comic-, Hörspiel-, und Musikbereich beschäftigt sich meistens mit Kuriositäten und Nebenschauplätzen des Alltags. Um 20 Uhr geht’s los, Tickets gibt es für knapp 24 Euro hier.
+++ Bis Sonntag läuft das Kinderfilmfest Münster. Das haben unter anderem Studierende der Fachhochschule gestaltet. Morgen um 15 Uhr läuft beispielsweise ein Klassiker: „Das fliegende Klassenzimmer“. Hier finden Sie das Programm.
+++ Kommenden Donnerstag, 19. Oktober, ist Luisa Neubauer in Münster. Die Fridays-for-Future-Aktivistin wird einen Vortrag über Klima- und Friedenspolitik halten und die Zusammenhänge und die möglichen politischen Entscheidungen vorstellen. Im Anschluss soll es eine Diskussion geben. Stattfinden wird der Vortrag um 19:30 Uhr im Fürstenberghaus, um Anmeldungen wird hier gebeten.
+++ Sonntagnachmittag findet im Café Lockvogel ein kleiner Flohmarkt statt. Zwischendurch können Sie eine Pause bei Kaffee und Kuchen machen. Der Markt läuft von 14 bis 18 Uhr, mehr Infos, auch zu weiteren Terminen, gibt es hier.
+++ Max Czollek kommt am Donnerstag mit seinem „Versöhnungstheater“ nach Münster. In dem Essayband stellt er die Frage: Wie erinnern Menschen in Deutschland eigentlich an den Holocaust? Und: Was bringt diese Erinnerungskultur? Los geht es um 19 Uhr in der Villa ten Hompel. Die Veranstaltung kostet nichts. Da wahrscheinlich viele Leute hingehen möchten, wird die Veranstaltung online übertragen. Hier der Zoom-Link.
+++ Und zum Schluss noch mal der Hinweis auf „Baddabäm!“, die Late-Night-Show im Specops, über die Ralf Heimann am Dienstag mit ihrem Initiator Jonas Riemer gesprochen hat (RUMS-Brief). Die erste Ausgabe der parapolitischen Abendunterhaltung thematisiert nichts Geringeres als das „Abenteuer Kommunalpolitik“ und beginnt morgen um 20 Uhr. Tickets gibt’s vor Ort oder hier ab 11 Euro. Mit dabei: RUMS-Redakteurin Svenja Stühmeier.
Was steht sonst so im RUMS-Brief?
Wer aus Münster kommt, weiß, was Speckbrett ist. Wer nicht aus Münster kommt, hat wahrscheinlich nur in seltenen Fällen etwas von dem tennisartigen Sport gehört. Denn Speckbrett hat es nie wirklich aus Münster herausgeschafft. Lars Graue von der Reportageschule Reutlingen war dabei, als sich einige Spieler auf die Speckbrett-Stadtmeisterschaften vorbereitet haben. Er hat für RUMS aufgeschrieben, welche Welt er auf dem Spielfeld angetroffen hat. Rosa Tägtmeyer hat die Fotos zur Reportage geschossen.
Das klingt doch interessant, oder? Wenn Sie das genauso sehen wie ich, dann abonnieren Sie doch jetzt RUMS. In den ersten drei Monaten lesen Sie alle Ausgaben nur zum halben Preis.
Am Dienstag bekommen Sie wieder Post von uns. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Imke Noetzel (ino), Svenja Stühmeier (sst)
Lektorat: Antonia Strotmann
PS
Nächste Woche beginnt die Frankfurter Buchmesse. Das bedeutet: Der deutsche Buchpreis wird für den Roman des Jahres 2023 verliehen. An dieser Stelle möchte ich aber auf eine andere Auszeichnung aufmerksam machen, die auch in Frankfurt verliehen wird und eher unbekannt ist: die Übersetzerbarke. Sie zeichnet jedes Jahr Menschen oder Institutionen aus, die sich in der Literaturübersetzung verdient gemacht haben. 2023 geht die Barke an die Redaktion von Tralalit. Das Onlinemagazin, für das ich auch schon schreiben durfte, rezensiert seit 2018 übersetzte Literatur und besingt damit die „unbesungenen Helden der Literatur“. Über dieses Engagement hat Gründungsmitglied Felix Pütter neulich im Deutschlandfunk gesprochen. Am Mittwoch erhält Tralalit die Übersetzerbarke. In Empfang nehmen wird den Preis auch unsere ehemalige Lektorin Lisa Mensing als Teil der Tralalit-Redaktion. Herzlichen Glückwunsch! (sfo)
PPS
Zum Schluss noch eine Nachricht in eigener Sache, die unerfreulich ist: Die RUMS-Kolumne von Anna Stern muss am Sonntag wegen Corona leider ausfallen. Von uns allen gute Besserung! (sfo)