Mit Glühwein gegen die Bädermisere | Ein Kinderbuch für den Frieden

Porträt von Sebastian Fobbe
von Sebastian Fobbe

Münster, 15. Dezember 2023

für die letzte Ratssitzung des Jahres hat sich die Internationale Fraktion zwei lustige Sachen einfallen lassen. Sie hatte Karten für ein Bullshitbingo vorbereitet. Jedes Mal, wenn irgendwer im Rat eine hohle Phrase drischt, wird ein Begriff auf der Karte weggestrichen. Wer eine Spalte oder Reihe voll hat, ruft laut „Bingo!“

Das zweite Spiel geht ganz ähnlich. Es gibt nur eine Regel, aber die hat mit Glühwein zu tun. Auf dem Kurznachrichtendienst, der bis vor Kurzem noch „Twitter“ hieß, erklärt die Internationale Fraktion das Spiel so: „Für jede schwülstige Metapher einmal kräftig am Glühwein nippen, um sie besser zu ertragen.“

Was schwülstige Metaphern angeht, so hatte es der erste Tagesordnungspunkt im Rat in sich. Die FDP hatte eine Aktuelle (halbe) Stunde zur Bädermisere beantragt.

Sie wissen schon: Das Ostbad ist geschlossen, das Bad in Hiltrup auch, das Südbad öffnet nach dem Umbau erst gar nicht, die Hallenbäder in Roxel und Wolbeck sind für den normalen Publikumsverkehr geschlossen und öffnen nur für Schulklassen und Sportvereine. Es fehlt Personal. Die Fachstellenleitung im Sportamt ist seit 2020 unbesetzt.

„Kurzum: Es ist bodenlos“, fasste FDP-Fraktionschef Jörg Berens die Situation zusammen. Bodenlos. Das ist vielleicht nicht die allerschwülstige Metapher aus der Bäderdebatte, aber hey, warum genehmigen wir uns nicht schon den ersten Schluck aus der Glühweintasse?

Inhaltlich waren sich die Ratsleute in der Debatte im Kern einig: Mehr Bäder sind in Münster momentan geschlossen als geöffnet und das geht gar nicht. Rhetorisch wurde die Aussprache aber noch wild. CDU-Ratsherr Stefan Leschniok forderte bei der Neuaufstellung des Sportamts dringend „einen personalpolitischen Aufschlag aus der Politik“. Aber wozu auf einen Aufschlag warten, wenn man den „personalpolitischen Ball, den Stefan Leschniok gerade spielt, kurz aufgreifen“ kann, wie es Andrea Blome von den Grünen formulierte? Naja. Zweimal nippen, bitte.

Richtig tief in die Rhetorikkiste griff dann noch mal Jörg Berens. Er ärgerte sich über die geplante Erhöhung der Eintrittspreise in den Bädern und prophezeite, dass dadurch irgendwann „auch die letzten Stammkunden das Handtuch werfen und im Umland ihre Bahnen ziehen“ würden. Das ist noch einen Schluck wert.

Und jetzt schenken Sie noch mal nach für eine schöne Metapher von Astrid Bühl aus der CDU-Fraktion. Sie forderte in der Aussprache eine „eine Turbo-Rutsche an Maßnahmen“. Es geht um Schwimmbäder, es muss schnell gehen, alles klar, es muss die Turbo-Rutsche her. Prost!

Diese Maßnahmen-Rutsche ist zwar noch nicht fertig. Aber es gibt eine Neuigkeit, die Stadtdirektor Thomas Paal im Rat schon angekündigt und die die Stadt heute Mittag bekannt gegeben hat. Wenn Sie noch nüchtern sind, können Sie ein RUMS-Abo abschließen, um nachzulesen, wie es mit den Bädern weitergeht – und was der Rat auch sonst noch beschlossen hat. (sfo)

Korrekturen

Im RUMS-Brief am Dienstag haben wir darüber geschrieben, was in Münster im neuen Jahr teurer wird. In den Angaben zu städtischen Verwaltungsgebühren haben wir aus Versehen aus einer falschen Übersicht zitiert. Die Passage haben wir entfernt, da diese Preise sich nicht ändern. Richtig ist es wie folgt: Sich in Münster an- und abzumelden ist kostenlos, ein Auszug aus dem Melderegister kostet 9 Euro. Eine Baugenehmigung mindestens 50 Euro (Tarifstelle 3, Punkt 3.1.4). Einen Grundbuchauszug bekommt man beim Grundbuchamt (über das Amtsgericht). Kosten: 10 Euro, für einen amtlichen Ausdruck 20 Euro. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Münsters Naturrasen-Sportplätze bleiben bis Montag gesperrt, die Asche- und Kunstrasenplätze sind wieder bespielbar. (Stadt Münster)

+++ Weil im Oktober in Münster 136 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sind (normal sind rund 60 Liter) und im November 123 Liter (im Durchschnitt ist’s etwa die Hälfte), fließt in Münsters Bächen zurzeit viel Wasser. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadt hat an der Ostseite des Bahnhofs Durchfahrtssperren vor den Eingang gestellt, um die Sicherheit zu erhöhen. (Stadt Münster)

+++ Weil Priester fehlen, leiten jetzt die Pastoralreferentin, der Verwaltungsleiter und ein Ehrenamtlicher die katholische Pfarrei St. Joseph. (Antenne Münster)

+++ Die Polizei sucht Menschen, die am Samstagabend auf der Friedrichstraße gesehen haben, wie eine 22-jährige Münsteranerin rassistisch beleidigt, geschlagen und mit einem Messer bedroht wurde. (Polizei Münster)

+++ Spaziergänger:innen haben im Dyckburgwald eine Frauenleiche gefunden, bei der es sich mutmaßlich um eine 33-jährige Osnabrückerin handelt, die als vermisst galt. (Westfälische Nachrichten)

+++ RUMS-Kolumnist und Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz lehnt den Begriff „Leitkultur“ im Entwurf zum neuen Grundsatzprogramm der CDU ab. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadtwerke Münster kaufen ein Tiefbauunternehmen, um den steigenden Bedarf an Fachkräften zu decken. (Stadtwerke Münster)

+++ Der Regionalrat wird auch dann weiterhin im Freiherr-von-Vincke-Haus am Domplatz tagen, wenn das Verfassungsgericht dort einzieht. (Bezirksregierung Münster)

+++ Der Mobilitätspreis geht in diesem Jahr an die Provinzial-Versicherung, den Verband Regionalverkehr Münsterland und an den Verein „Move and Meet“, der vor allem Frauen den Weg in den Sport erleichtert. (Mobilitätspreis Münster)

+++ Der Allgemeine Fahrradclub macht mehrere Vorschläge dazu, wie man den Stadthafen Nord zu einem autoarmen Quartier machen kann. (Adfc-Pressemitteilung)

+++ Das LWL-Museum für Kunst und Kultur übernimmt im nächsten Jahr die Sammlung des Museums für Lackkunst in Münster. (dpa, hier bei „Zeit Online“)


Unbezahlte Werbung

Gemeinsam auf dem Weg zum Frieden. Das ist nicht nur ein passender Zukunftswunsch in unruhigen Zeiten, sondern auch der Titel eines vor einigen Wochen erschienenen Kinderbuchs. Geschrieben hat es die Autorin Zita Klünker. Die Illustrationen stammen von Marta Latour, die eigentlich Martje Thalmann heißt und als Türmerin in der Lambertikirche arbeitet. In dem Buch geht es auch um Münster. Die Geschichte handelt von drei Freund:innen, die ganz unterschiedliche Bezüge zu Krieg und Frieden haben, jedoch auch einige Krisen der vergangenen Jahre gemeinsam erlebt haben. Auf einer Reise versuchen sie, etwas zu finden, das den Weltfrieden näherbringt.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Fabian Cohrs hat heute ein paar schöne Empfehlungen für Sie herausgesucht:

+++ Dieses Wochenende laufen zwei Vorstellungen des Stücks „Love & Loneliness in the 21st Century“ im Pumpenhaus. In dem Stück des israelischen Tänzers Nir de Volff geht es um einen Mann in seiner Midlife Crisis. In der One-Man-Show geht es um Liebe und Verluste, Erinnerungen und Enttäuschungen. Vorführungen finden morgen und übermorgen jeweils um 20 Uhr statt. Karten und weitere Informationen erhalten Sie hier.

+++ Im Stück „Tratsch im Treppenhaus“ geht’s um Zoff unter Nachbar:innen. Allerdings auf Plattdeutsch unter dem Titel „Quaterie in’t Treppenhues“. Verstehen Sie nicht? Kein Problem, es gibt ja noch die hochdeutschen Übertitel. Die Vorstellungen heute und morgen beginnen um 19:30 Uhr im Stadttheater. Tickets und weitere Informationen erhalten Sie hier.

+++ Nächste Woche ist der Kurzfilmtag, den Kinos deutschlandweit logischerweise mit Kurzfilmen zelebrieren. In Münster geht es mit einem Kinderprogramm schon am Sonntag los. Ansonsten gibt es am Dienstag den „Kurzfilmsalon“ in der Kurbelkiste mit dem Programm „Golden Shorts“. Hier gibt es Tickets für die Kurbelkiste. Falls Sie noch nach weiteren Veranstaltungen am Kurzfilmtag suchen, werden Sie hier fündig.

+++ Das Tattoostudio „Tätowiersucht“ veranstaltet morgen von 14 bis 20 Uhr einen kleinen Markt mit Glühwein, Waffeln, Flohmarkt, Kunsthandwerk und mehr. Schauen Sie doch mal vorbei, hier gibt es die Ankündigung bei Instagram.

+++ Ab morgen stellen Studierende der Kunstakademie ihre Werke im Haus der Niederlande aus. Unter dem Titel „I can’t believe we made it“ wird es in der Ausstellung Siebdrucke und Radierungen zu sehen geben. Die kostenfreie Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10 bis 16 Uhr. Weitere Informationen gibt es hier.

Und sonst so?

Am Mittwoch tagte der Rat der Stadt Münster zum letzten Mal für dieses Jahr. Wir haben uns die Entscheidungen ein bisschen genauer angeschaut:

  • Die Lücke im Haushalt fürs nächste Jahr wächst. Das scheint aber das Ratsbündnis bisher noch nicht zu beunruhigen. Ralf Heimann hat die Haushaltsreden der Fraktionsvorsitzenden zusammengefasst.
  • Eine Mehrheit im Rat hat ein Moratorium für den Gasometer abgelehnt. Damit ist der Weg frei für das Investorenprojekt, das am Albersloher Weg entstehen soll. Die Hintergründe und Reaktionen zur Entscheidung hat Svenja Stühmeier aufgeschrieben.
  • Dann ging es am Mittwoch noch ums Fahren ohne Fahrschein, um wohnungslose Familien und um ein Kulturticket für Schüler:innen. Ich habe für Sie einen Überblick über die anderen Entscheidungen im Rat erstellt.

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Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Svenja Stühmeier (sst)
Lektorat: Antonia Strotmann


PS

Heute Abend brennt die letzte Kerze auf der Chanukkia am Maria-Euthymia-Platz. Damit endet das jüdische Lichterfest, das in diesem Jahr überschattet wird von dem grausamen Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel. Seit dem 7. Oktober hat sich das Leben für Jüd:innen in Deutschland verändert. Über diese Entwicklung hat der serbische Autor Ivan Ivanji in dieser Woche einen lesenswerten Essay in der „taz“ veröffentlicht. Ivanji überlebte das Konzentrationslager Buchenwald, arbeitete im ehemaligen Jugoslawien als Dolmetscher für Präsident Tito und galt über die Jahre hinweg als jüdische Stimme, die Israel scharf kritisierte und an der Seite der Palästinenser:innen stand. Mit fast 95 Jahren hat er seine Meinung geändert. Im Oktober schrieb Ivan Ivanji: „Ich fühle mich zum ersten Mal seit meiner Befreiung aus dem Konzentrationslager vor 78 Jahren als Jude.“ In seinem neuen Text heißt es: „Es ist nun mal meine Erfahrung, dass ich in Deutschland keine Antisemiten kannte. Und jetzt soll alles anders sein?“ (sfo)

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