Was hilft gegen den Silvestermüll? | Unbezahlte Werbung: Zeit für Brot

Porträt von Sebastian Fobbe
von Sebastian Fobbe

Münster, 5. Januar 2024

es ist ein gewaltiger Müllberg, den die Abfallwirtschaftsbetriebe in Münster nach der Silvesternacht eingesammelt haben. Fast 6 Tonnen sollen es gewesen sein (RUMS-Brief). Größtenteils bestand der Müll aus Böllern, Feuerwerkskörpern und Glasscherben – trotz Böllerverbotszonen in der Innenstadt. Beim letzten Jahreswechsel im Vor-Corona-Zeitalter waren es „nur“ 5,5 Tonnen Silvesterschrott.

Dieser Abfallhaufen soll aber nicht der Aufhänger sein für eine weitere Debatte über den Sinn und Zweck eines Böllerverbots. Ich möchte auf etwas anderes hinaus: Mir geht es um den Müll.

Münster hat sich nämlich ein ambitioniertes Ziel gesetzt. In sechs Jahren möchte die Stadt nichts weniger sein als „eine Hauptstadt der Abfallvermeidung“. Was auch sonst? Bis 2030 soll der Müllausstieg gelingen. Dann gibt es in der Stadt laut den Abfallwirtschaftsbetrieben keinen Müll mehr, sondern nur noch Wertstoffe, die wiederverwertet werden. Auch andere Städte wie Berlin, München, Kiel oder Frankfurt am Main erarbeiten Strategien, um künftig Müll zu vermeiden.

Die Frage ist nur: Wie soll das klappen?

Eine Idee kommt aus dem Ländle. Die Stadt Tübingen setzt seit 2022 auf eine Verpackungssteuer. Die wird für Restaurants und Cafés fällig, wenn sie zum Beispiel Einweggeschirr oder To-go-Becher anbieten.

Eine Zeit lang war allerdings unklar, ob die Tübinger Steuer rechtens ist. Die Inhaberin einer „Mc Donald’s“-Filiale hatte dagegen geklagt. Auch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es nicht immer einfach war, Verpackungsmüll zu besteuern. Bis Mitte 1997 hatten knapp 50 Städte in Deutschland ähnliche Steuern erhoben. Allein 20 davon in NRW. Damals entschied das Bundesverfassungsgericht, dass Städte und Gemeinden nicht ohne Weiteres eine Verpackungssteuer einführen können.

Nun urteilte das Bundesverwaltungsgericht: Das Gericht bekräftigte, dass Tübingen die Verpackungssteuer erheben darf. Laut einem SWR-Bericht sind viele Gastronom:innen und auch der örtliche Gaststättenverband damit einverstanden. Die Restaurants und Cafés stellen außerdem nach und nach auf Mehrweg um.

Es liegen auch schon erste Zahlen vor. Im ersten Jahr spülte die Steuer 700.000 Euro in die Stadtkasse. Mit den Zusatzeinnahmen möchte Tübingen die Stadt sauberer machen. Geld, das man zum Beispiel nutzen könnte, um Straßen, Gehwege und Parks vom Silvestermüll zu befreien.

Das ist der Charme der Verpackungssteuer: Sie trägt zur Müllvermeidung bei, weil Einwegverpackungen und Einmalgeschirr für die Gastronomie teurer werden, und gleichzeitig nimmt die Stadt Geld ein, um Abfall zu beseitigen. Tübingen hat zudem das Mehrwegsystem in der Stadt ausgebaut.

Wäre das auch ein Modell für Münster? Vermutlich schon. Allein die Aufräumarbeiten für die Silvesternacht waren teuer. Eine Sprecherin der Abfallwirtschaftsbetriebe schreibt uns auf Nachfrage, der Einsatz am Aasee und in der Innenstadt habe 5.000 Euro gekostet.

Das sind aber nicht alle Kosten des Silvesterputzes in Münster: Bei der zweiwöchigen Pflichtreinigung hätten die Mitarbeitenden der Abfallwirtschaftsbetriebe traditionsgemäß nach Silvester deutlich mehr zu tun, schreibt die Sprecherin. Der Grund: Nicht alle kommen ihrer Pflicht nach, ihren Dreck von der Straße zu räumen. Diese Zusatzkosten werden aber nicht separat erfasst.

In der Politik ist die Verpackungssteuer auch ein Thema. Im Koalitionsvertrag haben Grüne, SPD und Volt vereinbart, eine ähnliche Steuer auf Einwegverpackung zu prüfen. Laut Grünen-Ratsherr Albert Wenzel sei es aber immer schwierig, eine neue kommunale Steuer einzuführen. Auch in Tübingen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die „Mc Donald’s“-Inhaberin zieht mit ihrer Klage nämlich weiter nach Karlsruhe, vors Bundesverfassungsgericht. Eine andere Frage ist, was der Bund beschließt, sagt Wenzel. Der möchte eine Plastikabgabe einführen. Generell sei die Verpackungssteuer unter den passenden Rahmenbedingungen aber eine gute Idee, sagt Albert Wenzel.

Auch die Verwaltung zögert. Aus dem Presseamt erfahren wir, dass in Sachen Einwegbesteuerung gerade nichts geplant ist. Die Erfahrungen aus Tübingen behalte man aber im Auge, heißt es. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Stadt hat gestern angefangen, die 675 Bushaltestellen gegen modernere Exemplare auszutauschen. (Stadt Münster)

+++ Ab nächster Woche wird die „Spinne“ saniert, also der Verkehrsknoten an der Weseler Straße, weil die Brücken marode sind. (Antenne Münster)

+++ Weil das Fahrradparkhaus am Hansator kaum genutzt wird, will der Fahrradkontrolldienst ab nächster Woche wild geparkte Räder dorthin verfrachten. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Arbeitslosenquote lag im Dezember bei 5,2 Prozent und damit ähnlich hoch wie im Vorjahresmonat, aber leicht höher als vor einem Jahr. (Arbeitsagentur Ahlen-Münster)

+++ Die Polizei Münster sucht eine 35-jährige Frau aus Gescher mit Bild und hat zusammen mit der Staatsanwaltschaft inzwischen eine Mordkommission eingerichtet. (Polizei Münster)

+++ Am Freitag, Samstag und Mittwoch brannten insgesamt fünf Autos am Düesbergweg, was dort auffällig oft vorkommt. (Polizei Münster, Westfälische Nachrichten)

+++ Das „Netzwerk Münster nachhaltig“ ist für den Engagementpreis NRW 2024 nominiert. (Grüne Münster)

+++ Die Stadt möchte Projekte für die Gesundheit und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Münster finanziell fördern. (Stadt Münster)

+++ Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ ruft zu Protesten gegen den Neujahrsempfang der AfD am 16. Februar auf. (Keinen Meter den Nazis)

Unbezahlte Werbung

Die Biobäckerei „Zeit für Brot“ gibt es bisher nur in wenigen deutschen Großstädten (und in Tel Aviv). Im Advent hat auch eine Filiale in Münster eröffnet. Das Schöne: „Zeit für Brot“ hat eine gläserne Manufaktur. Sie können also den Bäcker:innen bei der Arbeit zusehen. Was wir empfehlen können, sind die sehr leckeren Zimtschnecken, der Kaffee und – was sonst? – die Brote. Montags bis samstags hat die Filiale am Prinzipalmarkt von 8:30 bis 20 Uhr geöffnet. Am Sonntag schließt die Bäckerei eine Stunde früher.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Fabian Cohrs für Sie in den Kalender geschaut. Das sind seine Empfehlungen:

+++ Morgen Abend bestreiten die Uni Baskets Münster ihr erstes Spiel dieses Jahr. Das Match gegen die Karlsruher Lions beginnt um 19:30 Uhr in der Sporthalle in Berg Fidel. Hier bekommen Sie noch Tickets. Und wenn Sie sich vorab warmlesen möchten, empfehlen wir Ihnen den RUMS-Beitrag über die Uni Baskets, den Lisa Plank von der Reportageschule Reutlingen Ende November bei uns veröffentlicht hat.

+++ Oder doch lieber ins Theater? Morgen Abend tritt die Gruppe „Götterspeise“ im Kulturbahnhof Hiltrup auf. In dem Stück „Panter, Tiger, Petronella“ geht es um Kurt Tucholsky, der laut Ankündigung „als Mann, der die Frauen liebte, als politischer Mensch, als radikaler Pazifist“ gezeigt wird. Beginn ist um 19:00 Uhr. Eine Karte kostet 12 Euro.

+++ Falls Ihnen nach Silvester die Kraft zum Tanzen fehlt, Sie aber gerne zugucken würden, schauen Sie am Wochenende doch mal am Wewerka-Pavillon am Aasee vorbei. Die Kunststudentin Aduni Ogunsan stellt dort bis Sonntag noch tanzenden Samttexitlien aus. Titel: „Why Is There Always Energy For Dancing?“.

+++ Am Dienstagabend geht es im Geomuseum in einem Vortrag um die Zeit nach dem Urknall, die Entstehung der Elemente und verglühende Sterne. Daher auch der Titel: „Der Stoff, aus dem wir gemacht sind – Sternenstaub in Meteoriten“. Der Referent ist Christian Vollmer, Wissenschaftler am Institut für Mineralogie in Münster. Los geht es um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

+++ Das Wolfgang-Borchert-Theater führt am Dienstagabend das Stück „Die Steilwand“ auf. Die Komödie handelt von einer Gruppe Bergsteigerinnen, von der eine auf einer schwierigen Route erkrankt. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es ab 24 Euro.

Was steht sonst so im RUMS-Brief?

Im Hansaviertel ist vor Kurzem eine Kneipe in eine alte Sparkasse eingezogen. Andernorts steht die Sparkasse hingegen seit fast achten Jahren leer. Ich habe mich daher gefragt: Wie sieht es aus mit dem Leerstand in Münster? Und was hilft gegen leere Geschäfte, Restaurants und Cafés? Dazu habe ich unter anderem mit einer Initiative in Münster gesprochen, die Leerstände für Zwischennutzungen vermittelt. An der Königsstraße soll bald ein erstes größeres Objekt zwischengenutzt werden.

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Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Haben Sie ein schönes erstes Wochenende des Jahres.

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe)
Lektorat: Maria Schubarth


PS

Am Dienstag hatten wir hier über den Versuch geschrieben, herauszufinden, warum ein Scheinwerfer die Aegidiikirche rund um die Uhr anstrahlt. Am Mittwoch dann antwortete auf die zweite E-Mail das Pfarrbüro der St.-Lamberti-Gemeinde: Der Scheinwerfer stehe nicht auf Kirchengrund. Man wisse nicht, wer ihn betreibt – möglicherweise die Stadt. Anruf dort. Antwort: Nein, der gehöre wohl den Stadtwerken. Das alles erinnerte langsam an eine Geschichte, die Michael Müller, der frühere regierende Bürgermeister von Berlin, vor einem Jahr bei einer Autofahrt dem „Spiegel“ erzählt hatte. Als der Wagen das rote Rathaus passierte, schaute Müller aus dem Fenster auf eine Laterne und sagte dem Reporter: „Diese Laterne, die brennt Tag und Nacht. Wir haben alles versucht, die auszuschalten, hat alles nix genützt. Auf allen Ebenen angerufen, alles probiert. Diese Laterne ist ein ewiges Thema. Die wird noch brennen, wenn wir beiden längst Geschichte sind.“ In Münster rief gegen Mittag Stadtwerke-Sprecher Florian Adler an. Er sei in seiner Mittagspause zur Aegidiikirche gelaufen, um sich den Strahler mal anzusehen. Dort stehe er jetzt. Und er könne sicher sagen: Den Stadtwerken gehöre er nicht. Wahrscheinlich doch eher der Stadt. Netterweise schickte er ein Foto. Neuer Versuch damit in der städtischen Pressestelle. Antwort: Man werde sich noch mal umhören. Kurz darauf dann der Rückruf. Man habe jetzt die Person gefunden, die zuständig sei. Und ja, rund um die Uhr solle der Scheinwerfer tatsächlich nicht leuchten. Das sei vermutlich ein Fehler. Den werde man korrigieren. Heute also ausnahmsweise ein Happyend. Am Donnerstag kam dann eine weitere E-Mail. Ein Modul sei kaputt gewesen. Der Fehler sei jetzt behoben. (rhe)

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