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Rituelle Gewalt: Was ein Prozess in München mit Münster zu tun hat | Unbezahlte Werbung: Der Dekolonialwarenladen | RUMS 6 Monate lesen für nur 1 Euro

Guten Tag,
vergangene Woche Montag begann in München der dritte Prozess gegen die „Patriotische Union“. So nannte sich eine Gruppe von Reichsbürger:innen, angeführt von dem Immobilienunternehmer Heinrich XIII. Prinz Reuß, die einen bewaffneten Staatsstreich gegen die Bundesrepublik Deutschland geplant hatte. Im Dezember 2022 flogen die Verschwörer:innen auf.
Mit auf der Anklagebank sitzt eine Astrologin, die die frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann beschäftigt hatte, und ihr langjähriger Lebensgefährte, der von den Mitgliedern der „Patriotischen Union“ nur „der Seher“ genannt wurde.
Die Gruppe war davon überzeugt, dass ihr Kamerad über hellseherische Fähigkeiten verfügte und seine Kräfte einsetzen konnte, um unterirdische Tunnel aufzuspüren, in denen Kinder „Kinder von Satanisten in staatlichem Auftrag gequält werden, um aus ihrem Blut einen Verjüngungstrank für Politiker und die internationale Elite zu brauen.“ Und das kommt uns hier in Münster doch bekannt vor.
Ein gefährlicher Glaube
Diesen Aberglauben kann man belächeln. Doch er war ein treibendes Motiv hinter den Putschplänen der „Patrionischen Union“. Das schreibt die Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger, die für die „Süddeutsche Zeitung“ den Reichsbürger-Prozess in München begleitet.
Für den Glauben an geheime Satanskulte, die Kinder verschleppen und im Verborgenen missbrauchen, gibt es einen Namen: „Satanic Panic“. Im Oktober habe ich das hier schon einmal erklärt. Die Kurzform: In den frühen 1980er-Jahren tauchte die Massenhysterie erstmals in den Vereinigten Staaten auf. Missbrauchsvorwürfe wurden laut, es kam zu Strafprozessen mit viel Medienrummel, aber zu keiner einzigen Verurteilung. Danach flaute die Verschwörungserzählung wieder ab, erst mal.
Denn nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Mit dem Unterschied, dass die neue „Satanic Panic“ weite Kreise in die Politik zieht. So fantasieren antidemokratische Politiker:innen wie Wladimir Putin oder Donald Trump satanische Verschwörungen geradezu herbei, um ihre Politik als Kampf gegen das ultimative Böse zu inszenieren.
Münster ist eine Hochburg der „Satanic Panic“
Und bei der Wiederbelebung dieses Mythos spielt auch das Bistum Münster eine Rolle. Als einziges Bistum in Deutschland unterhielt es eine Beratungsstelle, die sich auf die Arbeit mit vermeintlichen Opfern von ritueller Gewalt spezialisiert hatte.
Dort sollen Menschen Hilfe gesucht haben, die von Missbrauch in geheimen Satanskulten berichteten, hieß es jahrelang. Den Tätern soll es möglich sein, mit gezielten Gewaltritualen die Identitäten ihrer Opfer zu spalten und auf diese Weise hörige Einzelpersönlichkeiten zu erschaffen, die späteren Missbrauch widerstandslos über sich ergehen lassen.
Kritiker:innen bezweifelten die Darstellung des Bistums. Auch in der Fachwelt ist rituelle Gewalt höchst umstritten (hier und hier finden Sie zwei Überblicksstudien). Denn bislang fehlen Beweise für großangelegte satanistische Missbrauchsnetzwerke und der wissenschaftliche Nachweis dafür, dass Täter gezielt Identitäten aufspalten und für Misshandlungen abrichten können.
Dem Bistum wurde deshalb vorgeworfen, die „Satanic Panic“ zu befeuern. So soll eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle ihren Klient:innen die rituelle Gewalt geradezu eingeredet haben. Diesen Skandal hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im vergangenen Jahr öffentlich gemacht. Wenige Tage nach der Veröffentlichung löste das Bistum die Stelle ersatzlos auf.
Was in der Beratungsstelle des Bistums passiert ist, beschäftigt auch den Theologen Kai Funkschmidt. Er hat die Ergebnisse unserer Recherche in einer kürzlich erschienenen Broschüre zusammengefasst, die die Skeptikerorganisation GWUP herausgegeben hat. Die Schrift befasst sich mit allen Auswüchsen der „Satanic Panic“ und kann auf der Website der GWUP kostenfrei heruntergeladen werden. (sfo)

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+++ Nach einem „Spiegel”-Bericht, den die Bahn zurückweist, plant das Unternehmen, mehrere Bahnstrecken zu streichen, unter anderem die ICE-Verbindung zwischen Münster und Frankfurt am Main. (Nachrichtenagentur dpa, hier: Süddeutsche Zeitung, Spiegel)
+++ Weil vor der Tür eine Baustelle ist, schließt das Café Prütt vorübergehend. (Westfälische Nachrichten)
+++ Ab dem ersten Tag nach den Sommerferien (28. Oktober) fährt die Ringlinie wieder. (Stadtwerke Münster)
+++ Wegen Bauarbeiten an der Autobahn 43 und der Umgehungsstraße (B51) gibt’s an den ersten Ferienwochenenden Sperrungen und daher ebenfalls Staus. (Westfälische Nachrichten)
+++ Das vor ein paar Wochen eröffnete Südbad macht schon wieder Pause – Sommerpause, wie auch teilweise die Stadtteilbüchereien. (Stadt Münster, hier und hier)
+++ Im Münster warten 3.200 auf ihre Einbürgerung, für die es seit gestern neue Regeln gibt, zum Beispiel eine kürzere Mindestaufenthaltsdauer bis zum deutschen Pass. (WDR Münster)
+++ Patrick Hasenkamp, Chef von Münsters Abfallwirtschaftsbetrieben, geht nach 29 Jahren in den Ruhestand. (Westfälische Nachrichten)
+++ Michael Krapp (ÖDP) wird neuer Sprecher Internationalen Ratsfraktion und übernimmt damit die Nachfolge von Lars Nowak (Die Partei), der jetzt Krapps Stellvertreter ist. (Pressemitteilung)
+++ IHK-Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel befürchtet, dass die Stromversorgung der Wirtschaft gefährdet sei, wenn die Bundesregierung ihre Kraftwerksstrategie nicht überarbeitet und mehr wasserstofffähige Gaskraftwerke in Nordrhein-Westfalen plant und baut, um die Abschaltung der Kohlekraftwerke auszugleichen. (IHK Nord-Westfalen)
+++ Tapir Theo, das EM-Orakel aus dem Allwetterzoo, das bisher immer daneben lag, tippt auf einen deutschen Sieg beim Spiel gegen Dänemark am Samstag. (Antenne Münster)
Zurzeit läuft wieder das Tanzfestival „Flurstücke“. In der Stadthausgalerie hat zu diesem Anlass ein Pop-Up-Store aufgemacht, zumindest sieht es so aus. Im „Dekolonialwarenladen“ können Sie allerdings nichts kaufen, dafür aber Wissen erwerben. Wenn Sie die Kommoden und Schränke in dem Geschäft öffnen, bekommen Sie per Video oder Audio-Aufnahme Infos über die deutsche Kolonialgeschichte und die bisherige Aufarbeitung dieser Epoche. Wenn Sie die Installation besichtigen wollen, müssen Sie sich beeilen, denn übermorgen schließt das Geschäft wieder. Morgen hat der „Dekolonialwarenladen“ zwischen 12 und 20 und am Sonntag von 12 bis 16 Uhr geöffnet.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Heute hat Annalena Zernott für Sie in dein Veranstaltungskalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen.
+++ Möchten Sie sich heute Abend gemeinsam mit anderen zum Glühwürmchen-Gucken verabreden? Nach Einbruch der Dunkelheit um 22 Uhr geht es los am Treffpunkt Donnerbusch/Ecke Einingweg in Münster-Nienberge. Hier finden Sie alles Weitere.
+++ Im Mühlenhof sind am Wochenende Frühmittelalter-Tage. Das bedeutet: Mode, Handwerk und Kämpfe von damals sind zu sehen. Das Thema ist: Wikinger und Slawen. Eintritt für Erwachsene: 8 Euro, Kinder ab 6 zahlen 5 Euro.
+++ Das Junge Sinfonieorchester spielt am Wochenende zwei Konzerte in der Waldorfschule ein. Das Programm: Werke von Delius, Chausson und Schubert. Als Solistin ist die Sopranistin Cornelia Ptassek mit dabei. Am Sonntag geht es um 20 Uhr los, am Sonntag um 18 Uhr. Kostenlose Karten für Samstag hier, für Sonntag hier.
+++ Am Sonntag ist im F24 in der Frauenstraße die Vernissage zur Fotoausstellung des Fördervereins für Wohnhilfen. Zu sehen sind bis zum 23. August Portraits von 16 Münsteraner:innen, die aus anderen EU-Länder nach Münster gezogen sind. Beginn: 15 Uhr. Weitere Infos hier.
+++ Und das größte Event am Wochenende, wir haben es am Dienstag und hier oben schon erwähnt, aber nur zur Sicherheit: Bis Sonntag läuft in der ganzen Stadt das Tanzfestival „Flurstücke”. Das komplette Programm finden Sie hier.
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Was gibt’s noch so?
Keuchhusten geht um. Die Infektionszahlen in Deutschland sind gestiegen. In Münster vor allem bei Kindern und jungen Menschen. Woran liegt das? Die Wissenschaftsjournalistin Sigrid März hat sich die Zahlen für RUMS angesehen.
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Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
Mitarbeit: Ralf Heimann (rhe), Sigrid März (sim), Annalena Zernott (aze) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
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PS
Morgen spielt die deutsche Nationalelf ab 21 Uhr gegen Dänemark. Austragungsort ist der „Signal Iduna Park“ in Dortmund, einer Stadt, die vor Beginn der Männerfußball-EM Negativschlagzeilen gemacht hat. Der Verein „Bodo“ wirft der Stadt Dortmund vor, gezielt Wohnungslose aus der Innenstadt zu vertreiben, die möglicherweise das Straßenbild verschandeln. In Hamburg, der Stadt mit den meisten Wohnungslosen in Deutschland, geht man einen anderen Weg. Die Stadt war vergangene Woche Austragungsort der „Homeless Euro“, an der Mannschaften aus acht europäischen Nationen teilnahmen. Durch das Fußballturnier konnten die Wohnungslosen kurzzeitig raus aus der Armut und Isolation, die sie sonst tagtäglich erleben. Gewonnen hat Litauen vor Ungarn und Rumänien. Die deutsche Nationalmannschaft landete auf dem siebten Platz.
PPS
Vor 300 Jahren wurde der Philosoph Immanuel Kant in Königsberg (heute: Kaliningrad in Russland) geboren. Die Uni Münster organisiert zum Anlass dieses Jubiläums verschiedene Veranstaltungen. Heute Abend ist Ralf Heimann mit dabei. Er diskutiert unter anderem mit Dirk Anger, dem Lokalchef der Westfälischen Nachrichten, über die Verantwortung von Medien im Zeitalter der Aufklärung.