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Gewerbegebiete: verschiedene Ideen von Zukunft | Milano im Westend | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 24. März 2023
am Mittwoch war Ratssitzung. Mit gut drei Stunden hat sie zwar eine humane Länge eingehalten – doch Zuhörer:innen haben sich sicher trotzdem an der ein oder anderen Stelle gefragt, welches Ziel die Diskussion nun eigentlich verfolgt. Und vielleicht auch, ob sie die nicht schon einmal irgendwie so gehört haben.
Zum Beispiel in Sachen Flächennutzung. Es ging um einen neuen Bebauungsplan zwischen Heitmannsweg und Schifffahrter Damm, der jetzt ermöglicht, auf der Fläche ein Gewerbegebiet zu errichten. Fast alle Redner:innen sprechen von „Zukunftsvorsorge“, verstehen darunter allerdings Unterschiedliches: CDU und FDP zum Beispiel, Münster mit dem Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen für neue Unternehmen und Arbeitsplätze. Grüne, ÖDP und Volt hingegen sprechen von Klima- und Biodiversitätskrise, denen sie gegensteuern wollen, und zwar mit möglichst wenig weiteren versiegelten Flächen. Von beiden Seiten: Empörung und gleichzeitig Zugeständnisse gegenüber den anderen. Und nachdem die Debattenzeit von einer halben Stunde vollends ausgereizt wurde: Plan beschlossen.
Einen ähnlichen Konflikt hat Constanze Busch in diesem RUMS-Brief vor gut einem Jahr skizziert, als es um das damals neue Flächenkonzept ging. Und übrigens auch, warum da zwei Lebensentwürfe aufeinandertreffen, die sich so schnell nicht annähern werden. Stellt sich nun die Frage: Wäre es nicht schön, konkret darüber zu sprechen, wie diese Schnittstelle zwischen Arbeitsplatz und Grün aussehen kann, anstatt die gleiche Diskussion einfach nochmal zu führen?
Denn darum ging es im Prinzip die ganze Zeit. Eigentlich hatte man sich laut Westfälischen Nachrichten im Februar schon entschlossen, die Bauleitplanung auf den Weg zu bringen. Dann hat sich allerdings ein Betrieb, der sich am Hafen niederlassen wollte, entschieden, doch woanders hinzugehen. Dort sind jetzt also 13 Hektar Fläche frei. Die Rathauskoalition hat daraufhin einen Änderungsantrag gestellt. Der spricht sich immer noch für das Gewerbegebiet am Schifffahrter Damm aus, allerdings unter verschärften Bedingungen. Das Gebiet soll „klimapositiv und flächensparend“ entwickelt werden. Dort soll es also sowas wie Photovoltaik-Anlagen, Dachbegrünung und mehrgeschossige Gebäude geben. Und die Koalition fordert, erst einmal zu prüfen, ob die Fläche am Hafen nicht den Bedarf decken könnte. Damit möchte sie dem integrierten Flächenkonzept, das gerade in der Mache ist, quasi entgegenkommen.
Klingt doch nach einem Kompromiss, sofern der Fokus darauf liegt, nachhaltige Gewerbeflächen anzubieten. Was damit jedoch nicht gelöst ist: Die Sache mit der Gewerbesteuer und die Frage, ob man beim Thema Gewerbegebiete nicht grundsätzlich über Stadtgrenzen hinaus denken sollte. Ein Pilotprojekt hat dazu der Kreis Kleve gestartet. Das soll dazu beitragen, Gewerbeflächen in der Region zu entwickeln, aber eben möglichst flächensparend. Ein weiterer Aspekt, der wohl in die Kategorie „Zukunftsvorsorge“ fällt. (sst)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Laut der Umfrage „Münster Barometer“ ist inzwischen eine Mehrheit der Menschen dafür, dass die Parkplätze auf dem Domplatz wegfallen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Autofahrer:innen sollten das Autobahnkreuz Münster Süd am Wochenende wegen Sanierungsarbeiten meiden. (Westfälische Nachrichten)
+++ Der Nottulner Landweg wird ab Montag bis zum 11. April wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt. (Stadt Münster)
+++ Die Telgter Straße wird wegen des Wetters doch nicht gesperrt. (Stadtnetze)
+++Die Stadtbücherei Münster bereitet sich auf die Installation einer Photovoltaik-Anlage vor, die jährlich über 35.000 Kilowattstunden Strom einsparen soll. (Stadt Münster)
+++ An der Meerwiese in Coerde entsteht eine Bike- und Skateanlage. (Stadt Münster)
+++ Der Rat hat beschlossen, das Ratsgymnasium umfangreicher zu sanieren, als bisher geplant, um die Umstellung auf das Abitur nach neun Jahren zu ermöglichen. (Stadt Münster)
+++ Ralf Krietemeyer wird neuer Leiter des Amtes für Immobilienmanagement. (Stadt Münster)
+++ Die 100-Schlösser-Route bringt jährlich 48 Millionen Euro in das Münsterland. (WDR)
+++ Münster bildet überdurchschnittlich viele Pflegekräfte aus. (Stadt Münster)
+++ Die Schülervertretungen mehrerer Gymnasien und Gesamtschulen in Münster fordern in einer Petition, dass Oberbürgermeister Markus Lewe eine Patenschaft für politische Gefangene im Iran übernimmt, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und sich für deren Freiheit einzusetzen. (Openpetition)
+++ Die Westfälische Schule für Musik entwickelt ein Schutzkonzept gegen Kindesmissbrauch. (Stadt Münster)
Unbezahlte Werbung
An der Wilhelmstraße 26, unweit des Neutors, ist das italienische Restaurant “Milano im Westend” ansässig. Von vielen anderen Restaurants unterscheidet sich die Gaststätte im schönen Altbau unter anderem durch die Öffnungszeiten: Neben Mittagskarte und Abendessen bekommen Sie hier auch Frühstück und Eis, ab 9 Uhr am Morgen. Bei schönem Wetter lohnt es sich, ein Plätzchen im Außenbereich zu suchen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Fabian Cohrs hat nachgeschaut, was in den kommenden Tagen in Münster passiert:
+++ Was brauchen wir wirklich für ein gutes Leben und wie schaffen wir es, dass das für alle auf der Welt möglich ist? Dazu hält Doris Fuchs am kommenden Montag einen Vortrag. Sie ist Professorin für nachhaltige Entwicklung an der Uni Münster. Danach können Teilnehmer:innen noch miteinander diskutieren. Los geht es am 27. März um 20.15 Uhr in der VHS am Aegidiimarkt. Eine Anmeldung ist nicht nötig, alles Weitere erfahren Sie hier.
+++ Im Naturkundemuseum gibt es seit einiger Zeit eine Sonderausstellung zum Thema Klima. Heute Abend gibt es voraussichtlich zum letzten Mal die Chance, an der „Gradwanderung” teilzunehmen. Dabei geht es um verschiedene Aspekte der Klimakrise, die mit literarischen Beiträgen begleitet werden. Mehr Informationen und Tickets bekommen Sie hier, los geht es um 19.30 Uhr.
+++ Für die Freund:innen der Nischensportarten: Morgen um 14 Uhr empfangen die Rugby Tourists Münster (als Spielgemeinschaft mit Wiedenbrück) ihren Kontrahenten und Tabellenführer der 2. Bundesliga West, den RSV Köln. Ausgetragen wird die Eröffnung der Rückrunde am Pleistermühlenweg 119. Das Ganze kostet keinen Eintritt, üblicherweise gibt’s aber Grillgut und Getränke zum Kauf.
+++ Morgen zeigt die internationale Theatergruppe im Atheater das Stück „Monolog mit meinem ,asozialen‘ Großvater – Ein Häftling in Buchenwald“. Darin geht es um die Verfolgung von als asozial gebrandmarkten Menschen und anderen „Randgruppen“. Der Eintritt ist auf Spendenbasis, vorher sollten Sie allerdings einen Platz reservieren.
+++ Am Sonntag um 18 Uhr wird im kleinen Bühnenboden der „Epilog“ aufgeführt, ein Stück „über die letzten Dinge“. Es handelt von Trauerredner Adam und seiner KI-Sprachassistentin Lilith. Die muss all ihre Kraft aufbringen, um Adams Stimmungsschwankungen und Probleme aufzufangen, insbesondere als einer seiner Freunde stirbt. Ein Stück über den Tod, das dennoch für Lacher sorgen soll. Ein paar Tickets gibt es noch hier.
+++ Im Stadttheater wird heute Abend um 19.30 Uhr die Premiere von „Geschichten aus dem Wiener Wald“ aufgeführt. In diesem Stück von 1929 wird eine bürgerliche Mitte dargestellt, die sich in Richtung Faschismus bewegt. Die Zuschauenden begleiten die Protagonistin auf ihrem Kampf gegen Misogynie und für Autonomie und körperliche Selbstbestimmung. Tickets bekommen Sie hier, auch für die weiteren Aufführungstermine.
+++ Auf der Studiobühne zeigt die Gruppe Szenenwechsel dieses Wochenende drei Mal den Shakespeare-Klassiker „Viel Lärm um nichts“. Viel muss zu der romantischen Komödie nicht gesagt werden, vielleicht haben Sie sie ja selbst gelesen. Und falls nicht: Hier gibt es Karten und eine Beschreibung.
Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Sie haben es oben schon gelesen, am Mittwoch war Ratssitzung. Dort ging es nicht nur um eine Gewerbefläche, sondern auch darum, dass Wohnraum nicht unnötig saniert und teurer werden soll. Außerdem hat Ralf Heimann etwas Ordnung in die Ereignisse rund um die Gewalttat auf dem Send gebracht und eine Chronologie dazu aufgeschrieben.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier
Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe)
Lektorat: Lisa Mensing
PS
Wir bei RUMS sind ja große Fans von Städterankings. Und da hat die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht vor ein paar Tagen wieder was Spannendes veröffentlicht. In der Studie geht es um Rückstände von Drogen im Abwasser. Und die 34.000-Seelen-Stadt Dülmen mischt europaweit ganz oben mit: Was den Konsum von Speed und Kokain angeht, steht sie weit vorne im Ranking. Zumindest in Deutschland. Und, naja, einen tatsächlich hohen Konsum kann man daran auch nicht so richtig ablesen. Gut, dass die Westfälischen Nachrichten den Ruf von Dülmen wiederherstellen. Allgemein zur Einordnung: Von den gut 100 vertretenen Städten sind nur 10 deutsche Städte. Und da ja der Konsum an den Abwasserwerten festgemacht und auf die Einwohner:innenzahl hochgerechnet wird, hat ein:e Konsument:in in einer kleineren Stadt deutlich größere Auswirkungen auf das Endergebnis. Was uns dennoch ein bisschen enttäuscht: Berlin befindet sich im europaweiten Kokain-Vergleich nur auf Platz 16. (sst)