Münster ist nicht München | Mehr Beteiligung | P&R Bioimbiss

Müns­ter, 11. Febru­ar 2022

Guten Tag,

die Grund­satz­ent­schei­dung über den Musik-Cam­pus hat der Rat am Mitt­woch wie erwar­tet auf den 6. April ver­tagt. Aus Sicht der Rat­haus­ko­ali­ti­on von Grü­nen, SPD und Volt sowie auch der FDP sind noch zu vie­le Fra­gen offen (RUMS-Brief vom 1. Febru­ar), die nun bis April mög­lichst geklärt wer­den sollen.

Dafür haben die Politiker:innen am Mitt­woch eine ande­re Grund­satz­ent­schei­dung auf den Weg gebracht. Bis­her kommt die in der öffent­li­chen Debat­te kaum vor. Doch das dürf­te sich ändern. Immer­hin geht es dar­um, wie die Stadt sich in den nächs­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten ent­wi­ckeln und wie sie aus­se­hen soll.

Die­se Fra­gen soll ein neu­es Flä­chen­kon­zept beant­wor­ten, das Vertreter:innen aus Poli­tik, Stadt­ver­wal­tung und Wirt­schaft gemein­sam mit Bürger:innen erar­bei­ten sol­len. Ich hat­te am letz­ten Frei­tag hier schon ein­mal dar­über geschrie­ben, vor allem über die Fra­ge, wo dem­nächst groß­flä­chi­ge Solar­an­la­gen zur Strom- und Wär­me­ge­win­nung auf­ge­stellt wer­den könnten.

Prioritäten und Lebensentwürfe

In der Rats­de­bat­te war ein ande­res The­ma vor­herr­schend, eines, das vor allem zwi­schen der CDU und den Grü­nen grund­sätz­lich strit­tig ist: die Abwä­gung zwi­schen poten­zi­el­len Wohn­bau­ge­bie­ten und Grün­flä­chen, die eigent­lich erhal­ten wer­den sol­len. Die Politiker:innen beschlos­sen zwar so gut wie ein­stim­mig, das Flä­chen­kon­zept in Angriff zu neh­men. Aber die Wort­bei­trä­ge lie­ßen schon anklin­gen, dass es bei der künf­ti­gen Arbeit an den Details ordent­lich knir­schen wird.

CDU-Rats­frau Babet­te Lich­ten­stein van Len­ge­rich sag­te, sie habe ihre Kind­heit in einem Haus mit Gar­ten ver­bracht, das sei schön gewe­sen. Und die Fra­ge sei nun, ob Kin­der so eine Kind­heit in Müns­ter auch in Zukunft noch erle­ben dür­fen. Das ist die Hal­tung der CDU: Wenn eine Fami­lie ein eige­nes Haus mit Grund­stück haben möch­te, soll das mög­lich sein. Es geht um einen Lebens­ent­wurf, der vie­len Men­schen wich­tig ist. Und die Par­tei räumt die­sem Anlie­gen im Zwei­fel Prio­ri­tät gegen­über einer Grün­flä­che ein.

Die Koali­ti­ons­par­tei­en, ins­be­son­de­re die Grü­nen, sehen das bekannt­lich anders. Hier ist die Hal­tung: Müns­ter soll wei­ter wach­sen, und dafür braucht es natür­lich auch neu­en Platz für Wohn­raum. Aber der soll zum einen durch Nach­ver­dich­tung ent­ste­hen, zum Bei­spiel indem Bau­lü­cken in den inne­ren Stadt­tei­len geschlos­sen wer­den. Gleich­zei­tig müs­sen zwar auch ganz neue Bau­ge­bie­te in den Außen­stadt­tei­len erschlos­sen wer­den – aber dort sol­len dann eben nicht unbe­dingt Ein­fa­mi­li­en­haus­sied­lun­gen ent­ste­hen, son­dern urba­ne Quar­tie­re mit einer „höhe­ren Wohn­dich­te“, wie es Grü­nen-Rats­herr Robin Kor­te in einem Tele­fo­nat for­mu­lier­te. Das heißt: Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser und Grün­flä­chen, die sich die Bewohner:innen tei­len – eine ande­re Prio­ri­tät, ein ande­rer Lebensentwurf.

Möglichst wenig Zeit vergeuden

Ein neu­es Flä­chen­kon­zept wird die­se wider­sprüch­li­chen Posi­tio­nen wohl nicht mit­ein­an­der ver­söh­nen. Aber es soll dafür sor­gen, dass die grund­sätz­li­che Ent­schei­dung, was auf wel­cher Flä­che mög­lich ist, frü­her getrof­fen wird als bisher.

Das Para­de­bei­spiel dafür, wie es nicht mehr lau­fen soll, ist das Bau­ge­biet Zur Vogel­stan­ge in Hil­trup (RUMS-Brief vom 12. Novem­ber). Beschlos­sen hat­te es vor vier Jah­ren noch der alte Rat, und die Stadt hat seit­dem vie­le Arbeits­ta­ge und -wochen in die Pla­nung inves­tiert. Im Novem­ber kipp­te der neue Rat das Bau­ge­biet aus Natur­schutz­grün­den. Damit war all die Vor­be­rei­tungs­zeit vergebens.

So etwas soll in Zukunft nach Mög­lich­keit nicht mehr pas­sie­ren. Es wer­de zwar immer noch klein­tei­li­ge Ent­schei­dun­gen geben, sag­te mir Mat­ti­as Bart­mann vom Stadt­pla­nungs­amt in einem Tele­fo­nat. Aber eben auf Basis einer grund­sätz­li­chen Fest­le­gung: Wel­che Flä­chen könn­ten Bau­ge­bie­te wer­den? Wel­che auf kei­nen Fall?

Mais und frische Luft

Die­se Fest­le­gung ist nötig, weil fast alle poten­zi­el­len Bau­ge­bie­te Grün- oder land­wirt­schaft­li­che Flä­chen sind. Die Flä­chen in den Außen­be­rei­chen, auf denen noch kei­ne Häu­ser ste­hen, sind fast kom­plett von der städ­ti­schen Grü­n­ord­nung erfasst und damit erst ein­mal grund­sätz­lich geschützt. Wenn sie bebaut wer­den sol­len, muss die Poli­tik abwä­gen: Über­wiegt hier der Natur­schutz? Oder soll er zuguns­ten neu­er Woh­nun­gen zurückstehen?

Bei die­ser Abwä­gung geht es zum einen dar­um, land­wirt­schaft­li­che Flä­chen zu erhal­ten, auf denen Lebens­mit­tel ange­baut wer­den und mit denen die Landwirt:innen ihr eige­nes Ein­kom­men erwirt­schaf­ten. Zum ande­ren spie­len der Natur- und der Kli­ma­schutz eine Rol­le. Oft auch bei­des gleich­zei­tig, etwa beim strit­ti­gen Bau­ge­biet Im Moor­hock in Kin­der­haus. Die Flä­che, um die es geht, ist bis­her ein Mais­feld. Und sie ist so gele­gen, dass eine Bebau­ung den Grün­gür­tel an die­ser Stel­le unter­bre­chen und eine Frisch­luft­schnei­se fast kom­plett schlie­ßen wür­de, wie mir Robin Kor­te sag­te. Sol­che Schnei­sen sind wich­tig, damit die Luft ins­be­son­de­re im Som­mer nicht in der Stadt steht und sich zu stark auf­heizt. Falls Sie das nicht direkt vor Augen haben, schau­en Sie sich am bes­ten das Bild in die­sem Arti­kel der West­fä­li­schen Nach­rich­ten und die Umge­bung bei Goog­le Maps an.

Wo Grün­flä­chen erhal­ten wer­den sol­len und wo sie unter Umstän­den auf­ge­ge­ben wer­den kön­nen, sol­len die Teilnehmer:innen des soge­nann­ten Werk­statt­ver­fah­rens für das Flä­chen­kon­zept nicht nur all­ge­mein dis­ku­tie­ren. Son­dern sie sol­len ganz kon­kre­te Ent­schei­dun­gen für ein­zel­ne Fel­der tref­fen, „flur­stücks­be­zo­gen“ heißt das im Antrag.

Wie groß kann Münster denn werden?

Über all dem steht letzt­lich auch noch eine grö­ße­re, über­ge­ord­ne­te Fra­ge: Wie groß soll die Stadt eigent­lich noch wer­den? Im Bau­land­pro­gramm ist das Ziel for­mu­liert, jedes Jahr 2.000 neue Woh­nun­gen zu bau­en. Und in den ver­gan­ge­nen Jah­ren pen­del­te der Wert tat­säch­lich um die­se Zahl. Wie lan­ge kann das so weitergehen?

Theo­re­tisch noch sehr lan­ge, ant­wor­te­te Mat­ti­as Bart­mann auf die­se Fra­ge. Das Stadt­ge­biet von Müns­ter sei immer­hin fast so groß wie das von Mün­chen. Und es gebe noch viel freie Flä­che, aber es gel­te zu ent­schei­den: Set­zen wir die Belan­ge des Sied­lungs­wachs­tums über alle anderen?

Der Ver­gleich mit Mün­chen ist ein guter Anhalts­punkt. Bei­de Städ­te haben eine Flä­che von rund 300 Qua­drat­ki­lo­me­tern. In Müns­ter leben 313.000 Men­schen. Mün­chen hat 1,5 Mil­lio­nen Einwohner:innen. Man könn­te also noch eine sehr lan­ge Zeit wei­ter­bau­en, wenn man woll­te. Knapp 1,2 Mil­lio­nen Men­schen könn­ten theo­re­tisch noch nach Müns­ter ziehen.

Bloß: Dann sähe es hier eben aus wie in Mün­chen. Und das möch­te nie­mand. Denn die vie­len Grün­flä­chen und der naht­lo­se Über­gang in die soge­nann­te Müns­ter­län­der Park­land­schaft gehö­ren zum Stadt­bild und zur Stadt­i­den­ti­tät. Des­halb wer­den Poli­tik und Gesell­schaft wei­ter um eine gute Ver­tei­lung und Nut­zung der Flä­che rin­gen müssen.

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In aller Kürze

+++ Es ist ein ers­ter Schritt, um eine neue Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung für Geflüch­te­te, kurz ZUE, auf dem Gelän­de am Pul­ver­schup­pen (RUMS-Brief) bau­en zu kön­nen: Die Stadt wird einen neu­en Bebau­ungs­plan für das Gebiet erstel­len. Das hat der Rat am Mitt­woch beschlos­sen. Die Rats­ko­ali­ti­on aus Grü­nen, SPD und Volt mach­te aller­dings in einer Pro­to­koll­no­tiz deut­lich, dass sie es wei­ter­hin nicht für rich­tig hält, Men­schen in die­sen Ein­rich­tun­gen unter­zu­brin­gen. Die Men­schen wür­den dort nicht inte­griert, blie­ben dort zu lan­ge und könn­ten nicht arbei­ten, schreibt das Bünd­nis. Es hofft dar­auf, dass eine neue Lan­des­re­gie­rung das Sys­tem nach der Wahl im Mai ändern wird. Dann müss­te Müns­ter die Ein­rich­tung nicht bauen. 

+++ In der aktu­el­len Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tung hat es offen­bar wie­der Pro­ble­me gege­ben (RUMS-Bei­trag). Dar­über gibt es jedoch unter­schied­li­che Dar­stel­lun­gen. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten schrie­ben vor einer Woche, im Janu­ar sei­en die Hei­zun­gen in der Ein­rich­tung „tage­lang kalt“ geblie­ben. Das Bünd­nis gegen Abschie­bun­gen (Kor­rek­tur­hin­weis: Hier stand vor­her See­brü­cke) teil­te mit, die Büros und Bera­tungs­räu­me des Per­so­nals sei­en mit Heiz­lüf­tern aus­ge­stat­tet wor­den, die Räu­me der Bewohner:innen jedoch nicht. Die Bezirks­re­gie­rung, in deren Ver­ant­wor­tung die Ein­rich­tung liegt, weist das auf Nach­fra­ge zurück. Die Hei­zung sei in der Nacht zum 19. Janu­ar von Öl auf Fern­wär­me umge­stellt wor­den. Danach sei es zu Pro­ble­men und Aus­fäl­len in ein­zel­nen Berei­chen und Zim­mern gekom­men. Es hät­ten aber meh­re­re Heiz­lüf­ter zur Ver­fü­gung gestan­den. „Von einem kom­plet­ten Aus­fall der Hei­zung kann kei­ne Rede sein“, schreibt die Behör­de. Das Bünd­nis See­brü­cke plant mor­gen eine Fahr­rad­kund­ge­bung, um auf die Zustän­de in der Ein­rich­tung auf­merk­sam zu machen und gegen das ZUE-Sys­tem zu demons­trie­ren. Los geht es um 14:30 Uhr an der Stubengasse. 

+++ Auf dem Gelän­de am Gaso­me­ter dür­fen in Zukunft auch Büros, Restau­rants oder Hotels gebaut wer­den. Der Rat gab am Mitt­woch den Auf­trag, den Bebau­ungs­plan für das Gebiet zu ändern und damit die Vor­aus­set­zun­gen für einen Investor:innenwettbewerb zu schaf­fen. Die Stadt­wer­ke möch­ten das Indus­trie­denk­mal ver­kau­fen. Das Rat­haus­bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt will dem Ver­ein Sozi­al­pa­last eine Tür offen­hal­ten. Der Ver­ein hat­te das Gelän­de und Gebäu­de bis­lang gemie­tet und wür­de es gern zusam­men mit dem Kol­lek­tiv Gazo zu einer Art sozio­kul­tu­rel­lem Zen­trum umbau­en. Das Bünd­nis mach­te am Mitt­woch in einer Pro­to­koll­no­tiz deut­lich, dass die Ent­schei­dung für den neu­en Bebau­ungs­plan kei­ne Ent­schei­dung gegen die Plä­ne des Ver­eins Sozi­al­pa­last sein sol­len.
Der Ver­ein kom­men­tier­te die Ent­schei­dung am Don­ners­tag in einer zwei­sei­ti­gen Pres­se­er­klä­rung. Die Stadt­wer­ke hät­ten ange­bo­ten, dass der Miet­ver­trag zunächst im drei­mo­na­ti­gen Takt ver­län­gert wer­de. Das gebe dem Ver­ein aller­dings kei­ne Pla­nungs­si­cher­heit, sagt David Koch vom Kol­lek­tiv Gazo. Grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen wie Kon­zer­te oder Thea­ter­auf­füh­run­gen kön­ne man so unmög­lich pla­nen. Das Kol­lek­tiv hofft nun, dass der Rat ihm am Ende den Zuschlag geben wird. Im Beschluss­pa­pier ist nicht die Rede davon, dass hier ein sozio­kul­tu­rel­les Zen­trum ent­ste­hen könn­te. Um Kul­tur geht es nur an drei Stel­len. Sie ist immer nur eine von meh­re­ren Nut­zungs­ar­ten. Es ist zwar unwahr­schein­lich, dass die Stadt dem Ver­ein das Gelän­de über­las­sen wird, aber es ist mög­lich. Das Rats­bünd­nis hat in das Papier der Stadt­ver­wal­tung einen zwei­ten Beschluss­punkt ein­ge­fügt. In ihm steht der Satz: „Inhal­te und Zie­le der Kon­zept­ver­ga­be wer­den mit den zustän­di­gen Gre­mi­en der Stadt Müns­ter abge­stimmt.“ In ande­ren Wor­ten: Das letz­te Wort hat die Politik.

+++ In Müns­ter soll es in Zukunft mehr und bes­se­re Bür­ger­be­tei­li­gung geben. Die Stadt­ver­wal­tung hat dem Rat dazu ein 15 Sei­ten lan­ges Papier vor­ge­legt, das etwas abschre­ckend daher­kommt. Aber es sieht kom­pli­zier­ter aus, als es ist. Und ich glau­be, der Inhalt wird spä­ter sowie­so nicht abge­fragt. Also machen Sie auf jeden Fall immer mit, wenn Sie dazu ein­ge­la­den wer­den. Sie könn­ten zum Bei­spiel als Bürger:in zu einer Arbeits­grup­pe ein­ge­la­den wer­den, mit der die Rat­haus­ko­ali­ti­on – echt wahr – die Bürger:innenbeteiligung vor­be­rei­ten und Leit­li­ni­en erar­bei­ten möch­te.
CDU und FDP äußer­ten dar­an Kri­tik. Hed­wig Lie­ke­fedt von der SPD for­der­te dar­auf­hin, die Plä­ne müss­ten nun aber wirk­lich so beschlos­sen wer­den. Eine wei­te­re „müns­ter­ty­pi­sche Schlei­fe“ mit einem neu­en Arbeits­kreis, der nun erst ein­mal (über die Arbeits­grup­pe?) berät, sol­le es nicht geben. Und so (also ohne Arbeits­kreis, aber mit -grup­pe) wur­de es dann auch ent­schie­den.
Was noch? Sie kön­nen sich dem­nächst auch online betei­li­gen, wenn die Web­site der Stadt wie geplant zu einem Mit­mach­por­tal umge­stal­tet wor­den sein wird. Oder in einem Bürger:innenrat über wich­ti­ge Ent­wick­lungs­the­men mit­dis­ku­tie­ren. Das Rats­bünd­nis will eine Stabs­stel­le in der Ver­wal­tung ein­set­zen, die für das The­ma zustän­dig ist, irgend­wann auch einen Aus­schuss, viel­leicht außer­dem einen Bei­rat. In Wup­per­tal hat die Ent­wick­lung guter Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­zes­se Hed­wig Lie­ke­fedt zufol­ge ein Jahr gedau­ert. Wenn Sie schon vor­her los­le­gen möch­ten, kommt wei­ter unten ein Ver­an­stal­tungs­tipp für Sie.

+++ Der Jugend­rat hat schon los­ge­legt. Die jun­gen Münsteraner:innen möch­ten in Mau­ritz einen soge­nann­ten Dirt­park zum Fahr­rad­fah­ren haben (hier ein Ein­druck, wie so etwas aus­sieht). Ihr Anlie­gen haben sie auf­ge­schrie­ben und es dem Rat am Mitt­woch auch per­sön­lich vor­ge­tra­gen. Die Politiker:innen wer­den dem­nächst im Sport­aus­schuss dar­über beraten.

+++ Und es soll ja kei­ner sagen, hier sei betei­li­gungs­mä­ßig nichts los, es geht gleich wei­ter: Der För­der­ver­ein der Musik­schu­le hat­te eine Online-Peti­ti­on für den Musik-Cam­pus gestar­tet und mehr als 3.000 Unter­schrif­ten gesam­melt. So eine digi­ta­le Unter­schrif­ten­lis­te kann man zwar nicht wirk­lich über­rei­chen, aber die Initiator:innen kamen trotz­dem zu einer sym­bo­li­schen Über­ga­be an den Ober­bür­ger­meis­ter zur Hal­le Müns­ter­land. Und sie brach­ten eini­ge Musiker:innen mit, für einen medi­en­wirk­sa­men Wer­be­auf­tritt.

+++ Jetzt schon ent­schie­den wur­den die neu­en Plä­ne für den Ver­kehr in der Stadt: Bus­fah­ren wird nicht teu­rer, Par­ken schon, und im nächs­ten Jahr soll das 365-Euro-Ticket kom­men. Ich schrei­be das hier so fluffig hin, am Mitt­woch­abend im Rat gab es dar­über eine ein­stün­di­ge Debat­te. Die ist aber auch schnell erzählt. CDU und FDP sag­ten: Das ist nicht finan­zier­bar. Die Politiker:innen der Rats­ko­ali­ti­on sag­ten: Doch, ist es. In den nächs­ten Mona­ten soll ein kon­kre­tes Zah­len­werk auf dem Tisch lie­gen. Dann rech­nen wir nach.

+++ Das wars aus dem Rat. Jetzt noch schnell ein Blick zu den ande­ren Jecken: Die Stadt will den Kar­ne­val erlau­ben, aller­dings ohne Umzug. Kann man es dann nicht gleich sein las­sen, denn was soll das für ein Kar­ne­val sein, so ohne Kamel­le? Gut, Kos­tüm tra­gen, schmin­ken und in die Knei­pe gehen, das geht ja immer­hin. Vor­aus­set­zung ist die neue Regel 2G plus plus: geboos­tert und getes­tet. Tan­zen bleibt aber ver­bo­ten. Helau.

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Korrekturen und Ergänzungen

Im RUMS-Brief am Diens­tag haben wir in der Pas­sa­ge über eine Alter­na­ti­ve zum Musik-Cam­pus Klaus Ander­brüg­ge einen fal­schen Titel gege­ben. Er ist nicht der frü­he­re Rek­tor der Uni Müns­ter, son­dern der frü­he­re Kanz­ler. Wir haben das korrigiert.

Corona-Update

+++ Die Stadt greift auf den Kata­stro­phen­schutz zurück, weil rund 120 Pfle­ge­kräf­te krank sind, die in Alten­pfle­ge­ein­rich­tun­gen arbei­ten. Wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­ten, unter­stüt­zen acht Ein­satz­kräf­te der Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen Arbei­ter-Sama­ri­ter-Bund, des Deut­schen Rotes Kreu­zes, der Johan­ni­ter und Mal­te­ser das Team des beson­ders getrof­fe­nen Alten­heims Fried­richs­burg. Dort sind 20 Pfle­ge­kräf­te erkrankt.

+++ Fünf Men­schen aus Müns­ter, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren, sind gestor­ben, eine 71- und eine 90-jäh­ri­ge Frau und drei Män­ner im Alter von 83, 90 und 100 Jah­ren. Wie die Stadt mit­teilt, sind vier von ihnen an und eine Per­son mit Covid-19 gestor­ben. Ins­ge­samt gab es in Müns­ter seit Pan­de­mie­be­ginn 161 Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit dem Virus.

+++ Seit ges­tern wur­den 788 Neu­in­fek­tio­nen gemel­det, die Wochen­in­zi­denz liegt laut Robert-Koch-Insti­tut bei 1.354,9. In den Kran­ken­häu­sern der Stadt wer­den 68 Covid-Patient:innen behan­delt, 11 von ihnen auf der Inten­siv­sta­ti­on. 4 Men­schen wer­den beatmet.

Unbezahlte Werbung

Wenn es nicht gera­de so stür­misch ist wie heu­te, lohnt es sich, frei­tags zum Mit­tag­essen auf dem Bio­markt am Dom vor­bei­zu­schau­en. Beson­ders emp­feh­lens­wert sind die vega­nen Brat­kar­tof­feln vom P&R Bio­im­biss (ehe­mals Gut Wewel). Wenn Sie nicht vegan oder vege­ta­risch essen, könn­ten Sie dazu auch noch eine Brat­wurst bestel­len, schließ­lich ist Betrei­ber Phil­ipp Kur­zen Metz­ger­meis­ter. Mit dem haus­ge­mach­ten Ketch­up und einer abwechs­lungs­rei­chen Salat-Aus­wahl wer­den hier aber auch Vegetarier:innen satt und glücklich.

Drinnen und Draußen

+++ Manch­mal scheint die Glei­chung nur so zu funk­tio­nie­ren: Mei­nung A + Mei­nung B = Eska­la­ti­on. Der Psy­cho­lo­ge Mari­us Raab behaup­tet aller­dings, das müs­se nicht so sein. Kön­nen Sie das kaum glau­ben oder wol­len ein­fach mehr dar­über wis­sen? Dann gehen Sie doch mor­gen im Ben­no­haus vor­bei. Gemein­sam mit dem Künst­ler Zau­ri Mati­kash­vi­li, der einen Doku­men­tar­film über die „Querdenker:innen“-Bewegung gedreht hat, lei­tet Mari­us Raab dort einen soge­nann­ten Kom­pakt-Kon­gress zum The­ma. In Work­shops und Prä­sen­ta­tio­nen zu Fak­ten, Mei­nun­gen, Wis­sen­schaft und Krea­ti­vi­tät wol­len sie sich gemein­sam mit Ihnen einer kon­struk­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur annä­hern. Anmel­den kön­nen Sie sich per E-Mail.

+++ Wir haben Ihnen hier schon ein­mal die Kunst­aus­stel­lung „nim­mer­satt - Gesell­schaft ohne Wachs­tum den­ken“ emp­foh­len, die im LWL-Muse­um am Dom­platz, in der West­fä­li­schen Kunst­hal­le und beim West­fä­li­schen Kunst­ver­ein gezeigt wird. Dazu kommt heu­te noch ein Ter­min­tipp: Am Sams­tag um 18 Uhr fin­det die vor­erst letz­te The­men­füh­rung durch die Aus­stel­lung statt, die­ses Mal unter dem Titel „Love Space!?“ Mer­le Rad­tke, die Lei­te­rin der Kunst­hal­le, nimmt Sie mit durch die drei Aus­stel­lungs­or­te und dis­ku­tiert die Kunst­wer­ke mit Blick auf The­men wie Mit­ein­an­der und Gemein­schaft. Jeden­falls, wenn Sie sich vor­her per E-Mail anmelden.

+++ Und hier kommt noch die oben ver­spro­che­ne Ver­an­stal­tungs­emp­feh­lung für alle, die sich ger­ne mit loka­ler Demo­kra­tie und Mit­be­stim­mung beschäf­ti­gen möch­ten. Eine frisch gegrün­de­te Initia­ti­ve mit dem Arbeits­ti­tel „Demo­kra­tie-Update Müns­ter“ lädt für Mon­tag­abend 19 Uhr zu einem vir­tu­el­len Ken­nen­ler­nen ein. Enga­gier­te Men­schen aus Müns­ter und Umge­bung wol­len sich dar­über aus­tau­schen, wie Bürger:innen vor Ort poli­tisch mit­wir­ken kön­nen, zum Bei­spiel in soge­nann­ten Bürger:innenräten. Wenn Sie dabei sein möch­ten, mel­den Sie sich kurz per E-Mail an.
Und falls das The­ma Sie inter­es­siert: Wir hat­ten uns vor eini­ger Zeit in die­sem RUMS-Brief schon ein­mal damit beschäf­tigt und ver­sucht, die Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen einer guten Bür­ger­be­tei­li­gung und der Bürger:innenräte aufzudröseln.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Sebas­ti­an Fob­be. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Edi­na Hojas, Eva Strehlke

PS

An die­ser Stel­le kommt oft etwas Lus­ti­ges. Heu­te aber mal etwas Erns­tes, das mir sehr am Her­zen liegt. Und zwar ein Tipp, der (lei­der) vor allem für Frau­en inter­es­sant sein könn­te: die Num­mer von Noa. Die Idee ist ein­fach: Wer in der Knei­pe, in der Bahn oder auf der Stra­ße ange­spro­chen und nach der Tele­fon­num­mer gefragt wird, sich dabei aber unwohl fühlt, kann sich als „Noa“ vor­stel­len und die Han­dy­num­mer ange­ben, die Sie zum Bei­spiel hier fin­den. So kön­nen Frau­en einer sol­chen Situa­ti­on ent­kom­men, ohne eine Kon­fron­ta­ti­on ein­ge­hen zu müs­sen. Wenn jemand die Num­mer von Noa anruft oder eine Text­nach­richt schreibt, hört oder liest er fol­gen­de Nach­richt: „Hey, hier ist Noa. Eine Per­son hat sich nicht wohl gefühlt und dir des­we­gen die­se Num­mer gegeben.“