Hallo again – die Reaktionen | Ist „klimaneutrales” Stadtwerke-Gas klimaneutral? | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis lesen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 25. Oktober 2022

am Freitag haben wir Constanze Buschs Recherche über die Gratis-Zeitung „Hallo“ veröffentlicht, die viele kennen, weil sie schon mal fast drüber gestolpert wären, und von der ausgerechnet der Stapel, in den wir einen GPS-Empfänger gesteckt haben, druckfrisch nach Köln transportiert wurde, zu einem Papierverwerter.

Das kann ein Versehen gewesen sein, denn laut dem Verlag kommt so etwas eigentlich nicht vor. Auf Constanze Buschs Nachfrage hieß es, überschüssige Ausgaben würden nachverteilt. Aber mal angenommen, so ein Versehen würde häufiger passieren, würde sich das dann überhaupt wirtschaftlich lohnen, Zeitungen zu drucken und sie dann gleich wieder in den Müll zu werfen? Könnte sein, denn je größer die Auflage, desto mehr Geld kann man für die Werbeanzeigen verlangen.

Allerdings: Wir haben nur diese eine Stichprobe genommen. Wie viele Ausgaben tatsächlich ungelesen im Müll landen, wissen wir nicht.

Was wir aber wissen: Nicht nur wir wundern uns über die vielen Zeitungsstapel im Stadtbild. Es haben viele Menschen geschrieben, die sich ebenfalls wundern. Sie haben uns Fotos geschickt und Stellen genannt, an denen die Zeitungen sich am Wochenende stapeln. Die häufigste Rückmeldung aber war, auch in unseren Facebook-Kommentaren: Die Zeitung kommt überhaupt nicht mehr an.

Eine Frau schreibt: „Was sagen eigentlich die Anzeigenkunden der ‚Hallo‘ zu der anscheinend massiv geschönten Auflage?“ Wir wissen nicht, ob die Auflage geschönt ist. Aber unsere Recherche gibt Hinweise darauf, dass ein Teil der gedruckten Zeitungen nicht in Briefkästen landet.

RUMS-Leser Konrad Honig verdeutlicht das Problem in einem Kommentar unter dem Text: Wenn ein Teil der Auflage nicht ausgeliefert werde, entstehe den Firmen, die Prospekte verteilen lassen, ein doppelter Schaden, schreibt er. Sie zahlten zum einen zu viel für die Leistung, die darin besteht, die Werbung auszuliefern. Außerdem sei ein großer Teil ihrer Prospekt-Herstellungskosten für die Katz.

Uns würde interessieren, was den Menschen erzählt wird, die in der „Hallo” eine Anzeige schalten. Schreiben Sie uns, gern auch über unseren anonymen Briefkasten.

Und hier noch einmal unser Transparenzhinweis: RUMS ist Gründungsmitglied im Arbeitskreis Digitale Publisher, der die Interessen von Medien vertritt, die ohne Papier auskommen.

Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Nils Dietrich hat sich für RUMS die Verträge der Stadtwerke angesehen, und dabei ist ihm etwas aufgefallen. Das Unternehmen bietet klimaneutrales Gas an. Klimaneutral wird das Gas durch Kompensationsprojekte – also dadurch, dass CO2-Emissionen an anderer Stelle eingespart werden. Aber passiert das hier wirklich?

Möchten Sie mehr erfahren? Dann abonnieren Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis. 

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

PS

Einmal im Jahr entfernt der Langenscheidt-Verlag mit einem minimal-invasiven Eingriff jungen Menschen ein Wort aus ihrem Wortschatz. Danach ist es praktisch unverwendbar. Danach bedeutet in diesem Fall: Nach der Wahl zum Jugendwort des Jahres. In diesem Jahr hat der Verlag das Wort „smash“ gewissermaßen gesmasht, also zertrümmert, so hätte man es früher wahrscheinlich übersetzt. Inzwischen bedeutet es, jemanden abschleppen (gefühltes Jugendwort des Jahres 1954) oder um noch etwas deutlicher zu werden: mit jemandem Sex haben. Nicht zu verwechseln mit: jemanden zerstören. Das bedeutet einfach nur: eine Kritik formulieren, die ziemlich den Kern trifft. Aber wer so etwas sagt, ist mittlerweile auch schon seit ein paar Jahren erwachsen. Auf Platz zwei steht in diesem Jahr übrigens das Wort „bodenlos”. Daran sieht man sehr schön, dass auch Sprache im Grunde wie Mode funktioniert. Irgendwann gräbt man die alten Klamotten aus, und dann sehen sie plötzlich wieder ganz frisch aus. Etwas Uraltes wird hier als neu verkauft; im Grunde ist das eine Frechheit, eigentlich ist es bodenlos.

PPS

Und zum Schluss noch eine schlechte Nachricht. Eigentlich wollten wir morgen Abend mit drei Schülerinnen und Schülern der Reportageschule Reutlingen über Lokaljournalismus diskutieren. Jetzt ist uns leider ein Coronafall in der Gruppe dazwischengekommen. Bislang nur ein positiver Test, keine Symptome. Wir sagen die Veranstaltung trotzdem sicherheitshalber ab.

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