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Es gibt Alkohol auf dem Wochenmarkt | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 24. Januar 2023
das neue Jahr beginnt auf dem Domplatz mit einer kleinen Neuerung, von der wir mit etwas Verspätung erfahren haben, aber zum Glück gerade noch rechtzeitig: Ab Februar kann man sich morgens nach dem Gemüsekauf auf dem Wochenmarkt schön einen geben, denn probeweise gibt es dort bald auch Alkohol, und zwar Wein, Obstwein, Obstlikör und Obstgeist. Das schreibt die Stadt auf unsere Bitte nach Übermittlung einer Getränkekarte.
Hier das Ganze noch mal in Verwaltungsdeutsch: „Das Feilbieten alkoholischer Getränke wurde bisher nicht gestattet und unterliegt jetzt einer Veränderung.“ Nach allem, was wir aus der Verkehrspolitik wissen, ist unsere Vermutung: Die Stadtverwaltung hat irgendwann Anfang der Neunzigerjahre eine Machbarkeitsstudie zum Verkauf von Alkohol auf dem Wochenmarkt in Auftrag gegeben, die schließlich in einem Masterplan Obstgeist 2020 plus mündete, der verschiedene Szenarien enthält. Umgesetzt wurde jetzt mit drei Jahren Verspätung Variante Nummer drei, also die ohne Bier.
Warum? „Zur weiteren Attraktivitätssteigerung wird von einer Regelung aus der Gewerbeordnung Gebrauch gemacht, die ausnahmsweise (…) alkoholische Getränke zulässt, die aus der sogenannten Urproduktion stammen“, schreibt die Stadt in einer Antwort auf ein paar Fragen, die wir gestellt hatten. Wir übersetzen auch diesen Teil: Alkohol zur Attraktivitätssteigerung, das kennt man auch als „schönsaufen“. Der Markt kann also nur gewinnen.
Und was bedeutet das im Ergebnis? „Im Ergebnis können Marktbesucherinnen und -besucher künftig zu Fisch, Burger oder Reibekuchen ein Glas Winzerwein direkt vor Ort genießen oder eine Flasche Obstbrand oder Eierlikör zur Mitnahme erwerben“, schreibt die Stadt. Na ja, warum auch nicht.
Bleibt am Ende eigentlich nur die Frage: Wer hatte denn diese Schnapsidee? Und wer hat das alles beschlossen? Im Rat lag dazu jedenfalls nichts auf dem Tisch. Auf diese Frage gibt die Stadt keine Antwort. Nur so viel: In einem Jahr ende die Probephase, dann werde man „in Abstimmung mit dem Oberbürgermeister“ beraten, ob das Angebot dauerhaft bleibt. Oder anders gesagt: Dann will man alles noch einmal ganz nüchtern betrachten. (rhe)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Die 50 Kilo schwere Bombe, die im Boden in der Loddenheide gefunden wurde, muss nicht entschärft werden. (Stadt Münster)
+++ Der Bahnübergang Coermühle ist am Wochenende wegen Arbeiten an der Eisenbahnlinie gesperrt. (Stadt Münster)
+++ Die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Jahr unter das Vor-Corona-Niveau gesunken. (Arbeitsagentur Ahlen-Münster)
+++ Der Rat der Stadt Münster soll im Sommer beschließen, das ehemalige Offizierskasino im York-Quartier in ein Bürgerhaus umzubauen. (Stadt Münster)
+++ Die Stadt will keine Brücke bauen, über die Eichhörnchen sicher über stark befahrene Straßen huschen können. (Stadt Münster)
+++ Die Stadtwerke Münster bieten ein kaputtes Windrad zum Verkauf an. (Westfälische Nachrichten, Hintergrund: RUMS-Reportage)
+++ Laut Apothekerverband weigern sich öffentliche Stellen immer wieder, Medikamente für Geflüchtete zu bezahlen. (Apothekerverband Westfalen-Lippe)
+++ Noch bis Ende des Monats können Eltern der Stadt sagen, in welche Kita sie ihre Kinder am liebsten schicken wollen. (Stadt Münster)
Unbezahlte Werbung
Irgendwie doch erstaunlich, was man entdecken kann, ohne weit zu fahren. Zum Beispiel das fast 500 Jahre alte Häuschen, das Gadem, das in der Innenstadt wie eingewachsen in der Lütke Gasse steht. Oder die Gedenktafel in der Grünen Gasse, die daran erinnert, dass Johann Wolfgang von Goethe hier bei seinem einzigen Besuch in Münster übernachtet hat. Oder das kleine Gartenhaus, das Johann Conrad Schlaun etwas versteckt in der Josefstraße gebaut hat. Das und über 300 weitere Stichwörter zeigt und erklärt das Stadtlexikon („Münsters beste Seiten“), das vor acht Jahren im Medienverlag Münster-Mitte in Zusammenarbeit mit dem Online-Magazin „Alles Münster“ erschienen ist. Geschrieben, fotografiert und zusammengestellt haben das alles Lisa Brößkamp, Thomas Hölscher, Henning Stoffers und Thomas M. Weber. Und vielleicht noch zur Frage, warum ich ein acht Jahre altes Buch empfehle? Seit November gibt es eine überarbeitete und sehr liebevoll gestaltete zweite Auflage. (rhe)
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
In den Veranstaltungskalender hat heute Viktoria Pehlke für Sie geschaut. Und das hat sie gefunden:
+++ Der Pflegenotstand ist keine Neuigkeit, aber er gerät in den Medien immerzu in Vergessenheit. Am Mittwoch hält das Bündnis „Starke Pflege in Münster“ eine Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt. Beginn ist um 14 Uhr vor der Kirche St. Lamberti.
+++ Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus werden in Münster am Freitag zwei Theaterstücke gezeigt. Das Theater im Pumpenhaus spielt das Stück „Mutters Courage“, das von der verhinderten Deportation der Mutter des Dramatikers George Tabori handelt. Beginn ist um 20 Uhr. Tickets dazu gibt es online.
+++ Das Stadtensemble inszeniert zum gleichen Anlass eine szenische Lesung im Landgericht. „Die Ermittlung“ basiert auf dem ersten Auschwitzprozess in Frankfurt. Zwei Lesungen finden um 16 und 20 Uhr statt. Wenige Tickets gibt es noch online.
+++ Die Villa ten Hompel eröffnet am Sonntag den neuen Gallery Walk „Den Tätern auf der Spur“. Er informiert rund um den Zaun der Villa ten Hompel über polizeiliche NS-Verbrechensorte in Polen. Die Ausstellung wird um 14 Uhr eröffnet und bleibt bis zum 11. Mai.
+++ Die Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo liest am Donnerstag in der Studiobühne der Universität aus ihrem ersten Roman „Adas Raum“ vor. Das Buch erzählt das Leben einer schwarzen Frau namens Ada über mehrere Jahrhunderte hinweg. Otoo spricht im Anschluss über ihre antirassistische Arbeit. Beginn der Lesung ist um 19 Uhr.
Jan Große Nobis hat auch noch einen Tipp:
+++ Am Freitag läuft der Dokumentarfilm „Liza ruft!“ über die jüdische Partisanin Fania Brantsowskaja, die in der litauischen Hauptstadt Vilnius Zwangsarbeit leisten musste und sich einer jüdischen Widerstandsgruppe anschloss. „Liza ruft!“ wurde die Losung für ihren Kampf. Der Faport zeigt am Freitag die Dokumentation über Fania Brantsowskaja im Nebenan an der Warendorfer Straße. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
Sebastian Fobbe empfiehlt:
+++ Der Zeichentrickfilm „Persepolis“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen: Er erzählt die Lebensgeschichte von Marjane Satrapi, die als Kind die Islamische Revolution im Iran miterlebt und später ihr Heimatland verlässt, um nach einigen Umwegen einen Neuanfang in Frankreich zu wagen. Und wie es mit Kunst oft passiert, hat „Persepolis“ seit dem Aufflammen der Proteste im Iran im vergangenen Herbst an ungeahnter Aktualität gewonnen. Am Mittwochabend zeigen die Falken Münster den Film in der Baracke am Aasee. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Wenn Sie vorbeikommen, um sich den Film anzusehen, können Sie für Snacks und Getränke ein paar Euro spenden. Das Geld geht an die iranische Gemeinschaft in Münster.
Und ich habe auch noch was:
+++ Gespensterdonnerstag auf der Burg Hülshoff. Theaterwissenschaft-Studierende der Ruhr-Uni Bochum zeigen sieben Projekte, für die sie sich mit der Wahrnehmung des Seltsamen und Unheimlichen beschäftigt haben. In der Ankündigung schreibt das Center for Literature von „Inszenierungen von Horror und Gespenstern, die man in Form von Texten, Bildern und Gerüchen“ erleben kann. Denken Sie auch gerade an McDonald’s? Das ist hier aber wohl nicht gemeint. Wenn Sie es sich ansehen möchten, um 18:30 Uhr geht es los. Der Eintritt ist frei.
Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Constanze Busch hat für uns in Erfahrung gebracht, wie es mit den Ladesäulen für E-Autos in der Stadt vorangeht. Ihre Analyse beginnt mit einer ernüchternden Nachricht: Es gibt in Münster rund 600 Elektroautos weniger als noch vor einem halben Jahr.
Außerdem habe ich mich mit einer Entscheidung der Bezirksregierung beschäftigt. Sie hat am Montag bekannt gegeben, dass Münster in Roxel keine Gesamtschule eröffnen darf. Hat die Stadt sich schon eine Alternative überlegt? Wird sie klagen? Gibt es doch noch eine Chance, die Schule im Westen zu eröffnen?
Möchten Sie mehr wissen? Dann testen Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Constanze Busch (cbu), Svenja Stühmeier (sst), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn)
Lektorat: Antonia Strotmann
PS
Wahrscheinlich haben auch Sie schon in einem Theater oder im Kino gesessen und dann klingelte mitten in der Vorstellung ein Telefon. Das ist unangenehm, wenn es das eigene ist, und lästig, wenn es irgendwem anders gehört. Aber genauso unangenehm und lästig sind die uncharmanten und schroffen Hinweise darauf, dass man die Dinger vor der Vorstellung bitte ausstellen möge. Seit Sonntag weiß ich, das geht auch anders, ganz sympathisch und lautlos. Ich saß nachmittags mit meiner Tochter im Charivari-Puppentheater, und kurz bevor es losging, kam der Puppenspieler noch einmal nach vorn. Er lächelte und sagte: „Bitte vergessen Sie nicht, nach der Vorstellung Ihre Telefone wieder einzuschalten.“ (rhe)