Kitakrise: Eltern schreiben Brandbrief | Inklusion: Stadtverwaltung holt auf, aber hängt zurück | Unbezahlte Werbung: Bohmte Gallery

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Guten Tag,

in der Coronazeit haben viele Menschen die neue Erfahrung gemacht, dass Regale im Supermarkt leer blieben – über Tage, manchmal über Wochen. Man wollte Nudeln kaufen, aber es gab keine. Hefe war nicht zu bekommen und Toilettenpapier rationiert auf eine Packung pro Person. 

Dann öffneten irgendwann Geschäfte und Restaurants nicht mehr, weil kein Personal zu bekommen war. Auch das war neu. Das Problem weitete sich aus. Gaststätten führten zusätzliche Ruhetage ein, Buslinien fuhren nicht mehr, Eltern fanden keinen Kitaplatz, obwohl das Gesetz ihnen einen Anspruch zusichert.

Und jetzt kommt noch etwas Neues. Kitas, die eigentlich genügend Personal haben, könnten schließen, weil ihnen Geld fehlt (RUMS-Brief). Eine Elterninitiative, die im Stadtteil Uppenberg die Kita „Kinderhäuschen“ betreibt, hat der grünen Familienministerin Josefine Paul in dieser Woche einen Brief geschickt, dessen Kernaussage ist: „Wenn jetzt nichts geschieht, schließt unsere Kita noch vor Jahresende.“ 

Die Eltern bieten an der Salzmannstraße 45 Betreuungsplätze an. So könnten 90 Menschen in Vollzeit arbeiten gehen, schreiben sie. Das alles regeln sie in ihrer Freizeit, neben dem Beruf und der Familie. 

Gleichzeitig zahlen sie Elternbeiträge und laut dem Brief monatlich einen dreistelligen Beitrag an Vereinsgebühren. Das Problem sind die Personalkosten. Die sind mit den Tariferhöhungen gestiegen. 

Die Pauschale, die das Land zahlt, decke die Kosten nicht. Das 100-Millionen-Euro-Hilfsprogramm, das die Landesregierung angekündigt hat, bringe pro Kita gerade 12.500 Euro. Das Geld reiche bei weitem nicht aus. 

Es sei „bizarr“, dass diese Einrichtung in eine Notlage geraten sei. „All das geschieht in einer komplett funktionierenden Kita ohne Personallücken“, schreiben die Eltern. 

Und sie formulieren Fragen. „Können wir noch mit Unterstützung des Landes rechnen“, fragen sie. Wir haben das Ministerium gefragt, ob es weitere Hilfspakete plant. Die Antwort nimmt eine ganze Seite ein. Den Inhalt muss man wahrscheinlich als Nein deuten (hier die vollständige Antwort). 

Das Ministerium verweist auf das, was es schon macht und gemacht hat – auf die Überbrückungshilfe in Höhe von 100 Millionen Euro, auf die um zehn Prozent erhöhten Pauschalen, auf die insgesamt um über eine halbe Milliarde aufgestockten Mittel für frühkindliche Bildung. 

Aber das Ministerium schreibt auch, zu einer ehrlichen Analyse gehöre, dass man diese Entwicklung nicht erst seit gestern sehe – dass die frühkindliche Bildung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten „nicht mit der notwendigen politischen Priorität verfolgt“ worden sei. Man werde „die unbestreitbar bestehenden Problemlagen nicht kurzfristig und als Land alleine (…) lösen können“, heißt es.

Den Eltern von der Kita Kinderhäuschen wird diese Antwort nicht weiterhelfen. In ihrem Brief fragen sie: „Was raten Sie uns? Bitte werden Sie konkret, wir versuchen alles.” 

Eine Antwort hätten sie gern bis zum 1. April. Schriftlich oder persönlich. Die Ministerin haben sie zu einem Besuch eingeladen. Weit hätte Josefine Paul es nicht. Die Kita liegt in ihrem Wahlbezirk. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Rund um Ostern verschiebt sich die Müllabfuhr, während Sperrgut- und Grünschnittabfuhr ausfallen. (Stadt Münster)

+++ Die Frage, welches von vier möglichen Unternehmen das Preußenstadion modernisieren wird, hängt weiter an der Frage, ob Umsatzsatzsteuer gezahlt werden muss, soll aber vor den Sommerferien geklärt werden. (Westfälische Nachrichten)

+++ In der Bezirksvertretung West gab es Streit darüber, ob am Autobahnkreuz Münster-Süd ein großes Windrad gebaut wird, das man vom Aasee aus sehen kann beziehungsweise muss. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Bauarbeiten für das „Centre of Mathematics Münster“ am Orléans-Ring haben begonnen. (Antenne Münster

+++ Die Treppe aus Lack vor dem geschlossenen Lackmuseum in der Innenstadt gibt es nicht mehr. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die CDU-Fraktion sieht die kürzlich beschlossene Mitgliedschaft der Stadt im Wasserstoff-Netzwerk „GetH2“ als Schritt zur Klimaneutralität und fordert einen schnellen Anschluss an eine der zukünftigen Wasserstoff-Pipelines im Münsterland, um Gewerbegebiete mit umweltfreundlicher Energie zu versorgen. (CDU-Fraktion)

+++ Über 50 Organisationen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich in Münster positionieren sich mit einer gemeinsamen Erklärung für Toleranz, Offenheit und Vielfalt und rechtsgerichtete Ideologien. (Pressemitteilung, Positionspapier)

+++ Über 14.000 Zuschauer haben sich bereits Eintrittskarten für das Westfalenpokal-Halbfinale gegen Arminia Bielefeld am Wochenende gekauft. (Arminia Bielefeld)

+++ Markus Lewe hat als Präsident des Deutschen Städtetags kritisiert, dass zu viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, lässt seine Stadtverwaltung als Oberbürgermeister von Münster aber eine deutlich zurückhaltendere Stellungnahme abgeben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Darstellung des „Havanna-Syndroms“ im Münster-„Tatort“, nach dem Mikrowellenstrahlen Gehirne zum Schmelzen bringen, wird von wissenschaftlichen Studien so nicht bestätigt (das kann nur Schokolade). (Süddeutsche Zeitung)

+++ Der Zahl der angezeigten Körperverletzungen an Schulen in Münster ist von 89 im vergangenen Jahr auf 69 zurückgegangen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Zum Sommersemester starten 141 Austauschstudierende und 35 regulär eingeschriebene Studierende aus dem Ausland an der Uni Münster. (Uni Münster)

+++ Das Bistum Münster zahlt über eine Million Euro an Menschen, die sexuelle Gewalt durch Priester erlebt haben. (Deutsche Presseagentur, hier Süddeutsche Zeitung)

+++ Sonntagabend haben über 40 Prozent der Fernsehzuschauer:innen ein wenig Münster-Sightseeing beim „Tatort“-Gucken gemacht. (Deutsche Presseagentur, hier bei Zeit Online)

+++ Der Jurastudent Isaak Rose hat aufgeschrieben, wie er den AfD-Prozess vor dem Oberverwaltungsgericht erlebte und durch ein Gespräch in der Pause Teil zum Gegenstand der überregionalen Berichterstattung wurde. (Alles Münster

+++ Und weil nach dem „Tatort“ vor dem „Tatort“ ist, wurde heute die nächste Folge aus Münster im Kreuzviertel gedreht. (WDR)

+++ In den beiden Osterferienwochen gibt’s im Maxi-Turm in der Innenstadt ein Programm für Kinder. (Stadt Münster)

Verschenken Sie RUMS zu Ostern!

Infobox-Grafik mit Foto mehrerer RUMS-Geschenk-Abos

Morgen ist Frühlingsanfang und das Osterfest naht. Wie wäre es in diesem Jahr mal mit einer ganz besonderen Überraschung? Verstecken Sie doch mal ein RUMS-Geschenk-Abo!

Wir haben drei verschiedene Varianten für Sie: 3 Monate (36 Euro), 6 Monate (72 Euro) oder 12 Monate (144 Euro). Unsere Geschenk-Abos können Sie entweder direkt hier auf unserer Website kaufen oder im Gewand eines hübschen Papier-Gutscheins in unserem Redaktionsbüro am Prinzipalmarkt 21/22/23 erwerben.

Übrigens: Sie bekommen für den Kauf eines RUMS-Geschenk-Abos als Dankeschön auch etwas von uns: unseren RUMS-Kalender. Darin haben wir Ihnen unsere schönsten RUMS-Cartoons von Stephan Rürup zusammengestellt. Schreiben Sie uns gern eine kurze E-Mail, wenn Sie Ihr Exemplar im Redaktionsbüro abholen möchten.

Unbezahlte Werbung

An den Wänden hängen bemalte Skateboards, Bilder von besprühten Zügen, von Graffiti. Kurz: In der Bohmte Gallery hängt Urban Art. Bilder, die man so beispielsweise auch an Hauswänden in Großstädten oder als Tattoo auf der Haut finden könnte. Inhaber Patrick Thomeczek – alias Bohmte – betreibt die Galerie gegenüber des Hauptbahnhofs seit Februar. Sie ist nicht nur Ort der Kreativität, sondern, wie der Inhaber zu den Westfälischen Nachrichten sagt, „ein zweites Wohnzimmer“. Kunstinteressierte sollen vorbeikommen, quatschen und Kunst kaufen können. Aktuell stellt der Künstler Björn von Schulze seine Werke aus.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Raphael Balke Veranstaltungen herausgesucht. Das sind seine Empfehlungen:

+++ Der Autor und Regisseur Tuğsal Moğul thematisiert in seinen Theaterstücken Rassismus und arbeitet rechtsextreme Taten auf. Am Freitag lädt das Theater zu einem Gespräch mit dem Münsteraner über antirassistische Arbeit auf der Bühne ein. Moğul beschäftigte sich in seinem Werk „Auch Deutsche unter den Opfern“ mit den NSU-Morden. Sein aktuelles Stück „And now Hanau“ über die rassistische Tat, bei der in Hanau neun Menschen getötet wurden, läuft vor dem Gespräch ab 19 Uhr im Landgericht. 

+++ „Hallo123“ oder doch besser „Passwort1“? Am Mittwoch erklärt Technikreferent Erik Roguschke in der Stadtbücherei, welche Kriterien für ein sicheres Passwort wichtig sind. Unter anderem zeigt er, wie Verbrecher herkömmliche Passwörter knacken und wie Sie Ihre Passwörter verwalten können.

+++ Die Wolbecker Fotofreunde, kurz „Wolfos“, präsentieren bis Mai in der Kulturkneipe F24 ihre Ausstellung „Farbwelten“. Die Farben der Fotos sind häufig intensiv, die Motive abstrakt. Die „Wolfos“ experimentieren beispielsweise mit Überblendungen und Bildbearbeitung. Weitere Infos gibt’s hier.

Am Freitag schreibt Ihnen Svenja Stühmeier. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche. 

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Raphael Balke (rab), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Svenja Stühmeier (sst) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Wie Sie wissen, verfolgen wir gern, was die Menschen, die für uns schreiben oder geschrieben haben, sonst so machen. Sigrid März, die für RUMS eine Reportage über Kinderarmut in Coerde geschrieben hat, ist nicht nur freie Journalistin, sondern auch promovierte Biologin. Zusammen mit der Ärztin Stefanie Burghaus hat sie ein Buch über Endometriose geschrieben, eine schmerzhafte chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Das Buch erscheint am Freitag hier können Sie es bestellen. Und unsere frühere Kolumnistin Marina Weisband war zu Gast im „Zeit“-Podcast „Das Politikteil“. Dort hat sie über den Ukraine-Krieg und Propaganda im Netz gesprochen. (rhe)

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