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- Kurzbrief von Ralf Heimann
Scharfe Kritik: Geht’s wirklich ums Messer? | Unbezahlte Werbung: Kinderstadtplan für Mauritz | RUMS-Aktion: 6 Monate lesen, 1 Euro zahlen

Guten Tag,
die Westfälischen Nachrichten melden heute im Lokalteil für Münster: „Immer mehr Straftaten mit Messern – Schwerpunkt Bahnhofsviertel“. In einem kleinen Infokasten stehen Verweise auf weitere Messermeldungen der vergangenen Monate. 48-Jähriger in der eigenen Wohnung durch Messerstiche verletzt. Prozess vor dem Landgericht – 29-jähriger Angeklagter: „Ich habe immer ein Messer dabei.“ Messer. Messer. Messer. Es scheint tatsächlich immer schlimmer zu werden (RUMS-Brief).
Dieses Gefühl lässt sich sogar belegen. Laut dem Bundeskriminalamt hat die Zahl der Messerangriffe in Deutschland im vergangenen Jahr um knapp zehn Prozent zugenommen. Erst vor elf Tagen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser angekündigt, das Waffenrecht zu verschärfen und den Umgang mit Messern einzuschränken.
Das Messer ist zu einem Symbol dafür geworden, dass es in Deutschland immer gefährlicher wird. Und den Zahlen nach stimmt das; nur ist es etwas anders, als die auf Messergewalt verkürzte Berichterstattung suggeriert.
Tatsächlich gab es in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt mehr Gewalttaten. Der Anteil der Messerangriffe dagegen ist seit drei Jahren konstant, wie der „Spiegel“ herausgearbeitet hat. Und nicht nur das, der Anteil ist dazu auch noch sehr gering. In den seit 2021 zu Messerkriminalität erhobenen Zahlen des Bundeskriminalamts lag er durchgehend bei sechs Prozent aller Gewalttaten. Laut dem vorgestellten Jahresbericht der Bundespolizei machte Messergewalt im vergangenen Jahr an Bahnhöfen und in Zügen etwas über zwei Prozent aus.
Das bedeutet nicht: Es gibt kein Problem. Ein großer Risikofaktor für Messerkriminalität ist, wenn Menschen ein Messer dabei haben. Und das ist laut dem „Mediendienst Integration“ bei Jugendlichen heute öfter der Fall. Warum das so ist, das ist nicht erforscht. Die Kriminologin Gina Wollinger vermutet, die Jugendlichen wollen sich selbst schützen. Und das wäre nachvollziehbar, man hört ja ständig von neuen Fällen. Erst am Wochenende verletzten zwei junge Männer in Bielefeld einen Gleichaltrigen lebensgefährlich mit einem Messer. Gestern Abend erschoss die Polizei in München eine Frau, die in einem Supermarkt mit einem Messer hantiert hatte.
Dass Messerkriminalität in den Medien so präsent ist, liegt allerdings auch an einem medialen Kaskadeneffekt. Aufmerksamkeit für bestimmte Taten wird mit neuer Aufmerksamkeit belohnt. Das verzerrt das Bild, und am Ende erscheinen die Dinge überdimensional größer und gefährlicher. Und das führt wieder zu Aufmerksamkeit.
Das Messer ist in der Boulevard-Berichterstattung auch deshalb so beliebt, weil es für sich genommen schon eine Geschichte erzählt. Man muss nichts dazu sagen. Die Bilder sind direkt im Kopf. Es ist klar, um wen es da geht. Und es ist klar, was zu tun ist, denn die Problembeschreibung Messer liefert gleichzeitig schon die Lösung: Das Messer muss weg.
Das ist schön einfach und sicher ein Teil einer Lösung, aber es ist nur ein kleiner Teil. Und hier liegt die Gefahr einer Berichterstattung, die allein auf das Messer fixiert ist. Es ist ein Symptom. Es zu beseitigen löst nicht das eigentliche Problem, das unglücklicherweise sehr viel größer, komplexer und tiefsitzender ist als das Messerphänomen. Das ist die Zunahme der allgemeinen Gewaltkriminalität. (rhe)

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+++ Im Aasee und in der Aa gibt es immer noch zu viele Blaualgen, weshalb sich Menschen und Hunde besser vom Wasser fernhalten sollen. (Stadt Münster)
+++ Die Grünen und die SPD wollen in Coerde und Kinderhaus eine ämterübergreifende Taskforce gegen wilden Müll und Sperrmüll einrichten. (Antrag an die Bezirksvertretung Nord)
+++ Es gibt einen neuen Plan, mit dem die Stadt den Hamburger Tunnel, der die beiden Bahnhofseiten verbindet, aufhübschen will. (Stadt Münster)
+++ Münster erhält 5,1 Millionen Euro an Städtebaufördermitteln, vor allem für die Umgestaltung des Hamannplatzes in Coerde und der Freiflächen am Hafen. (Büro von Simone Wendland, CDU)
+++ Nach einem Stromausfall im Rechenzentrum, der die Justiz in Nordrhein-Westfalen lahmgelegt hatte, läuft inzwischen alles wieder. (WDR)
+++ Einige Eltern protestieren gegen die Entscheidung der Stadt, die Luftfilteranlagen, die während der Coronapandemie angeschafft wurden, aus den Schulen zu entsorgen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Ein neuer Fahrservice bringt Menschen, die alt sind oder sich schwer bewegen können, zweimal pro Woche an den Friedhof Lauheide. (CDU-Fraktion)
+++ Einige Beschicker:innen können es sich vorstellen, den Wochenmarkt ab und zu auf dem Mühlenhof-Gelände stattfinden zu lassen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Ein 101-jähriger Wolbecker ist 85 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr und hat nun eine neu geschaffene Ehrenurkunde bekommen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Münsters Suchtprävention bietet zum Schuljahresbeginn Präventionsmaterialien, Fortbildungen und einen Hip-Hop-Workshop „Leben ohne Qualm“ für Schulen und Jugendhilfe an. (Stadt Münster)
Die Sommerferien gehen diese Woche zu Ende. Bestimmt haben Sie in den Ferien den einen oder anderen Ausflug mit der Familie unternommen. Heute wollen wir Ihnen noch eine kleine Entdeckungsreise durch Münster empfehlen, genauer gesagt durch den Westen des Mauritzviertel. Die Illustratorin Anne Marie Braune hat für das Quartier einen wunderschönen Kinderstadtplan gestaltet, der eine Rätseltour durch Mauritz bereithält. Auf verschiedenen Stationen stellt das Rotkehlchen Rosi den Stadtteil vor und stellt Fragen zu den Sehenswürdigkeiten in Mauritz-West. Einige Buchstaben der Antworten ergeben zum Schluss ein Lösungswort. Ich bin mir sicher, auch für die Eltern sind da ein paar Neuigkeiten dabei. Wenn Sie den Spaziergang einmal ausprobieren möchten, können Sie den „Kinderwege Finder“ entweder zu Hause ausdrucken oder in der Stadt abholen. Der kostenlose Kinderstadtplan liegt in der Stadtteilbücherei Hansaplatz, im Cinema, im Umwelthaus, in der Stadtbücherei, im Kreativhaus, in der Kinderbuchhandlung „Hasenstall“ und in der Touristik-Information aus. Sie können auch direkt bei Anne Marie Braune vorbeigehen und den „Kinderwege Finder“ aus ihrem Atelier an der Dorotheenstraße 8 mitnehmen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Katja Angenent hat in den Terminkalender geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen:
+++ Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal im LWL-Museum für Naturkunde? Zurzeit präsentiert das Museum eine sehr interessante Sonderausstellung über die winzig kleinen Bausteine unseres Körpers, die uns alle aber ein Leben lang prägen: unsere Gene. Am Mittwoch oder Donnerstag wäre eine gute Gelegenheit für einen Besuch im Naturkundemuseum. Dann ist der Eintritt frei.
+++ Wenn Sie Lust auf Arthouse-Kino haben, schauen Sie doch am Mittwoch um 18 Uhr im Cinema vorbei, dann wird im Rahmen der Reihe „Leinwandbegegnungen“ der angolanische Film „Air Conditioner“ gezeigt. Es geht um ein Stadtporträt zwischen magischem Realismus und Science Fiction, heißt es in der Beschreibung. Im Anschluss können Sie im neben*an über Ihre Eindrücke sprechen. Der Eintritt kostet 3 Euro.
+++ Am Donnerstag findet um 17 Uhr auf dem Platz des Westfälischen Friedens der 5. Gedenktag an Opfer von Gewalt durch Religion und Weltanschauung statt. Nach verschiedenen Redebeiträgen, unter anderem von Vertreter:innen unterschiedlicher Religionen, gibt es die Möglichkeit zum Austausch untereinander.
+++ Ebenfalls am Donnerstag lädt das Forum „Mehr Mut zur Tat“ um 19 Uhr ins Franz-Hitze-Haus ein, um darüber zu diskutieren, wie Kinder aus sogenannten „bildungsfernen Haushalten“ besser gefördert werden können. Dabei sind unter anderem Dorothee Feller, Ministerin für Schule und Bildung des Landes NRW, sowie Michael Becker-Mrotzek, Mitglied der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz. Wenn Sie teilnehmen möchten, melden Sie sich vorab per E-Mail an.
+++ Ab Freitag veranstaltet die Stadt den „Domplatz-Dialog“. Bei dieser Veranstaltung können Sie Ideen kennenlernen, die den Domplatz schöner und alltagstauglicher machen sollen, und auch selbst Vorschläge abgeben. Treffpunkt ist ein Info-Pavillon, den die Stadt bis zum 27. August auf dem ehemaligen Westfalenfleiß-Parkplatz aufstellt. Die Öffnungszeiten und mehr zum Programm erfahren Sie hier.
Und sonst so?
Als Thomas Laufmöller vor ungefähr einem Jahr als Priester gekündigt hat, kam es zu Protesten im Bistum. Viele Gemeindemitglieder wollten, dass Laufmöller bleibt. Aber die Differenzen zwischen ihm und dem Bistum wiegen zu schwer. Inzwischen arbeitet Thomas Laufmöller als Seelsorger und Trauredner und feiert Gottesdienste in der Halle eines Unternehmens, zu denen zum Teil hunderte Menschen kommen.
Gemeinsam mit dem Journalisten Ralf Isermann hat Thomas Laufmöller jetzt seine Geschichte in einem Buch aufgeschrieben. Ich habe mit den beiden gesprochen: über das Buch, das vergangene Jahr und ihre Kritik an der katholischen Kirche.
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Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schuhbarth
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PS
Zwischendurch findet man immer mal wieder Quatschmeldungen. Diesmal überraschenderweise in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es geht um eine „neue Statistik“, nach der Münster „Stress-Hotspot Deutschlands“ sein soll. Wer soll das denn schon wieder glauben? Woher die Statistik kommt, verrät die Zeitung leider nicht. Und einen Link zu setzen, das wäre vermutlich zu stressig in Frankfurt, dem mutmaßlichen deutschen Chill-Hotspot. Die Rede ist lediglich vom größten deutschen Telemedizin-Anbieter. Der soll das alles verbreitet haben. Wer ist das, das könnte man jetzt herausfinden. Aber das wäre wieder so stressig, und wahrscheinlich wären die Ergebnisse auch nicht so erhellend. Wenn Unternehmen Studien, Untersuchungen oder eben einfach Statistiken zu irgendwelchen spektakulären Themen veröffentlichen, geht es ja in der Regel nicht um bahnbrechende neue Erkenntnisse, sondern darum, das den Auftrag gebende Unternehmen ins Gespräch zu bringen. Immerhin findet man einen kleinen Hinweis im Artikel dazu, wie die Ergebnisse der „neuen Statistik“ zustande gekommen sind. Der Telemedizin-Anbieter hat erwartungsgemäß nicht in Münsters Behörden herumgefragt, sondern Suchanfragen ausgewertet. Das habe ich auch getan, und das Ergebnis gibt doch zumindest etwas Aufschluss darüber, wie Medien funktionieren. Erster Treffer: Münster ist Deutschlands Stress-Metropole. Ein Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. (rhe)
