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Die Sorgen der matten Wirtschaft | Unbezahlte Werbung: Papiertiger & Löwenherz | 6 Monate RUMS für 1 Euro

Guten Tag,
fragt man Fritz Jaeckel, den Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer am Sentmaringer Weg, was denn eigentlich genau gemeint ist, wenn seine Kammer einen „Bürokratieabbau“ fordere, dann holt er in seinem Büro eine große Übersicht mit Gesetzgebungsverfahren hervor, die zurzeit in Europa laufen. Aus der Ferne erkennt man auf der Übersicht nicht viel, aus der Nähe allerdings auch nicht.
Es gibt eine große Menge an Regularien, Dokumentationspflichten und Schwellenwerten, die eingehalten werden sollen, damit alles transparent ist, den Vorschriften entspricht und das, was die Menschen so kaufen, gewisse Standards einhält. Und es werden immer mehr.
Aus Sicht von Unternehmen ist es so aufwändig geworden, sich an all das zu halten, dass es wirkt wie ein Bremsklotz. Dabei wäre es aus Firmen-Perspektive nötig, etwas schneller voranzukommen, denn der Wirtschaft in Deutschland, auch in der Region, geht es so schlecht wie lange nicht mehr.
„Uns droht das dritte Jahr ohne Wachstum“, sagte Fritz Jaeckel am Dienstagmittag bei einem Pressegespräch via Videokonferenz. Er hatte eingeladen, um eine neue Konjunkturumfrage zu präsentieren, deren Ergebnis man zusammenfassen könne mit den Worten: verdammt miese Stimmung.
Die Kammer hat 600 Unternehmen befragt, 270 haben geantwortet. Und vielleicht kommt hier schon zum Ausdruck, dass die Firmen gerade andere Dinge zu tun haben.
Um die Ergebnisse kurz zusammenzufassen: Der Anteil der Unternehmen mit schlechter Geschäftslage hat stark zugenommen. Die Erwartungen sind schlechter geworden. Die Exporte haben nachgelassen, Investitionen gehen zurück. Auch auf dem Arbeitsmarkt wird das alles nun spürbar.
Schaut man etwas genauer hin, erkennt man einige Unterschiede. IT-Unternehmen oder unternehmensnahen Dienstleistern, zum Beispiel Steuerberatern, geht es verhältnismäßig gut. Im Handel dagegen spricht jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) von einer schlechten Geschäftslage, in der Industrie sind es laut der Umfrage vier von zehn Firmen (38 Prozent).
Im Münsterland sieht es etwas besser aus als zum Beispiel nebenan in der Emscher-Lippe-Region. Das größte Konjunkturrisiko sehen Handel und Industrie in der schlechten Nachfrage im Inland. Daher ist ein gutes Geschäft im Ausland besonders wichtig. Aber auch da hängt der Himmel voller dunkler Wolken.
Donald Trump will sein Land mit Zöllen abschotten. Doch dann gelte, dass „Zölle mit Zöllen vergolten werden“, sagte Fritz Jaeckel. Und das ist ungefähr so, als wenn im Kino erst einer aufsteht, um besser sehen zu können – und nach und nach auch alle anderen, um nicht schlechter zu sehen.
Ein Druckmittel fehlt
Bei Zöllen hat Europa allerdings schlechte Karten. Zwischenfrage aus einem der Konferenzfenster auf dem Bildschirm: Aus den USA importiere man in Europa Whisky oder Motorräder von Harley Davidson. Aber was noch? Das wären jetzt auch die Produkte gewesen, die er genannt hätte, sagte Fritz Jaeckel und schob hinterher: „Und da sehen Sie schon, dass mir nicht wesentlich mehr einfällt.“
Europa fehlt also ein Druckmittel. Gleichzeitig ist das Geschäft mit Nordamerika für viele Firmen aus der Region so wichtig, dass sie nicht einfach darauf verzichten können.
Wo Staaten Zollmauern hochziehen, werden Produkte aus dem Ausland teurer, das zeigt sich irgendwann an der Inflationsrate. Und wenn das passiert, hätten die USA ihre heimische Wirtschaft zwar mit sehr lauten Worten und großer Geste geschützt, aber man hätte ein anderes unangenehmes Problem. Und das war vor wenigen Monaten wahlentscheidend.
Fritz Jaeckel rechnet damit, dass sich die Folgen schnell zeigen werden. „Ich glaube, dass es diese Effekte geben wird, aber die werden viel später einfliegen, als wir denken“, sagte er. Möglicherweise zeige sich all das erst in drei Jahren, kurz vor dem Ende von Donald Trumps Amtszeit.
Die Firmen in der Region scheinen sich jedenfalls darauf einzustellen, dass auch der Export unter alledem leiden könnte. Ergebnis der Umfrage: Vier von zehn Firmen rechnen mit schlechteren Export-Geschäften, vor allem wegen der neuen US-Regierung.
So kommt die Weltpolitik Münster sehr nahe. Fritz Jaeckel erzählte von der Firma Weicon an der Königsberger Straße, die Kleb- und Dichtstoffe herstellt, vor Kurzem eine Niederlassung im australischen Brisbane eröffnet hat und damit auf allen fünf Kontinenten vertreten ist. Er sprach von einem Unternehmen aus der Region, dessen Namen er nicht nannte, das in Mexiko produziere und das sich jetzt Gedanken über das Problem mit den Zöllen mache. Sehr wahrscheinlich passiert das auch anderswo. Insgesamt seien über 300 Firmen aus der Region in den USA aktiv, sagte Jaeckel.
Und dann ist da ja auch noch das Inland mit all seinen Problemen, dem Wahlkampf, in dem es zuletzt fast ausschließlich um die Migrationsfrage ging – und der Unsicherheit darüber, was die nächste Bundesregierung bringen wird. Für den CDU-Mann Jaeckel kann es im Grunde nur besser werden.
Auf seinem Schreibtisch liegt ein Papier mit „sieben klaren Erwartungen“, die er in den kommenden Tagen in Düsseldorf, Berlin und Brüssel bekannt machen will.
So neu sind die Forderungen allerdings nicht. Es sind Schlagworte, die man immer wieder hört. Verlässlichkeit und Planungssicherheit herstellen. Investitionsbremse lösen. Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen sichern. Fachkräftemangel beseitigen. Und, natürlich: Bürokratieabbau. (rhe)

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+++ Unbekannte haben am Wochenende Schriftzügen wie „Why“ und „CO2“ auf 15 Autos gesprüht. (Polizei Münster)
+++ Weil die Gewerkschaft Verdi streikt, stehen die Schleusen am Kanal voraussichtlich noch bis Donnerstag still. (WDR)
+++ Die Stadt testet in Nienberge erstmals den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Straßenschäden, um gezielter sanieren zu können. (Stadt Münster)
+++ Durch eine Spende können freitags und samstags wieder Kinder im Maxi-Turm am Syndikatplatz betreut werden. (Stadt Münster)
+++ Im April öffnet in Kinderhaus eine neue Kita. (Stadt Münster)
+++ Auf der Warendorfer Straße ist es am frühen Morgen zu zwei schweren Unfällen gekommen, bei denen ein Lkw im Rückstau des ersten Unfalls auf einem Bahnübergang von einer Regionalbahn erfasst wurde. (Polizei Münster)
+++ Obwohl die Stadtwerke seit einem Jahr auf Strafanzeigen verzichten, ist die Zahl der Menschen, die in Münster ohne gültigen Fahrschein Bus fahren, ist nicht gestiegen. (Westfälische Nachrichten)
Das Stöbern im Schreibwarengeschäft macht besonders viel Spaß, wenn es viel zu sehen gibt. Im „Papiertiger & Löwenherz“ kann man sich fast schon verlieren. Der kleine Laden an der Klosterstraße 1 hat nicht nur Grußkarten für alle Anlässe, sondern auch schönes Geschenkpapier, wertige Notizbücher, Kalender, Schreibzeug und überhaupt jede Menge Geschenkideen. Falls Sie mal vorbeischauen möchten: „Papiertiger & Löwenherz“ hat jeden Tag (außer sonntags) von 10 bis 18:30 Uhr geöffnet.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Katja Angenent hat für Sie ein paar Veranstaltungs-Tipps gesammelt. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ Deutschlandweit gehen Menschen auf die Straße, um gegen die Zusammenarbeit von CDU und FDP mit der AfD in der Migrationspolitik zu demonstrieren. Morgen ruft auch das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ zu einem erneuten Protest vor der CDU-Zentrale an der Mauritzstraße auf. Beginn ist um 18 Uhr.
+++ Der chinesische Film „Return to Dust“ handelt von zwei Menschen, die von ihren Familien verstoßen wurden und in einer arrangierten Ehe zueinander finden. Es ist eine Geschichte über unerwartetes Glück und Liebe, aber auch über Ausbeutung, Armut und Verlust. Wenn Sie das interessiert, dann kommen Sie morgen Abend ins Cinema. Der Filmclub Münster zeigt dort „Return to Dust“ ab 20 Uhr. Karten für 10 Euro erhalten Sie hier.
+++ Bilder sagen oft mehr aus als Texte. Am Donnerstag sprechen drei Expert:innen im Stadtmuseum darüber, was Fotojournalismus aus Krisengebieten heute bedeutet. Bei der Podiumsdiskussion geht es nicht nur um die Frage, wie Bilder unsere Wahrnehmung von Kriegen und Konflikten beeinflussen, sondern auch um professionelle Fotografie im Social-Media-Zeitalter. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und kostet keinen Eintritt.
+++ Bildende Kunst ist nicht nur schön, sondern oft auch mystisch und geheimnisvoll. Am Donnerstag und Freitag veranstaltet das Institut für Kunstgeschichte eine öffentliche Tagung über „Das Unheimliche in der Kunst“. Es geht um verschiedene Werke, unter anderem von Botticelli, Rubens, Beuys und Kahlo. Je nachdem, wie Sie Zeit haben, können Sie auch an einzelnen Veranstaltungen des zweitägigen Programms teilnehmen. Mehr dazu hier.
+++ Was bleibt eigentlich, wenn der Wald abgeholzt ist? Dieser Frage geht die interaktive Performance „Roden“ am Freitag- und Samstagabend im Pumpenhaus nach, jeweils ab 19 Uhr. Karten gibt’s hier.
Und sonst?
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Nach der Gewalttat von Aschaffenburg dominiert die Migrationsfrage den Wahlkampf. Der Politikwissenschaftler Norbert Kersting hält das zwar für wichtig. In der aktuellen Debatte geht es nach seinem Eindruck aber nicht darum.
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Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Anna Niere (ani), Jan Große Nobis (jgn), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Svenja Stühmeier
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PS
Das Problem mit den Wahlprogrammen ist: Es sind erst mal Versprechen. Was davon Wirklichkeit wird, das zeigt sich im Laufe der Jahre nach der Wahl. Aber wenn man nach Wahlprogrammen wählt, kann man auch Pech haben. Die Plattform „Frag den Staat“ hat sich überlegt, wie man einen etwas verlässlicheren Weg finden könnte, um herauszufinden, was man von Parteien erwarten kann. Das Ergebnis ist der „Real-O-Mat“, eine Wahlhilfe, die nicht schaut, was Parteien versprechen, sondern wie Abgeordnete abgestimmt haben. Am Ende kann man sich alles in einer Übersicht ansehen. Sehr empfehlenswert – und hier zu finden. (rhe)
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