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Kein Gras drüber gewachsen: Weiter Streit um Cannabis | Unbezahlte Werbung: Mutter Birken | 6 Monate RUMS lesen für 1 Euro

Guten Tag,
heute vor einem Jahr ist Cannabis legalisiert worden. Und passend zum Jahrestag ist gestern Nachmittag eine Polizeimeldung hereingeflattert, in der es um eine Verfolgungsjagd geht, die offenbar nach einem Joint stattgefunden hat.
Nach mehreren tollkühnen Stunts und überfahrenen roten Ampeln stoppte die Polizei am Sonntagnachmittag eine 34-jährige Autofahrerin aus Ibbenbüren im Wendehammer des Dag-Hammarskjöld-Wegs hinter dem Marktkauf an der Loddenheide. Die Fahrt endete für die Frau auch in anderer Hinsicht in einer Sackgasse.
Laut Polizeibericht besaß sie keinen Führerschein. Nach dem Drogentest und der ganzen Nummer wird sie vermutlich auch erst mal keinen bekommen.
Eigentlich stellt man sich das ja so vor, dass Cannabis alles deutlich verlangsamt. In diesem Fall sahen die Polizisten allerdings, wie sich der Tachozeiger ihres eigenen Autos während der Verfolgungsjagd in einer 50er-Zone auf 140 Stundenkilometer hochzitterte. Man fragt sich also: Was ist los mit dem Zeug?
In Berlin diskutieren sie gerade, ob man die Cannabis-Legalisierung wieder abschafft. Vor allem in Bayern würde man darauf gern anstoßen.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach von der CSU hat der Augsburger Allgemeinen gesagt: „Der Regierungswechsel bietet die Chance, die Verharmlosung dieser gefährlichen Droge zu beenden und wieder für mehr Gesundheitsschutz, insbesondere für Kinder und Jugendliche, zu sorgen.“
Simon Nagel, Direktor der neurologischen Klinik in Ludwigshafen, hat in der Apotheken-Umschau allerdings soeben noch einmal erklärt, dass die Risiken von Alkohol sehr viel größer seien.
Dass die CSU, überhaupt die Union, im Fall von Cannabis die Sorge um den Jugendschutz und die Gefahren der Droge hervorhebt, ihr das alles im Fall von Alkohol und Tabak aber eher unwichtig zu sein scheint, macht die Argumentation unglaubwürdig.
Tatsächlich geht es wohl einfach darum, dass die konservative Sphäre Kiffen einer linken Kultur zuordnet, die sie ablehnt. Alkohol dagegen ist Teil der eigenen Kultur. Und – auch nicht ganz unwichtig – an der Alkohol- und Tabakindustrie hängen Arbeitsplätze. Diese Unehrlichkeit ist Teil der Debatte.
Die Bilanz der Teillegalisierung ist tatsächlich gemischt. Einerseits hat das neue Gesetz dazu beigetragen, die Justiz zu entlasten. Die Zahl an Drogendelikten ist zurückgegangen, man hat den Umgang mit Cannabis entkriminalisiert. Das zeigt auch die aktuelle Kriminalitätsstatistik für Münster.
Andererseits hat der Schwarzmarkt nicht an Bedeutung verloren. Das führt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nun gegen die Legalisierung an. Allerdings hat Bayern bislang nicht einen einzigen Cannabisverein genehmigt und so dafür gesorgt, dass der Schwarzmarkt kaum an Bedeutung verlieren kann. Das gehört auch zur Wahrheit.
In Münster hat die Bezirksregierung bislang zwei Anträge für Cannabisvereine genehmigt, drei seien noch in Bearbeitung, schreibt ein Sprecher auf Anfrage.
Wäre die Absicht tatsächlich, den Schwarzmarkt bedeutungslos zu machen, müsste man die Legalisierung nicht rückgängig machen, sondern den Genehmigungsprozess beschleunigen, um den legalen Markt attraktiver zu machen. Wie man das mit dem Jugendschutz vereinbaren kann, ist ja vom Alkohol bekannt.
Mehr Unfälle unter Drogen
Wenn man nicht einfach einen Kulturkampf gegen Cannabis führen, sondern das Gesetz verbessern möchte, muss man auch auf die Schwachpunkte schauen. Das Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat haben heute Zahlen zur Bedeutung von Drogen im Straßenverkehr veröffentlicht.
Demnach stieg die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss in Nordrhein-Westfalen zwischen 2023 und 2024 um knapp zwölf Prozent. Die Frage ist: Wie würde man reagieren, wenn es hier um Alkohol ginge? Würde eine Diskussion darüber beginnen, ob Alkohol verboten werden soll? Oder würde man über höhere Grenzwerte, mehr Kontrollen oder härtere Strafen nachdenken?
Auch die gesundheitlichen Risiken sind ein überzeugendes Argument. Aber wenn es ernsthaft darum geht, gesundheitliche Risiken zu minimieren, dann muss man die Kriterien des Gesundheitsschutzes anlegen und auch bereit sein, sich unbeliebt zu machen und sich mit der Alkohol- und Tabaklobby anzulegen.
Auch die Polizei in Münster ist nicht so begeistert vom neuen Gesetz. Als wir in der vergangenen Woche nach der Situation am Hauptbahnhof fragten, schickte die Polizeipressestelle eine Stellungnahme, in der die Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf am Ende einen Schlenker zum Cannabisgesetz machte. „Insbesondere für den Jugendschutz ist das Gesetz eine Katastrophe“, sagte Dorndorf. Für die Umsetzung des Gesetzes gelte dasselbe.
Ihre Prognose ist, dass man in der warmen Jahreszeit erleben werde, was Cannabiskonsum in Parks und Grünanlagen, in der Nähe von Schulen und Spielplätzen bedeute. Die Innenstadt werde an vielen Stellen nach Haschisch stinken. „Wie wir das finden, bleibt wohl jedem selbst überlassen“, sagt Dorndorf.
Das Meinungsforschungsinstitut Yougov hat im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur versucht herauszufinden, wie die Leute darüber denken. Ergebnis: 38 Prozent der Befragten sind dafür, die Legalisierung wieder rückgängig zu machen. Ebenfalls 38 Prozent möchten, dass Cannabis in geringen Mengen legal bleibt. 11 Prozent wünschen sich noch weniger Beschränkungen. 13 Prozent machten keine Angaben.
Und dann lesen wir hier gerade noch: Münsters erster Cannabisverein will am Flughafen Münster/Osnabrück die erste exklusive „Kiffer-Lounge“ eröffnen. Der Verein wolle mit dem innovativen Konzept neue Maßstäbe setzen und deutschlandweit ein Vorbild schaffen. Falls das jetzt irgendwer aus dem bayerischen Innenministerium mit anschwellendem Puls mitliest – keine Sorge, das ist nur ein Aprilscherz. (rhe)
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Fundbüro

Heute gibt’s eine kleine Premiere hier im RUMS-Brief: Wir stellen Ihnen unsere neue Kategorie vor – das Fundbüro. Hier zeigen wir ab und zu kuriose Beobachtungen. Zum Beispiel diese kleine Zeitungs-Maus an unserem Briefkasten. Der kreative Ungehorsam hat wieder einmal vor unserer Tür gewütet. Vor gut 3 Jahren hatte der Street-Art-Künstler schon einmal ein kleines weißes Häschen an unser Fenster geklebt. Seitdem sind wir allerdings umgezogen – und jetzt ist auch das neue RUMS-Büro mit einem Stempel vom kreativen Ungehorsam versehen. Jetzt kommen Sie ins Spiel: Ist Ihnen in der Stadt etwas Kurioses, Ungewöhnliches oder Einzigartiges aufgefallen? Dann schicken Sie uns doch ein Foto an redaktion@rums.ms.
+++ Unbekannte haben mehrere Hakenkreuze an die Grundschule an der Bonhoefferstraße gesprüht. (Polizei Münster)
+++ Anlieger:innen im Kiepenkerlviertel beklagen einen Investitionsstau, weil der Brunnen an der Neubrückenstraße seit Jahren defekt ist und Schrotträder, marode Telefonzellen sowie fehlende öffentliche Toiletten das Stadtbild stören. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Warendorfer Straße bekommt mit dem Projekt „Stadthof Münster“ rund 100 neue Wohnungen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Peter-Wust-Schule in Mecklenbeck soll ab 2026 durch zwei Neubauten und eine neue Mensa erweitert werden. (Stadt Münster)
+++ Die Stadt hat den Zuschuss für das Bündnis „Sicher durch Münster“ überraschend von 60.000 auf 20.000 Euro gekürzt, was bei den Beteiligten für großen Unmut sorgt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Landesinitiative „Europa-Schecks“ fördert drei neue Projekte in Münster – darunter eine EU-Parlaments-Simulation für Schüler:innen, ein deutsch-niederländisches Hochschulprojekt und ein Jugendprojekt mit Georgien. (MdL Robin Korte)
+++ Nachdem die Diskothek „Schwarzes Schaf“ geschlossen war, soll sie Ende April unter neuer Leitung wieder öffnen. (Schaf auf Instagram)
Heute fängt der Frühling an – zumindest bei Mutter Birken an der Schulstraße. Dort werden heute nämlich zum ersten Mal nach der Winterpause wieder Tische und Stühle nach draußen gestellt. Von dem kleinen Biergarten haben Sie einen tollen Blick auf die gerade blühenden Kirschbäume. Sollte es wider Erwarten regnen, können Sie aber auch ganz gemütlich drinnen sitzen. Das bietet sich an, wenn Sie Fußball mögen, denn bei Mutter Birken laufen sämtliche Spiele der 1. und 2. Bundesliga. Kulinarisch kann sich vor allem die Bierauswahl sehen lassen: Sieben verschiedene Sorten vom Fass, daneben belgische Spezialitäten aus der Flasche. Dazu gibt es Herzhaftes aus der Küche: Flammkuchen, Chili, Currywurst – wahlweise mit Fleisch oder vegan. Geöffnet ist das Traditionslokal im Kreuzviertel unter der Woche von 17 Uhr bis kurz vor Mitternacht. Am Wochenende geht es schon um 15 Uhr los. Nur montags ist Ruhetag.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Katja Angenent hat heute für Sie in den Kalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ „Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“ Vielleicht antworten bald ein paar Leute: auf der Bühne in der B-Side. Dort findet morgen zum ersten Mal die Live-Datingshow „Date my Friend“ statt. Das Prinzip: Singles werden 10 Minuten lang auf der Bühne von ihren Freund:innen „gepitcht“, mit Bildern, Sprachnachrichten und Chatverläufen. Wenn Sie schon jemanden gefunden haben, können Sie auch einfach nur zum Zuhören kommen. Eine Karte kostet 18 Euro. Los geht’s um 20 Uhr.
+++ Auf Einladung der Präventionskampagne „Voll ist out“ schildern Helge Nieswandt und Torben Schreiber im Archäologischen Museum am Donnerstag, 3. April, wie Alkohol in der Antike gesehen und getrunken wurde. „Vom heiligen Trank bis zum ungezügelten Missbrauch“ heißt ihr Vortrag, der um 17 Uhr beginnt.
+++ Ebenfalls am Donnerstag wird um 18 Uhr die Ausstellung „Faszination Lack“ im Museum für Kunst und Kultur eröffnet. Falls Ihnen der Titel bekannt vorkommt, erinnern Sie sich sicherlich noch an das private Lackmuseum an der Promenade, dessen Bestand 2024 vom LWL übernommen worden ist. Ein Teil der Sammlung ist nun noch bis Ende Juli am Domplatz zu sehen. Am Eröffnungsabend ist der Eintritt frei.
+++ Am Freitag findet ab 18 Uhr die Nacht der Bibliotheken statt. In der Stadtbücherei gibt’s bis 23 Uhr unter anderem Poetry Slam, ein Book-Speed-Dating, Führungen und verschiedene Lesungen. Was wann genau passiert, finden Sie hier. Falls Ihnen das zu viel Trubel sein sollte, besuchen Sie doch die Stadtteilbücherei am Aaseemarkt. Dort gibt es von 19 bis 22 Uhr „Silent Reading“.
Und sonst?
In Münster sieht man so viele E-Autos wie kaum anderswo. Doch es fehlen die Steckdosen. Sie wollen wissen, wie das zusammenhängt? Dann testen Sie RUMS 6 Monate lang für 1 Euro.
Am Freitag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Anna Niere (ani), Jan Große Nobis (jgn), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer
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PS
Ein deutsch-niederländisches Forschungsteam hat in einer alten Sammlung im Museum „De Museumfabriek“ im niederländischen Enschede eine bislang unbekannte Art einer urzeitlichen Seekatze entdeckt. Das ungefähr 140 Millionen Jahre alte Fossil stammt aus einer heute überfluteten Tongrube in Gronau. Und weil das der Geburtsort von Udo Lindenberg und Sänger und Fossil gefühlt in etwa das gleiche Alter haben, hat man die Seekatzenart auf den schönen Namen Stoilodon lindenbergi getauft. Wir haben extra noch mal in der LWL-Pressestelle gefragt, ob das ein Aprilscherz ist. Aber nein, ist es nicht. Die Katze sei ursprünglich fälschlich als Schildkrötenpanzer eingeordnet worden, schreibt der Landschaftsverband in einer Pressemitteilung anlässlich der Seekatzentaufe. Tatsächlich handle es sich bei den Fundstücken um Zahnplatten, die nicht wie üblich zum Zerquetschen harter Beute dienten, sondern als Schneidwerkzeuge für weiche Nahrung. Das mache die Gronauer Seekatze ebenso besonders wie ihre Anpassung an ein Brackwasser-Ökosystem und – das ist jetzt unsere Ergänzung – eben auch Udo Lindenberg. Eine Seekatze ist übrigens kein Säugetier, sondern ein Tiefseefisch. Und falls Sie sich immer noch überhaupt nicht vorstellen können, wie so ein Tier aussieht, wir haben eine Künstliche Intelligenz gebeten, uns eine Visualisierung zu zeigen. (rhe)
