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Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

wenn wir nicht aufpassen, rutschen wir jetzt langsam ins Sommerloch ab. Das darf auf keinen Fall passieren. Aber vielleicht kurz: Von der Geschichte mit dem Wels haben Sie gehört? Nein? Gibt’s doch nicht.

Das war nämlich so: Im Juni gab es am Brombachsee in Mittelfranken zwei, wie sagt man, Zwischenfälle. Ein etwa zwei Meter langer Wels biss an mehreren Tagen verschiedene Badegäste. Was macht man in so einem Fall?

Natürlich, man sieht zu, dass die Menschen an dieser Stelle nicht ins Wasser gehen. Moment, nein: Man knallt den Wels ab. So wurde es jedenfalls zunächst berichtet.

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Danach kam es zu einer Flut an Memes und Debatten. Auf der Spitze dieser Memewelle zeigte „Bild.de“ eine Frau in einem Sommerkleid vor einem Fischteller, die laut Überschrift einen Satz sagte, den sie so wohl nie gesagt hat: „Ich esse den Wels, der fünf Badende attackierte.“

Sogar tendenziöse, Entschuldigung, tendenziell eher seriöse Medien wie „n-tv“ meldeten: „Am Ende ergab der mittelfränkische Problem-Wels immerhin noch 120 Portionen.“

In der gleichen Nachricht musste „n-tv“ unglücklicherweise korrigieren, dass die Polizei den Fisch gar nicht erschossen hatte.

Tatsächlich hatten ihn nämlich die Angler erlegt, die ihn aus dem Wasser gezogen hatten. Und so etwas falsch zu berichten, ist einerseits schlecht. Aber mit Blick auf das zu überbrückende Sommerloch ist es doch wieder gut, denn das hält die Geschichte einen weiteren Tag über Wasser.

Wir müssen das Thema jetzt noch irgendwie nach Münster bekommen. Aber das schaffen wir: Der in Münster geborene Reptilienforscher Heiko Werning hat in der „taz“ einen Kommentar über den Wels geschrieben (warum eigentlich nicht in der „Wels am Sonntag?“).

Der Text ist sehr lustig („Welslage statt Weltlage“), zeigt aber auch, dass die Geschichte eigentlich gar nicht so witzig ist. Dem Wels stünden nämlich wegen des niedrigen Wasserstands seine bevorzugten Nistplätze nicht zur Verfügung, schreibt Werning. Daher baue er seine Nester in der Nähe der Schwimminseln.

Und wenn da jemand den Nestern zu nahe kommt, dann macht der Wels das, was alle Lebewesen tun würden: Er verteidigt seine Brut.

Der Wasserstand am Brombachsee ist zurzeit nicht nur niedrig, er ist ungewöhnlich niedrig. Das hängt mit Hitze und Trockenheit zusammen, und das ist eine Folge ökologischer Verschiebungen.

Die eigentliche Geschichte ist also: Der Mensch drängt den Wels aus seinem Lebensraum, indem er die Heizung immer weiter aufdreht, und wenn der Wels dann umzieht, dann macht er ihn tot – wegen eines Musikfestivals in der Nähe (allerdings, wichtig: nicht wegen des „MusikfestiWels“).

Im Sommerloch will so etwas natürlich niemand lesen. Und bevor wir jetzt anfangen, über mysteriöse Botschaften auf Treppen an Kanalbrücken zu berichten, eine kurze Frage: Welche sinnvollen Sommerlochthemen würden Sie denn interessieren? Schreiben Sie uns. Und wegen der Botschaften auf den Treppen: Na gut, dann machen wir das heute ausnahmsweise im PS. (rhe)

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Ein-Satz-Zentrale

+++ Das Oberverwaltungsgericht Münster scheint nach Jahren und juristischen Extrarunden mit Carsten Günther einen neuen Präsidenten zu bekommen. (WDR)

+++ Im Stadthafen hat es auf einer Yacht, glücklicherweise ohne Personen an Bord, mehrere Explosionen gegeben.(Westfälische Nachrichten)

+++ Im Gievenbecker Oxford-Quartier entsteht mit „Platania“ ein neues Wohnprojekt für jüngere und ältere Menschen. (Stadt Münster)

+++ Die Stadtverwaltung hat am Bremer Platz zwei offene Container aufgestellt, damit die Menschen aus der Drogenszene dort bei Regen im Trockenen stehen. (Stadt Münster)

+++ Die Stadt Münster bekommt 1,5 Millionen Euro, um die Altstadt und Plätze wie den Domplatz, Hamburger Tunnel oder den Hansaplatz neu zu planen. (Bezirksregierung Münster)

+++ Die Stadtbücherei muss die Einordnungshinweise bei umstrittenen Büchern entfernen. (Oberverwaltungsgericht Münster, RUMS-Brief)

+++ Ab nächstem Jahr sollen alle Schüler:innen ab Klasse 7 in Münster einmal im Jahr üben, Menschen wiederzubeleben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Wer wegen schlechter Noten Sorgen hat, kann ab Donnerstag beim kostenlosen Zeugnistelefon anrufen. (Stadt Münster)

+++ Weil die Videokameras an der Windthorststraße gewartet werden, zeigt die Polizei dort jetzt wieder mehr Präsenz. (Polizei Münster)

+++ Im August starten 123 Freiwillige in Münster eine neue Grundausbildung bei der Bundeswehr, um sich für den Heimatschutz ausbilden zu lassen. (WDR)

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Unbezahlte Werbung

Eigentlich steht die wunderschöne Dachterrasse des Flower Hotels mit tollem Blick über den Bahnhof nur den Übernachtungsgäst:innen zur Verfügung – doch es gibt eine Ausnahme: Noch bis zum 16. August gastiert dort jeden Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr die Balthazar-Bar. Dann ist die Terrasse offen für alle, und es werden leckere Getränke von Cocktails bis Champagner kredenzt. Dazu läuft entspannte Musik. Sicher einer der besten Orte, um mit Weitblick den Sommer in Münster zu genießen!

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Katja Angenent hat heute in den Kalender geschaut. Diese Tipps hat sie gefunden:

+++ Das Schlauraum-Festival, auf das wir bereits letzte Woche hingewiesen haben, geht in den Endspurt: Am Mittwoch dreht sich alles um die Zukunft der Gesundheit, unter anderem mit einem Vortrag dazu, warum wir (zumindest biologisch) weniger Herz und mehr Hirn brauchen. Am Donnerstag können Sie beispielsweise etwas über unsere Atemluft oder mehr Gelassenheit lernen, und am Freitag, dem letzten Festivaltag, steht das Klima im Fokus – nicht nur konkret in Münster, sondern auch zwischenmenschlich, zum Beispiel beim Vortrag über verschiedene Wohnformen im Alter. Alle Programmpunkte in der Übersicht finden Sie hier.

+++ Am Donnerstag lädt das Stadtteilcafe Lorenz-Süd ab 15:30 Uhr alle ab 65 Jahren zum Kaffeeklatsch. Wer den Treff besucht, kann aufgeschlossene Menschen aus der Nachbarschaft kennenlernen und sich austauschen.

+++ Noch ein Tipp für Donnerstag: Ab 18:30 Uhr erzählt die Jesidin Jihan Alomar ab 18:30 Uhr in der B-Side aus ihrer Lebensgeschichte. Mit zehn Jahren geriet sie in IS-Gefangenschaft, wurde freigekauft und kam schließlich nach Deutschland. Heute kämpft sie gegen das Vergessen. Der Eintritt zu diesem Gesprächsabend ist frei.

+++ Von Donnerstag bis Samstag ist der Edelfundus am Dingbängerweg jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Erlös des großen Hallentrödelmarkts geht an die Krebsberatungsstelle Münsterland. Der Eintritt ist frei.

+++ Wenn Sie schon in den Sommerferien sind, aber trotzdem gerne früh aufstehen, dann schalten Sie doch morgen um kurz nach 10 Uhr den Deutschlandfunk an. In der Sendung „Agenda“ geht es um „sterbenden Lokaljournalismus“ und die Frage, ob das eine „Gefahr für die Demokratie“ ist. Zu Gast sind der Professor für Kommunikationswissenschaft Lutz Hagen von der TU Dresden, der Chefredakteur der Märkischen Allgemeinen Zeitung Henry Lohmar und der „Correctiv“-Gründer David Schraven. Wenn Sie mitdiskutieren wollen, können Sie das Hörertelefon anrufen (00800 4464 4464) oder eine E-Mail an „Agenda“ schreiben.

Und was noch?

Seit 20 Jahren wartet Wolbeck auf den Ausbau seines Schulzentrums. Jetzt gibt es Streit um 30 im Weg stehende Bäume. Oder geht’s gar nicht um Bäume? Wenn Sie die Antwort wissen wollen, abonnieren Sie RUMS. In den ersten 6 Monaten lesen Sie uns für 1 Euro.

Am Freitag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Katja Angenent (kan), Jan Große Nobis (jgn), Sebastian Fobbe (sfo) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Neben der Kanalbrücke an der Wolbecker Straße ist ein Schriftzug aufgetaucht, der aus den Initialen der früheren deutschen Außenministerin besteht: Annalena Charlotte Alma Baerbock – kurz ACAB. Das wäre kein Problem, wenn die Buchstaben nicht auch noch eine andere Bedeutung hätten: All Cops are Bastards – also sinngemäß: Alle Polizisten sind uneheliche Kinder. Und ehrlich gesagt: Selbst, wenn das so wäre, was wäre daran schlimm? Also, was ist das für eine absurde Beschimpfung? Oder anders gefragt: Was habt ihr, die ihr in eurer Freizeit Treppenstufen in den Farben von Preußen Münster besprüht, noch so auf Lager? Alle Eltern von Finanzbeamten sind geschieden? Alle Bibliothekare sind im Wechselmodell aufgewachsen? Oder, jetzt wird’s schmutzigt: Die Eltern von Verkehrsplanern arbeiten sonntags? Wir wissen es nicht. Aber vielleicht tun wir euch Unrecht. Vielleicht meint ihr ja auch einfach was anderes. Zum Beispiel, könnte doch sein: Alle campen am Bennohaus? (rhe)

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