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SPD-Krise geht weiter | Unbezahlte Werbung: Münster-Gutschein | RUMS 6 Monate für 1 Euro

Guten Tag,
nach den turbulenten Wochen im November wollte die SPD es mit ihrem neuen Chef Christoph Strässer möglichst ohne größere Erschütterungen ins neue Jahr schaffen. Das ist nicht ganz gelungen. Ayşegül Paran, Strässers kurzzeitige Vorgängerin, ist nach ihrem Rücktritt als Parteivorsitzende auch von der Spitze der Jugendorganisation Jusos abgetreten – und das nicht ganz leise; ihre Rücktrittserklärung, die über unseren anonymen Briefkasten einging, ist eine Abrechnung.
„Statt solidarischer Unterstützung und offener Kommunikation habe ich wiederholt Misstrauen, Unterstellungen und fehlenden Rückhalt erfahren“, schreibt sie. Unter diesen Umständen wolle sie das Amt nicht weiter ausüben. Zusammen mit Paran treten Liam Demmke und Jan Martin Hopf aus dem Vorstand zurück, jeweils mit eigenen Erklärungen. Beide gelten als mit Paran eng verbunden.
Demmke schreibt, die „Vorstellungen von Verantwortung und Zusammenarbeit“ hätten sich deutlich verschoben.
Ayşegül Paran hebt ihre Ideale und Leistungen hervor, beschuldigt „Personen im Vorstand“, sie hätten sie im Stich gelassen, ihr keinen Rückhalt gegeben und sie nicht ernst genommen. Selbstkritik fehlt in allen drei Rücktrittserklärungen.
Ein kleines Detail macht deutlich, wie groß die Verwerfungen zuletzt waren. Ayşegül Paran schreibt, sie hätte ihren Rücktritt gern „per Whatsapp in unserer Gruppe“ mitgeteilt, dürfe dort aber nichts mehr veröffentlichen.
Der Grund für die Auseinandersetzungen bei den Jusos sind nach unseren Informationen zu einem wesentlichen Teil persönliche Konflikte, bis hin zu Mobbing-Vorwürfen und Anschuldigungen von Verleumdung. Wer welchen Anteil daran hat, ist von außen schwer zu beurteilen.
Mit Ayşegül Parans Wahl zur Parteivorsitzenden im November schwappten die Probleme der Jusos rüber zur Gesamtpartei.
Hinzu kommt ein grundsätzliches politisches Dilemma, das der „Spiegel“-Erbe und „Freitag“-Verleger Jakob Augstein, selbst seit 1992 SPD-Mitglied, in der vergangenen Woche im Podcast des „Bild“-Reporters Paul Ronzheimer beschrieb.
„Es gibt sozusagen die urbane, feministische Gleichstellungslinke“, sagte Augstein. Und dann gebe es „halt die Leute, die irgendwie noch jeden Tag arbeiten gehen und ihr Geld verdienen müssen und gucken, wie sie so klarkommen“. Das sind zwei Strömungen in der SPD.
Ayşegül Paran steht für Identitätspolitik, also für eine Politik, die politische Positionen aus der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen wie Herkunft, Geschlecht oder sexueller Identität ableitet. Das geht auch aus ihrer Rücktrittserklärung hervor. Als ein Beispiel für ihre politischen Anliegen, die sie unterstützt habe, nennt sie die Umbenennung der Universität.
Jakob Augstein gehört zu einer anderen Strömung. Er spricht von „Identitätsunsinn“ und kritisiert generell den Umgang der Linken mit der AfD.
„Man hat gesagt, das sind Nazis, mit denen reden wir nicht“, sagt Augstein. Das war in diesem Jahr auch in der SPD Münster ein großes Thema. Als sich die Frage stellte, ob man die Münsteraner Erklärung unterzeichnet, also Diskussionsrunden mit der AfD generell ausschließt, entschied man sich gegen eine Unterschrift.
Im Juso-Vorstand ging es im aktuellen Streit offenbar auch um die Frage, ob Ayşegül Paran die Anliegen der Basis ausreichend sieht und berücksichtigt. Ihre Befürworter halten das für einen Vorwand, um Paran loszuwerden, in einem Wort: um Machtpolitik.
Die Misere bringt ans Licht, wie die Probleme der SPD weiter unter der Oberfläche schwelen, während die Partei nach außen um einen anderen Eindruck bemüht ist.
Liam Demmke schreibt in seiner Rücktrittserklärung, Indiskretionen seien nicht ausreichend aufgearbeitet worden. Das hätte längst passieren können. Die Folge ist: die nächste Indiskretion.
Das alles zeigt: Es reicht nicht, ein Pflaster draufzukleben und so zu tun, als wäre die Wunde verheilt. Die SPD muss sich mit ihren Problemen beschäftigen. So landet man wieder bei Identitätsfragen. Wenn die Partei zusammenfinden möchte, muss sie sich dringend mit der Vergangenheit und ihrer eigenen Identität beschäftigen. (rhe)
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+++ Als mögliche Nachfolger von Bischof Felix Genn werden Georg Bätzing, Heiner Wilmer, Franz-Josef Overbeck und Michael Bredeck gehandelt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die 20-jährige Münsteraner Studentin Anne Mosters, die die Castingshow „The Voice of Germany 2025“ gewonnen hat, hofft jetzt auf eine Musikkarriere. (Westfälische Nachrichten)
+++ In Münster fahren die Stadtbusse an Weihnachten nach Sonderfahrplänen und an Silvester die ganze Nacht mit vielen Zusatzfahrten und verlängerten Nachtbuslinien. (Stadtwerke Münster)
+++ Die Handwerksbetriebe in der Region fühlen sich weiter von Bürokratie, hohen Kosten und Unsicherheit beeinträchtigt, blicken aber vorsichtig optimistisch aufs neue Jahr. (Handwerkskammer Münster)
+++ Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ wertet die Absagen der Nazi-Demo und des AfD-Neujahrsempfangs sowie das anhaltende Scheitern der AfD in Münster als Ergebnis jahrelanger antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Proteste. (Pressemitteilung)
+++ In diesem Jahr sind der Stadt 113 Fälle gemeldet worden, in denen städtische Mitarbeiter angegriffen oder beleidigt worden sind. (Stadt Münster)
+++ In Wolbeck vor der St.-Nikolaus-Kirche ist ein über drei Meter großer Tannenbaum gestohlen worden. (Westdeutscher Rundfunk)
+++ Nach einem Wasserschaden im Sommer hat die Stadt damit begonnen, die Sporthalle der Grundschule York zu sanieren. (Stadt Münster)
+++ Ehrenamtliche Mitarbeitende der Stadtbücherei helfen allen, die nach den Feiertagen etwas beschäftigt und darüber sprechen möchten. (Stadt Münster)
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Heute hat Katja Angenent für Sie in den Kalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ Wenn das Warten auf das Christkind morgen schwer fällt, kann ein Besuch im Naturkundemuseum die Zeit vielleicht ein bisschen verkürzen: Zwischen 10 und 15 Uhr ist der Eintritt in die aktuellen Ausstellungen frei.
+++ Für alle, die Heiligabend nicht allein oder draußen verbringen möchten, bietet die katholische Kirche morgen Abend die offene Weihnacht an. An vier Orten – im Pfarrzentrum der Herz-Jesu-Kirche an der Wolbecker Straße, im Hansahof am Aegidiimarkt, im Pfarrheim der Martinikirche und im Pfarrzentrum der St-Clemens-Kirche in Hiltrup – gibt es für die Besucher warmes Essen, Weihnachtslieder und kleine Präsente. Wer helfen möchte, kann sich beispielsweise einen weihnachtlichen Text oder ein Lied aussuchen und spontan vorbeischauen.
+++ Wenn Sie zwischen den Feiertagen Lust auf Kulturklassiker haben, können Sie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in der Friedenskapelle lauschen, und zwar Samstag um 16 und 20 Uhr. Für die Vorstellung um 20 Uhr gibt es noch Karten in allen Platzkategorien. Falls Ihnen der Sinn eher nach Ballett steht, haben Sie einen Tag später, am 28.12., um 16 Uhr die Gelegenheit, „Schwanensee“ in der Stadthalle Hiltrup zu sehen. Restkarten bekommen Sie hier.
+++ Wussten Sie, dass Grönland ungefähr so groß ist wie Westeuropa, dort aber nur 56.000 Menschen leben? Diese und weitere Einblicke rund um das eisige Land bekommen Sie am Montag, 29.12. um 19 Uhr in der Friedenskapelle zusammen mit vielen beeindruckenden Bildern, wenn die Abenteurerin Jolanda Linschooten von ihrer 600 Kilometer langen Skiexpedition berichtet. Restkarten kosten rund 25 Euro und sind hier erhältlich.
+++ Am 1. Januar um 13 Uhr findet wieder das Neujahrsschwimmen am Kanal auf Höhe des Bennohauses statt. Wie immer sind verkleidete Schwimmer:innen gerne gesehen. Im letzten Jahr haben sich laut Veranstalter rund 300 Mutige gefunden.
Und sonst?
Für viele alte Menschen ist der Weg zum Weihnachtsmarkt zu beschwerlich. Mithilfe digitaler Technik kommt der Markt nun zu ihnen. Ist das mehr als eine Spielerei?
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Wir machen ein paar Tage Pause. Der nächste reguläre RUMS-Brief erscheint am 2. Januar. Am Freitag kommt noch ein Jahresrückblick und am Sonntag ein Gastbeitrag zu Silvester.
Ich wünsche Ihnen schöne Weihnachten und ein paar Tage, in denen Sie all das vergessen können, was Sie gern vergessen würden. Alles Gute!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Raphael Balke (rba), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer
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PS
David Bowie hatte in Berlin-Schöneberg an der Hauptstraße 155 eine WG zusammen mit Iggy Pop, und als Bowie vor zehn Jahren starb, stellten die Menschen in Schöneberg Blumen vor die Tür. Ehemalige Wohnorte von berühmten Menschen behalten lange ihre Wirkung, auch wenn die Menschen dort gar nicht so lange gelebt haben. An der Grünen Gasse hängt noch immer eine Tafel, weil Goethe da irgendwann mal zu Besuch war. Der Philosoph Johann Georg Hamann starb sogar in diesem Haus, das der Fürstin von Gallitzin gehörte, und wurde als evangelischer Christ vorübergehend im Garten beerdigt. Doch er bekam keine Tafel, dafür aber einen Platz in Coerde. Der Fernsehmoderator Tobias Krell, bekannt als „Checker Tobi“ hat der Uni-Zeitung verraten, dass er während seines Studiums in Münster vier Jahre lang in einer WG an der Gottfriedstraße im Geistviertel gewohnt habe. Dort hängt noch keine Tafel. Aber wie gesagt: noch nicht. Krell hat auch, wie er sagte, im Kreuzviertel gewohnt. Vor ein paar Jahren haben dort am Schiller-Gymnasium Scherzkekse den ersten Buchstaben abmontiert. Und ja, Chiller-Gymnasium klingt gut. Aber nur mal so als Idee: Was wäre denn mit Checker-Gymnasium? (rhe)
