Kameras an der Windthorststraße: alles im Blick? | Unbezahlte Werbung: Obstgarten am Bohlweg

Porträt von Svenja Stühmeier
Mit Svenja Stühmeier

Guten Tag,

seit einer Woche stehen nun Kameras an der Windthorststraße und zeichnen das Geschehen zwischen 13 und 21 Uhr auf. Sie sollen für mehr Sicherheit sorgen. Oder zumindest das Sicherheitsgefühl der Menschen verstärken, die sich rund um den Hauptbahnhof aufhalten. Also, derer, die dort nicht kriminellen Machenschaften nachgehen, versteht sich. Die Kameras sollen Drogen- und Straßenkriminalität bestenfalls verhindern, alternativ zur Aufklärung beitragen.

Die Polizei ordnet den Bereich rund um den Bahnhof seit einigen Jahren als sogenannten Kriminalitätsschwerpunkt ein. Sprich: Dort passieren statistisch gesehen mehr Straftaten, Polizei und Ordnungsdienst sind präsenter als an anderen Orten. Erst einmal ein Jahr lang sollen dort nun zwei der zehn Kamerasysteme stehen, die der Polizei in NRW gehören.

Während die CDU die Maßnahme für sinnvoll hält, kommentiert Anne Herbermann von den Grünen: Die Ursachen von Straftaten würden von Kameras nicht behoben. Dafür brauche es mehr Geld für Sozialarbeit, die Drogenhilfe und die Unterstützung von Wohnungslosen. 

Die Grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Deppermann macht darauf aufmerksam, dass eine mobile Videoüberwachung laut Verwaltungsvorschrift zu §15a des Polizeigesetzes NRW nicht zulässig ist, wenn sie Verdrängung zur Folge hat. Also: Wenn die Polizei feststellt, dass die Kameras dafür sorgen, dass Leute nicht mehr in der Windthorststraße, sondern woanders Drogen verkaufen, muss nochmal über die Kameras nachgedacht werden. 

Stefan Engemann vom Drogenhilfezentrum Indro hat bisher noch keine abgeschlossene Meinung zur Kameraüberwachung. Zum Verdrängungsaspekt sagt er allerdings: Manchen Menschen ist es egal, ob sie etwa beim Konsum gesehen werden, andere suchen sich im Zweifel eine geschützte Ecke. Weniger wird’s aber eher nicht.

Er zählt spontan eine Handvoll öffentliche Räume auf, an denen sich Menschen, die viel auf der Straße unterwegs sind, jetzt nicht mehr aufhalten können oder dürfen. Etwa den Servatiiplatz (RUMS-Brief). Er meint: Die Bänke sollten da ruhig bald wieder stehen. „Das ist doch für alle schön, im Frühling mit den Kirschbäumen.“ Er wünscht sich etwas mehr Mut. Seine Erfahrung sei schließlich, dass die Leute schon merken, wenn sie irgendwo nicht mehr gewollt sind, und da dann auch nicht mehr hingehen. Uff.

Zurück in die Windthorststraße. Wir haben kurz bei der Polizei nachgefragt, wie sehr sie mit Verdrängung rechnet. Die Kameras sind im Bahnhofsumfeld schon länger im Gespräch. Die Kriminalpolizei habe nun auf Grundlage von begangenen Straftaten und ihrer Erfahrung die beiden Standorte an der Windthorststraße als geeignet festgelegt, sagt ein Sprecher am Telefon. Dort gebe es eine „günstige Tatgelegenheitsstruktur“, man gehe davon aus, dass auch mit Kameraaufgebot weiterhin Straftaten geschehen werden. Na dann ist ja alles gut. (sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Preußen Münster spielt morgen im Westfalenpokal gegen Arminia Bielefeld, die zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt sind, während den Preußen zwei Punkte zu einem Aufstiegsplatz fehlen. (WDR)

+++ Die Hörsterstraße ist in den beiden kommenden Wochen jeweils von Dienstag bis Donnerstag wegen Bauarbeiten gesperrt. (Stadt Münster)

+++ Die neue Kita im früheren Hauptzollamt an der Sonnenstraße nimmt Anfang Juni die ersten Kinder auf. (Stadt Münster)

+++ Die Arbeiten an der Autobahnspinne in Höhe Brillux werden in den nächsten Monaten wohl für mehr Staus sorgen, danach aber den Planungen nach für weniger. (Westfälische Nachrichten)

+++ FDP-Ratsfraktionschef Jörg Berens fordert, die vorübergehend aufgestellten Ampeln am Drostenhof für die gesamte Dauer des Verkehrsversuchs stehen zu lassen, weil der Versuch (Straße an der Stelle einspurig, um zu testen, ob der Verkehr dann nachlässt) gescheitert sei. (FDP Münster)

+++ Die Stadt will ab Sommer die Radwege in Richtung Osten verbessern. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Eurobahn streicht ihren Fahrplan im Münsterland wegen Personalmangel zusammen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Verkehrswende-Aktivist:innen in Münster haben Schrottfahrräder aufgehäuft, um auf das Problem der vernachlässigten Fahrradentsorgung aufmerksam zu machen, und fordern, dass die Stadt mehr unternimmt. (Westfälische Nachrichten)

+++ Weil einige Schulen gern mehr Schatten auf dem Schulhof hätten, schlägt die FDP vor, zu untersuchen, auf welche Weise das gelingen könnte. (FDP Münster)

+++ Die bisher städtische Berufsfachschule für pharmazeutisch-technische Assistent:innen zieht zum 1. August um und wird in den Händen eines neuen Trägers doppelt so viele Lehrgangsplätze anbieten. (Stadt Münster)

+++ Das sogenannte Tagelöhnerprojekt soll Menschen aus der Drogenszene am Bremer Platz helfen, indem es ihnen Arbeit gibt und so mehr Struktur in ihren Alltag bringt. (Stadt Münster)

+++ Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis hat im vergangenen Jahr etwas weniger Umsatz gemacht, aber eine leicht höhere Rendite erzielt als im Vorjahr. (Antenne Münster)

+++ Zwölf Großküchen in Münster kochen jetzt umweltfreundlicher, weil sie weniger Essen wegwerfen und mehr Bio-Lebensmittel benutzen. (Stadt Münster)

+++ Die Polizei hat 44 Kilogramm Marihuana, 450.000 Euro Bargeld und Waffen im Wert von über einer halben Million Euro beschlagnahmt, zwei Tatverdächtige in Untersuchungshaft gesteckt und am Donnerstag noch einen weiteren Tatverdächtigen mit einem weiteren Kilo Cannabis und 33.000 Euro Bargeld erwischt. (Polizei hier und hier)

+++ Der „Lernort Preußenstadion“, an dem politische Jugendbildung stattfindet, steht vor dem Aus, weil die Landesförderung ausläuft und Geldgeber fehlen. (Westfälische Nachrichten)

+++ In Münster haben etwa 350 Mitarbeiter:innen von Alten- und Pflegeheimen demonstriert, weil Geld fehlt und sie die Sorge haben, dass Heime pleitegehen könnten. (WDR)

+++ Am Dienstag hat die Gruppe „Iran-Solidarität Münster“ Bezirksbürgermeister Martin Honderboom 200 Unterschriften übergeben, um zu erreichen, dass ein Platz in Münster nach der Kurdin Jina Mahsa Amini benannt wird, die vor zwei Jahren im iranischen Polizeigewahrsam starb. (MünsterTube)

+++ Die Stadt, der Landschaftsverband und die Bezirksregierung beteiligen sich an der Aktion „Earth Hour“ und stellen morgen Abend zwischen 20.30 und 21.30 Uhr das Licht aus, um ein Zeichen für Klimaschutz zu setzen. (Stadt Münster, Bezirksregierung, Landschaftsverband)

+++ Ein neuer Hilfstransport ist mit einem Kipper mit Kran, einem Bestattungswagen, einem Sportgerät für die Ausstattung eines Rehabilitationszentrums sowie weiterer Ausrüstung für ein Krankenhaus auf dem Weg in die Ukraine. (Stadt Münster)

Unbezahlte Werbung

In einem Obstgarten gibt es häufig viel Grün und viele Bäume. Der Obstgarten am Bohlweg hingegen ist ein Gebäude mit Steinwänden und grauem Dach. Was drinsteckt, vereint die beiden Orte jedoch. Der Laden am Bohlweg bietet eine breite Auswahl an Gemüse, Obst und Kräutern. Frisch, häufig aus der Region und oft in Bio-Qualität. Vor Ihrem Einkauf lohnt sich ein Blick auf die Webseite, dort ist das aktuelle Sortiment fein säuberlich aufgelistet. Und wenn ein ungewöhnliches Kraut für eine neue Suppe fehlt, könne das Team häufig helfen, sagt es. Davon profitierte auch einer unser Leser, dem Agretti für seine Pasta fehlte. Auf dem Wochenmarkt suchte er das Kraut vergeblich. Das Team vom Obstgarten half. Eine Woche später landete erst das Kraut im Einkaufskorb und dann die Pasta auf dem Teller.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Raphael Balke in den Veranstaltungskalender geschaut. Das sind seine Empfehlungen:

+++ Ihr Rad ist kaputt, gestohlen worden oder schlicht zu alt und jetzt muss ein Neues her? Dann werden Sie vielleicht beim Fahrradmarkt am Samstag an der Hafenstraße fündig. Über 800 Räder stehen dort zum Verkauf. Wenn Sie Ihr altes Rad direkt loswerden möchten, können Sie dieses morgens vorbeibringen. Den Verkauf übernehmen die Organisator:innen, das Geld stecken Sie ein.

+++ Wenn Sie gerne lesen und sich über Literatur austauschen möchten, können Sie bei den „Lesebürger*innen“ dabei sein. Am Dienstag veranstaltet die Gruppe im Haus Rüschhaus einen offenen Treff. Anmeldungen nimmt das Center for Literature per Mail entgegen.

+++ Das Stück „Kinderhäuser“ thematisiert am Samstag sexualisierte Gewalt an Kindern. Autorin und Regisseurin Karen Breece beleuchtet die persönliche Seite des Themas Missbrauch. Bei dem dokumentarischen Stück spielen auch Personen mit, die als Kind sexualisierte Gewalt erfahren haben. Sie beschreiben ihre Geschichten teils sehr explizit. Das Theater Münster empfiehlt das Stück deswegen erst ab 18 Jahren. Im Anschluss an die Aufführung findet ein Publikumsgespräch statt.

+++ Im Rahmen der Filmreihe Drehbuch Geschichte laufen in den kommenden Tagen zwei Filme zur (post-)kolonialen Geschichte. Der Film „America“ läuft am Sonntag im Cinema. Er handelt von einem Mann, der zum ersten Mal seit Jahren wieder nach Israel reist, und einer alten Freundschaft, die dort wieder auflebt. Am Montag spielt das Cinema den Film „Frauen, Masken und Dämonen“. Es thematisiert rassistische und sexistische Stereotype in Dokumentarfilmen. Vorher gibt es eine Einführung, anschließend ein Filmgespräch.

Und was gibt’s sonst so?

Viele im Rat der Stadt Münster vertretenen Parteien berichten, dass sie Anfang des Jahres verstärkt Interesse wahrgenommen und sie in einigen Fällen auch mehr Mitgliederanträge als gewöhnlich erreicht haben. Wir haben nachgehört, was dahintersteckt. Dabei haben wir unter anderem unsere Leser:innen gefragt, ob und warum sie Parteimitglied geworden sind.

Wenn Sie jetzt ein Abo abschließen, können Sie die heutige Recherche über Neuzugänge in Parteien nachlesen. Danach bekommen Sie zweimal in der Woche Post von uns mit allen Neuigkeiten über Münster, interessanten Analysen und Recherchen, Cartoons, Infografiken und meinungsstarken Kolumnen. In den ersten drei Monaten zahlen Sie auch nur den halben Abopreis.

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzliche Grüße

Svenja Stühmeier

Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn), Raphael Balke (rba), Ralf Heimann (rhe) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Kardinal Clemens von Galen ist heute vor 78 Jahren gestorben. Der, der 1941 als Bischof in der Lambertikirche das Euthanasieprogramm des NS-Staats offen und scharf verurteilt und sich auf einen Märtyrertod eingestellt hat. Und der, der den Mord an anderen Menschen, etwa Jüd:innen, nicht thematisierte. Ein Spiegel-Bericht von 2016 fasst zusammen, welchen Einfluss diese Predigt hatte. Forscher Hubert Wolf ordnet dem Evangelischen Pressedienst gegenüber ein, warum Galen nicht als „Heldengestalt“ stilisiert werden sollte. Papst Benedikt XVI. sah das wohl anders und hat ihn 2005 seliggesprochen. 

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