Preußen Münster: Neues von den Waffen-Investoren | RUMS 3 Monate lang für je 3 Euro

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 9. Mai 2023

Preußen Münster hat seit Januar einen neuen Präsidenten, und der möchte nicht auf die Frage antworten, ob er zwei Waffeninvestoren als Geldgeber in den Verein geholt hat. Darüber haben wir mehrfach berichtet, zuletzt im Januar. Das Investment hat der Verein wieder rückgängig gemacht. Der neue Präsident Bernward Maasjoost hat die Anteile von Michael Lüke und Thomas Ortmeier übernommen.

Am Freitag waren Lüke und Ortmeier in Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ zu sehen (ab 18.20 min). Dessen Redaktion hat zusammen mit dem Berliner Tagesspiegel recherchiert, wie Lükes und Ortmeiers Holding L&O und andere deutsche Waffenhersteller am amerikanischen Waffenwahn mitverdienen, wie sie die dortige Waffenlobby nach Kräften unterstützen, und wie sie sich teilweise über Gesetze hinwegsetzen, um ihre Geschäfte machen zu können.

Der Tagesspiegel berichtet von einer Razzia, die im Jahr 2014 in Emsdetten stattfand. Tausende Waffen von SIG Sauer waren in Kolumbien aufgetaucht, einem Bürgerkriegsland. Das Kieler Landgericht urteilte im Jahr 2019, das Unternehmen habe die Behörden getäuscht und gegen Exportrecht verstoßen. Drei Töchter der L&O-Holding mussten eine Rekordstrafe von 11 Millionen Euro zahlen. Michael Lüke und der Geschäftsführer von SIG Sauer in den USA wurden zu einer Geldstrafe von 900.000 Euro und Haftstrafen verurteilt. Lüke bekam zehn Monate auf Bewährung.

Ins Rollen gebracht hatte das alles Thomas Rothbauer, ein Anwalt, der sich gegen illegale Waffenexporte einsetzt. Dem Tagesspiegel sagte Rothbauer, bemerkenswert sei, dass L&O ähnlich bestraft worden sei wie die organisierte Kriminalität. Man habe das Unternehmen einfach trockengelegt.

Der Tagesspiegel hat Rothbauer auch ein altes Interview gezeigt. Dort hatte Thomas Ortmeier gesagt, er habe zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung viel mit Joschka Fischer zu tun gehabt. Und er sagte: „Sie glauben doch nicht, dass der leichtfertig Waffenverkäufe durchgewunken hätte, die nicht hundertprozentig in Ordnung sind.“ Das Interview kommentierte Rothbauer mit dem Satz: „Es dürfte Lüke und Ortmeier damals vollkommen klar gewesen sein, dass das Unsinn ist.“

In Böhmermanns Sendung erzählt Rotbauer in einem Einspieler, wie es mit der Emsdettener Holding nach dem Urteil weiterging. Lüke und Ortmeier hätten beschlossen, Deutschland zu verlassen, die Produktion in den USA massiv hochzufahren, dort die Nummer eins zu werden und mit dem Label „Made in Germany“ in die ganze Welt exportieren zu können.

Den ersten Schritt machten sie Ende 2020. Ihr Werk in Eckernförde schlossen sie. Das Personal musste gehen. In den USA war SIG Sauer zu diesem Zeitpunkt schon der drittgrößte Pistolenproduzent. Zwischen 2016 und 2020 hatte das Unternehmen dort etwa 3,6 Millionen Waffen verkauft. Der unangenehme Nebeneffekt: Nach einer Auswertung des Tagesspiegels kamen bei jedem vierten „Mass Shooting“ in den USA eine Waffe aus Deutschland oder Österreich zum Einsatz; viele stammten von SIG Sauer.

Interessant wäre weiterhin, ob der neue Preußen-Präsident Bernward Maasjost die Werte des Vereins, die man nach unserer Veröffentlichung beschwor, so missverstanden hatte, dass er dachte: Die beiden könnten ganz gut zu uns passen. Preußen Münster schrieb in einer Mitteilung am 19. Januar, man wolle „mit diesem Thema so transparent wie möglich umgehen“. Hier wäre noch mehr Transparenz möglich. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die nordrhein-westfälische SPD hat sich am Wochenende zum Parteikonvent in Münster getroffen. (WDR)

+++ Die Feuerwehr in Münster musste gestern Morgen im Hansaviertel eine tonnenschwere Betonplatte sichern, die nach einem Seilriss von einem Baukran baumelte, was den Verkehr zwei Stunden lang beeinträchtigte. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Bundesnetzagentur schließt ab 2023 achtzehn Standorte in Münster, darunter auch die Außenstelle am Hansaring. (Deutsche Presseagentur, hier: „Zeit online“)

+++ Um den Zusammenstoß mit einem Schulkind zu verhindern, musste ein Busfahrer gestern eine Notbremsung an der Scharnhorststraße einleiten, bei der sich neun Kinder im Bus verletzten. (Polizei Münster)

+++ Die Himmelsleiter soll noch bis März 2024 an der Lambertikirche stehen bleiben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Überall im Münsterland werden mehr Unternehmen gegründet, außer in der Stadt Münster. (IHK Nordwestfalen)

+++ Am Freitag finden die Auftaktveranstaltungen zum Friedensjahr in Münster und Osnabrück statt. (Westfalenspiegel)

+++ Das Café Extrablatt an der Salzstraße schließt im März. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Oberbürgermeister empfängt die Spieler von Preußen Münster am Sonntag im Rathaus, um zum Aufstieg in die dritte Bundesliga zu gratulieren. (Stadt Münster)

+++ Laut einer Studie der Uni Münster hat sich der Zustand der Gewässerorganismen im Aasee seit dem Fischsterben 2018 deutlich verbessert. (Zentrum für interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung)

Unbezahlte Werbung

Beim Essen Münster von oben sehen? Das geht im 1648: Das Restaurant, das seinen Namen dem Jahr des Westfälischen Friedens verdankt, bietet in der 11. und 12. Etage des Stadthauses 1 einen 360-Grad-Panoramablick über die Stadt. Auf der Karte stehen regionale Gerichte, und noch etwas mehr als in anderen Restaurants geht es hier darum, Menschen zu begegnen. Die Alexianer betreiben 1648 als Inklusionsbetrieb, der Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben bietet. Geöffnet ist das Restaurant montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Unsere neue Kollegin Deike Terhorst hat heute zusammen mit Sebastian Fobbe geschaut, was in den kommenden Tagen alles so los ist:

+++ Am 10. Mai 1933 brannten vor dem Schloss rund eintausend Bücher. Um an den 90. Jahrestag der Bücherverbrennung zu erinnern, findet morgen eine Gedenkveranstaltung statt. Ab 10 Uhr informieren die Veranstalter vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur über die historischen Ereignisse. Von 10:30 Uhr bis 13 Uhr findet in der Stadtbücherei ein Lesecafé statt, zu dem Sie Ihr Lieblingsbuch mitnehmen können. Der Schauspieler Jonas Riemer wird dann daraus vorlesen.

+++ Kai Sichtermann und „Funky“ K. Götzner von Ton Steine Scherben spielen mit der Sängerin Birte Volta heute Abend um 20 Uhr im Hot Jazz Club in Münster. Dabei präsentieren sie ein Repertoire aus den Liedern von Rio Reiser und den Scherben. Die Tickets kosten 26 Euro an der Abendkasse.

+++ Das Cinema zeigt am Donnerstag ab 17:30 Uhr in Kooperation mit der Skandinavistik der Universität Münster den Film „To liv – Zwei Leben“. Der Historien-Thriller erzählt die Geschichte von Katrine, die als Kind in einem der sogenannten Lebensborn-Heime aufwuchs, um dort zu einer ideologisch einwandfreien Nationalsozialistin erzogen zu werden. Die deutsch-norwegische Koproduktion des Regisseurs Georg Maas wirft vor allem die Frage nach persönlicher und nationaler Identität auf. Der anderthalbstündige Film wird mit einer Einführung des norwegischen Filmexperten Jan Erik Holst gezeigt, im Anschluss gibt es eine Gesprächsrunde. Der Eintritt ist frei.

+++ Am Freitag findet auch wieder der Lange Freitag im LWL-Museum für Kunst und Kultur statt. Diesmal mit Hula-Hoop-Akrobatik und Livemusik von einem DJ und verschiedenen Singer-Songwriter:innen. Sie können außerdem auch an Touren durch die neue Sonderausstellung „Sommer der Moderne“ teilnehmen. Zu sehen gibt es Gemälde von Tanzsalons, Berglandschaften und aus dem Westfalen des 19. und 20. Jahrhunderts.

+++ Am Samstag findet im Konzertsaal der Musikhochschule Münster am Ludgeriplatz ein kostenloses Konzert des Celloensembles statt. Gespielt werden Stücke von Heitor Villa-Lobos und Jeffrey Ching; Beginn ist um 19:30 Uhr.

+++ Wer es lieber, sagen wir mal, rockiger mag, kann in der Sputnikhalle vorbeischauen. Dort treten die Musiker von Jupiter Jones auf. Die Band aus der Eifel, bekannt durch ihren Hit „Still“, hat nach einer zwischenzeitlichen Auflösung im Jahr 2021 wieder zusammengefunden und präsentiert ihr neues Album am kommenden Samstag ab 20 Uhr. Tickets gibt es bei Eventim für 41,95 Euro.

+++ Klassik am Ludgeriplatz oder Indierock in der Sputnikhalle abgehakt, aber der Abend ist noch jung? Feiern Sie die Musik von Star-Regisseur Quentin Tarantino bei der Tarantino Party im Hot Jazz Club. Ab 23 Uhr werden Funk, Soul, Soundtracks, Oldschool Hip-Hop, Twist und Rock’n’Roll aufgelegt, die von Filmen wie Pulp Fiction, Reservoir Dogs, Kill Bill und vielen mehr inspiriert sind. Der Eintritt kostet 8 Euro.

+++ Noch ein letzter Konzerttipp: Bei Rare Guitar treten am Freitag die Hamburger Band Palila und die Münsteraner Indierocker Of Richard auf. Einen musikalischen Vorgeschmack finden Sie hier und hier. Beginn: 19:30 Uhr. Eintritt: knapp 12 Euro.

Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Die Stadt Münster hat in einem Leitfaden festgelegt, wie sie in Zukunft klimagerecht bauen will. In dem Papier steht unter anderem, dass Einfamilienhäuser nur noch eine untergeordnete Rolle spielen sollen. Die Westfälischen Nachrichten haben daraus eine Boulevard-Geschichte gemacht. Worum es in der Debatte eigentlich geht, erfährt man nicht. Eine Medienkritik. 

Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 3 Monate für je 3 Euro.

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Deike Terhorst (det)
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Wenn ich irgendein soziales Netzwerk öffne, sehe ich entweder Videos von Tieren, denen etwas Dummes passiert oder die gefressen werden, was im Grunde ja auch etwas Dummes ist, oder ich sehe Fußballvideos. Ich ahne, wie ich beides verursacht habe, aber es hat gar keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Ich kann es eh nicht mehr ändern. So fühlt es sich jedenfalls an. Eine Zeitlang habe ich versucht, vor allem Kochvideos anzuklicken, um etwas dagegenzusetzen, aber der Algorithmus spürt wahrscheinlich, dass ich das nur sehr halbherzig mache. Irgendwann habe ich mich ergeben. Aber ich mache das Beste draus. Vor allem die Fußballausschnitte sind ja wirklich toll. Und man kann so viel darin sehen. Schauen Sie sich zum Beispiel diesen kurzen Ausschnitt an und stellen Sie sich vor: Jeder einzelner Spieler, der hier an den Ball kommt, das bin ich – bei dem Versuch, den Algorithmus davon zu überzeugen, dass er mir doch bitte mal etwas anderes zeigt. (rhe)

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