WLE-Ausbau: Erörterungswoche in der Halle Münsterland | Stephan Nonhoff im Interview: Warum der Rücktritt? | Heute der komplette RUMS-Brief gratis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 29. August 2023

wie geht es eigentlich voran mit der Mobilitätswende in Münster? Unser Leser Gebhard Hofner hat uns Fotos von der Hammer Straße geschickt. Er schreibt: „Ich denke, das kann nicht der Weg zur Verkehrswende sein.“ Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Hammer Straße doch der Weg zur Verkehrswende sein sollte, muss man sagen: Es wird mit leichten Verzögerungen zu rechnen sein, denn auf dem Gehweg stehen, wie auf dem Foto zu sehen ist, Leihräder im Weg.

Auf der Bahnlinie von Münster nach Sendenhorst, wo in drei Jahren wieder Züge für Pendlerinnen und Pendler pendeln sollen, stehen noch ganz andere Dinge im Weg, allerdings nur bildlich. Um diese Hindernisse geht es in dieser Woche in der Halle Münsterland. Dort findet seit gestern fünf Tage lang ein sogenannter Erörterungstermin statt. Dieser Termin ist ein fester Programmpunkt in einem Planfeststellungsverfahren. Ich hoffe, ich habe Sie jetzt nicht schon verloren.

In einfachen Worten: Wenn Straßen, Flughäfen oder Bahnlinien gebaut werden sollen, betrifft das in der Regel sehr viele Menschen (und Tiere). Wenn man Pech hat und die Post ein paar Jahre nicht öffnet, könnte es ja passieren, dass man nach einem fünfjährigen Urlaub zurückkehrt und die Regionalbahn auf einmal durch den Vorgarten fährt. So soll es möglichst nicht sein.

Daher sprechen die Behörden vorher mit allen Beteiligten, um die Dinge genau zu klären. Manchmal klären sie alles so genau, dass Gutachten vom Anfang der Planung schon wieder in die Mülltonne können, bevor es eine Entscheidung gibt. Aber das ist ein anderes Thema.

In diesem Fall hat die Bezirksregierung 400 Einwendungen und 68 Stellungnahmen erhalten. Jetzt spricht man fünf Tage lang mit Menschen, die an der Strecke wohnen, mit Tierschutzorganisationen oder anderen Fachleuten.

Gestern haben 25 Naturschutzverbände und fünf Privatpersonen in der Halle Münsterland Stellung genommen. Öffentlich sind die Gespräche nicht. Aber was man sagen kann: Es geht unter anderem darum, private und öffentliche Interessen abzuwägen, also zum Beispiel das öffentliche Interesse an der Bahnverbindung und das private, im Garten zu sitzen zu können, ohne an der Geräuschkulisse wahnsinnig zu werden.

Thema heute waren unter anderem das Verkehrsaufkommen, Bahnübergänge, Haltepunkte, der Lärm, Schadstoffe in der Luft, Kompensationsmaßnahmen, der Artenschutz und die Entwässerung. In den nächsten Tagen geht es um die Einwände von Menschen, die an der Strecke wohnen oder dort ein Grundstück besitzen.

Die Bezirksregierung muss alles möglichst so entscheiden, dass die Beschlüsse auch dann noch Bestand haben, wenn jemand klagt. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass es so lange dauert, eine Bahnstrecke, die es schon gibt, wieder in Betrieb zu nehmen. Erst im März kam die Nachricht, dass sich alles um ein weiteres Jahr verzögern wird, die Züge also nach den aktuellen Plänen erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder fahren.

Doch auch das kann noch scheitern, wenn etwas dazwischen kommt, und da käme so einiges in Frage. Die Stromversorgung im Hauptbahnhof muss ausgebaut werden, weil sie bei noch mehr elektrischem Verkehr irgendwann in die Knie gehen wird. Zuletzt war noch nicht klar, wie viele Gleise man überhaupt braucht. Auf der Strecke fehlen noch Haltepunkte. Es gab Probleme mit einer Kanalbrücke, weil die noch nicht umgesetzten Planungen aus dem Jahr 2008 nicht mehr den Vorgaben entsprechen. Die Technik an den Bahnanlagen muss ausgetauscht werden. Und auch im Genehmigungsverfahren kann noch einiges schiefgehen.

Nach der Erörterungswoche in der Halle Münsterland werden die Akten am Domplatz noch einmal über die Schreibtische gehen. Die Bezirksregierung prüft alle Einwendungen, dazu die Stellungnahmen, und am Ende steht eine Entscheidung, ein sogenannter Planfeststellungsbeschluss.

Damit lehnt die Behörde den Plan entweder ab, sie genehmigt ihn oder sie genehmigt ihn unter Auflagen. Im letzten Schritt geht der Beschluss in die Post und tritt in Kraft. Und wenn dann niemand klagt, bekommt Münster möglicherweise tatsächlich irgendwann eine neue alte Bahnlinie. Aber noch ist man ganz gut in der Zeit. Als am 14. Mai 1949 der erste Zug auf der Bahnlinie zwischen Münster und Sendenhorst fuhr, waren seit dem Beginn der Planungen 46 Jahre vergangen. (rhe)

Kurz und Klein

+++ Wie sieht’s eigentlich mit der Pflege aus? Das hat die SPD die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gefragt. Die Antwort liest sich ziemlich ernüchternd. Das liegt aber weniger am Inhalt als an der Ahnungslosigkeit der Landesregierung. Denn auf vier von fünf Fragen der SPD kann die schwarzgrüne Landesregierung keine Antworten geben. In den Fragen geht es darum, inwiefern der Personalmangel die Versorgung von Pflegebedürftigen gefährdet und welche Rolle Leiharbeit in der Pflege spielt. Entsprechende Daten sammle die Landesregierung laut Antwort nicht. Was wir immerhin erfahren: Zwischen April und Juni 2023 mussten 46 Pflegeeinrichtungen in NRW Insolvenz anmelden. Darunter sind zwei vollstationäre Pflegebetriebe und fünf ambulante Dienste im Regierungsbezirk Münster. Die Landesregierung schreibt allerdings, dass durch die Insolvenzen nur in seltenen Fällen Pflegeeinrichtungen geschlossen werden mussten. (sfo)

+++ Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat recherchiert, dass ein früherer Ernährungsexperte der Uniklinik Münster Krankenkassen mutmaßlich einen Schaden in Millionenhöhe verursacht haben soll, indem er Schmiergeld von Pharmafirmen nahm und einem Netz aus Ärztinnen und Ärzten überteuerte Medikamente empfahl. Außerdem soll der Mann Geschäfte mit Rockern und dubiosen Medizinvertretern gemacht haben. Unter anderem geht es um einen Fall, in dem ein Pharmaunternehmer ihm aus Angst um seine Familie 200.000 Euro zahlte, weil der Ernährungsexperte vorgetäuscht haben soll, dass er von Rockern erpresst werde. Das Geld soll der Mann sich mit den Rockern geteilt haben. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt, der Ernährungsexperte weist alle Vorwürfe zurück. Der WDR berichtet in der Lokalzeit Münsterland über den Fall. (rhe)

+++ Ein Jahr nach dem tödlichen Angriff auf den trans Mann Malte C. sind am Wochenende rund 10.000 Menschen beim Christopher-Street-Day durch Münster gezogen. Start und Ziel der Parade war der Aasee. Laut deutscher Presseagentur (hier: FAZ) ist die Demonstration friedlich verlaufen. Malte C. hatte sich im vergangenen Jahr schützend vor Besucherinnen des CSD gestellt, die lesbenfeindlich beleidigt wurden. Daraufhin wurde er von einem 20-Jährigen zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen (RUMS-Brief). Wenige Tage nach dem Angriff verstarb Malte C. im Krankenhaus. (sfo)

+++ Gerade kursiert die Meldung, der „Alberich“-Gag über die 1,32 Meter große Pathologie-Assistentin in Tatort Münster sei aus dem Drehbuch geflogen (zum Beispiel hier und hier). Sie wissen schon: Professor Boerne, gespielt von Jan Josef Liefers, nennt seine Mitarbeiterin Silke Haller durchweg „Alberich“, so heißt auch ein Zwerg im Nibelungenlied. Brüller! – Und „herrlich inkorrekt“, wie der Journalist Matthias Dell schon vor über zehn Jahren über den Humor im Münster-Tatort spottete. Aber keine Sorge, in Wahrheit bleibt beim Tatort alles beim Altbackenen. Schauspielerin Christine Urspruch hatte der Funke Mediengruppe lediglich gesagt, dass vor ihrem Text im Drehbuch nicht mehr „Alberich“, sondern ihr richtiger Rollenname steht: Silke Haller. Das lädt natürlich zu Missverständnissen ein, die sich allerdings aufklären, wenn man das Interview komplett liest. Darin stellt Urspruch nämlich klar, dass Professor Boerne natürlich weiter „Alberich“-Witze machen darf und dass sie mit so einer Form des Humors auch gar kein Problem hat. Hätten wir das also auch geklärt. (sfo)

+++ Zweimal haben die Mitglieder der Bezirksvertretung-West in dieser Sitzungsperiode kurz vor knapp einen Haufen Dokumente auf den Schreibtisch geknallt bekommen. Dabei ging es um millionenschwere Bauprojekte, über die die BV-West kurzfristig entscheiden sollte. Mit dieser Praxis soll aber jetzt Schluss sein. In einem gemeinsamen Antrag fordern alle Fraktionen in der BV-West den Rat dazu auf, die Geschäftsordnung zu ändern. Es sei vor allem für berufstätige Mandatsträger:innen „kaum oder gar nicht möglich“, sich in der Kürze der Zeit mit den Vorlagen zu befassen, wenn diese erst kurzfristig verschickt werden. Hier sieht die BV-West die Verwaltung in der Pflicht, dass alle Papiere rechtzeitig bei den Mitgliedern der BV-West, der Ausschüsse und des Rats ankommen, damit die Entscheidungen abgestimmt werden können. Der Lösungsvorschlag der BV-West daher: Sollten die Vorlagen zu spät eintrudeln, soll die Entscheidung automatisch in die nächste Beratungskette geschoben werden. (sfo)

Klima-Update

+++ Vor vier Jahren fiel der globale Klimastreik der „Fridays for Future“-Bewegung auf dasselbe Datum wie der Parking Day in Münster. Damals gingen nach Angaben von „Fridays for Future Münster“ allein hier rund 25.000 Menschen auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Auch in diesem Jahr finden beide Aktionstage wieder gleichzeitig statt, diesmal am 15. September. Die Klimademo von „Fridays for Future“ startet um 12 Uhr, Treffpunkt ist die Engelenschanze. Ab 13 Uhr ist die Kanalstraße im Kreuzviertel für den Autoverkehr gesperrt. Dort findet der Parking Day in diesem Jahr statt. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Nächste Woche Mittwoch wird an der Weißenburgstraße etwas aus dem Boden geholt, das möglicherweise ein Blindgänger sein könnte. (Stadt Münster)

+++ Am Sonntag hat die Feuerwehr einen Ölfilm auf der Ems entfernt, der aber nach Einschätzung der Umweltbehörden ungefährlich für die Natur ist. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ab Freitag ist die Kanalpromenade zwischen Ballonstartplatz und Föhrenweg für eine Woche gesperrt, weil der Asphalt ausgebessert werden muss. (Stadt Münster)

+++ Die Anton-Bruchausen-Straße wird wegen Bauarbeiten zwischen dem 28. August und dem 7. September nachts gesperrt. (Stadt Münster)

+++ Das Land hat einen Zuschuss für Bauprojekte am Hafen, im Martiniviertel und in Coerde bewilligt. (Stadt Münster)

+++ Laut Mikrozensus 2022 geben die Menschen in Münster mehr für die Miete aus als im Landesdurchschnitt. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Bundeswehr sperrt einen Wald an der Handorfer Lützowstraße, weil dort wieder Übungen stattfinden sollen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ein 13-Jähriger aus Münster, der über 24 Stunden vermisst war, ist wieder zu Hause. (Polizei Münster)

+++ In Hiltrup haben unbekannte Idioten ein Hakenkreuz und Schmähparolen an eine Wand geschmiert, nicht zum ersten Mal. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ein Mann hat gestern Nachmittag in seiner Wohnung an der Dammstraße einen 17-jährigen Einbrecher erwischt, als der gerade mitsamt der Beute – einem Handy, ein paar Klamotten und ein bisschen Tabak – nackt in der Badewanne saß. (Polizei Münster)

+++ Die innere Himmelsleiter bleibt dank einer Spende der Kaufmannschaft dauerhaft erhalten, die äußere noch bis März. (Kirche und Leben)

Unbezahlte Werbung

Seit 140 Jahren unterrichtet die Uni Münster das Fach Archäologie – zeitgleich mit dem Studienstart wurde auch mit dem Aufbau des Archäologischen Museums begonnen, das sich im Fürstenberghaus am Domplatz befindet. Zu sehen gibt es rund 8.500 Ausstellungsstücke wie Vasen, Münzen und Skulpturen aus der Antike. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Zudem werden Führungen, Vorträge und museumspädagogische Aktionen angeboten. Für einen ersten Eindruck können Sie sich dieses Video anschauen.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Deike Terhorst hat heute ein paar schöne Tipps für Sie zusammengestellt. Das hier sind ihre Empfehlungen:

+++ Am Freitag um 16 Uhr wird in der Stadtbücherei die Ausstellung „Niemals Gewalt!“ vom Kinderschutzbund und Unicef eröffnet, bei der es um Gewalt gegen Kinder geht. Danach ist die Ausstellung bis zum 16. September zu sehen. Alle weiteren Informationen gibt es auf der Website des Kinderschutzbunds.

+++ „Wie gelingt die Verkehrswende?“ – Um diese Frage dreht sich eine Dokumentation von Arte, die Volt Münster am Freitag in der Kurbelkiste zeigt. Filmbeginn ist um 16:30 Uhr. Nach der Vorstellung gibt es noch eine Diskussion mit verschiedenen Verkehrsfachleuten. Der Eintritt ist frei.

+++ Am Samstag findet zum ersten Mal die „Coerdinale“ statt. Bei dem Kulturfest am Hamannplatz und im Begegnungszentrum Meerwiese gibt es Livemusik, Lesungen, Kindertheater, Picknick, Rikschafahrten und vieles mehr. Am Abend wird außerdem der Animationsfilm „Drachenzähmen leicht gemacht“ im Freiluftkino gezeigt. Die Coerdinale beginnt um 11 Uhr, alle Veranstaltungen sind kostenfrei.

+++ Auch auf der Burg Hülshoff findet am Samstag ein Kulturfestival statt. Bei der „Geisterstunde“ finden jede Menge Konzerte, Kunst- und Hörspiel-Installationen und Lesungen statt. Start ist um 18 Uhr. Die Besucher:innen können entweder mit dem Busshuttle zurück nach Münster fahren oder im Burgpark zelten. Festivaltickets gibt’s hier ab 20 Euro und hier bekommen Sie Karten für den Shuttlebus.

+++ Mit dem ersten Coronalockdown ist Wuhan auf einen Schlag berühmt geworden. Jetzt tritt eine Band aus der chinesischen Millionenmetropole im Gleis 22 auf: „Chinese Football“ spielt Punk und Indierock. Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Tickets gibt’s im Online-Vorverkauf für 13,50 Euro, an der Abendkasse für 15 Euro. Für eine musikalische Kostprobe einmal bitte hier entlang.

+++ Vielleicht kennen Sie den Gesundheitscheck von „Doc Esser“ aus dem WDR. Da geht es, wie der Name schon vermuten lässt, um allerlei Fragen rund um Gesundheit und Ernährung. Am Sonntag können Sie sich diese Show auch ab 20 Uhr im Bürgerhaus Kinderhaus ansehen. Tickets kosten 38 Euro.

Hat Ihnen gefallen, was Sie gelesen haben? Dann testen Sie den RUMS-Brief drei Monate lang zum halben Preis.

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Deike Terhorst (dte)
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Zuallererst: ganz herzlichen Dank! Wir hatten am Freitag angekündigt, dass die Reportageschule Reutlingen uns im September besucht. Und wir hatten gefragt, ob Sie uns in der Zeit Betten und Fahrräder zur Verfügung stellen können. Am Wochenende kamen gleich die ersten Angebote. Wir haben uns sehr gefreut. Leider haben wir noch nicht für alle eine Übernachtungsmöglichkeit und ein Fahrrad. Daher noch einmal die Bitte: Wenn Sie vom 16. bis zum 22. September ein Bett oder ein Fahrrad erübrigen können, würden wir uns sehr über eine Nachricht freuen. Am 16. September könnten wir uns dann auch gleich kennenlernen. Da feiern wir mit RUMS eine Party, und zu der würden wir Sie dann einladen. (rhe)

PPS

Am Sonntag ist wieder Münster-Marathon. Wir sind in diesem Jahr zum ersten Mal mit einer RUMS-Staffel dabei. Ein Läufer ist leider krank geworden. Haben Sie vielleicht Lust, für ihn einzuspringen? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail. Die Strecke beträgt ungefähr zehn Kilometer. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mitlaufen!


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