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Die Kirche, Sparpläne und Jugendarbeit | Prüttcafé | RUMS drei Monate lang zum halben Preis


Münster, 11. August 2023
vor einiger Zeit haben wir darüber berichtet, dass die Zukunft des Paul-Gerhardt-Hauses noch in den Sternen steht (RUMS-Brief). Daran hat sich auch noch nichts geändert. Immerhin: Das Paul-Gerhardt-Haus erhält laut Leiter Gert Herrera Zuspruch von vielen Seiten und empfängt immer wieder Besucher:innen. Gestern waren zum Beispiel Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadtdirektor Thomas Paal dort.
Einen Vertrag für eine Zwischenmiete während der Bauzeit oder gar für große dauerhafte Räume hatten die beiden natürlich nicht in der Tasche. Aber Lewe habe neue, „sehr konkrete Ideen“ vorgestellt, erzählt Gert Herrera. „Ich habe das Gefühl, dass sie ehrlich an Lösungen interessiert sind.“
Die Objekte, die man bisher angesehen hatte, hätten entweder schon andere Gruppen ins Auge gefasst, schließlich ist das Paul-Gerhardt-Haus nicht das einzige Jugendangebot mit einem Raumproblem – oder sie seien einfach zu teuer gewesen. Das Grundproblem ist schließlich: Die Stadt ist gefragt, die Jugendarbeit zu sichern, denn die Erlöserkirchengemeinde kann das PG nicht mehr finanzieren. Ein Leser wollte wissen, wie es denn wirklich um die Finanzen der Kirchen steht. Sparen sie gezielt bei Kindern und Jugendlichen?
Leider muss ich Ihnen direkt mitteilen, dass ich die Frage nicht umfänglich beantworten kann. Zum einen, weil das viel Kleinarbeit erfordern würde. Und zum anderen, weil es noch zu früh ist, um das einzuschätzen.
Sowohl das Bistum Münster als auch der evangelische Kirchenkreis schreiben, dass man da an vielen Stellen anfragen müsste und am Ende immer noch keine ganz klare Antwort präsentieren könnte. Superintendent Holger Erdmann schreibt etwa, dass die evangelische Kirche unter anderem Gebäude unentgeltlich zur Verfügung stellt. Und Stephan Kronenberg, Sprecher des Bistums, erklärt, dass Geld nicht nur an die Kirchengemeinden geht, sondern auch an kirchliche Einrichtungen, die sich zum Teil auch um junge Menschen kümmern.
Beispielhaft hat uns Stephan Kronenburg die Aufwendungen des Bistums für die offene Kinder- und Jugendarbeit und ihre Einrichtungen der vergangenen zehn Jahre zugeschickt. Daraus geht hervor: Die Gesamtsumme ist im Verlauf leicht angestiegen, von etwa 465.000 Euro auf 525.000 Euro. Für die offene Kinder- und Jugendarbeit hat das Bistum 2018 knapp 75.000 Euro aufgebracht, 2023 sind es voraussichtlich etwa 42.000. Den Rückgang erklärt Stephan Kronenburg mit der Coronapandemie und damit, dass die eine Person, deren Arbeit mit dem Geld finanziert wird, ihre Arbeitszeit reduziert hat.
Nun ist es ja aber so, dass auch die Gemeinden Zuwendungen vom Bistum erhalten. Und die wiederum ihre eigenen Haushalte aufstellen und Kinder- und Jugendarbeit dabei berücksichtigen. Dazu kann man zumindest sagen: In seinen Sparmaßnahmen, für die sich das Bistum 2020 ausgesprochen hat, ist vorgesehen, dass die Gemeinden insgesamt weniger bekommen. Denn die Summe orientiert sich laut Kronenburg an den Katholikenzahlen und den Immobilienflächen – die beide zurückgehen. So verhält es sich auch mit den Zuwendungen für Kitas. Das sind aber nur zwei Bereiche von sehr vielen, die von den Sparmaßnahmen betroffen sind.
Gut 65 Prozent seiner Mittel erhält das Bistum aus der Kirchensteuer. Schon 2019 hat die sogenannte Freiburger Studie prognostiziert, dass bis 2060 nur noch halb so viele Menschen Kirchenmitglieder sein werden. Es liegt also auf der Hand, dass sich die Kirchen was überlegen müssen. Das Bistum hat mit seinen Sparmaßnahmen auch kommuniziert: 2025 wird man mit dem Sparen nicht „fertig“ sein. Bis dahin wolle man aber Zeit schaffen, langfristig zu priorisieren und zu überlegen, wie es weitergehen soll. (sst)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Das Land NRW, der Bund und die Deutsche Bahn haben einen Rahmenvertrag für den zweigleisigen Ausbau zwischen Münster und Lünen unterzeichnet, nach dem der Bau in frühestens fünf Jahren beginnen soll. (Antenne Münster)
+++ Die Polizei hat zwei mobile Videoüberwachungsanlagen für das Gebiet rund um den Hauptbahnhof bestellt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Auf dem ersten Münsteraner Frauenwirtschaftstag haben sich 250 Frauen und deren bisher einzeln agierende Netzwerke getroffen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Der Hofladen von Slickertann an der Gasselstiege öffnet am Sonntag zum letzten Mal. (Westfälische Nachrichten)
+++ Das neue Azubi-Wohnprojekt der Kreishandwerkerschaft ist nach wenigen Wochen fast vollständig ausgebucht. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Bahnhofsmission öffnet mit einem veränderten Konzept, das einen Ruhe- und Schutzraum für Reisende bieten soll. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Caritas-Nothilfe hat im vergangenen Jahr mehr als vier Millionen Euro an Spenden aus dem Bistum Münster gesammelt. (Caritas im Bistum Münster)
+++ Die Bezirksregierung hat ein neues Dienstgebäude nach der Holocaust-Überlebenden Marga Spiegel benannt. (Bezirksregierung Münster)
+++ Die Buchhandlung „Lesezeit“ in Mecklenbeck hat den „Deutschen Buchhandlungspreis 2023“ gewonnen. (Antenne Münster)
+++ Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt eine neue YouTube-Serie über starke Westfälinnen und den Wandel von Rollenbildern. (Landschaftsverband Westfalen-Lippe)
+++ Die Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Münster fordert eine Rückbesinnung auf Menschenrechte und kritisiert die Verschärfungen des Abschieberechts und Angriffe auf das Asylrecht von Politikern. (Caritas im Bistum Münster)
+++ Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ zeigt sich besorgt über das Umfragehoch der AfD und plant verstärkte Aktivitäten gegen populistische Hetze und Stimmungsmache. (Alles Münster)
Unbezahlte Werbung
Das Prüttcafé hat seit einigen Wochen wieder geöffnet. Zumindest so ähnlich. Unter dem neuen Namen Prütt Pionierküche gibt es nach deutlicher Umgestaltung und einigen Änderungen im Konzept nun wieder vegetarische und vegane Gerichte. Einen ersten Eindruck von der Renovierung und der Speisekarte können Sie auf Instagram sowie auf deren Website gewinnen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute hat Fabian Cohrs für Sie in die Veranstaltungskalender geschaut. Das hier sind seine Empfehlungen.
+++ Dieses Wochenende findet das 24-Stunden-Rennen auf der Promenade statt. Ab 14 Uhr fahren Teams auf Fahrrädern um die Promenade, mit jeder Runde unterstützen sie hinterher mithilfe eines Sponsors ein soziales Projekt. Abgesehen vom Rennen gibt es auch ein Rahmenprogramm am Lindenhof, direkt neben der Promenade, wo abhängig vom Zeitpunkt Musik oder Aufführungen laufen. Mehr Informationen erhalten Sie hier.
+++ Morgen um 12 Uhr findet am Rathaus die Flaggenhissung als Beginn der „Pride Weeks“ statt, die am 26. August mit der großen Demo anlässlich des Christopher Street Days wieder enden. In diesen zwei Wochen wird es von queeren Verbänden zahlreiche Veranstaltungen, Feiern und Vorträge geben, beispielsweise ein Vortrag von Autorin Felicia Ewert über Transfeindlichkeit in Deutschland am Montagabend. Das gesamte Programm finden Sie hier.
+++ Die Theatersaison beginnt in wenigen Wochen wieder. Am Sonntag können Sie sich schon mal einstimmen: Zum Stück „Mass“ (Englisch für die heilige Messe) wird es am Sonntag um 11:30 Uhr eine Matinée im Theater geben. Es stellt die Frage, wie Gott immer wieder großes Leid über die Menschen bringen kann. In der Matinée erwarten sie einige Hörproben. Der Eintritt ist frei, mehr Informationen erhalten Sie hier.
+++ Ob ein Kind Trisomie hat, kann vor der Geburt getestet werden. Seit vergangenem Jahr bezahlt die Krankenkasse diese Untersuchung. Das wirft Fragen für werdende Eltern, Menschen mit Behinderung und die Gesellschaft auf. Mit einer Podiumsdiskussion möchte die Volkshochschule sich dem Thema am Dienstag ab 19 Uhr nähern. Anmelden können Sie sich hier.
+++ Vom Kreuzviertelfest, auf dem auch RUMS einen Stand haben wird, haben wir bereits geschrieben. Morgen ist allerdings auch noch ein Nachbarschaftsfest im Hansaviertel, auf dem Hansaplatz. Zwischen 14 und 22 Uhr wird es dort Livemusik, Kultur, Workshops, einen kleinen Kinderflohmarkt und verschiedene lokale Initiativen geben, die sich dort vorstellen. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Seite der Veranstalter:innen Platanenpower.
Was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Die Stadt Münster hat sich zum Regionalplan geäußert. Ja, und?, fragen Sie sich nun vielleicht. Was das für die Flächen in der Stadt bedeuten kann und was sie bis 2045 ungefähr plant, haben wir im RUMS-Brief aufgeschrieben. Im Herbst will Münster schließlich auch einen Entwurf für das integrierte Flächenkonzept vorstellen. Und dafür ist dieser Regionalplanentwurf ziemlich wichtig.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann abonnieren Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier
Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn), Elija Winkler (ewi), Fabian Cohrs (fco), Ralf Heimann (rhe)
Lektorat: Antonia Strotmann
PS
Vor vielen Ratssitzungen hatte CDU-Politiker Mathias Kersting die Menschen aus dem Verein Sozialpalast mal als „Hausbesetzer“ bezeichnet, obwohl sie zu dem Zeitpunkt – ganz bürgerlich – einen Mietvertrag fürs Gasometer hatten (und noch haben). Jetzt flatterte, quasi als sehr verspätete Retourkutsche darauf, eine kuriose Pressemitteilung des Vereins (hier in gekürzter Fassung) in unser Postfach. Darin bezichtigte er Kersting und andere Teilnehmende einer CDU-Radtour durch Gremmendorf scherzhaft des Hausfriedensbruchs. So richtig geht der Scherz allerdings nicht auf: Die Fahrradgruppe wollte schließlich – ganz bürgerlich – einfach das Sommerfest am Gazo besuchen, wie sich recht schnell herausstellte. Mathias Kersting hatte die Einladung des Sozialpalasts auf Instagram gesehen und wollte mit der Tour dort einen Stopp einlegen, um einfach mal wieder miteinander zu reden. „Feste sind da eine gute Gelegenheit“, findet er. Bloß: Der Verein hatte seins spontan abgesagt, sodass die Radtour zwar ein offenes Tor, aber keine anderen Leute am Gasometer vorfand. Die CDU hatte offensichtlich genau den „offenen demokratischen Diskurs“ gesucht, für den sich auch der Sozialpalast in seiner Pressemitteilung ausspricht. Na, dann – Mathias Kersting sagte am Telefon, dass er eigentlich immer gut erreichbar ist. (sst)