Warum der Kiebitz doch wichtig ist | Unbezahlte Werbung: Café Pampelune | RUMS 6 Monate lang für 1 Euro

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

Guten Tag,

der Kiebitz, Vogel des Jahres 2024, ist ziemlich hübsch. Seinen Namen hat er sich quasi selbst gegeben, aufgrund seines Gesangs (hier gibt es Fotos und Hörproben), und Kiebitzküken sind absolut niedlich.

Das sind aber nicht die einzigen Gründe, aus denen man sich Gedanken über den Vogel machen sollte. Johanne Burkhardt hat zu den Schwierigkeiten in Münster – Kiebitze brauchen Platz, Landwirtschaft und Gebäude aber auch – schon einmal einen RUMS-Brief geschrieben. 

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Ein Bericht über eine Vogelart – auf den ersten Blick wirkt das wie ein Nischenthema. Doch der Eindruck täuscht. Der Kiebitz ist ein Indikator für intakte Lebensräume. Wenn er verschwindet, gibt es ein grundlegendes Problem. Und die Populationen sind schon deutlich geschrumpft. 

In meiner Recherche war es trotzdem schwer, Antworten von Behörden zu bekommen, die eigentlich Antworten geben müssen. Und das Problem hatte nicht nur ich. Dem Naturschutzbund (Nabu) Münster ging es im Prinzip genauso.

Das Thema eignet sich gut, um grundsätzliche Probleme in der Berichterstattung über die Klima- und Biodiversitätskrise aufzuzeigen.

  • Aktualität: Wir berichten oft über etwas, das gerade besprochen wird oder passiert ist, über Aktuelles. Es gibt – im Journalismus und in der Politik – häufig Themen, die in diesem Moment gerade drängender erscheinen als die beiden Krisen.
  • Fachkenntnis: Insbesondere im Lokaljournalismus arbeiten Leute, die zumindest nicht ausschließlich über ein Fachgebiet berichten, sondern über das, was in einem bestimmten geographischen Gebiet passiert. Das führt dazu, dass sie sich mit komplexen Themen nicht so gut auskennen wie es eigentlich für eine fundierte Berichterstattung notwendig wäre. Wir sind also auf Informationen von anderen angewiesen. So wie in meiner Recherche für heute kann es allerdings passieren, dass wir die nicht bekommen. Ja, es gibt inzwischen tolle Rechercheunterstützung und Fortbildungsmöglichkeiten, insbesondere mit dem Fokus auf Klimajournalismus. Aber da gibt es noch eine weitere Hürde…
  • Zeit: Es kann Tage oder Wochen dauern, sich in ein Thema einzuarbeiten. Wir versuchen immer wieder, auch solche Themen zu bearbeiten – gleichzeitig wollen wir Ihnen ja auch zweimal pro Woche eine lokale Recherche anbieten. Für manche Texte haben wir also nur einige Stunden. 
  • Klima als Thema: Wir wollen Sie nicht mit Berichterstattung langweilen, in der es immer wieder um dasselbe geht. Die Aussage „Klima hatten wir letzte Woche gerade“ ist aber gefährlich. Die Klimakrise beeinflusst schließlich jeden Lebensbereich und deswegen sollte sie immer mitgedacht werden. Gleichzeitig dürfen wir nicht zu oberflächlich und voreilig berichten, denn sonst…
  • Greenwashing: Klima ist in, und Insekten sind es auch. Das wissen Leute, die zum Beispiel  für Unternehmen und Behörden kommunizieren. Wenn wir Antworten auf Anfragen erhalten oder Pressemeldungen lesen, bemerken wir im Idealfall, wenn irgendwas nicht so grün ist wie behauptet. Je nachdem, wie der eigene Wissensstand ist, ist das aber nicht so einfach. Mit unserem „Klima-Update“ zum Beispiel wollen wir Ihnen regelmäßig wenigstens kurze Nachrichten mitteilen. Es ist aber auch besonders anfällig für versehentliches Greenwashing, da wir nicht so viel Rechercheaufwand in die kleineren Meldungen stecken wie in unsere längeren  Berichte.
  • Lieber nicht berichten als falsch? Ich halte Themen eher zurück, wenn ich das Gefühl habe: Ich bin mir da unsicher. Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich gut so. Andererseits: Wenn niemand berichtet, ist das auch schlecht. Und im Lokalen kann das sehr schnell passieren. 

Weiter unten finden Sie meine Recherche zum Kiebitz und dem Irrflug einer Beschwerde durch die Behörden. (sst)

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Korrekturen

+++ In unserer unfreiwilligen Tradition, speziell in Texten über Preußen Münster Fehler unterzubringen, haben wir am Dienstag wieder zuverlässig geliefert. Wir schrieben, dass Münster schon am Sonntag aufsteigt, wenn „Köln nicht gegen Regensburg nicht verliert”. Und ja, genau, da stimmt was nicht. Richtig ist: Regensburg darf am Sonntag nicht gewinnen, dann steigen die Preußen auf, wenn sie in Verl gewinnen. Außerdem schrieben wir, die letzte Chance wäre sonst am Sonntag drauf. Richtig ist: Das wäre die letzte Chance zum direkten Aufstieg. Andernfalls bliebe mit großer Wahrscheinlichkeit noch die Relegation als wirklich allerletzte Chance – wenn man die nächste Saison jetzt mal rausnimmt. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Sieben Parteien aus Münster wollen morgen auf der Stubengasse gemeinsam gegen Gewalt demonstrieren und so ein Zeichen für einen fairen und gewaltlosen demokratischen Wettbewerb setzen. (Antenne Münster)

+++ Ein Mann soll am Kanal mit einer Wildkamera im Wald pinkelnde heimlich Menschen gefilmt haben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Preußen Münster muss weitere 6.300 Euro Strafe zahlen, weil sogenannte Fans beim Spiel gegen Ulm Feuerwerkskörper gezündet haben. (Preußen Münster)

+++ Der Umbau des mittleren und südlichen Teils des Bremer Platzes ist fast fertig. (Stadt Münster)

+++ Bei einem Zimmerbrand im Landgasthof „Pleister Mühle“ am Freitagmorgen ist eine Person verletzt worden. (Westfälische Nachrichten)

Anonymer Briefkasten

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+++ Der Frauennotruf berichtet von einer steigenden Zahl an Fällen sexueller Belästigung und immer jüngeren Tätern. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Polizei warnt davor, Falschinformationen in sozialen Netzwerken zu verbreiten, die angebliche Straftäter zeigen sollen. (Polizei Münster)

+++ Ein Forscherteam der Universität Münster bekommt 2,6 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium, um die Grundbausteine des Universums zu erforschen. (Uni Münster)

+++ Wer möglichst naturnah in einem „Tiny House“ leben möchte, wird in Münster nichts finden und muss zum Beispiel nach Coesfeld, Ahaus oder Nordkirchen umziehen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Kleingartenverein Langemarck hat seinen Namen abgelegt, weil er an einen Mythos aus dem Ersten Weltkrieg erinnert, der einen erfolglosen Angriff der Deutschen  als heldenhaften Erfolg darstellte.  (Westfälische Nachrichten)

Unbezahlte Werbung

Passend zum frühsommerlichen Wetter hat an der Kreuzung Hansaring/Albersloher Weg vor drei Wochen ein neues Café eröffnet. Im Pampelune gibt es nicht nur eine große Auswahl an Eissorten, sondern auch selbstgemachte Smoothies, Kaffee und Kuchen. Die können Sie entweder vor Ort im farbenfrohen Ambiente mit Blick auf das Treiben an der Kreuzung genießen oder Sie nehmen die Leckereien einfach mit, zum Beispiel an den Hafen. Ich habe den Açaí-Berry-Smoothie getestet und fand ihn sehr fruchtig und lecker. Geöffnet hat das Café Pampelune mittwochs, samstags und sonntags von 12 bis 19 Uhr und an den anderen Tagen von 11 bis 18 Uhr. (kan)

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Katja Angenent für Sie in den Kalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:

+++ Das „Luft&Laune New Art Festival für Musik und Kunst“ findet in seiner dritten Auflage heute und morgen Abend am Hawerkamp statt. Karten gibt es entweder für einen Einzeltermin oder für beide zusammen. Bei diesem Festival hat das Publikum die Wahl: Im Programm ist von Italo-Disco über Feuershows, Singer-Songwriter-Auftritten, Karaoke und Improtheater für fast jeden Geschmack etwas dabei. Außerdem laden Kreativ-Workshops zum Mitmachen ein. Einblicke gibt es bei Instagram.

+++ „Poesie und Alltag“ lautet das Motto des Lyriktreffens Münster, das in diesem Jahr vom 10. bis zum 13. Mai stattfindet. Lesungen, Workshops und Gespräche ermöglichen Begegnungen zwischen Publikum und Dichtenden. Eines der Themen: Übersetzung. Karten erhalten Sie über das Theater Münster, einen Blick ins Programmheft gibt es hier.

+++ Wenn Sie am Sonntag das Freilichtmuseum Mühlenhof besuchen, treffen Sie dort auf über 40 Ausstellende, die Kunsthandwerk und Kreatives präsentieren. Außerdem haben Sie die Gelegenheit, um 15 Uhr eine Lesung auf Plattdeutsch mit der Schauspielerin Elisabeth Georges und Jugendlichen der Niederdeutschen Bühne zu erleben. Der Kreativmarkt und die Lesung sind im Eintrittspreis für den Mühlenhof enthalten.

+++ „Zauberei & Bier“ heißt eine Veranstaltung, die am Montagabend im Kneipencafé „Im Viertel“ am Hansaring stattfindet. Zauberkünstler Toby hat sich das Ganze ausgedacht, sein  Kumpel Nico ist auch dabei. Laut Ankündigung gibt es ab 20 Uhr „sehr viel Blödsinn und geile Zauberei“. Ich wette, Bier wird ebenfalls ausgeschenkt. Karten bekommen Sie hier.

Und was steht sonst noch so im RUMS-Brief?

Sie haben es oben schon gelesen: Der Naturschutzbund hat sich beschwert. Er findet, die Stadt müsste Kiebitze besser schützen. Was folgte, erinnert an Kafka. Nur warum? Ist der Kiebitz zu unwichtig? Oder steht er größeren Interessen im Weg?

Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS drei Monate lang zum halben Preis.

Herzliche Grüße

Svenja Stühmeier

Mitarbeit: Katja Angenent (kan), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer

PS

Borkenkäfer können schnell mal ein ganzes Waldstück kaputt machen. Für private Besitzer:innen bedeutet das großen wirtschaftlichen Verlust. Die sind wohl gut beraten, wenn sie erfinderisch werden. So wie Timo und Lisa Gelzhäuser. Sie besitzen einen Fichtenwald, der jedoch fast komplett befallen ist (hier sehen Sie Vorher-Nachher-Fotos). Die Geschwister haben schon vor ein paar Jahren angefangen, Holzhütten und Tiny Houses aus vom Borkenkäfer befallenem Holz zu bauen. Vor ein paar Wochen haben sie das erste Einfamilienhaus aus Borkenkäferholz aufgestellt, der WDR (etwa ab Minute 5) hat sie dabei begleitet. Das hat übrigens nur ein paar Tage gedauert. Ganz kleine gute Nachricht zum Schluss: Forscher:innen haben gerade die Vermutung geäußert, dass vom Borkenkäfer befallene Waldstücke einen guten Lebensraum für den gefährdeten Wiedehopf, einen Zugvogel, bieten. (sst)

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