Stadtentwicklung und Gesundheit. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Münster, 22. August 2023

es gibt diesen Witz von dem Mann, der zum Arzt kommt und sagt: „Wenn ich Tee trinke, habe ich immer so ein Stechen im rechten Auge.“ Und der Arzt fragt: „Haben Sie schon mal probiert, den Teelöffel aus der Tasse zu nehmen?“

Man rechnet mit einem komplizierten medizinischen Problem. Aber der Arzt sagt etwas ganz Offensichtliches. Das ist der Witz. In der Realität ist das, was offensichtlich wäre, manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Wenn Menschen über gereizte Atemwege klagen, helfen Medikamente unter Umständen nur kurz. Dauerhaft wirksam wäre vielleicht der Hinweis: „Probieren Sie doch mal, in einem Raum ohne Schimmel zu schlafen.“

Die Ursachen von Krankheiten können komplex sein, und sie können mit Strukturen zu tun haben, mit Machtverhältnissen, mit Armut oder Ungleichheit. Am Donnerstag beginnt eine dreitägige Tagung der Stadt und der Uni Münster, die sich mit dem Zusammenhang von Stadtentwicklung und Gesundheit beschäftigt.

Wenn es in Wohnungen schimmelt, muss das zum Beispiel nichts damit zu tun haben, dass Menschen nicht lüften. Oft liegt es an der Bausubstanz und schlechten Wohnverhältnissen. Und davon sind eher Menschen betroffen, die weniger Geld haben.

Das Beispiel stammt aus einem Aufsatz, den die Stadtgeographie-Professorin und Tagungs-Mitorganisatorin Iris Dzudzek zusammen mit ihrer Grazer Kollegin Anke Strüver geschrieben hat.

Meine Kollegin Constanze Busch hat vor zwei Jahren mit Iris Dzudzek in einem Interview darüber gesprochen, warum der Städtebau wichtig ist, wenn es darum geht, Menschen vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Damals war das ein akutes Problem.

In der Coronazeit hatte sich gezeigt: Dort, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, breitet die Krankheit sich schneller aus. Das betraf vor allem Viertel, in denen Menschen mit geringem Einkommen lebten. Ähnlich ist es auch mit dem Schimmel. Schlechte Wohnverhältnisse sind kein Problem von reichen Menschen.

Das Hamburger Stadtteil-Gesundheitszentrum Poliklinik Veddel hat ein Projekt gestartet, in dem es Atemwegserkrankungen dadurch bekämpft, dass es gegen Schimmel vorgeht. Wichtig ist, solche Zusammenhänge zu erkennen, und das ist oft nicht so leicht. Das zeigt ein anderes Beispiel, um das es ebenfalls in dem Aufsatz geht.

Um zu verhindern, dass Infektionen sich in einem Krankenhaus ausbreiten, gibt es ein einfaches Mittel. Man schult das Personal und kauft Schutzausrüstung. In Ecuador stellte sich nach dem Ausbruch einer Infektion in einem Krankenhaus heraus: Schutzausrüstung war da, das Personal war geschult. Aber wo war dann das Problem? Man schaute noch einmal hin und erkannte: Dem Personal fehlte die Zeit, die Präventionsvorgaben einzuhalten. Es lag an den Arbeitsbedingungen. Und das kann auch in anderer Weise zum Problem für die arbeitenden Menschen werden.

In einem weiteren Beitrag, den Iris Dzudzek ebenfalls mitverfasst hat, kommt Doris Braune zu Wort, ehrenamtliche Mitarbeiterin einer Anlaufstelle für Frauen in Köln. Sie sagt, wenn Frauen nach einer Brustkrebserkrankung wieder arbeiten gingen, dann machten sie das oft nicht aus Spaß an der Arbeit, der Grund sei eher „Überlebensstress“. Gingen sie nicht arbeiten, reiche später die Rente nicht aus. Aber Stress macht einen Rückfall wahrscheinlicher. „Der Stress erhöht die Metastasierungsrate – das wissen wir alles“, sagt Doris Braune.

Erkennt man solche Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Problemen und Gesundheit nicht, bleibt es bei der Behandlung von Symptomen. Unter Umständen werden die Ursachen noch schlimmer. Menschen in reichen Stadtteilen in Deutschland lebten im Schnitt zehn Jahre länger als Menschen in armen Vierteln, sagt Iris Dzudzek in einem Video zu einem preisgekrönten Projekt der Uni Münster, das sich mit den Folgen dieser Ungleichheit in Berg Fidel beschäftigt.

Nach Berg Fidel geht es bei der Konferenz am Samstag, dem dritten Tag. Dann führen Menschen aus Berg Fidel, Coerde und dem Hansaviertel jeweils durch ihren Stadtteil. Zur Tagung anmelden können Sie sich hier. Dort finden Sie auch das Programm. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Unser Kolumnist Ludwig Lübbers bemängelt, dass Parkplätze für Menschen mit Behinderungen oft wegfallen, wenn gebaut wird. (Westfälische Nachrichten)

+++ Seit es in der Innenstadt ein Parkkonzept für E-Roller gibt, ist die Zahl Beschwerden laut Stadtverwaltung nahezu auf null gesunken. (Westfälische Nachrichten)

+++ In Mauritz-Mitte-Nord bekommen 1.000 Gebäude und mehr als 4.000 Haushalte schnelles Internet. (Stadtwerke Münster)

+++ Laut der Gewerkschaft sind höhere Löhne und bessere Arbeitszeiten nötig, um die offenen Stellen in der Gastronomie zu besetzen. (Antenne Münster)

+++ Die Katholisch-Theologische Fakultät sucht für ein Forschungsprojekt Mitglieder bestimmter Gemeinschaften und Menschen, die in solchen Gemeinschaften Missbrauch erlebt haben. (Uni Münster)

+++ Der Pastor Jyothish Joy aus dem indischen Kerala wird neuer Studierendenseelsorger an der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde. (Kirche und Leben)

+++ Die Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf hat Marco Krause als Ansprechpartner für queere Menschen benannt. (Polizei Münster)

+++ Das Stadtfest war laut Polizei das ruhigste seit 20 Jahren. (Antenne Münster)

+++ Die Müllabfuhr hat nach dem Stadtfest ungefähr 15 Tonnen Abfall weggeschafft. (Stadt Münster)

Unbezahlte Werbung

Servus! Die Neubrückenstraße im Martiniviertel ist neuerdings um ein Restaurant reicher. Leibes Lust bietet von Mittwoch bis Sonntag ab 18 Uhr österreichische Küche und serviert neben Klassikern wie Wiener Schnitzel und Tafelspitz auch Fischgerichte, vegane Optionen und eine Auswahl an österreichischen Weinen. Auf der Dessertkarte lassen sich beliebte Köstlichkeiten wie Kaiserschmarrn und Palatschinken finden, der seinem Namen zum Trotz eine Pfannkuchen-Spezialität ist. Inspiriert von der Wiener Kaffeehauskultur setzt Leibes Lust bei der Innen- und Außengestaltung ganz auf eine behagliche Atmosphäre. Na dann: Guten Appetit! Oder an Guadn, wie es in Österreich heißt. (dte)

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Deike Terhorst für Sie in den Terminkalender geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen:

+++ In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 0 Uhr lädt das Theater- und Performance-Kollektiv Rue Obscure in der Titanick-Halle am Hawerkamp zur Premiere der Installation “Gesichertes Gelände” ein. Anhand von Video, Skulptur und Sound setzt sich das mit Kopfhörern ausgestattete Publikum mit geo- und klimapolitischen sowie sozialen Ungleichheiten auseinander, unterstützt durch die Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“ von Max Frisch. Weitere Aufführungen finden zwischen dem 25. August und 8. September statt, Tickets gibt es für 15 Euro auf der Website des Theaters im Pumpenhaus. Ergänzt wird das Programm durch einen Vortrag am Sonntag um 19 Uhr im Veranstaltungsraum neben dem RUMS-Büro an der Neubrückenstraße.

+++ Von Donnerstag bis Samstag wird Münster zum sogenannten Schauraum für Kunst und Kultur. Das dreitägige Fest wird um 18 Uhr auf dem Domplatz eröffnet. Ein Teil des Programms: die Nacht der Museen und Galerien. Am Samstag präsentieren 41 Ausstellungsorte von 16 bis 24 Uhr ihre Sammlungen und bieten kostenlose Rundgänge an. Das Programmheft ist unter diesem Link abrufbar.

+++ Im Rahmen des Open-Air-Kinos Kamp-Flimmern wird am Donnerstag die Oscar-nominierte Dokumentation „All the Beauty and the Bloodshed“ gezeigt. Thema ist das Leben der US-amerikanischen Fotografin und Aktivistin Nan Goldin, die sich nach einer Schmerzmittelabhängigkeit gegen das Pharmaunternehmen Sackler engagiert. Los geht es um 21 Uhr, der Film wird im englischen Original mit Untertiteln vorgeführt. Tickets sind für 8,50 Euro an der Abendkasse oder vorab auf der Website des Cineplex verfügbar.

+++ Die Lange Nacht der Robotik im Universitätsklinikum ermöglicht am Freitag Einblicke in die Chirurgie. Im Mittelpunkt steht die neueste Generation des OP-Roboter-Systems da Vinci, mit dem komplexe Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt werden. Vor Ort können Sie ihre Fähigkeiten in puncto Geschicklichkeit austesten. Die Veranstaltung findet ab 16 Uhr im Hörsaal der Chirurgie im Klinikgebäude an der Waldeyerstraße 1 statt.

+++ Am Freitag um 19:30 Uhr sind Ihre grauen Zellen in der Alexianer Waschküche am Bahnhof gefragt. Der Integrationsbetrieb, der Waschsalon, Café und Veranstaltungsort miteinander vereint, richtet ein Kneipenquiz aus. Teilnehmen können Teams mit bis zu 6 Personen, Anmeldungen sind unter quizliga@gmx.de möglich.

+++ Es wird schaurig in der Heilen Welt an der Hörsterstraße! Am Samstag stellen Autor:innen aus Deutschlands führendem Verlag in Sachen Krimi, Horror und Thriller bei der Lesung „Redrum over Münster“ ihre Werke vor. Start ist um 18:30 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro.

Was steht sonst noch im RUMS-Brief

Auf dem Emshof in Telgte lernt die siebte Klasse der Montessorischule ein Schuljahr lang, wie Landwirtschaft funktioniert. Dabei erfahren die Kinder viel über Nachhaltigkeit und ökologischen Fortschritt, aber auch über soziale Gerechtigkeit. Unsere Fotografin Rosa Tägtmeyer hat die Klasse mehrfach besucht und das Projekt mit ihrer Kamera dokumentiert.

Möchten Sie mehr erfahren? Dann abonnieren Sie RUMS drei Monate lang zum halben Preis.

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Constanze Busch (cbu), Jan Große Nobis (jgn), Svenja Stühmeier (sst), Deike Terhorst (dte)

Lektorat: Melanie Kelter

PS

Suchen Sie noch eine Beschäftigung für heute Abend? Dann hätte ich vielleicht was für Sie. Die Stadt Münster hat eine Karte mit all ihren Bau- und Gartendenkmälern veröffentlicht, meldet netterweise das Kommunikationsamt. Um sich die Bauwerke anzusehen, müssen Sie auf der Karte ein Symbol anklicken, dann erscheint eine Art Karteikarte mit Fotos und ein paar Sätzen, die alles erklären. Ich gebe zu: Als Beschäftigung reicht das unter Umständen auch für zwei oder drei Abende. Es sind nämlich ungefähr 1.800 Denkmäler eingezeichnet. Und wenn Sie jetzt sagen: Der RUMS-Brief reicht mir für heute eigentlich vollkommen aus als digitale Beschäftigung, hätte ich noch einen anderen Tipp: Am 10. September ist Tag des offenen Denkmals. Dann können Sie sich die Gebäude auch von innen ansehen. Eine Liste der Denkmäler, die an diesem Tag offen sind, finden Sie hier. (rhe)

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