Eine fast unbekannte Krankheit | Noch mehr Impfangebote | BusGang

Porträt von Constanze Busch
Mit Constanze Busch

Münster, 10. Dezember 2021

heute beginne ich mit einem kurzen Merk-dir-den-Termin, auch Save-the-Date genannt. Am nächsten Mittwoch ab 16:30 Uhr tagt nämlich wieder der Stadtrat, und das wird spannend. Die Politiker:innen werden den Haushalt für das kommende Jahr verabschieden, und dabei geht es ja nicht nur um Zahlen, sondern um Richtungsentscheidungen für die Stadt. Viel Spielraum gibt es da mitten in der Coronakrise zwar nicht. Aber die Rathauskoalition will zumindest ein paar Schwerpunkte setzen, die wir hier schon einmal kurz vorgestellt hatten.

Wenn Sie die Debatten mitverfolgen möchten, können Sie sich in der Halle Münsterland einen Platz suchen. Oder Sie schalten von zu Hause aus die Online-Liveübertragung ein, was den Vorteil hätte, dass Sie es sich gemütlich machen und sich zwischendurch ein paar Plätzchen und einen Glühwein holen können. Und falls Sie schon etwas anderes vorhaben: Wir sind natürlich auch wieder für Sie dabei. Am nächsten Freitag schreibe ich Ihnen ausführlich, was bei den Beratungen und Debatten herausgekommen ist.

Coronahilfen, Finanz-Arbeitskreis, keine Urantransporte

Ein paar Dinge kann ich Ihnen jetzt schon verraten. Meine Glaskugel ist zwar gerade zur Reparatur, aber es geht auch mal ohne. Auf der Tagesordnung für die Sitzung stehen nämlich ein paar Anträge, die entweder schon eine Mehrheit haben oder aller Voraussicht nach eine bekommen dürften:

  • Das Ratsbündnis beantragt gemeinsam mit der Internationalen Fraktion/Die Partei/ÖDP, dass die Stadt die Coronaunterstützung für die Gastronomie und das Schaustellergewerbe verlängern soll: Bis Ende Juni 2022 sollen Cafés, Restaurants und Schausteller:innen städtische Flächen weiterhin kostenlos nutzen dürfen, zum Beispiel für Außengastronomie. Bisher waren die Gebühren nur bis Ende Dezember ausgesetzt worden.
  • Für einen weiteren Antrag haben sich FDP, Grüne, SPD, Volt und die Internationale Fraktion/Die Partei/ÖDP zusammengetan. Mit dem Titel ist schon fast alles gesagt, „Mit Fokus in die Zukunft: städtischen Haushalt priorisieren“ steht über dem Papier. Die Begründung kann man so zusammenfassen: Im Haushaltsplanentwurf, den die Stadtverwaltung für das kommende Jahr vorgelegt hat, geht es um alles ein bisschen, aber um nichts so richtig. Ein Arbeitskreis aus Vertreter:innen der Fraktionen und Ratsgruppen sowie der Stadtverwaltung soll das ändern und in Zukunft Prioritäten und konkrete Ziele festlegen. Und er soll auch das sogenannte Gender Budgeting berücksichtigen, das meine Kollegin Ann-Marlen Hoolt hier schon einmal ausführlich erklärt hat.
  • Sehr grundsätzlich wird es auch in diesem Antrag der Rathauskoalition: Grüne, SPD und Volt möchten, dass in Zukunft keine Urantransporte mehr durch das Stadtgebiet fahren. Außerdem soll die Stadtverwaltung bei der Deutschen Bahn sowie der Bundes- und Landesregierung beantragen, dass die Bahnstrecke zwischen Münster und Gronau für solche Transporte entwidmet wird. Das Ratsbündnis hat keine eigene Mehrheit mehr. Aber für dieses Anliegen könnten sich Mitstimmer:innen finden.

Die Politiker:innen werden außerdem die Wasser-, Abwasser- und andere Gebührensatzungen für 2022 beschließen, die Konzeptstudie für eine klimaneutrale Stadtverwaltung diskutieren und voraussichtlich die Stadtwerke (genauer gesagt: eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke) mit Planung und Bau des neuen Preußen-Stadions beauftragen.

Eine fast unbekannte Krankheit

Nach dieser kleinen politischen Wochenvorschau möchte ich Ihnen noch einen neuen Beitrag auf unserer Website ans Herz legen. Darin geht es um eine junge Frau, die ein sehr persönliches Thema öffentlich macht, um darüber aufzuklären und etwas zu bewegen.

Dass schwangere Personen keinen Alkohol trinken sollen, weiß jede:r. Aber kaum jemand kennt die Krankheit, die Kinder bekommen können, wenn werdende Mütter es doch tun: das Fetale Alkoholsyndrom, kurz FAS. Selina Spetter möchte das ändern. Die 27-jährige Münsteranerin ist mit FAS zur Welt gekommen und lebt deshalb bis heute mit körperlichen Auswirkungen der Krankheit und mit einer geistigen Behinderung. Um das Syndrom bekannter zu machen, hat sie ein Buch geschrieben. Charlotte Köhler von der Reportageschule Reutlingen hat für RUMS mit Selina Spetter über ihre Geschichte gesprochen und darüber, mit welchen Schwierigkeiten sie in ihrer Jugend und als junge Erwachsene zu kämpfen hatte. Hier lesen Sie ihre Reportage.

Medienkritik

+++ Wir weisen hier ja manchmal auf den sehr guten Veranstaltungskalender in der Nadann hin, allerdings erwähnen wir es auch, wenn es etwas zu kritisieren gibt. Und das ist heute die Anzeige für den „Montagsspaziergang“, die im Netz und im Heftchen zu finden ist. Auf den ersten Blick sieht alles ganz harmlos aus. „Wir stehen auf gegen die Impfpflicht!“ steht im Titel. Und warum nicht? Man kann die Impfpflicht ja durchaus ablehnen. Geschaltet hat die Anzeige die Initiative „Gemeinsam für Grundrechte“, und auch das klingt doch erstmal gut.

Doch wer steht dahinter? Aus dem Impressum der Initiative wird man nicht schlau. Es verlinkt lediglich auf die Seite, auf der man sich schon befindet. Aber auf der Startseite ist eine Veröffentlichung zu finden („Ein Jahr Corona-Chaos“), die als Herausgeber unter anderem Peter Balint nennt. Balint ist bei der Bundestagswahl für die Querdenker-Partei die Basis angetreten. Nils Dietrich hat für die Wiedertäufer vor zwei Jahren über den ehemaligen Lehrer geschrieben. Auf der Seite ist auch ein Interview mit Balint zu finden. Eigene Autoren-Seiten (wenn auch leere) haben außerdem Lothar Zimmermann, Andreas Horn sowie Björn Wegner. Ihre Namen sind auf den Tabulator-Reitern zu lesen. Wegner betreibt eine eigene Querdenker-Seite. In der Interview-Rubrik der Grundrechte-Bewegung ist unter anderem auch ein Gespräch verlinkt, das der Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen geführt hat. Über den können Sie alles Nötige in diesem preisgekrönten Podcast erfahren. Und natürlich, man kann so eine Anzeige veröffentlichen. Das gehört zur Meinungsfreiheit. Aber wir finden, Sie sollten auch wissen, wer sie geschaltet hat.

+++ Mitte Oktober gab es große Aufregung in der deutschen Medienwelt. Der damalige Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt, war genau das plötzlich nicht mehr, weil ein Team von investigativen Journalist:innen Fälle von Machtmissbrauch gegenüber Frauen recherchiert hatte. In Journalist:innen-Kreisen war das aber die vergleichsweise kleinere Geschichte. Die größere war, dass Verleger Dirk Ippen diese Recherche seines Investigativteams nicht veröffentlicht sehen wollte (Teile davon erschienen dann beim Spiegel) und damit in die sogenannte innere Pressefreiheit eingriff. Damit ist gemeint, dass Redaktionen unabhängig recherchieren und arbeiten, und dass der Verlag diese Arbeit ebenso wenig einschränken oder beeinflussen soll wie es staatliche Institutionen tun dürfen (äußere Pressefreiheit).

Das Team von Correctiv lokal hat in den vergangenen Wochen recherchiert, ob es häufiger vorkommt, dass Verleger oder Geschäftsführer von Medienunternehmen die Arbeit ihrer Redaktionen eben doch beeinflussen. Die kurze Antwort lautet: leider ja. Die lange Antwort können Sie in diesem Artikel von Correctiv nachlesen. Warum ich Ihnen das hier verlinke: Es geht in dem Text auch um die Westfälischen Nachrichten. Zum Beispiel darum, dass WN-Verleger Benedikt Hüffer auch Präsident der Industrie- und Handelskammer in Münster ist. Und dass die Zeitung ein großes Interview mit dem IHK-Präsidenten veröffentlicht hat, ohne auf diese Doppelrolle hinzuweisen. Hüffer selbst sprach Correctiv gegenüber von einer klaren Trennung zwischen Verlag und Redaktion. Aber die Redaktion erlebt das offenbar anders.

Korrekturen und Ergänzungen

Im RUMS-Brief am Dienstag ging es um Unfallzahlen und die große Gefahr im Ludgerikreisel. Wir hatten die Stadt gefragt, ob geplant ist, die Gefahr am Kreisel zu entschärfen. Die Antwort sind wir Ihnen noch schuldig. Die Stadt schreibt nun, in der nächsten Sitzung der Unfallkommission am Mittwoch, 15. Dezember, werde es genau darum gehen. Nach einer aktuellen Auswertung der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde sei der Ludgerikreisel als eine sogenannte Ein-Jahres-Unfallhäufungsstelle gemeldet worden. Anders gesagt: Auch aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass es am Kreisel zu gefährlich ist. Man werde nun schauen, ob es notwendig ist, sofort etwas zu unternehmen, und ob man den Kreisel sogar umbauen muss. In der kommenden Woche wissen wir hoffentlich mehr.

In aller Kürze

+++ Eigentlich sollte schon in diesem Jahr eine Entscheidung zum sogenannten Flyover fallen, aber das wird sich nun verschieben, schreibt die Stadt auf Nachfrage. Ein Planungsbüro ist mit der Sache beschäftigt. Es soll mehrere verschiedene Möglichkeiten erarbeiten, um den Verkehr an dieser Stelle besser zu regeln. Weil man sich die Varianten im Detail ansehen müsse, werde das Gesamtkonzept erst im ersten Quartal des nächsten Jahres vorliegen. Eine Idee, die zunächst keine Mehrheit fand, war eine Brücke (Flyover) für den Rad- und Fußverkehr von der Promenade bis zur Bismarckallee. Das zehn Millionen Euro teure Bauwerk würde die Stadt nur 600.000 Euro kosten, den Rest würden Bund und Land übernehmen. Doch der Verkehr geht an dieser Stelle in viele Richtungen, die Brücke würde nur das auf einer Verbindung lösen. Sie wäre vor allem ein Symbol, das die Verkehrswende in der Stadt sichtbar machen würde. Vor allem die Grünen favorisieren eine ebenerdige Lösung, die in erster Linie das Verkehrsproblem löst. Das Planungsbüro soll laut Stadt eine Variante mit Brücke erarbeiten und eine ohne. Teil des Konzepts soll auch ein Vorschlag dazu sein, welche Alternative es zum Fußgängerüberweg an der Aegidiistraße geben könnte.

+++ Seit heute müssen Sie beim Weihnachtsmarkt- und Einkaufsbummel nicht mehr überall Ihren Impf- oder Genesenennachweis zeigen. Stattdessen können Sie sich ein 2G-Armband abholen, das dann in Geschäften, Cafés und auf dem Weihnachtsmarkt zwei Tage lang als Eintrittskarte gilt, teilt die Stadt mit. Wie die Westfälischen Nachrichten bei der Initiative starke Innenstadt Münster (ISI) erfragt haben, bekommen Sie die Bändchen erst einmal in der Münster-Information im Stadthaus und in größeren Geschäften, später auch an anderen Ausgabestellen. Falls Sie keine Armbänder mögen, können Sie sich aber natürlich auch weiter mit Impfpass oder -zertifikat auf dem Handy als 2G ausweisen.

Corona-Update

+++ Seit Ende November wurden weltweit schon in 50 Staaten Infektionen mit der neuen Coronavariante Omikron gemeldet. In Deutschland waren es laut RKI-Wochenbericht bis Dienstag 28 Fälle, inzwischen dürften es noch ein paar mehr sein. Auch in Münster wurden nun sechs Omikron-Infektionen nachgewiesen, teilt die Stadt mit. Eine der infizierten Personen hatte bereits eine Booster-Impfung bekommen, drei waren doppelt geimpft. Die gute Nachricht: Bisher ist offenbar keine:r der sechs schwer erkrankt. Allerdings haben sich die sechs Münsteraner:innen laut Stadt unabhängig voneinander mit der Variante angesteckt. Und weil sie enge Kontaktpersonen hatten, werden in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch weitere Fälle nachgewiesen werden.

+++ Weiter mit guten Nachrichten: Münster ist Booster-Hotspot, am Mittwoch meldete die Stadt schon 78.500 Auffrischungsimpfungen. Wenn Sie sich auch erst-, zweit- oder drittimpfen lassen möchten, über 30 Jahre alt und nicht schwanger sind, könnten Sie am nächsten Mittwoch oder Donnerstag jeweils zwischen 13:30 und 16:30 Uhr bei der Impfaktion in der Sporthalle der ehemaligen Wartburg-Hauptschule vorbeischauen. Oder schon am Sonntag zwischen 11 und 15 Uhr bei einer Impfaktion der Malteser. Es gibt jeweils den Impfstoff von Moderna.

+++ Wer jünger als 30 oder schwanger ist (oder beides), kann ab heute wieder nach Terminen für die Impfstelle im Jovel schauen. Dort gibt es (auch) den Impfstoff von Biontech, der für diese Gruppen empfohlen wird.

+++ Impftermine für alle Gruppen gibt es auch im Impfzentrum in Wolbeck.

+++ Außerdem hat Münster nun auch einen Impf-Drive-in: Auf dem Hof Rotermund können Sie mit dem Auto vorfahren, den Ärmel aufkrempeln und direkt durchs Fenster Ihren Piks bekommen. Sie müssen vorher einen Termin vereinbaren; auch hier stehen (je nach Empfehlung) die Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung.

+++ Und wie immer kommen hier noch die aktuellen Infektionszahlen: Das Robert-Koch-Institut meldet für Münster eine Wocheninzidenz von 139,1. Seit gestern wurden 95 Neuinfektionen registriert, insgesamt gelten damit 827 Münsteraner:innen als infiziert. In den Krankenhäusern werden 27 Covid-Patient:innen behandelt, 10 von ihnen auf der Intensivstation. 6 Menschen werden beatmet.

Unbezahlte Werbung

Das Freizeitangebot ist im Moment ja schon wieder arg dezimiert. Die Veranstaltungskalender sind voll mit Absagen. Was bleibt, ist die frische Luft. Der Stadtführer und Autor Ulrich Gerbing hat soeben ein Buch veröffentlicht, das bei der Freizeitplanung in diesen Zeiten sehr behilflich ist, einen Wanderführer für Münsters Innenstadt, der 19 verschiedene Strecken vorschlägt. Die jeweiligen Startpunkte sind leicht zu erreichen; es sind die Endhaltestellen der Buslinien. Von dort führt der Wanderweg über die Stadtteile zurück zum Hauptbahnhof. Wie wir finden, eine sehr schöne Idee. Das Buch heißt „BusGang Münster – Der urbane Wanderführer“, ist 224 Seiten dick und kostet 19 Euro. Kaufen können Sie es im Buchhandel, beim Verlag oder in den Kund:innencentern der Stadtwerke.

Drinnen und Draußen

Heute hat Eva Strehlke zwei schöne Tipps für Sie. Und das Beste: Sie müssen sich gar nicht entscheiden, sondern können einfach beiden Empfehlungen folgen.

+++ Für die erste sollten Sie sich aber ein bisschen beeilen, Sie müssen sich dazu nämlich anmelden. Im Lemperhaus, dem Genusskaufhaus an der Jüdefelder Straße, findet am Sonntag eine kulinarische Lesung statt. Das bedeutet: Ab 14:30 Uhr gibt es Torte und ab 16 Uhr wird vorgelesen. Letzteres übernimmt Irmin Burdekat, der seinen Roman „Der Katholische Bahnhof“ vorstellen wird, aber nicht nur Autor ist, sondern auch Gastronom. Und so schließt sich der Kreis wieder. Worum es in dem Buch geht und – mindestens genauso wichtig – welche Torte es gibt, können Sie hier nachlesen. Und auf der Seite können Sie sich auch direkt anmelden. Für die Veranstaltung gilt die 2G-Plus-Regel, Sie müssen also geimpft oder genesen sein und zusätzlich ein aktuelles Testergebnis mitbringen. Am besten ein negatives. Und falls Sie leckeren Kuchen zuhause haben: Sie können die Lesung auch über die Videokonferenzsoftware Zoom verfolgen.

+++ Für die zweite Empfehlung haben Sie noch bis Ende Februar Zeit. So lange zeigt die Galerie Goeken Art am Rosenplatz in der Ausstellung „Der erste Blick“ Fotografien von Manfred Sundermann. Der Architekturprofessor hat die Bilder in den 1970er-Jahren mit einer analogen Kamera aufgenommen, hier bekommen Sie einen Eindruck.

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann wieder. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzliche Grüße

Constanze Busch

Mitarbeit: Ralf Heimann, Eva Strehlke

PS

Im großen Stapel Unterlagen für die Ratssitzung steckt auch ein Antrag, mit dem sich demnächst der Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung beschäftigen soll. Da wage ich die Prognose: Die Idee wird keine Zustimmung finden. Das soll sie auch nicht, sie ist eher als satirischer Kommentar zur Stadtpolitik gedacht und soll ein bisschen stören. Normalerweise landet so etwas eher nicht in der Zeitung. Aber ich möchte sie Ihnen nicht vorenthalten. Die Internationale Fraktion/Die Partei/ÖDP schlägt neben dem Musik-Campus und dem neuen Schwimmbad noch ein weiteres Leuchtturm-Projekt für die Stadt vor: einen Leuchtturm.