Der Frühling ist da | Die Parkwende in Münster: viermal Platz machen | Belgisches Bier aus dem Day to Day Kiosk

Porträt von Sebastian Fobbe
Mit Sebastian Fobbe

was für ein wunderbarer Tag! Die Narzissen, Krokusse und Schneeglöckchen blühen, die ersten Zugvögel kommen aus dem Winterurlaub zurück und auf dem Weg in die RUMS-Redaktion ist mir heute richtig warm geworden.

Spätestens jetzt haben wir es alle begriffen: Es ist endlich wieder Frühling. Manchmal dauert es eben eine Weile, bis man so richtig verstanden hat, was alles passiert.

So war das vor Kurzem wohl auch im Botanischen Garten. Dort haben Bösewichte eine Bronzeskulptur entwendet, auf der anmutig ein schwarzer Wolf thront. Bis jemandem der Diebstahl aufgefallen ist, ist allerdings ein bisschen Zeit vergangen. Denn laut Polizei ist die Statue irgendwann zwischen dem 26. Februar und dem 5. März verschwunden.

Jetzt sucht die Polizei nach Zeug:innen, die Auskunft über den Verbleib des gestohlenen Wolfs geben können. Halten Sie also beim ersten Frühlingsspaziergang des Jahres die Augen offen. Und wenn Sie nach ein paar Tagen registriert haben, dass in Nachbars Garten doch etwas Auffälliges zu finden ist, verlieren Sie keine Zeit und melden Sie sich. (sfo)

Kurz und Klein

+++ Vor ein paar Tagen hat das deutsche Krankenhausinstitut den sogenannten Krankenhaus-Index veröffentlicht. Darin will es die wirtschaftliche Lage und Erwartung der Krankenhäuser abbilden. Mit dem Ergebnis: Sieben von zehn Häusern beurteilen ihre wirtschaftliche Lage zurzeit als schlecht. In der Uniklinik Münster sieht es laut Pressestelle nicht anders aus. Das liege aber vor allem am Fachkräftemangel, schreibt uns die Pressestelle auf Anfrage. Deswegen könnten weniger Patient:innen behandelt werden. Perspektivisch müsse man Betten weiter reduzieren, um den Personalschlüssel einhalten zu können. Das heißt: geringere Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten. Die Uniklinik hofft also auf neues Personal – und die Reformpläne von Bund oder Land, die die finanzielle Lage der Kliniken verbessern sollen. Beide Vorschläge ordnen Unikliniken der höchsten Versorgungsstufe zu. „Wir gehen davon aus, dass wir unsere Kosten entsprechend unserer Rolle auch refinanziert bekommen“, teilt uns eine Sprecherin mit. Klingt gut für große Häuser, allerdings üben insbesondere kleinere Kliniken Kritik. Wege für Patient:innen könnten mit der bundesweiten Reform länger und die Zahl an Krankenhäusern auf dem Land geringer werden – was für sie wiederum finanzielle Einbußen bedeuten würde. (sst)

+++ Viele Familien gucken in die Röhre, einige Eltern demonstrieren und ein Paar hat bisher eine Klage beim Verwaltungsgericht Münster eingereicht: Etwa 1.700 Kinder haben bisher keinen Kita-Platz. Jugendamtsleiterin Sabine Trockel ruft im WDR zu höherer Bereitschaft auf, das Kind in eine weiter entfernte Kita zu bringen – und rät, sich nicht auf den Rechtsanspruch zu verlassen. Das große Problem heißt auch hier Fachkräftemangel. Die Rathauskoalition hat angekündigt, mehr Erzieher:innen nach Münster zu holen. Den Plan dafür stellen Grüne, SPD und Volt in der Ratssitzung am Mittwoch vor. (sst)

+++ Die aktuellen Pläne zum 29-Euro-Ticket für Münster stehen fest. Ein Wermutstropfen: Es soll nur als Jahresabo erhältlich sein. Grundsätzlich kann das Abo auch schon in diesem Zeitraum gekündigt werden, allerdings gegen eine Gebühr von 30 Euro. Ein Sprecher der Stadtwerke schreibt, das Modell Jahresabo sei wichtig, um eine wirtschaftliche Planungsgrundlage zu schaffen. Menschen mit Jobticket zahlen laut Westfälischen Nachrichten dann künftig 13 Euro im Monat, da Arbeitgeber:innen 16 Euro beisteuern. (sst)

+++ Grüne, SPD und Volt wollen, dass obdach- und wohnungslose Menschen in Zukunft gebührenfrei einen Personalausweis und die Passfotos dafür erhalten. Auf der einen Seite gilt in Deutschland die Ausweispflicht – und zwar auch für Personen, die keine Wohnung haben, aber sich größtenteils in Deutschland aufhalten. Auf der anderen Seite muss man dafür eben alle zehn Jahre 37 Euro zahlen. Die Kostenübernahme soll betroffenen Personen helfen, aus der Wohnungslosigkeit herauszukommen. Schließlich brauchen sie einen gültigen Ausweis, um sich zum Beispiel beim Jobcenter anzumelden und ein Konto zu eröffnen. Bremen hat dafür Mittel im Haushalt für 2023 bereitgestellt, Hamburg gibt seit 2021 kostenlose Ausweise für bedürftige obdachlose Menschen aus. (sst)

+++ Seit ein paar Jahren hilft der Verein „Ein Rucksack voll Hoffnung“ obdach- und wohnungslosen Menschen in Münster. Im Spendenkeller am Domplatz verschenkt der Verein jeden Monat Klamotten, Lebensmittel und Hygieneartikel und im Winter gibt es warme Mahlzeiten und heiße Getränke für die Wohnungslosen. Weil aber immer mehr Menschen die Hilfe in Anspruch nehmen möchten, reicht der Platz nicht mehr aus. Der Verein sucht deshalb nach einem freien Ladenlokal, am besten in der Innenstadt, im Hansaviertel oder in der Nähe des Hauptbahnhofs, für 1.500 Euro warm pro Monat. Wenn Sie einen Hinweis für die Ehrenamtlichen haben, melden Sie sich am besten per E-Mail. (sfo)

Wie es weiterging – mit den Studierenden und ihren 200 Euro

Viele Studierende haben sich am Mittwoch wahrscheinlich an den Moment erinnert gefühlt, in dem sie mal versucht haben, Konzertkarten für Taylor Swift oder Die Ärzte zu kaufen. Man stellt sich extra einen Wecker, um pünktlich auf einer Website zu sein und schnellstens auf den Button zu klicken – nur um dann festzustellen, dass die Seite zusammenbricht und man dieses Mal kein Glück hatte.

Blöd nur, dass der Antrag auf 200 Euro vom Bund nichts mit Freizeitvergnügen zu tun hat. Stattdessen ist davon für einige schon recht viel draufgegangen für den Versuch, das Geld zu beantragen. Gabriel Dutilleux, Vorsitzender des allgemeinen Studierendenausschusses der Uni, berichtet von langen Wartezeiten und davon, dass viele Studierende aufgegeben hätten. „Wenn die Probleme längerfristig bestehen bleiben, befürchte ich, dass einige Studierende resignieren werden und die Einmalzahlung gar nicht beantragen“, ist seine Einschätzung.

Immerhin: Wenn der Antrag erstmal durch ist, scheint das Geld schnell anzukommen. Das Bildungsministerium scheint’s auch zu freuen, denn es kommuniziert auf der eigens eingerichteten Website mit dem hübschen Titel Einmalzahlung200.de sogar den aktuellen Zählstand. Wer noch keinen Erfolg hatte, könnte es noch einmal mit PIN und einfachem BundID-Konto versuchen. Sowohl die Fachhochschule als auch die Uni Münster haben all ihren Studierenden zusätzlich zum Code, den sie für den Antrag brauchen, auch eine PIN zukommen lassen. Dass das die einfachere Lösung sein könnte (die eigentlich immer noch unnötig kompliziert ist), hat die Software-Entwicklerin Lilith Wittmann übrigens schon vor etwa zwei Wochen kommentiert. (sst)

Wie es weiterging – mit dem Sozialenergiefonds in Münster

Im vergangenen Jahr haben die Stadtwerke 520 Strom- und 68 Gassperren verhängt. Die Energiezufuhr wird dann abgestellt, wenn die Kund:innen ihre Energieschulden nicht mehr begleichen können.

Das soll sich jetzt aber ändern. Die Stadt Münster und die Stadtwerke bringen einen sogenannten Sozialenergiefonds auf den Weg, der die Schulden von säumigen Haushalten ausgleichen soll. Laut Pressemitteilung sollen die ersten Hilfen nach Ostern fließen.

Münster ist nicht die erste Stadt, die einen solchen Sozialenergiefonds eingerichtet hat (RUMS-Brief). In Hannover gibt es dieses Hilfsangebot bereits seit mehreren Jahren. Das Saarland hat einen solchen Fonds für das gesamte Bundesland.

Und im Oktober beschloss eben auch der Rat der Stadt Münster die Einrichtung des Fonds. Die Linksfraktion hatte dazu einen Antrag gestellt, der auch ein einmaliges Energiegeld für einkommensschwache Haushalte vorsah. Solche Einmalzahlungen sind allerdings juristisch nicht möglich. Die Linke schloss sich deshalb einem Änderungsantrag der Ratskoalition von Grünen, SPD und Volt sowie der Internationalen Fraktion an, der den Sozialenergiefonds auf den Weg brachte. (sfo)


Die Parkwende in Münster: viermal Platz machen

Eine Straße in der Innenstadt von Münster. Autos parken aneinandergereiht, sie stehen halb auf der Fahrbahn, halb auf dem Bürgersteig. Auf dem engen Gehweg bleibt kaum noch Platz, schon gar nicht für Eltern mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl. Und dann stehen da noch graue Mülltonnen auf vier Rädern und Fahrräder, die aussehen wie ein Haufen Blechmüll, überall im Weg herum.

Vielleicht kommt Ihnen diese Situation bekannt vor, denn solche Straßen gibt es zuhauf in Münster. Das soll sich aber bald ändern: Die Stadt möchte mit einem Parkkonzept neue Regeln für Autos und Fahrräder einführen, damit der Fuß- und Radverkehr nicht mehr von parkenden Fahrzeugen behindert wird.

Dazu hat die Stadt ein Planungsbüro aus Hannover beauftragt, das bis Ende des Jahres das „integrierte Parkraumkonzept“ fertigstellen soll. Vor Kurzem ist ein Zwischenbericht erschienen, der schon einige wichtige Aspekte für die Parkwende in Münster beinhaltet.

Verschaffen wir uns also einen Überblick: Hier kommt der Schnelldurchlauf mit den vier wichtigsten Punkten.

#1 Autos: Parkplätze sind Mangelware

Für das Konzept hat das Planungsbüro die Innenstadt und die angrenzenden Stadtteile untersucht. Laut Zwischenbericht gibt es dort 23.000 öffentliche Parkmöglichkeiten und 9.600 Bewohner- und Kundenparkplätze für Autos. Diese Rechnung lässt aber alle Parkplätze außen vor, die Autofahrende selbst schaffen, indem sie verbotenerweise auf dem Gehweg parken.

Laut Zwischenbericht des Parkraumkonzepts sind die Parkplätze in Münster heiß begehrt: „Mit Ausnahme der Quartiere Schloss, nördliches Erphoviertel und Neutor ist der Parkdruck in allen Quartieren enorm hoch.“ Nachts verschärfe sich der Parkplatzmangel außerdem in Pluggendorf sowie im Kreuz-, Hansa- und Südviertel. In einigen Straßenzügen seien dort ausnahmslos alle Parkplätze besetzt, was Autofahrende dazu zwinge, ihre Fahrzeuge auf dem Gehweg abzustellen.

Je nach Stadtteil zahlen Autofahrende für ihren Parkplatz oder eben nicht. Während es in der Innenstadt fast nur Abstellmöglichkeiten in Parkhäusern und auf bewirtschafteten Parkplätzen gibt, stellen Autofahrende ihre Fahrzeuge in anderen Ecken der Stadt, zum Beispiel im Kreuzviertel, auf größtenteils unbewirtschafteten Flächen ab.

#2 Faires Parken: Gehwegparken ist vielerorts ein Problem

Halten wir also fest: Der Parkdruck in Münster ist hoch – was kann man also dagegen machen? Darauf findet der Zwischenbericht des Planungsbüros eine Antwort, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: Parkplätze abbauen.

Warum? Ziel des Parkraumkonzepts ist es laut Zwischenbericht nicht, den Autofahrenden das Parken so angenehm wie möglich zu machen, sondern „die Wohn- und Aufenthaltsqualität“ in der Innenstadt zu erhöhen. Und dazu brauche es „eine möglichst durchgängige Barrierefreiheit auf den Gehwegen“.

Um Platz für Fußgänger:innen zu schaffen, hat die Stadt im vergangenen Jahr ein Verkehrsexperiment unter dem Titel „Fair Parken“ in der Melchersstraße gestartet. Autofahrende dürfen ihre Fahrzeuge dort nur noch in Parkzonen abstellen. Diese Flächen lassen eine Restbreite von mindestens zwei Metern auf dem Gehweg übrig.

Gleichzeitig fallen damit aber auch illegale Parkplätze weg. Vor Beginn des Versuchs parkten acht von zehn Autos in der Melchersstraße ordnungswidrig auf dem Gehweg. Ein Knöllchen gab’s für die Falschparker:innen aber nicht, denn das illegale Gehwegparken ist in Münster geduldete Praxis. Damit ist durch „Fair Parken“ aber jetzt Schluss.

Das Planungsbüro bewertet den Verkehrsversuch als „Teilerfolg“. Was gut läuft: Die meisten Autofahrenden würden sich in der Melchersstraße daran halten, ihre Fahrzeuge nur noch in den Parkzonen abzustellen. Was nicht so gut läuft: Obwohl zusätzliche Anlehnbügel angebracht wurden, stünden immer noch viele Fahrräder auf dem Bürgersteig herum. Zu den wildgeparkten Rädern später mehr.

Würde man „Fair Parken“ auf das ganze Kreuzviertel ausdehnen, verschwänden vier von zehn Parkplätzen, die fast durchgängig besetzt sind. Bevor es aber so weit ist, schlägt das Planungsbüro das Parkmodell an anderer Stelle vor: So soll die Lambertistraße im Herz-Jesu-Viertel als nächstes dran sein.

Handlungsbedarf in Sachen Gehwegparken bestehe aber nicht nur da: Auch im Erpho- und Hansaviertel, im nördlichen Südviertel und in Pluggendorf ignorierten laut Zwischenbericht die meisten Autofahrenden das Verbot.

Kommen wir jetzt zur entscheidenden Frage: Wohin sollen die Autos, die mit „Fair Parken“ ihre Stellplätze verlieren? Laut Zwischenbericht könnten die Autofahrenden private Parkangebote stärker nutzen. In den acht Parkhäusern der Stadt seien von 6.000 Stellplätzen nur 1.500 dauervermietet. Die Parkhäuser seien ohnehin wenig ausgelastet: An normalen Werktagen seien in der Spitze nur 3.350 Parkplätze belegt. Und selbst an Tagen, an denen viele Autos im Parkhaus stehen, blieben immer noch rund 900 Plätze frei.

Zudem könne die Stadt den Parkdruck entschärfen, indem sie mehr Carsharingangebote schafft. Dadurch hätten mehr Menschen einen Anreiz, sich vom eigenen Auto zu trennen.

#3 Fahrräder: Viele Radfahrende parken wild

So viel zu den Autos. Wie sieht es mit den Fahrrädern aus? Das Planungsbüro schreibt, in Münster fehlten Abstellflächen für Fahrräder vor allem im Kreuz- und Hansaviertel und vor Geschäften. Und die Abstellmöglichkeiten, die es gibt, passten oft nicht zu den Bedürfnissen der Radfahrenden: Mal fehlt eine Überdachung, mal ist der Anlehnbügel zu weit weg.

Das führt dazu, dass viele Stellplätze frei bleiben oder Fahrräder auf dem Bürgersteig geparkt werden. In Zahlen ausgedrückt: Radfahrende nutzen von den 24.000 offiziellen Fahrradstellplätzen weniger als die Hälfte. Das Planungsbüro hat bei einer Untersuchung 30.000 Fahrräder in Münster gezählt, 18.000 davon wurden wild geparkt.

Hotspots der wildgeparkten Räder sind – wenig überraschend – das Hansa- und Kreuzviertel, also die Stadtteile, in denen Abstellmöglichkeiten rar sind. Ein hoher Parkdruck für Fahrräder besteht laut Zwischenbericht außerdem am Hauptbahnhof und überall dort, wo Geschäfte sind.

Lösungsvorschläge formuliert der Zwischenbericht aber erstmal nicht: „Das Themenfeld ‚Maßnahmen Fahrradparken‘ wird hier ausdrücklich gesondert betrachtet, um der umfangreichen Bedeutung des Themas in der Fahrradstadt Münster Rechnung zu tragen.“

Die Politik hat aber einen Teil der Lösung vorweggenommen: Am Mittwochabend verlängerte der Verkehrsausschuss das 3.000-Fahrradstellplätze-Programm. Damit sollen Fahrradbügel auf ehemaligen Autoparkplätzen angebracht werden. Parkplätze, die sich für eine Umwidmung in einen Fahrradstellplatz eignen, können die Bürger:innen dabei selbst vorschlagen. Pro Parkplatz können laut Vorlage fünf Bügel mit zehn Fahrradstellplätzen angebracht werden. So gerechnet, entfallen am Ende 300 Parkplätze.

Schon 2021 hat die Politik das Umwidmungsprogramm auf den Weg gebracht. Damals sollten noch 1.000 Stellplätze auf 100 Parkplätzen entstehen und zwar im selben Jahr. Zwei Jahre später hat die Stadt das Ursprungsziel deutlich verfehlt. Laut Vorlage konnten bisher 902 Abstellplätze verwirklicht werden. Und für das Ziel von 3.000 neuen Fahrradstellplätzen nimmt sich die Stadt mehr Zeit: Die Umwidmungen sollen bis 2027 abgeschlossen sein.

Bei alldem haben wir aber noch gar nicht über die Schrotträder gesprochen, die die Gehwege blockieren. Mit der Verabschiedung des 1.000-Stellplätze-Programms vor zwei Jahren wurde die Verwaltung auch beauftragt, eine Strategie gegen Schrottfahrräder zu entwickeln. Wir haben uns nach dem Zwischenstand erkundigt. Die Antwort aus dem Presseamt: „Aktuell wird ein Konzept zum Umgang mit sogenannten Schrotträdern im Stadtgebiet erarbeitet.“ Also auch hier nichts überstürzen.

#4 Mülltonnen: Keine Klage, vorerst

Fahrräder und Autos sind aber nicht das Einzige, was die Gehwege verstopft. Sondern auch riesige Müllbehälter. Diese dürfen laut Abfallsatzung nur an den Abfuhrtagen an der Gasse stehen. In der Praxis stellen aber viele Leute ihre Mülltonnen dauerhaft auf dem Gehweg ab.

Die Verkehrswende-Initiative im Kreuzviertel hat der Stadt Münster deshalb ein Ultimatum gestellt: Entweder ihr kümmert euch um die Mülltonnen auf dem Gehweg oder wir verklagen euch. Bislang hatte die Stadt jede Kritik an der Mülltonnenduldung mit den bekannten Argumenten abgeschmettert: Zu viel Aufwand. Haben wir keine Leute für. Kostet eh zu viel. Kann man also leider nix machen.

Aber dann verschickte die Initiative eine überraschende Pressemitteilung – die Verkehrswende-Aktiven, das Ordnungsamt und die Abfallwirtschaftsbetriebe haben sich in Sachen Mülltonnen doch geeinigt.

Und so sieht der Kompromiss aus: Die Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt werden im Sommer zuerst die Bewohner:innen im Kreuzviertel anschreiben und sie darauf aufmerksam machen, dass sie ihre Mülltonne illegal auf dem Gehweg abstellen. Wenn die Tonne nicht weggeräumt werden kann, brauchen die Anwohnenden eine kostenpflichtige Ausnahmegenehmigung. Wie teuer das wird, kann uns die Stadt auf Anfrage noch nicht sagen.

Stefan Tigges von der Verkehrswende-Initiative im Kreuzviertel ist damit sehr zufrieden. Die angedrohte Klage habe seiner Meinung nach ihre Wirkung entfaltet, sie ist damit vorerst vom Tisch. Nur wenn die Stadt ihrem Versprechen nicht nachkommt, würde die Verkehrswende-Initiative die Mülltonnen vom Gehweg runterklagen (RUMS-Brief). Bis Mitte 2024 will die Stadt alle Problemmülltonnen beseitigen. (sfo)


Klima-Update

+++ Weil die Firma Stroetmann in Kinderhaus Bäume im Zimmermannschen Wäldchen abholzt, pflanzen Anwohner:innen aus Protest neue. Sie fürchten schon länger, die gezielte Baumfällung soll in Zukunft Kommerz ermöglichen. Stroetmann hat das Grundstück wohl schon vor mehr als 14 Jahren gekauft, eigentlich als Ausgleichsfläche. Nun soll der Wald weichen, und Ideen gibt es schon: für einen Supermarkt, einen Kletterpark, eine Kita und eine Liegewiese. Laut Bericht der Westfälischen Nachrichten sollen „erhaltenswerte Bäume“ stehen bleiben. Der Forstwirt Johannes Bruders gehört zu denjenigen, die alle Bäume erhalten wollen. Für ihn leistet das Zimmermannsche Wäldchen einen Beitrag zum städtischen Klimaschutz, so steht es auch im Bebauungsplan des Grundstücks. Laut Bruders wurden bereits alte und gesunde Bäume gefällt, etwa ein Viertel der Fläche. Wie, wann und ob das Grundstück bebaut wird, ist offenbar noch nicht klar. Bei einer Bürgerversammlung Ende Februar sprachen sich Mitglieder der Bezirksvertretung gegen eine Bebauung aus, sie möchten die Initiative bei ihrem Protest unterstützen. Eine dauerhafte Bürgerinitiative dazu soll sich nun bilden, die den Dialog weiterführen möchte. (fkr)

+++ Die Tausend-Meter-Abstandsregel bei Windrädern wird abgeschafft – aber erstmal nur Schritt für Schritt in sogenannten Windenergiegebieten und für den Bau besserer Windräder. Weitere Regeln vom Land Nordrhein-Westfalen für mehr Windkraft sollen nächstes Jahr in Gang gesetzt werden. Das hängt von den neuen Regionalplänen und dem Landesentwicklungsplan des Bundes ab, die gerade entstehen. Nordrhein-Westfalen will bis 2025 knapp zwei Prozent seiner Fläche für Windenergie freimachen. In der Region Münster betrifft das knapp 13.000 Hektar. Bis Ende 2027 sollen außerdem 1.000 neue Windräder in Nordrhein-Westfalen stehen, das wären also 200 Windräder pro Jahr. 2022 wurden nur knapp 100 neu gebaut. (fkr)

Ein-Satz-Zentrale

++ Am Mittwoch will das Landgericht Münster im Fall „Malte C.“ das Urteil gegen Nuradi A. fällen. (Antenne Münster)

+++ Die Steinfurter Straße wird stadteinwärts ab Montag rund vier Wochen lang in einem kurzen Abschnitt zwischen Grevener Straße und Ring einspurig gesperrt, weil ein Wohnhaus einen Anschluss an das Fernwärmenetz bekommt. (Stadtnetze Münster)

+++ Die A1 zwischen Münster-Hiltrup und Ascheberg wird von Freitagabend bis Montagmorgen gesperrt, weil eine Autobahnbrücke ausgebaut wird. (WDR)

+++ Weil gerade viele Lokführer:innen krank sind, fallen viele Züge aus, unter anderem zwischen Münster und Essen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Im Jahr 2022 wurden in Münster fast 2.000 Wohnungen gebaut. (Stadt Münster)

+++ Da der bisherige Immobiliendezernent Matthias Peck seit langem krankgeschrieben ist, will die Rathauskoalition die Stelle öffentlich ausschreiben lassen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Halle Münsterland sucht eine neue Geschäftsführung. (Westfälische Nachrichten)

+++ Das Personalproblem in den Freibädern ist immer noch ungelöst. (Westfälische Nachrichten)

+++ Weil es an Anschlussförderungen für Münsters Start-ups fehle, verlassen einige Jungunternehmen Münster. (Westfälische Nachrichten)

+++ Nach einer Studie, an der die Medizinische Fakultät der Uni Münster beteiligt war, sind viele Menschen gut oder sehr gut gegen einen schweren Covid-19-Verlauf geschützt, allerdings gibt es bei den Risikogruppen immer noch Lücken im Immunschutz. (Medizinischen Fakultät)

+++ Architekturstudierende der FH haben Gestaltungsideen für den Bremer Platz vorgestellt, darunter einen Veranstaltungsraum für Konzerte oder Workshops und Lehrgänge von und für Menschen, die auf der Straße leben. (FH Münster)

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Der Day to Day Kiosk hat uns schon in manch schwerer Stunde aus der Patsche geholfen. Der Kiosk ist nur ein paar Schritte von der RUMS-Redaktion in der Neubrückenstraße entfernt und bietet alles an, was gegen Schreibblockaden, Motivationsschwäche und Kreativitätstiefs hilft: Süßes und Salziges zum Naschen, Tabak und koffeinhaltige Getränke. Wer sich etwas Gutes tun möchte, wird aber auch fündig. Der Day to Day Kiosk führt nämlich jede Menge belgisches Bier im Sortiment, das im Gegensatz zu den in Deutschland gängigen Biersorten mehr Geschmack hat, etwas höherprozentiger ist und sogar auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht. Meine Empfehlungen: Duvel, La Chouffe, La Trappe und Delirium. (sfo)

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Fabian Cohrs hat für Sie geschaut, welche Veranstaltungen Sie sich in den kommenden Tagen nicht entgehen lassen sollten:

+++ Heute Abend können Sie sich im Boulevard Theater eine Adaption der Fernsehserie „Der Tatortreiniger“ ansehen. In der Komödie geht es um den Alltag von Tatortreiniger Heiko Schotte, dessen Arbeit anfängt, wenn Polizei und Spurensicherung schon wieder abgezogen sind und irgendwer Ordnung schaffen muss. Mehr Informationen und Tickets bekommt ihr hier. Die Premiere startet um 20 Uhr, es gibt aber auch weitere Veranstaltungen bis in den April hinein.

+++ Am Sonntag ist der Send wieder zu Ende. Bevor alle Fahrgeschäfte und Imbissbuden abgebaut werden, findet heute aber wieder ein Feuerwerk statt. Falls Sie sich das nicht entgehen lassen wollen, kommen Sie um 21 Uhr zum Schlossplatz.

+++ Münster ist nun nicht gerade als Stadt der Industriekultur bekannt. Ein Stadtteil, in dem die Zeit des industriellen Aufschwungs noch immer sichtbar ist, ist das Hansa- und Hafenviertel. Am Samstag und Sonntag gibt Architekt Stefan Rethfeld jeweils um 11 Uhr eine Führung durch das Viertel. Er spricht über die bisherige und zukünftige Entwicklung des Viertels in Münster. Mehr Informationen zu Anmeldung, Vorverkauf und weiteren Terminen gibt es hier.

+++ Am Dienstag ist die Journalistin und Autorin Sara Schurmann im Naturkundemuseum zu Gast. Sie stellt im Planetarium ihr Buch „Klartext Klima!“ vor. Darin geht es um Kipp-Punkte, globale Zusammenhänge und um die Frage, wie uns die Klimakrise alle betrifft. Die Veranstaltung startet um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet 14 Euro. Für die Tickets einmal hier entlang.

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Genießen Sie das Frühlingswetter am Wochenende.

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn) Frieda Krukenkamp (fkr), Svenja Stühmeier (sst)
Lektorat: Lisa Mensing


PS

Als Onlinemedium, das seine Texte als Newsletter versendet, haben wir natürlich ein großes Herz für gleichgesinnte Projekte. Heute möchte ich Ihnen einen Newsletter empfehlen, den es in dieser Art vermutlich noch nicht gegeben hat: Die Schriftstellerin und ehemalige „Spiegel Online“-Kolumnistin Sibylle Berg – übrigens meine absolute Lieblingsautorin – verschickt jetzt auch im Zwei-Wochen-Rhythmus Post per E-Mail. Der Newsletter mit dem vielversprechenden Titel „Sibylle Berg regelt das“ beinhaltet „gut gelaunte Texte, Hoffnung spendende Gedichte, Interviews, Monologe“ und das auch noch „mit authentischen Rechtschreibfehlern angereichert“ und gelegentlich garniert mit „Immobilienfotos“ und „Fotos von Tieren“. Wenn Sie wie ich schon überzeugt sind, können Sie sich hier anmelden. (sfo)

PPS

Und ganz zum Schluss noch eine tolle Nachricht in eigener Sache: Der Journalist David Holzapfel, der uns im vergangenen Jahr mit der Reportageschule Reutlingen besucht hat, ist für den Medienpreis Mittelstand NRW nominiert. Er hat für uns eine schöne Reportage über das Pfandleihhaus an der Hafenstraße geschrieben, die Sie hier noch einmal nachlesen können. Nominiert sind laut Jury Beiträge von „namhaften Medien“ wie 3Sat, Zeit Wissen oder dem Deutschlandfunk. Wir ergänzen die Aufzählung gerne noch mit einem Lokalmagazin: RUMS aus Münster. (sfo)

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