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Ringen um die goldene Kette | Drei Jahre Haus des Jugendrechts: Was hat’s gebracht? | Unbezahlte Werbung: Wonky Store

Guten Tag,
ganz egal, wie die Stichwahl am Sonntag ausgeht, ein Ergebnis steht jetzt schon fest: In zwei Tagen haben wir einen neuen Oberbürgermeister. In dieser Woche durfte Noch-OB Markus Lewe auf Terminen, wie dem Besuch vom niederländischen König Willem-Alexander, noch einmal Hände schütteln und in die Kameras lächeln. Bald übernimmt sein Nachfolger den Job.
Das wird entweder Georg Lunemann von der CDU oder Tilman Fuchs von den Grünen sein. Glaubt man dem Trend der Kommunalwahl, dürfte Tilman Fuchs ab Montag die goldene Kette tragen. Vor zwei Wochen hatte er rund 5 Prozentpunkte Vorsprung zu seinem Konkurrenten.
Seitdem ist der Wahlkampf in Runde 2 nochmal ins Rollen gekommen. Vor allem auf Terminen und in den Sozialen Medien machen die beiden Münsteraner Werbung für sich. Auch andere Parteien stellen sich hinter sie. Die FDP veröffentlicht momentan nahezu täglich Videos mit Georg Lunemann, gestern zum Beispiel zur Debatte um die Straßenumbenennungen. Auf der anderen Seite ist es etwas ruhiger: Grüne, SPD, ÖDP und Volt haben ein gemeinsames Video auf Instagram gepostet.
Heute im RUMS-Brief:
- Was die Wirtschaft sich vom neuen OB wünscht
- Die Grünen in NRW: Außerhalb von Münster versucht man’s mit Politik
- Mietpreise für Studierende schießen in die Höhe
- Nachfolge für Mechthild Großmann im Münster-Tatort steht fest
- Haus des Jugendrechts: Hilft’s gegen Jugendkriminalität?
- Klima-Update: Welchen OB-Kandidaten würde das Klima wählen?
- Ein-Satz-Zentrale: Keine Jesuiten mehr in Münster
- Unbezahlte Werbung: Wonky Store
- Drinnen und Draußen: Samstag ist Tag der Lebensmittelrettung
Auch wir haben Tilman Fuchs und Georg Lunemann noch einmal kurz vor der Stichwahl getroffen und ihnen drei schnelle Fragen gestellt.
Stellen Sie sich einmal vor: Die Stadt Münster bekäme plötzlich 10 Millionen Euro geschenkt. Worin sollte das Geld investiert werden?
Georg Lunemann würde das Geld in Sport und Kultur stecken. Genauer gesagt: in die Menschen, die sich dort ehrenamtlich engagieren. Sie sollen dadurch bessere Strukturen und Unterstützung bekommen.
Tilman Fuchs würde die 10 Millionen nicht direkt ausgeben, sondern anlegen und eine Stiftung gründen. Von den Zinsen soll eine Bürger:innengenossenschaft finanziert werden, die sanierungsbedürftigen Wohnraum aufkauft und bewohnbaren, bezahlbaren Wohnraum daraus macht.
Als nächstes sollten Lunemann und Fuchs ihren größten Unterschied aufzeigen. Tilman Fuchs überlasse das Urteil lieber anderen. Dennoch ist er überzeugt, dass er derjenige sei, der die kreativeren Ideen mitbringe, um Münster voranzubringen.
Münster voranbringen, das will natürlich auch Georg Lunemann. Er setzt dabei auf seine Verwaltungserfahrung aus der Leitung des LWL. Sein Ziel: die Stadtverwaltung bürgernäher, moderner und digitaler machen.
Im Interview mit den Westfälischen Nachrichten positioniert sich Tilman Fuchs ähnlich. Auch er hat jahrelange Verwaltungserfahrung, wenn auch in anderem Ausmaß als Georg Lunemann. „Ich will mich zunächst auf die Verwaltung konzentrieren“, sagt Fuchs den WN.
Egal, wie das Ergebnis am Sonntag also ausfallen wird: Die Stadtverwaltung soll ein Make-Over bekommen.
Letzte Frage, auf die die OB-Kandidaten antworten sollten: Wann haben Sie zuletzt grundlegend Ihre Meinung geändert und warum?
Georg Lunemann weicht der Frage leicht aus, jedenfalls ist er sich sicher, welche Meinung er bisher nicht geändert hat: seine Haltung zur Wehrpflicht. „Man schafft ja auch die Feuerwehr nicht ab, nur weil es mal fünf Jahre lang nicht brennt“, sagt er.
Tilman Fuchs hat seine Meinung schon einmal gründlich geändert: In der Jugendhilfe war er lange gegen Ombudsstellen, also Anlaufstellen für Beschwerden. Gespräche mit Betroffenen hätten ihn aber überzeugt, dass sie wichtig sind – und er hat selbst eine gegründet.
Die kompletten Antworten der beiden können Sie in diesem Video sehen. Wenn Sie vorm Kreuzsetzen noch eine kleine Hilfe brauchen: Die Online-Wahlhilfe der Universität Münster spuckt Ihnen nach dem Beantworten einiger Fragen den für Sie passenden Oberbürgermeister aus.
Da bleibt mir noch der (erneute) Appell: Gehen Sie wählen! (ani)
+++ Unabhängig davon, wer am Sonntag in das Büro von Noch-Oberbürgermeister Markus Lewe einziehen wird, haben neun Wirtschaftsverbände aus Münster Forderungen an das neue Stadtoberhaupt formuliert. In einem Brief an Georg Lunemann (CDU) und Tilman Fuchs (Grüne) schreiben die Verbände, sie wünschen sich „eine starke Führung des Oberbürgermeisters, der mit voller Kraft und konsequentem Handeln wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen schafft“ (siehe Pressemitteilung der IHK Nordwestfalen). Konkret gehe es um bezahlbaren Wohnraum für Fachkräfte, neue Wirtschaftsflächen, eine erreichbare Innenstadt, Mobilität sowie Investitionen in Infrastruktur wie Schulen, Kitas oder Digitales. Neue Abgaben und Steuern lehnen die Wirtschaftsverbände ab. Schon im April hatte die Wirtschaft sich mit einem siebenseitigen Papier zur Kommunalwahl positioniert – nachzulesen in diesem RUMS-Brief. (sfo) – Transparenzhinweis: RUMS ist Mitglied der Initiative Starke Innenstadt und der Wirtschaftsinitiative Münster, die den Brief an die beiden OB-Kandidaten mit verfasst haben. RUMS war daran nicht beteiligt.
+++ Nicht nur in Münster haben die Grünen gute Chancen aufs Oberbürgermeisteramt. Die taz hat heute zwei Artikel über die Grünen in der Stichwahl geschrieben (hier und hier) und dabei den Wahlkampf genauer unter die Lupe genommen. Und offenbar geht es andernorts deutlich kämpferischer zu als im fast schon politikfreien Wahlkampf in Münster. Der Robert-Habeck-Verschnitt Frank Wolters versucht in Paderborn, mit Wirtschaftskompetenz Stimmen aus dem bürgerlichen Lager für sich zu gewinnen. Katja Dörner aus Bonn und die Kölnerin Berîvan Aymaz setzen in ihren Kampagnen auf die Mietenpolitik, genauso wie die Düsseldorfer Grünen OB-Kandidatin Clara Gerlach, die auf ihrer Website schreibt, sie wolle „gegen Spekulanten, Miethaie und Gentrifizierer vorgehen“. Töne, die man aus der Hohe-Mieten-Hochburg Münster so gar nicht kennt. Hier hatte man eher den Eindruck, den Grünen ging es weniger darum, mit kontroversen Forderungen zu punkten, als vielmehr Tilman Fuchs als nahbar und sympathisch zu inszenieren. (sfo)
+++ Studierende müssen in Münster im Schnitt 475 Euro pro Monat für ein WG-Zimmer ausgeben. Als das Sommersemester losging, lag die Durchschnittsmiete noch bei 425 Euro (RUMS-Brief). Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Moses-Mendelssohn-Instituts, das zusammen mit der Plattform „WG-gesucht“ regelmäßig die Angebotsmieten in den deutschen Unistädten untersucht. Bundesweit zahlen Studis 505 Euro Miete pro Monat – das ist laut Studie ein Höchstwert (bei Instagram finden Sie noch eine Deutschlandkarte mit allen Mietpreisen). Die Bafög-Wohnpauschale in Höhe von monatlich 380 Euro reicht in 44 von 88 untersuchten Städten nicht für ein WG-Zimmer aus, schreibt das Moses-Mendelssohn-Institut in einer Pressemitteilung. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Uni Münster richtet ab dem 6. Oktober wie im vergangenen Jahr ein fünftägiges Camp in der Sporthalle am Horstmarer Landweg aus für alle Studierenden, die bisher noch kein Zimmer in Münster gefunden haben. Die Erstsemester können dort übernachten und erhalten Tipps zur Wohnungssuche. „Wir träumen von einer Stadt, in der es bezahlbaren Wohnraum für alle gibt“, schreibt der Asta in einer Pressemitteilung. Ja, träumen wird man noch dürfen… (sfo)
+++ Erst im Dezember wird Mechthild Großmann nach 23 Jahren zum letzten Mal in ihrer Rolle als kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im Tatort Münster zu sehen sein (RUMS-Brief). Aber schon am Mittwoch haben gefühlt alle deutschen Medien gemeldet, wer Großmanns Nachfolge im Ensemble antreten wird (ich verweise der Einfachheit halber exemplarisch auf die dpa-Meldung in der „Süddeutschen“). Ab 2026 wird Lou Sprenger das Tatort-Team verstärken. Die 1992 in Ludwigsburg geborene Schauspielerin war bereits in einigen TV-Produktionen zu sehen und verkörpert derzeit die Psychotherapeutin Dina Schwarz in der ARD-Klinik-Serie „David und Goliath“. (sfo)
Haus des Jugendrechts: Was hilft jungen Menschen, die Straftaten begehen?
Vor drei Jahren hat in Münster ein Haus des Jugendrechts eröffnet. Das Modell soll unter anderem Jugendkriminalität reduzieren – sagt ein Teil der Politik. Doch klappt das wirklich? Und ist das überhaupt eine sinnvolle Zielsetzung? Svenja Stühmeier hat sich das angeschaut.
In Münsters alter Oberpostdirektion, einem altehrwürdigen Bau am Hohenzollernring 56 in Mauritz, befindet sich das Haus des Jugendrechts. Hier arbeiten seit 2022 Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe unter einem Dach. Dass die drei räumlich so eng zusammensitzen, ist nicht einzigartig, aber auch nicht ganz gewöhnlich.
Warum das Ganze? Grob kann man sagen: Man erhofft sich effizientere Zusammenarbeit der drei Institutionen und bessere Möglichkeiten, insbesondere junge Menschen, die mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, zu unterstützen.
Kurz zum Prozedere: Sobald eine Anzeige gegen einen jungen Menschen erstattet wird, lädt die Polizei ihn vor. Auch die Jugendhilfe wird umgehend informiert. Sie unterstützt die Jugendlichen in ihrem Strafverfahren, berät und begleitet sie vor dem Jugendgericht. Wenn die Polizei ihre Beweise gesammelt hat, geht der Fall an die Staatsanwaltschaft. Sie entscheidet, ob Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird.
Das Ziel: Jugendkriminalität bekämpfen
Als vor drei Jahren das Haus des Jugendrechts in Münster eröffnete, existierten bereits andere Häuser des Jugendrechts in Deutschland. Ziel laut Pressemitteilung: Jugendkriminalität entgegenwirken, und zwar mit Konsequenz, klaren Grenzen, engeren Kontrollen. Außerdem Unterstützung in der jeweiligen persönlichen Situation.
Der damalige Justizminister von Nordrhein-Westfalen, Peter Biesenbach (CDU), versprach sich von dem „gemeinsame[n] Blick auf junge Tatverdächtige, die eine überdurchschnittliche hohe Anzahl von Straftaten begehen“ eine objektive Verbesserung der Sicherheitslage und ein erhöhtes Sicherheitsgefühl in Münster. Außerdem biete das Modell „die größte Gewähr, junge, noch formbare Menschen mit hoher Kriminalitätsbelastung dauerhaft vom Pfad in die Kriminalität abzubringen.“
Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich aber festhalten: Viele Häuser des Jugendrechts sind eröffnet worden, ohne dass es einen Beleg dafür gegeben hätte, dass die Häuser dazu beitragen, dass junge Menschen seltener straffällig werden. So beschreiben es Leon Lohrmann und Marcus Schaerff von der Kriminologischen Forschungsstelle der Uni Münster in einem Beitrag von 2021.
Insbesondere Jutta Möllers hat sich damals mit dieser Kritik auseinandergesetzt. Sie saß als Grünen-Politikerin im Stadtrat, die aufgrund ihrer beruflichen Ausrichtung die Jugendhilfe im Strafverfahren seit Jahrzehnten kennt. Wenn schon ein Haus des Jugendrechts geplant wird, dann wenigstens mit richtig gutem und gemeinsam entwickeltem Konzept, das war ihr Ansatz. Ihr Ziel: Mit gut abgestimmten Maßnahmen und Hilfen die soziale Entwicklung des jungen Menschen fördern und ihn vor weiterem Fehlverhalten bewahren. Sie ist auf eine Tagung gefahren, hat Fragenkataloge erstellt, einen Brief an den Innenminister Herbert Reul geschickt, Stellungnahmen eingefordert und diese wieder kommentiert.
Es bleiben aber noch immer Fragen. Wie steht es nun um den Status quo beim Haus des Jugendrechts? Drei Jahre, nachdem die Institution in Münster eröffnet wurde, haben wir uns das Haus näher angeschaut.
1. Um wen geht’s denn eigentlich?
Zielgruppe sind sogenannte Mehrfachtatverdächtige und Intensivtäter:innen zwischen 14 und 21 Jahren. Ursprünglich war geplant, dass es im Haus des Jugendrechts nur um junge Menschen bis 18 geht. Jutta Möllers bezeichnete das damals als „handwerklichen Fehler“, da das Jugendgerichtsgesetz ja auch Menschen bis 21 Jahre einbezieht.
Eine Unklarheit ist: Es ist nicht transparent, was das Haus des Jugendrechts unter Intensivtäter:innen versteht. Eine Kleine Anfrage an den Landtag hat ergeben, dass in Münsters Haus des Jugendrechts 2024 33 junge Menschen als Intensivtäter:innen eingestuft worden sind. Leon Lohrmann von der Uni Münster erscheint die Anzahl recht hoch für Münster. Er vermutet, der Grund könnte eine recht weitgehende Definition der Intensivtäterschaft sein.
Was sie genau ausmacht, ist nicht pauschal zu sagen. Zum einen gibt es ein Intensivtäterkonzept der Polizei, das ist eine Art Punktesystem, heißt es im Gespräch im Haus des Jugendrechts. Zum anderen können Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe einzelfallbezogen jemanden als Intensivtäter:in einstufen. Und zwar in einer sogenannten Fallkonferenz. „Bei der Kriminalität sehen wir sicherlich ein breites Spektrum“, sagt Staatsanwältin Annika Wulff, die in Münsters Haus des Jugendrechts arbeitet. Im Zusammenhang mit Intensivtäterschaft nennt sie Gewalt-, Eigentums- und Vermögensdelikte.
2. Arbeit nah an den jungen Menschen
Im öffentlich einsehbaren Kurzkonzept für das Haus des Jugendrechts steht: Das übergreifende Ziel ist die direkte Arbeit mit den jungen Menschen. Für die Strafverfolgungsbehörden bedeutet das, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen möglichst keine Straftaten mehr begehen. Die Jugendhilfe versteht darunter, dass sie Unterstützung erhalten, sich zu einer selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Persönlichkeit zu entwickeln.
Neben der Staatsanwältin Annika Wulff arbeiten auch der Sozialarbeiter Ansgar Santel und Kriminalhauptkommissarin Kristina Pierenkämper im Haus des Jugendrechts am Hohenzollernring. Sie sagen: Ja, das funktioniert. Allein die kurzen Wege, die nun zwischen den Büros der beteiligten Institutionen liegen, hätten die Zusammenarbeit verbessert. Konkret etwa: Umfeld und aktuelle Herausforderungen der jungen Menschen noch besser einbeziehen. Denn während das Erwachsenenstrafrecht im Prinzip Geld- oder Gefängnisstrafe vorsieht, schaut man im Jugendstrafrecht auf die Täter:innen und ihre Situation. Es geht explizit nicht um Sanktionen, sondern darum, die straffällig gewordenen Jugendlichen zu unterstützen.
3. Schnellere Verfahren
Das Kurzkonzept nennt ein weiteres Ziel: schnellere Verfahren. Auch das klappt laut den drei Mitarbeitenden, insbesondere wegen des besseren Informationsflusses. Rechtswissenschaftler Leon Lohrmann sagt, dieser Effekt sei zumindest in Bezug auf die polizeiliche Bearbeitung in weiteren Häusern des Jugendrechts belegt.
4. Weiche Ziele: Soziale Balance, Wohlfühlen, stärkeres Sicherheitsgefühl
Diese drei Stichworte finden sich in den Zielen wieder, die im Ratsbeschluss für das Haus des Jugendrechts stehen. Allerdings ist es schwer zu sagen, inwieweit das Haus sie erfüllt. „Wie fördert man ein Sicherheitsgefühl? Das ist ja kaum messbar“, sagt Sozialarbeiter Ansgar Santel.
Leon Lohrmann zweifelt stark an, dass ein Haus des Jugendrechts das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung verbessert. Eine aktuelle Studie zum Haus des Jugendrechts in Leipzig bestätige Skepsis, auch Lohrmann selbst hat im Rahmen seiner Forschung zu dieser Frage gearbeitet. Ergebnis: Ein positiver Effekt wäre eventuell möglich, wenn die Einrichtung in einem Stadtteil eröffnet würde, in dem Menschen tendenziell mehr Angst vor Kriminalität haben und der desorganisiert wirkt – in dem etwa Müll herumliegt, Gebäude kaputt und viele alkoholisierte Jugendliche unterwegs sind. Auf den Hohenzollernring in Münster-Mauritz trifft das allerdings nicht zu.
Und selbst wenn ein Haus des Jugendrechts in einem sogenannten desorganisierten Viertel eröffnet würde, wäre Leon Lohrmann noch immer nicht ganz überzeugt, ob die Einrichtung wirklich das Sicherheitsgefühl vor Ort erhöhen könnte. Zum einen wüssten viele Menschen gar nicht, dass sie ein Haus des Jugendrechts in ihrer Nachbarschaft haben. Zum anderen könnte es das Sicherheitsgefühl einiger Menschen sogar schwächen, wenn sie erfahren: Bei mir um die Ecke wird eine Einrichtung eröffnet, die mit strafrechtlich in Erscheinung getretenen Menschen arbeitet.
5. Harte Fakten: Senkung der Fallzahlen und reduzierte Rückfallquote
Um hier eventuelle Vorurteile (und diffuse Gefühle) direkt aus dem Weg zu räumen: Jugendkriminalität gehört nicht zu den großen Problemen Deutschlands, erst recht nicht in Münster. In diesem Punkt sind sich alle Gesprächspartner:innen einig.
Dennoch gab es politisch das Ziel, straffällig gewordene Jugendliche stärker in den Blick zu nehmen. In einer Pressemitteilung forderte Simone Wendland (CDU) „deutlich spürbare“ und „schnelle Strafe“. Das seien die wirksamsten Mittel, um weitere Straftaten zu verhindern.
Aus wissenschaftlicher Perspektive bewertet man das anders. „Vieles regelt sich von allein, wenn die Jugendlichen älter werden“, sagt Leon Lohrmann. Die meisten jungen Menschen lernten über Reaktionen, etwa von Eltern, Freund:innen oder im Sportverein, dass sie sich falsch verhalten haben. „Und wenn doch staatliche Maßnahmen erforderlich sind, dann helfen Anti-Aggressions-Trainings.“
Das Haus des Jugendrechts in Münster soll dazu beitragen, Fallzahlen und die Rückfallquote weiter zu verringern. In den vergangenen Jahren gab es laut Polizeistatistik (S. 27) tatsächlich eine rückläufige Anzahl von jungen Tatverdächtigen in Münster. Ein Erfolg für das Haus?
Keine Frage, man sei überzeugt davon, gute und effektive Arbeit zu leisten, sagen die Mitarbeiter:innen Kristina Pierenkämper und Ansgar Santrel. Aber nein, dass das Haus des Jugendrechts Grund verantwortlich ist für die rückläufigen Fallzahlen in Münster, könne man definitiv nicht sagen.
Denn die Sache sei komplex. Schließlich gebe es sehr viele Faktoren, die diese Zahlen beeinflussen. Da ist zum Beispiel die Anzahl der Bürger:innen, die etwas zur Anzeige bringen. Und die Frage, wie viele der in der Polizeistatistik aufgeführten Fälle tatsächlich mit einer Verurteilung geendet haben. Zudem wandle sich die Gesellschaft: „Jugendliche haben mehr strukturierte Phasen als noch vor einigen Jahren. Sie gehen auf eine Ganztagsschule, danach noch in den Verein und viele Eltern kümmern sich intensiver“, sagt Sozialarbeiter Ansgar Santel.
Leon Lohrmann fügt noch hinzu, dass sich die Jugendkriminalität seit Mitte der Nullerjahre fast durchgängig halbiert hat. Dieser Rückgang liege allerdings nicht an einer „Null-Toleranz-Strategie“ oder besonders konsequentem Durchgreifen der Polizei, sondern an der sogenannten Diversion: Das Strafverfahren wird damit in ein informelles Erziehungsverfahren umgeleitet. Lohrmann sagt, dieses Prinzip werde in acht von zehn Fällen angewandt.
Was die Rückfallquote angeht, sei es von Fall zu Fall unterschiedlich, was überhaupt als Rückfall gelte. Ansgar Santel erklärt: „Wenn ein Jugendlicher zum Beispiel wieder zur Schule geht und seinen Drogenkonsum reduziert, sehe ich das als Erfolg an, auch wenn er dann noch ein Fahrrad klaut.“
Wissenschaftlich fundierte Aussagen lassen sich hingegen kaum zur Rückfallquote treffen. Zwar gebe es inzwischen eine Untersuchung, die geprüft habe, wie sich ein Haus des Jugendrechts auf Rückfälle auswirke, sagt Leon Lohrmann. Allerdings sei diese Studie methodisch mangelhaft.
6. Wie ist das Haus des Jugendrechts strukturiert?
Was ihre potenzielle Stärke ist, ist gleichzeitig auch zentraler Kritikpunkt an den Häusern des Jugendrechts: die Nähe von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe.
In Münster arbeiten acht Sozialarbeitende, elf Polizist:innen und drei Staatsanwält:innen. Im Herbst 2024 wurden zwei weitere Beschlüsse aus dem Ratsantrag nachträglich erfüllt, die die Polizei zunächst abgelehnt hatte. Nun sitzt auch die Initiative „Kurve kriegen“ – eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die früh durch Straftaten auffallen – mit im Haus. Außerdem ist das Kriminalkommissariat im Haus des Jugendrechts nun ausschließlich für Jugendkriminalität zuständig. Vorher war es einem Kommissariat zugeordnet, in dem weitere Deliktsbereiche bearbeitet worden sind. „Die neuen Strukturen sind total sinnvoll“, sagt Kriminalkommissarin Kristina Pierenkämper dazu.
Leon Lohrmann ist weniger überzeugt. Der Jurist sieht die Gefahr, dass Informationen von der Jugendhilfe per Flurfunk an die Strafverfolgungsbehörden gelangen, obwohl sie diese nicht erhalten sollten. Sowas könne schnell passieren, wenn man sich etwa eine Dienstküche teile und sich gut verstehe – das zumindest haben schon einige Mitarbeitende der Jugendhilfe in Befragungen angegeben, sagt Lohrmann. Diskretion ist in ihrer Arbeit extrem wichtig. Der Sozialdatenschutz hat in der Jugendhilfe überragende Bedeutung, schreiben Leon Lohrmann und Marcus Schaerff in einem Aufsatz. Die Jugendhilfe müsse in diesem Kontext immer entscheiden, was weitergegeben werden darf und sollte – und was nicht.
Ansgar Santel kennt die Kritik, stellt aber die professionelle Kompetenz der Sozialarbeiter:innen gegenüber. „Wir können Berufliches von Privatem trennen“, sagt er. „Wir gucken immer: Was können wir besprechen? Und was nicht?“ Geplaudert werde im Haus des Jugendrechts nicht.
Santel sieht einen weiteren Vorteil: die drei getrennten Eingänge für die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Jugendhilfe. So bekommen die Polizist:innen beispielsweise nicht mit, wenn jemand zum Termin mit der Jugendhilfe geht – und umgekehrt. Ansgar Santel sagt, allein das stärke das Vertrauen der Jugendlichen ins Haus des Jugendrechts. Und es schaffe für die jungen Menschen Klarheit darüber, ob sie gerade der Polizei, Staatsanwaltschaft oder Jugendhilfe im Haus begegnen.
7. Wo bleibt die wissenschaftliche Evaluation?
Für die Grünen-Politikerin Jutta Möllers gehörte eine wissenschaftliche Evaluation des Hauses zu einem überzeugenden Konzept für das Haus des Jugendrechts in Münster. Sie wollte offene Fragen klären und mögliche Skepsis dem Haus gegenüber beseitigen.
Auch im Ratsbeschluss ist eine wissenschaftliche Evaluation des Hauses vorgesehen. Die Stadt Münster hatte deshalb das Institut für Kriminalwissenschaften der Uni kontaktiert. Leon Lohrmann sollte das Haus des Jugendrechts im Rahmen seiner Dissertation evaluieren.
Doch obwohl der Stadtrat seinerzeit für eine wissenschaftliche Prüfung stimmte, lehnte das Land Nordrhein-Westfalen die Studie ab. Die offizielle Begründung des damaligen CDU-Justizministers Peter Biesenbach (zu finden auf Seite 18) lautete damals: Die Evaluation sei schlicht nicht erforderlich. Man habe schließlich gute Erfahrungen mit den Häusern des Jugendrechts in Köln und Bielefeld gemacht.
Biesenbachs Argument ist mindestens gewagt, wenn nicht sogar falsch. Denn bis heute gibt es in Bielefeld kein Haus des Jugendrechts. Vielleicht ein Versprecher, vielleicht nicht so intensive Beschäftigung mit dem Thema, vielleicht ein Hinweis, dass das hier ein vorgeschobener Grund sein könnte.
Denn eigentlich spricht doch vieles für eine wissenschaftliche Begleitung und stichhaltige Erkenntnisse in Bereichen, in denen es davon noch nicht so viele gibt. Jutta Möllers war wichtig, dass eine Evaluation die Perspektive der jungen Menschen beleuchtet. So eine Untersuchung gab es schließlich bisher nicht. Fragen könnten zum Beispiel sein: Finden junge Menschen das Haus des Jugendrechts überhaupt hilfreich? Können sie die Rollen und Aufgaben von Jugendhilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft angemessen unterscheiden? Jutta Möllers findet, in der Debatte um das Haus des Jugendrechts dürfe man schließlich die Heranwachsenden nicht vergessen.
Denn wie Sie oben gelesen haben, wird das Ganze schließlich für ihre positive Entwicklung gemacht – oder?
Im Sommer 2019 legte Klaus Boers dem Rechts- und Familienausschuss des Landtags eine Stellungnahme zur Situation der Jugendkriminalität vor. Er war damals Direktor des Instituts für Kriminalwissenschaften in Münster. Boers schreibt darin, Jugendkriminalität sei nicht mehr als ein untergeordnetes Problem. Zudem gebe es keine Beweise dafür, dass ein Haus des Jugendrechts die Straffälligkeit von jungen Menschen verringert. Außerdem reagierten die Heranwachsenden womöglich skeptisch auf die Einrichtung.
Was die bessere Zusammenarbeit der Institutionen angeht, könnte sich Boers eine digitale Alternative vorstellen. Das sei deutlich kostengünstiger. Der Vorteil, schreibt Boers, sei: „Freiwerdende Mittel könnten beispielsweise eine flächendeckende Betreuung von Insassen des nicht sonderlich wirksamen Jugendarrestes durch die örtlich zuständige Jugendhilfe ermöglichen“.
Nach so einer Stellungnahme müsste doch eigentlich klar sein, dass eine wissenschaftliche Begleitung Sinn ergibt, wenn man ein neues Haus des Jugendrechts eröffnen möchte, eben um die Wissenslücken zu schließen. Es sei denn, man will dieses Haus unbedingt eröffnen, um plakativ nach außen kommunizieren zu können: Schaut her, wir machen etwas für eure Sicherheit.
Das ist jedenfalls eine Vermutung, die Jutta Möllers äußert und dabei auf die Pressemitteilung der CDU-Landtagsabgeordneten Simone Wendland verweist. Da Jutta Möllers vermutete, dass eine wissenschaftliche Begleitung des kriminalwissenschaftlichen Instituts der Uni Münster wegen der kritischen Haltung gegenüber dem Haus des Jugendrechts abgewiesen werden könnte, hat sie noch zwei alternative Institute vorgeschlagen. Auch das hat nicht geklappt.
8. Bringt’s was?
Wie hilfreich ist das Haus des Jugendrechts in Münster? Ist es das richtige Mittel, um junge Mehrfachstraftäter:innen in ein stabileres Leben zu begleiten? Oder gäbe es nicht vielleicht eine Alternative, die mit weniger Aufwand dasselbe oder sogar mehr erreichen würde?
Drei Jahre nach der Eröffnung des Hauses des Jugendrechts am Hohenzollernring stellen sich diese Fragen immer noch. Leerstellen, die eine abschließende Bewertung schwierig machen.
Dennoch: Auch kritische Stimmen wie Jutta Möllers sind nicht komplett gegen das Haus. „Ganz wichtig ist die Haltung der Mitarbeitenden“, findet sie. Einige Fachkräfte aus dem Haus des Jugendrechts kennt sie seit Jahrzehnten. Da ist sie sich sicher: Sie wollen die jungen Menschen nicht bestrafen, sondern unterstützen. Und: Für sie ist die Diskussion um das Haus des Jugendrechts ein Beweis dafür, dass es sich gelohnt hat, immer wieder dranzubleiben. Einige ihrer Forderungen wurden zwar nicht sofort, aber im Nachgang umgesetzt. „Die Hartnäckigkeit hat sich an vielen Stellen ausgezahlt.“ (sst)
+++ Die Klimaschutzgruppe „Scientists for Future“ appelliert, vor der Kommunalwahl die Positionen von Grünen-Kandidat Tilman Fuchs und CDU-Kandidat Georg Lunemann zu vergleichen. Schließlich soll die Stadt bis 2030 klimaneutral werden – der nächste Oberbürgermeister ist also der letzte, der das Ziel noch hinbekommen kann. Schon vor dem ersten Wahlgang hatten die „Scientists for Future“ die OB-Anwärter:innen der fünf größten demokratischen Parteien Grüne, CDU, SPD, Volt und Linke interviewt. Die Gespräche liefen allesamt konstruktiv, schreibt die Gruppe in einer Pressemitteilung. In fast allen Punkten habe nahezu Einigkeit geherrscht. Nur in der Verkehrswende und beim Thema Bürger:innen-Räte nehme die CDU eine kritischere Haltung ein als die anderen Parteien. Wenn Sie sich kurz vor knapp noch mal vergewissern wollen, wie Fuchs und Lunemann klimapolitisch ticken, dann schauen Sie gerne noch mal in unseren Kandidaten-Check. (sfo)

Anonymer Briefkasten
Haben Sie eine Information für uns, von der Sie denken, sie sollte öffentlich werden? Und möchten Sie, dass sich nicht zurückverfolgen lässt, woher die Information stammt? Dann nutzen Sie unseren anonymen Briefkasten. Sie können uns über diesen Weg auch anonym Fotos oder Dokumente schicken.
+++ Im RUMS-Brief am Dienstag waren die Öffnungszeiten des Wahlbüros im Rathausinnenhof leider falsch. Wichtig für morgen: Das Wahlbüro öffnet morgen noch von 8 bis 12 Uhr – allerdings nur für Menschen, die bereits einen Wahlschein beantragt haben, ihn aber noch nicht erhalten oder verloren haben. Wenn Sie kurzfristig Hilfe brauchen, kurze E-Mail an wahlen@stadt-muenster.de.
+++ Zweiter Fehler: Aus Versehen schrieben wir am Dienstag, das Bistro „Heini“ befinde sich an der Warendorfer Straße 10. Richtig ist die Hausnummer 57.
+++ Ab Dezember fahren von Münster neue Direktzüge bis nach Graz sowie schneller nach Salzburg und Klagenfurt. (WDR)
+++ Am Preußenstadion ist pünktlich zum Saisonstart ein neuer Mobilfunkmast in Betrieb gegangen, der für besseren Empfang sorgt. (Stadt Münster)
+++ Der LWL stellt der Kulturszene in Westfalen-Lippe dank neuer Fonds jedes Jahr über zwei Millionen Euro Fördergeld zur Verfügung. (Landschaftsverband Westfalen-Lippe)
+++ Fachleute erwarten in Münster wegen hoher Nachfrage und wenig Neubau weiter steigende Preise für Wohnimmobilien. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die letzten beiden Jesuiten haben nach über 400 Jahren das Bistum Münster verlassen, weil dem Orden schlicht und ergreifend der Nachwuchs fehlt. (Nachrichtenagentur KNA, hier: Katholisch.de)
+++ Der „Hammer“-Baumarkt an der Kleimannbrücke schließt im Oktober, weil der Mutterkonzern pleite ist. (Westfälische Nachrichten)
+++ Lufthansa erwägt, wegen hoher Kosten die Flugverbindung von Münster nach München zu streichen. (Antenne Münster)
+++ Ein Priester aus Münster darf nach homosexuellenfeindlichen Online-Beiträgen nicht mehr als Kirchenrichter arbeiten. (WDR)
Das Konzept des neuen Wonky-Stores, der erst vor ein paar Wochen an der Wolbecker Straße eröffnet hat, ist schnell erklärt: Hier gibt es viel Ästhetisches, manches Praktisches und einiges, das ästhetisch und praktisch zugleich ist. Zum Beispiel Caps mit aufgestickten Sprüchen, schillernde kleine Lederportemonnaies und einen Topfuntersetzer, der aussieht wie eine zusammengerollte Schlange. Außerdem werden Sie sicherlich etwas finden, von dem Sie nie dachten, dass es in Ihrer Wohnung fehlen könnte – bis Sie dann zum Beispiel das wunderschön illustrierte Buch über Bahnfahren in Japan entdecken. Farblich dominieren Flieder und knalliges Orange im Laden. Und falls Sie selbst kreativ werden wollen: Es gibt schon einige Workshop-Termine. Beispielsweise eine Jewelry Party am 30. September, auf der Sie eigene Schmuckstücke herstellen können (Kosten: 59 Euro). Anmelden können Sie sich über die Website.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Svenja Stühmeier hat heute für Sie ein paar Empfehlungen zusammengestellt.
+++ Ecstasy, Speed, Koks? Falls Sie in Sachen Drogen noch was dazulernen wollen: Einen Abend lang sinniert Hannah (gespielt von Carola von Seckendorff) darüber, welche Substanz für welchen Anlass am passendsten ist. Im Stück „Welche Droge passt zu mir?“ von Kai Hensel wird im Laufe des Abends allerdings auch klar, dass Drogenkonsum vielleicht doch nicht die Lösung für all ihre Probleme ist. Zuschauen können Sie am Sonntag in der Kneipe „Bei Ute brennt noch Licht“. Los geht es um 18 Uhr, Tickets kosten zwischen 14,57 Euro und 20,75 Euro. Und falls Sie keine Zeit haben: Carola von Seckendorff tritt auch am 19. Oktober im Heidekrug auf.
+++ Im Gievenbecker Treffpunkt „La Vie“ steht ein Spielwochenende vor der Tür. Am Samstag und Sonntag gibt es jeweils von 10 bis 18 Uhr Rollenspiele, Tabletop, einen Flohmarkt und einige Stände von Verlagen und Autor:innen. Eintritt kostet ab 6 Jahren 5 Euro, eine Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder unter 16) zahlt 10 Euro.
+++ Bei der „Nacht der Lichter“ haben Sie morgen Abend die Gelegenheit, die Freibadsaison in der Coburg zu beenden. Ab 19 Uhr ist der Eintritt frei, letzter Einlass ist um 21:15 Uhr. Geöffnet ist das Bad bis 22 Uhr.
+++ Am Samstag finden Sie ab 12 Uhr Vertreter:innen der Initiative Foodsharing und sicherlich ganz viele Lebensmittel auf dem Harsewinkelplatz. Zum Tag der Lebensmittelrettung bauen sie eine Ausstellung aus (fast) allem auf, was sie am Vortag gerettet haben. Es gibt eine Rede und ein Kinderprogramm. Falls Sie vorbeigehen, bringen Sie eine Tasche mit – Sie dürfen etwas von den geretteten Lebensmitteln mitnehmen.
+++ Am Samstag ist Interkulturelles Fest. Der Integrationsrat lädt ans Stadthaus 1 ein zu künstlerischem Bühnenprogramm, leckerem Essen, Kennenlernen und Vernetzung von Initiativen. Das Fest findet von 9 bis 19 Uhr statt.
+++ Die Tanztheater-Gruppe Bodytalk tritt heute und morgen Abend mit der „Westfalen Side Story“ im Pumpenhaus auf. Das einstündige Musical klingt nach einem wilden Ritt durch Westfalen, begleitet von Begeisterung und Kritik. Tickets kosten zwischen 6 und 25 Euro, an beiden Abenden sind noch Plätze frei.
Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Herzliche Grüße
Anna Niere
Mitarbeit: Svenja Stühmeier (sst), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth
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PS
Falls Sie gerade (um 17 Uhr) eine große Gruppe junger Menschen am Aasee gesehen haben, die Pudding mit Gabeln essen – dann haben Sie nicht halluziniert, sondern sind dem neuesten Tiktok-Trend auf die Schliche gekommen. Angefangen hat das „Pudding mit Gabel essen“ als Flashmob in Karlsruhe vor gut einem Monat. Damals kamen rund 200 Menschen zusammen. In Videos auf Tiktok ging das Treffen viral. Mittlerweile finden solche Treffen in vielen Städten Deutschlands statt. Die Regeln sind einfach: Jede:r muss seinen eigenen Pudding und eine Gabel mitbringen. Dann wird ein paar Minuten zusammen gesessen und gegessen. Das war’s. Angemeldet hat das Münsteraner Treffen die Meme-Seite „Münster Dings“. Warum diese banale Aktion auf so viel Zustimmung stößt, lässt sich soziologisch recht einfach erklären: Das gleichzeitige synchrone Tun (hier: Pudding mit Gabel essen) stiftet ein kurzzeitiges Wir-Gefühl und bietet einen Bruch zum Alltag. So ungefähr hat es der Soziologe Émile Durkheim schon vor gut zwei Jahrzehnten erklärt. Also hat sich eigentlich nur die Umsetzung über die Jahre geändert. (ani)
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