Sechs Erkenntnisse aus der Kommunalwahl | OB-Stichwahl: Bleibt’s so harmonisch? | Unbezahlte Werbung: Wersewerk

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

haben Sie die Kommunalwahlergebnisse etwas sacken lassen? Zahlen und eine Analyse finden Sie weiter unten. Anfangen wollen wir mit den fünf wichtigsten Erkenntnissen vom Sonntag.

1. Die Grünen sind an der CDU vorbeigezogen

Der Vorsprung ist mit einem Sitz hauchdünn, aber dass die Grünen die größte Fraktion im Rat sind, gab es noch nie. Dass sie bei der Oberbürgermeisterwahl die meisten Stimmen bekommen, ist neu. Und die Grünen haben mehr Direktmandate gewonnen als die CDU. Auch das zum ersten Mal. Ohne die Grünen wird es im Rat keine Mehrheit geben. Bei einem Sieg von Tilman Fuchs in der Stichwahl am übernächsten Sonntag dürfte auch der Widerstand in der Stadtverwaltung schwinden, der in den vergangenen fünf Jahren vieles ausgebremst hat.

2. Das Machtgefüge verschiebt sich

Die traditionelle Aufteilung – Grüne dominieren die Innenstadt, die CDU den Stadtrand – gilt nur noch bedingt. Die Grünen haben ihre Hochburgen über die Innenstadt hinaus ausgedehnt. Auch in Münster verschiebt sich das Stadt-Land-Gefüge. Anders gesagt: Die Urbanisierung schreitet voran. Eine weitere Entwicklung: Die großen Lager dominieren den Rat nicht mehr. Es gibt deutlich mehr kleinere Kräfte.

3. Die AfD wächst, aber bleibt schwach

In Münster erzielt die AfD mit 4,5 Prozent der Stimmen ihr schlechtestes NRW-Ergebnis. Doch im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren hat sie ihren Stimmenanteil verdoppelt. Stark ist sie nicht mehr nur da, wo es den Menschen wirtschaftlich schlechter geht (Coerde, Kinderhaus-West, Berg Fidel), sondern auch da, wo die CDU traditionell stark ist, zum Beispiel in Amelsbüren, Hiltrup und Albachten. Die Zahl der AfD-Sitze wächst von einem auf drei. Im neuen Rat wird die AfD als Fraktion weiter eine Sonderrolle einnehmen. Zusammenarbeiten werden die übrigen Parteien mit ihr nicht. Übrigens: Einer der neuen AfD-Ratsherrn, Hans-Jürgen Scholte, war laut der Partei vorher in der FDP. Ein anderer, Helmut Birke, kam vor über zehn Jahren von den Freien Wählern.

Korrekturhinweis: Die Information, dass zwei AfD-Ratsherrn vorher bei der FDP gewesen war, die wir von der AfD bekommen hatten, stimmt nicht. Holger Lucius war, wie er uns selbst mitteilte, vorher in gar keiner Partei. Wir haben das korrigiert.

4. Die Linke und Volt werden stärker

Die Linke hat die Zahl ihrer Mandate von drei auf sechs verdoppelt. Am Bahnhof und am Hafen erreicht sie über 10 Prozent. Vermutlich profitiert die Partei von dem Rückenwind aus Berlin, den der Bundestagswahlkampf der Partei beschert hat. Auch die Europapartei Volt hat künftig drei Sitze im Rat und ist damit eine Fraktion.

5. SPD und FDP sind die Verlierer

Die SPD verliert drei Sitze und hat künftig nur noch neun. Die FDP verliert mit einem Sitz auch ihren Status als Fraktion. Sie ist künftig nur noch Ratsgruppe. Das bedeutet weniger Geld aus dem städtischen Topf für die Fraktionsarbeit und auch weniger Einfluss in den Ausschüssen.

6. Die Stichwahl wird zur Richtungswahl

Am 28. September entscheidet sich, ob Münster erstmals einen grünen Oberbürgermeister bekommt. Tilman Fuchs (Grüne) und Georg Lunemann (CDU) liegen im Ergebnis nicht so weit auseinander. Vieles ist möglich. Und klar ist: Wer das Rathaus gewinnt, prägt in den kommenden fünf Jahren die Richtung.

Das zu Beginn. Und jetzt weiter zu den Meldungen. (rhe)

Kurz und Klein

+++ Der Wahlabend am Sonntag startete erstmal direkt mit einer Panne. Denn als ab 18 Uhr auf der Webseite der Stadt keine Ergebnisse zu sehen waren, war die Verwirrung groß. Bis 21:30 Uhr waren die Server heillos überlastet – und das, obwohl die Kapazitäten im Vorfeld auf das Zehnfache hochgeschraubt wurden. Trotzdem schauten die meisten Besucher:innen der Webseite ins Leere. Ein paar Glückliche konnten nach langem Warten ein paar Ergebnisse sehen. Erst nach Verdopplung der Kapazitäten und technischen Notmaßnahmen liefs besser, bilanzierte die Stadt am Tag danach. Weil einige Rechner die Seite in extrem kurzen Abständen aufriefen, stand zunächst sogar der Verdacht eines Hackerangriffs im Raum, bestätigte sich dann aber nicht. Am Ende war es wohl schlicht zu viel Demokratiebegeisterung der Münsteraner:innen und Vorfreude auf die Ergebnisse. (ani)

+++ Kleiner Service zur Stichwahl: Ab morgen kann im Wahlbüro das Kreuz für die Stichwahl zum Oberbürgermeister gesetzt werden. Wer bei der Kommunalwahl Briefunterlagen beantragt hat, bekommt auch zur Stichwahl automatisch die Wahlunterlagen wieder per Brief, spätestens bis Samstag. Wer bei der Stichwahl per Brief abstimmen möchte, kann das online bis zum 22. September beantragen. Selbstverständlich können Sie aber auch ganz regulär am 28. September ins Wahllokal gehen. (ani)

+++ Der Erfinder des RUMS-O-Mat hat am Sonntag passend zum Wahltag verkündet, dass 660 Menschen das Tool genutzt haben. Wir freuen uns, dass wir so vielen Münsteraner:innen eine kleine Hilfe bei der Entscheidung geben konnten – und bedanken uns nochmal bei Sebastian Eichholz fürs Basteln des RUMS-O-Mat. (ani)

+++ Ein kurzer Exkurs in die Landespolitik. Die blickt nämlich gerade nicht nur wegen der Stichwahl nach Münster. Der Verfassungsgerichtshof hat heute sein Urteil zu den umstrittenen Corona-Krediten der schwarz-grünen Landesregierung verkündet, meldet die Deutsche Presse Agentur (hier beim Stern). Das Münsteraner Gericht sieht keinen Verstoß gegen das Budgetrecht des Landes und weist die Klage zurück. Ende 2022 hatte das Land noch einmal 4,15 Milliarden Euro aufgenommen – obwohl die Pandemieprogramme faktisch ausgelaufen waren. SPD und FDP sahen darin einen Verfassungsbruch: Das Geld sei nicht mehr für Coronamaßnahmen nötig gewesen, sondern habe als Reserve den Haushalt 2023 gestützt. Außerdem sei der Landtag zu wenig eingebunden worden. Die Landesregierung hält dagegen: Alle Kredite seien genehmigt und zweckgebunden gewesen, man habe auf mögliche Restkosten reagieren müssen. Dem gibt das Gericht Recht. (ani)

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+++ Die Grünen haben in ihrer ersten Fraktionssitzung nach der Kommunalwahl einen neuen Vorstand gewählt: Christoph Kattentidt bleibt Sprecher, neue Fraktionssprecherin ist Andrea Blome, Stellvertreter Albert Wenzel. Neu im Vorstand sind die Beisitzerinnen Leandra Praetzel, Anna Hünker und Lena Ilsemann. Carsten Peters trat nach 21 Jahren im Vorstand nicht mehr an. (rhe)

+++ Die CDU-Ratsfraktion hat Stefan Weber erneut zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Der 51-Jährige erhielt 16 von 20 Stimmen, meldet die CDU. Stellvertreter sind Mathias Kersting, Carmen Greefrath und Angela Stähler. (rhe)

+++ Am Samstag kamen rund 70 Neonazis für ihren „Marsch für Deutschland“ nach Münster. Empfangen wurden sie am Hauptbahnhof von mehr als 500 Menschen auf vier Gegendemonstrationen. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz. Bevor die Nazis überhaupt mit ihrer Demo beginnen konnten, wurden sie von den Gegenprotestierenden mit Farbbeuteln beworfen – dabei wurden auch 23 Polizist:innen getroffen. Die Bilanz der Polizei: Sechs Leute in Gewahrsam, acht Strafanzeigen, unter anderem wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, Verkehrsbehinderungen durch Sperrungen in der Stadt. Für Irritation der Gegenprotestierenden sorgte zudem der Umgang der Polizei mit dem „Adenauer-SRP+“-Bus des Zentrums für Politische Schönheit: Es seien Platzverweise erteilt und versucht worden, die Teilnahme zu verhindern, berichtet eine RUMS-Leserin. Die Neonazis geben auf jeden Fall keine Ruhe: Sie haben bereits die nächste Demo für Heiligabend angekündigt. (ani)

+++ Münster hat seit 2015 knapp ein Fünftel seiner Läden verloren. Hauptgrund ist der Boom des Online-Handels. Deshalb will sich die Stadt jetzt mit einem neuen Einzelhandelskonzept retten, wie ein erster Entwurf zeigt. Besonders wichtig bleiben demnach die sogenannten zentralen Versorgungsbereiche – also die Stadtteilzentren, wo sich Einkauf, Versorgung und Begegnung bündeln. In den neuen Quartieren Hiltrup-Ost sowie Steinfurter Straße/Austermannstraße sind zwei zusätzliche zentrale Versorgungsbereiche vorgesehen, damit auch dort künftig wohnortnah eingekauft werden kann. Münsteraner:innen können jetzt bis Ende Oktober den Entwurf online kommentieren, dann wird er eventuell überarbeitet und 2026 im Rat über das Konzept abgestimmt. (ani)

Der Rürup
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In aller Freundschaft?

Die Grünen haben die Kommunalwahl in Münster gewonnen. Vor der Stichwahl stellt sich die Frage: Muss Georg Lunemann jetzt aggressiver werden?

Münster hat gewählt, aber der Wahlkampf geht weiter. Und die Frage ist, ob sich alles so fortsetzen wird wie in den vergangenen Wochen. Da saßen Tilman Fuchs, Georg Lunemann und Stephan Brinktrine fast täglich zusammen auf Stühlen, Sofas oder Barhockern, auch bei uns, beantworteten Fragen und machten das so harmonisch, dass die Westfälischen Nachrichten von einer Freundschaft schrieben.

Nun sind Personen im Kommunalwahlkampf wichtiger als die Programme – schon, weil die Programme kaum jemand kennt. Am wichtigsten ist, kompetent und sympathisch zu wirken. Und oft transportiert schon das Wesen der Kandidaten selbst eine Botschaft. Nach unserem OB-Kandidatencheck vor einer Woche sagte jemand: Man hätte gar nicht sagen müssen, wer für welche Partei antritt, man sieht es ja.

Der scheidende Oberbürgermeister Markus Lewe ist im Wahlkampf immer gut damit gefahren, die Politik und Kontroversen herauszuhalten. Aber wer sich allein auf Sympathiewerte verlassen möchte, muss erst mal bekannt sein.

Der CDU ist es nicht gelungen, ihren Kandidaten in der Stadt bekannt zu machen. Der Wahlkampf begann gleich mit einer Panne. Die Plakate mit der Frage „Wer ist Georg Lunemann?“ hingen zu früh in der Stadt. Der Fehlstart hätte auch ein Vorteil sein können, denn die Frage kannte jetzt jeder. Aber der Partei gelang es nicht, sie zu beantworten.

Georg Lunemann war als LWL-Direktor auch vorher schon in der Stadt präsent. Tilman Fuchs wohnte nur hier. Trotzdem war er kurz vor den Wahlen in Münster deutlich bekannter.

Die Grünen haben das besser hinbekommen. Das weiß man auch bei der CDU. Dort sind einige im Wahlkampfverlauf unzufrieden – vor allem damit, dass zu wenige Plakate in der Stadt hingen. Zuletzt besserte man etwas nach. Man ist auch nicht ganz zufrieden mit dem Bild von den drei Freunden, die im Wahlkampf durch die Stadt tingelten. Einige in der CDU hätten sich einen etwas angriffslustigeren Georg Lunemann gewünscht.

Was ist den Grünen wichtiger?

Kurz nach der Wahl spürte man deutlich, dass Lunemann nun etwas mehr auf den konfrontativen Parteikurs einschwenken möchte. In der Elefantenrunde der Stadt am Sonntagabend, die ich moderieren durfte, warnte er vor einer rot-rot-grünen Stadtregierung (wenn es so käme, wäre es grün-rot-rot). Er sprach von „Bevormundung“, so ist es auch im Rat immer wieder zu hören. Lunemann erwähnte die Beleuchtung am Kanal – ein Streitthema aus dem Rat, das die CDU in Pressemitteilungen und Social-Media-Postings so überdreht hatte, wie man es sonst nur von Boulevardzeitungen kennt.

Man blies eine Kontroverse zu der gigantischen Frage auf: Was ist den Grünen wichtiger: Mensch oder Natur? – um darauf selbst die Antwort geben zu können: Uns ist der Mensch wichtiger.

In der Elefantenrunde stritt Lunemann ab, dass man sich im Wahlkampf zu sehr auf den politischen Gegner, die Grünen und das linke Rathausbündnis fokussiert habe. Gleichzeitig hängte die CDU für den Endspurt weitere Plakate an die Laternen. Auf ihnen steht: „Münster macht man nicht mit links.“ Das Wort „links“ ist in grün und rot gedruckt.

Die CDU hat die NRW-Wahl deutlich gewonnen. Nur in Münster wollte es einfach nicht laufen. Den schwarzen Ring um die Stadt herum gibt es immer noch, aber der grüne Kern in der Mitte ist größer geworden. Die Grünen haben auch in Sentrup, Mecklenbeck und Gievenbeck gewonnen – in einer Zeit, in der die Partei anderswo im Land stark verlor.

Der grüne Wahlsieg in Münster ist das Ergebnis eines überzeugenden Wahlkampfs, er hat möglicherweise aber auch mit einem CDU-Wahlkampf zu tun, der nicht auf den Kandidaten zugeschnitten war. Lunemann hat sich eher als Pragmatiker präsentiert, nicht als Scharfmacher. Das passte nicht zum aggressiven CDU-Kurs. Es könnte auch sein, dass dieser aggressive und konfrontative Kurs für Menschen nicht so überzeugend war, denn um die eigenen Themen ging es dabei selten.

An einer Stelle gerieten auch die Grünen ins Straucheln – als Tilman Fuchs die „Netto-Nullversiegelung“ ins Spiel brachte, also die Absicht, für jede versiegelte Fläche an anderer Stelle eine Fläche zu entsiegeln. Die CDU nutzte die Vorlage, da stand sie wieder, die gigantische Frage: Was ist wichtiger: Mensch oder Natur? Die CDU sprach von einem „faktischen Bauverbot“. Und davon blieb etwas hängen. Wenn es um Kritik an der grünen Kampagne ging, dann kam meistens das.

Ein stinknormaler Familienvater

Doch insgesamt blieb wenig hängen. Auf der einen Seite stand der kontroverse Kurs gegen die angebliche grüne Verbotspolitik, die vermeintliche Gefahr von links und radikale Ideologen, denen es um Fahrradwege in der Innenstadt geht, aber nicht um Pendler aus dem Umland.

Auf der anderen Seite stand der gemäßigte Tilman Fuchs, der nicht wie ein radikaler Ideologe wirkt, sondern wie ein stinknormaler Familienvater, der selbst zur Arbeit ins Umland pendelt.

Mit der Wiederwahl von Stefan Weber als Fraktionschef machte die CDU schon am Montag deutlich, wohin die Richtung gehen soll. Für welchen Kurs Weber steht, ist klar. Weber hat die Grünen bei jeder sich bietenden Gelegenheit scharf angegriffen. Er spricht von „Bevormundung“, von „Ideologie“ und der Bedrohung durch ein Bündnis der Linken. Das soll Angst verbreiten, das Gefühl wecken: Das wollen wir auf keinen Fall – so soll es Menschen mobilisieren.

Die Fraktion hat damit klargestellt, welchen Kurs sie für richtig hält: den konfrontativen gegen die Grünen, also gegen die Partei, mit der man in Düsseldorf zusammen regiert – und mit der man in zwei Wochen möglicherweise an einem Tisch sitzen wird, um über ein Ratsbündnis zu verhandeln.

Hinter den Kulissen macht man sich in der CDU keine Sorgen darüber, dass die Angriffe ein Klima schaffen könnten, das eine Zusammenarbeit später unmöglich macht. Es sei eben Wahlkampf. Das sei auch allen klar, so heißt es. Bei den Grünen sieht man es anders. Da versteht man die Angriffe als schlechten politischen Stil, der auch dauerhaft Narben hinterlassen könnte.

So tief, wie es auf den ersten Blick scheint, sind die Gräben nicht. Ein Eindruck aus den kleineren Parteien ist, dass die Zusammenarbeit im Rat in den vergangenen fünf Jahren über alle Parteigrenzen gut funktioniert hat. Mit Ausnahme der AfD, aber auch mit Ausnahme der CDU, die sich, anders als die FDP, sehr deutlich abgegrenzt hat.

Schaut man genau hin, sieht man aber auch, dass die CDU nicht grundsätzlich auf Konfrontation setzt.

Das Bündnis hätte keine Mehrheit

Als die CDU in der letzten Ratssitzung Anfang September einen Antrag zur Finanzierung der Arbeitsgemeinschaft Hospiz- und Palliativversorgung vorlegte, standen darüber auch die Logos der übrigen demokratischen Ratsparteien. Grünen-Fraktionssprecher Christoph Kattentidt bedankte sich dafür später.

Ein anderes Signal blieb fast unbemerkt. Dem Antrag von Grünen, SPD und Volt zum eigentlich auch im Wahlkampf gern umkämpften Verkehrsthema mit dem Titel „Mehr Tempo 30 in Münster“ stimmte geräuschlos auch die CDU zu.

Im Zweifel sind gemeinsame Beschlüsse also durchaus möglich. Und im Zweifel wäre es also vielleicht auch denkbar, dass die CDU sich mit den scheinbar so verhassten Grünen an einen Tisch setzt.

Von den Grünen hört man, es gehe jetzt darum, zu klären – nicht ganz überraschend – in welcher Konstellation die meisten grünen Inhalte möglich sind. Auf die Unterstützung der im Rat jetzt sechs Sitze starken Linken möchte man dem Eindruck nach möglichst verzichten.

Am wahrscheinlichsten erscheint, dass das alte Bündnis auch weiter besteht. Sollte Georg Lunemann am übernächsten Sonntag gewinnen, wäre das Problem: Das grün-rot-violette Bündnis hätte im Rat keine Mehrheit und wäre auf die Stimmen von FDP, Linken oder einem Zusammenschluss aus ÖDP und Die Partei angewiesen.

Wird Tilman Fuchs Oberbürgermeister, gäbe es eine knappe Mehrheit, aber die hätte auch einen Haken, denn: Kann man sich darauf verlassen, dass der Oberbürgermeister immer mit dem Bündnis stimmt? Als es um den Bau eines vierten Stadthauses ging, stimmte Markus Lewe anders ab als die Ratsfraktion seiner Partei.

CDU und Grüne hätten zusammen eine komfortable Mehrheit. Und so disparat wie dieses Bündnis nach dem Wahlkampf erscheint, ist es nicht.

Es gibt auf beiden Seiten zwar viele, die auf Grün-Schwarz gern verzichten würden, aber man hört auf beiden Seiten auch, dass die Zusammenarbeit im letzten Bündnis bis zum Bruch sehr verlässlich gewesen sei.

Erste Gespräche zwischen möglichen Bündnispartnern finden in diesen Tagen statt. Dabei ist eine Frage, wer welchen Kandidaten in der Stichwahl unterstützen wird.

Die SPD hält damit eine gute Karte auf der Hand, mit der sie die eigene Verhandlungsposition verbessern kann. Spricht sie eine Wahlempfehlung für Tilman Fuchs aus, kann sie dafür etwas verlangen. Und das kann angesichts der geschrumpften Ratsfraktion nützlich sein, um sich innerhalb eines Bündnisses zu behaupten.

Der SPD bliebe nur die Opposition

Die Zusammenarbeit im grün-rot-violetten Bündnis war zuletzt nicht einfach. Es wäre nicht selbstverständlich, dass die Zusammenarbeit so weitergeht – und wenn, dann werden die Grünen mit dem guten Ergebnis im Rücken verlangen, dass die Politik in Münster noch etwas grüner wird.

Mit der CDU hätten die Grünen eine weitere Option. Der SPD bliebe andernfalls nur die Opposition.

Bei der SPD sind noch andere Fragen offen. Parteichef Fabian Schulz hat am Wochenende in einer E-Mail an alle Mitglieder angekündigt, bei der nächsten Wahl nicht mehr anzutreten.

Auch die Frage, ob Lia Kirsch weiter an der Spitze der Fraktion stehen wird, war am Montag noch nicht geklärt. Oberbürgermeister-Kandidat Stephan Brinktrine könnte den Fraktionsvorsitz beanspruchen.

Diese Entscheidung könnte ebenfalls Einfluss darauf haben, welche Mehrheiten sich finden. Denkbar ist auch, dass es gar keine Koalition gibt und man zunächst auf wechselnde Mehrheiten setzt. Das macht mehr Arbeit als eine grundsätzliche Vereinbarung. Aber auch das gab es in Münster schon – nach der vorletzten Kommunalwahl, bevor CDU und Grüne zusammenfanden. Entscheiden wird sich das alles erst nach der Stichwahl. Bis dahin ist weiter Wahlkampf. Vielleicht nur etwas anders. Nicht mehr ganz so sehr in aller Freundschaft. (rhe)

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Fundbüro

Hendrik Kuhnert beim Schnupperzoo im Kurs

Für einen halben Tag Tierpfleger sein – das hat RUMS-Leser Hendrik Kuhnert mit seinem Prämiengewinn unserer RUMS+1 Abo-Aktion aus dem Frühjahr getestet. Nicht nur er, sondern auch die Varis scheinen sich über den Besuch gefreut zu haben. Die kleinen Lemuren Madagaskars sind total neugierig und haben den Ein-Tages-Tierpfleger direkt von Nahem untersucht. Ansonsten musste unser RUMS-Leser genau das machen, was normale Tierpfleger auch machen: Futter vorbereiten, Ställe säubern, Tiere füttern. (ani)

Klima-Update

+++ Was im ganzen Kommunalwahl-Wust schnell untergeht, aber auch seine Aufmerksamkeit verdient hat: Es ist Woche der Klimaanpassung. Auf Initiative des Bundesumweltministeriums finden deutschlandweit Info-Veranstaltungen und Aktionen statt – auch in Münster. Hier stellt die Stadt am Donnerstag um 18 Uhr im Haus der Nachhaltigkeit Ergebnisse aus der Stadtklimaanalyse vor und erklärt, wie Münsteraner:innen die daraus entstandenen interaktiven Karten nutzen können. (ani)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Auf der Hoyastraße markiert die Stadt morgen breitere Radwege für mehr Sicherheit beim Fahrradfahren. (Stadt Münster)

+++ Am Freitag haben mehr als 500 Menschen in Münster am Klimastreik von Fridays For Future teilgenommen. (Fridays For Future Münster)

+++ Vor der Uniklinik haben gestern rund hundert Menschen aus queeren Gruppen gegen eine kleine transfeindliche Demo protestiert. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Maxi-Sand am Syndikatplatz geht am Sonntag in Herbstruhe und bleibt geschlossen. (Stadt Münster)

+++ Eine Mutter aus Münster kritisiert, dass ihr achtjähriges Kind ab November sein Busticket nicht mehr in bar bezahlen kann. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ein 250 Kilogramm schwerer Blindgänger ist Freitag am Preußen-Stadion entschärft worden. (Stadt Münster)

+++ In Gievenbeck soll die Sanierung der St.-Michael-Kirche wegen fehlender Handwerker:innen erst im Frühjahr 2026 starten. (Westfälische Nachrichten)

+++ Trotz guter Erntemengen klagen viele Landwirt:innen aus Münster über niedrige Preise und strenge Regeln. (WDR)

+++ Ab Oktober übernehmen Jan Uphues und David Niehues gemeinsam die sportliche Leitung des SC Preußen Münster. (Alles Münster)

+++ Ein defekter Lithium-Akku hat Anfang Juli den Brand einer Motorjacht im Stadthafen ausgelöst. (Westfälische Nachrichten)

Unbezahlte Werbung

Mitten im Grünen, an der Werse bei Angelmodde, gibt es ein gemütliches Ausflugslokal: Das Wersewerk lässt sich stilistisch irgendwo zwischen ländlicher Tradition und BoHo einordnen, und genauso locker ist die Atmosphäre. Immer samstags und sonntags von 13 bis 19 Uhr gibt es hier selbstgebackenen Kuchen (aktueller Tipp: Pflaume!), Waffeln, Eis sowie herzhafte Kleinigkeiten wie Falafel und Currywurst. Gerade sind außerdem Federweißer und Zwiebelkuchen im Angebot. Zu empfehlen sind auch die leckeren Heißgetränke: Die Tassen und Gläser sind größer als anderswo und die Qualität ist hervorragend – der Tee kommt beispielsweise lose ins Glas und kann unter anderem mit Thymian-Honig gesüßt werden. Drinnen und draußen gibt es nicht nur lauschige Sitzmöglichkeiten, sondern auch Spielmöglichkeiten für Kinder.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Katja Angenent hat heute für Sie in den Veranstaltungskalender geschaut und ein paar Tipps gesammelt:

+++ Wie bewege ich mich eigentlich möglichst sicher durch’s Netz? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein kostenloser Vortrag am Mittwoch um 17 Uhr in der Stadtbücherei. Neben Themen wie Virenschutz und Sicherheitseinstellungen wird auch erläutert, was im Falle eines Angriffs zu tun ist.

+++ Am 19. und 20. September wird es bunt im Hansaviertel und am Mittelhafen, denn das B-Side-Festival lässt erneut lautstark von sich hören. Neben jeder Menge Konzerten und DJ-Auftritten stehen auch Kinderaktionen, Lesungen und Workshops auf dem Programm.

+++ In den 1980er Jahren verübte die IRA zwei Terroranschläge in Münster, einen davon an der York-Kaserne im Stadtteil Gremmendorf. Wenige Meter weiter, in der ehemaligen Panzerhalle der Kaserne, liest Schauspieler Wanja Mues am Freitag um 19 Uhr aus der Autobiografie „The Volunteer“ des ehemaligen IRA-Terroristen und heutigem Friedensaktivisten Shane Paul O‘Doherty. Zudem gibt es die Möglichkeit, Berichte von Zeitzeug:innen der Anschläge anzuschauen. Karten gibt es hier. Sie kosten 8 Euro.

+++ Am Freitag ist wieder Parking Day in Münster, diesmal auf der Geiststraße. Nicht ohne Grund hat man sich in diesem Jahr für die Geiststraße entschieden, denn dort mussten Anwohner:innen Tempo 30 herbeiklagen (RUMS-Brief). Ab 13 Uhr machen rund 70 Nachhaltigkeitsinitiativen die Straße autofrei. Mehr Infos hier.

+++ Wenn Sie noch einmal in Gesellschaft auf Inline-Skates durch Münster rollen möchten, kommen Sie am Freitag um 19 Uhr auf den Schlossplatz. Dort startet die letzte Skatenight der Saison. Sie steht unter dem Motto: Lichterskaten. Teilnahmebändchen gibt es für fünf Euro vor Ort, Skates können selbst mitgebracht oder ausgeliehen werden.

Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Anna Niere (ani), Jan Große Nobis (jgn), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer

PS

Meine Kollegin Anna Niere wird am Freitag für RUMS beim Sommerfest des Grimme-Instituts unter anderem mit WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn diskutieren. Thema der Runde: „Wahlen: Zeit der Meinungsbildung oder Polarisierung?“ Außerdem mit dabei ist Martina Möller von der Marler Zeitung. Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch auch vorbei. Marl ist ja nicht so weit. Adresse, Zeiten und Programm finden Sie hier.

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