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Die RUMS-Kolumne von Michael Jung | Ausgemerkelt

Guten Tag,
vor vier Jahren um diese Zeit endete eine Ära: Nach sechzehn Jahren verließ Angela Merkel das Kanzleramt. Vier Bundestagswahlen hatte sie gewonnen, davon allerdings nur eine (2013) richtig überzeugend. Über sechzehn Jahre wurde sie zum Gesicht Deutschlands. Auf dem diplomatischen Parkett trittsicher und erfahren, im Inneren von einer stoischen Ruhe, die nur einmal, nämlich bei den Grenzöffnungen 2015, so etwas wie innere Überzeugung erkennen ließ. Ansonsten merkelte sie mal so, mal so: Atomausstieg rückgängig, dann doch wieder umgesetzt. Rente mit 67 eingeführt, und dann mit der Rente ab 63 korrigiert. Aber die Leute waren zufrieden, und so trat sie ungeschlagen aus dem Ring.
Vier Jahre später kommt einem die Ära Merkel vor, als sei sie in grauer Vorzeit gewesen: Der Zusammenbruch des Westens in Afghanistan, das Ende der Illusionen über Russland mit dem Beginn des Ukraine-Krieges, die Fragilität der Energieversorgung und der äußeren Sicherheit, das Stagnieren des Bruttoinlandsprodukts auf dem Niveau von 2018, der verschleppte Klimaschutz – inzwischen dürfte niemand mehr einen Zweifel haben, dass das Land in den sechzehn Merkel-Jahren von der Substanz gelebt hat und die aufgeschobenen Entscheidungen nun umso teurer kommen. Nostalgie kommt nicht auf, wenn man an die Dauerkanzlerin zurückdenkt.
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