Keine barrierefreie Rollstuhlrampe | Wie sich Münster auf den Coronaherbst vorbereitet | Muwa Sushi

Müns­ter, 29. Juli 2022

Guten Tag,

in mei­nem letz­ten RUMS-Brief hat­te ich Ihnen von den gran­dio­sen Hit­ze­tipps aus dem Reich der Tie­re erzählt. Einen davon hat­te ich aller­dings ver­ges­sen: viel trinken.

Viel trin­ken heißt aber auch: oft aufs Klo müs­sen. Und das kann in eini­gen Fäl­len eine ech­te Her­aus­for­de­rung sein, wie ein neu­er Bei­trag des NDR-Sati­re­ma­ga­zins Extra 3 beweist. Das Maga­zin hat Anto­nia Mül­ler-Laack­mann besucht. Sie arbei­tet beim All­ge­mei­nen Stu­die­ren­den­aus­schuss der Uni Müns­ter und lebt mit Roll­stuhl. Blö­der­wei­se ist ihr Arbeits­platz alles ande­re als roll­stuhl­ge­recht. Wenn Mül­ler-Laack­mann zur bar­rie­re­frei­en Toi­let­te ins Schloss muss, braucht sie des­halb Hil­fe von zwei star­ken Kol­le­gen, die sie die zwei Trep­pen­stu­fen an der Ein­gangs­tür vom Gebäu­de auf den Schloss­platz heruntertragen.

Mei­ne Güte, wer­den Sie jetzt den­ken, geht das nicht ein­fa­cher? Kann man da denn kei­ne Ram­pe hin­stel­len? Natür­lich kann man das. Aber doch bit­te nicht dau­er­haft. Wäre ja zu ein­fach. Die Uni hat Anto­nia Mül­ler-Laack­mann eine Ram­pe besorgt, aber kei­ne fes­te. Die müs­sen ihre star­ken Kol­le­gen jetzt immer für sie auf­bau­en, wenn sie auf die Toi­let­te will. Schau­en Sie sich die­sen Schild­bür­ger­streich von der Uni Müns­ter ruhig ein­mal selbst an. (sfo)

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Affen­po­cken: Die Imp­fun­gen star­ten an der Uniklinik
  • Mehr Autos in Müns­ter: Fällt die Ver­kehrs­wen­de aus?
  • Wie es wei­ter­ging: FH Müns­ter wie­der online
  • Wie sich Müns­ter auf den Coro­na­herbst vorbereitet
  • Kor­rek­tu­ren: EM statt WM und Glasfaserausbau
  • Coro­na-Update: zwei neue Todesfälle
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Muwa Sushi
  • Drin­nen und Drau­ßen: Cock­tails nach Münster-Art

Kurz und Klein

+++ Sie haben es bestimmt mit­be­kom­men: Wegen des uner­war­te­ten und unge­wöhn­lich rasan­ten Aus­bruchs der Affen­po­cken hat die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO am 23. Juli die gesund­heit­li­che Not­la­ge inter­na­tio­na­ler Trag­wei­te aus­ge­ru­fen. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Behör­de für Seu­chen­kon­trol­le und -prä­ven­ti­on zählt im Moment fast 21.200 Affen­po­cken­fäl­le in 78 Län­dern. In 71 davon wur­den zuvor noch nie Infek­tio­nen mit dem Virus nach­ge­wie­sen, dazu zählt auch Deutsch­land. Prak­ti­sche Aus­wir­kun­gen hat der WHO-Zustand nicht. Die Regie­run­gen wer­den aber dazu auf­ge­ru­fen, die pan­de­mi­sche Lage im Blick zu behalten.

An der Uni­kli­nik Müns­ter begin­nen nächs­te Woche die Imp­fun­gen gegen das Affen­po­cken­vi­rus, teilt uns die Pres­se­stel­le auf Anfra­ge mit. Vor­ran­gig sol­len die­je­ni­gen geimpft wer­den, die ein erhöh­tes Risi­ko haben, schwer zu erkran­ken (zum Bei­spiel HIV-Infi­zier­te oder Immun­ge­schwäch­te), oder die in den letz­ten 14 Tagen Kon­takt zu einer infi­zier­ten Per­son hat­ten. Die­se Prio­ri­sie­rung sieht auch die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on vor, weil der­zeit der Pocken­impf­stoff Imv­anex knapp ist.

Ein erhöh­tes Risi­ko, sich mit den Affen­po­cken anzu­ste­cken, haben neben Labor­per­so­nal, das Pro­ben unter­sucht, Män­ner, die gleich­ge­schlecht­li­chen sexu­el­len Kon­takt zu häu­fig wech­seln­den Part­nern haben. Von den – Stand heu­te – 2.595 regis­trier­ten Affen­po­cken­fäl­len in Deutsch­land sind nur fünf Infek­tio­nen bei Frau­en nach­ge­wie­sen wor­den. Kin­der und Jugend­li­che sind bis­her noch nicht ange­steckt wor­den. (sfo)

+++ Es gibt schon wie­der mehr Autos in Müns­ter. Die Zahl der Neu­zu­las­sun­gen ist wei­ter gestie­gen. 2.172 mehr als im Jahr zuvor, mel­den die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Ins­ge­samt sind es über 140.000 (mehr dazu in der Info­gra­fi­ken unten). In ande­ren Städ­ten ist die Auto­dich­te noch grö­ßer. In Müns­ter kom­men auf 1.000 Men­schen 558 Autos, im Bun­des­schnitt sind es 717. Fällt die Ver­kehrs­wen­de jetzt also aus? Die Grü­nen kri­ti­sie­ren in einer Pres­se­mit­tei­lung die „viel­fäl­ti­gen Sub­ven­tio­nie­run­gen“ des Indi­vi­du­al­ver­kehrs: Ohne den Abbau die­ser Pri­vi­le­gi­en für den Indi­vi­du­al­ver­kehr kön­ne die Ver­kehrs­wen­de mit Stär­kung der Alter­na­ti­ven im Umwelt­ver­bund kaum erfolg­reich sein, heißt es. In ande­ren Wor­ten: War­um soll­te irgend­wer Inter­es­se an einer Alter­na­ti­ve haben, wenn Auto­fah­ren mit Abstand am güns­tigs­ten ist? Die FDP sieht das Pro­blem auch in Müns­ter. Sie mel­det: „Nicht allein das Mehr an Autos [ist das] Pro­blem, son­dern die Tat­sa­che, dass der Stei­ge­rung an Fahr­zeu­gen kein wirk­sa­mes Kon­zept ent­ge­gen­ge­setzt wird.“ Wir fas­sen zusam­men: Ohne Ver­kehrs­wen­de kei­ne Alter­na­ti­ven und ohne Alter­na­ti­ven kei­ne Ver­kehrs­wen­de. Die bild­li­che Dar­stel­lung die­ses Pro­blems ist ver­mut­lich ein Kreis­ver­kehr, aller­dings ohne Aus­fahrt. (rhe/jgn)

+++ Damit die Gas- und Ener­gie­kos­ten die Kom­mu­nen nicht in die Knie zwin­gen, haben vie­le Städ­te sich über­legt, wo über­all man den Ste­cker zie­hen könn­te. Köln zum Bei­spiel hat eine „Task For­ce“ ein­ge­rich­tet, also ein­fach eine Arbeits­grup­pe (was nur längst nicht so gut klingt), die sich über­le­gen soll, wie man jetzt vor­geht. Koblenz hat vor zwei Wochen ange­kün­digt, die Was­ser­tem­pe­ra­tur in den Hal­len­bä­dern etwas zu sen­ken und die Bäder ab Herbst mög­li­cher­wei­se ganz zu schlie­ßen. Außer­dem will man Kir­chen und das städ­ti­sche Wahr­zei­chen nicht mehr beleuch­ten. Und was macht Müns­ter? Kurz zusam­men­ge­fasst: im Moment noch prü­fen, das schreibt eine Spre­che­rin. Aller­dings spa­re man ohne­hin schon Ener­gie. Der Ener­gie­ver­brauch von Stra­ßen­la­ter­nen sei seit 2006 um ein knap­pes Vier­tel (23 Pro­zent) gesun­ken. Man tau­sche seit sie­ben Jah­ren alte Leucht­mit­tel gegen LED-Lam­pen aus. Etwas mehr als ein Vier­tel (28 Pro­zent) sei­en umge­rüs­tet wor­den. Wenn es in der glei­chen Geschwin­dig­keit wei­ter­ge­hen wür­de, wäre in 18 Jah­ren alles geschafft. In den nächs­ten Jah­ren soll es aber wohl etwas schnel­ler gehen. Pro Jahr wol­le man 1.200 Leuch­ten umrüs­ten, dazu adap­ti­ve Later­nen auf­stel­len, also Later­nen, die sich anschal­ten, wenn man vor­bei­fährt. Außer­dem arbei­te man an Ideen für die neue Hal­len­bad­sai­son. Mög­li­cher­wei­se in einer Arbeits­grup­pe. Hof­fen wir also, es geht dort bald irgend­wem ein Licht auf. (rhe)

Wie es weiterging

Ver­gan­ge­nen Frei­tag erhiel­ten die rund 1.200 Mit­ar­bei­ten­den der FH Müns­ter eine E-Mail vom Prä­si­di­um, auf die sie wahr­schein­lich schon lan­ge gewar­tet haben: Sie haben end­lich wie­der Inter­net. Fast auf den Tag genau vier Wochen waren die FH-Mit­ar­bei­ten­den damit vom Netz getrennt. Denn nach­dem Hacker:innen eine Cyber­at­ta­cke auf die Fach­hoch­schu­le ver­übt hat­ten, waren die Mit­ar­bei­ten­den und Stu­die­ren­den not­ge­drun­gen seit dem 21. Juni off­line. Seit dem 11. Juli kön­nen Stu­die­ren­de wie­der das WLAN am Cam­pus nutzen.

Wie uns Chris­toph Heb­be­cker, Staats­an­walt bei der Zen­tra­len Anlauf­stel­le Cybercrime in Köln, auf Anfra­ge mit­teilt, ist der Stand der Ermitt­lun­gen vier Wochen nach dem Angriff noch weit­ge­hend unver­än­dert: Die Ermitt­lun­gen lau­fen gegen Unbe­kannt, der Tat­ver­dacht lau­te Aus­spä­hen von Daten, und zur­zeit wer­de geprüft, die­sen Anfangs­ver­dacht um Com­pu­ter­sa­bo­ta­ge zu erwei­tern. (sfo)

Zahlen, bitte. 

Bis 2030 sol­len alle Autos in Müns­ter elek­trisch betrie­ben wer­den, so heißt ein Ziel in der Kli­­ma­­neu­­tra­­li­­tät-Stu­­die. Dazu müss­ten pro Jahr 13.000 mit Ben­zin oder Die­sel betrie­be­ne PKW durch Elek­tro­au­tos ersetzt wer­den. Die­ses Tem­po ist noch lan­ge nicht erreicht, aber immer­hin tut sich etwas. Am 1. Janu­ar 2022 waren in Müns­ter 2.847 Elek­tro­au­tos zuge­las­sen, am 1. Juli schon 3.729.

Wie vie­le Autos mit Ver­bren­ner­mo­to­ren zuge­las­sen sind, erhebt die Stadt nur ein­mal pro Jahr – die­se Zahl ist des­halb noch auf dem Stand vom 1. Janu­ar. Viel­leicht sind neue Ben­zi­ner nicht so span­nend wie neue Elektroautos.

Quel­le: Jah­res­sta­tis­tik der Stadt Müns­ter, Kon­zept­stu­die „Müns­ter Kli­ma­neu­tra­li­tät 2030“

 

Wie sich Münster auf den Coronaherbst vorbereitet

Viel­leicht geht es Ihnen ein biss­chen wie mir: Mich strengt gera­de ein­fach alles an. Durch den Krieg in der Ukrai­ne und alles, was des­halb auch auf uns zukommt, ist zumin­dest mein Som­mer­ge­fühl nicht wirk­lich unbe­schwert. Aber immer­hin ist der Som­mer bald vor­bei, je nach­dem wie man rech­net, beginnt der Herbst ent­we­der am 1. oder 23. Sep­tem­ber 2022. 

Es wäre jedoch falsch zu glau­ben, dass mit der kal­ten Jah­res­hälf­te auch die Sorg­lo­sig­keit zurück­kommt. Und damit mei­ne ich gar nicht die stei­gen­den Heiz­kos­ten, die nicht nur auf den Kon­to­stand, son­dern auch aufs Gemüt schla­gen. Schließ­lich ist die Coro­na­pan­de­mie immer noch nicht vor­bei, die Wochen­in­zi­denz ist wei­ter­hin extrem hoch (sie­he Coro­na-Update unten), und unge­fähr ein Vier­tel der Men­schen in Deutsch­land hat sich noch kein ein­zi­ges Mal imp­fen las­sen.

Wenn es wie­der kalt wird, ste­cken sich auch wie­der mehr Men­schen mit dem Coro­na­vi­rus an und je nach Schwe­re der Krank­heit kann Coro­na unser Gesund­heits­sys­tem belas­ten. Vie­les ist dabei unge­wiss, denn das Pan­de­mie­ge­sche­hen hängt auch davon ab, wel­che neu­en Vari­an­ten auf­tau­chen und wel­che Regeln wir uns für den drit­ten Coro­na­herbst geben. Vor­be­rei­ten müs­sen wir uns also. Die Fra­ge ist nur: Wie?

Drei Szenarien sind denkbar

Einen Teil der Ant­wort gibt der Exper­ten­rat der Bun­des­re­gie­rung. Er beschreibt drei mög­li­che Sze­na­ri­en für die kal­ten Mona­te 2022: 

  • Sze­na­rio I: Es taucht eine mil­de­re Omi­kron-Vari­an­te auf, die weni­ger schwe­re Krank­heits­ver­läu­fe ver­ur­sacht. Die­se neue Vari­an­te müss­te sich aber auch schnel­ler ver­brei­ten und den Immun­schutz aus­trick­sen kön­nen, den wir dank Imp­fung und Infek­ti­on mitt­ler­wei­le haben. Sonst wür­de sie sich gar nicht durch­set­zen. Wür­de die­se Vari­an­te domi­nat, bräuch­ten wir nur noch Schutz­maß­nah­men für soge­nann­te Risi­ko­grup­pen, soll­ten aber wei­ter­hin Mas­ken tra­gen, um ande­re Atem­wegs­er­re­ger fern­zu­hal­ten. Weil in den ver­gan­ge­nen Pan­de­mie­jah­ren zum Bei­spiel die Grip­pe­wel­le aus­ge­fal­len ist, wür­den Kin­der und Jugend­li­che die Infek­tio­nen sonst nach­ho­len. Eltern wür­den des­halb häu­fi­ger bei der Arbeit feh­len, weil sie sich um ihre kran­ken Kin­der küm­mern müssten.
  • Sze­na­rio II: Die Krank­heits­schwe­re, die das Coro­na­vi­rus aus­löst, bleibt gleich. Dann wür­den die Infek­tio­nen in Herbst und Win­ter wie­der zuneh­men und damit auch die Arbeits­aus­fäl­le von Berufs­tä­ti­gen. Wenn dann auch in der Inten­siv­me­di­zin stän­dig Per­so­nal fehlt, könn­te das zu Pro­ble­men füh­ren, obwohl Covid-19 die Inten­siv­sta­tio­nen im Moment nur mode­rat belas­tet. In einem sol­chen Sze­na­rio wür­den Mas­ken beim Infek­ti­ons­schutz nicht aus­rei­chen. Dann bräuch­te es auch wie­der Kontaktsperren.
  • Sze­na­rio III: Eine neu­ar­ti­ge Vari­an­te setzt sich durch, die schwe­re­re Krank­heits­ver­läu­fe ver­ur­sacht. Auch mehr­fach Geimpf­te wür­den schwer erkran­ken, vor allem wenn Risi­ko­fak­to­ren wie Alter, Schwan­ger­schaft oder Immun­sup­pres­si­on hin­zu­kom­men. Die Kran­ken­häu­ser hät­ten sehr viel zu tun, es müss­te nach­ge­impft wer­den und dafür bräuch­te man viel­leicht einen ange­pass­ten Impf­stoff. Immer­hin wür­den ande­re Atem­wegs­er­kran­kun­gen das Gesund­heits­sys­tem weni­ger stark belas­ten, weil die Mas­ken­pflicht zurück­kom­men müss­te und auch vor ande­ren Maß­nah­men kein Halt gemacht wer­den dürfte.

Auf die­se Sze­na­ri­en muss sich die Stadt Müns­ter irgend­wie vor­be­rei­ten. Aber auch hier ist viel Kaf­fee­satz­le­se­rei mit dabei. Denn wie man schon an den sehr unter­schied­li­chen Sze­na­ri­en erken­nen kann, weiß nie­mand genau, wie sich die Pan­de­mie wei­ter­ent­wi­ckelt und wel­che Vari­an­te als nächs­tes die Über­hand gewinnt.

Die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung hat ihre Coro­na­schutz­ver­ord­nung übri­gens vor­sorg­lich zunächst bis zum 25. August ver­län­gert. Ges­tern hat Bil­dungs­mi­nis­te­rin Doro­thee Fel­ler ihr Kon­zept für die Schu­len vor­ge­stellt, das vor allem auf Frei­wil­lig­keit setzt: Die Geset­zes­la­ge wür­de es zur­zeit nicht her­ge­ben, Tests oder das Tra­gen einer Mas­ke ver­pflich­tend vor­zu­schrei­ben, sag­te sie auf der Pres­se­kon­fe­renz. Die Schu­len sol­len den Eltern aber Anti­gen­schnell­tests für die Schüler:innen zur Ver­fü­gung stel­len. Fami­li­en­mi­nis­te­rin Jose­phi­ne Paul hat Ähn­li­ches geplant: Sie möch­te Kita-Kin­dern zwei Tests pro Woche bereit­stel­len. Außer­dem sol­le die Coro­na­schutz­ver­ord­nung in NRW so geän­dert wer­den, dass Kin­der mit Covid-Sym­pto­men so lan­ge von der Betreu­ung aus­ge­schlos­sen wer­den, bis ein nega­ti­ver Test vorliegt.

Fragezeichen bei der Maske

So viel zur Lan­des­po­li­tik. Wie aber berei­tet sich die Stadt Müns­ter gera­de vor? Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt teilt uns mit, dass die Koor­di­nie­ren­de Covid-Impf­ein­heit, das Gesund­heits­amt und eini­ge Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen an einem Kon­zept arbei­ten. Dabei gehe es unter ande­rem ums Imp­fen: Die Impf­stel­le im Jovel wer­de frü­her aus der Som­mer­pau­se zurück­ge­holt, dane­ben sol­le es mobi­le Ange­bo­te in den Stadt­tei­len geben.

Das Pfle­ge­ma­nage­ment sei in den Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men der Stadt inzwi­schen ein­ge­spielt, schreibt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt. Ein Pro­blem für die Gesund­heits­ver­sor­gung sei­en aber immer wie­der Per­so­nal­eng­päs­se gewe­sen. Die Stadt habe daher „dank­bar die Nach­richt vom Ende des Streiks in den Uni-Kli­ni­ken in NRW zur Kennt­nis genommen“.

Der Streik ist aller­dings nicht unbe­dingt die Haupt­ur­sa­che für Per­so­nal­eng­päs­se gewe­sen. Auch krank­heits­be­ding­te Aus­fäl­le sind immer wie­der ein Pro­blem. An die­ser Stel­le noch ein­mal kurz zur Lan­des­po­li­tik: Ges­tern teil­te NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann mit, dass er die Impf­pflicht für Pfle­ge­kräf­te auf den Prüf­stand stel­len will, weil die Imp­fung die Anste­ckung nicht verhindere.

Es gibt aber eine sehr ein­fa­che Metho­de, Infek­tio­nen zu ver­hin­dern: die Wie­der­ein­füh­rung der Mas­ken­pflicht. Allein die FFP2-Mas­ke senkt das Risi­ko, sich mit dem Coro­na­vi­rus anzu­ste­cken, auf nahe­zu null. Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt schreibt, dass die Mas­ken­pflicht in Geschäf­ten oder in der Innen­stadt aller­dings bis­lang noch kein The­ma im Schutz­kon­zept für den Herbst sei.

Zur­zeit gilt die Mas­ken­pflicht fast nir­gend­wo in Nord­rhein-West­fa­len. Geschäf­te und Knei­pen kön­nen das Tra­gen einer Mas­ke im Moment selbst per Haus­recht anord­nen. Eine all­ge­mei­ne Pflicht zum Tra­gen einer Mas­ke kann nur lokal begrenzt wie­der ein­ge­führt wer­den: Eine Stadt wie Müns­ter müss­te sich dazu auf die soge­nann­te Hot­spot-Rege­lung beru­fen. Städ­te oder Krei­se gel­ten dann als Hot­spot, wenn sich dort eine gefähr­li­che Coro­na­va­ri­an­te durch­setzt oder die Kran­ken­häu­ser über­lau­fen. Ob das zutrifft, ent­schei­det der Land­tag. Erst wenn Müns­ter zum Hot­spot erklärt wird, könn­te die Stadt die Mas­ke wie­der anordnen.

Gelbes Licht an der Uniklinik

An der Uni­kli­nik ist das anders. Dort gel­ten nach wie vor stren­ge Regeln für Besucher:innen und zu Beginn der Coro­na­kri­se hat man Plä­ne ent­wi­ckelt, die auf die ver­schie­de­nen Pan­de­mie­si­tua­tio­nen reagie­ren. Zur­zeit ste­he die­ser vier­stu­fi­ge Kri­sen­plan auf der Warn­stu­fe Gelb, sagt die Uni­kli­nik-Spre­che­rin Anja Wen­gen­roth. Danach wür­den noch die Stu­fen Oran­ge und Rot kom­men, davor gebe es noch den grü­nen Normalmodus.

Wor­an genau sich die ein­zel­nen Stu­fen ori­en­tie­ren und was sie für den Kli­nik­all­tag bedeu­ten, sei­en inter­ne Infor­ma­tio­nen, sagt Wen­gen­roth. Als Bei­spiel nennt sie aller­dings die Aus­las­tung auf den Inten­siv­sta­tio­nen. Wenn Ende des Jah­res die Zahl der Intensivpatient:innen wie­der zuneh­me, könn­te die Uni­kli­nik in eine höhe­re Kri­sen­stu­fe rut­schen. Bis­her sei die pan­de­mi­sche Lage aber noch nie so sehr eska­liert, dass der Kri­sen­mo­dus Rot in Kraft getre­ten sei, sagt Wengenroth.

Die Stadt hofft, dass sie mit den Imp­fun­gen einen Bei­trag für einen ruhi­gen Coro­na­herbst leis­ten kann. Die Impf­quo­te sei in Müns­ter sehr hoch, schreibt das Pres­se­amt. Das hat das Robert-Koch-Insti­tut kürz­lich nach­ge­rech­net. Die Quo­te der Zweit­imp­fun­gen lag dem­nach am 31. Dezem­ber 2021 in Müns­ter bei fast 76 Pro­zent. Das ent­spricht dem der­zei­ti­gen Bun­des­durch­schnitt.

Aber nicht nur das Imp­fen tra­ge zum Immun­schutz bei, schreibt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt. Auch hät­ten schon vie­le Men­schen in Müns­ter eine Covid-19-Infek­ti­on durch­ge­macht. Laut offi­zi­el­len Zah­len liegt die Infek­ti­ons­ra­te bei über 35 Pro­zent. In Wahr­heit dürf­te sie aber noch höher lie­gen: Die Dun­kel­zif­fer bei der Inzi­denz ist hoch, weil nur posi­ti­ve PCR-Test in die Sta­tis­tik ein­flie­ßen. (sfo)

Kor­rek­tur­hin­weis: In einer frü­he­ren Ver­si­on des Briefs haben wir den Ein­druck erweckt, in den Schu­len wür­de es kei­ne Schnell­tests mehr geben, in den Kitas aber schon. Tat­säch­lich bekom­men die Eltern für ihre Kin­der wei­ter­hin Schnell­tests gestellt. Wir haben die miss­ver­ständ­li­che For­mu­lie­rung klargestellt.

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Korrekturen

Im RUMS-Brief am Diens­tag schrie­ben wir in der Bild­un­ter­schrift zum Car­toon aus Ver­se­hen von der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft, die gera­de in Eng­land läuft. In Wirk­lich­keit läuft natür­lich die Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft. Ent­schul­di­gung, das sind die Emotionen. 

Außer­dem schrie­ben wir im Text über den Glas­fa­ser­aus­bau, der Zeit­plan vom Juni ver­gan­ge­nen Jah­res auf der Sei­te der Stadt stim­me nicht mehr. Der Zeit­plan ist zwar immer noch online und bei Goog­le zu fin­den. So waren wir drauf gesto­ßen. Aber auf der Web­site hat die Stadt den Plan inzwi­schen aktua­li­siert. Den aktu­el­len Plan haben wir im Text ver­linkt. (rhe)

Corona-Update

+++ Drei Mona­te nach einer Coro­na-Infek­ti­on haben Men­schen deut­lich häu­fi­ger Atem­wegs­sym­pto­me sowie bestimm­te psy­chi­sche und kogni­ti­ve Pro­ble­me. Das hat ein For­schungs­team der Uni­ver­si­tät von Bir­ming­ham in einer Stu­die zu Long Covid her­aus­ge­fun­den, berich­tet unter ande­rem die Frank­fur­ter Rund­schau. Das Team hat die Daten von 2,4 Mil­lio­nen Men­schen in Groß­bri­tan­ni­en unter­sucht. Ins­ge­samt fan­den sie 62 Sym­pto­me, die bei Coro­na­in­fi­zier­ten spä­ter häu­fi­ger auf­tre­ten, zum Bei­spiel Fati­gue, Atem­lo­sig­keit und kogni­ti­ve Lei­den wie Ver­gess­lich­keit. (rhe)

+++ Ein Blick auf die Zah­len: Seit ges­tern hat die Stadt nach eige­nen Anga­ben 250 Neu­in­fek­tio­nen regis­triert. Die Inzi­denz bewegt sich wei­ter bei knapp über 500 (Infek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche). Für Müns­ter bedeu­tet das: über 1.500 Neu­in­fek­tio­nen inner­halb der ver­gan­ge­nen sie­ben Tage. In die­ser Woche sind laut Stadt zudem zwei wei­te­re Men­schen an oder mit Coro­na gestor­ben. Die Zahl der Coro­na­to­ten in Müns­ter steigt damit auf 222. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Das Per­so­nal der Ham­bur­ger Super­bio­markt-Filia­le ist sau­er auf Fir­men­grün­der Micha­el Radau aus Müns­ter, weil sie erst spät erfah­ren haben, dass der Markt zum Monats­en­de schließt und weil sie noch immer auf ihr Geld war­ten. (WDR)

+++ Nach­dem die lin­ke Müns­ter­lis­te mehr Bezirks­par­la­men­te und die etwas libe­ra­le­re Par­tei Volt eine schlan­ke­re Struk­tur mit weni­ger sub­lo­ka­len Ver­tre­tun­gen gefor­dert hat, möch­te die CDU – wie von einer kon­ser­va­ti­ven Par­tei zu erwar­ten – dass alles so bleibt, wie es ist. (CDU Müns­ter)

+++ Zwi­schen dem Kobur­ger Weg und dem Ger­ma­nia Cam­pus sol­len 120 Woh­nun­gen für Stu­die­ren­de und 30 bis 40 Park­plät­ze ent­ste­hen. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Ab Mon­tag fah­ren bis zum 25. Sep­tem­ber eini­ge Rik­schas durch die Innen­stadt. (Alles Müns­ter)

+++ Die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung will aus dem Zen­trum für Isla­mi­sche Theo­lo­gie der Uni Müns­ter die ers­te Fakul­tät für Isla­mi­sche Theo­lo­gie in West­eu­ro­pa machen. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Poli­zei Müns­ter nimmt deut­lich mehr Anzei­gen wegen Dieb­stäh­len aus par­ken­den Autos auf als im ver­gan­ge­nen Jahr. (Poli­zei Müns­ter)

+++ Laut der Gewerk­schaft NGG ver­lie­ren die Haus­hal­te in Müns­ter die­ses Jahr 162,6 Mil­lio­nen Euro Kauf­kraft – vor­aus­ge­setzt, an der Infla­ti­on ändert sich nichts. (NGG Müns­ter­land)

+++ Die Stadt­wer­ke Müns­ter machen einen Gewinn von 8,2 Mil­lio­nen Euro und müs­sen davon wie üblich 6,5 Mil­lio­nen Euro der Stadt geben. (Stadt­wer­ke Müns­ter)

+++ In Indus­trie und Han­del hat sich der Aus­bil­dungs­markt leicht erholt. (IHK Nord West­fa­len)

+++ Im Hand­werk sind kurz vor Aus­bil­dungs­be­ginn vie­le Stel­len noch frei. (Hand­werks­kam­mer Müns­ter)

+++ Wer sich jetzt noch für eine Aus­bil­dung ent­schei­det, hat im Gebiet der Arbeits­agen­tur Ahlen-Müns­ter die Wahl aus über 1.400 offe­nen Stel­len. (Agen­tur für Arbeit Ahlen-Müns­ter)

+++ Die Arbeits­lo­sig­keit in Müns­ter ist im Ver­gleich zum ver­gan­ge­nen Jahr zurück­ge­gan­gen. (Arbeits­agen­tur Ahlen-Müns­ter)

+++ Wer sich am Fon­tä­nen­feld im Süd­park abküh­len möch­te, muss wegen bevor­ste­hen­der War­tungs­ar­bei­ten, ähm, war­ten. (Stadt Müns­ter)

+++ Nach der Repa­ra­tur der Was­ser­auf­be­rei­tungs­an­la­ge ist das Hil­tru­per Frei­bad wie­der geöff­net. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Der Maxi-Turm in der Innen­stadt öff­net nach der Som­mer­pau­se wie­der. (Stadt Müns­ter)

+++ Das Online­ma­ga­zin Per­spec­ti­ve Dai­ly aus Müns­ter ist noch knapp 500 Mit­glie­der von sei­ner Ret­tung ent­fernt. (Per­spec­ti­ve Dai­ly)

+++ Das Insti­tut für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft der Uni Müns­ter sucht nach Proband:innen für eine Stu­die, in der es dar­um geht, wie Nach­rich­ten wir­ken. (Uni Müns­ter)

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Schräg gegen­über der Apos­tel­kir­che fin­den Sie in der Neu­brü­cken­stra­ße in einem ziem­lich unauf­fäl­li­gen Laden­lo­kal eines der bes­ten Sushi-Restau­rants Müns­ters: Muwa Sushi. Ob vor Ort im geschmack­voll ein­ge­rich­te­ten Lokal oder zum Abho­len oder Lie­fern – die frisch geroll­ten Sushi-Spe­zia­li­tä­ten schme­cken über­all vor­züg­lich. Beson­ders emp­feh­lens­wert sind die Dra­gon Rolls oder - von der vege­ta­ri­schen Kar­te - Spi­cy Kap­pa­vo. Für uns auch ein Geheim­tipp für die Mit­tags­pau­se, denn Muwa Sushi ist nur ein paar Schrit­te vom RUMS-Büro ent­fernt. Eine abwechs­lungs­rei­che Mit­tags­kar­te gibt es auch. 

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen 

Eva Strehlke hat heu­te die Tipps für Sie zusam­men­ge­stellt. Bis auf eine Emp­feh­lung, die steht am Schluss und kommt von mir:

+++ Jeden Frei­tag in den Som­mer­fe­ri­en (also noch heu­te und nächs­te Woche) lädt das 1648 über den Dächern Müns­ters ab 18.30 Uhr zur Sum­mer After Work Lounge ein – mit lecke­ren Cock­tails, die aus müns­ter­schen Zuta­ten gemixt werden.

+++ Ges­tern star­te­te das Zelt­fes­ti­val im Kul­tur­quar­tier Müns­ter (zwi­schen Coer­de und Mari­en­dorf) mit einem Kon­zert. Noch bis zum 5. August geht es wei­ter mit Lesun­gen, Thea­ter und noch mehr Kon­zer­ten. Mor­gen wird sogar Geburts­tag gefei­ert: Dann gibt es das Kul­tur­quar­tier schon fünf Jah­re. Das vol­le Pro­gramm fin­den Sie auf der Web­site.

+++ Vor ein paar Wochen haben wir schon ein­mal auf das Zukunfts­di­plom für Kin­der hin­ge­wie­sen: vie­le span­nen­de Kur­se der Volks­hoch­schu­le rund um das The­ma Nach­hal­tig­keit. Seit­dem sind noch vie­le Ange­bo­te hin­zu­ge­kom­men, bis in den Okto­ber hin­ein, und fast über­all sind noch Plät­ze frei. Für 10 Euro kön­nen Sie Ihr Kind hier im Haupt­kurs anmel­den und dann aus dem viel­fäl­ti­gen Pro­gramm belie­big wäh­len. Geschwis­ter neh­men übri­gens kos­ten­los teil.

+++ Über die Sport­art Polo lässt sich strei­ten, doch das Polo­pick­nick in Müns­ter hat Tra­di­ti­on. Nach zwei Jah­ren unfrei­wil­li­ger Pau­se ist es am Wochen­en­de wie­der so weit. Sportler:innen und Schau­lus­ti­ge tref­fen sich auf dem Hug­er­lands­hof an der Werse. Tickets bekom­men Sie hier, einen Ein­druck vom Spek­ta­kel kön­nen Sie sich vor­ab im Foto-Archiv machen. 

+++ Es ist ein Ever­green der Fra­gen, die uns alle beschäf­ti­gen: Ist da noch wer? Oder wie es das Pla­ne­ta­ri­um for­mu­liert: EXO – sind wir allein im All? Kar­ten für die­se und wei­te­re Vor­stel­lun­gen am Sonn­tag gibt es online im Ticket­shop des LWL Natur­kun­de­mu­se­ums.

+++ Wuss­ten Sie, dass die Part­ner­stadt von Soest in West­fa­len auch Soest heißt? Die liegt in den Nie­der­lan­den zwi­schen Amers­fo­ort und Utrecht und hat fast genau­so vie­le Einwohner:innen wie das deut­sche Soest. Man­che von ihnen malen sehr ger­ne und sehr gut und des­halb stellt das Zen­trum für Nie­der­lan­de-Stu­di­en jetzt eini­ge Kunst­wer­ke in der klei­nen, aber abwechs­lungs­rei­chen Aus­stel­lung Ver­knopen – Ver­knüp­fun­gen aus. Bis zum 7. August kön­nen Sie sich die Gemäl­de und Skulp­tu­ren noch im Krame­ramts­haus hin­ter der Lam­ber­ti­kir­che angu­cken. Der Ein­tritt ist frei und geöff­net hat die Aus­stel­lung unter der Woche zwi­schen 12 und 18 Uhr, am Wochen­en­de von 10 bis 16 Uhr.

Am Diens­tag bekom­men Sie noch ein­mal Post von mir. Ich wün­sche Ihnen ein erhol­sa­mes Wochenende.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Jan Gro­ße Nobis, Ralf Hei­mann, Eva Strehlke
Lek­to­rat: Eva Strehlke

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PS

Lan­ge bevor in der Salz­stra­ße 61 ein ita­lie­ni­sches Bis­tro ein­zog, um dort Pani­ni, Piz­zen und Cap­puc­ci­no zu ser­vie­ren, gehör­te das Geschäft Ben­ja­min Cohen. Der Kauf­mann aus Kre­feld kam 1897 nach Müns­ter, um hier als Inha­ber eines Spe­zi­al­ge­schäf­tes Sei­den­tü­cher zu ver­kau­fen. Im Ers­ten Welt­krieg kämpf­te Cohen an der Front, erhielt einen Ehren­or­den für sei­nen Ein­satz und muss­te in der Welt­wirt­schafts­kri­se sein Geschäft in der Salz­stra­ße auf­ge­ben. Dann kamen die Nazis an die Macht. Nach dem Pogrom im Jahr 1938 durf­te Beja­min Cohen sei­ne neue Tätig­keit als Ver­tre­ter nicht mehr aus­üben, weil er Jude war. 1942 wur­de er ins Juden­haus am Kano­nen­gra­ben 4 umge­sie­delt und am 31. Juli ins Alters­ghet­to nach The­re­si­en­stadt depor­tiert. Dort starb Cohen sechs Wochen spä­ter wegen der furcht­ba­ren Lebens­um­stän­de im Lager. Er wur­de 72 Jah­re alt. An die­sem Sonn­tag jährt sich die Depor­ta­ti­on der müns­ter­län­di­schen Jüd:innen ins Alters­ghet­to The­re­si­en­stadt zum acht­zigs­ten Mal. Es war der Tag, an dem „die jüdi­sche Gemein­de in Müns­ter aus­ge­löscht“ wur­de. Vie­le Stol­per­stei­ne in der Stadt erin­nern an die Men­schen, die von den Nazis ermor­det wur­den. Einer davon gehört zu Ben­ja­min Cohen. Er liegt in der Ham­mer Stra­ße 101. Die Lebens­ge­schich­ten der Men­schen, denen die Stol­per­stei­ne gehö­ren, hat die Vil­la ten Hom­pel gesam­melt. Sie kön­nen sie in einer App nach­le­sen. Zu fin­den ist die­se App im Goog­le Play Store und im Apple Store.