Alle Jahre wieder: Weihnachtsmärkte im Münsterland | Unbezahlte Werbung: Johanniter-Weihnachtstrucker

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

Münster, 8. Dezember 2023

in meinen Redaktionspraktika und während meines Volontariats habe ich ziemlich oft zu hören bekommen, wie man zu schreiben hat und wie nicht (an dieser Stelle hätte ich auf meinem zum Korrekturlesen häufig ausgedruckten Text übrigens schon den ersten Kommentar gefunden, denn das Wörtchen „man“ liest man dort meistens nicht so gern). Irgendwann habe ich dann festgestellt: An all diese vermeintlichen Schreibregeln kann sich einfach niemand halten. Und fortan irgendwie versucht, zu verinnerlichen, was mir gefällt und alles andere wieder zu vergessen.

Einig sind sich Journalist:innen allerdings in diesem Punkt: Floskeln gehören nicht in journalistische Texte. Aber ganz ehrlich: Versuchen Sie mal, über Weihnachtsmärkte zu berichten, ohne nicht mindestens „Jung und Alt“, „für alle ist etwas dabei“ oder „der Glühwein dampft, das Wetter passt“ zu schreiben.

Meine Erfahrung: Sowas schreiben Journalist:innen, wenn es eigentlich nicht so viel Neues zu berichten gibt. Aber irgendwie muss man ja noch den weißen Fleck auf der Seite füllen. Und überhaupt, man hat ja immer schon über sämtliche Weihnachtsmärkte in der Region berichtet. Das kann man mit der Chronistenpflicht einer Tageszeitung begründen. Trotzdem stelle ich mir die Frage: Was und wie viel davon braucht es, um ihr nachzukommen?

Da das traditionelle Lokalmedium in der Region die Westfälischen Nachrichten sind, übernehmen sie diese Aufgabe. Rund um die Weihnachtsmarkt-Berichterstattung geht es erst einmal darum, die Leute auf das, was kommt, gut vorzubereiten. Hier ist also die Karte mit allen Weihnachtsmärkten im Münsterland, und hier finden Sie Antworten auf Ihre drängendsten Fragen zu Münsters Weihnachtsmärkten. Etwa: „Wird wieder eine große Weihnachtstanne aufgestellt?“

Um sicherzugehen, dass Sie mitbekommen haben, dass Sie die Weihnachtsmärkte in Münster ab sofort besuchen können, prosten Ihnen am Tag nach der Eröffnung fünf Menschen mit Glühwein in der Hand von der Titelseite aus zu. Im Lokalteil werden Sie noch einmal daran erinnert – mit zwei Berichten und vier Fotos, die fast die komplette Seite 1 ausfüllen. Der WDR schaltet sich ebenfalls kurz ein mit einem Bericht in der Lokalzeit.

Wenn dann auch noch etwas Aufregendes passiert, nennt man das Reporter:innenglück. Das muss nichts Gutes sein. Aber eben etwas, das sich von dem abhebt, was sonst los ist. Zum Beispiel, wenn Eisplatten vom Stadthaus 1 fallen, während auf dem Syndikatplatz und der Heinrich-Brüning-Straße Weihnachtsmarktbuden stehen.

Keine Frage, das kann richtig gefährlich sein und eine Berichterstattung ist absolut sinnvoll. Eine Frage ist hingegen, wie ausführlich die sein muss. In diesem Fall war es so, dass das Umfeld für einige Stunden gesperrt wurde. Der Budenverkauf war in dem Zeitraum nicht möglich. Die Feuerwehr, eine Fachfirma und das Ordnungsamt haben dafür gesorgt, dass die Platten sicher vom Dach kommen. Niemand wurde verletzt. Am Nachmittag war wieder alles beim Alten.

Weitere Fragen, die man sich stellen kann: Welche Informationen brauchen meine Leser:innen, um gut über eine außergewöhnliche Situation Bescheid zu wissen? Welche nicht? Was lösen Formulierungen wie „Stunden des bangen Wartens“ und „Bedrohungen aus der Höhe“ in ihnen aus? Braucht es ein Video, das keine zusätzlichen Informationen zum Text bietet? Und wie viele „offene Fragen“ gibt es tatsächlich am Tag nach diesem Einsatz? Sind die eine erneute Berichterstattung wert?

Und dann war da ja noch die Sache mit dem geplanten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Leverkusen und die Räumung in Göppingen. Das ist der Moment, in dem wir Lokaljournalist:innen Geschehnisse gerne „lokal runterbrechen“. Also auch mal bei uns in der Ecke nachfragen, wie es um die Weihnachtsmarkt-Sicherheit steht. Bei der Polizei und auch noch bei den Besucher:innen, sicherheitshalber. Quintessenz: Kein Grund zur Sorge auf Münsters Weihnachtsmärkten.

Gut, hätten wir das auch geklärt. Zeit für ein Zwischenfazit. Wie gut laufen die Weihnachtsmärkte in Münster?

Sie haben vielleicht gemerkt: Mir persönlich ist das einfach ein bisschen zu viel Weihnachtsmarkt-Content. Allerdings ist es meiner Erfahrung nach ein größeres Problem, dass die Produktion dieser Inhalte Arbeitskraft bindet. Für jede „Der Markt ist eröffnet“-Berichterstattung fährt mindestens eine Person dorthin, manchmal noch zusätzlich ein:e Fotograf:in. Dann müssen der Text geschrieben und die Fotos ausgewählt werden, meistens unter Zeitdruck.

Gleichzeitig ist Personal eher rar. In den Redaktionen sowieso, und diejenigen, die freiberuflich für lokale Medien schreiben, müssen sich das leisten können – reich werden sie damit nicht. Und weil ja gerade alle damit beschäftigt sind, Weihnachtsmärkte abzuklappern, bleibt schlicht wenig Zeit für ausführliche Recherchen zu anderen Themen.

Und trotzdem wünsche ich Ihnen natürlich, dass Sie Ihren Weihnachtsmarktbesuch genießen. Trinken Sie Punsch und Glühwein, essen Sie all die Leckereien, verbringen Sie schöne Stunden mit Ihren Lieben. Alles, was Sie über Weihnachtsmärkte in der Region wissen müssen, bietet Ihnen diese Schlagzeile der Münsterschen Zeitung: „Es ist einmalig hier, wie immer“. (sst)


Ein-Satz-Zentrale

+++ Am Donnerstag wird an der Kerkerinckstraße im Geistviertel im Boden nach etwas gegraben, das nach einem Blindgänger aussieht. (Stadt Münster)

+++ Das Verwaltungsgericht hat heute entschieden, dass Nuradi A., der den trans Mann Malte C. beim Christopher-Street-Day 2022 in Münster tödlich verletzt hat, abgeschoben werden darf. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadtverwaltung, die Bürgerbüros, die Stadthäuser, das Stadtmuseum, die Bäder und die Büchereien machen vom 27. bis zum 29. Dezember Weihnachtspause. (Stadt Münster)

+++ Das Außengelände der Handorfer Kita Eichenaue bekommt in den nächsten Wochen einheimische Gehölze und Blühwiesen. (Stadt Münster)

+++ Der Finanzausschuss hat einen Antrag der FDP abgenickt, damit die Stadt den Weg zum Schulschwimmen weiter bezahlt. (FDP Münster)

+++ Das Zentrenmanagement hat einen neuen Arbeitskreis gegründet, in dem sich alle Eigentümer:innen von Gewerbeimmobilien in der Altstadt für ein Gastronomie- und Handelskonzept austauschen können. (Stadt Münster)

+++ Die CDU-Fraktion möchte mehr Geld in das „Turnier der Sieger“ und den Mühlenhof stecken als in „linkes Gedöns“. (CDU-Fraktion)

+++ Die CDU-Fraktion kritisiert, dass der Integrationsverein „Afaq“ Fördergeld von der Stadt beantragt hat. (CDU-Fraktion)

+++ Bei der Polizei Münster wurden dieses Jahr 118 Fälle zur Anzeige gebracht, bei denen Menschen mit ihren Nacktfotos erpresst wurden, die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen. (Polizei Münster)

+++ Das Oberlandesgericht Hamm hat die Auslieferung des mutmaßlichen Mafioso Francesco A. aus Hiltrup nach Italien abgelehnt, da die italienischen Behörden sich nicht zurückgemeldet haben. (Münstersche Volkszeitung)

+++ Das Studierendenradio „Radio Q“ ist in sechs Kategorien für den Campusradiopreis der Landesanstalt für Medien nominiert. (Westfälische Nachrichten)

+++ Ursula Paschke, die ehemalige Geschäftsführerin der Halle Münsterland, ist jetzt Mitglied im Preußen-Präsidium. (Preußen Münster)

+++ Auch 2024 soll es wieder eine Westfälische Friedenskonferenz geben. (Stadt Münster)

Unbezahlte Werbung

Der Advent ist auch immer die Zeit der Hilfsbereitschaft. Eine Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen, sind die Johanniter-Weihnachtstrucker: Seit dreißig Jahren werden in der Vorweihnachtszeit Hilfspakete für Menschen in Not gepackt, die in Südosteuropa oder Deutschland verteilt werden. Falls Sie etwas beisteuern wollen, können Sie ein Geschenk mit diesem Inhalt packen und bis nächsten Freitag an einer der drei Abgabestellen in Münster vorbeibringen. Sie können aber auch ein virtuelles Päckchen packen, das von den Weihnachtstruckern zu notleidenden Menschen gebracht wird.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Fabian Cohrs hat heute für Sie recherchiert, was am Wochenende alles in Münster so los ist:

+++ Heute Abend ist wieder langer Freitag. Ab 18 Uhr ist der Eintritt ins LWL-Museum am Domplatz frei, wieder mit musikalischem Begleitprogramm im Foyer. Im Halbstundentakt werden auch Führungen durch die Sonderausstellung „Nudes“ angeboten. Sie können sich aber auch von einer neuen App durch die Ausstellung manövrieren lassen. Wenn Sie lieber mit der Kuratorin durch die „Nudes“-Ausstellung spazieren wollen, kommen Sie am Mittwoch ins Museum. Sie bietet um 17 Uhr eine Führung an.

+++ Die Volleyball-Spielerinnen des USC Münster treten morgen gegen ihre Kontrahentinnen aus Vilsbiburg an. Das Bundesligamatch beginnt um 19:30 Uhr, Eintritt zur Sporthalle Berg Fidel ist ab 18 Uhr. Karten gibt es hier.

+++ Morgen Abend treten „Die Lieferanten“ in der Sputnikhalle am Hawerkamp auf. Die Band aus Münster spielt Pop mit Funk-Einflüssen. In den Liedern geht es um Liebe, Vergänglichkeit und das Leben, aufgelockert mit ein bisschen Humor. Karten gibt es hier für 21,50 Euro. Beginn ist um 20 Uhr.

+++ Wenn Sie lieber selbst singen wollen, kommen Sie am Sonntag um 16:30 Uhr zum Rudelsingen auf den Domplatz. Eine Stunde lang können Sie mit anderen Leuten diverse Weihnachtslieder zum Besten geben.

+++ Der Schauspieler Christoph Tiemann liest am Sonntagvormittag „Geschichten und Erinnerungen aus dem alten Münster“ vor. Die Lesung gehört zu einem Lichtbildvortrag im Schlosstheater, der um 11 Uhr losgeht. Karten kosten 12 Euro.

Und was steht sonst noch so im RUMS-Brief?

Früher hat sie in der Versicherungsbranche gearbeitet, heute bietet sie Sexarbeit an: Baroness Babalon bezeichnet sich selbst als „dickste Domina Deutschlands“. Einige ihrer Kunden kommen aus Münster. Laila Sieber von der Reportageschule Reutlingen hat die Frau getroffen und mit ihr gesprochen. Merle Trautwein hat Baroness Babalon außerdem auf der Sexmesse „Venus“ fotografiert.

Außerdem: SPD, Grüne, Volt und die Internationale Fraktion wollen, dass der Busverkehr geschmeidiger läuft in Münster. Sie haben deswegen ein paar Anträge vorgestellt. Wir haben zusammengefasst, was sie ändern wollen.

Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier

Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Imke Noetzel (ino)
Lektorat: Antonia Strotmann

PS

Eigentlich berichten wir ja nicht darüber, wenn jemand einen Preis erhalten hat. In diesem Fall freuen wir uns allerdings wirklich sehr: Es geht um Sigrid März, sie hat für RUMS den Text „Kidane und Herr Schweitzer“ geschrieben. Damit hat sie gestern Abend Platz 2 beim Medienpreis Münsterland belegt. Sie war mit diesem Text schon einmal nominiert für den Theodor-Wolff-Preis (der ist wirklich sehr renommiert). Der Text handelt von, nun ja, Kidane und Herrn Schweitzer. Und von Kindheit in Coerde, Bildungschancen und einer Fluchtgeschichte. Lesen Sie mal rein, falls Sie ihn noch nicht kennen. Wir sagen herzlichen Glückwunsch!

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