Die erste RUMS-Revue – wir bringen Journalismus auf die Bühne

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

in sechs Jahren haben wir gelernt, dass es bei RUMS nicht nur darum geht, verlässliche Informationen zu liefern. Das ist ein wichtiger Teil. Nur wenn man sich auf das, was wir schreiben, verlassen kann, werden Sie unsere Newsletter lesen. Doch das allein reicht nicht aus.

Als ein lokales Medium noch zwingend eine Zeitung sein musste, haben Verlage nicht auf Papier gedruckte Wörter verkauft, sondern etwas Emotionales: eine tägliche Gewohnheit, einen Moment der Entspannung, das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun – und mit dem Zurseitelegen der Zeitung das Gefühl, informiert zu sein.

Ein Newsletter raschelt nicht. Man kann ihn nicht falten, aber auch er ist mehr als die Buchstaben, aus denen er besteht: das Versprechen, Dinge zu finden, nach denen man gar nicht gesucht hatte. Das gute Gefühl, sich bestätigt zu sehen. Und aus dem aufwühlenden Gefühl, zu wissen, dass es in Wirklichkeit anders ist. Man ärgert sich, man regt sich auf. Im besten Fall fühlt man sich verbunden.

Das ist das, was in der Gesellschaft immer öfter fehlt. Es gibt nicht mehr die eine Öffentlichkeit, sondern viele verschiedene und verschlossene Öffentlichkeiten, zu denen Menschen, die im gleichen Haus leben, oft keinen Zugang haben. Kannten Sie zum Beispiel Bad Bunny, den puerto-ricanischen Rapper, der neulich beim amerikanischen Super Bowl in der Halbzeitshow auftrat? Er ist einer der größten lebenden Popstars. In Deutschland hörten viele seinen Namen zum ersten Mal.

Lokale Medien sind Resonanzräume

Dieses Phänomen gibt es auch in Münster. Menschen, von denen man denkt: Die kennt doch jeder. Aber dann stellt sich heraus: Die eigene Tochter hat den Namen Götz Alsmann noch nie gehört. Wo denn? Bei Tiktok? Auch mit RUMS ist das ein bisschen so. Nach sechs Jahren treffen wir immer noch Menschen, die nicht wussten, dass es uns gibt.

Gleichzeitig gibt es andere Menschen, die uns schreiben, uns Rückmeldungen geben, zu denen sich eine Verbindung ergeben hat, auch wenn wir wenig voneinander wissen.

Wenn einmal im Jahr die Reportageschule nach Münster kommt, reicht eine E-Mail – und plötzlich bieten viele Menschen Unterkünfte an, Fahrräder, Hilfe. Meist mehr, als wir brauchen. Aber einfach so. Weil da ein Band entstanden ist, das über die Informationen in den Newslettern hinausgeht.

Lokale Medien sind mehr als Nachrichtenquellen. Sie sind Resonanzräume. Orte, an denen man merkt: Andere sehen diese Stadt ähnlich. Oder ganz anders. Beides ist wichtig.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass viele Menschen nicht mehr einfach nur Texte lesen wollen, sondern mehr: Lesungen, Gespräche, offene Formate.

Der Berliner Tagesspiegel Checkpoint hat das vorgemacht und eine Revue auf die Bühne gebracht. In Düsseldorf organisiert VierNull regelmäßig Abende, an denen Journalismus live zu sehen ist. In Konstanz finden bei karla Gespräche, offene Sprechstunden oder Abende im Viertel statt. Keine großen Shows, eher Begegnungen. Menschen kommen zusammen, reden, hören zu. Es entsteht etwas, das man schwer messen kann, aber sofort spürt: ein Wir.

Svenja Schilling zitiert in dieser Woche in einem Correctiv-Newsletter über aktuelle Medientrends den Journalistik-Professor Klaus Meier, der sagt: „Die Zukunft des Journalismus liege darin, Menschen zu verbinden, Communities zu schaffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“ Medien müssten Räume für offenen Dialog bieten.

Nach unserer Lesung mit Klaus Brinkbäumer im November kamen Menschen zu uns, die sagten: Das war so ein schönes Erlebnis. Und wenn man zusammen etwas erlebt, dann entsteht Nähe. Aus Nähe wird Vertrauen, und das ist die Voraussetzung für Journalismus.

Ein Abend über die Stadt

RUMS ist längst nicht mehr nur ein Newsletter. Wir machen Podcasts, Gespräche, Lesungen. Und jetzt kommt noch etwas.

Am 30. März bringen wir Journalismus auf die Bühne. Im Wolfgang-Borchert-Theater entsteht die RUMS-Revue. Ein Abend über diese Stadt. Über das, was war. Über das, was gerade passiert. Und darüber, wie Lokaljournalismus funktioniert – ohne Autorisierungen, Schnitte oder die Korrekturtaste.

Mit dabei ist die Comedienne Lisa Feller. Mit ihr schauen wir auf die letzten Wochen: Was war los in Münster? Was war absurd? Was war typisch? Was hat genervt – und was war komisch, obwohl es das eigentlich nicht hätte sein sollen?

Wir sprechen mit Tanja Weidner, der Intendantin des Wolfgang-Borchert-Theaters, und mit Konrad Haller vom Kleinen Bühnenboden über Kunst in Krisenzeiten – über die Frage, warum Theater gerade jetzt wichtig ist.

Zu Gast ist Ann Judith Lienemann von der Wilden Rauke, einem solidarischen Landwirtschaftsprojekt. Menschen zahlen, was sie können – und wissen nicht genau, was sie dafür bekommen. Es geht nicht nur um Gemüse. Es geht um Verantwortung. Um Vertrauen. Um Gemeinschaft.

Und wir sprechen über die katholische Kirche. Fast ein Jahr lang haben wir recherchiert, warum der Bischof seinen Kanzler abberufen hat. Noch spannender als die offizielle Begründung, die wir hörten, waren die Machtstrukturen, auf die wir gestoßen sind. Ein Kollegengespräch über Recherche, Widerstände – und darüber, was man unterwegs lernt.

Und natürlich soll der Abend auch Spaß machen. Sie sollen etwas zu lachen haben. Glücklicherweise gibt der Lokaljournalismus da eine Menge her. Wir sprechen über die seltsamen Mechaniken hinter Zeitungsmeldungen, über Bratwurst-Journalismus, Leserbriefe, Kuriositäten und, ach herrje, auch über unsere eigenen Fehler.

Haben Sie Lust, mit dabei zu sein? Am 30. März, einem Montag, im Wolfgang-Borchert-Theater? Dann fehlt Ihnen nur noch ein Ticket. Aber kein Problem: Das bekommen Sie hier.

Herzliche Grüße

Ralf Heimann

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