Ernüchternde Energiebilanz – und jetzt? | Veganer Käsekuchen bei Krimphove | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

Münster, 10. März 2023

vielleicht haben Sie schon einen Blick in die Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt geworfen. Die für 2021 ist vor einigen Tagen veröffentlicht worden (wir hatten es kurz vermeldet). Und zugegeben, viel mehr als einen Blick möchte man den ernüchternden Zahlen auch gar nicht schenken. An dieser Stelle nur so viel: Wenn Münster bis 2030 klimaneutral sein will, muss die Stadt ab 2022 jedes Jahr etwa sieben Mal so viele Emissionen einsparen wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Daran ist nichts schön zu reden, das macht der Klimabeirat in seiner Pressemitteilung zur Bilanz klar. Aber wie kommuniziert man solche Ergebnisse eigentlich, ohne Gefahr zu laufen, dass die Stadtgesellschaft komplett resigniert? Vielleicht ja so:

1. Hoffnung geben

Im Herbst 2022 hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, 20 Prozent ihres Energieverbrauchs einzusparen. Auslöser war der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Ressourcenknappheit, doch Einsparungen im Wärmebereich haben auch Einfluss auf die städtische Klimabilanz. Die Stabsstelle Klima hat das einmal durchgerechnet. Ein Fünftel weniger Wärme zu verbrauchen, hätte die gesamten Emissionen 2021 um weitere fünf Prozentpunkte gesenkt. Also wären es nicht 31, sondern 36 Prozent weniger CO2 im Vergleich zu 1990 gewesen. Das ist natürlich noch nicht toll und vor allem keine feste Prognose. Aber zumindest eine Einordnungshilfe. Laut Stadtwerken war der Gasverbrauch 2022 tatsächlich niedriger als zuvor. Das könnte sich also auf die Bilanz niederschlagen und wäre zumindest ein Schritt in Richtung Emissionssenkung.

2. Kommunalen Handlungsspielraum einbeziehen

Klimabeirat und Klimaentscheid kritisieren, dass die Verwaltung intransparent umgeht mit dem, was sie gerade so macht, um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen. Sie schreibt, dass sie auf viele Maßnahmen keinen Einfluss nehmen könne, weil diese auf Bundes- und EU-Ebene entschieden werden. Aber auf andere ja eben doch. So gibt es zum Beispiel einen Plan mit 50 Sofortmaßnahmen, die der Rat beschlossen hat und die die Verwaltung gerade prüft oder umsetzt. „Mein Eindruck ist, dass vieles gut geht, manches aber nicht so schnell wie erhofft“, sagt Stabsstellenleiter Thomas Möller und verweist zum Beispiel auf den Handwerkermangel beim Ausbau sich erneuernder Energien. Wie gut das wirklich läuft, will die Verwaltung dann im Laufe des Jahres in einem Bericht veröffentlichen.

3. Einen Anstupser geben

Aber auch Sie können zukünftige Bilanzen beeinflussen. Zumindest in Teilen. Die Stadtverwaltung führt den Zuwachs von Einwohner:innen als einen Grund auf, warum das mit der Emissionsreduktion nicht gut funktioniert.

Dazu einmal ein Verweis auf eine Tabelle in der Energiebilanz. Darin steht, dass sich die Anzahl der Münsteraner:innen von 1990 bis 2021 um 14 Prozent erhöht hat. Die der Wohnfläche um knapp 50 Prozent. Und die Anzahl der Autos ist ebenfalls um fast die Hälfte angestiegen. Das gibt der Einschätzung einen anderen Dreh, nämlich: Es ist schwieriger, Emissionen zu reduzieren, weil Münsters Einwohner:innen in den vergangenen dreißig Jahren ihre persönlich genutzten Ressourcen erhöht haben. Was das Problem jedoch nicht auf Verhaltensmuster der Einzelnen abwälzt. Das Stichwort heißt Suffizienz, also ressourcensparendes Verhalten. Dafür braucht es politische Rahmenbedingungen, die dieses an erste Stelle setzen und es möglichst leicht machen. In seiner Stellungnahme schlägt der Klimabeirat etwa eine Begrenzung der Wohnfläche pro Person vor, die bei neu geplanten Wohnungen greift. Und: „Energiesparen muss belohnt werden, Verschwendung sehr teuer werden.“

Eine weitere Forderung: Mehrheiten für unbequeme Maßnahmen. Die eventuell doch nicht als allzu unbequem wahrgenommen werden? Vielleicht erinnern Sie sich ja an den Bürgerrat Klima 2021. In dem waren sich fast alle Teilnehmenden einig, dass Verantwortung tragen und Veränderungen annehmen notwendig sind. (sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Bei einer landesweiten Razzia in 27 Städten, unter anderem im Münsterland, hat die Polizei nach Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern gesucht. (WDR)

+++ 5 von 29 städtischen Kitas sind am Mittwoch wegen des Warnstreiks geschlossen geblieben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Das Ostbad, die Skandalnudel unter den Bädern in Münster, muss die Wiedereröffnung des Solebeckens verschieben. (Stadt Münster)

+++ Da die Stadt die Elternbeiträge für den Offenen Ganztag erhöhen will, schlägt die FDP ein „ausgleichendes Staffelmodell“ anhand der Elterneinkommen vor. (FDP Münster)

+++ Ab dem 1. April erhöhen die Stadtwerke Münster die Preise für Fernwärme und Gas um durchschnittlich 6,5 Prozent. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Polizei in Münster plant die Einführung einer Videoüberwachung in der Windthorststraße im Bahnhofsviertel, um etwas gegen die Kriminalität dort zu unternehmen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Linke fordert einen 15-Minuten-Takt auf allen Strecken des geplanten Münsterland-S-Bahn-Netzes und einen aktualisierten Bericht über den Planungsstand des Projekts. (Linke Münster)

+++ Der Anteil von Frauen in der Kommunalpolitik im Münsterland ist immer noch gering. (WDR Münster)

+++ Am 7. März hat der im vergangenen Jahr neu gebildete Priesterrat seine Arbeit aufgenommen. (Bistum Münster)

+++ Eine mögliche Aufstiegsfeier der Preußen könnte im Rathaus stattfinden. (Westfälische Nachrichten)

+++ Eine Schülerin aus Münster hat eine App entwickelt, Frauen und Mädchen ein sicheres Gefühl in beklemmenden Situationen geben soll, indem sie zum Beispiel Fake-Anrufe durchführen. (WDR)

+++ Münster und Winnyzja unterzeichnen eine Solidaritätspartnerschaft trotz russischer Aggression. (Stadt Münster)

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Der Konditorin Anni backt vegan aus Münster folgen auf Instagram fast 60.000 Leute, die regelmäßig neue Kreationen zu Gesicht bekommen. Ihren Käsekuchen gibt es seit Montag nun auch zu kaufen, und zwar bei Krimphove. Die Auswahl an veganen Süßspeisen wird in Bäckereien so langsam größer. Und wenn Sie fleißig Annis Käsekuchen kaufen, kommen bald sicherlich ein paar mehr Leckereien dazu.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Fabian Cohrs hat sich umgehört und für die kommenden Tage ein paar Veranstaltungstipps zusammengestellt:

+++ Wenn die Stadt fleißig die „Weltpremiere” einer Riesenschaukel, die „Deutschlandpremiere” einer Geisterbahn aus den Niederlanden und immerhin Kirmes-Premiere eines Freifallturms bewirbt, wissen wir: Es ist mal wieder Send. Morgen um 15 Uhr öffnet die Kirmes bis zum 19. März. Am Donnerstag ist Familientag, an dem der Ausflug mit Kindern zumindest etwas günstiger wird. Und falls Sie einen eher sensiblen Magen haben: Am Freitag findet das traditionelle Feuerwerk statt.

+++ Anlässlich des 375-jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens hat das Borchert-Theater am Hafen ein eigenes Stück produziert. In „Wann, wenn nicht jetzt?” geht es um Krieg – und wie man versucht, ihn wieder zu beenden. Dabei geraten persönliche Ideale zum Teil in Konflikt mit politischen Zielen und manchmal müssen auch unbequeme Kompromisse eingegangen werden. Die Premiere fand gestern statt, Tickets für die nächsten Aufführungen erhalten Sie hier.

+++ Morgen Abend empfangen die Basketball-Zweitligisten WWU Baskets ihre Konkurrenten, die Nürnberg Falcons. Für Münster geht es um den Klassenerhalt, jede Fan-Unterstützung in der Halle in Berg Fidel ist also gern gesehen. Tickets bekommen Sie hier.

+++ Kennen Sie Plogging? Ein tolles Hobby. Beim Spazieren sammelt man nebenbei auch Müll, um die Stadt ein bisschen sauberer zu machen. Wenn Sie das mal ausprobieren wollen, dann kommen Sie am Sonntag zum Schlosstheater. Dort beginnt um 13 Uhr die nächste Müllwanderung durch Münster.

+++ Am Montagabend um 20 Uhr trifft sich die Poetry-Slam-Szene im Sputnik Café. Das Publikum des Tatwort-Poetry-Slams hört nicht nur witzigen oder wichtigen Redebeiträgen zu, sondern bestimmt auch mit, wer als Sieger:in des Abends nach Hause geht. Der Eintritt kostet 8 Euro an der Abendkasse, mehr Infos bekommen Sie hier.

Und was steht sonst alles im RUMS-Brief?

Politikwissenschaftlerin Rike-Kristin Baca Duque hat eine Studie zum Theater in Münster veröffentlicht. Der Titel: „Ein Theater im Dornröschenschlaf“. Was genau dahinter steckt und was Kommunalpolitik, die Stadtgesellschaft und der Musik-Campus damit zu tun haben, hat Constanze Busch recherchiert.

Außerdem hat Sebastian Fobbe beim Sozialdienst katholischer Frauen nachgefragt, wo denn eigentlich obdachlose Frauen im Winter übernachten können.

Falls Sie das nun genauer interessiert, abonnieren Sie doch einfach RUMS. In den ersten drei Monaten kostet das Abo nur den halben Preis.

Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier

Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Frieda Krukenkamp (fkr)
Lektorat: Lisa Mensing


PS

Vor ein paar Tagen ist Twitter darauf gekommen, dass Münster auf Alt-Italienisch noch viel hübscher klingt: Monaco di Vestfalia. Und natürlich auch darauf, dass der ähnliche Name auf das hinweist, was eh schon offensichtlich war: „Monaco [ist] auch nur Münster am Mittelmeer.“ Eine dritte Stadt im Bunde gibt’s übrigens auch noch, das ist Monaco di Baviera. Quasi auch wie Münster, nur mit mehr Schickeria. Die wiederum wird übrigens in einer bayerischen 80er-Jahre-Serie dargestellt. Sie heißt – na? „Monaco Franze“. Und falls Sie tiefer in die Etymologie einsteigen wollen: Hier noch ein Reddit-Post, der nahelegt, dass die Bezeichnung mit dem italienischen Wort für „Mönch“ zusammenhängt und die haben wiederum in der Namensgebung von Münster und München eine Rolle gespielt. (sst)

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