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Gasometer: nächste Runde | Energiekrise: Was, wenn der Strom ausfällt? | 3 Monate RUMS zum halben Preis


Münster, 28. Oktober 2022
am Mittwochmittag parkte ein bunt angemalter Transporter mitten auf dem Prinzipalmarkt. Viele junge Menschen hatten sich darum versammelt und die Ladefläche kurzerhand in ein Podium für Redebeiträge umgewandelt. Der Transporter gehört dem Gazokollektiv, das am Mittwoch vor dem historischen Rathaus demonstrierte.
Aber wozu das Ganze? Einige Stunden nach der Demo ging es im Rat der Stadt Münster um den Gasometer, wieder einmal, denn noch immer ist nicht klar, wie es mit dem Industriedenkmal am Albersloher Weg weitergehen soll. Hinter der Debatte steht eine Grundsatzfrage: Soll der ehemalige Gasspeicher als Ort für alternative Kultur in Münster erhalten bleiben oder sollen ihn die Stadtwerke an Investor:innen verkaufen, die darin Büros einrichten?
Eigentlich sollte der Gasometer schon leer stehen, damit sich interessierte Käufer:innen das Gebäude ansehen können. Der Verein Sozialpalast, der den Gasometer bei den Stadtwerken gemietet hatte, ließ aber vor drei Wochen die Schlüsselübergabe platzen, nachdem der Mietvertrag ausgelaufen war, und weigert sich seitdem, den ehemaligen Gasspeicher zu räumen. Dort hatten die Aktivist:innen in den vergangenen zwei Jahren Kulturveranstaltungen organisiert und diesen Ort will das Kollektiv verständlicherweise nicht einfach so aufgeben, vor allem nicht, weil das Gelände nach dem Auszug ohnehin erst einmal brachliegen soll.
Was denken die Anwohnenden?
Dass dort Veranstaltungen stattfinden, scheint aber nicht allen zu gefallen. Leute aus der Nachbarschaft hatten sich über den Krach aus dem Gasometer beschwert (RUMS-Brief vom 7. Oktober 2022). In der Ratsdebatte war wiederholt die Rede davon, dass Anwohnende 200 Unterschriften gesammelt hätten, die sich für ein Ende der jetzigen Nutzung aussprechen.
Für die Gegner:innen des Kulturprojekts ein gewichtiges Argument. Jörg Berens, Fraktionssprecher der FDP im Rat, etwa sagte, der Anwohnerschutz sei ein hohes Gut und das Mietverhältnis sei nie konfliktfrei verlaufen, nach dem Motto: Am Gaso gibt‘s ständig „Halligalli“. Da sei es das gute Recht der Stadtwerke, den Vertrag auslaufen zu lassen.
Katharina Geuking von den Linken hat sich offenbar auch umgehört, aber andere Antworten aus der Nachbarschaft bekommen. Sie sagte im Rat, dass den Anwohnenden eher der Verkehrslärm oder der Krach vom Münsteraner Oktoberfest auf die Nerven gehe. Die Meinungen zum Gasometer seien jedenfalls nicht so eindeutig, wie sie von den Kritiker:innen dargestellt werden, sagte Geuking.
Auch bei uns hatte sich ein Anwohner gemeldet. Der Gärtnermeister Jochen Lehmann-Echternacht schrieb uns, im Viertel unterhalte man sich oft über den Gasometer. Die Menschen, mit denen er spreche, hätten zumindest keine Vorbehalte gegenüber dem alternativen Kulturzentrum, im Gegenteil. Sie seien neugierig und sähen darin einen Gewinn fürs Viertel. Eher bereite die „kommerzielle Vermarktung des Areals durch die Stadt Münster“ der Nachbarschaft Sorgen.
Ein Funke Ehrlichkeit
Allerdings scheint eine kommerzielle Nutzung des Gasometers das Anliegen der Gegenseite zu sein. CDU-Fraktionschef Stefan Weber sagte im Rat, allein schon die Tatsache, dass der Gasometer im Moment faktisch besetzt sei, schrecke Investor:innen ab. Hier ist schon absehbar, wie eine Erklärung aussehen könnte, wenn sich niemand findet, der Büros in den Turm Büros bauen möchte. Entscheidender ist aber wohl ein anderes Argument, das Weber ebenfalls anführte: „Eine dritte Szene neben Hawerkamp und B-Side finden wir zu viel des Guten.“
Der Beschluss am Ende lautete wie erwartet: Die Stadtwerke sollen mit Verein und Kollektiv reden, obwohl das Unternehmen das gar nicht will. Man soll eine Lösung finden, damit die Gruppe zunächst bleiben kann. Dabei kann auch herauskommen: Man hat keine Lösung gefunden.
Dann ist die Frage: Akzeptiert das Ratsbündnis das? Oder zwingt es die Stadtwerke? Dann wäre die Frage: Lassen die Stadtwerke das mit sich machen?
Langfristig soll aber der Investorenwettbewerb stattfinden. Nur ob der auch im Sinne der Kritiker:innen ausgehe, daran haben einige wohl ihre Zweifel. „Ich bin gespannt, ob überhaupt Entwürfe kommen“, sagte SPD-Ratsherr Marius Herwig.
Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?
In der Ratssitzung ging es um eine Frage, die uns in den nächsten Monaten beschäftigen könnte: Was passiert, wenn der Strom ausfällt? Das hat Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer am Mittwoch erklärt.
Und es ging um einen Vorschlag der Linken, die Folgen der steigenden Energiepreise in Münster abzufedern, vor allem für Menschen mit wenig Geld. Aber wie sich herausstellte, kann die Stadt diesen Menschen nicht einfach so Geld überweisen.
Das und noch mehr gibt es heute im RUMS-Brief. Hört sich das interessant an? Dann abonnieren Sie uns. Die ersten drei Monate bekommen Sie die volle Ladung RUMS mit allen Analysen, Kurzmeldungen und Kulturtipps zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
PS
Springen wir zum Abschluss noch einmal kurz zurück an den Anfang des Briefs. Dort habe ich Ihnen geschrieben, dass der Rat die Stadtwerke und den Sozialpalast an einen Tisch bringen will, damit beide Parteien endlich über eine Zwischenlösung für den Gasometer diskutieren. Sonst würde das Industriedenkmal brachliegen, bis ein Investor den ehemaligen Gasspeicher kauft. Und Leerstand gibt es in Münster schon genug, genau genommen mindestens 115 Mal. Woher ich das so genau weiß? So viele leerstehende Gebäude wurden dem Projekt Leerstandsmelder mitgeteilt, das den Leerstand in ganz Deutschland auf einer Karte dokumentiert. Schauen Sie rein. Sie werden verblüfft sein, wo überall in der Stadt Wohngebäude, Büros und Geschäfte leerstehen.