Computerpanne beim Abitur | 3 Monate RUMS lesen für jeweils nur 3 Euro

Porträt von Sebastian Fobbe
von Sebastian Fobbe

Münster, 21. April 2023

seit ein paar Tagen herrscht Ausnahmezustand an der Neubrückenstraße. Junge Leute in bunten Kostümen laufen ständig an der RUMS-Redaktion vorbei. Sie ziehen Bollerwagen hinter sich her, in denen palettenweise Dosenbier herumkutschiert wird, und beschallen die Innenstadt mit Atzenmusik.

Sie wissen bestimmt, was das bedeutet: Die Jugend feiert ihr Abitur. Nie wieder Schule, endlich Freiheit – naja, zumindest ein bisschen.

Aber war da nicht was? Anfang der Woche hatte das Schulministerium in Düsseldorf die Abiklausuren am Mittwoch abgesagt. Heute mussten die Schüler:innen ihre Prüfungen in den naturwissenschaftlichen Fächern dann nachholen.

Für diejenigen, die Suppe auslöffeln dürfen, verlängert sich damit der Nervenkitzel. Wenn Sie selbst einmal kurz an Ihre letzte Abschlussprüfung denken, können Sie sich bestimmt vorstellen, was für einen Horror die Abiturient:innen gerade durchstehen mussten.

Grund für die Hängepartie sei ein „massives technisches Problem“ gewesen. Der Landtag hatte deshalb eine Sondersitzung des Schulausschusses beantragt. Heute Vormittag hat die zuständige Ministerin Dorothee Feller von der CDU dann berichtet, was alles schiefgelaufen ist: Das Computersystem sei dem massenhaften Ansturm der Schulen nicht gewachsen gewesen. Es sei dann einfach in sich zusammengebrochen, als die Lehrer:innen die Abiklausuren herunterladen wollten. In allen Testläufen seien keine Schwachstellen aufgefallen.

Eine ziemlich peinliche Panne. Aber zur Verteidigung muss man sagen: Es hätte ja niemand ahnen können, dass alle Lehrer:innen in Nordrhein-Westfalen mehr oder weniger zeitgleich die Klausuren fürs Abitur runterladen müssen.

Die Gewerkschaftsjugend in NRW sieht das alles kritischer: Sie ärgert sich darüber, dass offensichtlich niemand auf einen solchen Zwischenfall vorbereitet war und einen Plan B aus der Schublade hat ziehen können.

Auch an der Kommunikation des Schulministeriums wird Kritik geübt: Die meisten Schüler:innen hätten erst aus den Medien von der Panne erfahren, schreiben die Westfälischen Nachrichten. Der Philologenverband NRW kritisiert, dass auch die Schulleitungen lange auf verlässliche Informationen aus Düsseldorf hätten warten müssen.

Und jetzt? Wenn man mal davon absieht, dass der heutige Nachholtermin mit dem diesjährigen Zuckerfest zusammengefallen ist, ist alles rund gelaufen. Hoffen wir nur, dass sich der Spuk jetzt in Luft auflöst – und die Abiturient:innen am Wochenende etwas zu feiern haben. (sfo)


Ein-Satz-Zentrale

+++ Bischof Felix Genn hat einem Priester im Ruhestand verboten, seelsorgerische und priesterliche Tätigkeiten auszuüben, weil ihm sexuell übergriffiges Verhalten vorgeworfen wird. (Bistum Münster)

+++ In den Arkaden öffnet ein Zentrum, in dem man Blutplasma spenden kann. (Antenne Münster)

+++ Die FDP kritisiert, dass Bezirksbürgermeister Stephan Nonhoff Sympathien für die Klimagruppe „Letzte Generation“ hat. (FDP Münster)

+++ Eine Umfrage des Familienamtes hat ergeben, dass sich die Eltern in Münster längere Öffnungszeiten der Kitas wünschen. (Stadt Münster)

+++ Weil ab Montag an der Hammer Straße in Münster eine Trinkwasserleitung repariert wird, müssen Autos einen anderen Weg nehmen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Campingplatz am Freibad Stapelskotten in Münster soll erweitert werden, um dem Mangel an Wohnmobilstellplätzen entgegenzuwirken. (Westfälische Nachrichten)

+++ Eine Wissenschaftlerin aus Österreich, die von der Uni Münster einen Preis für ihre Krebsforschung bekommen sollte, ist aus Versehen mit dem Zug nach Munster gefahren. (Medizinische Fakultät der Uni Münster)

+++ Unternehmer:innen in Münster sind unzufrieden mit dem Bauordnungsamt, weil es ihnen zu lange dauert, bis die Behörden ihnen Auskünfte geben. (Westfälische Nachrichten)

Unbezahlte Werbung

Schon seit ein paar Monaten gibt es einen Teppichladen an der Langemarckstraße 10. Dort verkauft das Label „Amazing Rugs“ handgefertigte Teppiche aus dem Atlasgebirge in Marokko, viele davon mit riesigen Karos, andere mit bunteren und fantasievolleren Mustern. Der Pop-up-Store wird noch eine ganze Weile im Kreuzviertel bleiben, aber perspektivisch möchte Inhaberin Alexandra Nelle näher an die Innenstadt ziehen, um dort einen eigenen kleinen Shop zu eröffnen oder die Teppiche in anderen Geschäften anzubieten. Bis es soweit ist, können Sie aber noch in der Langemarckstraße vorbeischauen. Die Öffnungszeiten ändern sich immer mal wieder, momentan hat der Laden mittwochs und samstags geöffnet. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie aber auch einfach einen Termin vereinbaren, um einmal durch das Teppichsortiment zu stöbern. Ein bisschen Keramik und ein paar Körbe aus Marokko gibt’s bei „Amazing Rugs“ übrigens auch.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Fabian Cohrs hat heute in den Terminkalender geschaut und ein paar schöne Veranstaltungen für Sie herausgesucht. Der letzte Tipp kommt von mir:

+++ Die Aktivist:innen von Greenpeace Münster machen morgen ab 11 Uhr auf dem Harsewinkelplatz mit einer Aktion auf die Probleme der Modeindustrie aufmerksam. Sie wollen unter anderem zeigen, wie viel Kleidung allein in Münster jeden Tag entsorgt wird. Anlass für die Aktion ist der zehnte Jahrestag des Einsturzes einer Textilfabrik in Bangladesch, bei der 2013 über eintausend Menschen starben.

+++ Das Kulturzentrum am Gasometer öffnet morgen um 14 Uhr wieder seine Türen. Nachdem das Gelände für einen Investorenwettbewerb geräumt werden musste, darf das Kollektiv das Gelände in den nächsten Monaten wieder bespielen. Gefeiert wird die Wiedereröffnung mit einem vielseitigen Programm, unter anderem stehen Siebdruck, Tischtennis und eine offene Bühne auf dem Programm. Mehr dazu finden Sie hier.

+++ Am Sonntag lädt die Bürgerinitiative zu einer Info- und Aktionsveranstaltung über den Sinn und Unsinn des Ausbaus der B51 ein. Wer möchte, kann die Ausbaustrecke bei einer geführten Fahrradtour einmal abfahren. Stattfinden wird die Veranstaltung an der Kreuzung Handorfer Straße/Warendorfer Straße von 14 bis 17 Uhr. Genaueres und eine Wegbeschreibung bekommen Sie hier.

+++ Am Sonntagabend findet im Schlosstheater wieder die Reihe „Dem Land seine Bilder geben“ statt, bei der fünf verschiedene Kurzfilme aus oder über Münster gezeigt werden. Die Veranstaltung wird von der Filmwerkstatt Münster und vom Filmbüro NRW moderiert. Karten bekommen Sie hier im Vorverkauf, los geht es um 20 Uhr.

+++ Gerade führt das Wolfgang-Borchert-Theater am Hafen das Stück „Der Trafikant“ auf. Es spielt im Jahr 1937 und handelt von einem Jugendlichen, der von seiner Mutter nach Wien geschickt wird, um dort Geld in einem Tabakladen zu verdienen. Dort lernt er Sigmund Freud kennen und verliebt sich erstmals. Doch alles ändert sich, als Hitler Österreich annektiert und auch das Leben in Wien immer ungemütlicher wird. Für die Aufführungen Anfang und Mitte Mai gibt es noch einige Tickets.

+++ Am Sonntag um 14 Uhr findet im Schloss das Finale der Norddeutschen Debattiermeisterschaft statt. Wer zahlreichen Studierenden aller Fachrichtungen beim wohlüberlegten Argumentieren zu kontroversen Themen zuhören möchte, hat hier die Gelegenheit. Im Finale gibt es zudem eine Ehrenjury, die unter anderem aus Bundesministerin Svenja Schulze und dem Kanzler der Uni Münster, Matthias Schwarte, besteht. Im Anschluss an die Siegerehrung gibt es zudem einen Kuchen- und Sektempfang. Alles Weitere erfahren Sie hier, der Eintritt ist kostenlos.

+++ König Willem-Alexander van Oranje-Nassau wird am 27. April 56 Jahre alt. Der Partnerschaftsverein Münster-Enschede schmeißt zu seinen Ehren am Donnerstag ab 18:30 Uhr eine royale Geburtstagsparty im Stadtcafé. Der Eintritt ist frei. Wer kommt, sollte sich gebührend in Schale werfen, am besten in Orange. Wenn Sie erstmal in Stimmung kommen wollen, können wir Ihnen drei schöne Mitgröhlschlager aus den Niederlanden empfehlen: Hören Sie mal hier, hier und hier.

Was steht sonst noch so im RUMS-Brief?

Es gibt zu viele „Gerhard Schröders“ an den Unis, die Kontakte nach Russland sind abgebrochen, mancherorts sind schon Maulwürfe aufgeflogen: Der Krieg in der Ukraine beeinflusst auch Lehre und Forschung an der Universität. An keinem Fach lässt sich das so gut beobachten wie an der Slawistik. Ich habe recherchiert, wie sich das Fach an der Uni Münster neu aufstellt.

Wussten Sie außerdem, dass wir am Sonntag den Welttag des Buches feiern? Das haben wir zum Anlass genommen, um ein paar Literaturtipps für Sie zusammenzustellen.

Wenn Sie das interessiert, dann abonnieren Sie jetzt RUMS. Sie können immer noch von unserem Geburtstagsabonnement profieren. Dann lesen Sie RUMS in den ersten drei Monate für jeweils drei Euro. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Lisa Mensing (lme), Nikolaus Urban (nur), Eva Windhausen (ewi), Antonia Strotmann (ast)
Lektorat: Melanie Kelter


PS

Heute Vormittag hat ein Audi A3, grauer Lack und Düsseldorfer Kennzeichen, vor der RUMS-Redaktion geparkt. Ausgestiegen ist ein Mann mit Zottelfrisur, Käppi und Steppweste, verrauchter Stimme, schlurfendem Gang und hagerer Statur. Wer war der mysteriöse Fahrer? Der Anfangsverdacht: Könnte es sich bei dem Unbekannten etwa um Andreas Joachim Wolfgang Konrad Frege handeln – besser bekannt als Campino, Sänger der, sagen wir mal, Punkband „Die Toten Hosen“? RUMS-Bildredakteur Nikolaus Urban ist dieser Spur nachgegangen und hat nachgefragt. Des Rätsels Lösung sehen Sie hier.

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