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RUMS-Interview übers Grundeinkommen | Kneipenquartett | Die volle Ladung RUMS drei Monate zum halben Preis


Münster, 9. Juni 2023
Brückentag, super! Endlich mal wieder ein Buch lesen, die Familie besuchen oder den Garten aufhübschen.
Vielleicht haben Sie die freie Zeit auch dafür genutzt, sich grundlegende Gedanken zu machen. Ein bisschen Inspiration zum Grübeln finden Sie jedenfalls im heutigen RUMS-Brief, weiter unten. Denn diesmal geht es um eine grundlegende, wenn nicht sogar philosophische Frage: Was würde passieren, wenn wir jeden Monat ein Grundeinkommen bekämen? Einfach so, ohne Gegenleistung, ohne Wenn und Aber.
Für Samira Korves aus Münster ist das seit zwei Jahren Realität. Sie nimmt an einem wissenschaftlichen Experiment teil und hat uns im Interview verraten, was der Geldsegen in ihrem Leben verändert hat.
Bevor Sie jetzt aber ein Abo abschließen, um das RUMS-Interview lesen zu können, möchte ich noch kurz erzählen, warum mich das Thema interessiert. Ich beschäftige mich seit einigen Jahren damit, denn die Idee, allen Menschen ein Leben ohne finanzielle Sorgen zu garantieren, fasziniert mich. Das Grundeinkommen berührt viele Fragen, die für unser Zusammenleben wichtig sind: Wie wollen wir arbeiten? Wie gehen wir mit armen und arbeitslosen Menschen um? Und wie wollen wir unseren Sozialstaat organisieren?
Für mich war es ein Schock, als ich in der Schule gelernt habe, wie die Grundsicherung in Deutschland funktioniert. Schon bei kleinen Regelverstößen kürzt man Menschen, die sich ohnehin in einer finanziellen Notlage befinden, das Geld. Damit kürzt man ihnen gleichzeitig die Würde. Und dass genau das nicht passieren darf, garantiert der Staat ja eigentlich in seinem Grundgesetz. Das neue Bürgergeld hat zwar einige Verbesserungen mit sich gebracht, es sind aber immer noch Sanktionen möglich.
Das Grundeinkommen bietet dagegen eine Möglichkeit, Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen, die charmant und verblüffend einfach erscheint: Gebt den Menschen genug Geld zum Leben – sie wissen schon am besten, was sie mit der ganzen Kohle anstellen. Aber stimmt das auch?
Diese Frage hat mich so sehr umgetrieben, dass ich meine Masterarbeit über das Grundeinkommen geschrieben habe. Meine Hoffnung war, dass ich mir durch die Recherche eine Meinung zu dem Thema bilden kann. Denn ganz ehrlich: Wenn ich nicht genau weiß, worüber ich rede, halte ich im Zweifel lieber meinen Mund.
Ich habe mir in meiner Masterarbeit angeschaut, wie die Debatte um das Grundeinkommen geführt wird, vor allem vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Experimente. Was auf dem ersten Blick auffällt: Es gibt unzählige Grundeinkommenskonzepte mit unzähligen Finanzierungsmodellen, die die Idee jeweils unterschiedlich interpretieren. Da verwundert es auch nicht, dass sich zum Beispiel Milliardäre wie der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner, oder der Tesla-Mogul Elon Musk für ein Grundeinkommen aussprechen – genauso wie gestandene Sozialist:innen, etwa der US-Demokrat Bernie Sanders oder die ehemalige Linkspartei-Chefin Katja Kipping.
Liberale Konzepte wollen mit dem Grundeinkommen die Sozialbürokratie vereinfachen und an die vielzitierte Eigenverantwortung der Bürger:innen appellieren. Linke Modelle möchten das genaue Gegenteil erreichen: den Sozialstaat auf ein festes Fundament stellen, das um andere Sozialleistungen wie Wohn- oder Kindergeld ergänzt werden kann. Wer Grundeinkommen sagt, meint also nicht unbedingt dasselbe.
Aber wie sieht es mit den Experimenten aus? Gibt es Evidenzen, dass ein Grundeinkommen funktioniert? Auf diese Frage ein eindeutiges Jein. Vieles hängt davon ab, welches Ziel man mit dem Grundeinkommen verfolgen möchte.
Ein Beispiel: In Kanada erhielten in den 1970er-Jahren alle Menschen in der Kleinstadt Dauphin ein Grundeinkommen, das zum Leben reichte. Theoretisch hätten sie also nur vom Grundeinkommen allein leben können – machten sie aber nicht. Die Mehrheit der Menschen in Dauphin ging unverändert jeden Tag arbeiten. Wenn sie ihre Arbeitszeit reduzierten, dann nur, um Angehörige zu pflegen, sich um die Kinder zu kümmern oder sich weiterzubilden.
Mehr noch: Junge Menschen heirateten später, studierten dafür aber länger. Die Zahl der Arbeitsunfälle nahm ab. Und weniger Menschen mussten wegen psychischer Erkrankungen behandelt werden. Jetzt aber die Gretchenfrage: Sind das gute oder schlechte Ergebnisse, wenn die Leute später Familien gründen, mehr Zeit in die Bildung stecken und weniger arbeiten?
Bevor Sie jetzt einwenden: „Was ist das denn für eine Frage? Natürlich ist es doch super, wenn die Leute sich nicht mehr für Ihren Job aufopfern!“ – ich rufe Ihnen nochmal kurz die aktuelle Diskussion über die Arbeitsmoral der sogenannten Generation Z ins Gedächtnis.
Den jungen Leuten von heute wird ja gerne vorgeworfen, sie seien zu faul zum Arbeiten, obwohl sie nur ihre Prioritäten anders setzen. Kann ich auch irgendwie verstehen. Den meisten ist klar, dass sie sich mit ihrer Hände Arbeit niemals den Traum eines freistehendes Einfamilienhaus in Münster oder einer auskömmlichen Rente leisten werden können.
Aber könnte das Grundeinkommen dafür nicht auch eine Lösung sein? So sieht es jedenfalls der Volkswirt Marcel Fratzscher. Er kommentierte diese Woche in „der Zeit“, ein Grundeinkommen könne Zukunftssorgen lindern. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss aber niemand VWL studiert haben. Jede:r weiß aus eigener Erfahrung, dass sich der Blutdruck senkt, wenn das Konto üppig bestückt ist.
Und offensichtlich scheint der Bedarf an finanziellen Blutdrucksenkern gerade hoch zu sein: Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung befürwortet eine Mehrheit der Deutschen derzeit ein Grundeinkommen. In früheren Umfragen (zum Beispiel in dieser oder dieser) hatten sich die Deutschen sonst bisher immer eher skeptisch geäußert.
Obwohl ich mich sehr intensiv mit dem Grundeinkommen beschäftigt habe, gehöre ich übrigens zu der immer noch skeptischen Fraktion. Nicht falsch verstehen: Ich mag das Grundeinkommen, ganz einfach, weil die Forderung viele Probleme in unserer Gesellschaft anspricht. Es überzeugt mich aber nicht, Geld mit der Gießkanne zu verteilen. Ich finde es nach wie vor besser, für jedes Ziel ein passendes Mittel zu suchen. Ein Grundeinkommen kann bestimmt vieles zum Guten wenden – aber eben nicht alles. (sfo)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Der Kampfmittelräumdienst legt am kommenden Freitag im Gewerbegebiet Höltenweg am Kesslerweg etwas frei, das ein Blindgänger sein könnte – und entschärft diesen, falls es einer sein sollte. (Stadt Münster)
+++ Ein Paar hat vor Gericht einen Platz für ihr Kind in einer Kindertagesstätte erstritten, nachdem das Kind zunächst leer ausgegangen war. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Stadt Münster und die Stadtwerke können günstigere Schul-Zugtickets noch nicht zum neuen Schuljahr verkaufen, weil die Informationen zu den Rahmenbedingungen erst in dieser Woche angekommen seien. (Stadt Münster)
+++ Die Dieckstraße in Münster soll im dritten Quartal komplett in eine Fahrradstraße umgewandelt werden und somit den letzten fehlenden Teil der Fahrradstrecke von Telgte nach Münster vervollständigen. (Stadt Münster)
+++ Der Lamberti-Brunnen in Münster sprudelt nach drei Jahren Pause wieder. (Stadt Münster)
+++ Die Kirche „St. Maria Heil der Kranken“ im Universitätsklinikum Münster ist profaniert, also entweiht worden, obwohl man noch gar nicht weiß, was mit dem Gebäude passieren wird. (Universitätsklinikum Münster)
+++ Das Bärenhaus im Zoo ist wieder offen. (Antenne Münster)
+++ Die neue Chefin der Stadtbücherei Münster wird wahrscheinlich Cordula Gladrow aus Wuppertal sein, die dort auch schon die Stadtbücherei geleitet hat. (Westfälische Nachrichten)
+++ Laut einer Studie gibt es in Münster kaum leere Büros und eine durchschnittliche Büromiete von 11,80 Euro pro Quadratmeter. (Wirtschaftsförderung Münster)
+++ Mit Annegret Saxe ist ab Juli auch eine Frau im Vorstand der Sparkasse Münsterland-Ost. (Sparkasse Münsterland Ost)
+++ Irgendwelche Idioten haben am Freilichtmuseum und am Zoo Hassbotschaften auf die Wege gemalt. (Alles Münster)
+++ 40 Menschen haben in Münster für die Rechte der „Letzten Generation“ demonstriert, und zwar stilecht bei einer Demo, die nicht angemeldet war. (Westfälische Nachrichten)
+++ Ein Airbus der Bundeswehr, der eingesetzt wird, um militärisches Gelände zu erkunden, hat mit einem Testflug über Münster für Aufmerksamkeit gesorgt, bei dem es darum ging, die Technik an Bord so einzustellen, dass sie funktioniert. (Westfälische Nachrichten)
Unbezahlte Werbung
Wie viel wissen Sie eigentlich über die Kneipenszene in Münster? Das können Sie testen mit einem Kneipenquartett: In der Tradition des Autoquartetts werden die Kneipen und Gaststätten mit verschiedenen Kategorien und Informationen versehen, beispielsweise dem „jacksten Chickerstoff“ (Masematte für das teuerste Getränk). Der Vorteil des Spiels: Auf den Karten sind für die jeweiligen Kneipen auch Gutscheine für preiswertere Angebote enthalten. Verkauft wird das Quartett unter anderem in der Spielkultur an der Frauenstraße, aber auch in einigen anderen Verkaufsstellen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Fabian Cohrs hat einige schöne Tipps fürs Wochenende zusammengestellt:
+++ Morgen und übermorgen finden zahlreiche Mikrotheaterstücke in Münster statt. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe „Reise zu Ende vom Ende der Welt“ vom Stadtensemble. Zu jeder Vorstellung fahren Sie am besten mit dem Rad oder Bus, an den Zwischenstopps gibt es auch immer mal wieder kurze Aufführungen. Startpunkt ist morgen der kleine Bühnenboden und am Sonntag das Kap.8 in Kinderhaus. Für genaue Treffpunkte und Uhrzeiten, das Theaterprogramm sowie den Ablauf für die Bus- oder Fahrradtour einmal bitte hier entlang.
+++ Dieses Wochenende findet im Stadttheater das junge Theaterfestival statt, mit zahlreichen Workshops und Aufführungen. Heute Abend gehört ein Karaoke-Abend dazu, morgen um 19:30 Uhr beispielsweise eine Aufführung der Jugendtheaterproduktion „No Future ist tot!“, einem Stück über Zukunftsängste und Dauerkrisen der Lebenswelt der jungen Generationen. Ein vollständiges Programm und die Tickets für die Veranstaltungen erhalten sie hier.
+++ Im Restaurant Peperoni an der Wolbecker Straße findet Samstagabend ein kleines Konzert der Band „Tunnel & Meadow“ statt. Die Band hat einen eher experimentellen Stil mit vielen sich immer wieder wiederholenden Tönen und Abschnitten unter dem Motto „the Joy of Repetition“. Karten brauchen Sie nicht. Beginn: 20 Uhr.
+++ Sagt Ihnen der Name Alan Turing etwas? Der Mathematiker war im zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Entschlüsselung des deutschen Enigma-Codes beteiligt und gilt als einer der einflussreichsten Mathematiker:innen weltweit, auch auf dem Gebiet der frühen Computerentwicklung. Für Kurzentschlossene wird über sein Leben heute Abend ein Theaterstück im Wolfgang-Borchert-Theater aufgeführt, weitere Termine sollen noch angekündigt werden. Es gibt hier einige Karten.
+++ In Angelmodde liegt eine Industriefläche, die bisher von der Westfalen AG genutzt wurde. Diese soll nun neu entwickelt werden, der Schwerpunkt soll auf dem Wohnen liegen, es soll dort auch eine Schule gebaut werden. Hierfür lädt die Stadt zu einer Bürgerbeteiligung ein, die am Dienstag um 18 Uhr auf dem Gelände der York-Kaserne im ehemaligen Offizierskasino stattfindet. Informationen hierzu erhalten Sie hier. Sie sollten sich vorab kurz anmelden.
+++ Arnold Münster liest am Dienstag im Zeitungslesesaal der Stadtbücherei aus seinem Buch „Das lange Schweigen – zwischen Widerstand und Lebenshunger“. Es geht um Arnold Münster, den Vater des Autors, einen Widerstandskämpfer, der acht Jahre Folter und Erniedrigung in Haft erlitt, und sich dann in Lilly Curtius verliebt hat, die ein Kind mit einem Nationalsozialisten hat. Beginn: 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos hier.
+++ Dieses Wochenende gibt es auf dem Schlossplatz einen kulinarischen Gegenentwurf zum Bierfest des letzten Wochenendes. Bei „Münster verwöhnt…“ können Sie sich von 11 bis 24 Uhr an verschiedenen Ständen durchprobieren, außerdem gibt es jede Menge Wein. Im Programmheft finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen Stände und Menüs.
Was steht sonst im RUMS-Brief?
Es gibt Neuigkeiten zum Stadthaus IV. Es soll wider Erwarten billiger werden. Läuft also. Anders als beim Klimabudget für Münster: Die Verwaltung hatte versprochen, noch vor der Sommerpause einen Vorschlag zu veröffentlichen. Der fehlt aber immer noch. Aber noch eine gute Nachricht zum Schluss: Münster hatte wieder mal Glück mit dem Haushalt. Es ist mehr Geld aufgetaucht als angenommen.
Klingt das alles interessant? Dann abonnieren Sie doch RUMS. Die ersten drei Monate lesen Sie all unsere Analysen, Reportagen und Interviews zum halben Preis.
Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Herzliche Grüß
Sebastian Fobbe
Mitarbeit: Luzia Arlinghaus (lar), Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe)
PS
In diesem RUMS-Brief ging es heute um große philosophische Fragen. Da ist es nur konsequent, wenn wir den Brief mit einer großen philosophischen Frage abschließen. Hier kommt Sie: Wie nennen Sie das letzte Stück vom Brot? In meiner Welt heißt das Brotendstück „Krüstje“, andere Leute aus der RUMS-Redaktion sagen dazu „Knierfte“, „Kante“, „Knüfchen“ und „Knurpsel“. Karsten Schmehl hat sich vor einigen Jahren für „Buzzfeed“ auch mal umgehört und eine Liste mit 218 Begriffen fürs letzte Brotstück geschrieben. Wenn Sie auch noch ein paar schöne Ausdrücke auf Lager haben, dann melden Sie sich beim LWL. Der Landschaftsverband hat eine App entwickelt, mit der Forschende Daten über die Umgangssprache in Nordrhein-Westfalen sammeln. Dazu müssen Sie zum Beispiel Fragen beantworten, Sätze vervollständigen oder Bilder benennen. Klicken Sie sich mal durch, macht wirklich Spaß!