Denken Sie auch, dass immer mehr gestreikt wird? | Unbezahlte Werbung: Soul Yoga

Porträt von Sebastian Fobbe
Mit Sebastian Fobbe

Guten Tag,

kaum ist der Streik der Lokführer:innen beendet, folgen die nächsten Arbeitskämpfe. Am Dienstag streikten die Ärzt:innen an den Unikliniken in Nordrhein-Westfalen, gestern legte das Flughafenpersonal die Arbeit nieder (allerdings nicht in Greven) und heute waren die Busfahrer:innen bei den Stadtwerken dran.

Häufen sich vergleichbare Ereignisse, neigen Medien dazu, eine Tendenz abzuleiten. Daraus entstehen dann „Immer mehr“-Artikel. In diesem Fall könnte die Überschrift heißen: „In Münster wird immer mehr gestreikt“.

So eine Schlagzeile würde zumindest meinem Gefühl gerade entsprechen. Aber ist das tatsächlich so?

246 Streiks im Jahr 2022

Dazu ein Blick in den Streikmonitor. Die Uni Erfurt sammelt seit 2016 Daten zu Arbeitskämpfen in Deutschland. Das Ergebnis für 2023: Allein in den ersten sechs Monaten gab es so viele Streiks wie noch nie in einem Halbjahr, zumindest seit Beginn des Forschungsprojekts. 2022 hat der Streikmonitor 246 Arbeitskämpfe gezählt. Auch das ist ein hoher Wert.

Der Wirtschaftsjournalist Simon Poelchau hat in der taz nach Gründen für die Streikwelle in Deutschland gesucht. Sein Fazit: Vor allem die hohe Inflation setze die Gewerkschaften unter Druck. Ihre Mitglieder mussten in den vergangenen zwei Jahren hohe Reallohnverluste hinnehmen. 2022 lag das Minus bei 4 Prozent. Aktuellere Zahlen hat das Statistische Bundesamt noch nicht veröffentlicht.

Weil Waren und Dienstleistungen so viel teurer geworden sind, dass die Inflation sogar Gehaltserhöhungen auffrisst, treten die Gewerkschaften gerade besonders hart in den Tarifverhandlungen auf, argumentiert Poelchau – und deshalb finden im Moment auch so viele Streiks statt. Schließlich wollen die Gewerkschaften für ihre Mitglieder das Beste herausholen, um die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen.

Ist die Inflation vorbei?

Heißt also: Keine Inflation, keine Streiks? Mal abwarten. Manche Stimmen sehen schon ein Ende der Preissteigerungen. Der Volkswirt Maurice Höfgen zum Beispiel. Er schreibt in seinem Newsletter „Geld für die Welt“: „Der Preisschock ist auf dem Rückzug. Alle Daten sprechen dafür.“

Höfgen schaut vor allem auf sogenannte Indexwerte. Die geben an, wie sich die Preise für bestimmte Warenkörbe entwickeln. Die Lebensmittelpreise etwa seien im Moment stabil. Insgesamt steige der Preisindex seit April 2023 nicht mehr. Unterm Strich könne von einer hartnäckigen Inflation keine Rede mehr sein, resümiert Maurice Höfgen.

Trotzdem: Der Druck auf die Gewerkschaften bleibt erst einmal. Wenn es ihnen gelingt, die verloren gegangenen Lohnerhöhungen nachzuholen, dürften auch die Arbeitskämpfe ein Ende haben. So lange könnte 2024 noch ein streikreiches Jahr werden. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale 

+++ Wegen Bauarbeiten kann man bis Februar nicht von der Sternstraße rechts auf den Hohenhollernring (Richtung Wolbecker Straße) abbiegen. (Stadtnetze Münster)

+++ Mitte Februar stellt die Stadt Münster ein Konzept vor, das zeigt, wie Angelmodde sich in den nächsten Jahren entwickeln soll. (Stadt Münster)

+++ Die CDU-Fraktion möchte, dass die Stadt einen eigenen Inklusionsbetrieb gründet, bei dem auch die Menschen arbeiten können, die noch bei der Westfalenfleiß-Tochter MDS beschäftigt sind, die Mitte des Jahres schließt. (CDU-Fraktion)

+++ Weil 14 Millionen Euro fehlen, muss die Uni Münster strikt sparen, auch bei Lehrenden und Studierenden. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Arbeitslosigkeit in Münster hat im Januar wie in jedem Jahr zugenommen, weil viele Arbeitsverträge zum Jahresende auslaufen. (Arbeitsagentur Ahlen-Münster)

+++ Tödlicher Unfall I: Nach dem tragischen Tod einer 82-Jährigen in Wolbeck erheben Anwohner schwere Vorwürfe gegen das Ordnungsamt, weil die gefährliche Verkehrssituation am Unfallort bereits seit Monaten bekannt gewesen sei. (Westfälische Nachrichten)

+++ Tödlicher Unfall II: Grünen-Ratsfrau Andrea Blome fordert einen entschlossenen Schutz für die schwächsten Verkehrsteilnehmer:innen und präventive Maßnahmen zum Beispiel gegen falsches Parken. (Grüne Münster)

+++ Die Reichsbürger-Organisation „Königreich Deutschland“ rekrutiert in Münster offenbar Anhänger aus der lokalen Querdenker-Szene. (Westfälische Nachrichten)

+++ Stefan Nacke, Bewerber für den CDU-Kreisvorsitz, und sein Team haben vorgestellt, wie sie die Partei reformieren wollen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Markus Johow, der andere Bewerber für den CDU-Kreisvorsitz in Münster, will ebenfalls einiges anders machen – zum Beispiel bis zu zehn Beauftragte für verschiedene Bereiche ernennen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Robbenhaven im Zoo Münster wird Ende des Jahres geschlossen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Uni Münster prüft eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen eine propalästinensische Studierendengruppe, die ohne Erlaubnis einen kontroversen Film im Schloss gezeigt hat, der von Kritikern als antisemitisch eingestuft wird. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Uni Münster unterstützt das Statement der Hochschulrektoren-Konferenz zur Stärkung der freiheitlichen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, um gegen Populismus, Verfassungsfeindlichkeit und Diskriminierung vorzugehen. (Uni Münster)

+++ Die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat bei ihrem Besuch in Münster betont, dass der Kampf gegen Judenhass eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft sei. (FDP Münster)

+++ Die Stiftung Westfalen-Initiative gibt 15.000 Euro für demokratiestärkende Projekte und lädt bis Ende April dazu ein, sich um die Förderung zu bewerben. (Stiftung Westfalen-Initiative)

+++ Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis” und 31 Sozialverbände aus Münster rufen zum Protest gegen den Neujahrsempfang der AfD am 16. Februar auf. (Bündnis „Keinen Meter den Nazis“)

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Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Fabian Cohrs in den Kalender geschaut. Das sind seine Empfehlungen: 

+++ 2022 hat der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Morgen Abend führt das Stadttheater ein Theaterstück von ihm auf. Darin geht es um einen Lehrer, der seinen Neffen aus dem Internat abholen soll, aus einer Stadt, die gerade im Krieg angekommen ist. Die Uraufführung beginnt um 19:30 Uhr. Für das Stück „Internat“ gibt es noch ein paar Restkarten. Danach sind noch bis Ende März Vorstellungen zu sehen.

+++ Balboa ist ein Paartanz, der ein bisschen an Swing erinnert und in den 1930er- und 1940er-Jahren beliebt war. Am Sonntag richtet das SpecOps ab 15 Uhr einen Balboa-Nachmittag aus, mit passender Musik, Kaffee und Kuchen. Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber gerne gesehen. Zur Einstimmung können Sie sich dieses Video mit den Grundschritten anschauen.

+++ Am Sonntagabend geht es im Skaters Palace musikalisch weiter. Dort tritt der Rapper Goldroger auf, der vergangenes Jahr ein Konzeptalbum über Golden Retrievers veröffentlicht hat. Klingt süß und witzig, aber in den Songs geht es um ernste Themen: ums Kiffen, um Panikattacken, ums Sich-behaupten-müssen. Einlass zum Konzert ist um 19 Uhr. Karten kriegen Sie hier.

+++ Wann waren Sie zum letzten Mal im Archäologiemuseum? Oder waren Sie überhaupt schon mal da? Ein gutes Argument für einen Besuch liefert noch bis Ende des Monats die Virtual-Reality-Station in der Ausstellung. Dort können Sie durch den herodianischen Tempel im antiken Jerusalem spazieren, der im Jahr 70 nach Christus von den Römern zerstört wurde. Alle Infos zur VR-Station gibt’s hier.

+++ Das Gleichstellungsamt der Stadt hat die Historikerin Kirsten Plötz für Montagabend eingeladen. Sie wird in der Stadtbibliothek einen Vortrag über ein wichtiges Thema halten: die Ausgrenzung und Verfolgung lesbischer Frauen in der Bundesrepublik. Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Und sonst?

Im kompletten RUMS-Brief habe ich heute versucht, Antworten auf die Frage zu finden, warum die AfD in Münster keinen Erfolg hat, bislang jedenfalls.

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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn), Svenja Stühmeier (sst), Ralf Heimann (rhe)
Lektorat: Susanne Bauer

PS

Die erste E-Mail kam am 24. November bei uns an. Seitdem bekommen wir im Wochentakt jeden Freitag dieselbe Nachricht aus dem Amt für Kommunikation: „Naturrasenplätze bleiben gesperrt“. Vergangene Woche dann konnten wir verkünden, dass die Stadt die Naturrasenplätze in Münster freigegeben hat (RUMS-Brief). Jetzt hat man sich die Plätze aber noch einmal angeschaut. Mit dem Ergebnis: Der Frost und der Regen der vergangenen Woche hat den Naturrasenplätzen ordentlich zugesetzt. Heute titelte das Kommunikationsamt in seiner Freitagsmail deshalb: „Stadt sperrt Naturrasenplätze“. Wie der Rückzieher zustande kam, konnte uns heute Mittag niemand mehr sagen. Wir vermuten jedenfalls, dass sich seit dem vergangenen Freitag auf den Naturrasenplätzen nicht wirklich was geändert haben kann. Aber wer weiß? Am Wochenende ist erstmal Regen angesagt, weil ein Sturmtief aus Norwegen nach Deutschland kommt. Falls es nächsten Freitag dennoch etwas Neues gibt, werden Sie es erfahren. (sfo)

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