Ukrainischer Krankenwagen in Münster | Unbezahlte Werbung: Möbelmanufaktur Kawentsmann

Porträt von Sebastian Fobbe
Mit Sebastian Fobbe

Guten Tag,

die Pflanze Immergrün heißt auf Ukrainisch „Барвінка“ – „Barwinka“. Mit dem russischen Angriff hat „Barwinka“ in der Ukraine eine zweite Bedeutung bekommen. Das Wort steht für Hoffnung und Unvergänglichkeit.

Seit heute Vormittag steht ein Krankenwagen auf dem Harsewinkelplatz, der auch „Barwinka“ genannt wird. Der Krankenwagen kommt aus Derhatschi, einer kleinen Stadt bei Charkiw. In der umkämpften Region in der Ostukraine haben sich russische Streitkräfte seit Beginn der Großinvasion am 24. Februar 2022 immer wieder Kriegsverbrechen schuldig gemacht.

Der „Barwinka“-Krankenwagen ist dafür ein trauriges Symbol. In Derhatschi wurde das Fahrzeug genutzt, um ältere und kranke Menschen aus der Kampfzone zu evakuieren. Am 12. März 2022 bombardierten russische Soldaten willkürlich zivile Einrichtungen in der Kleinstadt. Das örtliche Krankenhaus wurde bei dem Angriff zerstört. Auch „Barwinka“ wurde getroffen. Die Einschusslöcher sind seitdem an dem Krankenwagen zu erkennen.

Um auf die russischen Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen, wurde der „Barwinka“-Wagen schon an 40 Orten in Deutschland ausgestellt. In Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf. Jetzt kommt der zerschossene Krankenwagen nach Münster. Morgen können Sie „Barwinka“ von 10 bis 17 Uhr besuchen. (sfo)

In eigener Sache

Wenn Sie gerne in Münster unterwegs sind und noch ein paar freie Stunden in der Woche haben, dann melden Sie sich doch bei uns. Wir suchen ab sofort zwei Personen, die Lust haben, die Texte für die Rubriken „Unbezahlte Werbung“ und „Drinnen und Draußen“ im RUMS-Brief zu schreiben. Ideal wäre, wenn Sie die Rubriken dienstags oder freitags fest übernehmen könnten, natürlich gegen Geld. Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail. Und falls nicht sofort eine Antwort kommt: Wir melden uns in den nächsten Wochen bei Ihnen. 

Unbezahlte Werbung

Als Kaventsmann gilt im Münsterland ein kräftiger Kerl. Die fast gleichnamige Möbelmanufaktur aus Münster startete mit großen, massiven Tischen, hergestellt aus regionalem Holz. Mittlerweile produziert die Firma auch Kaventsmännchen. Also etwa Stühle, Schlüsselbretter oder Hundekörbchen. Ansehen können Sie sich das alles jeden Mittwoch und Donnerstag zwischen 10 und 16 Uhr im Kawentshaus in der Innenstadt, genauer gesagt an der Marievengasse 7. Und falls Sie alles sehr schick finden, aber keinen Platz oder kein Geld für eine neue Inneneinrichtung haben: Sie können sich die Möbel auch leihen, etwa für Firmen- oder Familienfeiern.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Raphael Balke in den Veranstaltungskalender geschaut. Das sind seine Empfehlungen:

+++ Die Filmreihe „Drehbuch Geschichte“ zeigt in den kommenden Wochen sechs Filme über den deutschen Kolonialismus. Zu allen Vorstellungen gehört auch ein Filmgespräch. Los geht’s am kommenden Dienstag mit dem Film „Der vermessene Mensch“ im Cinema. Er handelt von einem deutschen Ethnologen, der den Völkermord an den Herero und Nama miterlebt.

+++ Sie suchen noch das eine ausgefallene Deko-Stück oder den Pulli, den halt nicht jede:r hat? Vielleicht werden Sie ja beim Design Gipfel am Wochenende fündig. Wenn Sie wissen möchten, ob für Sie etwas dabei ist, schauen Sie sich doch einmal den Überblick über die Ausstellenden an. Und dann: ab in die Mensa am Ring, sie ist Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

+++ Beim Barcamp „WIR?“ haben Sie die Möglichkeit, einen Tag lang mit anderen über Ihre Idee vom gesellschaftlichen Miteinander zu diskutieren. Ein Barcamp ist ein Format, bei dem Themen und Ideen für Workshops sowie eigene Erfahrungen von den Teilnehmenden eingebracht werden. Im Fokus stehen Solidarität, Demokratie und Diskussion. Das Barcamp findet am 24. März im Pumpenhaus statt, allerdings müssen Sie sich vorher anmelden. Noch sind Tickets verfügbar. Organisiert hat das Ganze Gabriela Exner, mit der wir vor Kurzem über ehrenamtliche Arbeit gesprochen haben (RUMS-Brief).

+++ Wenn Sie gestern Abend den Vortrag unseres Kolumnisten Michael Jung im Stadtarchiv über Anna und Paul Krückmann verpasst haben, haben Sie noch eine Woche lang die Gelegenheit, sich das Video anzusehen – oder Sie lesen am Sonntag Michael Jungs Kolumne zum gleichen Thema. Die Doppelbiografie, die Michael Jung über das deutschnationale Ehepaar Krückmann geschrieben hat, erscheint im April im Aschendorff-Verlag. Hier können Sie das Buch vorbestellen.

Und was gibt’s sonst so?

Nach dem Hinweis eines Lesers wollten wir herausfinden, ob wir einen Fehler gemacht haben. Es ging um die einfache Frage: Ist eine öffentliche Klinik verpflichtet, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen? Über die Antwort könnte man ein Buch schreiben – oder einen RUMS-Brief.

Wenn Sie jetzt ein Abo abschließen, können Sie die heutige Recherche über Schwangerschaftsabbrüche nachlesen. Danach bekommen Sie zweimal in der Woche Post von uns mit allen Neuigkeiten über Münster, interessanten Analysen und Recherchen, Cartoons, Infografiken und meinungsstarken Kolumnen. In den ersten drei Monaten zahlen Sie auch nur den halben Abopreis.

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Genießen Sie den Frühlingsbeginn.

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Raphael Balke (rab), Ralf Heimann (rhe), Svenja Stühmeier (sst) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Vor ein paar Jahren habe ich Florian Greller aus Osnabrück kennengelernt. Er hat die meiste Zeit seines Berufslebens Versicherungen verkauft. Mit Anfang 40 schreibt er sich aber doch noch mal für ein Studium ein. Denn Florian Greller möchte Hebamme werden. In Deutschland ist es noch etwas Ungewöhnliches, wenn Männer Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett begleiten. Aber warum eigentlich? Um diese Frage geht es in einer neuen Arte-Doku. Sie begleitet drei Männer in ihrem Beruf als Hebammen. Und wo wir gerade beim Thema sind, möchte ich Ihnen noch einen anderen TV-Tipp geben: In der ZDF-Miniserie „Push“ kommen zwar keine männlichen Hebammen vor, die sechs Folgen erzählen aber schonungslos vom Alltag auf der Geburtsstation. Die taz schreibt in einer Rezension: „Keine einzige FSK-0-Geburt mit ein paar Tropfen Blut und ein bisschen Gewimmer ist dabei dem Publikum gestattet. Es wird mitunter so ausdauernd und so laut ­geschrien, dass das Zuschauen herausfordernd wird. Dann sei geraten: pausieren, durchatmen – und weiterschauen.“ (sfo)

PPS

Zum Schluss möchte ich noch auf ein widerlegtes Gerücht aufmerksam machen, das Sie bestimmt alle kennen und – wie ich – zuerst geglaubt haben: Im vergangenen Jahr hieß es, Bettwanzen bevölkern die Hotels in Paris. Staatliche Stellen in Frankreich betonten zwar immer wieder, dass es nicht mehr und nicht weniger Bettwanzen-Meldungen gibt als sonst (RUMS-Brief). Aber die Panik vor den blutsaugenden Krabbelviechern hielt sich hartnäckig. Jetzt ist herausgekommen: Das war völlig überzogen und unbegründet. Es wird aber noch absurder. Offenbar scheint die Bettwanzen-Panik Teil der russischen Propaganda zu sein. Russische Konten hatten in den sozialen Medien Gerüchte gestreut, Geflüchtete aus der Ukraine hätten die Bettwanzen nach Frankreich geschleppt. Viele Medien griffen diese Ekelnachricht auf, ohne sie zu prüfen. Ein Paradebeispiel, wie ungebremst der Sensationsjournalismus Desinformationen verbreiten kann. (sfo)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
Anmelden oder registrieren