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Stadthafen: Mehr als zehn Interessenten | Unbezahlte Werbung: Boulevard-Theater | RUMS 6 Monate lang für 1 Euro

Guten Tag,
kurz vor Weihnachten hat die LVM-Versicherung ein Grundstück am Stadthafen an die Stadtwerke zurückgegeben, auf dem sie eigentlich Wohnungen und Büros bauen wollte. Möglich war das unter anderem, weil in einem der Verträge stand: Wenn es bis Ende 2020 keinen Bebauungsplan gibt, dann hat der Käufer ein Umtauschrecht.
Hat die Stadt es also selbst verbockt, weil sie sich mit den Vorbereitungen zu viel Zeit gelassen hat? Wieso dauert das Ganze überhaupt schon über zehn Jahre? Wie geht es jetzt weiter? Und wann ist endlich alles fertig?
Unter anderem diese Fragen hatten die Grünen dazu veranlasst, heute Abend eine Sondersitzung der zuständigen Ausschüsse für Stadtplanung und Finanzen zu beantragen.
Es begann mit einer kleinen Diskussion darüber, ob das nötig gewesen wäre. Der Planungsausschuss-Vorsitzende Dietmar Erber fand, nicht. Was hier gleich besprochen werde, wüssten die Anwesenden ohnehin schon, sagte er. Grünen-Fraktionschef Christoph Kattentidt widersprach. Er verwies unter anderem auf die WDR-Fernsehkamera und die knapp 30 Gäste im Rathausfestsaal.
Da saßen zum Beispiel der frühere Stadtdirektor Hartwig Schultheiß, den das Osmo-Gelände damals schon beschäftigt hatte, da war der Architekt Rainer Maria Kresing, einer der übrigen Investoren, und da saß der Verleger Wolfgang Hölker, der aus seinem Verlag am Hafen auf die Brache schaut, um die es hier gehen sollte.
Seit über zehn Jahren tut sich auf dieser Fläche nichts. „Je komplexer die städtebauliche Dichte und je mehr Beteiligte involviert sind, desto länger dauern solche Verfahren“, sagte Stadtplanungsamtsleiter Christopher Festersen in einer kleinen Präsentation zur Einführung. Und die Sache am Hafen sei sehr kompliziert.
Auf einer Folie zeigte er eine Liste mit mehreren Bauprojekten in Münster. Dahinter vermerkt: die Dauer der Planverfahren. Anderthalb Jahre, drei Jahre, vier Jahre. Die Verzögerungen seien „üblich und nicht ungewöhnlich“, sagte Festersen. Dann ging es weiter mit alten Visualisierungen, aus denen nie etwas geworden ist.
Aber wann wird es denn jetzt was? Und was wird als Nächstes passieren? Am wichtigsten sei, die vertraglichen Fragen mit der LVM zu klären, sagte Stadtbaurat Robin Denstorff. Das werde noch im ersten Halbjahr passieren. Den Entwurf des Bebauungsplans wolle man noch vor der Kommunalwahl öffentlich auslegen. Das ist ein notwendiger Schritt in dem Verfahren. Anfang nächsten Jahres soll der neue Rat den Plan gleich in seiner ersten Sitzung beschließen.
Dann soll es auch feststehen, wer das Grundstück übernimmt. Die Stadtwerke wollen es schnell loswerden, das sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Gäfgen. Im Moment kläre man allerdings noch mit der LVM, wer welche Kosten übernimmt. Da gebe es unterschiedliche Vorstellungen.
Den neuen Investor will die Stadt noch in diesem Jahr finden. Mangelndes Interesse wird dabei nicht das Problem sein. Es gebe mehr als zehn Interessenten, auch sehr ernsthafte, sagte Robin Denstorff. „Jetzt müssen wir einen Partner finden, der die Vorgaben der Stadt akzeptiert und umsetzt“, sagte er. Das wird vermutlich der schwierige Teil.

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Der wirtschaftliche Rahmen hat sich verändert. Das ist der Grund dafür, dass viele Wohnbauprojekte umgeplant oder gar nicht erst umgesetzt werden. In einer der Fragen, die die Grünen dem Stadtbaurat im Vorfeld gestellt hatten, wollen die Grünen wissen, ob die Verwaltung damit rechne, dass die LVM an der Friedrichsburg bauen werde. Die Versicherung hatte angekündigt, sich jetzt auf dieses Projekt zu konzentrieren.
Mit allem, was sich an den Planungen am Hafen jetzt noch ändert, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es doch wieder länger dauert. „Es ist entscheidend, dass wir uns jetzt an die bestehenden Planungen halten und keine zusätzlichen Diskussionen beginnen“, sagte Denstorff. Das bedeutet, der neue Investor muss schon vereinbarte Vorgaben akzeptieren.
Mindestens 30 Prozent geförderten Wohnraum, Dachbegrünung, Photovoltaikanlagen. Investoren müssen die Kosten für Erschließung und Infrastruktur übernehmen. Das alles hatte man schon festgelegt. Die SPD hatte damals vermerken lassen – das hatte Robin Denstorff herausgesucht –, man solle die Planungen stärker an den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft ausrichten, nicht so sehr an den Wünschen der Investoren.
Das alles muss man dem neuen Investor aufs Auge drücken. Wird das so schwer sein bei einem Grundstück in dieser Lage? Mathias Kersting (CDU) ist zuversichtlich. Er sprach vom „Prinzipalmarkt des Hafens“ und sagte, man müsse jetzt nach vorne schauen. Ute Hagemann (SPD) befand ebenfalls, man dürfe die Planungen nicht in Frage stellen.
Jörg Berens (FDP) mahnte zwar an, sich das alles nicht zu schön zu reden. „Seit über zehn Jahren läuft dieses Projekt, und es steht noch kein Haus“, sagte er, fand aber ebenfalls, es sei wichtig, jetzt schnell weiterzukommen. So sah es auch Robin Korte (Grüne). Darin sind die Parteien sich also weitgehend einig. Jetzt müsste es eben nur noch anfangen, schnell zu gehen. (rhe)
Korrekturhinweis: ´In einer ersten Version hatten wir geschrieben, Christopher Festersen sei Bauamtsleiter und Dietmar Erber Vorsitzender des Finanzausschusses. Tatsächlich leitet Festersen das Stadtplanungsamt und Erber den Planungsausschuss. Wir haben das korrigiert.
344 Carsharing-Fahrzeuge sind in Münster unterwegs. Auf Münsters Einwohner:innen umgerechnet teilen sich somit 1.000 Personen ein Leihauto. Diese Zahlen hat der Bundesverband Carsharing Ende 2024 für sein Städteranking erhoben. Die erfreuliche Nachricht darin: Die deutschen Städte sind immer besser mit Carsharing-Angeboten versorgt. Münster schneidet darin recht gut ab (Platz 21 von 155). Spitzenreiter ist die Stadt Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die Carsharing-Dichte liegt dort bei mehr als fünf Fahrzeugen für 1.000 Menschen.
(Quelle: Bundesverband Carsharing)
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+++ Das Münsterland steht beim Windkraftausbau in NRW besonders im Fokus. Viele der 1.500 Anträge für Windräder außerhalb der künftigen Vorranggebiete kommen aus der Region. Die schwarz-grüne Landesregierung sieht das allerdings kritisch: Ohne klare Regeln drohe ein „Wildwuchs“, der die Akzeptanz für Windräder in der Bevölkerung gefährden könnte. „Unser Ziel ist ein geordneter und rechtssicherer Ausbau der Windenergie“, sagt NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Doch die benötigten Regionalpläne, die festlegen sollen, wo Windräder gebaut werden dürfen, sind noch in Arbeit und frühestens 2025 rechtskräftig. Die unklare Übergangszeit nutzen viele Windkraftunternehmer, um bereits Anträge zu stellen. 2024 gingen landesweit bereits 154 neue Anlagen ans Netz – Rekord in Deutschland. Bis 2027 sollen in NRW die Grundlagen für 1.000 weitere Anlagen geschaffen werden. (ani)
+++ Seit Oktober 2023 regelt die Baumschutzsatzung, dass bestimmte Bäume nicht einfach so gefällt werden dürfen (RUMS-Brief). Was die Satzung bisher gebracht hat? Eine Nachfrage der Westfällischen Nachrichten bei der Stadtverwaltung ergab: Es wurden 898 Verwaltungsvorgänge ausgelöst. Darunter Anträge, Beratungen und gemeldete Verstöße. Die Zahl der tatsächlich betroffenen Bäume dürfte noch deutlich höher liegen: Man gehe von mehr als 1.000 aus. Knapp 400 Anträge auf Ausnahme oder Befreiung von den Regeln der Satzung wurden gestellt. 45 Mal wurde die Fällung eines oder mehrerer Bäume abgelehnt. Für die 15 Monate nach Einführung beziffert die Stadt die Einnahmen durch Gebühren und Ersatzgeldzahlungen auf insgesamt 83.400 Euro. Demgegenüber stehen jedoch geschätzte Verwaltungskosten von rund 240.000 Euro. Ist der Aufwand gerechtfertigt? Das Rathausbündnis aus Grünen, SPD und Volt meint ja – die Satzung sei ein Gewinn für Münsters Natur. Kritiker:innen, allen voran die CDU, sehen das anders. Sie würden das Geld lieber direkt in die Pflanzung neuer Stadtbäume stecken. Die Kosten dafür: zwischen 300 und 1.000 Euro pro Baum. (ani)

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+++ Am Prozessionsweg sind vor dem Kanalausbau die ersten Bäume gefällt worden, begleitet von Protesten. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Bahn erneuert bis Ende des Jahres alle Rolltreppen am Hauptbahnhof. (Westfälische Nachrichten)
+++ Seit Montag fährt zwischen Angelmodde-Waldsiedlung und Gremmendorfer Weg die neue Buslinie 68, um die durch eine Baustelle eingeschränkte Linie 6 zu ersetzen. (Stadtwerke Münster)
+++ Eltern haben noch bis Ende des Monats Zeit, ihre Kinder für einen Kita-Platz anzumelden. (Stadt Münster)
+++ Die Partei Volt Münster hätte beinahe an einer Demonstration der Querdenken-Bewegung teilgenommen, weil sie die Veranstaltung mit der Gegendemo verwechselt hat. (Volt Münster)
+++ NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und LWL-Direktor Georg Lunemann haben das Jubiläumsprogramm zum 1.250-jährigen Bestehen Westfalens eröffnet. (Antenne Münster/WDR)
Das gemütliche Boulevard-Theater in der Königspassage hat sich ganz den komödiantischen Stoffen verschrieben. Aktuell läuft – noch bis zum 9. März – „Es ist nur eine Phase, Hase“, das Stück nach dem gleichnamigen Bestseller von Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch. Die Inszenierung im Boulevard steckt voller Situationskomik, Klischees und bissigen Bemerkungen rund um das Thema Altern. Karten gibt es hier. Am günstigsten ist ein Besuch übrigens montags oder donnerstags: Dann kosten alle Plätze 17 beziehungsweise 21 Euro.
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Katja Angenent hat heute für Sie ein paar Veranstaltungstipps gesammelt. Das sind ihre Empfehlungen.
+++ Kennen Sie eigentlich die Literaturline? Hier lesen professionell Schreibende aus der Region aus ihren aktuellen Werken. Im Januar präsentiert der Laerer Autor Alfons Huckebrink eine Kostprobe aus der Novelle „Edith und wir“, in der er auf eine Jugend im Münsterland der Sechziger Jahre zurückblickt.
+++ Am Mittwoch ist Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge um 15:30 Uhr zu Gast im Bennohaus, wo er über die Notwendigkeit der Umverteilung von Reichtum spricht. Im „Teatime-Gespräch“ wird es neben gesellschaftlicher Gerechtigkeit auch um den laufenden Bundestagswahlkampf gehen.
+++ Im Schlosstheater ist, ebenfalls am Mittwoch, ein Film über einen russischen Historiker zu sehen. Der begibt sich auf die Suche nach verborgenen Massengräbern des Stalin-Terrors – und wird dafür zu 15 Jahren Haft verurteilt. „The Dmitriev Affair“ ist im russischen Originalton mit deutschen Untertiteln zu sehen und beginnt um 20 Uhr.
+++ Am Donnerstag und erneut am Samstag lädt das Studentenorchester Münster jeweils um 19:30 Uhr zum Benefizkonzert in die Mutterhauskirche der Franziskanerinnen. Zu hören sind Werke von Brahms, Bach und anderen. Der Eintritt ist kostenlos, aber es wird um eine Spende zugunsten des Johannes-Hospitzes gebeten.
Und sonst?
Die Stadt Münster lässt sich in Klimafragen von renommierten Fachleuten beraten. In der Runde fragen sich einige: Warum überhaupt?
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Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Anna Niere (ani), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Svenja Stühmeier
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PS
Das war wirklich ein trüber Montag. Womit soll man sich da noch aufheitern? Na ja, mit dem Reporterslam zum Beispiel, einer Veranstaltung, bei der – das klingt jetzt erst mal nicht so super – Journalistinnen und Journalisten auf der Bühne von ihren Recherchen erzählen. Vor sieben Jahren hat das Ganze auch schon in Münster stattgefunden. Das große Finale ist aber jedes Jahr in Berlin. Gewonnen hat am Wochenende, wie auch schon vor zwei Jahren, Cornelius Pollmer, seit Anfang Januar Ressortleiter bei der „Zeit“, genauer: bei der „Zeit im Osten“. Er erzählte auf der Bühne von einem absurd schönen Besuch bei der Stiftung Warentest in Sachsen, wo unter anderem Pommes auf ihren Bräunungsgrad überprüft werden. „Und ich finde das natürlich gut, wenn in Sachsen ab und zu mal Bräunungsgrade überprüft werden“, sagte Pollmer. Er erzählte von „Dauerhaftigkeitsprüfungen“ und einem „Rüttelprüfstand“, der Maschinen wie zum Beispiel Rasenmäher an ihre Grenzen bringt. Am Ende sagte Pollmer, und da hat er wirklich recht: „Als ich die Pommes dort sah, hab ich gedacht (…): Es ist so viel im Argen in der Welt, Kriege, Inflation, ihr wisst das alles. Aber – und das fasziniert mich – es gehen jeden Tag in Sachsen Ökotrophologen zur Arbeit, um den Bräunungsgrad von Pommes zu überprüfen.“ Hier geht’s zu seinem Auftritt. (rhe)

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